Die Kunst, Feuer zu machen - Daniel Hume - E-Book

Die Kunst, Feuer zu machen E-Book

Daniel Hume

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Beschreibung

Wer nur auf einen Schalter drücken will, der kauft sich einen Elektrogrill. Allen anderen ist klar: Feuer machen ist ein echtes Handwerk für Könner, eine hohe Kunst. Jeder Handgriff muss sitzen. Kenntnis, Geschick, das richtige Material. Hier gibt es kein Irgendwie. Jahrtausendealtes Wissen, von einer Generation zur anderen weitergegeben und weiterentwickelt. Wie hypnotisiert starren wir in das Flackern eines Feuers und spüren die Energie und die Gefahr. Feuer muss beherrscht werden. Es zieht uns magisch an. Es führt zusammen. Es kann unser Leben retten. Je dringender wir allerdings ein Feuer brauchen, desto schwerer ist es zu machen. Nirgendwo sonst rächen sich Unerfahrenheit oder Selbstzufriedenheit so bitter wie beim Feuermachen. Dieses Buch versammelt alles, was wir wissen müssen.

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Seitenzahl: 266

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Daniel Hume

Die Kunst, Feuer zu machen

Das Buch für echte Männer

 

Aus dem Englischen von Christoph Trunk

 

Über dieses Buch

 

 

Wer nur auf einen Schalter drücken will, der kauft sich einen Elektrogrill. Allen anderen ist klar: Feuer machen ist ein echtes Handwerk für Könner, eine hohe Kunst. Jeder Handgriff muss sitzen. Kenntnis, Geschick, das richtige Material. Hier gibt es kein Irgendwie. Jahrtausendealtes Wissen, von einer Generation zur anderen weitergegeben und weiterentwickelt. Wie hypnotisiert starren wir in das Flackern eines Feuers und spüren die Energie und die Gefahr. Feuer muss beherrscht werden. Es zieht uns magisch an. Es führt zusammen. Es kann unser Leben retten.

 

Je dringender wir allerdings ein Feuer brauchen, desto schwerer ist es zu machen. Nirgendwo sonst rächen sich Unerfahrenheit oder Selbstzufriedenheit so bitter wie beim Feuermachen.

Dieses Buch versammelt alles, was wir wissen müssen.

 

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de

Biografie

 

 

Mit 9 Jahren zeigte sein Vater ihm zum ersten Mal, wie man durch Reibung ein Feuer erzeugen kann. In diesem Moment war es um Dan Hume geschehen. Doch erst mit 14 Jahres gelang es ihm endlich, Holzstücke zum Rauchen zu bringen. Mittlerweile ist Daniel Hume DER Experte, wenn es um Feuer geht. Er arbeitet beim britischen Outdoor-Ausrüster und -Ausbilder Ray Mears Bushcraft und weiß alles über Outdoor-Abenteuer, die freie Natur und das Überleben in der Wildnis. Seine größte Leidenschaft aber gehört immer noch den roten Flammen. Dank seiner Reiselust ist Hume außerdem einer der wenigen Menschen, die sämtliche traditionellen Techniken des Feuermachens beherrschen.

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de

Impressum

 

 

Erschienen bei FISCHER E-Books

 

Die Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel »The Art of Fire. The Joy of Tinder, Spark and Ember« bei Century, einem Imprint von Penguin Random House UK, England

© 2017 Daniel Hume

Illustrations © 2017 Adam Doughty

 

Anmerkung des Lizenzgebers: Every reasonable effort has been made to contact all copyright holders, but if there are any errors or omissions, we will insert the appropriate acknowledgement in subsequent printings of this book.

 

Für die deutschsprachige Ausgabe:

© 2018 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main

 

Covergestaltung: Schiller Design, Frankfurt am Main

Coverabbildung: Illustration © 2017 Adam Doughty und Shutterstock

 

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

ISBN 978-3-10-490677-5

 

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Inhalt

Einführung

Kapitel 1 Glut und Zunder

Glut

Zunder

Birkenrinde

Faserige Rinde

Äußere Rinde (Borke)

Innere Rinde (Bast)

Trockenes Gras

Trockene Blätter

Pflanzenflaum

Trockene Holzspäne

Trockenes, verrottendes Holz

Pilze

Zunderschwamm (Fomes fomentarius)

Kohlen-Kugelpilz (Daldinia concentrica)

Chaga (Inonotus obliquus)

Dung von pflanzenfressenden Tieren

Dünne Zweige

Feuerreste

Gummi

Kerzen

Flechten

Kapitel 2 Quirlbohrer

Der Gebrauch des Quirlbohrers

Herstellung eines Quirlbohrers

Geeignetes Holz für den Bohrer

Geeignetes Holz für den Herd

Herstellung des Bohrstabs

Der perfekte Bohrstab

Der gespleißte Bohrstab

Herstellung des Herdes

Wie man ein Feuer entfacht

Entzündung des Zunders

Kapitel 3 Fiedelbohrer

Der Gebrauch des Fiedelbohrers

Herstellung eines Bohrsets mit Schnur

Geeignetes Holz

Der Bohrstab

Das Handstück

Der Herd

Der Bogen

Die Schnur

Knebel

Wie man mit dem Fiedelbohrer ein Feuer entfacht

Wie man Feuer mit Hilfe von Knebeln macht

Kapitel 4 Feuerpflug

Der Feuerpflug

Herstellung eines Feuerpflugs

Geeignetes Holz

Der Feuerpflug

Der Herd

Wie man mit dem Feuerpflug ein Feuer entfacht

Kapitel 5 Feuersäge

Anwendung der Feuersäge

Die Bambus-Feuersäge

Herstellung eines Feuersägen-Sets aus Bambus

Der Herd

Die Säge

Anmachholz

Feuer machen

Solo für eine Feuersäge

Im Duett

Feuersägen aus Vollholz

Speerschleuder und Schild

Nutzen vorhandener Risse

Spaltholz-Feuersäge

Geeignete Hölzer

Kapitel 6 Feuerschnur

Verwendung der Feuerschnur

Notfeuer

Herstellung eines Feuerschnur-Sets

Der Herd

Die Schnur

Feuermachen mit einer Feuerschnur

Drahtschlinge und Munitionstreibmittel

Kapitel 7 Feuerpumpe

Herstellung einer traditionellen Feuerpumpe

Geeignete Hölzer

Der Zylinder

Der Kolben

Zunder

Feuermachen mit einer Feuerpumpe

Kapitel 8 Funken

Funken

Pyrit

Feuermachen mit Pyrit

Stahl

Herstellung eines traditionellen Feuerschlägers aus Stahl

Cereisen-Stab

Funkenschlagen mit dem Cereisen-Stab

Bambus

Feuermachen mit Bambus

Kapitel 9 Sonnenenergie, Elektrizität und Chemikalien

Die Sonne

Das Vergrößerungsglas

Wie man ein Brennglas improvisiert

Feuermachen mit einem Vergrößerungsglas

Geeigneter Zunder

Der Parabolspiegel

Wie man einen Brennspiegel improvisiert

Feuermachen mit dem Parabolspiegel

Geeigneter Zunder

Elektrizität

Chemikalien

Kaliumpermanganat und Zucker

Kaliumpermanganat und Frostschutzmittel

Streichhölzer

Wie man Streichhölzer trocknet

Wie man Streichhölzer entzündet

Kapitel 10 Von der Flamme zum Feuer

Die Kunst des Feuermachens

Der richtige Ort für ein Feuer

Wie man ein Feuer in Gang bringt

Der erste Schritt: die Unterlage

Feuermachen mit dünnen Zweigen

Feuermachen mit Spaltholz

Feuermachen mit Holzspänen

Spanbüschel

Federstöcke

So vermeiden Sie beim Feuermachen gängige Fehler

Unpassendes Brennmaterial

Zu langsames Nachlegen

Zu viel Spielerei

Zu flaches Feuer

Zu steiles Feuer (Tipi-Feuer)

Zu eng gepacktes Brennmaterial

Kapitel 11 Ein Feuer anlegen, unterhalten und entsorgen

Wie man mit Feuer umgeht

Brennholz

Andere Brennmaterialien

Dung

Ölschiefer

Torf

Brennmaterial sammeln und aufbewahren

Feuerformen

Schnelles Feuer für die Rast

Langfeuer aus Baumstämmen

Überkreuzfeuer

Indianerfeuer

Sternfeuer

Finnenfeuer (Raappanan)

Feuer auf Schnee

Feuer bei starkem Wind

Kiefern-Astknoten

Übernacht-Feuer

Feuer transportieren

Feuer entfachen

Aufräumen nach dem Feuer

Holzöfen und offene Kamine

Gefährliches Kohlenmonoxid

Dank

Einführung

Feuer ist die älteste Energiequelle der Menschheit. Bestimmt hat das in unseren Genen eine Liebe zum Feuer hinterlassen.

LARS MYTTING

 

Haben Sie schon einmal wie hypnotisiert in das rot-orangene Flackern eines Feuers gestarrt und sich belebt und voller Energie gefühlt? Das Phänomen des Feuers ist unauflöslich mit der Geschichte unserer Spezies verwoben, und der Impuls, sich gemeinsam um ein Feuer zu kauern, Hände und Gesichter an den Flammen zu wärmen, ist eine der ältesten und am tiefsten in uns verwurzelten Regungen. Feuer zieht uns in seinen Bann, nimmt unsere Phantasie gefangen und stiftet ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Gemeinsamkeit. Es hat, wie manch anderes Wunder und Mysterium des Universums, die Macht, etwas tief in uns allen zum Schwingen zu bringen.

Seit Hunderttausenden von Jahren scharen sich Menschen in jedem Winkel der Erde um das Feuer – seien es die San in der Kalahari, die zur Heilung eines kranken Kindes um ein Feuer tanzen, oder die samischen Rentierhirten im Norden Finnlands, die geduldig darauf warten, dass ihre auf dem Eis über offenem Feuer erhitzten Teekessel zu blubbern beginnen.

Feuer ist für uns alle von zentraler Bedeutung. Es ist nicht nur eine fundamentale, urtümliche Quelle von Licht, von Wärme und von Energie für die Nahrungszubereitung, sondern hat darüber hinaus eine einzigartige spirituelle und kulturelle Dimension. Das Feuer verbindet uns mit unseren Mitmenschen, mit unseren Gefühlen und mit unserer Geschichte. Es ist unseren Erinnerungen eingeschrieben und hat einen prägenden Einfluss auf uns und unser Zusammenleben.

Meine eigenen Erinnerungen an Feuer sind wie gestochen scharfe Schnappschüsse und genauso klar konturiert wie die Erinnerungen an das Auspacken heißersehnter Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke. Als ich gerade mal so groß war wie unser Kaminofen, half mein Vater mir, Zeitungsbögen mit verschmierter Druckerschwärze zusammenzuknüllen, die wir fein säuberlich auf den Feuerrost packten, um dann sorgfältig kleingespaltenes Kiefernholz darauf zu schichten. Wir wohnten in einem alten viktorianischen Haus mit hohen Decken und zugigen Winkeln, und in den kälteren Monaten brannte im Wohnzimmer immer ein offenes Feuer. Meistens verwendeten wir dafür Kohle, legten manchmal aber auch irgendein Stück Holz auf, das wir loswerden wollten. Die Streichhölzer und Feuerzeuge wurden in einer alten blauen Blechdose mit rostigen Kanten verwahrt, in größtmöglicher Höhe in der Küche, so dass sie für mich und die kleinen, furchtlosen Hände meiner Brüder nicht erreichbar waren.

Ich bin der älteste von drei Brüdern. Ben, Sam und ich wuchsen auf dem Land auf, im Tal des Stour an der Grenze der Grafschaften Essex und Suffolk. Wie viele der Kinder dort trieben wir uns die meiste Zeit draußen herum, stromerten durch Wiesen und Wälder und starrten oft vor Dreck, wenn wir nach Hause kamen. Dann ging es in die Badewanne, und danach stand ich, in ein Badetuch gewickelt, vor dem Kamin, bis ich ganz trocken und aufgewärmt war. Als ich älter wurde, übertrugen mir meine Eltern nach und nach mehr Verantwortung für die Öfen im Haus. Bald war ich in der Lage, den Ofen im Wohnzimmer allein anzufeuern. Ich holte mir einen Stuhl, um an die blaue Blechdose mit den Streichhölzern heranzukommen. Oft machten wir im Garten ein riesiges Lagerfeuer, und manchmal fertigte unser Vater eine Fackel für uns an. Dazu nahm er einen kurzen Ast vom Holzstoß, wickelte ein Stück Sackleinen um das eine Ende, goss Pflanzenöl darüber und zündete die Fackel an. Er reichte sie mir, und ich betrachtete sie voller Ehrfurcht. Meine Brüder und ich fanden das toll, bekamen aber auch beigebracht, wie wichtig es ist, Respekt vor der ungeheuren Macht des Feuers zu haben.

Als wir älter wurden, nahm die Zeit, die wir draußen spielend und auf Entdeckungstouren verbrachten, eine andere Bedeutung für mich an. Ich träumte Tag und Nacht von der Wildnis und stürzte mich wissbegierig auf alles, was mir dabei helfen konnte, in sie vorzudringen. Unsere Familie ist seit über 350 Jahren in der Gegend ansässig, und ich dachte an kaum etwas anderes mehr, als dieselben Pfade wie meine Verwandten und meine Vorfahren zu beschreiten und so viel wie möglich über die Natur zu lernen. Als Kind verschlang ich alles, was ich an Lesestoff über das Leben unter freiem Himmel und über das Feuermachen finden konnte. Treffsicher und schnell ein Feuer in Gang bringen zu können ist eine der wichtigsten Fertigkeiten für alle, die das Abenteuer in der freien Natur suchen, doch gibt es nur wenige Texte, die dieses Thema umfassend behandeln und auf eigener Erfahrung der Autoren beruhen.

Mit siebzehn begann ich für Woodlore Limited zu arbeiten, die führende britische Schule für Outdoor-Überlebenstechniken und Spurenlesen – ein Job, der mir viel Freude machte. Im Jahr 2017 habe ich meinen Posten als Teamchef nun abgegeben, unterrichte aber weiterhin an der Schule. So viel wie möglich über die Natur zu lernen hat einen hohen Stellenwert in meinem Leben, und ich bin viel gereist, um die Rolle, die das Feuer im Leben der Menschen und in den Kulturen der Welt spielt, besser zu verstehen.

In diesem Buch werde ich ganz konkret und Schritt für Schritt erläutern, was es mit den verschiedenen Methoden des Feuermachens auf sich hat, und mich dabei auf die Erfahrungen stützen, die ich auf Reisen und bei der Vermittlung der Verfahren und Traditionen des Feuermachens gesammelt habe. Ich werde auch einige tiefergehende Aspekte des Themas aufgreifen und zeigen, welche Rolle dem Feuer in Geschichte, Kultur und Spiritualität zukommt und wie es die Welt, durch die wir uns bewegen, entscheidend mitgeprägt hat.

Kapitel 1Glut und Zunder

Mit acht Jahren hörte ich eines Tages auf dem Spielplatz der Grundschule, dass es möglich sei, mit Reibungshitze Feuer zu erzeugen. Sein Vater, so erzählte mir ein Freund, habe ihm gesagt, dass eine Flamme entstehen kann, wenn man zwei Holzstücke aneinanderreibt. Die Idee begeisterte mich, und ich wollte unbedingt mehr darüber wissen. Das Survival-Handbuch von John Wiseman wurde zu meiner bevorzugten Bettlektüre. Die Seiten waren bald ziemlich abgegriffen und pappten zusammen, wo Schmutz darauf gekommen war. Ich begann zu Hause mit jedem Stück Holz zu experimentieren, das ich im Garten finden konnte, zum Beispiel mit einer Zaunlatte, die ich zu einem primitiven Feuerpflug umzufunktionieren versuchte. Dass ich damit scheiterte, ist nicht weiter verwunderlich.

Mit zehn war ich so weit, dass ich im Garten meine eigenen Lagerfeuer machte. Mit der Zeit wurde ich sehr geschickt darin, den Kaminofen im Haus anzufeuern, wofür ich nur ein oder zwei Minuten brauchte. Ich lernte, wie man ein Feuer kontrolliert abbrennen lässt, und beobachtete fasziniert, wie es lodert und wie es reagiert, wenn man Brennmaterial nachlegt. Im Garten richtete ich mir Feuerstellen aus Backsteinen her, um darauf zu kochen. Ich fand es großartig, unterm Sternenhimmel neben meinem Lagerfeuer zu liegen und vor dem Einschlafen zu beobachten, wie das Mondlicht auf der nach und nach erlöschenden Glut spielte.

Ich begann mich auch für andere Fertigkeiten zu interessieren, die für das Überleben in der Natur wichtig sind, mühte mich aber beharrlich weiter damit ab, Feuer mit Hilfe von Reibungshitze zu erzeugen. Ich versuchte es zunächst mit der Quirlbohrer- und der Fiedelbohrer-Methode. Jeden Tag, wenn ich von der Schule nach Hause kam, warf ich hastig den Ranzen in die Ecke, eilte in den Garten und unternahm einen neuen Anlauf. Nach und nach verstand ich mit dem Quirlbohrer recht geschickt umzugehen, auch wenn ich nur langsam Fortschritte machte, weil ich, ohne es zu wissen, eine sehr schwierige Holzart verwendete. Mit der Fiedelbohrertechnik tat ich mich dagegen viel schwerer: Es vergingen Stunden, Tage, Wochen und Monate, ohne dass ich das Gefühl hatte, meinem Ziel, ein Feuer zu entzünden, wirklich näher gekommen zu sein. Ich versuchte, mich bis ins kleinste Detail an das zu halten, was in Survival-Leitfäden stand, kam aber nur quälend langsam voran.

Selbst wenn mir die Frustration ins Gesicht geschrieben stand, war ich innerlich wild entschlossen, nicht aufzugeben, und versuchte es unbeirrt von allen Widrigkeiten weiter. Bald wusste ich nicht mehr, wie oft ich mir auf der Terrasse schon die Finger wundgescheuert hatte und wie oft die verschiedenen Teile des Fiedelbohrers, den ich verwendete, so weit abgenutzt waren, dass ich erneut auf die Suche nach einem geeigneten Stück Holz gehen musste, um mir Ersatz zurechtzuschnitzen. Trotz all dieser Schwierigkeiten dachte ich keine Sekunde lang ans Aufgeben – dafür sorgten schon kleinste Anzeichen des Vorankommens. Ich war fest davon überzeugt, dass ich es hinbekommen würde. Bei jedem neuen Anlauf registrierte ich kleine Verbesserungen, und hin und wieder gelang mir sogar ein großer Fortschritt, der mir neuen Auftrieb gab.

Ich war gerade vierzehn geworden, als meine Bemühungen eines Tages schließlich Früchte trugen. Auf dem Rasen beim Haus führte ich dieselben Schritte durch wie schon unzählige Male zuvor. Statt eines selbstgebastelten Bogens benutzte ich mittlerweile den aus meinem Pfeil-und-Bogen-Set, weil er länger war und ich das Gefühl hatte, dass ich damit eine effektivere Drehbewegung hinbekam. Ich zog den Bogen so fest hin und her, wie ich konnte, und sah, wie durch die Reibung zwischen Bohrer und Bohrbrett ein heißes schwarzes Pulver entstand und sich zu einem kleinen Häufchen auftürmte. Ich hatte das buchstäblich schon Tausende Male probiert, aber diesmal schien es wirklich zu klappen. Ich warf den Bogen zur Seite und starrte auf das Häufchen aus verkohltem Holzstaub, das sich gebildet hatte. Ich hatte mit dem Bohren aufgehört, und doch qualmte es von ganz allein weiter, wie eine Zigarre. Ein Glutnest, endlich – ich hatte es geschafft!

Ich war von meinem Erfolgserlebnis völlig überwältigt, und mir zitterten die Hände vor Freude und Erschöpfung. Doch ich war noch nicht am Ziel. Ich musste dieses schwache Glimmen am Leben halten und, bevor es erlosch, in eine Flamme verwandeln. Ich wartete einige entscheidende Sekunden ab, bis die Glut im Zentrum des Häufchens zu einem orangenen Leuchten angewachsen war, das wie der Krater eines Minivulkans aussah. Dann beschleunigte ich das Ganze, indem ich die Glut leicht anpustete, ganz vorsichtig, damit sie nicht ausging. Stellen Sie sich die Spitze einer Zigarre vor, an der jemand zieht: Auf so ein Glühen wartete ich. Und da war es – das Signal für mich, dass ich die Glut jetzt mit einem Zunder zusammenbringen konnte.

Mir wurde plötzlich klar, dass ich keinen Zunder bei mir hatte, und mein Herzschlag beschleunigte sich. Im Garten um mich herum war alles feucht. Nicht nur mein Puls ging schneller, auch meine Gedanken rasten. Ich spurtete hinüber zum Kaninchenstall und schnappte mir hastig eine Handvoll Stroh aus dem Nest unseres heißgeliebten Löwenkopfkaninchens Leo. Als ich mit dem Zunderbündel in der Hand zurückkam, sah ich erleichtert, dass noch immer ein Rauchfaden aufstieg. Ich packte den kleinen Holzspan, in dem das Glutnest saß, hob ihn vom Boden hoch, schob ihn in das Strohbündel und begann vorsichtig zu pusten. Die Glut leuchtete jedes Mal auf, wenn der sachte Luftstoß auf sie traf, und verstärkte sich in dem Maße, in dem sie ihre Hitze an das umgebende Zundermaterial weitergab. Etwa dreißig Sekunden lang schwoll die Glut immer weiter an, bis ich es schließlich prasseln hörte. Eine helle Flamme umschloss das Strohbündel – und meine Finger. Ich ließ das Bündel zu Boden fallen. Die Flammen zehrten das Strohbündel auf und versengten den Rasen. Ich vollführte einen Freudentanz, überließ die schwelenden schwarzen Aschereste sich selbst und rannte ins Haus, um allen von meinem Glück zu erzählen. Ich hatte nicht nur dort im Garten eine Flamme entfacht, sondern auch tief in meinem Inneren. Da lodert sie, lange nachdem der Wind die Aschereste fortgeweht hat, noch immer.

Glut

In diesem Buch werde ich Ihnen eine Vielzahl von Möglichkeiten vorstellen, ein Feuer zu entfachen und so in Gang zu halten, wie Sie es brauchen. Dabei hängt zunächst einmal alles davon ab, auf welche Weise wir den allerersten Hitzeherd erzeugen. Die Methoden lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen. Manche wie etwa die mit Streichhölzern und modernen Zündvorrichtungen führen auf direktem Weg zu einer Flamme, während bei anderen zunächst nur Glut entsteht. Allgemein lässt sich sagen, dass uns ältere Techniken, die meist auf die Erzeugung eines Glutnests zielen, viel Sorgfalt und Geduld abverlangen und dass wir guten Zunder bereithalten müssen.

Zunder

Zunder ist ein Sammelbegriff für ganz unterschiedliche Materialien, die aber alle demselben Zweck dienen, nämlich den allerersten winzigen Hitzeherd, ob es sich nun um einen Funken oder ein Glutnest handelt, einzufangen, am Leben zu halten und auf das nächste Brennmaterial zu übertragen. Die Wahl des Zunders sollte sich nach der jeweiligen Methode richten, mit der der anfängliche Hitzeherd erzeugt wird. Bei den meisten Zündmethoden entsteht nur kurzfristig ein winziges Quantum an Hitze, so dass der Zunder perfekt – also vollkommen trocken – sein muss. Manche Methoden funktionieren nur dann, wenn der Zunder feinfaserig ist.

Sobald Sie ein stabiles Feuer vor sich haben, tut es dann möglicherweise auch ein Brennstoff, der eigentlich einiges zu wünschen übriglässt. Dagegen muss Ihr Zunder wirklich einwandfrei sein, weil der Hitzepunkt, von dem alles ausgeht, gewöhnlich winzig klein ist. Ist der Zunder nicht vollkommen trocken, werden Sie kurz vorm Ziel scheitern, nachdem Sie den Kampf doch schon halb gewonnen hatten.

Wer sich häufig in der Wildnis bewegt, wird unterwegs immer Ausschau nach geeignetem Zundermaterial halten und jede Gelegenheit nutzen, es zu sammeln. Wenn er irgendwo zufällig auf Zunder stößt, macht er kurz Halt, um sich eine Handvoll in die Jacke zu stecken oder irgendwo im Rucksack zu verstauen. Ein unerfahrener Zeitgenosse dagegen gerät leicht in die missliche Situation, dass er nach einem Regenguss seinen Lagerplatz für die Nacht später als vorgesehen erreicht. In Gedanken ist er schon bei einer warmen Tasse Tee und beim Abendessen, doch die Dämmerung rückt bedrohlich schnell heran. Da er mit wenig Gepäck unterwegs ist und keinen Gaskocher dabeihat, ist er auf eine Feuerstelle angewiesen, um einen Kessel oder Topf erhitzen zu können, muss aber feststellen, dass nicht nur seine Hände nass sind, sondern auch der ganze Wald um ihn herum noch trieft.

Selbst unter schlimmsten Wetterbedingungen und in unvorhergesehenen Situationen gibt es immer eine Möglichkeit, ein Feuer zu entzünden, doch mit ein wenig Vorausplanung können wir uns das Leben einfacher, sicherer und deutlich angenehmer machen. In Survival-Kursen habe ich einen Rat bekommen, den ich Ihnen gern weitergeben möchte: Achten Sie, wenn Sie mit einem erfahrenen Begleiter in der freien Natur unterwegs sind, sehr genau darauf, was er tut und in welcher Reihenfolge er es tut. Sein Vorgehen ist von einer Komplexität und unspektakulären Differenziertheit, deren Feinheiten man leicht übersieht. Wenn Sie ihn aber aufmerksam beobachten und Ihre eigenen Bemühungen und Erfahrungen hinzunehmen, kann das äußerst aufschlussreich sein und Sie zu Einsichten bringen, zu denen Sie allein durch Lesen oder in einem Workshop nie gekommen wären.

Je dringender wir ein Feuer brauchen, desto schwerer ist es in der Regel zu machen. Lücken und Schwachstellen in unserem Repertoire an Überlebenstechniken treten unweigerlich irgendwann zutage. Die Natur bringt sie zum Vorschein, und bei keiner Fertigkeit rächen sich Unerfahrenheit oder Selbstzufriedenheit so bitter wie beim Feuermachen. Entscheidend ist dabei stets, inwieweit wir auch den winzigsten Details Beachtung schenken.

Bei der Suche nach Zunder müssen Sie den Namen einer Pflanzen- oder Baumart nicht kennen oder gar mit ihr vertraut sein, um entscheiden zu können, ob sie sich dafür eignet. Natürlich kann es von Nutzen sein, sich über die Pflanzen einer Region, die Sie ansteuern, kundig zu machen, denn es können, vor allem in den Tropen, auch welche mit schädlichen Wirkungen darunter sein. Sieht man aber davon einmal ab, ist das Grundprinzip ganz einfach: Zum Feuermachen lässt sich im Allgemeinen alles verwenden, was trocken und faserig ist und sich schnell und in der notwendigen Menge beschaffen lässt.

Manche Sorten Zunder eignen sich nur für eine einzige Methode, während andere »Multitalente« sind. Bei fast allen traditionellen Methoden des Feuermachens, die es auf der Welt gibt, besteht der Zunder aus pflanzlichem Material; tierische Substanzen finden sich eher selten. Allerdings gibt es interessante Berichte über Naturvölker, die von Vögeln abgeworfene Daunenfedern sammeln. Und auch die von der südamerikanischen Ameisenart Polyrhachis bispinosus gesponnene filzähnliche Nestauskleidung soll zu diesem Zweck benutzt werden.

Zunderbündel aus Palmblättern und Bambus-Spanholz, gesammelt vom Stamm der Semai, Bundesstaat Penang, Malaysia

Die Bezeichnung Zunder ist nicht auf natürlich vorkommende Materialien beschränkt. Auch viele moderne Produkte lassen sich als Zunder verwenden. Auf Reisen liegt es nahe, in der Natur vorkommende Materialien zu nutzen, weil sie oft in unbegrenzter Menge zur Verfügung stehen. Zunder, den wir zu Hause für die Exkursion eingepackt haben, rühren wir am besten nur an, wenn es nicht anders geht. Es ist beispielsweise ratsam, ein paar chemische Anzünder dabeizuhaben, die man vielleicht nie braucht, bei Bedarf aber verfügbar sind. In der folgenden Liste, die keineswegs erschöpfend ist, stelle ich einige geeignete Materialien vor. Den Teilnehmern meiner Kurse empfehle ich immer, sich mit einigen davon vertraut zu machen und die zugrundeliegenden Prinzipien dann später auf ihren eigenen Reisen, in welcher Weltregion auch immer, anzuwenden.

Birkenrinde

Die papierartige, mehrschichtige Außenhaut der Birke enthält die leicht entflammbare Substanz Betulin und lässt sich in Bahnen beliebiger Größe vom Stamm ablösen. Falls Sie ein Messer benutzen, um Rinde vom Stamm zu entfernen, sollten Sie Bäume auswählen, die abgestorben und umgestürzt sind. Ein gesunder Baum, der entrindet wurde, ist kein schöner Anblick – und kann, wenn Sie unsachgemäß vorgehen, sogar absterben. Freilich ist auch die Rinde von Bäumen, die noch stehen, gut verwendbar und wird in Gegenden, wo Birken wachsen, von Einheimischen gern genutzt, um daraus Behälter und andere Gegenstände herzustellen, für die die Rinde biegsamer sein muss als die, die ein toter Baum hergibt. Oft werden Sie feststellen, dass die Rinde sich von allein abzuschälen beginnt. Sie können sie dann weiter abziehen, wobei Sie sorgsam darauf achten sollten, nicht mehr zu entfernen, als von ganz allein abgeht.

Falls Sie keine Bäume finden, bei denen die Rinde sich bereits abzulösen beginnt, suchen Sie am besten nach einem umgestürzten Stamm und schneiden ihn mit der Spitze Ihres Messers in Längsrichtung bis zur holzigen Innenrinde ein. Dann können Sie die Rinde mit den Fingern abziehen oder, falls sie zu widerspenstig ist, das Ende eines Stocks, der die passende Größe hat, so zurechtschnitzen, dass er die Form eines flachen Schraubendrehers hat – eines »Schäleisens« –, und die Rinde damit vom Stamm schälen. In Großbritannien und Ländern mit ähnlich mildem Klima werden Sie dazu keine allzu tiefen Schnitte setzen müssen. In Regionen mit kälteren Wintern werden Sie dagegen feststellen, dass die Rinde mehr Schichten aufweist und erstaunlich dick sein kann – je dicker, desto besser. Im Übrigen ist Birkenrinde insofern ungewöhnlich, als die Brennbarkeit in durchnässtem Zustand zwar etwas eingeschränkt, aber durchaus noch gegeben ist, solange man nur die äußere Schicht durch Abschütteln weitgehend vom Wasser befreit und sie am Hosenbein trockentupft.

Im Wesentlichen gibt es zwei Möglichkeiten, Birkenrinde anzuzünden. Die schnellste und direkteste ist die mittels Feuerzeug oder einer anderen Flamme. Die Rinde muss dafür nicht präpariert werden. Man hält die Flamme einfach an die Kante der Rinde, die binnen kurzem auflodern wird. Falls keine direkte Flamme verfügbar ist, lässt sich das Ganze auch leicht mit Funken bewerkstelligen. Dazu muss man die Rinde präparieren, indem man die helle Außenschicht mit einer scharfen Kante abschabt und sich so ein etwa golfballgroßes Knäuel aus feinen trockenen Fasern verschafft. Dieses können Sie dann mit dem Funken eines Cereisen-Stabs (auch Feuerstahl genannt) leicht entzünden; die Rindenstreifen sollten sofort in Flammen aufgehen. Wenn Birkenrinde einmal richtig brennt, ist sie nur schwer zu löschen. Ihre Brennbarkeit ist vergleichbar mit der von haushaltsüblichen chemischen Anzündern, und auch der aufsteigende Rauch ist schwarz.

Solange die Flammen aber noch nicht Fuß gefasst haben, müssen wir sorgsam mit ihnen umgehen. Andernfalls kann es leicht passieren, dass sie versehentlich ausgehen. Birkenrinde neigt dazu, sich bei großer Hitze aufzurollen und sich dabei selbst zu ersticken. Um das zu vermeiden, können Sie sie entlang der Maserung wie eine Ziehharmonika auffalten, so dass eine Art Fächer entsteht, oder Sie können sie in viele lange dünne Streifen reißen und sie zu einem tennisballgroßen Päckchen aufzwirbeln. Diese beiden Methoden funktionieren gut, falls Sie mit einer direkten Flamme arbeiten, sie sind für den Einsatz von Funken aber wenig geeignet. Im letzteren Fall sollten Sie sowohl darauf vorbereitet sein, die Rinde aufgeklappt zu halten, damit sie sich nicht aufrollen kann, als auch darauf, die dünnsten Rindenstreifen sogleich in die allerersten Flammen zu geben.

Faserige Rinde

Es gibt unzählige Pflanzen- und Baumarten, deren äußere Schicht sich als Zunder eignet. Sie lassen sich in zwei Hauptgruppen unterteilen: die mit einer brauchbaren äußeren Rinde und die mit einer brauchbaren inneren Rinde. Beide Varianten sind nicht schwer zu beschaffen. Wichtig ist stets, dass die Rinde so trocken und faserig wie möglich sein sollte. Das erreichen Sie in der Regel dadurch, dass Sie das Material mit den Fingern zerteilen, um es dann kräftig zwischen den Händen zu reiben. Dadurch bekommt die Rinde eine wesentlich feinere Struktur und ist dann leichter entflammbar.

Äußere Rinde (Borke)

Ob sich Außenrinde als Zunder eignet, ist oft leicht zu erkennen. Geht es hingegen um die innere Rinde einer Pflanze, muss man dies im Allgemeinen erst einmal genauer prüfen. Die Borke hängt oft in Streifen vom Hauptstamm oder beginnt sich zumindest davon abzulösen. Sie lässt sich dann, etwa bei einer Birke, recht leicht abziehen. Sofern es nicht vor kurzem geregnet hat, ist die Rinde lufttrocken und muss vor Gebrauch kaum noch (und wahrscheinlich gar nicht mehr) weiter getrocknet werden. Bei manchen Baum- und Pflanzenarten sind diese Dinge nicht unmittelbar ersichtlich. Allerdings dürfte deutlich zu erkennen sein, inwieweit die Rinde eine faserige Beschaffenheit hat, die auf eine mögliche Eignung hindeutet und eine genauere Prüfung sinnvoll erscheinen lässt. Verwertbare Außenrinde liefern zum Beispiel Geißblatt, Waldrebe (Clematis), Weidenröschen, Rotzeder und Wacholder.

Innere Rinde (Bast)

Die Innenrinde versteckt sich, wie der Begriff nahelegt, unter der Außenrinde. Bei manchen Baumarten besteht die Innenrinde aus einem sehr faserigen, strähnigen Material, an das man schnell herankommt. Halten Sie nach umgestürzten Bäumen Ausschau, deren Borke sich bereits zu zersetzen beginnt. Entfernen Sie diese und schauen Sie darunter. Falls Sie ein gutes Exemplar vor sich haben, können Sie ordentliche Streifen und lange, faserige Stücke trockener, abgestorbener Rinde abziehen. In manchen Fällen ist aber ein wenig mehr Fummelei nötig. Oft ist die Innenrinde auch feucht, aber sofern es nicht regnet und ein leichter Wind geht, lässt sie sich in kurzer Zeit trocknen, indem man die Streifen senkrecht an Bäumen aufhängt. Man kann sie zum Trocknen auch in die Hosen- oder Jackentasche stecken, doch funktioniert diese Methode nach meiner Erfahrung weniger gut. Die beste Lösung bei gutem Wetter ist, die Rinde zum Trocknen aufzuhängen. Beispiele für Bäume mit ergiebiger Innenrinde sind Esskastanie, Pappel, Linde und Eiche. Auch die innere Schicht von Kokosnusschalen eignet sich gut.

Trockenes Gras

Die Vegetation, die die Landoberfläche der Erde bedeckt, besteht zu etwa 20 Prozent aus Gräsern, von denen es über 11000 bekannte Arten gibt. Getrocknetes Gras wird auf der ganzen Welt als Zunder verwendet und erfüllt diesen Zweck sehr gut. Das Gras, das Sie sammeln, muss verwelkt und trocken sein. Am besten eignen sich Gräser, deren Halme nicht rund, sondern dünn und breit sind, denn sie haben eine größere Oberfläche und sind deshalb leichter entflammbar. Gras lässt sich sehr schnell und einfach sammeln. Kämmen Sie mit den Fingern die welken Halme aus den noch nicht abgestorbenen heraus.

Trockene Blätter

Beim Stichwort trockene Blätter denkt man zunächst einmal an abgeworfenes Laub. Solche Blätter geben aber in der Regel keinen guten Zunder ab. Sie schwelen oft nur vor sich hin, und eine stetig brennende Flamme bekommt man nur mit beträchtlicher Anstrengung und Beharrlichkeit zustande. Meist liegen sie ja auch am Boden, wo sie Feuchtigkeit ausgesetzt sind.

Eine Frau facht Zunder an, der aus zerkleinerten Blättern und dem tuchähnlichen Material vom Stamm einer Palme besteht, Provinz Neuirland, Papua-Neuguinea

Die besten Blätter für unseren Zweck liefert Farn vom letzten Jahr. Farne sind glücklicherweise eine große Pflanzenfamilie und recht weit verbreitet. Wenn Sie auf Zunder aus sind, der zusammen mit Funken oder kleinen Glutnestern funktioniert, sollten Sie konsequent nur die kleinsten Blätter und dünnsten Stängel sammeln. Dickere Stängel erschweren das Feuermachen nur unnötig. Falls der Farn tau- oder regenfeucht ist, überlassen Sie, falls möglich, dem Wind das Trocknen. Die Idee, feuchte Blätter aufzusammeln und sie zu trocknen, indem man sie auf dem Boden ausbreitet oder in eine Tasche steckt, mag plausibel klingen, doch Sie werden feststellen, dass die Blätter viel schneller trocken werden, wenn Sie sie lassen, wo sie sind. Fassen Sie die Farnstängel beim Sammeln vorsichtig an, denn sie können sehr scharfe Kanten bilden, wenn man sie zerdrückt. Ich habe schon einige tiefe Schnittwunden gesehen, die vom Hantieren mit Farn stammten.

Pflanzenflaum

Eine Reihe von Pflanzen hat flaumige Fruchtstände, die sich als Zunder verwenden lassen. Beispiele dafür sind: Waldrebe (Clematis), Weidenröschen, Wollgras und die Kätzchen der Salweide. Zu den besten und ergiebigsten Quellen von Zunder, die in den Tropen aufzutreiben sind, zählen die großen Samenhülsen, die den Kapokbaum schmücken und mit einem baumwollartigen, als Kapok bezeichneten Flaum gefüllt sind. Die Hülsen lassen sich, soweit sie in Reichweite sind, direkt vom Baum pflücken oder, bei trockenem Wetter, vom Boden aufsammeln. Noch bessere Brenneigenschaften haben die flauschigen Schuppen, die sich direkt vom Stamm der Fischschwanzpalme, auch Brennpalme genannt, abnehmen lassen.

Kapok-Fruchtstand von der indonesischen Insel Komodo

Trockene Holzspäne