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Die Kaiserzeit war für das Römische Reich eine Phase der Stabilität. Nach den Krisen und Wirren der späten Republik brachte Augustus einem Großteil der Mittelmeerwelt Frieden und Wohlstand - und eine neue Herrschaftsform. Er wurde zum ersten Kaiser Roms und etablierte damit eine Form der Alleinherrschaft, die wegweisend sein sollte für die weitere Geschichte Europas. Dieser Band führt verständlich und kompakt durch die 300 Jahre der römischen Kaiserzeit vom ersten Princeps bis zu den Reformen Diokletians.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Maria Osmers
DIE RÖMISCHE KAISERZEIT
Von Augustus bis Diokletian
C.H.Beck
Cover
Inhalt
Textbeginn
Titel
Inhalt
Widmung
Karte: Das Römische Reich in seiner größten Ausdehnung unter Trajan (117 n. Chr.)
I. Prolog: Das Ende der Republik
Krisenzeiten: Die späte Republik und ihre Protagonisten
Marcus Antonius und Octavian: Das Ringen um die Alleinherrschaft
II. Augustus und der Prinzipat: Der Beginn der Kaiserzeit
Octavian, der Sieger in den Bürgerkriegen
Die augusteische Ordnung
III. Der Kontext: Rom und das Römische Reich am Beginn der Kaiserzeit
Gesellschaftliche Strukturen
Herrschaftssicherung und Administration
Die Grenzen des Reiches und das Heer
Religion und Reichsideologie
IV. Die frühe Kaiserzeit: Von «guten» und von «schlechten» Herrschern
Die Voraussetzungen kaiserlicher Herrschaft: Quellen der Macht im frühen Prinzipat
Möglichkeiten und Grenzen der Herrscher in der frühen Kaiserzeit
V. Das 2. Jh. n. Chr.: Ein goldenes Zeitalter?
Das Reich im Blick: Gesellschaftlicher Wandel und äußerer Druck
Neue Ideologien und alte Konzepte: Das Kaisertum im 2. Jh. n. Chr.
VI. Das 3. Jh. n. Chr.: Eine Zeit der Krise?
Die Ruhe vor dem Sturm: Die «Dynastie» der Severer
Die Instabilität der imperialen Ordnung: Die Zeit der Soldatenkaiser
VII. Epilog: Diokletian und das Ende der Kaiserzeit
Auswahlbibliographie
Verwendete deutschsprachige Übersetzungen
Register
Zeittafel
Zum Buch
Vita
Impressum
Meinem liebsten Friesen
Ihre Staatsverfassung wurde durch das Geschehen jenes Tages maßgeblich entschieden, und sie kehrten nicht mehr zur Demokratie zurück.
App. civ. 4,580
Diese Worte wählte der antike Historiker Appian, um in seinem Werk über die römische Geschichte die politische Situation in Rom nach der Schlacht von Philippi zu beschreiben. In diesem Gefecht im heutigen Nordgriechenland hatten sich im Jahr 42 v. Chr. Octavian, der spätere Augustus, und Marcus Antonius gegen die Caesarmörder durchgesetzt. Die Feldherren der Gegenseite, Cassius und Brutus, entschieden sich daraufhin, freiwillig in den Tod zu gehen. Viele ihrer Mitstreiter folgten ihnen, andere wurden vertrieben und verloren ihre letzten Rückzugsorte. Für spätere Beobachter und auch für den Geschichtsschreiber Appian, der im 2. Jh. n. Chr. lebte, stellte der Ausgang der Schlacht von Philippi einen Wendepunkt in der Geschichte Roms dar. Zumindest in der Rückschau erschien eine Wiederherstellung der republikanischen Verfassung nach dem Sieg von Octavian und Marcus Antonius nicht mehr möglich, der Untergang der «Demokratie» – so bezeichneten griechischsprachige Autoren wie Appian die republikanische Ordnung Roms – war endgültig besiegelt. Denn nach dem Tod ihrer letzten ernstzunehmenden Kontrahenten war der Weg frei für Marcus Antonius und insbesondere für Octavian. In der Retrospektive läutete der Ausgang der Schlacht von Philippi daher den Übergang von der Republik zur Herrschaft eines Mannes und damit zur Kaiserzeit ein.
Ähnlich schätzten die Lage wohl schon Zeitgenossen ein. Schließlich gingen bei Philippi nicht nur die letzten Verfechter der republikanischen Sache unter, sondern die Machtmittel in den Händen von Octavian und Marcus Antonius wuchsen weiter an. Die beiden hatten bereits zuvor über ein enormes Vermögen verfügt und einen Großteil der römischen Truppen befehligt. Nun aber teilten sie die Herrschaft über das gesamte Römische Reich unter sich auf. Nennenswerter Widerstand aus den Reihen der Oberschicht, des Militärs oder des römischen Volkes blieb in der Folge aus. Vielmehr ging es ab diesem Zeitpunkt nur noch darum, welcher der beiden Sieger von Philippi sich gegen den anderen durchsetzen würde. Am Ende war es schließlich Octavian, der aus einem weiteren Bürgerkrieg siegreich hervorging. Und nach seinem Erfolg begann er, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in seinem Sinn zu ordnen. Damit legte er den Grundstein für den Beginn einer neuen Ära in der römischen Geschichte, die heute als Prinzipats- oder Kaiserzeit bezeichnet wird.
Bevor die Besonderheiten der von Octavian etablierten Ordnung und die Charakteristika der von ihm eingeläuteten Epoche in diesem Buch näher betrachtet werden, ist es notwendig, einen kurzen Blick auf die Vorgeschichte zu werfen. Denn wie konnte es dazu kommen, dass die republikanische Verfassung, die immerhin mehr als 400 Jahre Bestand gehabt hatte, bei Philippi ihr Ende fand? Welche Faktoren trugen dazu bei, dass eine politische Ordnung, die das Selbstverständnis der Römer nachhaltig prägte, von innen heraus zerstört und schließlich durch die Herrschaft eines einzelnen Mannes ersetzt werden konnte?
Das Ende der Republik kam keineswegs plötzlich. Vielmehr stellten die Schlacht von Philippi und der sich anschließende Machtkampf zwischen Marcus Antonius und Octavian den Abschluss einer Entwicklung dar, die sich bereits seit Längerem angedeutet hatte. Denn die republikanische Ordnung Roms geriet in der letzten Phase ihres Bestehens, die in der Forschung als die Zeit der späten Republik bezeichnet wird, immer mehr in die Krise. Ab ca. 133 v. Chr. nahmen insbesondere innere Konflikte zu, die schließlich zunehmend im Rahmen von gewaltsamen sowie später militärischen Auseinandersetzungen, also in Form von Bürgerkriegen, ausgetragen wurden.
Von diesen Problemen war am Beginn der republikanischen Zeit noch wenig zu erkennen: Die Republik wurde nach der Vertreibung der letzten Könige aus Rom eingerichtet, welche die antike Überlieferung in das Jahr 510 v. Chr. datiert. Sie bewährte sich zunächst über 300 Jahre. Als Garant der Ordnung trat dabei die römische Oberschicht auf, die zunächst aus den traditionell führenden Familien der Patrizier besetzt worden war, schon im frühen 3. Jh. v. Chr. aber in Folge der Ständekämpfe um wohlhabende Personen aus dem anderen Bevölkerungsteil, der Gruppe der Plebejer, ergänzt wurde. Die einflussreichsten Personen aus dieser neu zusammengesetzten Oberschicht, die sich selbst als nobiles bezeichneten, bekleideten die wichtigsten Ämter, wie die Prätur und das Konsulat, und waren die Wortführer im Senat, dem bedeutendsten politischen Gremium in Rom. Zugleich waren die jährlich von den Volksversammlungen gewählten Konsuln und Prätoren mit dem imperium, also der Befehlsgewalt über die Legionen, ausgestattet und traten als Feldherren auf. Aufgrund der hohen Bedeutung soldatischer Tugenden in der römischen Gesellschaft konnten sich Angehörige der Oberschicht insbesondere im Heer hohe Anerkennung verdienen, so dass sie häufig die militärische Konfrontation suchten. Die Legionäre wiederum wurden von der Aussicht auf Beute gelockt. Beide Gruppen waren sich dementsprechend zumeist einig über die Ausrichtung der Politik und sorgten gemeinsam dafür, dass das Römische Reich stetig wuchs. So konnte das römische Herrschaftsgebiet seit der Einrichtung der Republik immer weiter ausgedehnt werden und erstreckte sich zunächst über ganz Italien, dann über weite Teile des Mittelmeerraums.
Ab dem späten 2. Jh. v. Chr. taten sich jedoch immer mehr Risse in der römischen Gesellschaft auf, die insbesondere auch innerhalb der Oberschicht verliefen. Zu dieser Entwicklung trugen mehrere strukturelle Probleme bei. Es kam beispielsweise vermehrt zu gesellschaftlichen Konflikten rund um die Frage, wie die Errungenschaften der Expansion verteilt werden sollten. Sowohl die Stadtbevölkerung Roms als auch die Veteranen und die Bewohner des Umlands forderten ihren Anteil an den gewonnenen Reichtümern, weshalb soziale Themen und die «Agrarfrage» immer wieder ins Zentrum rückten. Dabei waren es häufig Angehörige der Oberschicht, die sich mit Forderungen nach einer (Neu-)Verteilung von Land und Rechten zu profilieren suchten. Diesen Positionen der Popularen standen die Anliegen der Optimaten gegenüber, die am Status quo festhalten wollten. Sichtbar wurde der Machtkampf innerhalb der Nobilität ab ca. 133 v. Chr. an den häufigen Konflikten zwischen Volkstribunen und Senatoren. Das Volkstribunat war ebenfalls in Folge der Ständekämpfe eingerichtet worden und diente der Repräsentation der Plebejer. Dafür verfügten die zehn Volkstribunen nicht nur über ein Vetorecht gegenüber Entscheidungen anderer Institutionen, sondern konnten auch selbst Gesetzesvorschläge in die Versammlung der Plebejer einbringen. Gerade die zuletzt genannte Möglichkeit wurde in der späten Republik von einzelnen Angehörigen der Oberschicht genutzt, um eigene Interessen durchzusetzen – an Senat und Konsuln vorbei.
Neben sozialen Problemen traten in der späten Republik weitere Schwierigkeiten auf, die ebenfalls zumindest indirekt mit der Expansion verbunden waren. Die rasche Eroberung hatte viele, teilweise weit entfernte Gebiete unter römische Herrschaft gebracht, die kontrolliert und verwaltet werden mussten. Diese Entwicklung ermöglichte einzelnen nobiles den Ausbau der eigenen Macht, indem sie sich in den Provinzen des Reiches persönlich bereicherten und lokale Anhängerschaft gewannen. Zusätzlich konnten sie häufig auch eine persönliche Nähe zu ihren Soldaten aufbauen und diese als Heeresklientel an sich binden. Ursächlich hierfür war auch eine veränderte Zusammensetzung der Truppen. So war die Rekrutierung der Legionen in der späten Republik an die sich wandelnden Bedürfnisse des wachsenden Reiches angepasst worden. Das Heer bestand seit dem frühen 1. Jh. v. Chr. nicht mehr ausschließlich aus Bürgersoldaten, sondern wurde überwiegend von Berufssoldaten gebildet. Das Auskommen dieser Legionäre musste jedoch auch nach ihrer aktiven Dienstzeit gesichert werden, was diese eng an ihre Feldherren band. Denn die Durchsetzung ihrer Interessen trauten die Soldaten am ehesten ihren jeweiligen Heerführern zu. Die Möglichkeit, in dieser Weise unter den Standesgenossen hervorzustechen, veränderte das soziale Gefüge in Rom. Die Entwicklung wurde dadurch verstärkt, dass es in der späten Republik vermehrt zu Konflikten untereinander, mit den Nachbarn oder unterworfenen Bevölkerungsgruppen kam, die erhebliche Ressourcen banden und teilweise jahrelanges militärisches Engagement erforderten. Dies eröffnete einzelnen nobiles immer wieder Chancen, an der üblichen Laufbahn vorbei insbesondere im Militär Karriere zu machen. Auch bot die wechselhafte Zeit immer wieder soziale Aufstiegsmöglichkeiten für homines novi, also für Aufsteiger in die Oberschicht.
