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Eine Menstruationstasse hat im Vergleich zu herkömmlichen Tampons und Binden viele Vorteile: Sie hält bis zu 12 Stunden, ist schadstofffrei, bei einer Lebensdauer von bis zu 10 Jahren absolut kostengünstig und erzeugt keinen zusätzlichen Müll. Der Cup ist somit eine echte umweltbewusste Alternative zur herkömmlichen Monatshygiene. Die Anwendung verlangt lediglich etwas Vorwissen und Übung. "Die Menstruationstasse" bietet ein echtes Grundlagenwerk für die Verwendung des Cups: Wie finde ich die richtige Größe und positioniere die Tasse richtig? Wie reinige ich den Menstruationscup nach der Anwendung und wie bewahre ich ihn richtig auf? Was gibt es für Qualitätskriterien, auf die ich achten sollte? Außerdem werden gängige Mythen aufgeklärt und häufige Fragen beantwortet.
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Seitenzahl: 186
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Bildnachweis
© Heike Kmiotek–www.heike-kmiotek.de S. 7, 15, 24, 27, 31, 34, 36, 52, 60-64, 66–67, 86–88, 103, 107, 155
© stock.adobe.com S. 17: Kemedo; S. 20: timonina; S. 22, 32: nmfotograf S. 40: koti; S. 139/Eiffelturm: Atlantis
Originalausgabe
1. Auflage 2020
Verlag Komplett-Media GmbH
2020, München
www.komplett-media.de
E-Book ISBN: 978-3-8312-7063-7
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern in diesem Buch die männliche Form verwendet Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.
Lektorat: Diane Zilliges, Murnau
Korrektorat: Dr. Katharina Theml, Wiesbaden
Umschlaggestaltung: Favorit Büro, München
Grafische Gestaltung, DTP: Lydia Kühn, Aix-en-Provence, Frankreich
E-Book-Herstellung und Auslieferung: Brockhaus Commission, Kornwestheim www.brocom.de
Dieses Werk sowie alle darin enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrecht zugelassen ist, bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung.
INHALT
Warum ein Buch über Menstruationstassen?
Hoch die Tassen! Vorwort von Dr. Dorothee Struck
WARUM ÜBERHAUPT EINE MENSTRUATIONSTASSE?
Wie du dieses Buch für dich nutzen kannst
DARF ICH VORSTELLEN? DEIN KÖRPER
Deine Vulva
Deine innere Anatomie
Die Anatomie bei der Wahl der richtigen Tasse
Dein Beckenboden
Dein Zyklus
ALTERNATIVE MONATSHYGIENE
Nummer 5: Bio-Binden und Bio-Tampons
Nummer 4: Periodenslips oder -pantys
Nummer 3: Menstruationsschwämmchen oder Levantiner Schwämmchen
Nummer 2: Die Stoffbinde
Nummer 1: Die Menstruationstasse
FÜR WEN IST EINE MENSTRUATIONSTASSE GEEIGNET (UND FÜR WEN NICHT)?
WELCHE ARTEN VON TASSEN GIBT ES?
Unterschiedliche Formen
Unterschiedliche Stiele
DIE PASSENDE TASSE FINDEN
Der Einfluss der Lebensphase
In drei Schritten zum richtigen Menstruationscup
Übersicht über verschiedene Menstruationstassen und ihre Größen
Was sagen die Härtegrade?
DAS RICHTIGE EINFÜHREN DER TASSE
Falttechniken – Für ein ganz einfaches Einführen
DAS TRAGEN
DAS ENTFERNEN
Woher weiß ich, wann ich die Tasse leeren muss?
Hilfe, mein Cup ist weg! Das Entfernen zu kurzer und zu hoch gerutschter Tassen
DIE RICHTIGE REINIGUNG UND AUFBEWAHRUNG
Bei jedem Wechsel: Kalt abwaschen
Bei Bedarf: Die Löcher reinigen
Intensivere Reinigung vor oder nach der Menstruation
Reinigungstipps für unterwegs
Aufbewahrung
Irgendwann einmal: Die Entsorgung
WENN ES ZWICKT UND KNEIFT: TIPPS UND TRICKS
Die Tasse entfaltet sich nicht von allein
Der Cup ist vielleicht zu lang
Der Femmy kneift
Die Tasse rutscht … nach oben
Die Tasse rutscht … nach unten
Die Tasse läuft aus
Die Tasse schmerzt
Die Tasse stört auf der Toilette
Die Tasse läuft beim Schwimmen voller Wasser
Die Tasse geht nicht raus
Die Tasse riecht
Nach dem Spülen bleibt Blut in der Toilettenschüssel zurück
WAS KANNST DU MIT TASSE TUN (UND WAS NICHT)?
Sport, ja. Sex, nein
Das Thema Verhütung
WAS ES SONST NOCH INTERESSANTES ÜBER TASSEN UND CO. ZU WISSEN GIBT
Kleine Geschichte der Menstruationstassen
Das Material
Die Herstellung
Noch mal zur Nachhaltigkeit
MENSTRUATION IST AUCH EIN GESELLSCHAFTLICHES THEMA
Menstruation in der Werbung
Period Poverty
Kurzer Exkurs: Freie Menstruation und Free Bleeding
FRAGEN UND ANTWORTEN
WAS NUTZERINNEN BERICHTEN
Wie Frauen nach unserer Beratung mit dem Cup zurechtkommen
Gründe, warum sich Frauen für eine Tasse entschieden
EINE KLEINE BITTE ZUM SCHLUSS
INFOS, LISTEN, ÜBERSICHTEN
Menstruationstassen-Beraterin werden
Herstellerliste der genannten Tassen
Glossar: Ein paar Begriffe noch mal erklärt
Danksagung
Adressen
WARUM EIN BUCH ÜBER MENSTRUATIONSTASSEN?
Im April 2014 kam es – mehr oder weniger durch Zufall – zur Gründung der ersten und seither größten deutschen Menstruationstassen-Gruppe auf Facebook. Die kleine übersichtliche Gruppe mit etwa zwanzig Mitgliedern, die ich zusammen mit Anja Schweiger gegründet hatte, ist in sehr kurzer Zeit extrem gewachsen: Im April 2020 waren es bereits über 71 000 Mitglieder.
Eigentlich arbeite ich Vollzeit als Projektleiterin in einer Agentur, und weil das allein ja auch nicht glücklich macht, bin ich seit elf Jahren ehrenamtliche Helferin – zuerst bei der Tafel, jetzt in einer Kleiderkammer. Das klappt natürlich nur am Wochenende und auch nur, wenn ich nicht gerade im Ladyways-Büro sitze, mit meinem Hund die Gegend unsicher mache oder mich beim Yoga oder vor dem Aquarium mit meinen Axolotl entspanne.
Die Menstruationstassen sind vom Hobby zur Leidenschaft geworden. Vor einigen Jahren haben wir in der Gruppe unsere eigenen Beratungskriterien erarbeitet, die inzwischen häufig – ungefragt – kopiert wurden. Darauf kann man schon stolz sein. Kopiert wird schließlich nur, was gut ist. Inzwischen wenden sich sogar immer mehr Frauenärztinnen und -ärzte an uns, um markenübergreifende Informationen zu erhalten.
Ich freue mich immer, wenn positive Rückmeldungen kommen und wir von Ladyways (Anja und ich) Frauen zu einem besseren Körpergefühl und angenehmeren Tagen während der Menstruation verhelfen konnten. Also lag es eigentlich nahe, noch weiteren Menschen die Möglichkeit zu geben, sich umfassend über Menstruationstassen zu informieren – außerhalb von Facebook – und ein Buch zu schreiben. Hier ist es. Es richtet sich ausdrücklich nicht nur an Mädchen und Frauen, sondern genauso an menstruierende Personen, für die die Begriffe »Frau« oder »Mädchen« nicht passen – auch wenn ich sie im Laufe der Kapitel aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nicht immer extra erwähnen werde.
FRIENDS DON’T LET FRIENDS USE TAMPONS
WWW.LADYWAYS.DE
Viel Spaß beim Lesen, Lernen und Ausprobieren!
Deine Marina
HOCH DIE TASSEN! VORWORT VON DR. DOROTHEE STRUCK
Ich bin ja so froh, dass die Menstruationstassen beziehungsweise Tagefänger mittlerweile einen echten Siegeszug angetreten haben. Dafür gibt es verschiedene Gründe, persönliche und medizinische, ökologische und mehr. Aber mit der Weiterverbreitung der Tassen und den mittlerweile schier unübersichtlich vielen Anbietern, Größen, Härtegraden ist es längst überfällig, dass es ein Buch zu den nützlichen und gesunden Alternativen zu den weit verbreiteten Tampons gibt. Denn in meiner Praxis erlebe ich immer wieder, dass Frauen einfach eine Tasse im Laden kaufen und dann total frustriert denken: Menstassen sind nichts für mich! Schade, denn in den meisten Fällen war es einfach nur das falsche Modell, die falsche Größe oder ein Problem mit der Falttechnik und dem Einsetzen.
Als Frauenärztin empfehle ich Tagefänger schon lange. Meine Kollegin und ich sehen immer wieder bei Frauen, die von konventionellen Menstruationsprodukten umsteigen, einen deutlichen Rückgang von Scheideninfekten und Blasenentzündungen. Der einzelne Tampon ist nicht das Problem, aber gerade an Tagen mit geringer Blutung saugen sie vor allem die Feuchtigkeit der Vaginalwand auf, die die Milchsäure-Schutzbakterien benötigen.
Kennengelernt habe ich meine erste Tasse in den 1990er-Jahren auf einer Reise nach San Francisco und war sofort überzeugt: weniger Müll, keine Berge an Tampons und Binden mehr im Reisegepäck, nimmt viel mehr Blut auf als ein normaler Tampon und muss seltener gewechselt werden. Für eine reisefreudige Frau, die von der Transsibirischen Eisenbahn bis hin zu Zügen in Indien schon reichlich Erfahrung mit nicht verfügbarer Menshygiene und suspekten öffentlichen Toiletten hatte, eine großartige Entdeckung. Super! Beste Erfindung seit geschnitten Brot, zumal ich einige Tage zuvor auf dem Flughafen von San Francisco dringend und unerwartet einen Tampon brauchte, es im dortigen Shop nur diese für mich fürchterlichen Dinger mit Plastik-Applikator gab und ich auf der Flughafen-Toilette geflucht habe. Als ich einige Jahre später eine Ersatztasse suchte, fand ich diese in Hamburg in einem Outdoor-Laden im Trecking-Bedarf. Gewichtsparen plus Müllvermeidung für Bergsteigerinnen – oder welche Frau möchte ihre benutzten Tampons beim Abstieg wieder mit heruntertragen? Heute sind Tassen weit und breit verfügbar, aber es lohnt sich, vor dem Kauf einiges zu lesen und sich zu informieren. Daher freue ich mich über dieses Buch und wünsche ihm eine gute Verbreitung.
Dr. med. Dorothee Struck
Kiel im September 2020
WARUM ÜBERHAUPT EINE MENSTRUATIONSTASSE?
Für viele ist so ein Tässchen der Heilige Gral. Einige überschlagen sich fast mit ihrem Lob, wenn man sie darauf anspricht. Aber muss das so sein? Ist eine Menstruationstasse wirklich uneingeschränkt das Non-plus-Ultra?
Ich würde sagen: Nein.
Was? Wie kannst du dann ein Buch darüber schreiben? Ganz einfach: Jede von uns sollte all ihre Optionen kennen und dann selbst entscheiden! In der Schule, im Job, unter Freunden und Bekannten und vor allem in der Werbung sieht man fast nur Wegwerfprodukte. Tampons, Binden, alles eben, was nach einmaligem Gebrauch direkt in den Müll wandert. Und jeder, der sich Gedanken zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit macht, muss erst mühsam recherchieren, bis sich ein oder zwei mögliche Alternativen auftun. Dabei gibt es so viele mehr!
Für mich selbst sprechen zwei Hauptfaktoren für eine Monatshygiene, die nicht aus Wegwerfprodukten besteht:
1. Wegwerfprodukte verschmutzen die Umwelt. Ich werde später noch genauer darauf eingehen, wie und wie sehr das der Fall ist. Fakt ist, dass die regulären Wegwerfprodukte aufgrund ihrer Materialmischung nicht recycelt werden können. Und das bedeutet, sie fristen ihr Dasein kurz in der Packung, noch kürzer im Gebrauch und dann bis zu fünfhundert Jahre auf einer Mülldeponie.Aber was macht da schon eine Binde oder ein Tampon mehr? Nun, fünfundvierzig Milliarden (45.000.000.000 Stück!) Binden und Tampons werden jedes Jahr auf diesem Weg entsorgt. Stell dir bitte mal diesen Müllberg vor! Die fünfundvierzig Milliarden vom nächsten Jahr kommen einfach auf die vom vergangenen drauf … und das die nächsten fünfhundert Jahre, bis die erste Schicht »verschwunden« (und teilweise zu Mikroplastik zerfallen) ist.
2. Wegwerfprodukte können unsere Gesundheit gefährden. Sie enthalten nicht selten diverse Chemikalien, die man nirgends und erst recht nicht im Körper haben möchte. Leider sind die Hersteller nicht dazu verpflichtet, anzugeben, was genau sich in den Artikeln befindet. Aber hier mal eine mögliche Liste: Kohlenwasserstoffe, Pestizide, Aluminium, Dioxin-Rückstände und so weiter. Klingt alles nicht so gesund und erst recht nicht danach, als wolle man das auf seiner Schleimhaut und damit auf dem besten Wege in den Körper haben. Außerdem werden sehr gern Duftzusätze verwendet, die verhindern sollen, dass man (sich selbst) riecht. Auch hier wird uns wieder vorgespielt, dass die Periode etwas Unhygienisches, Stinkendes, Ekliges sei, das man nicht sehen und natürlich auch nicht riechen dürfe.
Zum Glück gibt es reichlich Alternativen. Dabei gefällt mir allerdings das Wort »Alternative« nicht sonderlich gut. Denn es klingt danach, als müsse man bei irgendetwas Abstriche machen. Muss man aber nicht. Im Gegenteil!
Neben Menstruationstassen, von denen mittlerweile sehr viele verschiedene Marken und Größen angeboten werden, gibt es Stoffeinlagen. Diese können je nach Aufbau als Binde oder Slipeinlage genutzt werden. Sogar spezielle Schnitte für Tangas und extra lange oder breite Binden gibt es, sodass jede ihre passende Stoffeinlage finden kann.
Zudem gibt es noch Menstruationsschwämmchen, das sind kleine Schwämme, die das Menstruationsblut aufsaugen (dazu später mehr), und sogenannte Menstruationsdiscs – optisch ähnlich wie ein Diaphragma –, die direkt vor dem Muttermund platziert werden. Und natürlich die Wegwerfprodukte mit weniger (oder keinem) Plastik, nachhaltiger produziert und somit gesünder für den Körper und die Umwelt. Da sollte für jede das richtige Produkt dabei sein. Ganz ohne schlechtes (Umwelt-)Gewissen. Es muss also nicht immer eine Tasse sein. Aber warum nicht mal probieren? Die Vorteile sind nicht zu verachten.
WIE DU DIESES BUCH FÜR DICH NUTZEN KANNST
Dieses Buch soll dir als Richtungsweiser dienen, wenn du dich für eine Menstruationstasse interessierst. Es bietet dir alle Fakten und Hintergrundinfos. Der Idee dahinter ist, dass es dich so gut informiert, dass du dich selbst beraten kannst, um die für dich passende Tasse zu finden. Solltest du dich auch nach der letzten Seite des Buches noch unsicher fühlen, kannst du dich jederzeit unter [email protected] melden und bekommst dort die für dich passende Beratung. Vielleicht hast du auch Freundinnen oder Verwandte, die sich überlegen, ob eine Menstruationstasse das Richtige sein könnte, und brauchst noch Argumentationshilfen? Auch diese findest du reichlich auf den folgenden Seiten. Ich glaube außerdem fest daran, dass dich dieses Buch deinem eigenen Körper näher bringen wird. Du wirst dich plötzlich viel besser verstehen, und ich wünsche mir nach einigen Zeilen ein leises »Ah« oder »Oh«, wenn du plötzlich begreifst, warum was wie passiert oder warum bestimmte Dinge in der Vergangenheit so waren, wie sie waren.
DARF ICH VORSTELLEN? DEIN KÖRPER
Viele lernen sich und ihren Körper durch den Gebrauch einer Menstruationstasse zum ersten Mal richtig kennen. Sonst befasst man sich ja eher selten mit der eigenen Anatomie. Warum auch? Es wird kaum darüber gesprochen. Weder mit den Eltern noch mit Freunden und nur selten mit dem Partner. Man geht davon aus, dass man das Wichtigste im Sexualkundeunterricht gelernt hat, und hakt das Thema ab. Für kleine Jungs ist es normal, schon im Kleinkindalter alles an sich zu entdecken und genau zu erforschen. Ihre Geschlechtsorgane sind auch einfach präsenter. Für Mädchen ist es schwieriger zu erfahren, wie ihr Körper genau funktioniert, denn der spannende Teil liegt im Inneren verborgen. Gerade die etwas Älteren haben außerdem noch oft zu hören bekommen: »Fass dich da nicht an! Das macht man nicht.« Statt ermuntert zu werden, den eigenen Körper kennen- und lieben zu lernen.
Spätestens mit der Pubertät und der ersten Menstruation stehen wir dann vor einem Rätsel: Warum verhält sich mein Körper plötzlich anders? Wieso tut er, was er tut?
Die wenigsten Eltern nehmen sich leider die Zeit und klären ihre Kinder geschlechtsunabhängig über die Periode auf. Manchen scheint es peinlich zu sein, andere wiederum wissen selbst oft zu wenig, um wirklich fundierte Informationen weitergeben zu können. Nicht selten habe ich in meiner Gruppe gelesen, dass Mütter ganz erstaunt waren, dass ihre Töchter bereits mit zehn oder elf Jahren anfingen zu menstruieren. Forscher haben herausgefunden, dass die Mädchen bei ihrer ersten Periode immer jünger sind. Mütter sollten sich somit rechtzeitig informieren und – egal welche Monatshygieneformen sie selbst nutzen – zu Hause alles vorbereiten, damit das Kind sich die passende Form wählen kann.
Es müssen übrigens nicht nur oder immer die Mütter sein. Auch Väter sollten sich mental darauf vorbereiten, dass ihre Kinder erwachsen werden. Die Pubertät ist der erste Schritt dorthin. Je offener auch Väter über das Thema mit ihren Kindern sprechen, umso natürlicher wird der Umgang. Denn die Menstruation ist kein reines Frauenthema, das nur im Mädelskreis und/oder hinter vorgehaltener Hand besprochen werden darf. Auch ein liebender Vater sollte Binden und Tampons für Frau und Tochter einkaufen gehen. Doch viele Männer schämen sich dabei. Warum? Das ist mir unerklärlich. Sie werden von den Frauen im Geschäft oder an der Kasse sicher nur wohlwollend betrachtet, und die ein oder andere wünscht sich dann vielleicht selbst so ein Exemplar Mann in ihrem Leben.
Genau dieser Ungewissheit und Unsicherheit, die entsteht, wenn auch zu Hause niemand bereit ist, offen über das Thema Menstruation zu sprechen, folgt oft die Abneigung gegen die eigene Monatsblutung und somit gegen den eigenen Körper. Wie oft musste ich schon lesen, dass erwachsene Frauen ihre Menstruation als »die Pest« betitelt haben!? Mir persönlich tut das einfach nur leid. Denn jeder Körper ist ein Wunderwerk! Und was während des gesamten Zyklus passiert, ist mehr als nur spannend. Es ist aufregend, wunderbar und jeden Monat ein bisschen Magie.
»Aber ich habe Schmerzen! Wo ist dabei die Magie?« Zu wissen, woher diese Schmerzen stammen und sie damit besser zu verstehen und besser mit ihnen umgehen zu können, hat schon vielen geholfen, sich in dieser Zeit wohler zu fühlen. Natürlich erwartet niemand Luftsprünge. Aber wenn man weiß, ob die Schmerzen von einer krampfenden Gebärmutter kommen, die versucht, die mühsam aufgebaute Schleimhaut loszuwerden, oder lediglich von einem Tampon, das gegen den Gebärmutterhals drückt, kann das im Zweifel viel ausmachen.
Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, Frauen ihren eigenen Körper etwas näher zu bringen und ihnen zu zeigen, dass es spannend sein kann, sich selbst zu entdecken und so natürlich auch viel besser zu verstehen, was über den Zyklus hinweg so passiert. Nimm dir die Zeit. Es wird sich lohnen! Später im Buch werden dir für das Finden des richtigen Cups ein paar Fragen gestellt, die du ohne ein bisschen Vorwissen vielleicht nicht sofort beantworten könntest. Dieses Wissen liefert dir die folgende kurze Einführung. Also, lass dich von mir ein bisschen in die spannende Welt der weiblichen Anatomie entführen.
DEINE VULVA
Das von außen sichtbare Genital der Frau ist die Vulva, das Innere wird als Vagina bezeichnet. Zur Vulva gehören die äußeren und inneren Schamlippen, die Klitoris mit der Klitorisvorhaut, die Harnröhrenöffnung und die Vaginalöffnung.
Die Vulva – die von außen sichtbaren weiblichen Geschlechtsorgane:
a: Vulva als Ganzes
b: Äußere Schamlippen
c: Klitoris mit Klitorisvorhaut
d: Harnröhrenöffnung
e: Innere Schamlippen
f: Vaginalöffnung
ACH, ECHT?
Vulva? Ja! Oft wird die Vulva fälschlicherweise als Vagina bezeichnet. Allerdings ist »Vagina« tatsächlich nur das Innere. Also der Scheidenkanal. Von außen sichtbar ist nur die Vaginalöffnung.
Die äußeren Schamlippen
Schauen wir uns die einzelnen Bereiche an und beginnen wir mit den Schamlippen. Die äußeren Schamlippen (Labia majora) oder Venuslippen sind die äußeren Hautfalten, die die Scham- beziehungsweise Venusspalte bilden. Sie verdecken und schützen die Harnröhrenöffnung, die Klitoris und den Scheideneingang vor Schmutz und Bakterien. Manchmal bedecken sie die inneren Schamlippen komplett, aber häufig ragen die inneren Schamlippen auch heraus. Sie können unterschiedliche Farben haben: von pink über purpur bis rotbraun. Alle diese Farben gelten (bei hellhäutigen Menschen) als normal. Die Schamlippen können kurz oder lang sein, glatt oder runzelig. Die individuellen Unterschiede sind groß. Auch hier sind sogar erwachsene Frauen oft unsicher, ob sie »da unten« ganz normal sind. Mit wem können wir uns auch groß vergleichen? Wo sieht man denn mal eine Vulva, die nicht die eigene ist? Egal, ob man sich mit »naturgetreuem« Sexspielzeug vergleicht oder mit den Frauen in Erotikfilmen – was man dort sieht, hat meist wenig mit dem Durchschnitt der Bevölkerung zu tun. Ähnlich wie bei Models und deren Körperformen sollte man sich auch hier nicht direkt vergleichen, sondern sich klarmachen, dass dabei nicht die große Mehrheit gezeigt wird.
Wie groß die Unterschiede allein von außen sind, hat der Künstler Jamie McCartney mit seiner »Great Wall of Vagina« anschaulich dargestellt. Wie man daran sehr schön erkennt, gibt es kein Richtig oder Falsch. Genau wie beim Rest des Körpers sind die Unterschiede auch hier so groß, dass nahezu alles der Norm entspricht. Das Bild ist nur ein Ausschnitt und die ganze Wand wirklich einen Blick wert. Wer sie sich anschauen möchte, der kann sich auf der Website umsehen: www.greatwallofvagina.co.uk.
Die inneren Schamlippen
Die inneren Schamlippen oder Venuslippen (Labia minora) sind die dünnen Hautfalten innerhalb der äußeren Schamlippen. Sie begrenzen seitlich den Scheidenvorhof und treffen oberhalb der Klitoris zusammen. Sie schützen den Scheideneingang und die Harnröhrenöffnung vor Bakterien (ebenso wie die äußeren Schamlippen), außerdem beherbergen sie besonders viele Nervenenden und sind daher sehr berührungsempfindlich.
Auch sie können viele unterschiedliche Farben, Formen und Größen haben. Von Zartrosa über Rot bis hin zu Grau und Braun ist (bei hellhäutigen Menschen) alles normal. Auch die Größen können stark variieren. Bei manchen sind die inneren Schamlippen von außen kaum zu sehen, bei anderen sind sie viel länger als die äußeren Schamlippen und ragen deutlich heraus. Diese großen Unterschiede zeigen ein ums andere Mal die natürliche Vielfalt.
Die Klitoris
Die Klitoris, mehr als nur ein kleiner »Knopf«.
a: Klitorisschaft
b: Klitorisspitze
c: Klitorisschenkel
d: Harnröhrenöffnung
e: Vaginalöffnung
f: Klitorisschwellkörper
Die Klitoris, umgangssprachlich auch Kitzler genannt, ist ein hochempfindlicher Teil, der sich oberhalb der Harnröhrenmündung befindet beziehungsweise dort von außen sichtbar ist. Dieser sichtbare Teil der Klitoris wird durch die Klitorisvorhaut geschützt. Im Vergleich zum männlichen Penis ist sie mit der doppelten Anzahl Nervenenden ausgestattet, dient nur zur sexuellen Stimulation und reicht noch weit in den Körper hinein – bis zu zwölf Zentimeter!
Wer an die Klitoris denkt, hat meist nur den kleinen »Knopf« vor Augen. Jedoch besteht die Klitoris aus Spitze, Schaft und zwei Schenkeln sowie Schwellkörpern. Somit ist sie aus ähnlichen Bestandteilen aufgebaut wie ein Penis.
Die Harnröhrenöffnung
Der Ausgang der Harnröhre befindet sich unterhalb der Klitoris. Die Harnröhre ist mit der Blase verbunden und ermöglicht das Ausscheiden des Urins. Die Vaginalöffnung wiederum ist unterhalb der Harnröhrenöffnung. Bei der Suche nach dem Muttermund landen manche fälschlicherweise beim Harnröhrenausgang, und tatsächlich fühlen sich beide ähnlich an: ein Knubbel mit einer Öffnung. Jedoch liegt der Muttermund innerhalb der Scheide und selten so nah am Eingang. Außerdem ist er viel größer.
Die Scheidenöffnung (Vagina)
Diesem Ort werden wir in den weiteren Kapiteln die größte Aufmerksamkeit zukommen lassen. Denn aus der Scheidenöffnung menstruieren wir, und dort platzieren wir auch die Tasse.
Der Damm
Der Damm ist die Region zwischen dem After und den äußeren Geschlechtsorganen. Während einer Geburt kann es hier zu Rissen mit anschließender Narbenbildung kommen. Diese Narben sind oft empfindlich und machen deshalb nicht selten eine Nutzung von Tampons unangenehm bis unmöglich. Auch bei der Wahl der richtigen Menstruationstasse sollten deshalb Geburtsnarben mit beachtet werden, sofern sie Probleme bereiten.
Das Hymen
Das Hymen ist ein Stück Schleimhaut, das den Scheideneingang ganz oder teilweise verschließt. Es wird auch oft als »Jungfernhäutchen« bezeichnet. Inzwischen versucht man, von diesem Wort loszukommen, denn Jungfrau wird genannt, wer noch keinen Geschlechtsverkehr hatte. Das Hymen hat damit jedoch nicht ganz so viel zu tun. Es muss nämlich nicht erst beim Geschlechtsverkehr kaputtgehen, das kann auch beim Sport passieren, bei jeder Art von Bewegung, bei der Selbstbefriedigung, beim Gebrauch von Menstruationshygiene … oder eben beim Sex. Manchmal ist es auch so elastisch, dass es erst bei einer Geburt reißt. Manche Mädchen besitzen von Anfang an gar kein Hymen. Auch das ist weder schädlich noch unnormal, sondern einfach eine andere Ausprägung.
Viele junge Mädchen, auch wenn sie noch keinen Sex hatten, kommen prima mit Tampons klar. Andere tun sich schwer oder haben Schmerzen. Wenn man sich die verschiedenen Formen von Hymen einmal ansieht, wird auch schnell klar, warum das so ist. Hier mal ein paar Beispiele:
1: Unperforiertes Hymen
Hier ist das Hymen komplett geschlossen. Ein Eindringen mit einem Menstruationshygieneartikel oder einem Penis ist nicht ohne Verletzung möglich. Diese Form des Hymens ist kritisch, da es auch für das Menstruationsblut keine Möglichkeit gibt abzufließen. Es kann sich so bis zur Gebärmutter zurückstauen. Das kommt aber nur sehr selten vor. Wenn es der Fall ist, haben junge Mädchen statt einer Menstruation alle vier Wochen heftige Bauchschmerzen. Die Diagnose wird heute mit einem Ultraschall vom Bauch aus gestellt, und das zu feste, geschlossene Hymen wird unter Narkose eröffnet.
2: Anulares Hymen und 3: Labiales Hymen
Hier liegt das Hymen ringförmig um ein kleines rundes oder längliches Loch. Wenn das Loch in der Mitte sehr groß ist, kann es auch nach dem Eindringen eines Tampons, einer Tasse oder eines Penis manchmal nicht einreißen. In der Alltagssprache wird es »dehnbares Hymen« genannt. Es ist die Hymenform, die am meisten gesehen wird.
4: Septales Hymen
