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Christine ist Lehrerin und geht auf die 50 zu. Kein Grund eine Krise zu bekommen. Die hatte sie schon mit 40, weil ihr Mann George, Brite von Geburt, Augenarzt von Beruf, Sternengucker aus Passion, keine Kinder wollte und sie stattdessen mit seiner Sprechstundenhilfe Sabine betrogen hat. Christine wirft in einem Alter von beinahe einem halben Jahrhundert jeden Anstand, alle Disziplin und sämtliche Bedenken über Bord und beginnt eine leidenschaftliche Liebesgeschichte mit dem siebenundzwanzigjährigen Bulgaren Dean, der am liebsten Maler wäre, sein Geld aber bisher als Masseur, Matrose und Hostess verdient. Das zuvor in klaren Bahnen verlaufene Leben Christines gerät immer mehr außer Kontrolle. Nachdem ihr alles bisher Dagewesene um die Ohren geflogen ist, stellt Christine fest, dass man manchmal alles loslassen muss, um sich selbst zu finden.
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Seitenzahl: 255
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Katja Pelzer
Die Putzfrauen meiner Mutter
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52
Kapitel 53
Kapitel 54
Kapitel 55
Kapitel 56
Kapitel 57
Kapitel 58
Kapitel 59
Kapitel 60
Kapitel 61
Kapitel 62
Kapitel 63
Kapitel 64
Kapitel 65
Kapitel 66
Kapitel 67
Kapitel 68
Kapitel 69
Kapitel 70
Kapitel 71
Kapitel 72
Kapitel 73
Kapitel 74
Kapitel 75
Kapitel 76
Kapitel 77
Kapitel 78
Kapitel 79
Kapitel 80
Kapitel 81
Kapitel 82
Kapitel 83
Kapitel 84
Kapitel 85
Kapitel 86
Kapitel 87
Kapitel 88
Kapitel 89
Kapitel 90
Liebe Leserin, lieber Leser
Impressum neobooks
Die Putzfrauen meiner Mutter
von Katja Pelzer
„Es ist so schwierig, eine gute Putzfrau zu finden“, sagt meine Mutter. „Nein, wirklich“, sagt sie, rollt die Augen und schüttelt entnervt den Kopf.
Ich sage nichts. Es ist ja nicht so, dass ich es ihr nicht glaube. Es ist sogar ziemlich offensichtlich, wenn ich ihren Verschleiß so betrachte: hundertfünfzig Putzfrauen in vierzig Jahren. Das ist kein Pappenstiel oder wohl eher – kein Wischmopp-Stiel. Gerade hat sie wieder einer der Damen gekündigt. Der Grund: Die Dame wollte schwarz für sie arbeiten. Das geht natürlich nicht, sagt meine Mutter. Sie will ihre Haushaltshilfe ganz legal beschäftigen. Alles andere ist illegal. Man stelle sich doch bloß vor, der Frau passierte etwas. Sie fiele die Treppe herunter und bräche sich ein Bein.
„Dann bin ich dran“, sagt meine Mutter, als wäre genau das, in eben diesem Moment geschehen. Als wäre ihre aktuelle Putzkraft die Treppe heruntergestürzt und hätte sich mindestens den Hals gebrochen. Kurz bin ich schockiert. Dann besinne ich mich und erinnere mich daran, dass ja in Wirklichkeit gar nichts passiert ist. Es ja derzeit nicht mal eine Putzhilfe gibt.
„Aber du glaubst ja gar nicht, wie schwierig es ist eine gute Putzfrau zu finden“, wiederholt sie noch einmal mit unwesentlich mehr Pathos als beim ersten Mal. „Zu solchen Konditionen“, fügt sie dieses Mal hinzu.
Um ehrlich zu sein – nein – ich weiß tatsächlich nicht, wie schwierig es ist, eine gute Putzfrau zu finden. Ich habe noch nie im Leben eine gesucht. Nicht mal eine schlechte. Überhaupt keine. Das sage ich meiner Mutter in diesem Moment aber nicht. Sie würde mir ohnehin nicht zuhören, sondern einfach weiterreden. So ist das immer. Ein unendlicher mütterlicher Monolog. Meine Mutter interessiert sich einfach nicht sonderlich für mich.
Als Kind wurde mir immer eingebläut, dass man nicht „Putzfrau“ sagt. Kein politisch korrekter Begriff ist das. Zu einer Zeit, als es den Begriff „politisch korrekt“ in Deutschland noch gar nicht gab. In den USA möglicherweise schon. Dafür gibt es ihn dort mittlerweile nicht mehr. Er wurde durch den neuen Präsidenten, dessen Name nicht genannt werden darf, ad absurdum geführt. Weil für ihn Political Correctness gleichbedeutend ist mit Political Incorrectness.
Ich hatte also, wie gesagt, noch niemals eine Haushaltshilfe. Ich habe bisher keine gebraucht. Ich lasse nur selten und ungern andere Menschen in meine Wohnung. Wenn ich andere Menschen in meine Wohnung lasse, beispielsweise zu einer Abendessenseinladung, dann räume ich vorher auf. Die Vorstellung aber, für eine Putzhilfe extra aufräumen zu müssen, finde ich absurd. Schließlich sollte ja sie es sein, die Dreck und Chaos für mich beseitigt. Wofür sollte ich sie denn sonst einstellen? Da mache ich doch lieber einen Rundumschlag, räume auf, sauge und putze und fühle mich anschließend richtig gut – Stichwort: instant gratification. Auch so ein Anglizismus. Von meinem Mann, der ist nämlich Engländer. Und dem ist es bei uns sauber und aufgeräumt genug. Sagt er zumindest. Aber nur, wenn ich ihn frage.
Meine Mutter jedenfalls hat eine Putzhilfe. Ach, was sage ich, Putzhilfe! Putzhilfen hat sie. Also immer nur eine zur Zeit. Eine Art serieller Monogamie ist das. Bezüglich der Hilfe, die sie im Haushalt in Anspruch nimmt. In der Liebe ist sie tatsächlich überzeugte Monogame.
Und obwohl sie diejenige ist, die mir als Kind eingebläut hat, dass man „Putzfrau“ nicht sagt, ist sie heute diejenige, die „Putzfrau“ sagt.
Und dass, obwohl sie gerade gar keine hat.
Ach, und habe ich es schon erwähnt? Vor wenigen Wochen sagte sie dann zu mir: „Du glaubst ja gar nicht, wie schwierig es ist, einen guten Gärtner zu finden.“ Ich glaube als ich sie daraufhin fragend anlächelte, kam das ziemlich gequält rüber. Denn gedacht habe ich. Nein, jetzt nicht auch noch der Gärtner. Das Problem mit diesem war, dass er es im Rücken hatte und dass er in den Zeiten, in denen meine Eltern ihn wirklich gebraucht hätten, beispielsweise im Frühling, im Sommer und im Herbst nur sehr selten Zeit hatte. Im Winter dagegen tauchte er mehrmals in der Woche auf. Obwohl wirklich nichts zu tun war. Was soll ich sagen?
Es ist Frühsommer und jetzt hat meine Mutter den Gärtner durch einen Roboter ersetzt. Zumindest beim Rasenmähen. Die Blumen gießt sie wieder selbst. Auch das Unkraut jätet sie. Dass es gut für die Bienen und Schmetterlinge wäre, es stehen zu lassen, lässt sie nicht gelten. Sie zupft. Obwohl sie es an den Knien hat und doch jeder weiß, dass Unkrautzupfen nicht gut für die Knie ist. Doch meine Mutter geht tapfer in die Hocke und zupft, was ihre arthritischen Finger hergeben. Allerdings interessiert sie sich nicht erst seit des Gärtners Abgang so sehr für die aktive Gartenarbeit. Michelle Obama ist Schuld. Denn während der Amtszeit ihres Mannes hat die First Lady einmal ihre perfekt geformten Oberarme ihren Aktivitäten im Garten zugeschrieben. Also jätet meine Mutter und gräbt und setzt und pflanzt und hofft auf ein entsprechendes Ergebnis. Ich möchte sie nicht desillusionieren indem ich ihr sage, dass die wirklich bezaubernde First Lady (mittlerweile ja leider Ex-First Lady) sicher noch die eine oder andere Kraftübung auf sich nimmt, um solche Oberarme zu formen. Zumindest aber Liegestütze.
Meine Mutter betätigt sich ansonsten jedoch nicht sportlich. Also sage ich lieber nichts, denn generell sind die Vorzüge von Bewegung an der frischen Luft ja nicht von der Hand zu weisen. Und besser gärtnern als gar kein Sport.
Währenddessen dreht nun der Roboter seine Runden. Er sieht aus, wie eine gestauchte Version eines schwarzen Porsche Cayenne, findet meine Mutter, oder wie eine riesige schwarze Kröte, finde ich. Aber für meine Mutter zählen ohnehin vor allem seine inneren Werte: Robby ist gewissenhaft, gründlich, pünktlich und er macht fast keinen Mucks. Soweit die Vorteile gegenüber seinen menschlichen Kollegen. Meine Mutter jedenfalls ist voll des Lobs für Robby.
„Er ist so süß!“ ruft sie verzückt aus, als sie mir zum ersten Mal von ihm erzählt. „Oh warte. Wie spät ist es? Ich kann den Rasen erst sprengen, wenn er im Stall ist.“
Um Punkt sechzehn Uhr hat Robby nämlich Feierabend. Dann fährt er ganz eigenständig in seine Garage und kommt erst am nächsten Tag wieder zum Vorschein.
„Aber Mama, weißt du denn nicht, dass die Dinger Blindschleichen, Frösche und Igel überfahren?“
„Pfff“, sagt meine Mutter. „Dafür ist doch Robby viel zu langsam. Und außerdem ist das Gequake unserer Frösche ohnehin nervtötend.“ Sie lacht.
Und überhaupt: Warum in aller Welt, muss ein Rasen täglich gemäht werden? „Ist das denn nicht ein wenig übertrieben?, frage ich meine Mutter.
Doch die macht nur wieder „Pfffff. Sonst sieht er nicht anständig aus.“
Ich denke, es gibt wichtigere Dinge als einen gleichmäßig gestutzten Rasen. Obwohl man so etwas wohl weder in Deutschland noch in England laut aussprechen darf. Denken schon, aber nicht aussprechen. Denn natürlich gibt es kaum etwas Wichtigeres als ein gepflegtes Auto und einen perfekt gestutzten Rasen. Denn wie sollte sonst irgendjemand auf den Gedanken kommen, dass das Gras auf der anderen Seite grüner ist?
Apropos England: Mein Mann ist also Engländer und heißt sehr englisch George. Die Nächte verbringt er eher mit den Sternen als mit mir. Er ist zwar eigentlich Augenarzt, aber vom Herzen her ist er Astronom beziehungsweise seit Neustem Hobby-Exosoziologe. Das ist der jüngste Trend auf dem Gebiet. Exosoziologen beschäftigen sich mit allem, was im Universum – jenseits unseres blauen Planeten – existiert und passiert und was das mit uns – also den Menschen – macht. Das ist interessant, finde ich, aber folgen möchte ich George in diese Sphären nicht. Ich will nämlich gar nicht wissen, was das mit mir macht. Wirklich nicht. Es ist mir unheimlich, mir vorzustellen, da würde ein Paralleluniversum in Form einer zweiten Erde existieren. Bevölkert von menschenähnlichen Wesen mit eigener Weltanschauung und Politik, eigenen Schicksalen, in einem eigenen Mikrokosmos.
„Ja eben“, sagt George dazu. „Genau damit beschäftigt sich ja die Exosoziologie. Mit genau diesen Ängsten. Siehst du, das macht selbst mit dir was!“
„Wie meinst du das – selbst mit dir was?“, frage ich. Vielleicht klinge ich ein wenig gereizt.
„Na ja, selbst so nüchterne Naturelle wie du, wühlt dieses Phänomen auf.“
„Ich bin doch kein nüchternes Naturell“, widerspreche ich nüchtern.
„Doch bist du“, widerspricht mir George. „Aber das ist okay. Und das bedeutet, dass es mit emotionaleren Menschen erst recht etwas macht. Das Phänomen, meine ich. Und um das zu erforschen, was eben dieses Phänomen mit den Menschen macht, dazu dient die Exosoziologie.“
„Aha“, sage ich skeptisch. Und denke mir – noch eine weitere Spinnerei macht jetzt auch nichts mehr.
George spricht mir von Kometen und Meteoritenschauern. Vom Asteroiden-Hauptgürtel zwischen Mars und Jupiter.
Dem Radianten der Perseiden und den Aurigiden, von Leoniden und Geminiden. Ich schaue ihn bei diesen Vorträgen andächtig an. Ich sehe die Haare, die ihm aus der Nase wachsen und frage mich, ob ich ihn bitten darf, sie sich zu zupfen, ohne, dass er es übergriffig findet. Auch aus den Ohren wachsen ihm Härchen. Auf der Brust dafür gar keine, was natürlich okay ist. Ich komme ohne Haare auf der Brust klar. Aber ich möchte als Ausgleich nicht von denen in seiner Nase gekitzelt werden, wenn er mich mal küsst. Was nicht mehr oft passiert. Eigentlich kaum noch. Fast nie. Na ja, wir sind ja auch immerhin schon dreiundzwanzig Jahre verheiratet.
Weil ich mir aber über all’ diese Sachen Gedanken mache, weiß ich nie, was er mir von den Sternen erzählt. Ich kenne mich also überhaupt nicht aus. Denn die Sterne sind ja zwar sehr schön, spielen aber in meinem Leben nicht einmal in Form von Astrologie eine Rolle. Ich glaube nicht an das Schicksal. Jetzt sind wir hier. Morgen vielleicht schon nicht mehr. Wir sind für unser Schicksal ganz allein verantwortlich. Sterne sehen wirklich toll aus, wenn man sie in der Stadt auch kaum je sieht. Dafür auf dem Land umso deutlicher. Aber am Ende mache ich mir da nichts vor. Sie können mir im Alltag nicht helfen. Den muss ich schon ganz alleine wuppen. Noch dazu ohne Putzhilfe. Ja, ich weiß, das habe ich selbst zu verantworten. Die Sterne jedenfalls haben außer schön auszusehen für mich tatsächlich keinen weiteren Nutzen. Und ob schön auszusehen als Nutzen ausreicht, sei hier auch mal dahin gestellt.
Wo war ich stehengeblieben? Ach ja. Mein Mann, also. Mit deutschen Männern habe ich nie so recht etwas anfangen können. (Verzeihung, deutsche Männer!) Sie sind mir einfach immer entweder ein Stück zu selbstgefällig oder zu ungehobelt. Daher habe ich mir dann diesen Engländer ausgesucht. Er entspricht so ziemlich allen Klischees, die einem bei einem Engländer einfallen könnten. Er ist höflich, reserviert, sagt kaum je etwas, wenn er nicht angesprochen wird, er steht vorbildlich Schlange, weil er auch darüberhinaus noch sehr geduldig ist, nur für den britischen Humor hat es bei ihm nicht ausgereicht mit dem Britisch sein. Das mag an seiner ernsten Kindheit liegen. Er war das jüngste von zehn Kindern einer Bauernfamilie mit eher bescheidenem Auskommen. Als er noch ein kleiner Junge war, hat seine Mutter ihm die Ohren mit Hansaplast an den Kopf geklebt, wegen der Segelohren. Es hat aber nichts genutzt. Georges Ohren stehen noch immer in aller Schönheit ab.
Meine Schwiegereltern starben lange, bevor ich ihre Bekanntschaft hätte machen können. Das finde ich aus erwähntem Grund gar nicht so bedauerlich. Welche Mutter klebt Segelohren an einen Kinderkopf?
Mein Mann war immer so hervorragend in der Schule, dass er sich von Stipendium zu Stipendium hangeln konnte und schließlich sogar in Oxford studierte, mit einem Gastsemester in Heidelberg, wo wir uns auf einer Party bei Freunden kennenlernten und wo aus seinem Gastsemester zwei wurden und er hier schließlich sein Studium abschloss.
Seine Leidenschaft bin jedoch nicht ich. Sondern ein Stern, oder besser ein Komet. Der C/2006 P1 McNaught. Entdeckt hat diesen Kometen ein Australier, der hieß natürlich McNaught, das habe sogar ich kapiert. Geht man das Risiko ein, George auf dieses Himmelsphänomen anzusprechen, kann man sich auf einen Vortrag gefasst machen, bei dem seine Augen leuchten und der sich in die Länge zieht, wie der gekrümmte Staubschweif des Kometen, der meinen Mann 2007 komplett in seinen Bann zog. So sehr, wie ich es nie vermochte. Ehrlich gesagt aber auch nie vorhatte. Dazu hat aber auch noch etwas anderes beigetragen. Ein weiteres Phänomen. Aber davon später, sonst verfranse ich mich.
Mir liegt ein ruhiges Leben. Die Kinder fordern mich schon genug. Nicht meine Kinder. Eigene haben wir nicht. Die Blagen in der Schule meine ich. Ich bin Lehrerin. Für Deutsch, Englisch und Kunst.
Mein Mann ist sympathisch, er ist freundlich. Aber eigentlich weiß ich manchmal gar nicht so genau, was ihn bewegt. Ich meine, abgesehen von seiner Leidenschaft für das Funkeln da oben. Ich kenne seinen Namen. Ich weiß, wo er herkommt. Er hat mir das Kaff seiner Kindheit mal während des Studiums gezeigt. In England heißt auf dem Land ja noch etwas. Da gibt es auf dem Land wirklich nichts als Land. Die nächste Stadt ist mehrere Stunden entfernt.
Ich weiß auch, was er gerne isst. Und was er gar nicht mag. Ich denke auch, dass er mir zugetan ist. Wir kommen wunderbar miteinander aus. Streit gibt es zwischen uns nie. Nein, wirklich nicht. Nie! Langweilig? Überhaupt nicht. Ich glaube nicht daran, dass Streit zu einer Beziehung gehört. Es erhöht die Spannung, sagt meine Kollegin Judith. Reibung sei nun mal nötig, damit Funken fliegen. Das mag ja sein, aber was, wenn ich überhaupt keine Spannung will? Spannung kostet doch Energie. Und als Lehrerin brauche ich all meine Energie für die Arbeit. Und mein Mann braucht ohnehin alles, was ihm an Energie nach der Arbeit übrig bleibt, für seine Sternen-Guckerei, von unserer Dachterrasse aus, die er sich eigens dafür zugelegt und mit einem Teleskop ausgestattet hat. Selbst ich finde es im übrigen einigermaßen beeindruckend, dass das erste Teleskop bereits im 16. Jahrhundert entwickelt worden ist und dass es heute sogar im Weltall eines gibt – Hubble, nach seinem Erfinder benannt.
Weil das Sternengucken mit einem passenden Teleskop natürlich viel mehr Freude macht, so etwas aber teuer ist und ja auch immer wieder nachgerüstet werden muss, hat mir mein Mann noch nie Schmuck geschenkt. Aber was will ich auch mit dem ganzen Tand? Ich will ja schließlich nicht das ganze Jahr behängt wie ein Weihnachtsbaum herumlaufen. In der Schule wäre das ohnehin nicht angebracht.
Die erste Putzhilfe, an die ich mich erinnere, ist die meiner Oma mütterlicherseits. Wenn meine Geschwister und ich übers Wochenende bei meiner Oma waren, wurden wir montags früh vom ziegenartigen Tremolo der Putzhilfe geweckt. Sie hieß Frau Pfeiffer, war groß und hager und führte, dirigiert von meiner Oma, ein strenges Putzregiment. Ursprünglich stammte sie aus Stuttgart, war aber ihrem Mann zuliebe ins Rheinland emigriert.
Alles roch mit einem Mal frisch nach Citrus und glänzte und über allem kreischte die Stimme von Frau Pfeiffer. Sie war flink und energisch und ich glaube, sie mochte Kinder sehr, auch wenn sie es nicht so recht zeigen konnte und selbst keine hatte. Auf ruppige Weise freute sie sich immer uns zu sehen. Trotzdem mussten wir drei Kinder immer in den Keller, wenn geputzt wurde. Dort lag die Waschküche. Mein großer Bruder Benedikt wurde mit Töpfen versorgt und hatte so sein improvisiertes Schlagzeug. Meine jüngere Schwester Claudia und ich durften bügeln. Claudia auf dem Minibrett, das zum Hemdsärmel bügeln diente und ich mit einem Bänkchen auf dem großen Bügelbrett. Das machte mir viel Spaß und war vermutlich mein Schlüsselerlebnis in Sachen instant gratification. Bis heute gibt es für mich kaum etwas Entspannenderes als zu bügeln. Ich möchte mich ungern als die Queen unter den Büglerinnen bezeichnen, aber ich bin es wohl!
Wenn früher bei meiner Oma alles fertig geputzt war, durften wir aus dem Keller nach oben kommen und es gab Mittagessen. Frau Pfeiffer aß mit uns. Und zwar so schnell, dass sie immer schon lange vor uns fertig war mit dem Essen. Ich habe sie dann einmal gefragt, warum sie so schnell essen würde und sie antwortete: „Wie ma esset, so schaffet ma“. Sie arbeitete tatsächlich rasend schnell.
Gleichzeitig nahm sie alles sehr genau. Wenn der Teppich unter dem schwarzen Flügel meiner Großeltern eine Welle schlug, schob sie die Schulter unter das wuchtige Instrument, stemmte es mal eben nach oben und zog den Teppich mit einem Fuß gerade. Wann immer ich das zu Gesicht bekam, war ich fast ohnmächtig vor Bewunderung. Sie war dermaßen hager und trotzdem hatte sie so viel Kraft.
Die brauchte sie auch, denn ihr Leben ging nicht gerade zart mit ihr um. Sie war kaum fünfzig gewesen, da kam ihr Mann bei einem Motorradunfall ums Leben.
Mein Opa hat uns immer wieder die Geschichte erzählt, wie Oma ihn zum Kondolieren zu Frau Pfeiffer geschickt hat. Frau Pfeiffer bewohnte eine Ein-Zimmerwohnung in einem Mehrfamilienhaus. Sie hatte einen grüngelben Wellensittich, der frei herumfliegen durfte.
Mein Großvater stand in diesem Zimmer und wollte Frau Pfeiffer sein Beileid aussprechen, da landete der Wellensittich auf seinem Kopf. Es schien meinem Opa unmöglich, dem Ernst der Lage gerecht zu werden, während auf seinem Kopf ein Vogel saß. An dieser Stelle prustete ich als kleines Mädchen immer heraus. Das Bild in meinem Kopf war wirklich zu absurd. Es schien mir beinahe zu albern um wahr zu sein. Scheint es mir heute noch. Wäre die Geschichte nicht so ernst, hätte ich meinem Großvater unterstellt, er hätte sie erfunden.
Mein Opa fand das Ganze erst einmal gar nicht lustig und dachte krampfhaft darüber nach, was er tun könnte, um die Situation zu retten. Also machte er eine formvollendete Verbeugung vor Frau Pfeiffer, in der Hoffnung, der Vogel würde dann auffliegen. Aber der Wellensittich ergriff die Gunst des Augenblicks, lief den Hinterkopf meines Großvaters hinunter bis in den Nacken, so dass mein Opa sich nun nicht mehr traute, sich wieder aufzurichten. Da kam ihm Frau Pfeiffer zur Hilfe. Sie scheuchte den Vogel mit der Hand und einem vorwurfsvollen „Piet, was soll der Unsinn?“, fort. Mein Opa streckte sich, nun wieder ganz Herr der Lage. Er schaute Frau Pfeiffer fest und ernst in die Augen und konnte ihr nun angemessen versichern, wie leid ihm der Verlust ihres Ehemanns tat. Frau Pfeiffer vergaß daraufhin einmal für kurze Zeit ihre sonst recht ruppige Art und dankte ihm mit feuchten Augen und von Herzen für sein Kommen. Damals wurde dann ein Schnaps zusammen gekippt. In diesem Fall kippte jeder zwei. Was der Geschichte möglicherweise im Nachhinein noch ein wenig mehr Farbe verliehen hat, als sie nüchtern betrachtet gehabt hätte.
„Sonnenhurrikans“, sagt mein Mann, als er am sonntäglichen Frühstückstisch von seiner Zeitung aufblickt. Er lässt das Wort ein wenig wirken, bevor er weiterspricht. Dabei schaut er mich gleichzeitig abwesend und suchend an, als wollte er in meinem Gesicht lesen. Ich denke, dass gleich wieder ein Monolog kommt. Ich denke, jetzt hebt er wieder ab. Richtung Weltall. Und da will ich nicht mit. Kann nicht und will nicht. Dabei war ich ein Star Wars Fan der ersten Stunde. Ich war sechsmal im allerersten Film, der ja mittlerweile nicht mehr der erste Teil ist, aber egal. Ich habe ihn damals im Kino gesehen. Sechsmal. Da war ich Zehn. Luke Skywalker war der Grund. Ich war verliebt in ihn. Ich habe mit ihm gelitten und hätte ihn so gerne gerettet. Damals hatte ich noch jede Menge Kapazität für Schwärmerei und große Gefühle. Das ist jetzt vorbei. Total vorbei. Deswegen schaue ich George nur fragend an, ohne dass sich in meinem Inneren auch nur der leiseste Hauch von Neugierde regt. Was soll mich das tangieren, wenn es auf der Sonne einen Hurrikan gibt? Die Sonne ist ein Stern, so viel weiß ich. Das hat mein Mann mir mal erklärt. Und damals hat es mich zugegebenermaßen zumindest überrascht. Aber Sterne haben mit meinem Alltag nichts zu tun. Das erwähnte ich ja bereits. George holt Luft. Das bedeutet, dass er geistig Anlauf nimmt, für umfangreichere Ausführungen. „Alle Zweitausend Jahre bekommen wir hier auf der Erde so einen Sonnenhurrikan zu spüren“, beginnt er seinen Exkurs. „Aha“, sage ich. Alle Zweitausend Jahre also. Mannomann. Das betrifft mich ja nun vermutlich eher nicht. Oder?
„Das hat dann dramatische Ausmaße“, sagt George. „Aha“, sage ich noch mal, betrachte erst kritisch meine Fingernägel und dann ein wenig sehnsüchtig das Buch, das ich gerade lese.
„Wegen der Strahlung und der vielen geladenen Teilchen, die in Lichtgeschwindigkeit auf die Erde treffen.“ Ich schaue auf. Lichtgeschwindigkeit, die kenne ich noch aus Star Wars. Der Millenium Falcon mit Han Solo am Steuerknüppel hat sie immer nur mühsam und auf den letzten Drücker erreicht. Rückblickend würde ich wahrscheinlich Han Solo Luke Skywalker vorziehen. Dabei ist der Darsteller von Luke, Mark Hamill, ein echt netter Typ. Er hat nicht mal das ganze Drehbuch lesen dürfen, bevor er zum Casting ging. Als er es dann lesen durfte, war er komplett verwirrt. Da soll auf der ersten Seite gestanden haben „Dies sind die Abenteuer des Luke Starkiller, so wie sie im Tagebuch der Whills geschrieben stehen.“ Das hat Mark Hamill in einem Interview erzählt. Natürlich alles auf Englisch. Er hätte lieber Darth Vader gespielt, sagte er außerdem. Das wäre allerdings Verschwendung gewesen. Mark Hamill war mal ein echt Hübscher. Und er hat Humor, der Mann. Er nennt sich selbst einen Nerd, weil er immer Dracula imitiert und Comics gelesen hat. Was ich sympathisch finde. Aber egal. Ich bin ja nun mit George verheiratet und der redet unaufhörlich weiter von seinem Sonnenhurrikan. „Wo der Hurrikan auf die Erde prallt, setzt er das Stromnetz außer Kraft.“ Das klingt nicht gut, finde ich jetzt auch. „Wieso?“, frage ich, möglichst desinteressiert. „Die Spannung in den Stromleitungen würde durch den geomagnetischen Sturm zu Spitzenwerten angetrieben. Die Transformatoren würden samt und sonders durchbrennen. Satelliten, Navigationssysteme, Mobilfunk, alles würde mindestens gestört oder sogar zerstört.“
Das klang auch nicht besser, aber ohne Navi und Mobilfunk käme ich gut klar. Auf Satelliten pfeife ich ohnehin.
Ich entspanne mich wieder. George ist einfach in anderen Sphären unterwegs.
„Tja, da kann man wohl nur abwarten und Tee trinken und hoffen, dass der Sturm vorüberzieht, nicht wahr“, das sage ich nur, um zu signalisieren, dass ich meinem Mann zuhöre und daran teilhabe, was ihn bewegt. Ich hoffe, ich kann jetzt weiter lesen. Das Buch ist gerade so spannend.
„Ein Schutzschirm könnte die Erde retten“, sagt George und seine Augen leuchten.
Hmhm. Ich nicke und lächele ihn an. „Magst Du noch einen Orangensaft?“, frage ich ihn dann. Denn so ein Orangensaft ist gesund und er hat zumindest die gleiche Farbe wie die Sonne und mit meinem freundlichen Angebot gebe ich meinem Mann zu verstehen, dass das Gespräch für mich beendet ist. Ja, so harmonisch geht es bei uns zu.
Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mein Leben mit George nicht immer so friedlich verlaufen ist. Es hat auch bei uns stürmische Wasser gegeben, durch die wir das Schiff unserer Ehe manövrieren mussten. Okay, das ist möglicherweise kein besonders originelles Bild. Aber ich glaube die meisten Menschen können mit diesem Vergleich etwas anfangen.
Unser Sturm war ein Tornado gewesen. Sein Name war Sabine. Sabine war eine von Georges Sprechstundenhilfen. Eine schüchterne Kindfrau, zerbrechlich, mit Puppengesicht und einem hinreißend-erstaunten Augenaufschlag in mitternachtshimmelblau. Sie war fleißig, hatte Ambitionen, ohne dabei die hellste unter der Sonne zu sein. Doch das war nebensächlich. Denn vor allem liebte sie die Sterne. Vielleicht ein wenig weniger als mein Mann und auch ein wenig weniger als meinen Mann, aber immerhin teilten sie diese Leidenschaft – also die Sterne. Und auch jene für die Medizin. Sie hatten also allerlei zu teilen. Allemal mehr als George und ich. So kam dann eins zum Anderen.
Das Teleskop stand zunächst gar nicht auf unserer Dachterrasse, weil es die damals noch nicht gegeben hat. Es stand auf dem Dach des Hauses, in dem Georges Praxis ist. Im Nachhinein stellte sich dann auch heraus, dass George auf dem Dach nicht nur sein Teleskop aufgestellt hatte, sondern auch einen Esstisch. Den deckte er für Sabine und sich mit Tellern, Gläsern, Kerzen und allem anderen, was man braucht für ein romantisches Dinner zu zweit. Das tat er nicht einmal, nicht zweimal, sondern immer wieder. Um die Zeit zwischen dem Ende der Sprechstunde und dem Einbruch der Dunkelheit bestmöglich zu füllen.
Und das, obwohl ich George nie als romantischen Mann erlebt habe. Nicht am Anfang unserer Beziehung und jetzt erst recht nicht.
War ich eifersüchtig? Nein! Das glaubt jetzt natürlich wieder niemand. Worauf hätte ich denn eifersüchtig sein sollen? Ich war doch völlig ahnungslos! Ich hätte natürlich auf das Anhimmeln von Sternen eifersüchtig sein können. Aber wie lächerlich wäre das bitte gewesen? Ich kümmerte mich um meine Dinge, während George auf seinem Dach Liebe machte. Mit den Sternen, wie ich dachte. Mit Sabine, wie sich herausstellte. Aber das war eben ein Missverständnis. Mir fehlte also objektiv betrachtet nichts. Zumindest nichts, von dem ich mir bewusst war, dass es fehlte. Es kam möglicherweise daher, dass George und ich einander zwar sehr zugetan sind, aber nicht leidenschaftlich ineinander verliebt. Es gab keine Zeit, in der wir nicht die Hände voneinander hätten lassen können. Das kenne ich offen gestanden vor allem aus Romanen. Es reichte mir aber auch immer völlig aus, darüber zu lesen. Schmetterlinge flatterten durch meinen Bauch, wenn er sie galant umgarnte, verführte, liebte. In dieser Dichte, gab es das eben im wahren Leben nicht. Und es war völlig ungefährlich darüber zu lesen. Nur keine Verwicklungen, bitte! Ein kluger Mensch hat einmal gesagt, dass die Liebe schon die Stärksten zu Fall gebracht hat. Wer wollte schon so enden, wie Catherine aus Die Sturmhöhe oder gar Madame Bovary?
Da passt man doch automatisch gut auf sich auf, damit einem dieses Schicksal erspart bleibt. Nun, George, passte da ein bisschen weniger gut auf sich auf. Ich bin mir bis heute sicher: Die Sterne sind schuld. Diese Schwärmerei hat ihn schwach werden lassen. Wie einen angesägten Baum. Es fehlte nur noch ein leichter Wind. Und dann kam gleich ein ganzer Tornado. War es da ein Wunder, dass er umkippte?
Die erste Putzhilfe meiner Mutter war eine Deutsche mit Namen Fischer. Sie hatte selbst drei Kinder und verdiente auf diese Weise für die Familie etwas dazu. Natürlich schwarz. Früher war das so. Da hieß das auch nicht schwarzarbeiten, sondern putzen gehen. Frau Fischer kam montags und freitags und wir bekamen sie eigentlich selten zu Gesicht. Sie war eine kräftige Person, die immer mit dem Fahrrad kam. Am Morgen schob sie ihr Klapp-Rad durchs Gartentörchen als wir schon in der Schule waren. Und mittags, wenn wir aus der Schule kamen, war sie bereits fort oder war gerade dabei, den Wischmopp wegzuräumen.
Meine Mutter brauchte die morgendliche Stunde, die zwischen unserem Verschwinden und Frau Fischers Auftauchen lag, um „klar Schiff zu machen“. So nannte sie das, wenn sie das Frühstücksgeschirr in die Spülmaschine verfrachtete und den Esstisch abwischte. Denn erst musste Ordnung herrschen und dann konnte sauber gemacht werden. Heute verstehe ich diese Vorgehensweise etwas besser. Früher, wenn ich mal krank zu Hause bleiben durfte, wunderte es mich. Warum begann meine Mutter mit der Putzerei, bevor ihre Hilfe da war? Wollte sie einen guten Eindruck auf sie machen? Eine Sauberkeit vorgaukeln, die wir gar nicht beherrschten? Während sie ihr in Wirklichkeit einfach Arbeit abnahm?
„Sie kann dann direkt mit dem richtigen Putzen anfangen“, erklärte sie mir, als ich einmal nachfragte. Ich hatte bis zu jenem Zeitpunkt nicht gewusst, dass es ein richtiges und ein nicht so richtiges Putzen gab. Das richtige Putzen, in das Frau Fischer einstieg, sobald sie ihren Mantel oder ihre Jacke verstaut und die Hausschuhe angezogen hatte, bestand zunächst darin, beinahe alles, was mit den Füßen den Boden berührte, also bodenständig war, (kleiner Scherz, da bekommt das Wort doch gleich mal eine ganz neue Bedeutung), nach oben zu stellen: Stühle, Hocker, Waage, und Papierkörbe. Die Tische blieben stehen, denn auf ihnen wurden die Sachen in Sicherheit gebracht, die zuvor den Boden berührt hatten. Dann wurde gesaugt und gewischt. Bevor dann schließlich alles, was in Sicherheit gebracht worden war, wieder auf den Boden kam.
Frau Fischer war freundlich und unauffällig. Bis auf das metallene Dreieck, das sie auf dem Kopf trug. Es sollte helfen, sie vor schlechter Energie zu schützen, erklärte sie uns, als wir fragten. Ich dachte an Gespenster und an andere übernatürliche Kräfte. Meine Mutter fand das alles ziemlich albern und verdrehte ständig die Augen, wenn Frau Fischer ihr Tipps geben wollte, wie sie mit ihrer guten Energie haushalten könnte.
Frau Fischer war außerdem Zeugin Jehovas. Was das genau bedeutete, verstand ich als Kind nicht so genau. Während des Studiums dann, standen jeden Samstag ein bis zwei Zeugen Jehovas vor der Tür meines Studentenwohnheimzimmers und hörten gar nicht mehr auf, über die Vorzüge des Zeugendaseins zu sprechen. Diese ließen sich dahingehend verknappt zusammenfassen, dass eigentlich nur die Zeugen Jehovas ins Paradies kamen.
