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All dies ist dem Autor tatsächlich passiert. Nur die Namen und Orte sind selbstverständlich geändert
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Veröffentlichungsjahr: 2016
Pfalzgrafens Reha-Tagebücher
Tag 1
Wir schreiben den 02. Jan. 2014. Die Uhr schlägt just in diesem Moment 19.45 Uhr.
Der Pfalzgraf sitzt wieder einmal an seinem Laptop und versucht die Ereignisse des Tages auf den Bildschirm zu zaubern.
Jedoch sitzt er diesmal im fernen fränkischen Land und er fristet sein Dasein in einer Reha-Klinik. Wie konnte es soweit kommen?
Beginnen wir vorn – Nein, nicht vorn. Wir beginnen unten rechts. Dort wo die pfalzgräfliche Hüfte sitzt und unserem Helden Schmerzen bereitet. Kein studierter Medicus und erst recht kein unstudierter Physiotherapeut war bisher in der Lage diesem geschundenen Menschen zu helfen.
So schoben sie ihn einfach ab. Ab ins fränkische Land, in ein Rehabilitationszentrum..
Aber nun zurück zum Anfang des heutigen Tages.
Das Aufstehen fiel schwer. Alleine wegen der Uhrzeit. Das Aufstehen um 6 Uhr hat ihm schon immer mißfallen und Aufstehen um seine allerliebste Elke zu verlassen fiel noch schwerer. Aber er erkannte die Notwendigkeit, duschte sich und ließ sich von seiner Liebsten zum Bahnhof fahren.
Dort angekommen, einsam und verlassen ließ er sich nochmal den Fahrplan durch seine frisch manikürten Finger gleiten:
Bahnhof Mannheim – Frankfurt – Nürnberg – Hof – Bad Steben, sein Zielort.
„Wer bei der Deutschen Bahn ist eigentlich für solche Fahrpläne verantwortlich?“ erzürnte er sich. Zuerst nach Norden bis Frankfurt. Dann Umsteigen um wieder südlich nach Nürnberg zu gelangen, um beim dritten Umsteigen endlich wieder nördlich bewegt zu werden. Erst das vierte Umsteigen und der damit verbundene Weg nach Osten konnte er begreifen.
Trotz des frühen Aufstehens war es schon spät, zumindest zu spät um noch ein Zigarillo zu genießen ohne den Zug nach Frankfurt zu verpassen. So ergab er sich seinem nikotinfreien Schicksal und suchte sich einen Platz im Regionalexpress. Er musste nicht lange suchen. Der Zug war so gut wie leer. Außer sich selbst konnte er lediglich einen weiteren Fahrgast in dem Großraumabteil erkennen.
Die deutsche Bahn hatte wohl vorab mit wenig Fahrgastaufkommen gerechnet und beschlossen, dass dieser Zug für nur 2 Fahrgäste wohl nicht beheizt werden müsse. Es war bitterkalt. Wäre ein Schaffner erschienen hätte unser Pfalzgraf diesen, anstelle ihm seinen Fahrausweiß zu zeigen, eher auf Schmerzensgeld verklagt. Aber kein Kontrolleur erschien. Es war ihnen wohl zu kalt.
In Frankfurt angekommen hätte er 8 Minuten zum Umsteigen und hatte somit mindestens 5 Minuten für die Befriedigung seiner Nikotinsucht eingeplant. Doch der Regionalexpress von Mannheim kommend hielt auf Gleis 21, während der ICE nach Nürnberg den Bahnhof von Gleis 3 verließ. Wer den Frankfurter Kopfbahnhof kennt weiss, dass diese Entfernung selbst im schnellen Gallop nicht unter 6 Minuten zu bewältigen ist.
Wieder hatte die Nikotinsucht verloren und entsprechend übellaunig bestieg er im letzten Augenblick den ICE. Diese Fahrt gestaltete sich angenehm in geheizter Umgebung und durch die Lektüre eines guten Buches verflog die Zeit wie im Flug.
In Nürnberg hatte er nun nahezu eine Stunde Aufenthalt, welche er sich durch die Auffüllung der wichtigen körperlichen Organe vertreiben wollte, insbesondere die Lunge und der Magen sollte befüllt werden. Die Lunge selbst war schnell zufrieden gestellt. Nun wollte er – er befand sich schließlich in Nürnberg – einige Nürnberger Rostbratwürste genießen.
Doch wieder hatte er nicht mit dem Charme der Deutschen Bahn gerechnet.
„Schlemmermeile!“ Mit diesen Lettern prangte ein orangefarbenes und hellerleuchtets Schild über einer Passage im Hauptbahnhof. Wieder im Gallop – unser Pfalzgraf war das Rennen schon vom Frankfurter Bahnhof gewohnt – erreichte er diese Schlemmermeile und schaute sich verdroßen um: Döner in allen Varianten, asiatische Reisbauern aus Thailand und China boten Ihre Speißen an, etliche Italiener versuchten übelriechende Pizzen den Reisenden zu offerieren, aber kein noch so kleines abgemagertes Nürnberger Würstchen hatte den Weg in diese Schlemmermeile gefunden.
So suchte er seinen Hunger bei dem allgegenwärtigen Burger-King zu stillen und eilte zum Regionalexpress Richtung Hof.
Er ahnte nicht was ihm nun bevorstand:
Alle Reisenden, welche es bisher vermieden hatten die vom Pfalzgrafen ausgewählten Bahnverbindungen mit diesem zu teilen, um ihn in verwaisten Großraumwagen einsam verweilen zu lassen wollten wohl nun geballt nach Hof.
Ein kleiner Regionalexpress stand hier wartend auf dem Gleisbett. Bestückt mit 2 Waggons für jeweils etwas 50 Fahrgäste. Noch war der Zug nur zur Hälfte besetzt und die Zeit bis zur Abfahrt betrug noch ein Viertelstündchen. Zeit. Genug den üblen Whopper-Nachgeschmack durch ein Zigarillo zu versüßen. So stand unser Held rauchend auf dem Bahnsteig als sie hereinbrachen.
Wie die Hunnen auf ihren kleinen Pferdchen über Europa hereinbrachen – und auch mit ähnlichem Getöse – ergoßen sich mehrere Hundertschaften bahnwilliger Hof-Reisender über den Bahnsteig, gewillt dem kleinen Regionalexpress den Garaus zu machen.
Als innerhalb weniger Minuten Dutzende kofferbepackter Menschen Zuflucht in den Abteilen gefunden hatten und noch kein Ende der Hunnenschar zu erkennen war, erkannte unser Pfalzgraf, dass – wenn er die 2 Stunden bis Hof nicht stehen wollte – sich schleunigst dieser Hunnenschar anschließen sollte.
Keine Minute zu früh ergatterte er sich einen der letzten Sitzplätze und beobachtete mit süffisantem Lächeln wie Dutzende Fahrgäste, nebst ihren Koffern und Fahrrädern sich es im Mittelgang bequem zu machen suchten. Dies fiel den Herrschaften sichtlich schwer.
„Erstaunlich wie viele Menschen so ein Mittelgang fasst“ bemerkte er lakonisch zu einem unsymphatisch wirkenden älteren Herrn, welcher direkt neben seinem Sitzplatz stand und ihm ständig mit dem Hinterteil vor dem pfalzgräflichen Gesicht wackelte.
Er hätte diesen Satz besser nicht gesagt. Als Antwort drehte sich der ältere Herr einfach um, was zur Folge hatte, dass nun ein unter der schmierigen Hose deutlich sichtbarer und für heterosexuell orientierte Männer äußerst unschöner und auch übelriechender Penis vor dem Gesicht unseres Helden auftauchte und für den Rest der Fahrt auch dort verbleiben sollte.
Der Pfalzgraf beschloß nun keinerlei weitere Komentare mehr abzugeben, den fremden Penis zu ignorieren und sich in sein Schicksal zu fügen. So senkte er sein Haupt, schloß leicht die Augen und hoffte die Fahrt möge schnell vorübergehen.
Er hatte die Beine übereinander geschlagen und schwelgte in Gedanken. Als der linke Fuß drohte einzuschlafen – ein leichtes Kribbeln war bereits erkennbar – hob er diesen an um ihn wieder auf dem Boden aufzusetzen. Doch er trat nicht auf den Boden sondern auf etwas Weiches. Ein Blinzeln durch die halbgeschlossenen Augenlider erkannte nun die Farbe rosa unter seinen Füßen.
„Hat die Deutsche Bahn – während ich döste – vielleicht einen netten und weichen rosa Teppich für meine geschundenen Füße platziert. Man hätte besser für etwas mehr Sitzplätze Sorge getragen.“ Dies die ersten Gedankengänge.
Unbewusst testete er nun diesen weichen rosa Teppich, indem er nochmals – jetzt jedoch mit entschieden mehr Kraft – wieder seinen Fuß auf das unbekannte Objekt setzte.
Plötzlich schrie der Teppich auf. Schrill und sehr laut.
Nun, da er hellwach war vermochte er auch das kleine Mädchen in seiner rosa Jacke zu erkennen, welches spielend unter seinem Sitz hindurch in seinen Fußbereich gekrochen war.
Während er überlegte ob er nochmal nachtreten sollte erreichte ihn jedoch unvermittelt die türkische Schimpfkanonade des Muttertieres. Unser Held war froh der türkischen Sprache nicht mächtig zu sein und somit diese Hasstiraden lediglich erahnen zu können. Nun trat auch die schmierige Hose mit dem Penis wieder in Erscheinung und entpuppte sich als Erzeuger des rosa gekleideten Kindes.
Um die Situation nicht eskalieren zu lassen besann er sich seiner Lieblingsstrategie – dem Rückzug – und verwies die kleinen Teppichratte mithilfe leichten Druckes durch seinen rechten Fuß wieder an den angestammten Platz im Mittelgang.
Die türkische Mutter und auch der, wohl gleichstämmige Erzeuger des rosa Wesens wandten sich nun wieder von ihm ab, da ihr Sprößling sich nun wieder dort befand wo er sein bisheriges Leben verbracht hatte: Auf dem Fußboden.
Der Gesichtsausdruck welcher das Kind unserem Pfalzgrafen zuwarf – eine Mischung zwischen Angst und Verachtung – ließ dessen Laune nun wieder ansteigen und so erwartete er geduldig die Ankunft in Hof.
Hof ist keine große, doch eine durchaus nicht unbekannte Stadt. So stand er verwundert in deren Bahnhof, welcher doch gar keiner war. Sicherlich – Hof ist nicht Mannheim. Aber dennoch hätte er zumindest eine Bahnhofsgaststätte erwartet, welche ihn mit frischgebrühtem Kaffee zu versorgen in der Lage gewesen wäre.
Doch lediglich ein etwas größerer Kiosk stand hier den Reisenden zur Verfügung. Ein Automat mit der Aufschrift „Heißgetränke – frisch gebrüht“ veranlaßte ihn die unverschämte Summe von nahezu 2 Euro zu investieren, um danach durch eine undefinierbare Brühe betrogen zu werden. Nun denn – er hatte nun etwas Warmes – was auch immer im Magen und rauchte genüßlich sein Zigarillo, während ein noch kleineres Schienengefährt gemütlich heranrollte um ihn zu seinem Zielort zu befördern.
Die Entfernung von Hof nach Bad Steben betrug eigentlich nur 20 Kilometer, dennoch belief sich die Fahrzeit nahezu auf eine Stunde. Die Ursache bestand in der Tatsache, dass die wenigen Reisenden an den unmöglichsten Orten den Zug zum Anhalten nötigten um ihn zu verlassen:
Zuerst an Ortschaften deren Namen der Pfalzgraf noch nie vernommen hatte, danach an namenlosen Ortschaften, bestehend aus 2-3 Häusern, später gar mitten im Wald. Alle wenige hundert Meter hielt das kleine Bähnchen um seine Reisenden auszuspeihen. Je länger die Fahrt dauerte, desto einsamer wurde die Gegend.
Der Pfalzgraf bekam Angst. Wohin hatte der Rentenversicherungsträger ihn genötigt? Bestand die Reha-Maßnahme etwa aus „Reha auf dem Bauernhof“ oder gar „Reha auf dem Land ohne Bauernhof“? Sogar die Alternative „Rehabilitation durch Überlebenstraining im Wald“ kam ihm in den Sinn. Wohin führte ihn die Reise?
Doch kaum kam das Ziel in Sicht beruhigte er sich wieder. Ein schmuckes Städtchen mit einem Bahnhof welcher diese Bezeichung verdiente. Autos fuhren um einen Kreisverkehr und selbst der allgegenwärtige Lidl behauptete sich hier. Er befand sich in der Zivilisation.
Doch wiederum zeigte die Uhr Strenge: Keine Zeit zum Auffüllen der Lunge mit Nikotin. Schon erwartete ihn ein Kleinbus einschließlich einem sehr kleinen und dicklichen Fahrer, welcher ein Schild mit der Aufschrift „Frankenklinik“ über seinem Kopf hielt, wodurch die Gesamtgestalt die Größe eines normalen Mitteleuropäers erreichte. Er und eine Dame, welche mit ihm das Bähnchen verlassen hatte bestiegen den Kleinbus und ließen sich in die nahe gelegene Klinik verbringen.
Das Klinikgebäude inmitten des Kurparks gelegen machte den soliden Eindruck eines Hotels für ärmliche Vertreter, wirkte gepflegt und eine nette Dame, welche die Aufnahmeformalitäten abwickelte war nett und kompetent. Dem Pfalzgraf wurde ein Zimmer zugewiesen in welchem er nun die nächsten 3 Wochen verbringen würde.
Das Zimmer war klein aber sauber – mit großem Bad, Fernseher und allem was notwendig war. Lediglich eine Minibar mit etwas Gin oder Whisky vermisste des Helden Leber. Er packte seine Koffer aus, richtete sich ein und wartete auf den bei der Aufnahme angekündigten ersten Arztkontakt.
Dieser erfolgte unvermittelt nach einer halben Stunde. Sein Telefon läutete und eine Stimme beorderte ihn zum Arzt. Zusammen mit 5 anderen Neuankömmlingen saß er in einer Art Warteflur um eine erste Untersuchung zu erfahren. Auf dem Schild neben der Tür zum Sprechzimmer las er „Frau Dr. Sowieso“. Der Name ist ihm zwischenzeitlich entfallen, doch er liebt es von Ärztinnen anstelle männlichen Kollegen untersucht zu werden, da diese oftmals für einen Flirt oder mindestens einige fröhliche Scherze aufgelegt sind.
„Kann es sein, dass ich Sie schon rauchend in Hof auf dem Bahnhof gesehen habe?“
wandte sich jene Dame an ihn, welche mit ihm das Bähnchen verlassen hatte und jetzt neben ihm im Warteflur Platz genommen hatte. „Ja“ gab er unumwunden wahrheitsgemäß zu und schaute sich die Frau an. Wenn sie sich an ihn erinnerte, so müsste er ihr wohl positiv aufgefallen sein.
Das recht angenehme Gefühl eines 61-jährigen, der noch von der Frauenwelt registriert wird umschmeichelte ihn. Die Dame selbst war im mittleren Alter. Er wagte dies auf 45-50 Jahre zu schätzen. Das Gesicht, umrandet mit einer braunen Kurzhaarfrisur fand er etwas zu hart geraten, aber die Gesamterscheinung wirkte adrett und ansprechend.
„Ob sie wohl einen Flirt wert wäre“ überlegte er kurz, um diese Frage binnen Sekunden sich selbst zu bejahen. „Doch laß uns abwarten“ sprach er tonlos zu sich selbst „ich bin schließlich erst angekommen“. Dennoch sandte er seinen Worten noch ein freundliches Lächeln hinterher.
„Herr Carbon, bitte“. Eine Stimme riß ihn förmlich aus seinen Gedanken. Er sprang hoch und durchschritt in Erwartung einer hübschen und jungen Ärztin die Tür.
Dann sah er sie. Oder stimmte das Türschild nicht und es war doch ein er? Zumindest konnte es keine Frau sein. Keine Frau konnte so häßlich sein. Geschätzte 60 Jahre Lebenserfahrung und das doppelte an Gewicht standen in voller Häßlichkeit vor ihm. Fettige graue Haare. Gelbe viel zu große Zähne. Pickel im Gesicht. Dies waren die ersten Merkmale welche ihm auffielen. Den Rest dieses anatomischen Wunders zu begutachten, weigerte er sich einfach.
Dennoch entfuhr ein freundliches „Guten Tag Frau Doktor“ automatisch seinen Lippen. Schon wollte er seinen Fehler mit „Entschuldigung – Herr Doktor“ wieder gutmachen. Doch er biss sich auf die Lippen. Wäre die Anrede „Frerr“ oder Hrau“ angepasster? Doch „Es“ kam ihm zuvor. „Mein Name ist Frau Dr. XY“. Nun war die Frage geklärt, ihn ekelte und er hoffte inständig, dass sie ihn nicht anfassen möge.
Was sie auch nicht tat. Dies erste Gespräch war lediglich zur mündlichen Information gedacht, welche damit endete, dass Frau Doktor ihren Patienten wüst beschimpfte, da dieser bekanntermaßen einen zu hohen Blutdruck habe und aus Eigeninitiative die Medikamente abgesetzt habe. Aber besser sich beschimpfen lassen, als daß sie mich berührt hat. Etwas verstört verließ er das Arztzimmer.
Er beschloss dieser Ärztin hier in diesem Buch den Namen „Dr. Bullenbeißer“ zu verleihen. Möge sie diesen Namen mit Stolz und Würde tragen.
Zeit zum Abendessen. Er war gespannt. Schließlich musste sein Gaumen während der nächsten 3 Wochen das nun Herannahende ertragen. Der Speisesaal öffnete pünktlich klinikmäßig gegen 17.30 Uhr. Er erkannte von Ferne mittig ein großzügig aufgebaute Buffet, um welches Tische mit jeweils 4 Essern angesiedelt waren.
So durchschritt er die Eingangstür um sofort von einer jungen Mitarbeiterin abgefangen zu werden. „Sie sind neu?“ Dies war keine Frage sondern eine Festellung, welcher der Pfalzgraf dennoch mit „Mein Name ist Carbon“ kommentierte. Elegant geleitete sie unseren Helden zu einem der Vierertische, welcher nun sein kommender Stammplatz sein sollte. Seine Bemerkung, dies sei ähnlich stilvoll wie in einem Sternerestaurant quittierte sie mit einem Lächeln.
Wer mag noch an diesem Tisch sein Mahl einnehmen? Noch saß er allein da. Bald darauf erschien seine Bekannte die sich seines erinnert hatte. Irgendwie schien sie stets zu sein wo auch er sich aufhielt. „Aber nicht in der Nacht“. Dies schwor er sich, da er seiner allerliebsten Elke zu Hause Treue gelobt hatte.
Er wollte sich erheben um das Buffet genauer in Augenschein zu nehmen als 2 ältere Damen auf den Tisch zusteuerten um grußlos Platz zu nehmen. Wobei die Bezeichnung „ältere Damen“ eher durch „alte Weiber“ ersetzt werden sollte. 2 Fregatten hatten den Tisch geentert.
Da er genötigt war diesen Tisch mit jenen Schabracken zu verbringen musterte er diese heimlich, aber konsequent. Sie könnten Zwillinge sein, zumindest aber Geschwister. Und wenn nicht körperlich, dann im Geiste. Es gibt Menschen welche man sieht und sofort eine Sympathie oder Antipathie entwickelt. In diesem Falle jedoch entwickelten sich beim Pfalzgraf sofort Hassgefühle.
Widerlicher konnten alte Weiber nicht sein. Rosa glänzende Schweinsgesichter mit ebensolchen Äuglein, welche listig und böse blitzten. Das dunkelblond gefärbte Haar von Lockenwicklern malträtiert. Billige Modeschmuckringe umhüllten fette Finger.
Das einzig Vorteilhafte war die Aussage der beiden, dass sie die Klinik in 2 Tagen verlassen würden. Unser Pfalzgraf strafte dieses Pack mit Missachtung, würdigte es keines Blickes und schaute sich stattdessen lieber um welche Menschen diesen Speisesaal noch bevölkerten, während er ein Gespräch mit der dritten, ihm bereits bekannten Dame suchte.
Er musste verblüfft feststellen, dass nur ein sehr geringer Anteil der Anwesenden sich altersbedingt unterhalb seiner 61 Jahre bewegten. Er war einer der Jüngsten. Ein Tatbestand welcher in angesichts der kommenden abendlichen Freizeitgestalt etwas irritierte.
Obwohl es sich immerhin um eine Klinik handelte war das Abendessen – es handelte sich um ein kaltes Buffet mit verschiedenen Wurst- Schinken- und Käsesorten, sowie Brot und Brötchen für jede Geschmacksrichtung und sogar Chickenwings, gut gewürzt – erstaunlich gut.
In Anbetracht des bisher wahrgenommenen Publikums, welches wohl umgehend nach dem Essen in ihren Betten verschwinden würde wollte er nun noch ein Abschluss-Zigarillo genießen und sich der Umgebung angepaßt, notgedrungen ebenso zu Bett begeben.
Doch zuvor ein den Tag abschließendes Rauchwerk.
Mehrere Schilder im ganzen Gebäude verteilt wiesen die rauchlustigen Insassen darauf hin, dass der Genuss von Tabakwaren im Hause strengstens untersagt war und dieser Genuss lediglich in einem „Raucherpavillon“ außerhalb des Hauses erlaubt wäre.
Unser Pfalzgraf hat dies bereits befürchtet, da bereits seit Jahren alle mitteleuropäischen Raucher durch mannigfaltige Behörden gegängelt, diskriminiert und zu Verbrechern abgestempelt wurden. Es würde wohl nicht mehr lange dauern bis auch Suizidtäter, welche sich von Häusern stürzen oder am Auspuff ihres Autos schnüffeln bis der Tod eintritt, den armen Rauchern angelastet würden.
