Die Philosophie einer Natural Bodybuilderin - Simone Bohrmann - E-Book

Die Philosophie einer Natural Bodybuilderin E-Book

Simone Bohrmann

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Beschreibung

Ein Blick hinter die Bodybuilder-Kulissen - und ein Buch gegen Vorurteile Bevor Simone Bohrmann Bodybuilderin wurde, war sie stark übergewichtig. Mit dem eisernen Willen, das zu ändern, sich gesünder zu ernähren und ihrem Leben eine neue Wendung zu geben, tauchte sie in die Welt des Natural Bodybuildings ein und fand dort ihre Bestimmung. So wurde aus dem Pummelchen eine Wettkampf-Athletin und aus der fremdbestimmten jungen Frau eine, die ihren eigenen Weg geht. Im vorliegenden Buch schildert sie ihren Weg und erklärt Hintergründe. So möchte sie auch gegen die Vorurteile antreten, die Bodybuildern oft entgegenschlagen. "Die Philosophie einer Natural Bodybuilderin" ist ein Blick hinter die Kulissen von Körperkult und "Pumpen", erklärt die Philosophie, die hinter dem oft falsch verstandenen Sport steht, und wirbt für mehr Verständnis. Mit einem Vorwort von Berend Breitenstein.

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Für Andreas, Gülistan, Robin, Ralf und Berend.

Inhalt

Vorwort

Mein bisheriges Leben

Vier Jahre Natural Bodybuilding…

Natural Bodybuilding als Weg

Vom Anfang des Schreibens

Mein Weg zur Bühne

Die Suche nach einem Trainer

Die Inspiration meiner Inspiration – der richtige Coach

Die ersten Schritte

Der entscheidende Punkt – Aktion Großmaul

Ausgangszustand

Meine Triebfeder – ich bin vieles, aber kein Großmaul

Probleme, die keine sind, gehen lassen

Es ist so weit, mein Bühnendebüt steht an

Nach dem Wettkampf…

Fokussieren mithilfe des eigenen »Erzählers«

Natural Bodybuilding – was zwischen den Zeilen steht

Die Dankbarkeit liegt im Kleinen

Der Einfachheit bewusst

Mein Weg als Coach

Ankündigung meines neuen Daseins

Einmal Athlet – immer Athlet

Das Tagebuch einer Natural Bodybuilderin

Das Schaufenster-Syndrom

Reich ist der, der wenig braucht

Kompensieren durch Nahrung

Cardiotraining – eins sein mit der Natur

Fokus – Im Hier und Jetzt

Umkleidekabine ist Kantine

Das Hotel

Schlusswort

Vorwort

Eines Tages saß ich auf einer wellenförmigen Ruhebank oberhalb der Ortschaft und blickte in die Natur um mich herum. Dabei fragte ich mich, wer ich bin, wie mein bisheriges Leben so verlaufen war und warum. Und was genau ich daraus lernen konnte und wie es nun weitergehen sollte. Doch schnell rief ich meine Gedanken aus der Zukunft wieder zurück ins Jetzt. Ich versuchte mich in der Landschaft zu spiegeln, um mich selbst zu hinterfragen.

Nicht selten kam mir der Gedanke, warum ich nicht vorher schon zu diesem Lifestyle gefunden habe. Viele sagen sich dann etwas wie: »Wo könnte ich sportlich schon sein, wenn ich nur früher angefangen hätte?« Das ist jedoch eine ungünstige Einstellung. Ich habe für mich herausgefunden, dass ich mit meinem Weg sehr glücklich bin. Denn Erkenntnisse, die ich aus Vergangenem ziehen konnte, lassen mich nun besser etwas vermitteln und ermöglichen mir unter anderem genau das, was ich mit diesem Buch tue.

Aus dem tiefen Wunsch heraus, anderen Menschen den dopingfreien und naturalen Bodybuildingsport näherzubringen, fing ich nach einiger Zeit an, eine Art Tagebuch zu schreiben, in dem ich meine Gefühle im Training und Empfindungen während des Essens etwas genauer zu beschreiben versuchte. So entstand mehr oder weniger urplötzlich das Kapitel »Natural Bodybuilding – was zwischen den Zeilen steht«. Der Vergleich gleicher Empfindungen zweier Menschen mit jedoch unterschiedlicher Lebensweise ergab sich erst während des Schreibens. Als ich mit diesem Kapitel fertig war, war ich mir ziemlich sicher, dass nur so eine bestmögliche Vermittlung der Philosophie des Natural Bodybuildings möglich ist.

Vergleiche jedoch lassen sich am besten ziehen, wenn man eine bestimmte Sache von außen sowie auch einmal von innen betrachtet und erfahren hat. Nur so lässt sich bestmöglich zwischen beiden Seiten vermitteln und verbinden. Eine Brücke bauen zwischen der Gesellschaft und Natural Bodybuilding mit dem Wunsch, dass sich viele etwas bewusster werden, respektvoller und ohne Vorurteile den Sport zu verstehen versuchen. Die positiven Eigenschaften dieses Weges erkennen und vielleicht auch etwas davon für sich umsetzen können.

PS.: Schreiben Sie sich bitte zu Beginn des Buches auf einem Zettel auf, was genau Sie mit dem Begriff Natural Bodybuilding assoziieren, und verstecken Sie ihn dann in einer Schublade.

Danksagung

Zunächst möchte ich den Leuten danken, die mich in einer für mich schwierigen Zeit kennengelernt und mir zur Seite gestanden haben. So mag ich damals mit Sicherheit nicht leicht zu verstehen gewesen sein. Nicht selten war ich von nicht gerade allzu positiver Laune erfasst und habe manchmal auch mehr als griesgrämig dreingeschaut. Fast ausschließlich diesen Leuten verdanke ich zum größten Teil, dass ich wurde, wer ich heute bin. Ich bedanke mich bei Berend, der immer an mich glaubt und hinter dem steht, was ich tue. Ich liebe dich und danke dir dafür, dass du der starke und überaus verständnisvolle Lebenspartner an meiner Seite bist, der mich sein lässt, wie ich bin. Ähnliche Worte gelten meiner besten Freundin (ich sage gerne »dile min«) Gülistan und meinem engsten Freund Robin, der mein kleiner Bruder ist. Ihr beide wart mir Wegweiser und Licht, als es um mich eher dunkel war. Ihr habt mich zu mir geführt, seid mit mir gefallen und immer wieder mit mir aufgestanden und geht deshalb immer weiter an meiner Seite. Ich kann nur sagen: Ich liebe euch von ganzem Herzen.

Und ich danke ebenso Michele, die nicht nur eine sehr gute Freundin (Therapeutin und philosophisch Gleichdenkende), sondern fast schon wie eine Schwester für mich ist. Des Weiteren danke ich ebenso den Menschen, die in einer für mich gewiss sehr schwierigen Zeit zu mir gestanden haben auf eine Weise, die alles andere als selbstverständlich ist. Hierzu zählen vor allem Andreas D., der sich als mein ehemaliger Vorgesetzter nicht nur vor mich, sondern vor allem auch als Freund hinter mich gestellt und mir den Rücken gestärkt hat. Dass du dich dabei selbst zurückgestellt hast, das rechne ich dir ein Leben lang an. Ebenso möchte ich hier Uwe erwähnen, der mir mit seinem Rat und seiner Menschenkenntnis einiges bestätigt hat. Vor allem aber möchte ich hier die letzten Minuten erwähnen, in denen du für mich da warst, indem du als Mensch mit mir gefühlt hast, was mir noch heute immer wieder in gewissen Zeiten die nötige Motivation verleiht. Euch beiden gilt ein großer Dank. Und natürlich danke ich auch Andreas R. für vielerlei Weisheiten in Form von Sprüchen, die mir heute immer noch und immer wieder vieles um einiges einfacher machen. Hier vor allem aber auch für die Menschenkenntnis und ein stets offenes Ohr sowie guten Rat.

Außerdem danke ich Otmar dafür, dass du mir meine Wurzeln wieder bewusst gemacht hast, indem du mir die Möglichkeit gabst, mich bei den Pferden wiederzufinden. Aber auch Alexandra danke ich für die kurze, aber dennoch sehr schöne Zeit im Stall.

Ein ganz besonderer Dank gilt Mike Decker von HappyFit Deutschland. Gerne erinnere ich mich immer wieder zurück, als wir beide im Rohbau einer deiner Filialen standen. Damals rätselten wir über Fenster, Deckenbeleuchtung und die Gestaltung der Räumlichkeiten. Danke, dass ich hier meine Ideen äußern konnte, für die du immer offen warst. Dafür, dass du mir meine Leidenschaft zum Sport bestätigt hast, sodass ich nun da bin, wo ich bin. Ebenso auch dafür, dass ich meine Leidenschaft bei dir in Form eines Nebenjobs ausüben durfte. Auch kommt hinzu, dass du mir seit unserer ersten Begegnung immer als Freund und mit ausgeprägter Menschlichkeit entgegengetreten bist. Für dein Verständnis, offenes Ohr und auch für deine außerordentliche Sorge und Hilfsbereitschaft danke ich dir.

Bei Deborah bedanke ich mich für die Menschlichkeit und eine große Hilfsbereitschaft. Du hast mir auch gezeigt, dass es egal ist, wie lange Menschen zeitlich und örtlich getrennt sind, dass ein gewisses »bestehendes Band« nie reißen kann. Das war für mich eine sehr wertvolle und schöne Erfahrung, die ich immer mit mir trage. Letztere Worte gelten ebenso Christina G.

Natürlich danke ich auch meinen Eltern. Mama danke ich für ihre Mühe, immer wieder hervorragendes Essen (für eine Bodybuilderin) auf den Tisch zu zaubern, was wirklich nicht einfach zu bewältigen ist bei solchen Ernährungsgewohnheiten wie den meinen. Und ich danke Papa für seine ständige Hilfe und ein immer offenes Ohr. Hier ist auch unbedingt meine »zweite Hälfte« zu nennen, meine Zwillingsschwester Sabine, ihr danke ich für jene Verbundenheit, die wohl nur Zwillinge haben, und für außerordentlich schöne Erfahrungen, die einfach nicht mehr »von dieser Welt sind«. Euch dreien danke ich für das Gefühl und das Wissen, immer zurückkommen zu können, und dass ihr für mich da seid. Dafür liebe ich euch.

Zum Schluss möchte ich mich bei jemandem bedanken, der mir oft einen Schritt voraus ist und mich in so mancher Situation besser kannte als ich mich selbst. Dadurch hat dieser Jemand mir sehr geholfen, aus einer gewissen schwierigen Lebensphase herauszufinden und so wieder zu mir selbst zu finden. Alles sprichwörtlich stehen und fallen zu lassen, wenn Hilfe gebraucht wird, und dabei die eigenen Belange und Probleme zur Seite zu schieben, und das zu jeder Zeit, ist mehr, als ich mir jemals hätte vorstellen können. Das verstehe ich unter einem besten Freund – ich danke dir, Ralf. Danke auch deiner Familie – Pia und den Zwillingen Max und Michel und natürlich Lotte. Ihr seid für mich meine zweite Familie.

Mein bisheriges Leben

An dieser Stelle erlaube ich es mir, mein Leben rückblickend zu betrachten.

Es ist der 29. November 1989, als im Krankenhaus der Kleinstadt Merzig eine Frau zum Operationssaal gefahren wird. Ihre beiden Kinder müssen per Kaiserschnitt sechs Wochen zu früh auf die Welt geholt werden, da eine Schwangerschaftsvergiftung sich sonst zu stark auf die Gesundheit von Mutter und Kinder auswirken würde. Zusammen mit meiner leiblichen Doppelgängerin erblicke ich so als Zweite um genau 7:45 Uhr an diesem Mittwochmorgen das Licht der Welt. Wenn jemand heute meine Mutter darauf anspricht, entgegnet sie oft, dass sie uns holen mussten, weil eines von uns beiden Mädels so stark gegen ihre inneren Organe getreten hat, dass man hätte meinen können, sie hätte einen Fußballer im Bauch. Scheinbar bestand hier schon der Sportgedanke.

So starte ich etwas leichter als meine Zwillingsschwester mit genau 1820 Gramm Bantamgewicht in die Welt. In den ersten Jahren scheine ich ein Hardgainer zu sein, denn bis zur Anfangszeit der Grundschule muss sich meine Mutter Gedanken machen, wie ihre beiden Kinder an Gewicht zunehmen könnten. Die Hebamme wusste aber gleich, dass sich das mit den Jahren wohl ändern wird. Sie behielt tatsächlich recht. Bei der Kommunion habe ich einige Kilo zu viel auf den Rippen. Von da an fallen mir die Pfunde nur so zu, wenn ich das Essen auch nur ansehe, zumindest scheint es so.

In der Jugend und später habe ich dann mit etwa achtundsiebzig Kilo und einer Körpergröße von gerade mal knapp über eineinhalb Meter meinen Höhepunkt des Softgainer-Daseins erreicht. Von da an folgen Jahre der Berg und Talfahrt hinsichtlich meines Körpergewichts. Endloses Ausprobieren von verschiedenen Sportarten und Ernährungsweisen sowie diverse Fehler aufgrund von Unwissenheit, über die ich heute verdammt froh bin, lassen mich jedoch mit einem besseren Wissensstand zurück. Aufgrund dieser Erlebnisse kann ich viele Dinge und auch Menschen wesentlich besser verstehen und mitempfinden, was mich einige Situationen viel schneller lösen lässt. All das war ausschlaggebend, dass ich mein Wissen teilen und andere Leute vor eventuellen Fehlern bewahren möchte. Denn was gibt es Besseres, als von jemandem zu lernen, der schon viele Fehler gemacht und korrigiert hat und diese nun zu umgehen weiß? Dies ist ein wichtiger Aspekt in meiner Arbeit als Personal Coach.

Vier Jahre Natural Bodybuilding …

Und das ist erst der Anfang. Wo dies noch hinführt, mag ich mir gar nicht vorstellen, denn es ist jetzt schon viel zu schön, um wahr zu sein. Was nach außen hin wie ein oberflächliches, lediglich auf Optik ausgelegtes Hobby scheinen mag, birgt tief im Inneren wesentlich mehr als »Rumpumpen« und »Speisen aufs Gramm genau abwiegen«.

Nie zuvor habe ich mehr über mich selbst gelernt und zugleich auch über die Welt. Nie war ich dem Ursprung näher, nie der Natur verbundener.

Es ist ein stetiges Wachsen in jeglicher Art, ohne sich dabei von den Wurzeln zu entfernen. Jeder wächst auf seine Weise. Der Marathonläufer gibt heute alles, um morgen seine Bestzeit zu laufen. Der Bauer sät heute, damit er morgen ernten kann. Der Gärtner gestaltet sein Beet, das morgen erblühen und wirken kann.

Und ich mache Natural Bodybuilding.

Natural Bodybuilding als Weg

Sich den Rat anderer, die einem den Weg weisen möchten, anzuhören, mag in mancher Situation sinnvoll sein. Dennoch gilt es, dem inneren Kompass zu folgen. Um meinen bin ich ganz froh, wenn ich mich an die Worte eines Bekannten erinnere, der meinte, dass ich mich in den Sport flüchten würde.

Da Flucht ja bekanntlich mit Rennen zu tun hat, gebe ich ihm auf eine gewisse Weise recht. Umhergeirrt und verrannt habe ich mich, aber geflüchtet bin ich genau dahin, wo ich hingehöre.

Dorthin, wo ich gehört werde, ohne überhaupt etwas gesagt zu haben. Dorthin, wo ich mein eigener Gärtner bin und wo ich blühen und wirken kann. Wo meine Energie ungebremst fließt und nicht wie ein verfaultes Stück Obst auf den Boden klatscht, bevor jemand es kräftig gegen die Wand geschmissen hat.

Gott sei Dank hatten die Worte des Kollegen bei mir die Eigenschaft der faulen Frucht, sonst wäre ich womöglich tatsächlich geflüchtet – vor mir selbst.

Unterwegs trifft man ja bekanntlich nicht immer gleich das angesteuerte Ziel. Zum Glück. Denn alles, was am Wegesrand steht, ist mindestens genauso schön, weil es einen wachsen lässt. Es ist gut, Menschen zu treffen, die sich daran erfreuen, was du tust. Sie hinterfragen und urteilen nicht. Sie haben einfach Teil an der Freude. Aber du triffst meistens nicht nur auf andere, sondern auch immer wieder auf dich selbst. Dabei kannst du dich erkennen und (gegebenenfalls) verbessern.

Der eine oder andere Stolperstein bleibt unterwegs natürlich auch nicht aus. Das Gute an Steinen ist, dass wir sie treten können, zur Seite zum Beispiel. Wesentlich schwieriger sind da die Löcher. Alle Löcher in Form einer Pfütze mit etwas Schmuddelwasser sind halb so schlimm – einfach kurz Anlauf nehmen und drüber springen. Und wenn das Loch dann doch mal etwas größer ist, sodass wir es ein tiefes Tal nennen können – Berg »hochpumpen«! Dort ist es ja erst richtig schön, wenn wir vorher von ganz unten nach oben hochgeschaut haben.

Ich nenne das »Lebenslandschaft«.