Die Mami-Falle - Birgit Ehrenberg - E-Book

Die Mami-Falle E-Book

Birgit Ehrenberg

0,0
5,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Schluss mit dem weiblichen Perfektionismus: Es gibt ein Leben jenseits der Krabbelgruppe. Ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Selbstbestimmung junger Mütter.

Rosarot und himmelblau – so zeichnet die Werbung das Leben als Mutter. Der Alltag sieht anders aus: kein Schlaf, kein Job, kein Sex, keine gute Figur, keine sozialen Kontakte. Trotzdem macht Birgit Ehrenberg Frauen Mut, sich mit offenen Augen auf das Abenteuer Kind einzulassen, ohne ihr eigenes Leben dabei aufzugeben. Sie schildert sehr authentisch, wo die Fallstricke der „Muttierung“ (Focus) in den ersten Jahren mit Kind lauern, und wie man sie umgeht.

Aus dem Buch:
„Die Mutter hat es bitter nötig, wieder wahrgenommen zu werden, und zwar nicht nur als Bezugsperson für das Kind, sondern als ein eigenständiges Individuum.“
„ Lassen Sie es sich von einer erfahrenen Mutter sagen: Es wird nirgendwo so viel gelogen wie in Baby-Gruppen und auf Spielplätzen!“
„ Sind Sie wirklich sicher, dass Sie genau wissen, was Ihr Mann über Ihren Tagesablauf denkt? Mir haben erschreckend viele Männer gebeichtet, dass sie nicht wirklich einverstanden sind mit dem Hausfrauenmodell. Sie finden es ungerecht, dass die ganze Last auf ihren Schultern ruht.“

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 225

Veröffentlichungsjahr: 2009

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis
Buch
Autorin
Widmung
Vorwort
Einleitung
Copyright
Buch
Sie ist wunderschön, aber auch sehr hart - die erste Zeit mit dem Baby. Die meisten Elternratgeber zeichnen ein rosarotes Bild: glückliche Schwangerschaft, glückliche Geburt, glückliches erstes Jahr. Doch die Wahrheit sieht oft anders aus: kein Schlaf, kein Job, kein Sex, keine sozialen Kontakte, keine gute Figur. Birgit Ehrenberg warnt vor der Verdrängung dieser Probleme und macht Mut, sich mit offenen Augen auf das Abenteuer Mutterschaft einzulassen. Denn wer von vornherein weiß, was ihn erwartet, wird vor Enttäuschung und Verdrängung bewahrt. Die Autorin betont: Die Mutterrolle allein macht nicht glücklich. Menschlich und liebevoll, aber auch schonungslos ehrlich schildert sie von der Schwangerschaft bis zum Kindergartenalter, wo die Fallstricke liegen und wie man sie umgeht. Denn es gibt ein Leben jenseits der Krabbelgruppe.
Autorin
Birgit Ehrenberg, Jahrgang 1962, ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und seit vielen Jahren erfolgreiche Kolumnistin in Sachen Liebe und Partnerschaft. Sie schreibt regelmäßig für verschiedene Zeitungen und Magazine. Ihre Kolumne »Liebe leicht gemacht« erscheint jede Woche in »Frau im Spiegel«.
Widmung
Für meine Mutter Rosa Ehrenberg, meine Oma Elvira, für meine Kinder Nele und Elias
Vorwort
Kinder machen glücklich!
Ich hatte nie den Wunsch, eine Familie zu gründen. Ich wollte partout keine Kinder und habe schon als junges Mädchen davon geträumt, in Italien zu leben und Bücher zu schreiben. Ich wünschte mir einen freien Blick aufs Meer, in mich hinein und in die Seelen anderer Menschen, unverstellt von Zwängen, wie sie meines Erachtens die Mutterschaft und damit die Rückbesinnung auf eine sehr traditionelle Rolle mit sich bringen würde. Mein Traum: eine Art weiblicher Hemingway an der Adria. Wüst und wild, schöpferisch und zugleich zerstörerisch - in jeder Hinsicht unkonventionell. Eher typisch männlich als typisch weiblich. Dazu passten keine Kinder.
Dieses Bild gefällt mir heute noch, obwohl ich es inzwischen aus der Distanz betrachte, es mir wie ein flüchtiger Schatten aus einem anderen Leben und nicht mehr begehrenswert erscheint. Ich führe nun ein ziemlich bürgerliches Leben. Wüst und wild bin ich nur noch gelegentlich. Unkonventionell und schöpferisch jeden Tag, selbstzerstörerisch nie, weil ich glücklich bin. Ich bin heilfroh, dass ich mit Mitte dreißig plötzlich schwanger wurde und Nele zur Welt brachte. Was für ein Geschenk. Als ich meine Tochter zum ersten Mal ansah, wusste ich, dass ich den größten Fehler meines Lebens gemacht hätte, wenn ich kinderlos geblieben wäre. Dieses winzige, rührende und doch so gewaltig große Leben. Diese Ehrfurcht. Nie war ich der Schöpfung, nie war ich Gott näher, obwohl ich an Gott in meinem schnellen Leben bis dahin kaum einen wirklich ernsthaften Gedanken »verschwendet« hatte.
Ich habe damals gesagt, dass die Geburten meiner Kinder das sein werden, an das ich denke, wenn ich eines Tages sterbe. Wieso ich in diesem wunderbaren Moment an den Tod dachte? Er war bedeutungslos.
Ich weiß, es klingt kitschig-naiv in einer rationalen Welt, die sich alles selbst erklärt, aber heute frage ich mich, wie ein Mensch mit Kindern Atheist sein kann. Oder warum sich immer mehr Frauen und Männer tatsächlich bewusst gegen Kinder entscheiden. Nichts liegt mir ferner als das Feindbild »Kinderlose« an die Wand zu malen. Ich finde es nur schade, sich die fundamentalste Art der Liebe entgehen zu lassen. Liebe, die ohne jede Bedingung ist. Da ich die Liebe zwischen Mann und Frau kenne, so wie die Liebe zu Kindern, kann ich sagen: An die Liebe zu Kindern reicht die Liebe zu einem Mann nicht heran. Das sehen viele Mütter so. Für jemand wie mich, der viel verlangt vom Leben, nichts auslassen möchte, der ausschweifend lebenshungrig ist, sind Kinder genau das Richtige. Diesen Hunger lindern Kinder nicht nur. Sie machen satt, aber nicht träge. Ich wundere mich, welche Energie meine Kinder in mir mobilisiert haben.
Ein kluger Kopf hat einmal gesagt, dass jene Frauen keine Mutter werden wollen, die ihr eigenes unglückliches Kind in sich noch nicht überwunden haben. Die selbst nicht erwachsen sind, die bewusst oder unbewusst in ihre Kindheit und deren Traumata verstrickt sind. Gleichgültig, was diese Frauen nach außen hin als Begründung anführen - da ist auf jeden Fall etwas dran. Ich weiß es aus eigener Erfahrung. Ich habe das Kinderkriegen abgelehnt, weil ich meine eigenen kindlichen Sehnsüchte noch nicht gestillt hatte. Kinder sind nicht nur auf emotionaler Ebene das Größte, sie geben einem auch intellektuell eine Chance, sich selbst zu erkennen, sich neu zu erfinden, eine traurige Biographie abzustreifen wie eine alte Haut. In meinem Leben ist durch die Kinder alles besser geworden, doch eben nicht auf traditionelle Weise. Weil ich mich den klassischen Zwängen der Mutterschaft nicht gefügt und mich nicht zurückgezogen habe in den Bereich des Häuslichen, sondern im Gegenteil mit Hilfe meiner Kinder alle persönlichen und beruflichen Pläne verwirklichen konnte. Wer weiß, vielleicht leben wir alle eines Tages doch in Italien und gucken aufs Meer.
Einleitung
Warum Sie dieses Buch dringend brauchen, um das Glück für immer festzuhalten
Dass Sie Kinder möchten, finde ich goldrichtig. Wenn Sie noch zögern, betrachten Sie dieses Buch als Orientierungshilfe. Vielleicht sind Sie bereits Mutter, aber das Glück und die Erfüllung, die Sie ersehnten, sind nicht eingetreten - oder nicht in dem Maße, wie Sie es sich erhofften. Dann sind Sie bei mir auch an der richtigen Adresse. Denn obwohl hier und allerorts und vor allem in den gängigen Ratgebern für werdende und real existierende Mütter von Glück die Rede ist, muss ein ehrlicher Ratgeber versuchen, einen der größten Widersprüche anzugehen, den es im Leben einer Frau gibt: In Kindern liegt tatsächlich eine der vielversprechendsten Verheißungen auf beständiges Glück, ein Zauber, etwas Großartiges, das wir uns alle innigst wünschen - und zugleich drohen viele UnglücksFallen, in die Sie tappen können, wenn Sie ein Kind zur Welt gebracht haben. Dabei denkt man, es könnte einem nie wieder etwas passieren.
Dies ist ein menschliches Paradoxon, wie es das Leben für uns so manches Mal bereithält. Mutter zu sein macht nicht automatisch glücklich. Eine Provokation vielleicht für eine Frau, die jahrelang Entbehrungen auf sich nehmen musste, um schwanger zu werden, die sich in einer Fruchtbarkeitsklinik gequält hat.
Dennoch ist es nicht zynisch von mir, das Mutterglück in Frage zu stellen. Ich kenne Legionen von Frauen, die sich - völlig unberechtigt - für schlechte Mütter halten und darunter leiden. Diese Frauen zermürben sich mit Selbstzweifeln, weil ihre eigene Erwartungshaltung an ihre mütterlichen Fähigkeiten sie kaputtmacht. Mütterliche Selbstlosigkeit, ständige Aufopferung, Geduld und gute Laune lassen sich eben nicht leicht aufrechterhalten, wie es uns die kursierenden Mütterbilder in den Medien suggerieren, es ist eine tägliche Anstrengung, eine Leistung.
Mutterglück in Deutschland fällt einem nicht in den Schoß. Deshalb gibt es diesen riesigen Markt an Ratgeberliteratur, der den Müttern auf die Sprünge helfen soll. Das Kinder-Thema hat auch das Fernsehen längst erobert: Baby-Alarm, Schnuller-Alarm, alle in heller Aufregung. Anfang der Sechziger kam eine junge Mutter noch mit dem Klassiker »Dr. Spocks Säuglings- und Kinderpflege« aus - zwei schmale Taschenbücher. Inhalt: Füttern, Baden, Wickeln, Fiebermessen. Heute dagegen wirft der Internet-Händler Amazon. de allein beim Stichwort »Geburt« 1840 Buchtitel aus.
Ein Thema kommt immer zu kurz: Während uns unsere Kinder einerseits so glücklich machen wie sonst nichts auf der Welt, während wir sie verteidigen würden wie eine Löwin ihre Jungen, so rufen sie in uns andererseits von Zeit zu Zeit eine solche Wut, eine solche Frustration wach, dass wir uns schwer tun, diese Aggressionen wirklich als unsere eigenen zu akzeptieren. Wir sind mit den Nerven am Ende, weil uns die Kleinen wochenlang nicht schlafen lassen, weil wir es ihnen nie recht machen können, weil sie unseren Lieblingspulli zerschneiden, die frisch gestrichene Wand mit Filzstift beschmieren. Es gibt viele Gründe.
»Die Überlastung vieler Mütter ist ein Problem, das in der Öffentlichkeit und in der Ausbildung von Ärzten und Psychologen viel zu kurz kommt«, kritisiert Sabine Suhrholt, Vorsitzende des Vereins »Schatten und Licht«, einer bundesweiten Selbsthilfeorganisation von Frauen, die nach der Geburt an anhaltenden Depressionen litten. Die Erwartungshaltung von Umwelt und Familie sei eine der Ursachen für diese Erkrankung.
Mutterglück ist ein stehender und viel zitierter Begriff - Mutterunglück dagegen als alltägliches »normales« Phänomen gibt es anscheinend nicht. Ich will hier keinen Freibrief ausstellen für bösartige, gleichgültige oder egoistische Mütter, sondern die angeschlagenen Nerven der normalen Durchschnittsmutter beruhigen und aufbauen. Ich möchte Perspektiven zeigen, allerdings jenseits eines konservativen Verständnisses von Mutterschaft. Ich möchte all jenen Frauen Trost zusprechen, die ihre Kinder manchmal zum Niederknien finden - und manchmal zum Kotzen. Ich möchte Mütter befreien von der kritiklosen Unterwerfung unter eine Ideologie der guten Mutterschaft - zugunsten einer glücklichen Mutterschaft.
Jawohl. Diese Tabuisierung mütterlicher Unglücksgefühle ist wirklich seltsam. Es geht doch um Liebe, um Liebesglück - und das hat immer einen Preis, ein Gegenteil: Liebeskummer. Je größer die Liebe, desto größer kann der Kummer sein. Kein Mensch kann wahre Liebe fühlen, der nicht einmal wenigstens den Verlust von Liebe empfunden hat, und sei es auch nur für kurze Zeit. Wenn eine Mutter jammern darf, dann weil es den Kindern schlecht geht. Ihre Mutterrolle hat sie in keinem Augenblick ihres mütterlichen Daseins in Frage zu stellen.
Denn: Eine unglückliche Mutter, die ihr Los nicht per se als sinnstiftend erfährt, der das nicht reicht, ist eine schlechte Mutter - das ist das Bild, das die Gesellschaft vorgibt. Eine »Rabenmutter«. Ein Ausdruck, der nur in Deutschland existiert, was schon darauf schließen lässt, dass es in Deutschland ein Mutterkonzept der besonderen Art gibt. In Frankreich dagegen ist die »mère poule«, die Gluckenmutter, verdächtig. Die Frau, die sich auf ihre Kinder fixiert, die ihren Beruf aufgibt.
Wenn die Mutter-Kind-Beziehung an sich wirklich durchgehend eine traumhafte ist, wie es einem immer ins Bewusstsein gehämmert wird, dann muss das Gefühl der Aggression etwas »Unnatürliches« sein, ein Verrat - dieser Gedanke beschleicht die zornige Mutter, sie fühlt sich schuldig, schweigt darüber, quält sich mit der Frage: Wie werde ich endlich auch eine gute Mutter?
Darum geht es schon, bevor die Frau überhaupt schwanger ist. Früher hieß es vorsichtig: »Ich bin guter Hoffnung«. Heute ist man schon Mutter und stürzt sich auf diese Rolle, bevor eine Befruchtung stattgefunden hat. Der mütterliche Stress beginnt schon lange vor der Schwangerschaft! Mit dem prophylaktischen Verzicht auf legale Drogen, der Einnahme von Folsäure-Kapseln und der umfassenden seelischen Vorbereitung auf das Event Schwangerschaft.
Überall wird verklärt vermittelt, wie Sie die Schwangerschaft, die Geburt und den Alltag als Mutter zu erleben haben. Wie perfekt alles laufen muss. Wie es bei anderen Frauen perfekt läuft. Wer einen »Fehler« macht, gerät ins Zwielicht. Dafür sorgen leider allein schon die anderen Schwangeren und Mütter, die sich wie Hyänen auf einen werfen. Die Debatten um richtig oder falsch nehmen den Charakter von Glaubenskriegen an. Hast du gesehen, die ist schwanger und hat geraucht! Hast du gesehen, die hat an ihrem Geburtstag am Sekt genippt! Alkohol in der Schwangerschaft! Und morgens trinkt sie Kaffee. Unverantwortlich. Sie wünscht sich einen Kaiserschnitt, will nicht natürlich entbinden - wie feige. Sie will nicht lange stillen - unverzeihlich! Sie stillt und versucht zugleich, das Kind an die Flasche zu gewöhnen - Saugverwirrung! Sie gibt ihr Kind nach acht Wochen in die Krippe, obwohl sie noch nicht einmal arbeiten muss. Der Mann verdient genug. Wie egoistisch - ein emotionales Monster. Noch nicht einmal Speck darf eine neue Mutter mit gutem Gewissen auf den Hüften haben, seit Heidi Klum zeigte, dass sechs Tage nach der Geburt die Figur wieder tadellos sein kann, eine Frau muss sich nur ein wenig zusammenreißen.
Die Toleranzgrenze, was eine Schwangere, was eine Mutter zu tun und zu lassen hat, geht gegen null. Alles ist vorgegeben und insofern auch ablesbar an Indizien. Wie es drinnen aussieht, interessiert keinen. Deutsche Mutterliebe ist unerträglich demonstrativ. Die Inszenierung von Mutterliebe kann man herrlich beobachten, wenn elterliches Engagement bei einem Fest für Kinder gefragt ist - im Kindergarten, in der Schule, beim Geburtstag. Da wird gekocht und gebacken, aufgetischt ohne Ende, es werden turmhohe Torten serviert. Und die Kinder greifen nach den Gummibärchen, sie interessieren sich für diese Art von »Beweisen« mütterlicher Perfektion nicht. Mit einem untrüglichen Gespür für Authentizität erkennen sie, dass es bei dieser Art von Show nur um eine einzige Person geht: die Mutter. Um ihre Geltungssucht.
Von dieser Art von repressivem Engagement sollten Sie sich nie unter Druck setzen lassen. So wie die arme Heldin aus dem Roman »Working Mum« von Allison Pearson es leider mit sich geschehen lässt. Eine Top-Managerin mit zwei Kindern, eine herzensgute und kluge Frau, die bei Bedarf fertige Muffins kauft und diese so manipuliert, dass sie wie selbstgemacht aussehen. Um der Häme der anderen Mütter zu entgehen, die selbstverständlich vor jedem Anlass tagelang in der Küche stehen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Mütter - und auch Väter - sollten sich dafür interessieren, was ihre Kinder essen, sich mit Freude in der Schule engagieren - in einem Rahmen, der den Kindern Genüge tut, nicht der Eitelkeit schmeichelt. Wer hat das nötig?
Nur bei einem Thema scheiden sich die mütterlichen Geister nicht, will man den traditionellen Ratgebern Glauben schenken. Welche Mutter geht wieder arbeiten? Welche bleibt zu Hause? Verdächtigerweise hat man als Mutter hier die freie Wahl. Ausnahmsweise kann man nichts falsch machen. Es gibt zwei gleichwertige Wege.
Die Lebensmodelle werden brav in zwei Kapiteln abgehandelt, gleich lang, gleich ausführlich. Eines ermuntert die Frauen, die nicht arbeiten möchten, dazu zu stehen, sich trotzdem Zeit für sich selbst zu gönnen - auch mal sieben gerade sein zu lassen in Küche und Keller. Ein anderes Kapitel berät die Mütter, die arbeiten wollen oder müssen, wie sie Beruf und Kinder am besten verbinden. Sonst darf man als Mutter wirklich nicht aus der Reihe tanzen, aber in der Gestaltung des Lebens nach der »Babypause« ist jede ihr eigener Herr, soll und darf nach ihrer Fasson glücklich werden. Und damit niemand auf die verwegene Idee kommt, das historisch gesehen längst disqualifizierte und ad acta gelegte Hausfrauentum doch als die schlechtere der Möglichkeiten zu begreifen, fehlt es nicht an Beistand für die Hausfrau. Die Botschaft: Lass dir von niemandem einreden, man würde verdummen oder versauern, wenn man den Beruf »nicht aktiv« ausübt. Hausfrau sein - das ist ein Beruf, er kann neben jeder noch so anspruchsvollen Berufstätigkeit bestehen. Das steht in einem so genannten »ehrlichen Buch vom Kinderkriegen«, das sonst ganz aufgeklärt daherkommt! Ich weiß nicht, was sich die Autorinnen dabei gedacht haben. Wahrscheinlich haben sie es gut gemeint. Solche Rückendeckung finden Sie bei mir nicht. Und ich meine es richtig gut mit Ihnen.
Während ich in allen Bereichen für einen offenen und individuellen Umgang mit Schwangerschaft und Mutterrolle plädiere und jeder Frau für ihren persönlichen Weg den Rücken stärke, werden Sie mich, wenn es um die Berufstätigkeit der Mutter geht, erstaunlich rigide erleben. Wir sind hier noch nicht so weit - aber ich kann schon so viel sagen: Mein leidenschaftliches Plädoyer für die unbedingte Rückkehr in den Job, hat nichts damit zu tun, dass ich Ihnen den Spaß am Leben mit Ihren Kindern verderben möchte. Im Gegenteil. Ich will Ihnen das Leben nicht schwerer machen, sondern leichter. Sie werden sehen.
Meine Botschaft: Selbstverständlich »versauert« man zu Hause. Was denn sonst? Ob Mann oder Frau - jeder Mensch versauert dabei. Es ist nur ein längerer Prozess, das merkt man nicht gleich. Am Anfang fühlt es sich vielleicht sogar angenehm an, das Verbleiben im Haus. Man kommt auch nicht groß zum Nachdenken, hat viel um die Ohren, wirbelt täglich Staub auf, kann sich am Abend sagen, was alles geschafft worden ist. Das häusliche Leben - vor allem mit Kleinkindern - ist anstrengend. Das ist am Anfang ein 24-Stunden-Job.
Doch warum will man Frauen wieder weismachen - im Jahr 2006 -, dass das Hausfrauentum als dauerhafte Lebensform eine ernsthafte Stütze für das weibliche Selbstwertgefühl sei? Dass es gar so etwas wie »hausfrauliches Glück« geben kann? Wer hat diesen alten Knochen wieder ausgegraben und wirft ihn den Frauen zum Fressen vor? Das ist gemein, mütterfeindlich, menschenfeindlich. Es ist eine Täuschung.
Das deutsche Mutterbild ist ein anachronistisches, das in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts schon dem Untergang geweiht war und jetzt eine unglaubliche Renaissance erlebt. Eines, das Mütter einem Druck aussetzt, dem kaum eine genügen kann - der sie früher oder später in die Falle, ins Unglück, laufen lässt. Nicht, weil an ihr etwas falsch ist, sondern, weil der Verhaltenskodex, dem sie genügen soll, unmenschlich ist. Dabei geht es ausschließlich um all die primär »weiblichen« Tugenden der Selbstaufopferung und des häuslichen Kleinkrams. Eine repräsentative GEWIS-Umfrage im Auftrag von tv Hören und Sehen ergab, dass 81 Prozent aller Deutschen eine
Die Ratschläge in diesem Buch wurden von der Autorin und vom Verlag sorgfältig erwogen und geprüft, dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden. Eine Haftung der Autorin bzw. des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.
1. Auflage
Originalausgabe Oktober 2006
© 2006 Wilhelm Goldmann Verlag, München, ein Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH
CH · Herstellung: Han
eISBN : 978-3-641-01455-1
www.goldmann-verlag.de
Leseprobe

www.randomhouse.de