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Dein Kind ist der Spiegel deiner Seele Nichts wünschen Eltern sich mehr, als dass ihre Kinder glücklich sind und die Beziehung zu ihnen von Liebe und Vertrauen geprägt ist. Wirkt Ihr Kind traurig oder zeigt es Verhaltensauffälligkeiten, sollten Sie ganz genau hinsehen. Die PresentChild®-Methode kann viele Probleme beheben, z.B. kindliche Wut, Krankheiten, Entwicklungsstörungen oder Kommunikationsprobleme zwischen Eltern und Kindern. Der Ansatz: Kinder wissen intuitiv um die Probleme ihrer Eltern und spiegeln sie durch ihr Verhalten. Janita Venema entwickelte die Methode, nachdem sie erkannte, dass die Probleme ihres Sohnes in Wirklichkeit ihre eigenen waren. Nachdem sie diese verstanden und aufgearbeitet hatte, lösten sich auch die Schwierigkeiten ihres Sohnes in Luft auf. Das Buch erzählt ihre persönliche Geschichte und erklärt die Grundprinzipien der PresentChild®-Methode.
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Seitenzahl: 331
Veröffentlichungsjahr: 2020
Janita Venema
1. Auflage 2020
Dieses Buch ist einerseits ein Handbuch, das theoretische Hintergründe erklärt, andererseits gibt aber auch einige Kapitel, in denen ich meine persönliche Geschichte erzähle. Da sich die Kapitel gegenseitig ergänzen, empfehle ich dir, das Buch von vorne bis hinten durchzulesen.
Chapeau, Janita! Es hätte für mich keinen besseren Zeitpunkt geben können, dieses Buch zu lesen. Als Kind litt ich unter asthmatischer Bronchitis, ADHS, Allergien und anderen Erkrankungen. Mein jüngster Sohn, der die gleichen Leiden hat, ist quasi mein Spiegelbild. Ich habe ihn auf natürliche Weise mittels Homöopathie, Akupunktur und anderer alternativer Heilmethoden behandelt. Sein Asthma hatten wir dadurch jahrelang, ohne starke Medikamente, ziemlich gut unter Kontrolle. Vor drei Jahren besuchte er einen meiner Workshops in der Türkei, den ich »Tiefseelentauchen« genannt hatte (nach meinem Buch Diepzielduiken). Während einer Aktivität am Strand hatte er die Vision, lebendig begraben worden zu sein. Noch am selben Tag hatte er einen Asthmaanfall. Gemeinsam standen wir den Anfall durch. Wir beide erkannten, dass er dabei war, sich aus einem Muster zu befreien, in das er sich verstrickt hatte, und jetzt kurz davorstand, in eine neue Phase seines Lebens einzutreten. Lebend begraben zu sein symbolisierte für ihn seine eigene Machtlosigkeit. Er kam durch die Vision zu der Erkenntnis, dass er zwar die Umstände nicht ändern konnte, wohl aber sich selbst. Mir ist jetzt klar, dass er das meinetwegen durchlebt hat. Ich fühlte mich in meinem Leben gefangen und unfähig, etwas zu ändern. Ich bereiste jedes Jahr 14 Länder, um Workshops zu geben, lebte von Hotel zu Hotel, aß ständig in Restaurants, hatte keine Zeit für mich selbst und doch änderte ich nichts an meinem Lebensstil. Die Organisationen, die alles arrangiert haben, waren zufrieden mit meinem Erfolg und ich dachte, ich auch, aber mir fehlte sehr viel in meinem Leben: meine Kinder, meine Hobbys und so weiter. Ich fühlte mich gefangen. Ich wollte mich ändern, aber ich hatte keine Ahnung, wie ich das machen sollte, und in eine Privatpraxis wollte ich nicht mehr zurückkehren.
Während ich dieses Vorwort schrieb, hatte mein Sohn einen weiteren Asthmaanfall, den ersten seit drei Jahren. Wieder einmal machte sich sein Asthma bemerkbar, um mir etwas zu verdeutlichen. Ich musste nun endlich eine Entscheidung treffen, endlich daran glauben, dass ich es diesmal schaffen konnte. Ich musste jetzt die Entscheidung treffen, damit sich eine neue Tür zu dem öffnen würde, was ich im Inneren wollte, auch wenn ich diese Tür noch nicht sehen konnte.
Ich empfehle allen, Eltern dieses Buch zu lesen, um den Spiegel, den ihnen ihr Kind vorhält, zu entdecken und damit die Beziehung zu sich selbst vertiefen zu können. Unsere Kinder projizieren unsere unbewusste Realität sehr stark auf uns zurück, ob wir sie sehen wollen oder nicht. Je mehr du diese Realität wahrnimmst und anerkennst, desto besser ist es für dein Kind und letztendlich auch für dich selbst.
Janitas Aufgabe ist es, den Kindern eine Stimme zu geben und die Zeit ist sicherlich reif für das, was sie dir zu sagen hat. Dieses Buch hat Erfolg verdient, nicht nur für Janita, sondern auch für die Eltern, die dadurch näher zu sich selbst und ihrem Kind finden. Dadurch können Eltern ihrem Kind das geben, was es braucht um eine glückliche Kindheit zu führen. Dieses Buch brachte mir im richtigen Moment Einsicht, und ich freue mich, dass ich das Vorwort dazu schreiben durfte. Dieses Buch war eine große Bereicherung für mich und ich wünsche diese Bereicherung auch allen betroffenen Eltern und Kindern.
Roy Martina
Titelei
Vorwort von Roy Martina
Einleitung
Wie alles anfing
Bevor du beginnst
PresentChild®-Übung bei unangenehmem Verhalten
Die Gefühlsübung – bei der eigenen Wahrheit bleiben
Die Gefühlsübung für Eltern
Ein etwas anderer Ansatz
Nach bestem Wissen handeln
Ruhe in meinem Kopf
Spiegelbild
Wunde Punkte
Liebe oder Angst?
Die geheime Höhle
Wünsch dir, was du wirklich willst
Mit der gesamten Sprache sprechen lernen
Es war einmal …
Schätze aus der Vergangenheit
PresentChild®-Übung bei erwünschtem Verhalten
Zufall oder Zu-Fall?
Unsichtbare Fäden
Die Heilung seiner Geburt
Meine Wiedergeburt
Die Seele
Eng verbunden, aber jeder auf seinem eigenen Weg
Gesegnet!
Weiblichkeit
Teil-Persönlichkeiten
Der Erwachsene und das Kind
Der Erwachsene
Das Kind
Der männliche und der weibliche Teil
Das Männliche
Das Weibliche
Der extrovertierte und der introvertierte Teil
Das Extrovertierte
Das Introvertierte
Beide Seiten integrieren
Der Erwachsene und das Kind
Der männliche und der weibliche Teil
Der extrovertierte und der introvertierte Teil
Der Große Geist
Vom Schüler zum Meister
Im Karussell
Höchste Zeit
PresentChild®-Übung bei Krankheit des Kindes
Der Bann ist gebrochen
Eine Lebensaufgabe wählen
Die Beziehung zwischen den Eltern
Familiendynamik
Die Brücke ist gebaut
Alles Liebe …
Einsicht oder Erfahrung?
Das Kind ist da
Kinder verstehen
Mein Leben ist meine Antwort
Epilog
Danksagung
Service
Weiterführende Informationen und Kontakt
Literaturhinweise
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
Wenn Kinder auf die Welt kommen, bringen sie nur Liebe mit. Alles andere lernen sie hier. Wenn die Eltern das wüssten, würden sie ihr Kind besser unterstützen.(1)
Inayat Khan
Als mein Sohn vier Jahre alt war, war er oft krank, wollte nicht spielen und sah unglücklich aus. Ich hatte alles probiert und wusste nicht mehr, wie ich ihm helfen sollte. Bis ich mich selbst in ihm wiedererkannte und anfing, mein Leben zu verändern. Er wurde gesund und strahlte wieder Freude aus. Die Veränderungen in meinem Leben waren dringend notwendig, auch wenn ich das zu Beginn nicht wahrnehmen konnte, geschweige denn wusste, was zu tun war. Indem ich den Anweisungen folgte, die mein Sohn mir durch sein Verhalten und seine Gesundheit »zuflüsterte«, unternahm ich eine innere Reise zum Ursprung meiner Existenz. Dadurch entdeckte ich, dass ich die Freiheit habe, ich selbst zu sein und mein persönliches Lebensziel zu wählen. Ich habe mich dafür entschieden, PresentChild®-Translator zu werden und andere PresentChild®-Translator auszubilden. Einen wundervolleren Job hätte ich mir nicht vorstellen können. Ein PresentChild®-Translator bietet Eltern die Möglichkeit, ihr persönliches Leben, ihre Beziehungen und die Erziehung ihrer Kinder zu hinterfragen und daran zu wachsen, indem er das Verhalten oder das körperliche Wohlbefinden der Kinder übersetzt. Dadurch können Eltern sich selbst und ihrem Kind helfen, Fortschritte zu erzielen. Denn unsere Kinder zeigen uns durch ihr Verhalten auch, wenn es gut läuft!
Die Kraft, die Kinder in uns wecken können, ist immens. Zu deinen Kindern hast du eine Liebesbindung, die stärker ist als die Eigenliebe. Diese Kraft ist so groß, dass wir für unsere Kinder durchs Feuer gehen würden. Unsere Kinder sind das vollkommene Abbild der Kinder, die wir selbst einmal waren. Dieses Kind hast du genauso geliebt, wie du nun dein eigenes liebst, und doch hast du dich von dem Kind in dir distanziert und bist zu dem Erwachsenen geworden, der du heute bist. Unter der Führung unserer Kinder können wir unser inneres Kind wiederentdecken und somit unser Leben bereichern. Alles, was wir unseren Kindern wünschen, Glück, Wachstum, Gesundheit, das wünschen sich unsere Kinder auch für uns. Sie wünschen uns vollkommene Gesundheit und dass wir weiterhin die Person sein können, die wir im Innersten sein möchten. Sie würden alles dafür tun, dass wir diese Person sein können, genauso wie wir alles für ihr Glück, ihr Wachstum und ihre Gesundheit tun würden.
Dieses Buch ist sowohl eine Sammlung meiner persönlichen Erfahrungen als auch ein Handbuch mit Theorieteilen, Übungen und Beispielen. Meine Geschichten dienen zur Veranschaulichung, und obwohl du dich in meinen Geschichten vielleicht wiedererkennst, darfst du nicht vergessen, dass sich deine Lebensweise von meiner unterscheidet. Am Ende des Buches findest du einen Überblick über verwandte Fachthemen, die einen Bezug zu neuen und innovativen Methoden wie PresentChild® haben.
Dieses Buch wurde 2008 erstmals auf Niederländisch veröffentlicht und befindet sich nun in der achten Auflage (2015). Im Jahr 2012 veröffentlichte Homeolinks Publishing eine englische Übersetzung des Buches, die es ermöglicht hat, PresentChild® in die Welt zu tragen. Der Name PresentChild®, für den wir uns für die weltweite Einführung der Methode entschieden haben, wurde gewählt, weil das Wort »present« klar ausdrückt worum es bei der Methode geht: Die Anwesenheit deines Kindes im Hier und Jetzt, einschließlich der angenehmen und weniger angenehmen Aspekte, ist ein Geschenk für dein ganzes Leben.
Dein Kind schenkt dir ein neues und vollständiges Selbstbild. Etwas in dir wartet darauf, wahrgenommen zu werden und in deinem Leben eine Stimme zu bekommen. Dies zuzulassen, ist das größte Geschenk, das du dir selbst und deinem Kind machen kannst. Diese grenzüberschreitende Methode löst nach und nach die bisherigen Methoden ab. Mittlerweile gibt es hunderte PresentChild®-Translator, die Elternkurse, Schulungen für Sozialarbeiter, Lehrkräfte und Erzieher anbieten. Es ist eine wunderbare Entwicklung, für die ich zutiefst dankbar bin.
Janita Venema
Ich widme dieses Buch allen Kindern.Vor allem Frank und Lize.Ihr habt mir enorm geholfen,allein, indem ihr ihr selbst wart.
Frank, du hast mir den Weg nach innen gezeigt.
Lize, Du hast mich gelehrt, nach draußen zu gehen, fröhlich und liebevoll zu sein.
Kinder, ich spreche meine Wahrheit frei heraus.
Aus Datenschutzgründen wurden die Namen in diesem Buch geändert und manche Ereignisse leicht angepasst, ohne Inhalt oder Wahrheit zu verändern. Ähnlichkeiten mit existierenden Personen oder Ereignissen sind zufällig.
Es ist einfach, unkomplizierte Kinder zu lieben; die Kunst besteht darin, die schwierigen zu lieben.
Als junge Frau von 28 Jahren kannte ich mich selbst überhaupt noch nicht. Ich war unsicher, eine graue Maus, eine Nebenfigur, melancholisch und einsam. Konversationen? Kannte ich nicht. Freunde? Vielleicht einen. Ich nahm am Sozialleben meines Partners teil, aber auch den Menschen, die er mir vorstellte konnte ich mich nur schwer öffnen. Die wenigen Themen, mit denen man mich aus meinem Schneckenhaus locken konnte, waren die Verbesserung der Welt und der Klimaschutz. Beides war mir sehr wichtig. Ich versuchte zu verwirklichen, was ich predigte, aber meine Handlungen waren nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und ich fühlte mich nutzlos. Auf der anderen Seite fand ich mich toll, weil mir unsere Welt und das Klima ein Anliegen waren. Ich sah auf andere Menschen herab, die so taten, als gäbe es keine Probleme auf unserer Welt. Für sie gab es nur Spaß und kopflosen Konsum, als gäbe es kein Morgen. Ich hingegen dachte, dass wir auf diese Weise uns und unsere Welt zugrunde richten. Wie konnten diese Menschen die Augen so verschließen? Viele von ihnen fand ich ignorant und uneinsichtig – was mich nicht gerade bei ihnen beliebt gemacht hat. Irgendwann fand ich mein einsames, düsteres Leben so wertlos, dass ich vorhatte, verschmutztes Wasser aus einem großen Fluss als Trinkwasser zu nutzen. Auf diese Weise sollte für die Welt sichtbar werden, wie stark unsere Umwelt verunreinigt ist. Der Tod saß mir im Nacken. Ich wollte als leidendes Vorbild dienen, um aufzuzeigen, dass wir uns auf dem Holzweg befinden. Ich teilte meine Absichten zwei Menschen mit, die mir meine Idee wieder ausredeten. Aber wenn ich nicht einmal dieses Opfer für die Welt bringen konnte, was war mein Leben dann noch wert? Mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren, um mein Anliegen sinnvoll der Welt zu vermitteln, jedoch ohne Erfolg. Ich saß neben meinem Kachelofen und las unter anderem über den »Club of Rome«, eine Expertengruppe, die davor warnte, dass es »fünf vor zwölf« sei. Wenn nicht einmal sie ernst genommen wurden, wie sollte ich dann etwas ausrichten können? Mein Kopf stand im Begriff zu platzen. Ich hasste mich selbst und in meinen Augen war ich eine Versagerin. Ich kam zu dem Entschluss, dass ich etwas tun musste, um das Blatt zu wenden, auch wenn es nicht für die Welt, sondern für mich selbst war. Ich musste etwas Positives finden, um mich aufzubauen. Vielleicht half ein zweites Studium? Nach meinem Lehramtsstudium begann ich daher, klassische Homöopathie zu studieren. Auf diesem Gebiet konnte ich zwar anderen helfen, aber es fühlte sich für mich wie ein langer Umweg an. Das Studium faszinierte mich, allerdings belastete es auch meinen ohnehin schon viel zu vollen Kopf. Dennoch sah ich es als eine gute Alternative zu meinen destruktiven Plänen, und nach für nach fand ich immer größeren Gefallen daran.
Während dieser Umbruchsphase besprachen mein Mann und ich unsere Familienplanung. Meine biologische Uhr tickte. Ich habe immer behauptet, keine Kinder zu wollen. Die Gründe lagen (für mich) auf der Hand. Überbevölkerung war einer, aber ich war auch der festen Überzeugung, dass ich kein Kind in unsere düstere Welt setzen wollte. Außerdem konnte ich nichts an Kindern finden. Sie waren mir zu spontan, zu sprunghaft und zu launisch. Ich konnte sie nicht verstehen und, last but not least, hatte ich mit mir selbst alle Hände voll zu tun. Doch in meinem tiefsten Inneren machte sich eine weitere Stimme bemerkbar: Vielleicht wollte ich sie doch … trotz allem, was dagegensprach. Diese Stimme bekam keine große Chance. Die Vernunft sprach zu mir: Mit Kind hätte ich zu wenig Zeit für mein Studium und um mir meine eigene Praxis aufzubauen. Außerdem war mein Mann oft nicht zu Hause, ich müsste also den Großteil der Versorgung und der Erziehung übernehmen. Wollte ich das? Konnte ich das überhaupt? Dieses Thema beschäftigte mich lange.
Kommt Zeit, kommt Rat, sagte mein Mann. »Ich würde einen Tag in der Woche für unser Kind sorgen, wir nehmen uns für zwei Tage Kinderbetreuung und ein Kleinkind schläft auch noch viel. Du kannst also nebenbei studieren.« Trotz meiner vielen Zweifel stimmte ich zu. Wir legten das Schicksal einfach in Gottes Hände und warteten ab, was passieren würde. »Gott« im übertragenen Sinne, denn nach einer Erziehung im Sinne der reformierten Kirche hatte ich Gott in religiöser Hinsicht abgeschrieben. Falls es ihn gibt, warum lässt er seine prächtige Schöpfung so verkommen? No way, wenn für diese Erde noch etwas getan werden konnte, so musste es von Menschenhand geschehen, aber diesbezüglich war mein Vertrauen gering. Und wie du weißt, ist auch mein Glaube an die Menschheit sehr gering.
Entweder hatte Gott unsere Entscheidung abgesegnet oder die Spermien waren einfach fruchtbar. So oder so bin ich im Handumdrehen schwanger geworden. Ich fühlte keine Verbindung mit dem Kind in meinem Bauch. Es bewegte sich, mein Bauch wuchs, aber ich nahm das emotionslos hin. Ich streichelte meinen Bauch nicht einmal. Das Kind in mir war für mich nicht anwesend, es war abstrakt und verschwommen. Ich hatte keine Gefühle von Wärme oder Liebenswürdigkeit, geschweige denn von »freudiger Erwartung«. Oh, wie schlecht habe ich mich damals gekannt. Ich fand es merkwürdig, dass ich keine Verbindung zu meinem Kind spürte, während ich die ganze Zeit überhaupt nicht mit meinen eigenen Gefühlen in Berührung kam. Fühlen war für mich fast ein Fremdwort. Ich sah mich als eine rationale Person. Wenn andere ab und zu sagten, dass ich einfühlsam sei, taten sie das nur, damit ich mich besser fühlte. Ich war nun mal ein Kopfmensch, womit ich zufrieden und worauf ich sogar ein wenig stolz war. Der Verstand bringt viele schöne Dinge hervor. Wenn mehr Menschen ihren Verstand nutzten, wäre die Welt ein besserer Ort. Zu viele Menschen beschäftigen sich auf egozentrische Weise damit, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.
Im sechsten Schwangerschaftsmonat bekam ich Blutungen und die Bewegungen in meinem Bauch hörten auf. Ich hatte Angst, und mein erster Gedanke war, dass das Baby sicherlich sterben wird. Wider Erwarten konnte die Hebamme das Herz gut hören. Aber warum stellte sich das Kind so tot? Wieder einmal fühlte ich absolut nichts, während ich gespannt auf ein Lebenszeichen warte. Tage später spürte ich endlich eine Bewegung in meinem Bauch und das erste Mal, seit Beginn meiner Schwangerschaft, habe ich mich um mein Kind gesorgt. Gegen Ende der Schwangerschaft lag mein Kind nicht, wie es üblich sein sollte, mit dem Kopf nach unten. Ich musste mein Kind über eine Steißgeburt im Krankenhaus zur Welt bringen und hatte Todesangst, dass ich nicht genügend Kraft für die Geburt hätte. Die Wehen wurden nicht wirklich stärker und irgendetwas in mir wusste, dass ich sie zurückhielt. Ich hatte solche Angst, die Kontrolle zu verlieren, zu schreien und die Schmerzen nicht ertragen zu können. Ich hatte Angst, meinen Körper machen zu lassen, aber ich wusste, dass ich mich meinem Körper hingeben musste, und nichts jagte mir in dieser Situation mehr Angst ein. Nach 36 Stunden durfte ich endlich pressen. Ein Kreis von Köpfen über mir sagte, was ich tun musste, und ich war bereit, alle Anweisungen zu befolgen, solange mein Kind nur gesund auf die Welt käme. Der Körper kam schnell heraus. Nun musste der Kopf noch rasch folgen, da der Atemreflex bereits ausgelöst war. Sie drückten auf meinen Bauch, damit das Köpfchen leichter nach draußen kommen konnte, und gleichzeitig drückten sie gegen den winzigen neugeborenen Babykörper, als ob sie ihn wieder zurück in meinen Bauch schieben wollten. Es fühlte sich an, als wären Körper und Kopf meines Babys getrennt worden. Ein Dammschnitt wurde gemacht und da war er, Frank, unser Sohn. Behutsam drückte ich ihn an meine Brust und hielt ihn ganz fest. Auf einen Schlag waren Sorge, Schmerz und Müdigkeit beim Anblick dieses neuen Menschenlebens verflogen. Dieser schöne Moment war wunderbar, bewegend und unwirklich zugleich. Nach dieser realitätsfernen Schwangerschaft lag plötzlich ein Kind aus Fleisch und Blut in meinen Armen. Wie war das möglich? War das mein Kind? Als ob ich es nicht soeben selbst geboren hätte! Ich war so glücklich mit ihm, so unglaublich glücklich. Einige Zeit später nahmen die Krankenschwestern Frank mit und mein Mann ging nach Hause. Unsere neue Familie war nur zwei Stunden nach der Geburt auf drei Orte in der Welt verteilt. Wie auf drei Inseln in einem riesigen Ozean. Und das machte mich sehr traurig.
Frank weinte am Anfang oft. Wiegend und tröstend liefen wir viel mit ihm herum. Wir konnten nicht viel anderes tun. Ich denke, dass wir dabei Frank so nahe waren, wie wir es hätten sein können. In anderen Dingen merkte ich jedoch, dass ich als Mutter kein Naturtalent war. Natürlich gelang es mir als Mutter genauso wenig, meinem Gefühl zu folgen, wie auf anderen Gebieten meines Lebens. Ich las Bücher über Erziehung und Kinderbetreuung und befolgte Ratschläge, die mir sinnvoll erschienen. Das erste Jahr stillte ich ihn und nach einem halben Jahr bekam er die ersten zusätzlichen Häppchen. Wir spielten regelmäßig zusammen, ich nahm ihn nach Möglichkeit überallhin mit und sorgte dafür, dass er immer in meiner Nähe war. Ich tat das, weil es angeblich gut für das Kind war, aber mein Handeln war nicht von Mutterliebe geprägt. Ich versorgte mein Kind, aber ich gab ihm keine Liebe. Ich lernte, durchzuhalten, aber nicht zu lieben. Weil ich emotional so abgestumpft war, hatte auch mein Mutterinstinkt keine Chance, zum Leben erweckt zu werden. Ich gab Frank als erste Beikost eine pürierte Tomate. Warum keine süße, zarte Banane oder einen Pfirsich? Ich konnte mich nicht gut in mein Kind hineinversetzen. Irgendwie hatte ich erwartet, dass ich nach der Geburt unseres Sohnes mit meinem Leben wie gewohnt weitermachen könnte. Der einzige Unterschied sollte sein, dass er einfach in unser Leben getreten war. Kleine Kinder seien gerne bei ihren Eltern, hatte ich gelesen, daher konnte ich ihn einfach überallhin mitnehmen, dachte ich. Ich erinnere mich noch genau, dass ich Frank zu einem Bandauftritt meines Mannes mitnahm. Es war ziemlich laut und so stellte ich Frank in seinem Buggy hinter die Glaswand eines Wintergartens. Er schlief zwar während der ganzen Show, aber er lag dort so mutterseelenallein in diesem großen, dunklen Wintergarten. Warum nur habe ich ihn mitgenommen? Das war nicht der richtige Ort für ein Baby. Hatte ich wirklich erwartet, dass ich mein Leben genauso weiterführen könnte wie vor der Geburt? Ich hätte einfach zu Hause bleiben oder mich um einen Babysitter kümmern sollen. In diesem Wintergarten sah ich ihn plötzlich buchstäblich und im übertragenen Sinne in der Kälte stehen. Es ist wahr, dass Kinder gerne in der Nähe ihrer Eltern sind, aber Frank wollte ganz bestimmt nicht auf dieses Konzert gehen und noch weniger wollte er allein in diesem Wintergarten gelassen werden. Ich täuschte mich, als ich dachte, dass mein Leben mit einem Kind genauso weitergehen könnte, denn die Geburt meines Sohnes war die größte Veränderung in meinem bisherigen Leben! Trotz der notwendigen Rund-um-die-Uhr-Betreuung war Frank oft unzufrieden und weinte viel. Oft wurde mir alles zu viel und ich hatte keine Ahnung, was ich dagegen tun sollte. Ich probierte dies und das, in einer mir fremden und neuen Situation als Mutter.
Als Frank ungefähr drei Jahre alt war, ging es ihm nicht gut. Er verhielt sich wie ein kleiner alter Mann, nicht wie ein kleines Kind. Er wollte nicht mit anderen Kindern spielen, alleine aber auch nicht oft. Er verhielt sich eher wie ein langweiliger Professor, der nur Bücher lesen will. Er war stark auf Erwachsene und deren Angelegenheiten ausgerichtet. Er hatte Denkfalten auf der Stirn und sah nicht glücklich aus. Geh doch spielen, Kind, dachte ich oft: Für alles andere wird es Zeit genug geben, wenn du älter bist. Seine Konstitution war sehr schwankend, er war nicht wirklich krank, aber auch nicht gesund. Er sah blass aus und wirkte kalt. Er war ständig erkältet und sein ganzer Kopf voller Schleim. Ich machte mir Sorgen um den kleinen Kerl, aber ich war dadurch auch gereizt. Ich ärgerte mich grün und blau über sein anhängliches Verhalten. Den ganzen Tag lief er hinter mir her und rief: »Mama, Maama, Maaaaaama!« Ich konnte es nicht mehr ertragen. Stunden fühlten sich wie Tage an und die Tage zogen sich wie Kaugummi. Jeden Tag wartete ich darauf, dass mein Mann von der Arbeit heimkam und mich endlich ablöste. Auf gut Glück antwortete ich Frank mit Ja oder Nein. Ich hörte nicht wirklich zu, es klang wie ein Gewimmer in meinen Ohren. Ich konnte keine Energie mehr aufbringen und ich sah meinen Sohn zunehmend als Problem in meinem Leben.
Trotz allem tat ich alles, um Frank gesund und glücklich zu machen. Ich fragte um Rat und ging mit ihm zu einem Homöopathen, ohne Erfolg. Ich weiß noch, dass ich mich fragte, ob sein Verhalten vielleicht einfach seinem Charakter entsprach. Aber selbst wenn das so sein sollte, konnte ich sehen, dass er unglücklich war. Ich musste etwas dagegen unternehmen. Dreieinhalb Jahre nach seiner Geburt musste ich mir meinen Misserfolg eingestehen. Ich scheiterte in meinen Bemühungen, ihm zu helfen, und für eine Mutter gibt es nichts Frustrierenderes, als ihr eigenes Kind unglücklich zu sehen. Am Tiefpunkt meiner Verzweiflung fragte ich mich: »Was in aller Welt ist denn das Problem, was übersehe ich?« Wenn er es mir nur sagen könnte …
In meiner Verzweiflung beschloss ich, alle wichtigen Dinge aus Franks Leben aufzuschreiben, damit ein Profi mir helfen könnte und ein Bild der Gesamtsituation bekäme. Im Großen und Ganzen ist es die Geschichte, die ich gerade erzählt habe, einschließlich der Geburt seiner Schwester, als er zwei Jahre alt war. Es erschien mir sinnvoll, ein zweites Kind kurz nach dem ersten zu bekommen. Da ich ohnehin an die Kinderbetreuung gebunden war, konnte ich auch gleich zwei Kinder großziehen. Frank war eifersüchtig auf seine kleine Schwester. Er vermisste meine ungeteilte Aufmerksamkeit und klammerte sich noch mehr an mich. Meine Tochter Lize war hingegen ein Sonnenschein, unkompliziert, spontan und warmherzig. Sie hellte selbst meine dunkelsten Tage auf. Zu allem Überfluss wurde ich nach Lizes Geburt sehr krank. Ich war körperlich am Ende. Eine Operation war notwendig, weshalb Frank eine Woche woanders wohnen musste. Das neue Schwesterchen durfte als Stillkind mit Mama ins Krankenhaus. Er muss sich dadurch wirklich abgelehnt gefühlt haben.
Als mein Bericht über Frank fertig war, las ich ihn noch einmal durch und auf einmal sah ich, was los war: Frank durfte sich am Rande meines Daseins beteiligen, solange er kein Hindernis darstellte. Ich gab ihm keinen eigenen Lebensraum, wollte nicht, dass er mein Leben stört, und war nicht wirklich für ihn da. Ich sagte »Nein« auf seine wichtigste Frage, nämlich: »Willst du meine Mutter sein? Eine Mutter, die mit mir spielt, mit mir kuschelt, die mich auf ihren Schoß nimmt und mich gernhat.« Zwar hatte ich mir ein Kind gewünscht, doch offenbar war ich nicht dazu bereit, Mutter zu sein. Frank hat nicht darum gebeten, geboren zu werden, und er hatte sich mich als Mutter auch nicht ausgesucht. Ich ärgerte mich über mich selbst. Wie hatte ich es so weit kommen lassen können? Während ich den Bericht ein zweites Mal durchging, passierte etwas sehr Seltsames. Erstaunlicherweise scheint sich die ganze Geschichte um mich zu drehen. Meine Sorge bei der Geburt, dass der Kopf meines Sohnes von seinem Rumpf getrennt sei, galt auch für mich! Mein Kopf war auch vom Rest getrennt. Ich lebte in meinem Kopf. Ich nannte Frank einen langweiligen Professor, war aber selbst ein reiner Kopfmensch! Nicht nur Franks Kopf war wegen seiner ständigen Erkältungen verschleimt, auch in meinem Kopf befand sich nur »Müll«. Ich war genauso »alt«, ernst und unglücklich wie mein Sohn. Wenn es jemanden gab, der nicht spielen konnte, dann war ich es. Ich war überhaupt nicht verspielt, weder bei meinem Sohn noch bei der Arbeit und auch nicht im Leben. Frank hatte völlig recht, als er meine Aufmerksamkeit forderte, um darauf hinzuweisen, dass mein Leben hinten und vorn nicht stimmte. Warum habe ich das nicht gesehen? Wie blind kann man sein? Das war keine Frage des Charakters, das war geradezu ungesund. Ich war eine nutzlose Mutter, die ein armseliges Leben führte. Wie konnte ich überhaupt darüber nachdenken, die Welt verbessern zu wollen, wenn ich sie nicht einmal für mein eigenes Kind verbessern konnte? Warum hatte ich nicht gesehen, dass ich mein Leben ändern musste, wenn ich wollte, dass es Frank besser geht? Ich war der Grund dafür, dass er nicht aufblühte. Es fiel mir nicht leicht, das zu akzeptieren, und ich war voller Trauer und Schuldgefühle. Noch nie fühlte ich mich kleiner und wertloser als zu diesem Zeitpunkt. Ich hatte als Mutter versagt. Wenn ich wollte, dass mein kleiner Sohn gesund und glücklich ist, dann musste ich etwas verändern. Eine größere Motivation, an mir selbst zu arbeiten, hätte ich nicht finden können. Ich nahm mir vor, mehr Zeit und Raum für meinen Sohn zu schaffen, auch wenn sich dadurch mein Studium hinauszögern würde. Ich wollte für ihn da sein. Ich wollte lernen zu spielen, herzlich zu werden und aufmerksamer zu sein.
Von diesem Tag an konnte ich ihn nicht mehr auf dieselbe Art ansehen. So klein er war, hat er mir die Möglichkeit geschenkt, in mich selbst hineinzuschauen, und dafür bin ich ihm dankbar. Von diesem Tag an konnte ich tief in mir fühlen, welche Schätze meine beiden Kinder sind, nicht nur weil sie mir so viel bedeuten, sondern einfach, weil sie sind, wer sie sind. Frank ist mein Spiegel. Durch ihn kann ich mich selbst wahrnehmen, kann sehen, wo mich der Schuh drückt. Lize ist mein Vorbild, wenn ich vergesse, wonach ich strebe, wie verspielt, warm und mitfühlend ich sein kann. Ich brauche sie nur anzusehen, um mich daran zu erinnern.
Frank fragte mich oft: »Mama, wen magst du lieber, Lize oder mich?« Ich antwortete, dass ich beide gleich lieb habe, aber ich vermute, dass Frank sehr gut gefühlt hat, dass das nicht immer der Wahrheit entsprach.
Später fragte er nochmals und ich gab dieselbe Antwort: »Ich habe euch beide gleich lieb.« Diesmal kam meine Antwort aus tiefstem Herzen und Frank fühlte das. Er lächelte mich an und überlegte sich keine Argumente mehr dafür, dass ich ihn hätte lieber haben sollen als Lize. Stattdessen antwortete er: »Mama, ich habe dich doch ein bisschen lieber als Papa.« Dieser Schatz! Trotz allem liebt er mich! Diese bedingungslose Liebe, die Frank mir entgegenbringt, will ich ihm auch schenken.
Guter Anfang ist halbe Arbeit.
Deutsches Sprichwort
Vielleicht bist du jetzt neugierig geworden und willst wissen, was dir dein Kind zuflüstern will. In diesem Buch findest du PresentChild®-Übungen für drei verschiedene Fälle: bei ▶ unangenehmem Verhalten deines Kindes, bei ▶ Dingen, die du an deinem Kind bewunderst, und ▶ wenn dein Kind krank ist. Im folgenden Kapitel beginnen wir mit PresentChild®-Übungen bei unangenehmem Verhalten. Manchmal werde ich gefragt: »Warum beginnst du mit Übungen, die auf Probleme ausgerichtet sind?« Die Antwort ist einfach: um dein eigenes, unbewusstes Problem zu beleuchten. Es beeinflusst nämlich fortwährend dein Leben und den Umgang mit deinen Kindern, ohne dass du es weißt! Es ist wichtig, sich die eigenen Probleme bewusst zu machen. Sobald du weißt, was vor sich geht, kannst du dich auf die Lösung konzentrieren. Dies bedeutet oft eine Lösung sowohl für dich als auch für dein Kind. Ich möchte dir vorab einige wichtige Hinweise dazu geben. Lies sie sorgfältig durch, bevor du mit den Übungen beginnst.
Hilf deinem Kind und dir selbst Die PresentChild®-Übungen verdeutlichen dir, wie ein Problem im Leben deines Kindes mit einem unbewussten Problem in deinem eigenen Leben verbunden ist. Die Übungen sind speziell darauf ausgerichtet, diese Probleme zu verdeutlichen. Möglicherweise wirst du aufgrund der Erkenntnisse, die du dadurch bekommen wirst, etwas in deinem Leben verändern. Das ist gut so. Es passiert regelmäßig, dass durch die Veränderungen, die man an sich selbst vornimmt, die Probleme der Kinder verschwinden, wie Schnee in der Sonne schmilzt, wovon man aber nicht immer ausgehen kann. Diese Methode ersetzt nicht die Hilfe, die dein Kind benötigt, ist aber eine Bereicherung. Wann immer du und dein Kind vor Herausforderungen stehen (jeder in seinem eigenen Leben), kommt dir das sowohl als Individuum als auch im Umgang mit deinem Kind zugute.
Die PresentChild®-Übung, wenn dich das Verhalten deines Kindes negativ beeinflusst Wenn sich dein Kind auf eine Weise verhält, die dir unangenehm ist, solltest du die folgende PresentChild®-Übung machen. Du kannst davon ausgehen, dass sie dich deshalb berührt, weil sein Verhalten auch mit dir zu tun hat. Das ist genau der richtige Zeitpunkt für diese PresentChild®-Übung; du kannst sie also machen, sobald dir ein bestimmtes unangenehmes Verhalten bei deinem Kind auffällt, oder nach einem einmaligen Vorfall, der dich emotional stark berührt. Du musst nicht immer alles, was dein Kind tut, auf dich beziehen. Wichtig ist nur: Wenn es dich emotional berührt, hat es auch mit dir zu tun. Es gibt aber eine Ausnahme: Lässt dich etwas kalt, obwohl eigentlich Grund zur Sorge besteht, ist es ebenfalls ratsam, diese Übung durchzuführen. Es gibt auch sogenannte »Pleasers«: Kinder, die pflegeleicht sind, nie krank, ängstlich, zornig oder traurig, sondern sich immer vorbildlich verhalten. Für die Eltern ist solch ein Verhalten zwar einfach zu handhaben, aber es könnte auch sein, dass sich dein Kind so verhält, um dir zu gefallen. Dein Kind unterdrückt dafür vielleicht seine eigenen Interessen. Tief im Inneren wirst du spüren, ob das der Fall ist oder ob dein Kind wirklich zufrieden ist.
Lass dir von einem PresentChild®-Translator helfen Die Arbeit mit der PresentChild®-Methode kann sehr tiefgreifend sein, und dieses Buch soll nur als erster Schritt dazu dienen. Wenn du etwas nicht verstehst, im Zwiespalt bist oder tiefer in die Materie eindringen willst, dann wende dich am besten an einen PresentChild®-Translator. Sie sind ausgebildete Helfer, die eine spezielle Weiterbildung absolviert haben. Ein PresentChild®-Translator »übersetzt« das Verhalten oder das körperliche Wohlbefinden von Kindern, damit die Eltern die zugrundeliegende Botschaft begreifen können. Sie können dir helfen, viel mehr aus der Übersetzung herauszuholen, als du es vielleicht selbst kannst. Zertifizierte PresentChild®-Translator findest du auf der Website: www.presentchild.com.
Verzichte auf die Übung oder mache sie zusammen mit einem PresentChild®-Translator, wenn du ernsthafte Probleme hast oder wenn du labil bist Die Ergebnisse der Übungen können manchmal sehr unangenehm sein. Wenn du in den Spiegel blickst, den dir dein Kind vorhält, siehst du dich vielleicht in einem neuen Licht. Das musst du verarbeiten können. Wenn du vermutest, dass das zu viel für dich sein könnte, ist es ratsam, die Übung nicht sofort zu machen oder aber in Begleitung eines PresentChild®-Translator. Dieser ist dafür ausgebildet, das Verhalten deines Kindes genau und korrekt zu interpretieren, und kann dich dabei unterstützen, Dinge ins rechte Licht zu rücken. Darüber hinaus kann dir ein PresentChild®-Translator helfen, die gewünschten Veränderungen in deinem Leben in Gang zu bringen.
Beschreibe offen, was dich bei deinem Kind berührt, und lass jemanden so vollständig wie möglich aufschreiben, was du erzählst Erzähle spontan über dein Kind, als würdest du mit einem guten Freund sprechen. Beschreibe das Problem anhand von Beispielen. Lass dabei jemand anderen deine Geschichten aufschreiben. Derjenige notiert einfach all deine Worte. Die Person muss deine Geschichte nicht einmal verstehen, sollte jedoch so vollständig wie möglich notieren, was du sagst. Wenn du niemanden hast, der mitschreibt, kannst du die Geschichte auch mit deinem Handy aufnehmen und dann aufschreiben. Eventuell kannst du auch selbst mitschreiben, aber zensiere dabei nicht deine Worte. Erzähle deine Geschichte und lass den Stift machen, ohne einzugreifen. Wenn du selbst schreibst, besteht die Gefahr, dass du die Geschichte unbewusst zensierst. Das ist nicht Sinn der Sache. Kann man die Übung auch in Gedanken ausführen? Nein, ohne das Aufschreiben geht es nicht. Dadurch hast du die Geschichte schwarz auf weiß und kannst nichts mehr hinzufügen oder weglassen. Dein Gehirn ist in der Lage, blitzschnell Informationen zu verstecken oder wieder hervorzuholen. Tatsächlich ist das sogar seine wichtigste Aufgabe: Informationen müssen gefiltert werden, damit wir die Welt überhaupt ertragen können. Bei dieser Übung schreibst du aber alles, was dir durch den Kopf geht, ungefiltert auf – nicht schummeln!
Vermeide Zusammenfassungen, Diagnosen, Analysen Erzähle, was du siehst und an deinem Kind bemerkst: Beschreibungen, Symptome, Beispiele. Erzähle es, als ob du es einem guten Freund oder einer guten Freundin beschreiben würdest, ohne Diagnose, Zusammenfassungen oder Analysen.
Erzähle vor allem von deinem Kind Erzähle, was dir an deinem Kind auffällt, erzähle nicht von dir selbst. Du kannst jedoch beschreiben, was du an deinem Kind störend findest.
Nutze die Gefühlsübung für Eltern Wenn du nach deinem Bericht sehr erschrocken, traurig oder auf eine andere Weise »betroffen« bist, dann kann dir die Gefühlsübung für Eltern helfen.
Besser von der Wahrheit getroffen als von einer Lüge getröstet.
Jetzt bist du an der Reihe, zu entdecken, was dir dein Kind mit seinem Verhalten erzählen will. Beantworte die Fragen und gehe folgende Punkte durch.
A. Erzähle in eigenen Worten, was mit deinem Kind los ist Lasse deinen Sorgen freien Lauf. Was sagt oder tut dein Kind, das dich sorgt? Erzähle spontan und nenne Beispiele. Jemand anderer schreibt so vollständig wie möglich deine Worte auf.
Es geht um (Name deines Kindes) …
Er/sie …
Nenne ein treffendes Beispiel.
Er/sie …
Was verschlimmert die Situation?
Es wird schlimmer, sobald mein Kind … oder durch …
Was verbessert die Situation?
Die Lage meines Kindes verbessert sich, sobald es … oder durch …
Was findest du schwierig oder beunruhigend an diesem Problem?
Ich …
Was wünschst du dir von deinem Kind in der beschriebenen Situation?
Ich hätte gerne, dass er/sie …
So, das steht nun auf Papier. Bist du bereit für den nächsten Schritt?
B. Den eigenen Namen einsetzen Ersetze nun überall den Namen deines Kindes und »er/sie« durch »ich«.
»Sein« oder »ihr« wird dann natürlich zu »mein«.
»Sich selbst« wird zu »mir selbst«.
Hast du über Gefühle geschrieben, dann bist du bereits fertig. Gefühle bleiben unverändert, auch wenn du die Namen ausgetauscht hast.
»Johanna ist sehr oft wütend.« wird zu: »Ich bin sehr oft wütend.«
Vielleicht bist du nicht so oft sichtbar wütend. Deine Wut ist dann versteckt. Im Gegensatz zu Erwachsenen hat ein Kind noch nicht gelernt, Gefühle zu verstecken. Dein Kind vermittelt dir, dass du deine Wut sichtbar machen und auf konstruktive Art ausdrücken darfst.
C. Übersetzung in Bildsprache Wenn du über etwas anderes als über die Emotionen deines Kindes geschrieben hast, dann scheinen viele Dinge nicht verständlich zu sein. Setze all diese Dinge in Anführungszeichen.
»Sandra hat Angst, zu schwimmen.« Wird zu: »Ich habe Angst, ›zu schwimmen‹.«
Oder:
»Fritz hat schlechte Essgewohnheiten. Alles, was gesund ist, lässt er stehen.
Er mag nur Snacks und Süßigkeiten.«
wird zu:
»Ich ›habe schlechte Essgewohnheiten‹, alles, ›was gesund ist, lasse ich stehen‹.
Ich mag nur ›Snacks und Süßigkeiten‹.«
Die Mutter im ersten Beispiel hat keine Angst zu schwimmen und der Vater im zweiten Beispiel hat ganz normale Essgewohnheiten. Durch die Anführungszeichen kommt eine andere Bedeutung zum Vorschein. Der buchstäbliche Text bekommt eine bildliche Bedeutung, er ist zur Bildsprache geworden.
»Schwimmen« bedeutet dann so viel wie: Es ohne Hilfe selbst entscheiden müssen.
»Ungesund essen« steht für: sich selbst unzureichend Gutes tun. Du nimmst nicht genügend von dem zu dir, was du in deinem Leben benötigst. Mehr noch: Alles, was in deinem Leben »gesund«, also nahrhaft und aufbauend ist, lässt du links liegen! Du begnügst dich mit »Snacks und Süßigkeiten«, die dir eine sofortige Befriedigung verschaffen. Noch ein paar Beispiele:
Ungeduldig sein: Du willst etwas nicht länger dulden.
Geduldig: Könntest du mehr erdulden, vertragen?
Leidenschaftlich: Kommt das, was dein Leben antreibt, wirklich aus deinem tiefsten Inneren? Oder folgst du nur blindlings deinen Trieben?
Immer fröhlich: Bin ich auch immer fröhlich? Oder verbirgt sich dahinter etwas anderes?
Eigensinnig: Tust du die Dinge auf deine eigene Art oder folgst du anderen?
Betrachte auf diese Weise noch einmal deinen Text. Denke dabei so einfach wie ein Kind. Lies die Geschichte mit dem Herzen und lasse sie auf dich zukommen. Stimmt es mit dem überein, was du eigentlich tief in deinem Inneren über dich weißt? Glaube an die Bilder, die auftauchen, auch wenn der Verstand die Idee schon wieder abgeschrieben hat.
D. Weitere Suche nach der Bedeutung Manchmal ist es schwierig, die richtige Bildsprache zu finden. Dann kannst du denjenigen, mit dem du die Übung gemacht hast, fragen, ob er es vielleicht verstanden hat. Manchmal siehst du es nicht, aber jemand anders sieht sofort, worum es geht. Auch ein gutes Wörterbuch kann helfen. Es gibt neben der buchstäblichen auch die bildliche Bedeutung von Worten wieder. Das kann dir weiterhelfen. Wenn auch das nicht weiterhilft, empfehle ich dir, einen PresentChild®-Translator aufzusuchen.
E. Welche Informationen vermitteln die verschiedenen Fragen? Im Allgemeinen kann man sagen, dass das, was du über dein Kind erzählst, von deinem inneren Kind handelt: von demjenigen, der du warst, als du noch klein warst. Das innere Kind kann verschiedene Eigenschaften besitzen. Du kannst ein trauriges Kind in dir haben, ein wütendes, ängstliches, überempfindliches oder ein einsames Kind, das irgendwie »krank« geworden ist, ein Kind, das überfragt ist und so weiter. Verschiedene innere Kinder können in dir »wohnen«, aber meistens steht eines im Vordergrund. Das, was du bei deinem echten Kind beobachtest, zeigt den Zustand deines vergessenen inneren Kindes. Die Beziehung, die du zu deinem echten Kind führst, ist ein Beispiel für die Beziehung zwischen deinem inneren Kind und dem Erwachsenen, der du geworden bist. Dein wirkliches Kind ergänzt das, was in dir unvollständig ist. Es liegt an dir, dich selbst zu heilen, damit dein Kind nicht für dich einspringen muss und freier ist, sein eigenes Leben zu leben.
Das Diagramm kann dir helfen das Verhalten deines inneren Kindes auf dein heutiges Verhalten zu beziehen. Dafür trägst du ein, welches Kind du in der Übung in dir entdeckt hast: Ein zorniges Kind lässt den eigenen Zorn erkennen. Dann notierst du, wie du dich als Erwachsener verhältst. Zu einem zornigen Kind gehört meist ein Erwachsener, der seine Ruhe haben will oder seinen Zorn unterdrückt. Es gibt einen logischen Zusammenhang zwischen diesen Eigenschaften. Meistens geht es um eine Gegenüberstellung. Ein trauriges inneres Kind geht oft Hand in Hand mit einem gefühlskalten oder extrem empfindlichen Erwachsenen. Ein ängstliches inneres Kind könnte einem mutigen, starken Erwachsenen gegenüberstehen oder aber einem überfürsorglichen.
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Die Antwort auf die Frage »Was ist los mit deinem Kind?« gibt Auskunft darüber, was dein Leben unbewusst oder unbemerkt antreibt.
