Verlag: Goldmann Verlag Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

Die Perlenschwester E-Book

Lucinda Riley  

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E-Book-Beschreibung Die Perlenschwester - Lucinda Riley

Wie auch ihre Schwestern ist CeCe d'Aplièse ein Adoptivkind, und ihre Herkunft ist ihr unbekannt. Als ihr Vater stirbt, hinterlässt er einen Hinweis – sie soll in Australien die Spur einer gewissen Kitty Mercer ausfindig machen. Ihre Reise führt sie zunächst nach Thailand, wo sie die Bekanntschaft eines geheimnisvollen Mannes macht. Durch ihn fällt CeCe eine Biographie von Kitty Mercer in die Hände – eine Schottin, die vor über hundert Jahren nach Australien kam und den Perlenhandel zu ungeahnter Blüte brachte. CeCe fliegt nach Down Under, um den verschlungenen Pfaden von Kittys Schicksal zu folgen. Und taucht dabei ein in die magische Kunst der Aborigines, die ihr den Weg weist ins Herz ihrer eigenen Geschichte ...

Meinungen über das E-Book Die Perlenschwester - Lucinda Riley

E-Book-Leseprobe Die Perlenschwester - Lucinda Riley

Text zum Buch

Wie auch ihre Schwestern ist CeCe d’Aplièse ein Adoptivkind, und ihre Herkunft ist ihr unbekannt. Als ihr Vater stirbt, hinterlässt er einen Hinweis – sie soll in Australien die Spur einer gewissen Kitty Mercer ausfindig machen. Ihre Reise führt sie zunächst nach Thailand, wo sie die Bekanntschaft eines geheimnisvollen Mannes macht. Durch ihn fällt CeCe eine Biographie von Kitty Mercer in die Hände – eine Schottin, die vor über hundert Jahren nach Australien kam und den Perlenhandel zu ungeahnter Blüte brachte. CeCe fliegt nach Down Under, um den verschlungenen Pfaden von Kittys Schicksal zu folgen. Und taucht dabei ein in die magische Kunst der Aborigines, die ihr den Weg weist ins Herz ihrer eigenen Geschichte ...

Weitere Informationen zu Lucinda Riley sowie zu lieferbaren Titeln der Autorin finden Sie am Ende des Buches.

Lucinda Riley

Die Perlenschwester

ROMAN

Deutsch von Sonja Hauser

Die Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel

»The Pearl Sister« bei Macmillan, London.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

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1. Auflage

Copyright © der Originalausgabe 2017 by Lucinda Riley

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe November 2017

by Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Umschlaggestaltung: Uno Werbeagentur, München

Umschlagmotiv: FinePic®, München

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

ISBN 978-3-641-20192-0V002

www.goldmann-verlag.de

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Für Vater und Tochter, Richard und Felicity Jemmett

Keine Reise ist unmöglich. Was zählt, ist der erste Schritt.

Personen

»Atlantis«

Pa Salt

Adoptivvater der Schwestern (verstorben)

Marina (Ma)

Mutterersatz der Schwestern

Claudia

Haushälterin von »Atlantis«

Georg Hoffman

Pa Salts Anwalt

Christian

Skipper

Die Schwestern d’Aplièse

Maia

Ally (Alkyone)

Star (Asterope)

CeCe (Celaeno)

Tiggy (Taygeta)

Elektra

Merope (fehlt)

CeCe

Dezember 2007

Aborigine-Symbol für die Spur eines Menschen

I

Nie werde ich vergessen, wo ich war und was ich tat, als ich hörte, dass mein Vater gestorben war, dachte ich, als ich durchs Fenster in die schwarze Nacht hinausschaute. Unter mir sah ich eine kleine Ansammlung funkelnder Lichter, die auf menschliche Behausungen hinwiesen, jede mit einem eigenen Leben, einer eigenen Familie und eigenen Freunden …

Was ich alles nicht mehr zu haben glaubte.

Fast war mir, als würde die Welt auf dem Kopf stehen, denn die Lichter da unten wirkten wie weniger leuchtende Abbilder der Sterne über mir. Einer meiner Lehrer an der Kunstakademie hatte mir einmal erklärt, ich würde malen, als könnte ich nicht sehen, was sich vor meiner Nase befinde. Er hatte recht gehabt. Das konnte ich tatsächlich nicht. Die Bilder waren in meinem Kopf, nicht in der Realität. Und obwohl sie oft nicht die Form von Tieren, Steinen oder Menschen hatten, mussten sie heraus.

Zum Beispiel das Zeug, das ich von Schrottplätzen in ganz London zusammengesammelt hatte und das jetzt in dem Atelier in meiner Wohnung lag. Ich hatte wochenlang überlegt, wie ich die Teile zusammenfügen würde. Das Ganze war wie ein riesiger Rubik’s Cube aus einem stinkenden Ölbehälter, einer alten Guy-Fawkes-Puppe, einem Reifen und einer verrosteten Spitzhacke. Ich hatte die Einzelteile immer wieder neu kombiniert und war mit dem Ergebnis zufrieden gewesen, bis ich das letzte Stück in die Hand nahm. Wenn ich es zu integrieren versuchte, zerstörte es, egal, wo ich es einfügte, jedes Mal das Gesamtbild.

Ich legte die heiße Stirn an die kühle Fensterscheibe des Flugzeugs, die uns Passagiere vor dem sicheren Tod bewahrte.

Unser Leben hängt an einem seidenen Faden…

»CeCe«, ermahnte ich mich, als ich spürte, wie Panik in mir aufstieg, »du schaffst das ohne sie.«

Ich zwang mich, wieder an Pa Salt zu denken, denn angesichts meiner tief sitzenden Angst vor dem Fliegen fand ich die Erinnerung daran, wie ich von seinem Tod erfahren hatte, merkwürdig tröstlich. Wenn tatsächlich das Schlimmste passierte, das Flugzeug abstürzte und wir alle umkamen, würde er mich vielleicht auf der anderen Seite erwarten. Er hatte die Reise ins Jenseits ja schon hinter sich und sie allein bewältigt, wie es uns allen bevorstand.

Ich hatte gerade meine Jeans angezogen, als meine jüngere Schwester Tiggy anrief, um mir zu sagen, dass Pa Salt gestorben sei. Damals hatte ich kaum etwas von dem, was sie mir erklärte, wirklich begriffen. Mein einziger Gedanke war gewesen, wie ich es Star beibringen konnte, die unseren Vater vergötterte. Ich wusste, dass sie am Boden zerstört sein würde.

Du hast ihn auch vergöttert, CeCe…

Ja, das hatte ich. Da meine Lebensaufgabe darin bestand, meine sensible Schwester zu schützen, die zwar ungefähr drei Monate älter war als ich, für die aber immer ich redete, weil ihr das schwerfiel, hatte ich mein Herz verschlossen, den Reißverschluss der Jeans hochgezogen und war ins Wohnzimmer gegangen, um es ihr zu sagen.

Sie hatte stumm in meinen Armen geweint. Und ich hatte nur mit Mühe selbst die Tränen zurückgehalten. Für sie, für Star. Ich musste stark sein, weil sie mich brauchte …

Damals…

»Darf ich Ihnen etwas bringen, Madam?«

Der Duft schweren Parfüms stieg mir in die Nase. Die Flugbegleiterin.

»Nein danke.«

»Sie haben auf den Rufknopf gedrückt«, flüsterte sie mir mit einem Blick auf die anderen Passagiere zu, die tief und fest schliefen. Es war vier Uhr morgens Londoner Zeit.

»’tschuldigung«, flüsterte ich zurück und nahm meinen Ellbogen von dem Knopf. Typisch ich. Sie nickte wie eine frühere Lehrerin, die mich dabei ertappt hatte, wie ich beim Morgengebet eingedöst war. Dann kehrte die Flugbegleiterin in ihren Bereich zurück. Ich schloss die Augen, versuchte, mich bequem hinzusetzen und es den vierhundert anderen Seelen gleichzutun, denen es gelungen war, ihrer Flugangst in Morpheus’ Armen zu entfliehen. Wie üblich fühlte ich mich wie eine Außenseiterin.

Natürlich hätte ich mir einen Platz in der Businessclass leisten können, dazu reichte das, was von meinem Erbe noch übrig war. Aber die paar Zentimeter mehr Platz waren mir das Geld nicht wert gewesen. Das meiste war für den Kauf einer schicken Londoner Wohnung an der Themse für Star und mich draufgegangen. Ich hatte geglaubt, dass sie sich nach einem richtigen Zuhause sehnte, dass sie das glücklich machen würde, doch da hatte ich mich gründlich getäuscht …

Und so saß ich nun hier, kein bisschen weiter als ein Jahr zuvor, als ich neben meiner Schwester in der Economyclass nach Thailand geflogen war. Doch diesmal war Star nicht an meiner Seite, und ich hatte kein Ziel, sondern lief einfach nur weg …

* * *

»Möchten Sie frühstücken, Madam?«

Als ich groggy und desorientiert die Augen aufschlug, stand dieselbe Flugbegleiterin vor mir, die mich mitten in der Nacht auf den Rufknopf aufmerksam gemacht hatte. Nun merkte ich, dass die Lichter in der Kabine an und einige der Blenden an den Fenstern geöffnet waren, hinter denen ich den von der aufgehenden Sonne rosa gefärbten Himmel sah.

»Nein danke, nur Kaffee. Bitte schwarz.«

Sie nickte und entfernte sich. Warum, fragte ich mich, hatte ich ein schlechtes Gewissen, überhaupt um etwas zu bitten? Schließlich hatte ich den Flug bezahlt.

»Wo willst du hin?«

Ich drehte mich meinem Sitznachbarn zu, von dem ich bisher nur das Profil wahrgenommen hatte: eine Nase, einen Mund und eine blonde Locke, die unter seinem schwarzen Kapuzenshirt hervorlugte. Jetzt wandte er sich mir ganz zu. Den Aknenarben an Kinn und Stirn nach zu urteilen war er nicht älter als achtzehn. Neben ihm kam ich mir vor wie eine alte Frau.

»Zuerst nach Bangkok, dann weiter nach Australien.«

»Cool«, lautete sein Kommentar, als er sich über die ungenießbaren Rühreier, den hart gebrutzelten Speck und das lange pinkfarbene Würstchending hermachte – alles auf einem Tablett, das sehr an die Essensausgabe in einem Gefängnis erinnerte. »Da will ich auch irgendwann hin, aber zuerst möcht ich mir Thailand anschauen. Die Full-Moon-Partys da sollen der Wahnsinn sein.«

»Sind sie.«

»Warst du mal auf einer?«

»Ja, auf etlichen.« Seine Frage löste eine ganze Welle von Erinnerungen in mir aus.

»Welche kannst du empfehlen? Die in Ko Pha Ngan soll die beste sein.«

»Ewigkeiten her, dass ich dort gewesen bin. Soweit ich weiß, ist da jetzt ein ziemlicher Rummel – sind immer ein paar Tausend Leute da. Ich bin am liebsten am Railay Beach in Krabi. Da geht’s relaxt zu, aber es kommt natürlich drauf an, was du willst.«

»Von Krabi hab ich schon gehört«, sagte er, Würstchen mampfend. »Ich treff mich in Bangkok mit Freunden. Bis zum Vollmond sind’s eh noch zwei Wochen. Bist du in Australien auch mit Freunden verabredet?«

»Ja«, log ich.

»Machst du Zwischenstation in Bangkok?«

»Nur eine Nacht.«

Ich spürte seine Erregung, als das Flugzeug zum Landeanflug auf den Suvarnabhumi Airport ansetzte und die Flugbegleiter uns Passagieren die üblichen Anweisungen gaben. Eigentlich ist das alles ein Witz, dachte ich, machte die Augen zu und versuchte, meinen rasenden Puls unter Kontrolle zu bekommen. Wenn der Flieger abstürzte, waren wir alle auf der Stelle tot, egal, ob das Tischchen vor mir ordnungsgemäß hochgeklappt war oder nicht. Wahrscheinlich mussten sie ihr Sprüchlein aufsagen, um uns zu beruhigen.

Wenig später setzte das Flugzeug dann so sanft auf, dass ich es kaum merkte. Als die Landung über die Lautsprecheranlage bekannt gegeben wurde, öffnete ich die Augen mit einem Gefühl des Triumphs. Ich hatte tatsächlich einen Langstreckenflug allein geschafft! Star wäre stolz auf mich … vorausgesetzt, das interessierte sie überhaupt noch.

Nach der Passkontrolle holte ich mein Gepäck vom Band und trottete in Richtung Ausgang.

»Viel Spaß in Aussieland«, rief mir mein Sitznachbar zu, der mich gerade einholte. »Mein Kumpel sagt, da gibt’s irre Tiere, tellergroße Spinnen! Mach’s gut!«

Mit einem letzten Winken verschwand er in der Menge. Als ich ins Freie trat, schlug mir wie erwartet feucht-schwüle Luft entgegen. Kurz darauf fuhr ich mit dem Flughafenshuttle zu dem Hotel, in dem ich für eine Nacht ein Zimmer gebucht hatte, checkte ein und stieg in den Aufzug. In meinem sterilen Zimmer ließ ich den Rucksack von meinen Schultern gleiten und setzte mich auf das weiß bezogene Bett. Wenn mir ein Hotel gehörte, dachte ich, würde ich dunkle Laken nehmen, auf denen man die Spuren der früheren Gäste nicht so sähe wie auf den weißen, die immer irgendwie schmuddelig wirkten, egal, wie oft man sie wusch.

Es gab so viele Dinge, die mich verwirrten, Regeln, die irgendjemand irgendwann einmal aufgestellt hatte. Ich zog meine Wanderstiefel aus und legte mich hin. Beim Brummen der Klimaanlage schloss ich die Augen und versuchte zu schlafen, doch mir ging der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass kein Mensch es merken würde, wenn ich das Zeitliche segnete.

Mit einem Mal wurde mir klar, was Einsamkeit war. Sie nagte an mir, mich quälte ein Gefühl innerer Leere. Eigentlich war ich keine Heulsuse, aber nun liefen mir die Tränen nur so übers Gesicht, in mir brachen alle Dämme.

Es macht nichts, wenn du weinst, CeCe…

In meinem Kopf hörte ich Mas tröstende Worte, nachdem ich in »Atlantis« vom Baum gefallen war und mir den Knöchel verstaucht hatte. Um nur ja nicht zu weinen, hatte ich mir so fest auf die Unterlippe gebissen, dass sie blutete.

»Sie würde mir helfen«, murmelte ich niedergeschlagen und griff nach meinem Handy, weil ich ihr per SMS mitteilen wollte, wo ich war. Doch ich würde es nicht ertragen, eine Nachricht von Star oder, noch schlimmer, keine Nachricht von ihr vorzufinden. Also warf ich das Telefon aufs Bett und versuchte wieder einzuschlafen. Da tauchte vor meinem geistigen Auge ein Bild von Pa auf, das nicht verschwinden wollte.

Es ist wichtig, dass du und Star, dass ihr nicht nur einander habt, sondern auch unabhängig voneinander Freundschaften schließt, CeCe…

Das hatte er gesagt, unmittelbar bevor wir gemeinsam an der Sussex University zu studieren anfingen, und ich war sauer gewesen, weil ich niemanden sonst brauchte, und Star auch nicht. Zumindest hatte ich das von ihr angenommen …

»Ach Pa«, seufzte ich, »ist es da oben bei dir besser …?«

In den vergangenen Wochen, in denen Star mir zu verstehen gegeben hatte, dass sie nicht mehr an einem Zusammensein mit mir interessiert war, hatte ich mich ziemlich oft dabei ertappt, wie ich mit Pa redete. Sein Tod erschien mir nicht real; ich hatte nach wie vor das Gefühl, dass er mir nahe war. Obwohl ich mich äußerlich gar nicht stärker von meiner nächstjüngeren Schwester Tiggy mit ihren esoterischen Ansichten hätte unterscheiden können, hatte auch ich diese seltsamen Ahnungen … in meinem Bauch und in meinen Träumen. Oft kamen mir meine Träume realer und lebendiger vor als die Wirklichkeit. Ein bisschen war das, als würde ich eine Serie im Fernsehen anschauen – in den guten Nächten, denn ich hatte häufig Albträume. Zum Beispiel die mit den riesigen Spinnen …

Als mir die Abschiedsworte meines Sitznachbarn im Flugzeug einfielen, bekam ich eine Gänsehaut. Gab es in Australien wirklich tellergroße Spinnen?

Ich sprang aus dem Bett, um diese Gedanken zu verscheuchen, und wusch mir im Bad das Gesicht. Als ich im Spiegel meine vom Weinen roten und geschwollenen Augen und meine zerzausten Haare sah, erinnerte mich der Anblick an ein junges Wildschwein.

Egal, wie oft Ma mir versichert hatte, dass Form und Farbe meiner Augen schön und ungewöhnlich seien, oder wie oft Star mir gesagt hatte, dass sie so gern meine glatte, weiche Haut streichle: Mir war klar, dass sie nur nett zu mir sein wollten, denn ich mochte zwar hässlich sein, war aber nicht blind, und außerdem hasste ich gönnerhafte Äußerungen über mein Aussehen. Ich hatte bewusst nie mit meinen fünf attraktiven Schwestern konkurriert. Elektra, das Supermodel, kritisierte ständig, dass ich nicht auf mein Äußeres achtete, doch ich wusste, dass das verlorene Liebesmüh gewesen wäre, weil ich niemals schön sein würde.

Allerdings konnte ich Schönes schaffen, und jetzt, am Tiefpunkt meines Lebens, fiel mir etwas anderes ein, das Pa mir einmal gesagt hatte.

»Egal, was dir im Leben widerfährt, meine liebste CeCe: Deine Gabe wird dir niemand nehmen können.«

Damals hatte ich das für eine weitere – wie nannte Star so etwas? – Plattitüde gehalten, die mich darüber hinwegtrösten sollte, dass ich nicht hübsch war, an der Uni nichts taugte und nichts mit Menschen anfangen konnte. Letztendlich hatte Pa sich getäuscht, denn selbst wenn einem niemand die Begabung nehmen konnte, waren Leute durchaus in der Lage, einem mit negativen Kommentaren das Selbstvertrauen zu rauben und einen zu verunsichern, sodass man nicht mehr wusste, wer man war oder wie man jemand anders oder sich selbst eine Freude machen konnte. Genau das war in meinem Kunstkurs passiert. Deswegen hatte ich ihn hingeschmissen.

»Immerhin habe ich gelernt, was ich nicht kann«, dachte ich. Nach Aussage meiner Lehrer so ziemlich alles in den Kursen, die ich in den vergangenen Monaten besucht hatte.

Aber sogar mir war klar, dass es keinen Sinn hatte weiterzumachen, wenn ich den Glauben an mein Talent verlor. Denn dieses Talent war das Einzige, was ich hatte.

Ich kehrte ins Zimmer zurück, legte mich wieder aufs Bett und wünschte mir, dass diese schrecklichen einsamen Stunden schnell vorübergehen würden. Plötzlich begriff ich, warum ich auf dem Weg ins College so viele alte Leute auf den Bänken im Battersea Park hatte sitzen sehen. Selbst bei eisiger Kälte hatten sie sich vergewissern müssen, dass es noch andere Menschen auf diesem Planeten gab und sie nicht allein waren.

Anscheinend war ich eingeschlafen, denn ich erwachte schreiend aus einem Spinnenalbtraum und schlug aus Angst davor, jemand würde mich hören und meinen, ich werde ermordet, die Hand vor den Mund. Weil ich es in diesem seelenlosen Zimmer keine Sekunde länger aushielt, zog ich die Schuhe an, nahm meine Kamera und fuhr mit dem Lift zur Rezeption hinunter.

Draußen wartete eine ganze Reihe von Taxis. Ich stieg in eines, setzte mich auf den Rücksitz und bat den Fahrer, mich zum Großen Palast zu bringen. In Bangkok und überhaupt in Thailand hatte es mich immer schon gleichermaßen amüsiert und entsetzt, wie viele Menschen im Servicebereich tätig waren. In jedem Laden wurde man, auch wenn man nur eine Packung Erdnüsse erstehen wollte, von jemandem herumgeführt, an der Kasse saß ein Zweiter, und ein Dritter packte die Einkäufe in eine Tüte. Arbeitskräfte waren hier spottbillig. Ich bekam ein schlechtes Gewissen, doch dann rief ich mir ins Gedächtnis, dass ich ja genau deshalb das Reisen so liebte: Weil es die Sichtweise veränderte.

Der Fahrer ließ mich am Großen Palast heraus, wo ich den Touristen folgte. Viele hatten von der Sonne rote Schultern, die davon zeugten, dass sie gerade erst aus kälteren Regionen eingetroffen waren. Vor dem Gebäude schlüpfte ich aus meinen Wanderstiefeln und stellte sie zu den Flip-Flops und Turnschuhen der anderen Besucher, bevor ich hineinging. Der Smaragdbuddha, angeblich über fünfhundert Jahre alt, war der berühmteste seiner Art in Thailand. Er wirkte verglichen mit den vielen anderen Buddhas, die ich kannte, klein. Sein glänzender Jadekörper mit den nicht gerade anatomisch korrekt geformten Gliedmaßen erinnerte mich an eine Echse. Trotzdem war er wunderschön.

Ich setzte mich im Schneidersitz auf eine der Matten und genoss meinen Aufenthalt an diesem kühlen, friedlichen Ort inmitten all der Menschen. Obwohl ich nicht sonderlich religiös war, hätte ich mich, wenn man mich vor die Wahl stellte, wahrscheinlich für den Buddhismus entschieden, denn darin schien es um die Macht der Natur zu gehen, und die empfand ich als Wunder, das sich permanent vor unseren Augen abspielt.

Star hatte mir, weil ich mich nach einer Fernsehsendung über Umweltsünden ereiferte, geraten, Mitglied bei den Grünen zu werden, doch welchen Sinn hätte das gehabt? Meine Stimme zählte nichts, man hätte mich sowieso nicht ernst genommen. Aber ich wusste, dass die Pflanzen, Tiere und Meere, das Ökosystem, das unser Überleben sichert, nicht angemessen geschützt werden.

»Wenn ich überhaupt irgendetwas verehre, dann die Natur«, murmelte ich dem Buddha zu. Auch er war letztlich aus Erde, weshalb ich glaubte, dass er mich verstehen würde.

Da ich mich in einem Tempel befand, hatte ich das Gefühl, mit Pa reden zu müssen. Vielleicht ähnelten Gotteshäuser Telefonvermittlungen oder Internetcafés und stellten eine direkte Verbindung zum Himmel dar …

»Hallo, Pa, ich bin sehr traurig, dass du gestorben bist. Du fehlst mir so. Und es tut mir leid, dass ich dir nicht zugehört habe, wenn du versucht hast, mir Ratschläge zu geben. Das hätte ich mal lieber getan, denn du siehst ja, was aus mir geworden ist. Ich hoffe, dir geht’s gut da oben«, fügte ich hinzu. »Und noch mal Entschuldigung.«

Als ich mich erhob und zur Tür bewegte, spürte ich, wie es mir die Kehle zuschnürte.

»Bitte, Pa, hilf mir«, flüsterte ich.

Nachdem ich mir an einem Straßenstand eine Flasche Wasser gekauft hatte, schlenderte ich zum Chao Phraya hinunter und beobachtete den dichten Verkehr. Auf dem Fluss tummelten sich Schnellboote, Schlepper und breite, mit schwarzen Planen bedeckte Frachtkähne. Ich ging an Bord einer Fähre, weil das nicht viel kostete und definitiv besser war, als einsam und allein in meinem Hotelzimmer am Flughafen zu sitzen.

Während der Fahrt sah ich Wolkenkratzer aus Glas, dazwischen goldene Tempel, und wackelige Stege verbanden die Holzhäuser mit den Aktivitäten auf dem Wasser. Mit meiner bewährten Nikon, die Pa mir zum sechzehnten Geburtstag geschenkt hatte, damit ich, wie er es ausdrückte, Bilder machen konnte »von Dingen, die dich inspirieren«, knipste ich ohne Unterlass. Star hatte mich immer wieder zum Umstieg auf digitale Fotografie bewegen wollen, aber da ich mit moderner Technologie nicht so gut zurechtkam, blieb ich beim Altvertrauten.

Hinter dem Oriental Hotel stieg ich aus. Mir fiel ein, wie ich Star einmal zum Nachmittagstee in der berühmten Schriftstellerlounge eingeladen hatte. In Jeans und T-Shirt waren wir uns fehl am Platz vorgekommen, weil alle anderen Gäste sich in Schale geworfen hatten. Star hatte stundenlang die signierten Fotos der Autoren bewundert, die irgendwann einmal in dem Hotel genächtigt hatten. Ich fragte mich, ob meine Schwester, die so gut formulieren und Dinge beschreiben konnte, je selbst einen Roman vollenden würde. Aber das ging mich nichts mehr an, denn sie hatte nun eine eigene Familie. Als ich ein paar Wochen zuvor nach Hause gekommen und in unserer gemeinsamen Wohnung einem Mann begegnet war, den sie »Maus« nannte und der sie anhimmelte wie ein Hündchen, hatte ich das Leuchten in ihren Augen gesehen.

In einem Straßencafé bestellte ich eine Schale mit Nudeln und ein Bier. Eigentlich vertrug ich Alkohol nicht sonderlich gut, aber so erbärmlich, wie ich mich gerade fühlte, konnte es meine Stimmung kaum noch weiter verschlimmern. Nicht die Tatsache, dass Star jetzt einen Freund und einen Job hatte, verletzte mich am meisten, sondern dass sie langsam und auf sehr schmerzhafte Weise von mir weggegangen war. Vielleicht hatte sie geglaubt, dass ich eifersüchtig war und sie ganz für mich wollte, doch das stimmte so nicht. Ich liebte sie mehr als alles sonst und wünschte mir, sie glücklich zu sehen. Und ich war nicht so dumm zu glauben, dass nicht eines Tages ein Mann auftauchen und sich für die hübsche, kluge Star interessieren würde.

In der Wohnung warst du ziemlich unhöflich zu ihm, erinnerte mein Gewissen mich. Ja, seine Anwesenheit hatte mir tatsächlich etwas ausgemacht. Wie üblich war es mir nicht gelungen, meine Gefühle zu verbergen.

Das Bier tat seine Wirkung und linderte den Schmerz. Ich zahlte, stand auf und schlenderte ziellos die Straße entlang, bis ich eine schmale Gasse mit einem Markt erreichte. Dort fiel mir ein Künstler auf, der gerade damit beschäftigt war, ein Aquarell zu malen. Ihn so an seiner Staffelei sitzen zu sehen erinnerte mich an die Abende, an denen ich am Railay Beach in Krabi mit Farben die Schönheit des Sonnenuntergangs einzufangen versucht hatte. Ich schloss die Augen und dachte an den inneren Frieden, den ich damals, vor einem Jahr, in Gesellschaft von Star empfunden hatte. Die Sehnsucht danach schmerzte.

Kurz darauf bahnte ich mir einen Weg zum Flussufer, beugte mich übers Geländer und überlegte. Wäre es feige, den Ort aufzusuchen, an dem ich mich am glücklichsten gefühlt hatte, bevor ich nach Australien weiterreiste? Am Railay Beach kannte ich Leute. Sie würden mir zuwinken und mich begrüßen. Die meisten von ihnen liefen ebenfalls vor etwas davon, Railay war ein Zufluchtsort. Letztlich wollte ich nur wegen Georg Hoffman, Pas Anwalt, nach Australien. Und weil das Land so weit von London weg war.

Statt also in einem Blechkanister viele Stunden in eine Gegend zu fliegen, in der ich niemanden kannte, konnte ich am folgenden Tag um diese Zeit genüsslich ein kaltes Bier am Railay Beach trinken. Zwei Wochen Aufenthalt dort würden doch nicht schaden, oder? Schließlich war bald Weihnachten, und vielleicht wäre es weniger schlimm, die Feiertage an einem Ort zu verbringen, der mir vertraut war und den ich mochte …

Seit ewigen Zeiten das erste Mal freute ich mich wirklich auf etwas. Bevor dieses Gefühl wieder verschwinden konnte, winkte ich das erste Taxi, das ich sah, heran und bat den Fahrer, mich zum Flughafen zurückzubringen. Am Ticketschalter von Thai Airways erklärte ich, ich müsse meinen Flug nach Australien verschieben. Die Frau am Schalter tippte ziemlich lange auf ihrer Tastatur herum, bevor sie mir mitteilte, dass eine solche Umbuchung viertausend Baht kosten würde, also kein Vermögen.

»Sie haben flexibles Ticket. Welches Datum wollen Sie jetzt?«, erkundigte sie sich.

»Hm, kurz nach Weihnachten?«

»Alles voll. Erster verfügbarer Flug achter Januar.«

»Gut«, sagte ich, froh darüber, dass ich nun dem Schicksal die Schuld dafür geben konnte, länger bleiben zu müssen. Dann buchte ich einen Flug von Bangkok nach Krabi sehr früh am folgenden Morgen.

Im Hotel duschte ich, putzte mir die Zähne und legte mich mit einem entspannteren Gefühl ins Bett. Wenn meine Schwestern von meiner Entscheidung hörten, würden sie bestimmt alle sagen, dass ich wieder einmal »rumgammelte«, aber das war mir egal.

Wie ein verletztes Tier zog ich mich zurück, um meine Wunden zu lecken.

II

Am Railay Beach gefällt mir am besten, dass er auf einer Halbinsel liegt und nur mit dem Boot zu erreichen ist. Obwohl Star und ich schon viele unglaubliche Orte bereist hatten, gehörte es zu meinen fünf allerschönsten Erlebnissen, mit viel Getöse in einem Longtail-Boot über das aquamarinfarbene Meer zu brausen und plötzlich die Kalksteinfelsen in den tiefblauen Himmel aufragen zu sehen.

Beim Näherkommen bemerkte ich am Felsen festgemachte Seile und daran Kletterer, die in ihren grellen Shorts wirkten wie bunte Ameisen. Als ich den Rucksack über die Schulter schwang und von Bord ging, überkam mich Vorfreude. Meine Beine sind kurz, aber kräftig, und Klettern gehört zu den Dingen, die ich gut kann. Für eine Künstlerin, die mitten in London lebt, nicht gerade eine nützliche Fähigkeit, doch an einem Ort wie diesem zählte sie. Je nachdem, wo man sich aufhielt, wurden die individuellen Stärken und Schwächen zu etwas Positivem oder Negativem. In der Schule war ich immer das Schlusslicht gewesen, Star hingegen der Überflieger. Aber hier in Krabi war sie in den Hintergrund getreten und hatte die Tage mit einem Buch am Strand verbracht, während ich sämtliche Sportarten ausprobierte, die die Gegend zu bieten hatte. Die freie Natur war mein Element, wie Ma einmal bemerkt hatte, weswegen ich hier bekannter gewesen war als Star.

Das Wasser hatte eine unglaubliche Farbe: türkis, wenn die Sonne darauf schien, tiefgrün in den Schatten der hohen Felsen. Als ich durch das seichte Wasser an Land watete, sah ich den Strand vor mir, ein Halbrund aus weißem Sand, begrenzt von gewaltigen Kalksteinsäulen, Palmen und einfachen Holzhütten, in denen sich Hotelunterkünfte und Bars befanden. Aus einer drang Reggaemusik.

Ich trottete über den heißen weißen Sand zum Railay Beach Hotel, in dem wir im vergangenen Jahr gewesen waren, und lehnte mich auf den Tresen der Bar, der gleichzeitig als Hotelrezeption fungierte.

»Hi«, begrüßte ich eine mir unbekannte junge Thaifrau. »Kann ich bei euch für die nächsten Wochen ein Zimmer haben?«

Nachdem die Frau mich gemustert hatte, holte sie eine große Reservierungsmappe hervor, fuhr mit dem Finger die Seiten hinunter und schüttelte den Kopf.

»Bald Weihnachten, viel los. Kein Zimmer nach einundzwanzigster Dezember.«

»Und die nächsten zwei Wochen?«, fragte ich.

Da spürte ich plötzlich eine Hand auf meinem Rücken.

»Cee? Bist du das?«

Als ich mich umdrehte, sah ich Jack, das australische Muskelpaket, dem das Hotel gehörte und der die Kletterschule am Strand leitete.

»Ja, hi«, antwortete ich grinsend. »Ich wollte grade einchecken, wenigstens für zwei Wochen. Dann seid ihr anscheinend ausgebucht, und ich muss mir was anderes suchen.«

»Mach dir darüber keine Gedanken. Irgend ’ne Besenkammer finden wir schon für dich. Ist deine Schwester auch da?«

»Ähm … nein. Bin diesmal allein.«

»Wie lang willst du bleiben?«

»Bis nach Neujahr.«

»Sag Bescheid, wenn du dich in der Kletterschule nützlich machen möchtest. Ich könnte Hilfe gebrauchen. Um diese Jahreszeit ist ordentlich was los.«

»Möglich, dass ich dein Angebot annehme. Danke.«

»Ausfüllen.« Die Thaifrau schob mir den Meldezettel herüber.

»Lass gut sein, Nam«, sagte Jack. »Cee war letztes Jahr mit ihrer Schwester da. Wir haben ihre Daten. Komm, Cee, ich zeig dir dein Zimmer.«

»Danke.«

Als Jack meinen Rucksack nahm, sah ich den grimmigen Blick der Thaifrau.

»Wo willst du als Nächstes hin?«, erkundigte Jack sich, während wir einen mit Holzbohlen belegten Weg entlangmarschierten, von dem eine Reihe einfacher Zimmer mit ramponierten Türen abging.

»Nach Australien«, antwortete ich vor Zimmer einundzwanzig, das direkt neben dem Generator lag und einen ausgezeichneten Blick auf zwei große Mülltonnen bot.

»Ah, in meine Heimat. Wohin genau?«

»An die Nordwestküste.«

»Da ist um diese Jahreszeit ’ne Affenhitze, das ist dir schon klar, oder?«

»Hitze macht mir nichts aus«, erwiderte ich und schloss die Tür zu meinem Zimmer auf.

»Man sieht sich.« Jack verabschiedete sich mit einem Winken von mir.

Obwohl mein Zimmer winzig und feucht war und es darin stark nach Abfall roch, hatte ich, als ich meinen Rucksack auf dem Boden abstellte, zum ersten Mal seit Wochen gute Laune, weil es sich schön anfühlte, jemanden zu kennen. Im vergangenen Jahr hatte ich tageweise in der Kletterschule gearbeitet, die Seile überprüft und den Kunden in die Klettergeschirre geholfen. Zu der Zeit waren Star und ich knapp bei Kasse gewesen, und für meine Unterstützung hatte Jack uns das Zimmer billiger gegeben. Was er wohl sagen würde, wenn ich ihm erzählte, dass ich jetzt Millionärin war? Zumindest auf dem Papier …

Ich zog an der ausgefransten Schnur des Deckenventilators, der sich klappernd und quietschend in Bewegung setzte und nur einen leichten Lufthauch produzierte. Dann entkleidete ich mich und schlüpfte in meinen Bikini und einen Sarong, den ich im vergangenen Jahr hier erstanden hatte, verließ das Zimmer und schlenderte an den Strand. Dort setzte ich mich in den Sand und amüsierte mich insgeheim darüber, dass es in diesem »Paradies« wegen der vielen Longtail-Boote, die in der Bucht herumfuhren, deutlich lauter war als an der Themse mitten in London. Nach einer Weile stand ich auf, ging zum Wasser und watete hinein. Als ich weit genug draußen war, drehte ich mich auf den Rücken, schaute zum Himmel hinauf und dankte Gott oder dem Buddha oder wem auch immer dafür, dass ich nach Krabi zurückkommen hatte dürfen. Zum ersten Mal seit Monaten fühlte ich mich zu Hause.

* * *

In jener Nacht schlief ich wie schon so oft zuvor nur mit einem Kaftan und einem Kapuzenshirt bekleidet, mein aufblasbares Kissen unter dem Kopf, am Strand. Star hatte mich deswegen für verrückt gehalten – »Da fressen dich doch die Mücken auf«, hatte sie gemeint, wenn ich das Zimmer verließ. Doch irgendwie fühlte ich mich unter Mond und Sternen behüteter als unter einem von Menschen gebauten Dach.

Ein Kitzeln im Gesicht weckte mich auf. Als ich den Kopf hob, sah ich ein großes Paar Männerfüße an mir vorbei zum Meer gehen. Ich wischte den Sand weg, den sie hochgewirbelt hatten, und merkte, dass außer uns niemand am Strand war. Dem Licht am Horizont nach zu urteilen würde die Sonne bald aufgehen. Mürrisch darüber, so früh geweckt worden zu sein, beobachtete ich, wie der Mann, der einen Bart hatte und dessen zu einem Pferdeschwanz gebundenen schwarzen Haare unter seiner Baseballkappe hervorlugten, das Wasser erreichte, sich niederließ, die Knie an die Brust zog und die Arme darumschlang. Ich drehte mich weg, um weiterzuschlafen, aber es war zwecklos. Also setzte ich mich auf, nahm die gleiche Position ein wie der Mann und betrachtete mit ihm den Sonnenaufgang.

Obwohl ich im Leben schon an vielen exotischen Orten gewesen war, hatte ich relativ wenige Sonnenaufgänge gesehen, weil ich kein Morgenmensch war. Die Farben des Himmels erinnerten mich an ein Gemälde von William Turner, nur dass sie in der Natur noch intensiver leuchteten.

Sobald die Sonne aufgegangen war, erhob sich der Mann und ging weg. In der Ferne hörte ich das Tuckern eines Longtail-Bootes; allmählich regte sich Leben. Ich stand ebenfalls auf und kehrte in mein Zimmer zurück, bevor der Strand sich mit Menschen füllte. Für einen solchen Sonnenaufgang hat es sich gelohnt, aufgeweckt zu werden, dachte ich, als ich die Tür aufschloss und mich wenig später ins Bett legte.

* * *

Wie immer verging die Zeit hier, ohne dass ich es richtig merkte. Ich hatte Jacks Angebot, ihm in der Kletterschule zu helfen, angenommen. Und beim Tauchen schwamm ich an Seepferdchen, Riffhaien und anderen Fischen vorbei, die mich auf ihrem Weg zwischen den Korallen hindurch kaum eines Blickes würdigten.

Die Sonnenuntergänge genoss ich auf Strandmatten plaudernd am Strand, im Hintergrund Musik von Bob Marley. Ich war angenehm überrascht, wie viele Leute am Railay Beach mich noch vom letzten Jahr kannten. Erst wenn es dunkel wurde und die anderen sich an die Bar setzten, um sich zu betrinken, kehrte ich in mein Zimmer zurück. Das fühlte sich nicht schlecht an, weil ich mich von ihnen verabschiedete, nicht umgekehrt, und ich jederzeit zu ihnen zurückkehren konnte, wenn ich das wollte.

Am Tag nach meiner Ankunft hatte ich endlich den Mut aufgebracht, mein Handy einzuschalten, und voller Freude jede Menge SMS von Star darauf entdeckt: »WO BIST DU?«, »ICH MACHE MIR SOLCHE SORGEN UM DICH!«, »BITTE RUF MICH AN!« Dazu ziemlich viele Nachrichten auf der Mailbox, in denen sie mir immer wieder beteuerte, wie leid es ihr tue. Ich hatte eine Weile gebraucht, bis ich in der Lage gewesen war, ihr zu antworten – nicht nur wegen meiner Legasthenie, bei der die automatische Texterkennung auf meinem Handy mir nicht wirklich half –, sondern weil ich einfach nicht wusste, was ich schreiben sollte.

Am Ende hatte ich ihr bloß mitgeteilt, dass es mir gut gehe, und mich dafür entschuldigt, mich nicht eher gemeldet zu haben. Ich sei noch nicht am Ziel angekommen. Das stimmte ja auch: Ich hatte mich von allerlei Dingen verabschiedet. Sie hatte mir sofort per SMS geantwortet, wie erleichtert sie sei, dass bei mir alles in Ordnung war, gefragt, wo ich sei, und sich noch einmal entschuldigt. Doch irgendetwas hinderte mich daran, ihr meinen Aufenthaltsort zu verraten. Kindisch, ja, aber es war mein einziges Geheimnis vor ihr, während sie mir in letzter Zeit ziemlich viel verschwiegen hatte.

* * *

Ich merkte erst, dass ich schon zwei Wochen am Railay Beach war, als Nam, die junge Thaifrau von der Rezeption, die sich aufführte, als gehörte ihr das Hotel, mich daran erinnerte, dass ich mittags auschecken musste.

»Scheiße«, stöhnte ich. Nun blieb mir nichts anderes übrig, als mich am Vormittag nach einer neuen Unterkunft umzusehen.

Zwei Stunden später kehrte ich, nachdem ich wie die heilige Maria auf dem Esel den ganzen Railay Beach erfolglos nach einer Schlafstätte abgesucht hatte, an die Rezeption zurück, wo Nam mich wieder mit einem grimmigen Blick empfing.

»Mädchen müssen Zimmer sauber machen. Neuer Gast kommen um zwei Uhr.«

»Bin schon weg«, sagte ich und hätte am liebsten hinzugefügt, dass ich mir ohne Weiteres ein Zimmer im Rayavadee Hotel, einem Fünfsternehaus, hätte leisten können, wenn dort noch eines frei gewesen wäre. Ich stopfte alles in meinen Rucksack und gab meinen Schlüssel an der Rezeption ab. Bis Weihnachten vorbei ist, werde ich einfach ein paar Nächte unter freiem Himmel schlafen müssen, dachte ich.

Später am Abend, nachdem ich eine Schale Phat Thai gegessen hatte, sah ich Jack an der Bar. Er hatte den Arm um Nam gelegt, was ihre Feindseligkeit mir gegenüber erklärte.

»Hast du ein Zimmer gefunden?«, erkundigte er sich.

»Nein, noch nicht, aber es macht mir nichts aus, heute am Strand zu schlafen.«

»Cee, du kannst meins haben, kein Problem. Für ein paar Nächte finde ich bestimmt woanders ein Bett.« Er schmiegte sich an Nams schmale Schulter.

»Danke, gern«, sagte ich sofort, weil ich am Strand den ganzen Nachmittag mit Argusaugen auf meinen Rucksack aufgepasst hatte und mich jetzt fragte, wo ich duschen und Sand und Salz von meiner Haut waschen konnte. Ein bisschen Körperpflege war sogar mir wichtig.

Er holte den Schlüssel aus seiner Hosentasche und reichte ihn mir unter den missbilligenden Blicken Nams. Dann folgte ich seiner Wegbeschreibung, ging eine schmale Treppe hinter der Rezeption hinauf und öffnete die Tür zu seinem Reich. Zwar roch es dort nach schmutzigen Socken und feuchten Handtüchern, aber dafür hatte man von Jacks Zimmer aus den besten Blick des Hauses. Und noch besser: einen schmalen Holzbalkon über der Veranda.

Nachdem ich die Tür zugesperrt hatte – vielleicht vergaß Jack ja betrunken, dass ich nun darin wohnte –, stellte ich mich unter die Dusche, die einen viel größeren und besseren Brausekopf besaß als die in den Gästezimmern. Anschließend schlüpfte ich in ein sauberes T-Shirt und Shorts und setzte mich auf den Balkon.

Über mir entdeckte ich beim Gürtel des Orion die Sieben Schwestern, das Siebengestirn der Plejaden. Als Pa mir das erste Mal meinen Stern durchs Fernrohr zeigte, hatte er meine Enttäuschung bemerkt. Er war der matteste von allen, und auch der damit verbundene Mythos gab nicht viel her. Jung, wie ich damals war, hatte natürlich ich den hellsten und größten Stern mit der besten Geschichte haben wollen.

»CeCe«, hatte er gesagt und meine kleinen Hände in die seinen genommen, »du bist hier auf Erden, um deine eigene Geschichte zu schreiben. Und das wirst du auch, das weiß ich.«

Beim Anblick der Sieben Schwestern musste ich an den Brief denken, den Pa mir geschrieben und den sein Anwalt Georg Hoffman mir wenige Tage nach Pas Tod gegeben hatte.

Star hatte sich geweigert, den ihren aufzumachen, ich hingegen hatte es nicht erwarten können, den meinen zu lesen. Ich war im Garten auf eine prächtige alte Buche geklettert, auf denselben Baum, von dem ich als Kind einmal heruntergefallen war. Dort oben hatte ich mich, durch das Laub vor neugierigen Blicken geschützt, immer sicher gefühlt, dorthin hatte ich mich oft zum Nachdenken oder Schmollen zurückgezogen. Und nun auch den Brief aufgerissen.

»Atlantis«

Genfer See

Schweiz

Meine liebe CeCe,

ich weiß, dass es Dir Mühe bereiten wird, Dich auf diesen Brief zu konzentrieren, und ich kann Dich nur bitten, Geduld aufzubringen und bis zum Ende bei der Stange zu bleiben. Vermutlich wirst Du diese Zeilen lesen, ohne zu weinen, weil Du Deine Gefühle meist für Dich behältst. Trotzdem ist mir bewusst, wie tief Du empfindest.

Du hast für Star Stärke bewiesen. Ihr beide seid innerhalb von sechs Monaten nach »Atlantis« gekommen, und es war eine Freude mitanzusehen, wie Du sie stets beschützt hast. Du liebst intensiv und leidenschaftlich wie ich. Ein guter Rat von jemandem, der sich auskennt: Pass auf, dass Du dabei nicht selbst Schaden nimmst. Hab keine Angst loszulassen, wenn die Zeit kommt – was Dich mit Deiner Schwester verbindet, ist fest und unzerstörbar. Vertraue darauf.

Wie Du inzwischen weißt, habe ich Euch Mädchen eine Armillarsphäre in meinem besonderen Garten hinterlassen. Unter jedem Eurer Namen stehen Koordinaten, die Euch verraten, wo genau ich Euch entdeckt habe, dazu ein Zitat, von dem ich hoffe, dass Ihr es genauso passend findet wie ich.

Bitte setz Dich so bald wie möglich mit meinem lieben Freund und Anwalt Georg Hoffman in Verbindung. Keine Sorge, was er Dir zu sagen hat, ist erfreulich und zeigt Dir einen Weg in die Vergangenheit und zu Deiner leiblichen Familie, falls Du etwas über sie erfahren möchtest. Wenn Du Dich dazu entschließen solltest, rate ich Dir, mehr über eine Frau namens Kitty Mercer herauszufinden, die in Broome an der Nordwestküste Australiens lebte. Deine Geschichte beginnt mit ihr.

Mir ist klar, dass Du oft das Gefühl hattest, im Schatten Deiner Schwestern zu stehen. Du darfst den Glauben an Dich selbst nicht verlieren. Deine künstlerische Begabung ist einzigartig – Du malst, wie Deine Fantasie es Dir vorgibt. Und sobald Du das Selbstbewusstsein besitzt, darauf zu vertrauen, werden Deiner Seele Flügel wachsen, da bin ich mir sicher.

Am Ende möchte ich Dir noch sagen, wie sehr ich Dich liebe, meine starke, entschlossene Abenteurerin. Hör niemals auf zu suchen, CeCe, nach Inspiration wie auch nach innerem Frieden, den Du, wie ich hoffe, irgendwann finden wirst.

Pa X

In einer Hinsicht hatte Pa recht gehabt: Ich war fast eine Stunde damit beschäftigt gewesen, den Brief zu lesen. Doch in anderer hatte er sich getäuscht: Ich wäre tatsächlich beinahe in Tränen ausgebrochen. Ich war lange oben in dem Baum gesessen, bis mir Po und Beine einschliefen, und erst dann wieder hinuntergeklettert.

»Durch Gottes Gnade bin ich, wer ich bin«, lautete meine Inschrift auf der Armillarsphäre. Weil ich – weder damals noch später – wusste, wer ich war, hatte sie mich nicht inspiriert, sondern eher deprimiert.

Georg Hoffman hatte mir am folgenden Morgen in seiner Genfer Kanzlei erklärt, dass Star nicht mit mir in sein Büro kommen dürfe. Sie hatte draußen im Vorraum warten müssen, während er mich über mein Erbe aufklärte und mir einen Umschlag mit dem Schwarz-Weiß-Foto eines älteren Mannes gab, der mit einem Jungen im Teenageralter neben einem Pick-up stand.

»Soll ich die kennen?«, hatte ich Georg gefragt.

»Leider weiß ich das nicht, Celaeno. Ich habe nur dieses Bild und das Geld bekommen. Es war kein Brief dabei, lediglich die Adresse der Anwaltskanzlei, die das Geld von Australien aus angewiesen hat.«

Ich hatte vorgehabt, Star das Foto zu zeigen und sie zu fragen, ob sie sich einen Reim darauf machen könne, doch um sie dazu zu bringen, ihren eigenen Brief von Pa zu lesen, wollte ich ihr erst erzählen, was Georg Hoffman gesagt hatte, wenn sie ihn öffnete. Als sie ihn dann endlich aufmachte, verriet sie mir nichts, weswegen sie nach wie vor nichts über das Foto oder den Ursprung des Geldes für die Londoner Wohnung wusste.

Früher hast du mir immer alles anvertraut…

Ich stützte das Kinn in die Hände und beugte mich über das Geländer des Balkons, wieder einmal ziemlich »elend«, wie Star und ich das nannten, wenn wir uns schlecht fühlten. Aus den Augenwinkeln nahm ich eine einsame Gestalt am Wasser wahr, die zum Mond hinaufblickte. Der Typ, der mich zwei Wochen zuvor am Strand aufgeweckt hatte. Da ich ihn seitdem nicht mehr gesehen hatte und man sich am Railay Beach normalerweise ständig über den Weg lief, war ich davon ausgegangen, dass er sich aus dieser Weltgegend verabschiedet hatte. Doch da stand er, wieder einmal ganz allein in der dunklen Nacht. Vielleicht wollte er nicht entdeckt werden …

Ich beobachtete ihn eine Weile, um mitzubekommen, wo er hinging, doch er bewegte sich Ewigkeiten nicht von der Stelle, und am Ende langweilte mich das so sehr, dass ich mich aufs Bett legte und zu schlafen versuchte. Egal, wer er war: Er fühlte sich genauso einsam wie ich, das wusste ich.

III

Am Heiligabend, der zufällig auf einen Vollmond fiel, tat ich ganz automatisch das, was Star und ich jedes Jahr mit unseren Schwestern getan hatten: Ich suchte am Nachthimmel den hell leuchtenden Stern, der uns von Pa als der Stern von Bethlehem vorgestellt worden war. Später hatte ich mit Allys Hilfe über Google herausgefunden, dass es sich eigentlich um den Nord- oder Polarstern handelte, der von der Schweiz aus das ganze Jahr über zu sehen war. Doch nun konnte ich ihn nirgends entdecken. Dann fiel mir ein, dass er laut Google immer schwieriger auszumachen war, je weiter südlich man sich aufhielt. Wie traurig, dass wir keine Kinder mehr waren und sich alles mit ein paar Mausklicks überprüfen ließ.

Aber in dieser Nacht würde ich an Magie glauben. Ich richtete den Blick auf den hellsten Stern, den ich finden konnte, und dachte an »Atlantis«. Obwohl der Buddhismus kein Weihnachtsfest kennt, hängt man in Thailand für die Touristen Lametta und anderen Weihnachtsschmuck auf.

Kurz vor Mitternacht verließ ich die laute Bar und schlenderte zu den Felsen hinunter, um von dort aus den Vollmond zu betrachten. Und begegnete erneut dem geheimnisvollen Mann – wieder in der Dunkelheit, wieder ohne Begleitung. Das ärgerte mich, weil ich diesen besonderen Moment eigentlich allein genießen und den Ort für mich haben wollte. Also ging ich weg. Als ich weit genug von ihm entfernt war, hob ich den Blick und redete mit meiner Schwester.

»Fröhliche Weihnachten, Star. Hoffe, dir geht’s gut. Du fehlst mir«, flüsterte ich und schickte einen kleinen Wunsch an Pa und einen an Ma hinterher, der Pa wahrscheinlich genauso sehr fehlte wie uns Mädchen. Danach sandte ich einen Kuss für alle meine Schwestern hinauf – sogar für die egoistische, gemeine und verwöhnte Elektra, die eigentlich keinen Kuss verdient hatte –, aber schließlich war Weihnachten. Anschließend machte ich mich mit leicht wackeligen Knien auf den Rückweg. Die hatte ich dem zweiten Bier zu verdanken, das mir zuvor an der Bar aufgedrängt worden war.

Als ich an dem Mystery Man vorbeikam, geriet ich ins Stolpern, und zwei Hände packten mich an den Oberarmen. »Danke«, murmelte ich. »Bin über einen Stein im Sand gefallen.«

»Schon okay.«

Er ließ mich los, und ich schaute ihn mir genauer an. Offenbar war er schwimmen gewesen, denn die langen schwarzen Haare hingen ihm nass und offen über die Schultern. Der Typ hatte das, was Star und ich einen Brustbart nannten, allerdings keinen sonderlich beeindruckenden. Im Mondlicht bemerkte ich die feine Linie dunkler Haare von seinem Nabel zum Bund seiner Shorts. Seine Beine schienen ziemlich stark behaart zu sein.

Mein Blick wanderte hoch zu seinem Gesicht, in dem die Wangenknochen kantig über dem dunklen Bart hervorstanden und die Lippen sehr voll und rosig wirkten. Als ich es schließlich wagte, ihm in die Augen zu sehen, fiel mir auf, dass sie tiefblau waren.

Irgendwie erinnerte er mich an einen Werwolf. Kein Wunder bei Vollmond, dachte ich. Er war so schmal und groß, dass ich mir neben ihm vorkam wie eine mollige Pygmäin.

»Frohe Weihnachten«, sagte ich leise.

»Auch frohe Weihnachten.« Kurze Pause. »Dich hab ich doch schon mal irgendwo gesehen, oder?«, stellte er fest. »Bist du nicht das Mädchen, das neulich morgens am Strand geschlafen hat?«

»Gut möglich. Ich bin oft da.« Ich zuckte mit den Schultern, während er mich mit seinen merkwürdig blauen Augen musterte.

»Hast du keine Bleibe?«

»Doch, aber ich schlaf gern im Freien.«

»Die Sterne, die Weite des Universums … das verändert die Perspektive, findest du nicht?« Er seufzte.

»Ja. Wo wohnst du?«

»Ganz in der Nähe.« Der Werwolf deutete in Richtung des Felsens hinter ihm. »Und du?«

»Da drüben.« Ich zeigte auf das Railay Beach Hotel. »Jedenfalls ist mein Rucksack dort«, fügte ich hinzu. »Tschüs dann.« Auf dem Weg zum Hotel versuchte ich, gerade zu gehen, was auf Sand schwierig genug ist und mit zwei Flaschen Bier intus fast unmöglich war. Als ich die Veranda erreichte, drehte ich mich kurz zu dem Werwolf um, der mir unverwandt nachstarrte. Ich nahm schnell zwei Flaschen Wasser aus dem Kühlschrank und hastete nach oben zu Jacks Zimmer, wo ich den Schlüssel ins Schloss fummelte und auf den Balkon schlich, um noch einmal zu ihm hinunterzuschauen, doch nun war er in den Schatten verschwunden.

Vielleicht wollte er warten, bis ich schlief, und mich dann mit seinen riesigen Eckzähnen in den Hals beißen …

CeCe, das machen Vampire, nicht Werwölfe, dachte ich schmunzelnd und bekam einen Schluckauf. Ich trank eine Flasche Wasser in einem Zug leer, verärgert über meinen Körper, der nicht einmal zwei kleine Bier vertrug. Danach stolperte ich zum Bett, machte die Augen zu und schlief ein, obwohl sich mir alles drehte.

* * *

Der erste Feiertag ähnelte auf schmerzliche Weise dem im vergangenen Jahr mit Star. Die Tische auf der Veranda waren zusammengeschoben, und es gab so etwas wie einen westlichen Braten, als wäre es möglich, den Geist der Weihnacht bei vierunddreißig Grad Hitze zu beschwören.

Nach dem Essen ging ich schwimmen, um das unangenehme Völlegefühl loszuwerden. Es war fast drei Uhr nachmittags, etwa die Zeit, zu der die Menschen in England nun wach wurden. Star verbrachte die Feiertage vermutlich bei ihrer neuen Familie in Kent. Ich tauchte aus dem Meer auf und schüttelte mich wie ein Hund. Am Strand hielten ziemlich viele Paare ein Verdauungsschläfchen. Dies war mein erstes Weihnachten in siebenundzwanzig Jahren, das ich ohne Star verbrachte. Wenn der Mystery Man mir wie ein Werwolf erschien, war ich selbst eine einsame Wölfin, und daran musste ich mich gewöhnen.

Später am Abend saß ich mit meinem iPod in einer Ecke der Veranda und hörte laute, wummernde Musik von der Sorte, die mich immer aufmunterte, wenn ich niedergeschlagen war. Plötzlich spürte ich, wie mir jemand von hinten auf die Schulter tippte, und als ich mich umdrehte, sah ich Jack neben mir stehen.

»Hi«, begrüßte ich ihn und nahm die Stöpsel aus den Ohren.

»Hi. Darf ich dir ein Bier spendieren?«

»Nein danke. Hatte gestern Abend genug.« Ich verdrehte die Augen. Er war selbst viel zu betrunken gewesen, um zu merken, wie viel Bier ich mir genehmigt hatte.

»Okay. Cee, ich muss mit dir reden …« Er zog einen Stuhl heran und setzte sich neben mich. »Nam und ich … wir haben uns gestritten. Keine Ahnung, was ich falsch gemacht hab, aber um vier Uhr früh hat sie mich aus dem Bett geschmissen. Sie ist heute nicht mal aufgetaucht, um beim Weihnachtsessen zu helfen, also wird sie mich am Abend bestimmt nicht mit offenen Armen empfangen. Du weißt ja, wie die Frauen sind.«

Ja, bin selber eine, hast du das vergessen?, hätte ich am liebsten gesagt, doch ich verkniff es mir.

»Und jetzt hab ich keinen Platz zum Schlafen. Würd’s dir was ausmachen, das Bett mit mir zu teilen?«

Allerdings!, dachte ich. »Jack, solang ich den Rucksack bei dir im Zimmer lassen kann, schlaf ich gern am Strand«, versicherte ich ihm.

»Echt?«

»Echt.«

»Tut mir leid, Cee, aber nach dem Stress in den letzten Tagen bin ich total geschafft.«

»Kein Problem. Ich hol nur, was ich brauche, dann kannst du ins Zimmer.«

»Bestimmt finden wir morgen was anderes für dich«, rief er mir nach, als ich mich auf den Weg machte. Der Strand war die bessere Alternative, als neben einem schnarchenden Mann zu schlafen, den ich kaum kannte, da war ich mir sicher. Denn da waren Albträume vorprogrammiert.

Ich nahm meine Bettrolle und steckte meine anderen Sachen in den Rucksack. Morgen würde ich mir wirklich eine Bleibe für die zwei Wochen bis zu meiner Abreise nach Australien suchen müssen, dachte ich.

Am Strand richtete ich mir einen Schlafplatz unter einem Busch, nahm einem plötzlichen Impuls folgend mein Handy heraus und wählte die Nummer von »Atlantis«.

»Hallo?«, meldete sich eine Stimme nach dem zweiten Mal Klingeln.

»Hallo, Ma, ich bin’s, CeCe. Ich wollte dir und Claudia frohe Weihnachten wünschen.«

»CeCe! Wie schön, von dir zu hören! Star hat mir gesagt, dass du verreist bist. Wo steckst du?«

Da Ma sich mit uns Schwestern immer auf Französisch unterhielt, musste ich geistig umschalten. »Ach, du kennst mich ja, Ma. Am Strand. Ich mach einfach mein Ding.«

»Ich hatte mir schon gedacht, dass du es nicht lange in London aushältst.«

»Nein?«

»Du brauchst deine Freiheit, chérie, bist am liebsten unterwegs.«

»Ja, das stimmt.« In dem Moment liebte ich Ma noch mehr als sonst. Sie urteilte oder kritisierte nie und unterstützte ihre Mädchen immer.

Als ich hörte, wie sich im Hintergrund ein Mann räusperte, spitzte ich die Ohren.

»Du bist nicht allein?«

»Das sind nur Claudia und Christian«, antwortete Ma.

Mit anderen Worten: die Belegschaft von »Atlantis«.

»Aha. Ma, ich muss dir was Komisches erzählen: Vor drei Wochen am Londoner Flughafen dachte ich, ich hätte Pa gesehen. Er ist in die andere Richtung gegangen. Ich bin ihm hinterhergelaufen und hab versucht, ihn einzuholen. Aber ich hab’s nicht geschafft. Ich weiß, das klingt albern, doch ich hab wirklich geglaubt, dass er das war.«

»Ach, chérie«, seufzte Ma. »Deine Schwestern haben mir ähnliche Geschichten erzählt. Ally und Star waren ebenfalls felsenfest davon überzeugt, ihn gesehen oder gehört zu haben … vielleicht habt ihr das auch tatsächlich. Allerdings nicht in Wirklichkeit. Jedenfalls nicht in der Realität, die wir kennen.«

»Du meinst, wir sehen oder hören alle den Geist von Pa?« Ich lachte.

»Ich meine, wir wünschen uns alle, ihn immer noch zu sehen. Möglicherweise lässt unsere Fantasie ihn vor unserem geistigen Auge erscheinen. Ich sehe ihn hier ständig.« Plötzlich klang Ma traurig. »Diese Jahreszeit ist für uns alle besonders schwer. Geht es dir gut, CeCe?«

»Du kennst mich, Ma, ich bin im Leben noch keinen einzigen Tag krank gewesen.«

»Bist du auch glücklich?«

»Ich komme zurecht. Und du?«

»Natürlich fehlt mir euer Vater, und ihr Mädchen fehlt mir ebenfalls. Ich soll dir einen schönen Gruß von Claudia ausrichten.«

»Zurück. Ma, hier ist es spät, ich geh jetzt schlafen.«

»Melde dich wieder, ja, CeCe?«

»Klar. Gute Nacht.«

»Gute Nacht, chérie. Und joyeux noël.«

Ich steckte das Handy in meine Shorts, schlang die Arme um die Knie und stützte den Kopf darauf. Dieses Weihnachtsfest musste hart für sie sein. Wir Mädchen hatten eine Zukunft oder konnten zumindest versuchen, uns eine Zukunft zu schaffen. Vor uns lag mehr Leben als hinter uns, wogegen Ma das ihre uns und Pa gewidmet hatte. Ob sie Pa geliebt hatte? Vermutlich schon, denn sonst wäre sie bestimmt nicht all die Jahre bei uns geblieben und hätte unsere Familie zu der ihren gemacht. Und nun hatten wir samt und sonders das Nest verlassen.

Hatte ich meiner leiblichen Mutter gefehlt, hatte sie je an mich gedacht, warum hatte sie mich Pa gegeben? War sie mit mir zu irgendeinem Waisenhaus gegangen, und er hatte mich dort aufgelesen, weil ich ihm leidtat? Bestimmt war ich ein hässliches Baby gewesen.

Die Antworten auf diese Fragen lagen in Australien, zwölf Stunden Flug entfernt. Schon merkwürdig, dass ich mich immer strikt geweigert hatte, jenes Land zu besuchen, obwohl Star so gern hingereist wäre. Besonders schmeichelhaft war es nicht, dass meine Spinnenphobie mich daran hinderte, aber daran konnte ich nichts ändern.

Als ich es mir im Sand bequem machte, fiel mir ein, dass Pa mich »stark« und eine »Abenteurerin« genannt hatte. Genau diese Eigenschaften würde ich brauchen, um in zwei Wochen das Flugzeug zu besteigen.

* * *

Wieder weckte mich ein Kitzeln im Gesicht. Ich wischte den Sand weg, setzte mich auf und sah den Werwolf mit langen Schritten zum Wasser marschieren.

Knapp davor setzte er sich in der gleichen Haltung wie das letzte Mal hin, und ich nahm direkt hinter ihm Platz. Dann warteten wir beide fast wie im Kino darauf, dass die Show begann. Ein Kino des Universums… Den Ausdruck fand ich toll, und es machte mich stolz, dass er mir eingefallen war. Vielleicht konnte Star ihn in ihrem Roman verwenden.

Die Show war noch spektakulärer als sonst, weil die wenigen Wolken die Strahlen der aufgehenden Sonne dämpften, während diese wie Eigelb in geschlagenes Eiweiß eintauchte.

»Hi«, begrüßte mich der Werwolf, als er sich auf den Rückweg machte.

»Hi.«

»Jetzt war’s besonders schön, was?«, meinte er.

»Ja, super.«

»Heute Nacht solltest du nicht draußen schlafen. Wir haben Sturmwarnung.«

»Nein, mach ich nicht.«

»Man sieht sich.« Er verabschiedete sich mit einem Winken.

Wenige Minuten später sah ich auf der Veranda Jack, der gerade die Tische fürs Frühstück deckte. Normalerweise war das Nams Aufgabe, doch die hatte ich seit dem Heiligabend nicht mehr zu Gesicht bekommen.

»Morgen«, begrüßte ich ihn.

»Morgen.« Mit einem schuldbewussten Blick fragte er: »Gut geschlafen?«

»War okay.« Ich deutete auf die Gestalt am Strand, die sich von uns entfernte. »Kennst du den?«

»Nein, aber ich seh ihn manchmal spät in der Nacht am Strand. Bleibt für sich. Warum?«

»Nur so. Wie lang ist er schon da?«

»Bestimmt ein paar Wochen.«

»Aha. Hast du was dagegen, wenn ich kurz bei dir oben dusche?«

»Nein, nein. Bis später.«

Nach dem Duschen setzte ich mich in Jacks Zimmer auf den Boden und sortierte den Inhalt meines Rucksacks in saubere und schmutzige Sachen. Die meisten waren schmutzig; sie würde ich, sobald ich mich wieder auf die Suche nach einer Unterkunft machte, in die Wäscherei bringen. Wenn dann tatsächlich der schlimmste Fall eintrat und ich am Abend draußen in ein Gewitter kam, hatte ich wenigstens noch saubere, trockene Kleidung für den folgenden Tag.

Obwohl man in diesem Teil der Welt eigentlich nicht Weihnachten feiert, wirkten die Menschen, die zwischen den Verkaufsbuden hindurchschlenderten, nach dem Fest genauso wie die in Europa: überfressen und verkatert; nach dem Geschenkeauspacken war die Luft raus. Sogar die sonst so freundliche Frau in der Wäscherei trennte mürrisch die dunklen von den hellen Stücken und schüttelte für alle sichtbar meine Unterwäsche aus.

»Morgen fertig.« Sie reichte mir den Abholschein, und ich trat hinaus ins Freie. Als ich in der Ferne das erste Donnergrollen hörte, begann ich erneut meine Herbergssuche.

Später kehrte ich verschwitzt auf die Veranda zurück, nachdem ich ein einziges Hotel aufgespürt hatte, in dem, allerdings auch erst ab Mittag des folgenden Tages, ein Zimmer auf mich warten würde. Während ich Kokoswasser trank, spielte ich mit dem Gedanken, meine Zelte abzubrechen und nach Ko Phi Phi weiterzufahren, auch wenn ich keinerlei Garantie hatte, dort eine Bleibe für heute zu finden. Egal, dachte ich, eine Nacht im Regen würde mich schon nicht umbringen, und wenn es wirklich schlimm wurde, konnte ich mich unter einer der Restaurantveranden verkriechen.

»Hast du schon ein Zimmer?«, erkundigte sich Jack, als er mit einem Tablett voller Bierflaschen an mir vorbei zu einem Tisch ging.

»Ja«, log ich, weil ich ihn nicht in Verlegenheit bringen wollte. »Nach dem Mittagessen geh ich rauf und hol meinen Rucksack.«

»Hättest du Lust, an der Bar auszuhelfen?«, fragte er. »Jetzt, wo Nam weg ist und das Hotel voll, schaff ich’s einfach nicht zum Felsen runter. Grade hat Abi einen Hilferuf losgelassen. Unten bei ihr steht ’ne ellenlange Schlange. Die Leute werden allmählich ungeduldig.«

»Warum nicht? Wenn du mir die Tabletts wirklich anvertrauen willst …«, scherzte ich.

»In der Not frisst der Teufel Fliegen, Cee. Ist bloß für ein paar Stunden. Dafür kannst du heute gratis Bier trinken und essen, was du willst. Komm, ich zeig dir alles.«

»Danke.« Ich ging mit ihm hinter den Tresen.

Vier Stunden später war Jack noch immer nicht zurück, und ich hatte die Nase voll. In der Bar war die Hölle los, alle wollten Saft und Bloody Mary gegen ihren Kater. Keiner der Drinks war so unkompliziert wie ein Bier, das man einfach aufmachte, und am Ende war ich von oben bis unten voll mit Mangosaft, weil ich den Mixer vor dem Einschalten nicht richtig zugeschraubt hatte. Die Feierlaune der Gäste war mit dem Geschenkpapier im Mülleimer gelandet, und ich hatte es satt, mich dumm anreden zu lassen, wenn ich zu langsam war. Außerdem hörte ich, wie das Donnergrollen näher kam, was bedeutete, dass der Himmel später, höchstwahrscheinlich in der Zeit, in der ich mit meinem Rucksack mein Lager am Strand aufschlagen musste, seine Schleusen öffnen würde.

Endlich tauchte Jack wieder auf, entschuldigte sich wortreich für seine lange Abwesenheit und schaute sich auf der inzwischen fast leeren Veranda um.

»Wenigstens war’s bei dir ruhig. Unten am Felsen war Halligalli.«

Wenn du meinst… Ich aß schweigend meine Nudeln und ging dann hinauf, um meinen Rucksack zu holen.

»Danke, Cee, man sieht sich«, sagte Jack, als ich nach unten zurückkehrte, die Rechnung für das Zimmer zahlte und davontrottete.

Am Strand durchzuckten Blitze praktisch unmittelbar über mir den Himmel. Weil es nicht mehr lange dauern würde, bis der Regen auf mich herniederprasselte, bog ich rechts in eine Gasse zu einer Bar ab, die ich kannte. Die meisten Buden hatten wegen des herannahenden Sturms früher geschlossen als sonst. Auch die Bar machte gerade die Schotten dicht.

»Na toll«, murmelte ich, als der Inhaber mich mit einem kurzen Nicken weiterwinkte. »Sei nicht albern, CeCe«, ermahnte ich mich innerlich, »kehr um und sag Jack, dass du bei ihm im Bett schläfst …«

Doch meine Füße trugen mich in Richtung Strand und zur anderen Seite der Halbinsel. Dieser Strand hieß Phra Nang und war deutlich schöner als der Railay Beach, beliebt bei Tagesausflüglern und deshalb von mir gemieden. Weil hier das luxuriöse Rayavadee Hotel stand, patrouillierten furchteinflößende Sicherheitsleute. Star und ich hatten uns eines Abends, nachdem das letzte Longtail-Boot abgefahren war, in den Sand gelegt und zu den Sternen hinaufgeschaut. Fünf Minuten später hatte uns jemand mit einer Taschenlampe ins Gesicht geleuchtet und uns gesagt, wir sollten verschwinden. Ich hatte zu argumentieren versucht, dass in Thailand alle Strände öffentlich zugänglich seien und Hotelwachleute kein Recht hätten, jemanden zu vertreiben, doch während sie uns zur Plebsseite der Halbinsel zurückschleppten, hatte Star mir signalisiert, den Mund zu halten.

So etwas schmerzte mich, denn die Schönheiten der Natur waren für alle da, nicht nur für die Reichen.

Als ein Blitz blau-lilafarben den Himmel durchzuckte, wurde mir klar, dass dies nicht der richtige Moment für philosophische Überlegungen war. Und als mein Blick den Strand entlangwanderte, kam mir eine Idee. Am anderen Ende lag die Princess Cave, und dorthin lief ich nun. Nach ungefähr zwei Dritteln des Weges prasselten die ersten großen Regentropfen herunter. Es fühlte sich an, als würde mich jemand mit Kieselsteinen bewerfen.

Kurze Zeit später erreichte ich den Eingang der Höhle, stolperte hinein und ließ meinen Rucksack auf den Boden gleiten. In der Höhle befanden sich zwei Versionen der Prinzessin, beide winzige Puppen in kleinen Holztempeln, fast versteckt hinter zahllosen bunten Girlanden. Auf ihrem Altar brannten Teelichter, die das Innere der Höhle behaglich gelb beleuchteten.

Die Erinnerung an Stars und meinen ersten Besuch in der Grotte ließ mich schmunzeln. Wir hatten eine religiöse Stätte wie so viele andere in Thailand mit einer Goldstatue und den allgegenwärtigen Girlanden erwartet. Stattdessen waren wir auf Hunderte von Phallussen unterschiedlichster Form und Größe gestoßen. Die betrachtete ich nun: Sie ragten überall wie Stalagmiten von dem sandigen Boden und den Felsvorsprüngen nach oben. Rote, grüne, blaue, braune, große, kleine. Offenbar handelte es sich um eine Fruchtbarkeitsgöttin.