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Die Mutter aller Jobs... ist die Mutter! Jedermann und jeder Mann, der sich schon mal Gedanken darüber gemacht hat, was wohl eine Mutter ausser ein bisschen haushalten, mit den Kindern spielen und Kaffee trinken sonst noch tut, um den lieben langen Tag durchzubringen, hat nur eine Wahl: Dieses Buch lesen... bis und mit zur letzten Seite.
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Seitenzahl: 251
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Für meine Familie die auf der ganzen Welt verteilt ist.
Für alle Mütter dieser Welt.
Ohne meine Tochter Maya würde es dieses Buch nicht geben.
Im Idealfall fängt das wunderbare Muttersein mit einem simultanen, mehrfachen, himmelhochjauchzenden Orgasmus an. Immer noch im Idealfall legt sich der Mann daraufhin zur Seite und schnarcht sich glücklich in seine Fussballträume, während die Frau hofft, dass der Schnarcher und die drei Kinder durchschlafen werden.
Während genau diesem Hoffen ist sie sich allerdings nicht bewusst, was in ihrem Körper gerade so abgeht. Wikipedia beschreibt dies ganz unverfroren wissenschaftlich wie folgt:
"Vereinigung von zwei haploiden Gameten zu einer einzigen Zelle, der diploiden Zygote".
Jaja, es ist schon klar. Der Idealfall ist tatsächlich schon wieder eingetroffen:
Die weiblichen und die männlichen Keimzellen haben sich trotz völliger Dunkelheit gefunden und beschlossen aus diesem Treffen mehr zu machen, als Frau und Mann eigentlich wollten.
Was eine Frau immer wieder dazu treibt, Mutter zu werden bleibt eines der für die Ewigkeit ungelüfteten Naturgeheimnisse. Wissenschaftlich wird man dies bestimmt nie ergründen und oder begründen können. Auch eine Mutter kann es nicht erklären, wie man sich wünschen kann, innert neun Monaten bis zu fünfzig Prozent an Gewicht zuzulegen, wo man doch während Monaten, wenn nicht Jahren, verzweifelt versucht hat ein paar Pfunde zu verlieren. Noch viel weniger erklärbar ist es für jede Mutter, weshalb sie zur Wiederholungstäterin wird. Der Gebärschmerz übertrifft ohne jede Diskussion eine Nierenkolik, mehrfach gebrochene Knochen oder Foltertage im dunkeln Mittelalter.
Oder all die drei Schmerzerzeuger im Paket. Bis zum heutigen Tag ist es nicht gelungen einen normalfunktionierenden Menschen zu finden, der sich die erwähnten Schmerzen sehnlichst wünscht.
Aber die Menschen funktionieren ja nicht normal. Seit 1920 ist die Weltbevölkerung von zwei Milliarden Menschen auf über sieben Milliarden angestiegen. Falls ich richtig gerechnet habe, gibt es pro Jahr rund 140 Millionen mutige und schmerzresistente Frauen, die Kinder auf die immer kleiner werdende Erde gebären. Tendenz steigend. Jeder kann selber mal nachrechnen, aber in der Aussage wird es nichts ändern, dass diese Zahlen um das Tausendfache kleiner wären, falls die viel schmerzempfindlicheren Männer die Kinder auf die Welt transportieren müssten.
Müssen die Männer aber nicht. Damit bin ich beim Mann angekommen. Als Grossvater habe ich einen völlig neuen Blick auf die Frauen im Allgemeinen und auf die Mütter im Speziellen gefunden. Ohne dass dabei der alte, vielleicht etwas oberflächlichere Blick auf die Frauen verloren gegangen ist. Schauen ist immer noch erlaubt, blicken auch und zum genauer hingucken hat man als Rentner nicht ganz unverhofft mehr Zeit.
Bei diesem Beobachten der Mutterrolle und teilweise auch Mithelfen ist mir bewusst geworden, dass die Arbeit der Mütter von der Gesellschaft und besonders von den Männern gnadenlos unterschätzt wird.
Sind drei Freunde und drei Freundinnen in einem schmucken Restaurant beim Essen, so dreht sich alles um ihre privaten und beruflichen Höhen und Tiefen. Ist eine Mutter unter den drei Freundinnen, wird auch sie mal kurz gefragt, wie es den Kindern gehe. Aber nach ein paar „Jööö“ und "Ach wie süss“ wendet sich das Gespräch wieder den wichtigen Dingen des Lebens zu: Warum Messi gegen Real Madrid kein Tor geschossen hat, wie viel das neu erstandene Mountainbike wiegt, wie sich die Hypothekarzinsen entwickeln, wie viele E-Mails und iPhone-Meldungen den sonst schon so gestressten Arbeitstag belasten, wie man sich am schnellsten die Karriereleiter empormobbt und wie lange sich der nordkoreanische Diktator noch halten kann.
Kann sein, dass noch einmal ein mitleidiger Versuch gestartet wird, die Mutter in die hochstehende Diskussion miteinzubeziehen. Etwa mit der Frage, was sie arbeitet. Falls sie nichts arbeitet, folgt die Frage, wie sie den lieben, langen Tag mit den Kindern und der Langeweile umgeht. Falls sie sich nicht langweilt, verstummt die Fragerei. Nach einem leicht betretenen Schweigen wendet sich die Konversation wieder den Banken, Kim Jong-un, Manchester United und den ach so interessanten iPhones, iPods und iPads zu.
Dieses Buch hat den Anspruch, dem Mutterjob auf die wohlverdienten Beine zu helfen.
Muttersein ist ohne Wenn und Aber „Die Mutter aller Jobs“.
Mutter ist Fortpflanzungsverantwortliche, Erzieherin, Milchproduzentin, Gärtnerin, Bäuerin, Köchin, Ernährungsfachfrau, Reinigungsspezialistin, Medizinerin, Babysitterin, Pädagogin, Psychiaterin, Unterhalterin, Computerspezialistin, Turn- und Sportlehrerin und Physiotherapeutin verpackt in einem. Fast hätte ich es vergessen…..all diese Jobs werden wegen regelmässig gestörter Nachtruhe in einem Dauerzustand des Schlafmangels geduldig erledigt. Geduld ist ein weiteres Schlüsselwort: Von keinem Beruf wird derart viel Geduld gefordert.
Muttersein ist DER Spitzenjob und gehört zuoberst auf das Berufspodest.
Alle anderen Jobs verblassen dabei und wer das nicht wahrhaben will, muss zwingend den folgenden Test bestehen:
Sich an einem Donnerstagabend bei einer Mutter von ein, zwei, drei oder noch mehr Kindern melden und bis Montagmorgen die Mutteraufgaben übernehmen.
Idealalter der Kinder, sechs Monate, zweijährig und vierjährig, vorzugsweise alle drei mit ganz normaler Energie geladen. Zu den Aufgaben gehören: babysitten, einkaufen, kochen, abwaschen, putzen, Kleider waschen, sich selber und die Kinder waschen, mit Freunden tratschen, Post erledigen, Computer und iPhone auf dem neuesten Stand halten, den Garten pflegen, sich hübsch machen, denn am Freitag- und am Samstagabend kommt je ein vierköpfiger Besuch zum Dinner, Kinder ins Bett bringen, vielleicht sogar ein bisschen schlafen und selbstverständlich Kaffee trinken.
Falls man oder Mann diese Prüfung überlebt und am Montagmorgen gut gelaunt die Kinder und die Wohnung in einem piekfeinen Zustand der glücklichen und bestens ausgeruhten Mutter übergibt, kann man oder Mann dieses Buch mit gutem Gewissen ungelesen auf die Seite legen. Oder einem Freund weiterverschenken.
Halt! Fährt der Mann am Montagmorgen jauchzend ins Büro, weil er endlich wieder sich selber sein kann und weil er völlig ungestört an der Kaffeemaschine mit der Sekretärin plaudern und ein bisschen flirten kann, dann, ja dann sollte er das Buch vor dem weitergeben doch durchlesen.
Alter Kind Mutter
0-1 Lou Katja
1-2 Jaden Hoai Nam
2-3 Maya Edith
3-4 Kai Maya
4-5 Sursuk Parnasa
5-6 Lynne Nami
6-7 Lani Maya
7-8 Jason Susan
8-9 Fynn + Michel Anke
9-10 Janet Cristina
10-11 Enea Regula
11-12 Chiara Vreni
Kaum ist ein Baby auf der Welt, kennt es schon die Prioritäten des Lebens. Es lebt die maslowsche Bedürfnispyramide von der ersten Sekunde an, ohne zu wissen, wer denn dieser gute Herr Maslow überhaupt ist. Ist dem noch nassen Neugeborenen auch egal.
Luft, Wärme, Nahrung, Schlafen. Das sind die ersten und wichtigsten Bedürfnisse eines Babys und werden auch die wichtigsten Bedürfnisse im ganzen Leben dieses neuen Menschen bleiben.
Beim ersten Atemzug wird dem Baby mit einem kräftigen Klaps auf den Hintern etwas nachgeholfen. Darauf folgt ein ohrenbetäubender Schrei und das Atmen nimmt seinen Lauf. Der allerletzte Atemzug bedeutet dann gleichzeitig die Verabschiedung aus dem hoffentlich langen und erfüllten Leben. Einem Leben, in dem man vielleicht sogar die fünfte Stufe der maslowschen Pyramide kurzzeitig erreicht hat. Die Selbstverwirklichung.
Luft.
Ohne frische Luft zu holen funktioniert der Durchschnittsmensch eine gute Minute. Dann ist es aus. Wenn wir beim Schnorcheln abtauchen, um einige Fische etwas näher zu betrachten, müssen wir schon bald wieder an die Oberfläche hecheln und krampfhaft nach Luft schnappen. Rekordtaucher bringen es auf vier bis fünf Minuten. Wir atmen pro Minute 12–20 Mal ein, ohne es bewusst zu realisieren. Luft, obwohl absolut unentbehrlich, ist für uns eine Selbstverständlichkeit.
Es war überhaupt keine Selbstverständlichkeit, dass die kleine Lou zu ihrem ersten Atemzug kommen konnte. Der Name Lou steht für Kämpferin und schon vor dem ersten Luft holen sollte der Kampf beginnen.
Genau gesagt begann der Kampf rund vierundzwanzig Wochen vor der Geburt. Die Gynäkologin riet Katja schon früh in der Schwangerschaft sich so viel wie nur möglich hinzulegen, um eine Frühgeburt zu verhindern. In der 20. Schwangerschaftswoche begannen bereits die wilden Wehen und dann war Dauerliegen angesagt. Katja verbrachte zweiundzwanzig Stunden am Tag in liegender oder sitzender Stellung. Lesen, schlafen, irgendwelche Handarbeiten machen und fernsehen sollten für viele Wochen zum ständigen Tagesablauf gehören.
Fernseh-Kochkurse avancierten zu den Lieblingssendungen. Obwohl das Take-away-Thai-Curry zu ihrer bevorzugten Speise gehörte, war klar, dass dies in den Baby-Food-Top-Ten keine Chance hatte. Ob Katja wollte oder nicht, plötzlich war jede Menge Zeit da, um sich mindestens geistig auf die Hausfrauenrollen in allen Details vorzubereiten.
Die Tour de France verfolgte sie vom Prolog bis zur triumphalen Siegerankunft von Bradley Wiggins in Paris in allen Details. An dieser Stelle muss erwähnt sein, dass Katja ein sehr sportliches Naturell hat und möglichst viel Bewegung braucht. Umso grösser ist deshalb diese ausserordentliche Geduldsleistung einzustufen. Nicht nur körperlich, sondern auch mental und seelisch wurde Katja an ihre Leistungsgrenze gepuscht.
Bereits vor zwei Jahren erlebte sie eine ähnlich schwierige Schwangerschaft. Damals erblickte ihr Sohn Kimi das Licht der Welt schon nach siebenundzwanzig Wochen und verabschiedete sich nach einigen wenigen intensiven Tagen wieder von dieser Erde. Er liess seine Eltern in einem tiefen, langen Tal der Tränen. Heute schwebt Kimi über seiner Familie als leuchtender Stern, der unendliche Energie ausstrahlt. Es muss diese Kraft gewesen sein, die es Katja erlaubte, ein weiteres Mal eine äusserst komplizierte Schwangerschaft durchzustehen.
Der Wunsch Mutter zu werden ist wahrscheinlich DER Wunsch jeder Frau. Frauen sind so oder so eine wandelnde Wunschliste. Das ist zumindest die Meinung der Männer. Die Herren geben auch gerne zu, dass Frauen die viel schöneren Kreaturen sind und sie selber im Ausgang zu reinen Statisten verkommen. In der ganzen Tierwelt ist das Männchen meistens um Welten farbiger und attraktiver als das Weibchen. Nur bei uns Menschen ist das ohne Diskussion gerade umgekehrt. Zum Glück erreicht der Mann ein akzeptables Selbstwertgefühl wesentlich leichter als die Frau. Selbst mit Glatze und Nasen- oder Ohrenhaaren stimmt bei ihm das Spiegelbild. Es kommt ihm auch nie in den Sinn seinen Hintern im Spiegel zu betrachten. Nicht so die Frau. Sie ist um Meilen kritischer mit sich selbst und aus diesem Grunde wird die Wunschliste ellenlang. Auch wenn sie gertenschlank ist, findet sie bei längerer Betrachtung irgendwo ein Pfund, das sie sich wegwünscht. Geht es zu einer Party, ist der Kleiderschrank leer und Shopping ist angesagt. Sieht man die wunderhübschen Schuhe im Schaufenster, werden diese im Nu aus der Vitrine verschwinden. Im Parterre eines jeden Warenhauses werden auf der gesamten Fläche Parfüm, Lippenstift, künstliche Augenwimpern, Puder und weitere tausend Chemikalien angeboten. Nur zum Zweck, das bereits perfekte Gesicht ins noch bessere Licht zu rücken. Die Frau mit natürlich lockigem Haar wünscht sich gerade Haare, während die Dame mit den glatten Haaren bei der Coiffeuse für teures Geld die Dauerwelle kauft. Trotz all diesen Wünschen thront der Wunsch, Mutter zu werden, über allen anderen Begehrlichkeiten.
Um diesen Herzenswunsch in Erfüllung zu bringen, war Katja bereit, sich selber während sechs Monaten ruhigzustellen und ihren Bewegungstrieb zu unterdrücken.
Allem Liegen zum Trotz meldete Lou fünf Wochen vor dem geplanten Geburtsdatum, dass sie Katja statt von innen endlich von aussen geniessen wolle. Die Frühgeburt war nicht zu verhindern. Hals über Kopf fuhren Katja und der werdende Vater Theo um drei Uhr morgens ins Luzerner Kantonsspital. Die Neonatologie war wegen grosser Nachfrage jedoch total ausgebucht. Diese Abteilung ist für Frühgeburten zuständig und bestens ausgerüstet, um die Kleinsten mit viel Technologie und Fachwissen in die Welt zu bringen. Die Spitalverantwortlichen empfahlen verschiedene Alternativen und die hypernervösen, werdenden Eltern entschieden sich für das Universitätsspital Zürich. Falls nötig, war dort ein Platz in der Neonatologie garantiert. Laut Katja werden die Dienste der Neonatologie immer mehr beansprucht. Grund dafür soll die Tatsache sein, dass die Mütter im Durchschnitt immer älter werden und das Risiko von Frühgeburten dadurch enorm gestiegen ist. In der Rushhour morgens um acht fuhren sie Richtung Zürich. Nach acht Stunden ungeduldigem Warten und Lous unmissverständlichem Pochen auf ihre Bedürfnisse schafften sie es endlich, die Aufmerksamkeit eines Akkord-Kaiserschnitt-Arztes auf sich zu ziehen.
Am 16. Dezember 2011 war es so weit. Ohne einen besonders harten Klaps auf den Hintern schrie sich Lou, zur riesengrossen Erleichterung und zum Entzücken von Katja und Theo, auf diese Erde. 2.200 Gramm Glück und Sonnenschein strahlten intensiver als der teuerste Diamant. Der blaue Wittelsbacher Edelstein, der kürzlich für 18.7 Millionen Euro versteigert wurde, hat keine Chance, den tausendkarätigen Lou-Juwel zu übertreffen.
Für entsprechende Luft war also gesorgt und somit war Lou bereit, das zweite Bedürfnis eines Menschen zu sichern.
Wärme.
Das Neugeborene denkt nicht an Selbstverwirklichung. Es denkt überhaupt nicht (das ist zumindest meine unwissenschaftliche Annahme). Hat das Baby die Luftzufuhr im Griff, ist der Erhalt der normalen Körpertemperatur von Nöten. Ein Tuch und die Körperwärme der Mutter werden dieses Grundbedürfnis nach Wärme befriedigen. Doch schon hier scheiden sich die Geister der Betreuenden. Nehmen wir nur als ein Beispiel die Kontroverse des Wickelns. Da gibt es die uralte Methode des Puckens, die zum Teil noch bis heute angewendet wird. Beim Pucken wird der Säugling möglichst eng in ein Tuch gewickelt und seine Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Es soll die Geborgenheit und Wärme im Mutterleib simulieren und vor einer Verkrümmung des Rückgrades schützen. Alle, die an einem übertriebenen Bewegungsdrang leiden, wurden wohl in jungen Jahren gepuckt. Endlich habe ich eine Erklärung dafür gefunden, warum ich nur für überdurchschnittlich kurze Zeit still sitzen kann. Keine idealen Voraussetzungen für einen Schreiberling.
Lou wurde nicht gepuckt. Aber sie hatte Probleme, ihre Körpertemperatur über dem absolut notwendigen Mindestwert von 36.5 Grad Celsius zu halten. Ein Wärmebett konnte diesen Missstand vorübergehend beheben. Lou fehlte jedoch die Kraft, Nahrung aufzunehmen. Da lag die kleine Lou neben Mami Katja, fror und hatte Hunger. Mamis Bewegungstrieb wurde durch starke Neo-Kaiserschnittschmerzen in engen Grenzen gehalten und der völlig ausgepumpte Papi gönnte sich ein Nickerchen. Ein Bild von einer ziemlich erschöpften Kleinfamilie. Zum Glück war da die umsorgte und vor Energie strotzende Hebamme. Sie versuchte allerdings vergeblich Lou die Muttermilch frisch ab Katjas Brust schmackhaft zu machen. Noch vor wenigen Stunden chillte die Kleine im warmen Bauch von Katja und musste für die Zuführung von Nahrung rein gar nichts tun. Ihr Ehrgeiz, dies zu ändern, war schlicht und ergreifend nicht vorhanden. Der Gang in die Neonatologie-Abteilung wurde unabdingbar. Dort war die kleine Lou mit ihren zwei Kilo Körpergewicht das klar gewichtigste Baby. So klein und doch die Grösste. Mit einer Nasensonde wurden ihr die so dringend benötigten Kalorien zugeführt und die Temperatur des Wärmebettes auf finnische Saunahitze erhöht.
Luft….Wärme…
Nahrung.
Ob reich oder arm, ob Eskimo oder Südamerikaner, ob Japanerin oder Indianerin: Alle haben beim Start ins Leben denselben Menüplan:
87% Wasser, 7% Kohlenhydrate, 4% Fett, 1.5% Eiweiss, plus Spurenelemente, Calcium, Magnesium, Natrium und sonst noch einige chemische Zutaten. Den ganzen Mix nennt man Muttermilch. Pünktlich, frisch und in der richtigen Temperatur. Produziert von der Mutter.
Manche Mütter produzieren genug, manche zu wenig, einige zu viel. Das Stillen soll vielen Frauen das ultimative Muttergefühl geben, einigen tut es ganz einfach nur weh und dann gibt es auch Mütter, die aus ästhetischen und anderen Gründen schnellst möglich zur Babyflasche und dem Milchpulver greifen.
Das Stillen durch Lohnammen ist ein Vorkriegsmodell, jedenfalls habe ich keine Stelleninserate gefunden, die Ammen betreffen. Früher war deren Einsatz bei den noblen Familien eine Selbstverständlichkeit. Ein Grund dafür war die Tatsache, dass vor allem die Adeligen unbedingt auf männlichen Nachwuchs pochten. Wäre die dafür verantwortliche blaublütige Mutter einige Monate oder sogar ein Jahr am Stillen eines Mädchens gewesen, hätte sie kostbare zeugungsfähige Zeit verloren. Damals glaubte man, dass eine Frau während dem Stillen nicht schwanger werden konnte. Etwas nuanciert hat sich dieser Glaube bis zum heutigen Tage gehalten, die Lohnammen sind aber in der westlichen Welt verschwunden.
Statt Ammen kann man jetzt online Muttermilch bestellen. In Europa ist der Handel mit Muttermilch aus ethischen und gesundheitlichen Gründen äussert umstritten.
In den USA hat man damit weniger Berührungsängste. Auf der Website www.onlythebreast.com bieten die Mütter ihre Milch mit allen nötigen Details an:
„Ich bin eine 27-jährige, verheiratete, gut ausgebildete, gesunde Mutter zweier Kinder. Meine Kinder sind kerngesund und werden höchst selten krank. Ich rauche nicht, trinke nicht und nehme keine Drogen. Ich esse gesund und nehme täglich die nötigen Vitamine zu mir. Ich pumpe zwei Deziliter Muttermilch in eine sterile Verpackung, die dann sofort tiefgefroren wird. Ich habe über dreissig Liter an Lager und biete sie zu US$ 7.00 für zwei Deziliter an.“
Meine Grossmutter hatte scheinbar nicht genügend Muttermilch, um meinen Vater gebührend zu ernähren. Die Ammen waren entweder schon ausgestorben oder viel zu teuer und das Online-Muttermilch-Shopping hundert Jahre in der Ferne. Kuhmilch aus dem eigenen Stall war die naheliegende Lösung. Vater Seppli vertrug aber Vollmilch überhaupt nicht, verlor ständig an Gewicht, statt Pfunde zuzulegen. Schon damals gab es die rettende Alternative in Form von Milchpulver. Mein Grossvater hatte etwas gegen diese Lösung: „Wenn der Seppli Kuhmilch nicht verdauen kann, hat er wohl auf dieser Welt keine Überlebenschancen. Wir haben schlicht und einfach kein Geld zur Verfügung, um auf eine luxuriöse Milchpulverlösung auszuweichen“. Damit war eigentlich schon klar, dass im Familienbuch der Familie Zibung dereinst zu lesen sein würde, dass von total acht Neugeborenen nur deren vier die ersten drei Jahre überlebten. Zum grossen Glück von Seppli musste der Grossvater für zwei Wochen in eine entfernte Glasfabrik zur Arbeit. Als er wieder nach Hause kam, traf er zu seiner grossen Überraschung und Genugtuung einen putzmunteren Säugling an. Grossmutter hatte in Grossvaters Abwesenheit Milchpulver eingekauft und Seppli konnte fast nicht genug davon kriegen. Der Familiengürtel wurde bis auf die Knochen enger geschnallt. Nur dank diesem radikalen Sparprogramm überlebte der kleine Seppli und nur deshalb bin ich heute in der Lage, diese kleine Historie auf Papier zu bringen. Das Schicksal lässt grüssen.
Vor rund hundert Jahren sicherte meinem Vater das Milchpulver das Dasein und für Lou war die Nasensonde das Tor zum Leben. Die so eingenommene Muttermilch gab ihr die nötige Wärme und sorgte dafür, dass sich der Gewichtsverlust ins Positive drehte.
Nach sieben Tagen konnte Theo seine beiden Mädchen im Spital abholen und nach Hause fahren. Aber halt. Da war noch wichtiges Shopping angesagt. Lou benötigte unbedingt eine nagelneue Garderobe. Alle bereits eingekauften und erhaltenen Kleider, vom Langarmbody bis zum Overall, hatten Grösse 56. Normalerweise ist das die ideale Grösse für Neugeborene. Lou sah sich schon mit einem typischen Frauenproblem konfrontiert. Der Schrank voller Kleider - nichts zum Anziehen. Auf der Heimfahrt vom Spital, am 23. Dezember um acht Uhr abends, hiess es sich in das Weihnachts-Einkaufsgetümmel zu stürzen. Die vor einigen Tagen noch ziemlich ausgepowerte Familie zeigte volle Action. Alles, was in Kleinstgrösse 50 zu ergattern war, wurde eingekauft. Auch in dieser Grösse versank der kleine Diamant. Zum Strampeln blieb da jede Menge Platz.
Auch Mutter Katja war bereit zum Strampeln. Ihr Körper wurde während dem vergangenen halben Jahr der Schwangerschaft zur Ruhe gezwungen. Ihr gingen in dieser Zeit wohl Bilder von freigelassenen Kälbern durch den Kopf. Wird dieses junge Vieh jeweils im Frühling, nach einem langen Stallaufenthalt im Winter, zum ersten Mal aufs Feld gelassen, geht die Post ab. Ganz verrückt hüpfen die normalerweise bedächtigen Tiere wie Gazellen auf der Wiese herum und machen handstandähnliche Übungen, indem sie die Hinterbeine hoch in die Luft schmeissen. Der Zuschauer tut gut daran, bei diesem Befreiungsfestival auf der sicheren Seite des Zauns zu stehen. Nach der Geburt hätte Katja perfekt in eine solch wild gewordene Kälberherde gepasst. Ihr Körper bettelte geradezu nach Bewegung und Katja war trotz Schmerzen bereit, diesem Wunsche zu entsprechen. Baby tragen, putzen, kochen, backen, waschen, Besuch empfangen, shoppen, in der frischen Luft rumrennen und Gymnastik war jeden Tag ein Dutzend Mal angesagt.
Aber auch ohne Sport kam Katja zuhause ins Schwitzen. Um der kleinen Lou genügend Wärme zu garantieren, wurde die Zimmertemperatur auf rund 30 Grad Celsius eingestellt. Doch auch bei dieser Temperatur hatte Lou blaue Lippen und nur dank dem Kauf einer Wärmelampe für den Wickeltisch fühlte sich der Säugling einigermassen warm genug.
Weihnachten, 24. Dezember 2011. Lou war das ideale Geschenk unter dem Weihnachtsbaum, sie liess keine weiteren Wünsche offen. Sie trat die halbstündige Autofahrt durch die verschneite Gegend zu ihren Grosseltern an. Dort gab es trotz bitterkalten Aussentemperaturen die wohl heisseste Weihnachtsfeier in der Schweiz. Bei 30 Grad wurden alle Beteiligten im eigenen Schweiss gebadet und Fotos belegen, dass in der guten Stube Hawaii-Wetter angesagt war. Wagte es jemand kurz das Fenster zu öffnen, riskierte diese Person von einem von Lous Grossvater angeführten Mob gelyncht zu werden. Friedliche Weihnachten. Lou versteckte sich hinter einem Berg von Babykleidern und fühlte sich offenbar pudelwohl. Jedenfalls verschlief sie die Feierlichkeiten komplett.
Ab Weihnachten ging es mit der Nahrungsaufnahme und auch der Wärme rasant in die gute Richtung. Laut Katja wurde die Kleine derart aggressiv gemästet, bis die nette Dame von der Mütterberatung das Wort Diät in den Mund nahm. Lou entwickelt sich prächtig und erreichte nach nur vier Monaten völlig normale Werte in Körpergewicht und Körpergrösse. Ab dem dritten Monat ernährte sie sich einmal mit Muttermilch, ein anderes Mal mit der Anfangsmilch der Marke Milupa.
Seit 1981 gibt es einen vierundzwanzigseitigen Kodex der WHO für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten. Dieser Kodex führte zu Regeln und auch Gesetzen, die das aktive Vermarkten von Anfangsmilch für Säuglinge unter drei Monaten verbietet. Es gibt also tatsächlich noch Produkte in unserer freien Marktwirtschaft, die nicht beworben werden dürfen. Werbeschlupflöcher für Tabak und Alkohol sind alleweil möglich, nicht so für Anfangsmilch. Der Kampf um Marktanteile für Milchpulver, auch Folgemilch und Kindermilch genannt, wird erst für Babys ab vier Monaten lanciert.
Lou ist bereits bei der Folgemilch angelangt und zieht es sowieso vor das von HIPP angebotene Menü zu geniessen. Laut HIPP kommt das Gemüse aus einem biologischen Garten, ohne künstlichen Dünger, ohne Spritzmittel, ohne Verdickungsmittel und auch ohne Farb- und Konservierungsstoffe. Ach ja, und auch kein Salz. Dafür wird wertvolles Bio-Rapsöl verwendet und Lou steht vor allem auf die darin enthaltenen natürlichen Omega-3-Fettsäuren, weil diese ihre Gehirn und Nervenzellen entwickeln. Folglich ein Menü, das in einem Restaurant aufgetischt locker 19 Gault Millaupunkte abholen würde.
Bei meinem Besuch zeigte Lou, dass sie für weitere kulinarische Gaumenfreuden bereit war. Als anständiger Gast brachte ich ein paar Vollkorngipfeli mit. Katja und ich machten uns daran, diese mit einem Kaffee zu geniessen und für Lou wurde ihr Lieblingscracker Pancroc Multigrain von Roland aufgefahren. Ein Cracker, der sich mit dem Speichel sehr leicht auflöst und so bei einem Kleinkind keinerlei Schluckprobleme verursacht. Doch da waren Vollkorngipfeli auf dem Tisch und diese bewogen Lou dazu, den Cracker unmissverständlich auf die Seite zu putzen. Katja gab der Kleinen ein winziges Vollkornhäppchen und schon bald war klar, dass die Firma Roland an diesem Tag einen treuen Kunden verloren hatte. Beim nächsten Shopping wird Lou bei der Produktewahl einen gewichtigen Schrei mitzureden haben.
Das Wort Schrei erinnert mich daran, dass ich noch nicht über das vierte wichtige Grundbedürfnis des Menschen geschrieben habe.
Nach Luft, Wärme und Nahrung folgt der
Schlaf
als unabdingbare Notwendigkeit. In der Theorie benötigt Lou pro Tag insgesamt fünfzehn Stunden Schlaf und Mutter Katja sollte mit rund der Hälfte dieser Ruhezeit auskommen. Man könnte daraus schliessen, dass Katja und alle anderen Mütter nie einen Grund hätten, an Schlafmangel zu leiden. Und doch höre ich regelmässig von Eltern, die sich wegen zu wenig Schlaf buchstäblich die Augen reiben.
Der Schrei und der Schlaf gehören in einem jungen Leben zusammen wie der Hammer zum Amboss. Lou hat das lange Schlafen nicht erfunden und gehört im Fachjargon zu den Kurzschläfern. Katjas Schlafrhythmus war in den ersten Monaten etwa so:
>Lou schläft um acht Uhr abends ein. Katja pumpt noch Milch ab, da ihre Perle schon nach kurzer Zeit entdeckt hat, dass es um einiges bequemer ist vom Schoppen zu trinken, als mit mühsamem Saugen die Milch von der Brust zu erbeuten. Katja erledigt noch einige Haushaltarbeiten und legt sich um zehn Uhr hin.
>Gerade als Katjas Tiefschlaf zu wirken beginnt, schreit Lou. Mami holt den Schreihals aus dem Bettchen, torkelt schlaftrunken mit Lou zum Kühlschrank, wärmt die abgepumpte Milch auf die genau richtige Temperatur und endlich hat das Schreien ein Ende. Lou muss nach der Mahlzeit noch auf Katjas Schulter rülpsen und die getrunkene Luft loswerden. Manchmal kommt ausser Luft auch noch etwas oder viel halbverdaute Milch und die beiden Mädchen sorgen für eine Modeschau um Mitternacht. Der Waschkorb füllt sich in ungeahnter Geschwindigkeit. Auch das Sofa muss noch gereinigt werden, weil der Geruch nach säuerlicher Milch nicht unbedingt ein Nasenschmaus ist.
>Nach einer weiteren halben Stunde schläft Lou frisch gekleidet beim Herumtragen ein. Katja pumpt eine weitere Flasche Muttermilch ab und legt sich dann erschöpft hin. Sie hat Mühe einzuschlafen. Endlich ist es soweit.
>Nach einer gefühlten Minute meldet sich Lou wieder über den installierten Babymonitor. Theo springt ein, gibt Lou den Schoppen (laut Wikipedia „das erste Trinkgefäss für Kleinkinder mit einem durchbohrten Gummischnuller als Trinköffnung“) und wartet das erste grosse Rülpsen ab.
Katja ist trotz Theos selbstlosen Einsatzes hellwach, Lou auch. Sie erzählt Mami ihre ersten Geschichten und ihr Lächeln lässt Katja auch morgens um zwei nicht kalt. Beide legen sich wieder hin. Für Lou ist das noch ein bisschen zu früh, für Katja aber höchste Zeit.
Und so geht das die ganze Nacht. Sekundenschlaf oder Powernap für Katja. Gerade richtig für Lou. Letztere nimmt sich die fünfzehn Stunden Schlaf wann immer es ihr gerade so passt. Wäre da nicht der Schrei, würde niemand über Schlafmangel sprechen.
Warum schreien Babys? Bevor sie Deutsch, English, Chinesisch oder sonst eine der über 6.000 Sprachen, die es auf dieser Welt gibt, beherrschen, ist es ihre (fast) einzige Kommunikationsmöglichkeit. Alle Säuglinge dieser Welt verstehen sich prima, alle schreien in etwa gleich. Erst nach dem ersten Lebensjahr fängt das babylonische Sprachenchaos an. Dass im Wort Babylon das Wort Baby steckt, ist wohl doch kein Zufall.
Wenn die Neugeborenen schreien, versuchen sie uns mitzuteilen, dass
>sie Hunger haben,
>ihnen der Bauch schmerzt, weil sich dieser wegen zu viel Milch bläht,
>sie müde sind,
>sie spüren, wie sich die Zähne durchs Zahnfleisch bohren,
>sie die stinkig nassen Windeln loswerden wollen.
Trainierte Mütter verstehen diese Sprache und denken nicht ans Windeln wechseln, wenn das Baby doch klar und deutlich schreit, dass es Hunger hat. Untrainierte Babysitter versuchen es zuerst mit Herumtragen, dann mit der Flasche, dann mit Streicheleinheiten oder mit dem schmerzstillenden Osa- Zahngel. Das Wechseln der Windeln fällt ihnen schon beim ersten Schrei ein, doch greifen sie normalerweise erst im absoluten Notfall auf diese offensichtliche, aber eher unbeliebte, Hilfestellung zurück. Das Baby schreit einfach so lange, bis es kriegt, was es will und ein Baby hat in 99% der Fälle die eindeutig grössere Ausdauer im Schreien als die lärmgeplagten Zuhörer.
Wie bereits erwähnt ist Schreien für einen Säugling die (fast) einzige Kommunikationsmöglichkeit. Nur fast. Denn ein Baby kann auch lächeln. Und ein solches Lächeln entschädigt für viele Stunden des Schreiens. In den ersten Wochen verzieht ein Neugeborenes sein Gesicht zu einem Lächeln, ohne es selber zu realisieren. Es ist ein Reflex und passiert meistens während dem Schlafen. Man spricht vom Engelslächeln. Schon bald kann aber der kleine Engel richtig lachen und bringt die Angelachten in helle Aufregung und Entzückung. Speziell schön ist es zu wissen, dass Babys nicht im Stande sind, wie die Erwachsenen ein aufgesetztes Lächeln zu produzieren. Da ist nichts geheuchelt, es ist immer ehrlich gemeint.
Umso grösser war meine Freude, als die neunmonatige Lou mich bei der allerersten Begegnung anlächelte. Oder stand etwa Katja gleich hinter mir und machte lustige Faxen?
Lou hat in diesen neun Monaten enorm viel gelernt. Kopf aufrecht halten, ohne Unterstützung sitzen, alle möglichen Gegenstände greifen und mit dem Mund prüfen kann sie schon seit einigen Monaten. Im Moment ist sicherlich das bewusste und gezielte Krabbeln das grosse Erlebnis. Da kann man sich überall hochziehen, runterfallen, Kopf anschlagen und schreien. Von Mama und Papa an beiden Händen gehalten funktioniert auch schon das richtige Laufen durch die ganze Wohnung und zwar so lange wie Lou will, gekrümmter Rücken der Hilfesteller hin oder her.
Jetzt gilt es, die Wohnung auf Hochwasser einzustellen, das heisst Babysicher zu gestalten. So werden zum Beispiel Ecken und Kanten mit einem Band geschützt. Exakt dieser Schutz hat es Lou besonders angetan. Mit ihren kleinen Fingern gibt sie alles, um diesen zu entfernen und kurze Zeit später genau an dieser ungeschützten Ecke den Kopf anzuschlagen. Der Schutz liegt nutzlos am Boden und erduldet, dass er von Lou entsprechend angeschrien wird. Die Abenteuerin Lou hat die Segel gehisst, um ihre Welt von Nord nach Süd, von Ost nach West zu entdecken. Sie erkrabbelt sich jedes ihr offen gelassene Gewässer. Sie macht sich daran alles in ihrer Reichweite, sei es die Blumenvase, das iPhone, Kabel, Lampen, Essensreste, den Bilderrahmen oder auch die Flasche Wein zu ergattern, bevor es ein Erwachsener bemerkt. Spielzeuge, Puppen und Plüschtiere werden bei einer solchen Entdeckungsfahrt geflissentlich umschifft. Falls die Fernbedienung wieder einmal unauffindbar ist, kennt man bereits die süsse Schuldige.
Einmal die Woche krabbelt Lou für einen vollen Tag im Chinderhus Maihof und fühlt sich dort puddelwohl. Sie hat schon ihren Freund Silvan kennengelernt. Er ist einen Monat jünger und fordert Lou regelmässig zum Krabbelrennen auf. Einen weiteren Tag wird Lou von ihren Grosseltern verhätschelt und entdeckt auf deren Bauernhof viel Neues und Spannendes. Die Kühe müssen dem kleinen Sprössling wie Dinosaurier vorkommen.
Diese zwei Tage geben Katja die Gelegenheit, mit der lohnzahlenden Berufswelt im Kontakt zu bleiben. Umso grösser und inniger ist am Abend die Wiedervereinigung der beiden. Katja hat dank Lou die fünfte und zugleich oberste Stufe der Maslowschen Pyramide erreicht: die Selbstverwirklichung. Ihr Ziel, ihre Sehnsucht und ihr innigster Wunsch ist mit Goldschatz Lou in Erfüllung gegangen. Auch Lou hat die erste Stufe voll im Griff:
Luft, Wärme, Nahrung und Schlaf.
O-TON Mutter Katja
