Die Mutter aller Helikoptermütter berichtet Hochbegabt oder nicht ? - Gabi Glander - E-Book

Die Mutter aller Helikoptermütter berichtet Hochbegabt oder nicht ? E-Book

Gabi Glander

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Beschreibung

Haben Sie auch ein grausames Familiengeheimnis? Haben militante Helikoptermütter und Hochbegabung miteinander zu tun? Diesen Fragen begegnet die Autorin. Selbst ironisch schildert sie, die sich selber als Mutter aller Helikoptermütter empfindet, ihre teils merkwürdigen, teils unangenehmen Erfahrungen damit herauszufinden, ob ihre Tochter hochbegabt ist oder eben nicht. Ein Bericht für Menschen die in ihrem Umfeld ein hochbegabtes Kind haben oder vermuten oder gerne hätten...!

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Seitenzahl: 94

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Für IAM

INHALT

Im Wartezimmer

Der Anfang

Kindergarten

Grundschule 1.+2. Klasse

Grundschule 3.+4. Klasse

Gymnasium 5. Klasse

Gymnasium 6. Klasse

Der Test

Nach dem Test

Gymnasium 7. Klasse

Gymnasium 8. Klasse

Abschließende Gedanken

Liebe Leser

Willkommen in meinem Bericht für Menschen, die in ihrem Umfeld ein hochbegabtes Kind vermuten.

Erwarten sie bitte keine schriftstellerische Meisterleistung in Form eines spannenden Romans, ich bin weder Dichter noch Denker und auch keine Professorin oder studierte Wissenschaftlerin sondern eine Mutter, die aufschreibt, wie es ihr ergangen ist. Ich wünsche mir aber, dass Sie sich trotzdem schmunzelnd in meine Erlebnisse in Form von literarischer Hausmannskost hineinversetzen können.

IM WARTEZIMMER

Hier sitzen wir nun auf blauen Plastikstühlen und warten.

Wir sitzen in der nach Ying-Yang, Sching-Schong oder wie auch immer eingerichteten Praxis von Frau Doktor H., ihres Zeichens Kinder und Jugend Psychologin und warten auf das Ergebnis eines IQ-Testes. Einen IQ-Test, den wir unsere arme, zwölfjährige Tochter haben machen lassen, um – ja warum eigentlich?

Ich weiß, jetzt geht es schon los. Viele Leser werden denken „Meine Güte – was gibt es doch für selbstverliebte Leute, die meinen, ihr Kind wäre etwas Besonderes und müsse aus diesem Grunde hochbegabt sein, ein Genie, ein Wunderkind.“ Absolut erwischt. Für mich war und ist meine Tochter etwas ganz Besonderes und Einmaliges. Aber genauso denken und fühlen Millionen andere Eltern vielleiiiiicht auch. Bevor Sie jetzt aber weiterhin denken, was für eine durchgeknallte Übermutter ich bin, wäre es ja eigentlich ein netter Charakterzug von Ihnen, mich erklären zu lassen.

Wenn es Ihnen an dieser Stelle allerdings lieber wäre, das Buch wegzulegen, stattdessen ins nächste Eiscafé zu gehen und einen Latte Macchiato zu genießen, bitte sehr. Es eignet sich eben nicht jeder zur Helikoptermutter.

Wenn Sie trotzdem weiterlesen, möchte ich nachher aber keine Beschwerden hören, ich hätte Sie nicht vorgewarnt!

Alle anderen, die meiner Geschichte ihr wertes Ohr verleihen, werden erfahren, wie es uns ergangen ist und warum wir heute hier im Wartebereich einer psychologischen Praxis sitzen und uns die Zeit mit dem Tüfteln diverser Intelligenzspielchen vertreiben - vergebens versteht sich – naja, ich zumindest. Was hatte mich dazu bewegt, meine Tochter einen solchen Test machen zu lassen? Wie lange hatte ich mich damit herumgequält, mich endlich dazu durchzuringen und zu outen, als Mutter, die glaubt, ihr Kind wäre schlauer als andere Kinder? Trotz aller gut gemeinter Ratschläge „Und warum willst du unbedingt wissen, wie schlau sie ist? Seid doch froh, dass Ihr ein gesundes, glückliches Kind habt.“

WAR sie intelligenter als andere Kinder? Vielleicht sollte ich auch lieber meinen eigenen elterlichen Über-Ehrgeiz von einer Psychotante untersuchen lassen, anstatt meine Tochter damit zu belasten. Ich wagte nicht, mit Anderen darüber zu sprechen. Man wurde da sehr leicht in die „Ehrgeizige Über-Mutter“ Schublade gesteckt, die ihrem Kind eine Spanische Tagesmutter besorgt, um es gleich zweisprachig aufwachsen zu lassen! Egal wie vorsichtig man sich auch an das Thema herantastete, man wurde immer vorverurteilt. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich.

Wir jedenfalls hatten zwölf Jahre gebraucht, um in dieser Praxis zu landen.

DER ANFANG

Zwölf Jahre zuvor, als unsere Tochter Ella geboren wurde, hatten wir ganz andere Sachen im Kopf als zu beobachten, ob sie die Umwelt „schon besonders aufmerksam betrachtete“, wie es in einschlägigen Symptom-Listen für Hochbegabte steht, von deren Existenz wir zu jener Zeit auch noch gar nichts wussten. Wir wohnten damals im Ausland und waren, oh grausame Schicksalsfügung, völlig auf uns allein gestellt, ohne Hilfe von Eltern, sonstiger Familie oder guten Freunden, WhatsApp gab es noch nicht und unsere Internetverbindung hatte Schneckengeschwindigkeit. Kurz gesagt, wir waren komplett überlastet mit der ganzen hochkomplizierten Baby-Situation. Trotzdem seiferten wir aber vor Freude mit unserem süßen Baby um die Wette.

Ella fing mit acht Monaten an zu krabbeln und beschloss dann zwei Tage später aufzustehen und sich überall entlang zu hangeln. Mit zehn Monaten hatte sie auch davon aber die Nase gründlich voll und fing an zu laufen. In diesem Zeitraum wird der elterliche Ehrgeiz ja noch nicht mit dem, zu diesem Zeitpunkt auch noch offensichtlich schwer messbaren, IQ des kleinen Welpen gemessen sondern mit dem Datum des ersten Babyschrittes. Die Babys werden genauer beobachtet als Neil Armstrong bei der Mondlandung „Ein kleiner Schritt für den Menschen, ein großer für die Elternheit.“ Jeder, der also mit stolz geschwellter Brust behaupten kann, einen solch „frühen Läufer“ zuhause gehabt zu haben, weiß wovon ich rede. Der Nachteil der frühkindlichen Mondlandung ist die Feststellung, wie viele scharfe Kanten sich in sechzig Zentimeter Kopfhöhe im Durchschnittshaushalt befinden. Und nur, wenn Sie einen kleinen früh-laufenden-Junior-Scherzkeks ausgebrütet haben, wissen Sie, was es für ein Schweinkram ist, in die Toilette gestopfte, ganze Klopapierrollen wieder herauszupulen. Das alles hatte damals wirklich nichts mit hohen Begabungen zu tun. Oma Inga würde sagen: “Keine Zähne im Mund aber LaPaloma pfeifen...“

Als Ella eineinhalb Jahre alt war, zogen wir nach Deutschland zurück. Sie sprach zu dieser Zeit noch nicht viel, vielleicht hatte sie zu viel Deutsch / Englisch Gemisch gehört, legte dann aber schlagartig zu und konnte sich dann sehr schön ausdrücken. Die andere Oma, Oma Else, war begeistert „Meeensch und so deutliche Sätze, genau wie Jensi früher“. Jens ist ihr Sohn, mein Mann und kann nach Oma Elses Ansicht wahrscheinlich über Wasser gehen, um ihre Aussage einmal zu relativieren.

KINDERGARTEN

Ella kam, aufgrund ihres Geburtsmonates, recht früh, mit zweidreiviertel Jahren in den Kindergarten. Sie war, obwohl sie die Jüngste war, völlig unauffällig in ihrer Kitagruppe, zumindest wurde uns nichts Anderweitiges berichtet, worüber man als Eltern ja heilfroh ist. Wer will denn schon ein sozial,- empathisch,- haptisch,- optisch,- oder sonstisch auffälliges Kind sein Eigen nennen. Das erste Kindergartenjahr verlief also ereignislos, bis auf mein Outing gleich am allerersten Tag. Ich legte mich mit der Erzieherin an, die mir versicherte, dass das Klettergerüst mit dem großen Loch vor der Feuerwehrstange schon ewig dort stünde und noch kein Kind dort in den Abyss des Todes gestürzt wäre. Na ja, zählte das auch für noch besonders kleine zweidreiviertel-jährige Mädchen? Jedenfalls errang ich einen ersten Sieg, indem fortan darauf geachtet wurde, dass meine kleine Ella nicht in die Nähe des gefährlichen Loches am Abgrund kommen würde. Ich errang wohl auch gleichzeitig das Privileg, einen „intensiven“ ersten Eindruck bei den Erzieherinnen hinterlassen zu haben.

Es gab also nichts Besonderes aus dieser Zeit zu berichten, es herrschte der ganz normale Wahnsinn. Das einzig „Auffällige“, was mir aus dieser Zeit in Erinnerung blieb, war die Autofahrt, bei der auf einmal von hinten aus dem Kindersitz „Ikea!“ erklang. Woraufhin ich natürlich widersprach „Nee Süße, wir fahren nicht zu Ikea“ und von hinten kam „Nein, da steht Ikea“ und ich mit großem Erstaunen feststellen musste, dass wir in einiger Entfernenung tatsächlich an einem Ikea Werbeschild vorbeigefahren waren. „Ella-Maus, woher weißt du das denn? Ist ja toll.“ Von hinten kam nur ein Schulterzucken, aber sie bemerkte wohl unser Interesse. Danach kamen in der Folgezeit noch öfter perfekte Werbeansagen von „Real“ und anderen markanten Schriftzügen, die uns jedes Mal in Erstaunen versetzten.

Als Ella irgendwann ihr erstes Fahrrad bekam, NATÜRLICH von Lilifee, stieg sie auf und fuhr los – „Oh wie toll, hast du das auch aufgenommen?“ Jens hoffte natürlich ihr seine Mega-Sportler- Gene vererbt zu haben. Far from it, wie wir später noch feststellen sollten, eher die Couch-Potato-Gene der Oma.

Mit ungefähr viereinhalb Jahren fing es an, dass sich etwas abzeichnete, was uns aber auch erst in Erinnerung kam, als wir uns Jahre später mit dem ganzen Thema beschäftigten. Sie war mit einem ein Jahr älteren Mädchen aus ihrer Kitagruppe befreundet. Dieses andere Mädchen, Ina, und ihr kleiner Bruder, verbrachten die Wochenenden oft bei ihren Großeltern, damit die Eltern mehr Zeit für sich oder Facebook oder andere extrem wichtige Dinge hatten, so genau hat sich mir das nie erschlossen. Ihr Opa war nun anscheinend ein sehr ehrgeiziger Mann, der Ina nicht nur fast ausschließlich mit Nüssen ernährte, die ja „gut für das Gehirn sind“, sondern auch jemand, der sich vorgenommen hatte, ihr schon das Schreiben beizubringen. Daraufhin bekam Ella nicht nur kübelweise Nüsse von mir, sondern sah auch beim täglichen Spielen mit Ina, wie diese sich im Schreiben versuchte. Sie wusste auch, dass Ina schon mehrere Buchstaben von ihrem Opa gelernt hatte. Ab da wurde Ellas eigene Oma Inga von ihr zur Lehrerin befördert. Oma und Opa waren oft bei uns und jedes Mal musste Oma Inga mit Ella „Schule spielen“. „Oma du bist jetzt die Lehrerin und sagst mir, was ich in mein Heft schreiben soll, ok?“ Und Oma spielte mit einer solchen Inbrunst die Lehrerin, dass man das Gefühl hatte, sie hätte ihr ganzes Leben lang nichts anderes getan. Über den riesigen Spaß, den die beiden dabei hatten, freute ich mich jedes Mal, auch wenn Oma doch etwas antiquierte Lehrmethoden bei „Fräulein Ella“ an den Tag legte. Trotzdem lernte Ella als erstes die Buchstaben OMA und auch MAMA und später auch noch OPA und PAPA zu schreiben. Sie kritzelte mit Begeisterung unter Omas „Diktatur“ ganze Seiten voll. Da sie solches Interesse an Buchstaben hatte, holte ich das Puzzle hervor, welches ich zuuufällig schon vor Ewigkeiten gekauft hatte. Es war ein Holzpuzzle, die einzelnen Teile waren handgroß, hatten jeweils einen Buchstaben in Groß- und Kleinschreibung darauf abgebildet und gleichzeitig noch das Bild eines Gegenstandes mit dem gleichen Anfangsbuchstaben. Diese Puzzleteile passten nur in einer bestimmten Reihenfolge aneinander und zwar in alphabetischer Reihenfolge. Das Puzzle zusammenzustecken ging bei Ella ratzfatz. Dann kamen die Bilder und Buchstaben dran, auf denen sie sehen konnte, dass das Bild eines Apfels mit dem Buchstaben A anfing, Bus mit B, ein Clown mit C und so weiter. Ich sang ihr dazu das ABC in einer beschwingten Volksmelodie vor - Helene wäre blass vor Neid geworden - und Ella, die die Melodie kannte, lernte so an einem einzigen Nachmittag das Alphabet aufzusagen bzw. zu singen. So kann man auch mit kleinen Sachen der Mama große Freude machen.

Etwa um diese Zeit schlug das Schicksal noch einmal zu und gab uns eine tolle Möglichkeit, wir würden noch einmal für zwei Jahre ins Ausland ziehen. Familie und Freunde blieben wieder in Deutschland zurück und wir zogen im Frühling los in die Ferne. Dort angekommen, Kind und Kegel ausgepackt, fanden wir für Ella nicht sofort einen Kindergartenplatz in der dortigen Deutschen Internationalen Schule. So musste sie für ein halbes Jahr einfach bei mir zuhause bleiben. Diese Zeit würde ich nun meine Helikoptermutter Grundausbildung nennen. Ich hatte leider nur eine Rekrutin, denn Nachbarskinder gab es nicht und sonst kannten wir auch noch niemanden dort. Da läuft man als vorbildliche Mutter natürlich zu kreativer Hochform auf. Während dieser Zeit las ich Ella also auch viel vor. Es gab dort, Gott sei Dank, den größten Buchladen, in dem ich je war und zwar dort auch eine Abteilung für deutsche Bücher und auch deutsche Kinderbücher. Zu horrenden Preisen versteht sich, aber was tut man nicht alles. Ich hatte also immer ein paar neue Bücher oder auch Hör CDs auf Vorrat gehortet, die ich dann zu passender Zeit hervorholte. Wie, Sie kennen nicht die erste Regel für die ehrgeizige Übermutter, immer genug Lesestoff im Hause haben, auch wenn der Nachwuchs noch gar nicht lesen kann? Jetzt sagen Sie nicht, Sie hätten für ihr Neugeborenes noch keinen Mitgliedsausweis der Jugendbücherei besorgt? Eines dieser Bücher also, ein „Bücherbär“ für allererstes Lesen, über einen kleinen Piraten, fiel Ella nun in die Hände, ohne dass ich ihr daraus schon vorgelesen hätte. Ich