Die Royals-Saga 4-6: - Royal Dream / Royal Kiss / Royal Forever - Geneva Lee - E-Book

Die Royals-Saga 4-6: - Royal Dream / Royal Kiss / Royal Forever E-Book

Geneva Lee

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18,99 €

Beschreibung

Er tut alles, um sie zu schützen. Doch seine Liebe kann sie zerstören. Jetzt die drei Bände der herzzerreißenden und unvergesslichen Liebesgeschichte von Belle und Smith in einem E-Book - Für begrenzte Zeit zum Kennenlernpreis sichern!

Band 4: Royal Dream
Belle Stuarts Leben liegt in Trümmern. Ihr Verlobter hat sie betrogen, ihre Hochzeit ist abgeblasen, und Belle braucht dringend einen Job. Aber wer stellt schon eine Oxford-Absolventin ein, die nichts vorzuweisen hat als die Planung einer Hochzeit, die nie stattfinden wird? Belles letzte Chance ist die Stelle als persönliche Assistentin von Smith Price. Der Londoner Anwalt ist unerhört erfolgreich, unerträglich arrogant und unglaublich sexy – und er verlangt ständige Bereitschaft ... Belle spürt sofort, dass dieser Mann Gefahr bedeutet, dass sie sich von ihm fernhalten sollte, aber ist sie stark genug, um sich seiner dunklen Anziehungskraft zu entziehen?

Band 5: Royal Kiss
Als Belle ihre große Liebe mit einer anderen Frau in einer eindeutigen Situation beobachtet, ist sie zutiefst verletzt. Enttäuscht und gedemütigt bricht sie jeden Kontakt zu Smith ab und arbeitet wie eine Besessene, um die Sehnsucht nach ihm, nach seinen Küssen, seinen Händen, seiner Leidenschaft zu ersticken. Dennoch gelingt es ihr einfach nicht, diesen gefährlichen, geheimnisvollen Mann mit den dunklen Augen zu vergessen. Aber wie soll sie ihm seinen Verrat jemals verzeihen können?

Band 6: Royal Forever
Die Geister seiner dunklen Vergangenheit überschatten das Leben von Smith und Belle wie ein Albtraum. Um ihnen zu entfliehen, verlassen sie London und suchen Ruhe auf dem Landsitz von Belles Eltern – ein Ort, der schlimme Erinnerungen für Belle birgt. Die Verbindung zwischen Belle und Smith ist so stark wie nie zuvor, dennoch scheint sie etwas vor ihm zu verbergen. Smith tut alles, um Belle zu beschützen, doch kann er ihr helfen, ihre eigenen Albträume zu überwinden?

Die gesamte Royals-Saga von Geneva Lee

Clara und Alexander:
Band 1 – Royal Passion
Band 2 – Royal Desire
Band 3 – Royal Love

Bella und Smith:
Band 4 – Royal Dream
Band 5 – Royal Kiss
Band 6 – Royal Forever

Clara und Alexander - Die große Liebesgeschichte geht weiter:
Band 7 – Royal Destiny
Band 8 – Royal Games (April 2020)
Band 9 – Royal Lies (Juni 2020)
Band 10 – Royal Secrets (August 2020)

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 1044

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Autorin

Geneva Lee ist eine hoffnungslose Romantikerin und liebt Geschichten mit starken, gefährlichen Helden. Mit der Royals-Saga, der Liebesgeschichte zwischen dem englischen Kronprinzen Alexander und der bürgerlichen Clara, traf sie mitten ins Herz der Leserinnen und eroberte die internationalen Bestsellerlisten im Sturm. Geneva Lee lebt zusammen mit ihrer Familie im Mittleren Westen der USA.

Die Royals-Saga

Band 4–6

Band 4: Royal Dream

Belle Stuarts Leben liegt in Trümmern. Ihr Verlobter hat sie betrogen, ihre Hochzeit ist abgeblasen, und Belle braucht dringend einen Job. Aber wer stellt schon eine Oxford-Absolventin ein, die nichts vorzuweisen hat als die Planung einer Hochzeit, die nie stattfinden wird? Belles letzte Chance ist die Stelle als persönliche Assistentin von Smith Price. Der Londoner Anwalt ist unerhört erfolgreich, unerträglich arrogant und unglaublich sexy – und er verlangt ständige Bereitschaft ... Belle spürt sofort, dass dieser Mann Gefahr bedeutet, dass sie sich von ihm fernhalten sollte, aber ist sie stark genug, um sich seiner dunklen Anziehungskraft zu entziehen?

Band 5: Royal Kiss

Als Belle ihre große Liebe mit einer anderen Frau in einer eindeutigen Situation beobachtet, ist sie zutiefst verletzt. Enttäuscht und gedemütigt bricht sie jeden Kontakt zu Smith ab und arbeitet wie eine Besessene, um die Sehnsucht nach ihm, nach seinen Küssen, seinen Händen, seiner Leidenschaft zu ersticken. Dennoch gelingt es ihr einfach nicht, diesen gefährlichen, geheimnisvollen Mann mit den dunklen Augen zu vergessen. Aber wie soll sie ihm seinen Verrat jemals verzeihen können?

Band 6: Royal Forever

Die Geister seiner dunklen Vergangenheit überschatten das Leben von Smith und Belle wie ein Albtraum. Um ihnen zu entfliehen, verlassen sie London und suchen Ruhe auf dem Landsitz von Belles Eltern – ein Ort, der schlimme Erinnerungen für Belle birgt. Die Verbindung zwischen Belle und Smith ist so stark wie nie zuvor, dennoch scheint sie etwas vor ihm zu verbergen. Smith tut alles, um Belle zu beschützen, doch kann er ihr helfen, ihre eigenen Albträume zu überwinden?

GENEVA LEE

Die Royals-Saga

Band 4–6Royal DreamRoyal KissRoyal ForeverÜbersetzt von Charlotte Seydel

Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherheitsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Die Originalausgaben erschienen unter den Titeln

»Crave Me«(2015), »Covet Me«(2015) und »Capture me« (2015) bei Westminster Press, Louisville

Copyright der Originalausgaben © 2015 by Geneva Lee

Copyright der deutschsprachigen Ausgaben © »Royal Dream« 2016, »Royal Kiss« 2016 und »Royal Forever« 2016

by Blanvalet Verlag, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Redaktion: Susann Rehlein

Umschlaggestaltung und -motiv: © Johannes Wiebel | punchdesign, unter Verwendung von Motiven von Shutterstock.com ISBN: 978-3-641-26646-2V001 www.blanvalet.de

GENEVA LEE

RomanBand 4Deutsch von Charlotte Seydel

Meinem Ehemann – wir sind Seelenverwandte.

Prolog

Die Westminster Bridge verlor sich im konturlosen Dunst der Nebelschwaden, die über der Themse hingen. Touristen schlenderten über die Brücke und fotografierten sich neben eng umschlungenen Liebespaaren, während hinter ihnen Jogger vorbeiliefen. Einer nach dem anderen wurde vom Nebel verschluckt und verschwand auf Nimmerwiedersehen – so wie sich die Wege von Menschen im Leben kreuzten und wieder trennten. Ein Kommen und Gehen.

Ich stützte mich schwer auf die Brüstung des Balkons. In dieser Stadt lebten Millionen von Menschen, und doch hatte ich mich noch nie so einsam gefühlt. Das hohle Ziehen in meinem Bauch verstärkte sich mit jedem Atemzug und machte mir meine innere Leere bewusst. Ich war allein.

Vor einer Stunde war das noch anders gewesen. Vor einer Stunde hatte ich noch Pläne gehabt, eine Zukunft – und ihn. Doch dieses Leben war jetzt vorbei.

»Da bist du ja.« Clara trat neben mich auf den Balkon und legte sanft ihre Hand auf meine.

»Wohin hätte ich denn verschwinden sollen?«, erwiderte ich matt. Meine ganze Zukunft hatte sich in Luft aufgelöst. »Sitzengelassene Verlobte klingt nicht ganz so glamourös wie zukünftige Braut, findest du nicht?«

»Das sagt doch niemand. Die sagen höchstens, dass du die Frau bist, die Pepper Lockwood eine geknallt hat. Was in meinen Augen großartig ist«, erklärte sie mit Bestimmtheit.

Dieser Schnepfe eine zu verpassen, hatte sich verdammt gut angefühlt und wäre nur zu toppen gewesen, wenn ich Philip auch gleich erwischt hätte. »Ich hätte es kommen sehen müssen. Philip hat sich schon seit Wochen so merkwürdig verhalten.«

»Das hat niemand ahnen können«, versicherte mir Clara. »Und es ist absolut nicht deine Schuld. Philip hat dich betrogen, er hat alles kaputt gemacht.«

Der Diamantring an meiner Hand wurde immer schwerer. Als wäre er ein Anker, der mich an eine Vergangenheit kettete, von der ich mich lösen musste. Ich zog ihn vom Finger und hielt ihn Clara hin. »Wenigstens bringt der noch ein hübsches Sümmchen. Genug, um davon eine Weile zu leben.«

»Nur nichts überstürzen.« Sie nahm mir den Ring ab und umschloss ihn mit ihrer Faust, auf ihrer Stirn bildeten sich Sorgenfalten. Sie versuchte jedoch nicht, mir den Verkauf auszureden. Wir wussten beide, dass ich auf das Geld angewiesen war, während ich mich nach einem Job umsah.

Ein Job.

Ich sagte mir, dass ich hochqualifiziert war und keine Schwierigkeiten haben würde, eine Arbeit zu finden. Aber ich war mir nicht sicher, wie es sich in meinem Lebenslauf machen würde, dass ich ein Jahr mit den Vorbereitungen für eine Hochzeit zugebracht hatte, die nun doch nicht stattfand.

»Darum kümmern wir uns morgen.« Sie zog mich von der Brüstung fort, und im selben Moment glitt die Balkontür zur Seite, und dieser gutaussehende Mann mit lockigem Haar erschien, den ich so mochte.

»Ich habe sämtliche verfügbaren Alkoholbestände beschlagnahmt und hergeschafft«, verkündete Edward. Der jüngere Prinz hatte sich als ein wahrer Freund erwiesen und stellte das heute Abend offenbar wieder einmal unter Beweis. »Wirklich wahr. Auf der ganzen Welt ist nichts mehr übrig. Alles unsers.«

Er legte mir ein Kühlkissen auf die Hand. »Das ist für deinen rechten Haken.« Dann hielt er eine Flasche hoch: »Für alles andere gibt es Wodka.«

Ich warf einen letzten Blick auf die Stadt unter uns, dann wandte ich mich zu meinen Freunden um. »Worauf warten wir noch? Betrinken wir uns.«

1

London kümmerte es nicht, dass ich einen Termin hatte. Unbeirrt schoben sich die Menschenmassen durch Kensington. Die wenigen Bäume entlang der geschäftigen Straße waren auch nicht wirklich hilfreich, sie hatten ihr Grün in hinreißende Gold- und Brauntöne verwandelt, und anscheinend musste jeder Tourist unbedingt ein Foto davon machen. Ich drängte mich zwischen einer großen Gruppe hindurch, die sich für ein Erinnerungsfoto vor Topshop aufgebaut hatte, entschuldigte mich, durchs Bild gelaufen zu sein, und hastete dann in eine etwas ruhigere Nebenstraße. Gerade hatte ich auf der anderen Straßenseite die rot lackierte Tür mit dem Namenszug Smith Price, Esq. entdeckt, als der Alarm in meinem Handy mich daran erinnerte, dass ich in fünf Minuten ein Vorstellungsgespräch hatte. So schnell es meine unpraktischen Schuhe erlaubten, wechselte ich auf die andere Straßenseite und hielt vor der Tür kurz inne, um tief Luft zu holen.

Als ich mit der Hand über mein Haar strich, stellte ich zufrieden fest, dass es nach dem überstürzten Aufbruch aus meiner Wohnung noch in Form war. Gerade erst hatte ich mich von der wallenden Lockenpracht getrennt, die ich mir für die Hochzeit hatte wachsen lassen. Ein neues Leben, ein neuer Look.

Der schulterlange Bob mit dichtem Pony, für den ich mich entschieden hatte, war leichter zu stylen und anscheinend immun gegen das hektische Chaos auf Londons Straßen. Kurz überlegte ich, noch einmal zu checken, ob mein roter Lippenstift eine Auffrischung benötigte, verwarf die Idee jedoch wieder. Dafür war keine Zeit mehr, man erwartete mich. Ich strich meinen Bleistiftrock glatt, betete, dass ich mir keine Laufmasche gezogen hatte, und überprüfte den obersten Knopf meiner taillierten, elfenbeinfarbenen Bluse. Angemessen gekleidet war ich, jetzt musste ich den Job nur noch bekommen. Ein fester Arbeitsplatz war das Letzte, das mir noch fehlte, um mein Leben wieder in die Spur zu bringen. Und vielleicht konnte ich von nun an das Geld für die Gründung meiner eigenen Firma zur Seite legen.

Als ich das Vorzimmer betrat, eröffnete sich mir eine andere Welt. Von einer der schicksten und modernsten Straßen Londons war ich geradewegs in der Vergangenheit gelandet. Im Inneren dominierten kostbares Mahagoni und Leder. An den Wänden reihten sich hohe Bücherregale aneinander, und hinter einem Eichenschreibtisch saß eine überaus adrette Dame, die eine Bürotür bewachte. Sie schürzte die Lippen und musterte mich mit derart strengem Blick, dass ich verlegen zur Seite schaute. Vielleicht war ich doch nicht so passend gekleidet. Ich schätzte sie auf Mitte bis Ende vierzig, doch vielleicht ließ ihr strenges Gehabe sie älter wirken, als sie tatsächlich war. Mit einem zuckersüßen Lächeln trat ich auf sie zu.

»Ich habe einen Termin bei Mr. Price.«

Selbst als sie nickte, wich die Missbilligung nicht aus ihrem Gesicht. »Gerade noch rechtzeitig, Miss …?«

»Stuart«, ergänzte ich, obwohl sie meinen Namen vermutlich bereits kannte. Eine Frau hatte den Termin für mein Vorstellungsgespräch bestätigt, und ganz offensichtlich war sie die einzige weibliche Person hier. Nachdem ich mich jedoch schon seit sechs Monaten mit Vorstellungsgesprächen und befristeten Jobs herumschlug, wies ich sie lieber nicht darauf hin. Stattdessen schluckte ich meinen Stolz hinunter und wartete. Darin war ich ziemlich gut geworden, seit ich meinen Verlobten beim Fremdgehen erwischt hatte. Vielleicht sollte ich überlegen, das in meinen Bewerbungsunterlagen unter »Besondere Fähigkeiten« aufzuführen.

»Mr. Price erwartet Sie.« Endlich stand sie auf und bedeutete mir, ihr durch die Tür zu folgen, die sie bewachte.

Als ich sein Büro betrat, blieb ich wie vom Donner gerührt stehen. Ich hatte erst am Vortag nach Smith Price gegoogelt, aber es war mir nicht in den Sinn gekommen, Fotos von ihm anzuschauen. Bei der langen Liste seiner Bildungsabschlüsse und Karrierestationen sowie dem Kaliber der Mandanten, die sich von dieser Kanzlei vertreten ließen, hatte ich jemand Älteren erwartet. Deutlich älter. Doch der Mann, der vor mir am Schreibtisch saß und in seinem Dreiteiler absolut perfekt aussah, konnte kaum älter als dreißig sein. Sein dunkles, gewelltes Haar war sorgfältig gebändigt worden. Seine Augen waren von dunklen Wimpern umrahmt und leuchteten in einem beeindruckenden Grünton, der selbst auf diese Entfernung seine Wirkung auf mich nicht verfehlte. Seine glatte, markante Kinnpartie und seine breiten Schultern wirkten auf eine ursprüngliche Art männlich. Er saß zurückgelehnt in seinem Ledersessel und hatte die Hand nachdenklich an die fein gezeichneten Lippen gelegt. Während ich versuchte, die Fassung zu bewahren, prüfte ich fieberhaft die Festigkeit jener Mauern, die ich zum Schutz vor Männern um mich errichtet hatte. Vor allem vor Männern wie diesem. Ich straffte die Schultern und setzte ein professionelles, neutrales Lächeln auf.

Price stand nicht auf, als mich seine Sekretärin in den Raum führte. Er beobachtete nur und ließ den Blick langsam an meinem Körper hinaufwandern. Die Intensität seines Blickes brannte auf meiner Haut, Hitze schoss mir in die Wangen. Kurz bekam ich weiche Knie, und ich musste meinen ganzen Willen zusammennehmen, um in meinen Louboutin-Pumps Haltung zu bewahren. Zum Glück hatte ich mich für die vernünftigeren Absätze entschieden, sonst wäre ich jetzt gestrauchelt und hingefallen. Sein Blick blieb an meinem Mund hängen, und plötzlich bereute ich, dass ich einen derart provozierenden Rotton trug. Allerdings hatte ich auch nicht damit gerechnet, dass Smith Price aussah wie ein … wie ein Sexgott. Seine Lippen zuckten, als könnte er meine Gedanken lesen, doch dann verwandelte sich sein Gesicht wieder in eine steinerne Maske. Absolut undurchschaubar. Absolut entwaffnend.

Und leider total sexy.

Das läuft bis jetzt gar nicht gut!, warnte eine schrille Stimme in mir. Du brauchst diesen Job, und du wirst ihn erst bekommen, wenn du unter Beweis stellst, dass du etwas auf dem Kasten hast. Mach den Mund auf! Ich öffnete die Lippen und holte tief Luft. Wenn er sich nicht vorstellte, musste ich das wohl übernehmen. Ich durfte jedoch auf keinen Fall verzweifelt klingen. Nur keine Schwäche zeigen. Wenn ich auch nur die kleinste Schwäche zeigte, konnte ich mir den Job abschminken. Ich kannte solche Typen.

»Mr. Price, sehr erfreut, Sie kennenzulernen«, sagte ich mit fester Stimme und möglichst unsexy.

Jetzt stützte er das Kinn in die Hand und öffnete diese fein modellierten Lippen, von denen ich den Blick nicht abwenden konnte.

»Smith.« Die schlichte Korrektur genügte, um den Bann zu brechen. Mein Blick zuckte nach oben und traf endlich seinen. Wir sahen uns lange und tief in die Augen, so wie man jemanden anschaut, den man schon ewig kennt – der einem vertraut ist. Sein Blick wirkte nicht so kontrolliert wie alles andere an ihm, und ich war überzeugt, dass er damit eine Absicht verfolgte.

»Setzen Sie sich, Miss Stuart«, forderte er mich auf und richtete seine Aufmerksamkeit auf seinen Schreibtisch. Ich nahm auf dem Stuhl ihm gegenüber Platz.

»Sie haben bestimmt Fragen zu der freien Stelle.«

Eigentlich nicht. Ich hatte damit gerechnet, hier in die Mangel genommen zu werden. Ich bemühte mich, meine Stimme wiederzufinden, und sagte dann das Erste, was mir einfiel. »Was genau erwarten Sie … was die Stelle angeht?«

Obwohl es albern war, hatte ich das mit der Stelle hinzufügen müssen. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass Smith zu der Sorte Mann zählte, bei der man sich unmissverständlich ausdrücken musste.

»Eine persönliche Assistentin.«

Er ging nicht weiter ins Detail. Anscheinend wollte er sich alles aus der Nase ziehen lassen.

»Hier?«, fragte ich und deutete auf das Büro, in dem wir uns befanden. »Würde ich Sie bei Ihren Fällen unterstützen?«

Ich war mir nicht sicher, ob ich ihm bei seiner anwaltlichen Tätigkeit wirklich eine Hilfe sein konnte, aber ich war ganz sicher in der Lage, zu tun als ob, bis ich wusste, was ich tat.

»Haben Sie vielleicht eine juristische Ausbildung, von der ich noch nichts weiß?« Sein Ton war leise und unterkühlt.

Ich unterdrückte den Impuls, in meinem Sessel zusammenzusinken. Wahrscheinlich hatte ich es mit meiner blöden Frage vermasselt. Stattdessen straffte ich die Schultern. Wenn er sich jetzt als Idiot entpuppte, würde ich nicht um den Job trauern. »Ich habe keine juristischen Fachkenntnisse«, erwiderte ich und versuchte, mich genauso cool zu geben wie er.

»Das ist in Ordnung, meine persönliche Assistentin unterstützt mich nicht bei den Rechtsfällen.« Während er sprach, grinste er selbstgefällig. Das konnte doch nicht wahr sein. Welcher erwachsene Mann grinste bei einem Vorstellungsgespräch?

Ich ignorierte das Grinsen. So langsam verlor ich die Geduld – mit mir selbst genauso wie mit ihm. »Wozu brauchen Sie mich dann bitte schön?«

Das selbstgefällige Grinsen wurde zu einem schiefen Lächeln und schwand binnen Sekunden. »Sie sollen mich bei meinen Privatangelegenheiten unterstützen. Es versteht sich, dass meine Sekretärin meinen Terminkalender und meine Gerichtstermine koordiniert. Sie aber kümmern sich um meine privaten Termine sowie um die persönlichen Beziehungen zu meinen Mandanten. Ich bin ein vielbeschäftigter Mann, Miss Stuart …«

»Belle«, unterbrach ich ihn.

»Miss Stuart«, wiederholte er. »Ich bin ein vielbeschäftigter Mann. Ich vergesse Geburtstage und kaufe keine Hochzeitsgeschenke. Außerdem gehe ich nie alleine essen.«

»Erwarten Sie, dass ich mit Ihnen essen gehe?«, platzte ich heraus. Die Sache klang allmählich sehr nach einer Ehe, allerdings ohne Zugang zu seinem Bankkonto – und ohne Orgasmen.

»Nicht jedes Mal«, fuhr er fort. »Ich habe oft Verabredungen zum Abendessen. An den Abenden, an denen ich keine Verabredung habe, oder bei Anlässen, zu denen ich eine Begleitung benötige, werden Sie dabei sein.«

»Mir war nicht bewusst, dass ich dermaßen eingespannt sein würde.« Die spitze Bemerkung rutschte mir heraus, ohne dass ich darüber nachgedacht hatte.

Smith spannte die Kiefermuskeln an, sagte jedoch nichts. Das Schweigen stand unangenehm im Raum. Dieser Job würde anstrengend werden. Die Frage war allerdings, ob es nicht noch anstrengender sein würde, etwas anderes zu finden. Denn trotz meiner Berufserfahrung und meiner erstklassigen Ausbildung hatte ich bisher noch nach jedem Bewerbungsgespräch vergeblich auf einen Rückruf gewartet. Doch ich durfte jetzt keinesfalls einen Fehler machen, nur weil diese Zurückweisungen an meinem Selbstwertgefühl nagten.

»Darf ich Sie etwas fragen?« Dies war der Zeitpunkt, Dinge offen anzusprechen – nicht erst dann, wenn ich bis über beide Ohren drinsteckte.

»Das haben Sie doch schon getan«, entgegnete er. »Und ich habe nicht gebissen.«

Bei seinen Worten glitt mein Blick zu seinen Lippen, und ich stellte mir unwillkürlich vor, wie es wäre, von ihm gebissen zu werden. Die Reaktion meines Körpers ließ darauf schließen, dass ich nichts dagegen hätte, wenn Smith Price mich beißen würde. Ganz im Gegenteil.

Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, die Flucht zu ergreifen.

Doch das wollte ich nicht. Ich fühlte mich wie an den Stuhl gekettet, an dieses Zimmer und an diesen Mann. Ich redete mir ein, dass das an den Chancen lag, die dieser Job mir bot, doch eigentlich wusste ich, dass es mehr war als das. Er war mir schon unter die Haut gekrochen. Ich spürte, wie er dort ein Kribbeln auslöste, dem ich allzu gern nachgegeben hätte. Zu bleiben bedeutete, diesem Verlangen widerstehen zu müssen – einfach zu gehen, schien mir jedoch völlig unmöglich.

»Angenommen, ich käme für die Position in Betracht …« Ich machte eine Pause und fragte mich, ob er sich auf meine Spekulation einlassen würde. »… welche Gründe wären ausschlaggebend?«

»Es gibt eine Reihe von Gründen, weshalb Sie eine exzellente Bewerberin abgeben.« Er lehnte sich im Sessel zurück, verschränkte lässig die Arme hinter dem Kopf und taxierte mich. »Ihre Bildung zum Beispiel.«

Ich nickte, obwohl mir ein Studium in Oxford als reine Verschwendung erschien, wenn es nur darum ging, Besorgungen zu machen oder jemandem beim Abendessen Gesellschaft zu leisten.

»Sie sehen aus, als wären Sie anderer Meinung.«

»Nein, ich …«

»Lassen Sie mich das zu Ende führen.« Seine Worte klangen moderat, doch sein Tonfall war durchaus bestimmt. Er erwartete, dass ich schwieg. Dass ich ihn ausreden ließ. Und vermutlich erwartete er, dass ich dem zustimmte, was er gleich sagen würde. »Ihre Bildung kommt mir gelegen. Ich bevorzuge eine Begleiterin, mit der ich mich unterhalten kann. Bei geschäftlichen Anlässen weiß ich eine Dame an meiner Seite zu schätzen, die sich zu benehmen weiß. Diese Vorliebe teile ich nicht mit allen meinen Geschäftspartnern.«

Ich hob eine Braue. »Vorliebe klingt herablassend.«

»Nicht alle Huren stehen am Straßenrand, Miss Stuart. Die meisten suchen sich einen Mann, der bereit ist, für ihr Entgegenkommen teuer zu bezahlen. Ich kann zwar nachvollziehen, dass es bequem ist, jemanden zu Hause zu haben, der stets verfügbar ist, doch solche Beziehungen sind eine Bürde, die allzu oft in Peinlichkeiten oder mit Erpressung enden«, schloss er.

Er hatte nicht ganz unrecht, auch wenn er sich gerade ein paar Extrapunkte auf meiner Schwachmaten-Skala eingehandelt hatte. »Doch wie Sie bereits erwähnten, bin ich nicht dumm und deshalb vielleicht durchaus imstande zu erkennen, wo sich Erpressung lohnt und wo nicht.«

»Sie müssen eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen«, klärte er mich auf. »Und ich versichere Ihnen, dass Sie allen Grund haben werden, sich sowohl daran als auch an meine Person gebunden zu fühlen.«

Das musste ich erst einmal sacken lassen. Gebunden? Wollte ich an ihn gebunden sein? Zumindest vertraglich? Schwer zu sagen, angesichts der Bilder, die seine Wortwahl in mir heraufbeschwor. Um das zu verdauen, würde ich wohl mehr als einen Schnaps brauchen – eher die ganze verdammte Flasche.

»Es gibt auch noch andere Gründe«, fuhr er fort. »Als ich Erkundigungen über Ihr Umfeld eingeholt habe, habe ich festgestellt, dass Sie eng mit unserer neuen Königin befreundet sind. Mich hat ziemlich beeindruckt, dass Sie es geschafft haben, nicht in der Presse zu erscheinen. Offenbar haben Sie ein Talent dazu, unter dem Radar zu bleiben.«

»Oder ich bin wirklich langweilig«, konterte ich.

»Das bezweifle ich«, antwortete er mit einer leisen Stimme, bei der ein Kribbeln über meinen Rücken glitt. »Meine Geschäfte erfordern Diskretion. Ich brauche jemanden, der das versteht.«

»Ich war mit Clara befreundet, lange bevor sie Alexander kennengelernt hat.«

»Das ist eine Auszeichnung.« Smith wartete, ob ich seiner Einschätzung widersprach. Als ich es nicht tat, fuhr er fort. »Und außerdem haben Sie auch optisch etwas zu bieten.«

»Ich habe optisch etwas zu bieten?«, wiederholte ich. Ich traute meinen Ohren nicht, das hatte er sicher nicht so gemeint, wie es klang.

»Sie sind eine schöne Frau. Warum sollten wir drum herumreden.«

Ich versuchte, cool zu bleiben, und scheiterte jämmerlich. »Das grenzt gefährlich an sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.«

Smith Price war mir ein Rätsel. Oder vielleicht auch nicht. Alles, was er wollte, war ein hübsches Mädchen, das nicht auf den Kopf gefallen war und ihm jeden Wunsch erfüllte. Wenn ich so darüber nachdachte, war es eigentlich genau das, worauf alle Männer aus waren. Nur mit dem Unterschied, dass er bereit war, dafür zu zahlen, ohne im Gegenzug Sex zu erwarten. Diese Erkenntnis hätte mich weder schockieren noch enttäuschen dürfen, tat jedoch beides.

»In Firmen ist es absolut üblich, attraktive Menschen einzustellen. Es ist wohl kaum gesetzeswidrig, so etwas zu einer Einstellungsvoraussetzung zu machen.« Smith zuckte mit den Schultern, beugte sich vor und legte die Hände auf den Schreibtisch, wo sie reglos verharrten. Er klopfte nicht etwa nervös mit den Fingern auf die Tischplatte. Er hatte die Situation und sich selbst vollkommen unter Kontrolle. Das war es, was mir Angst machte.

Und das war es auch, was ich spannend fand.

»Es sollte aber zu jedem Zeitpunkt klar sein, dass ich für Sie arbeite und nicht Ihre Freundin bin.« Was ich damit meinte, lag auf der Hand. Vielleicht hatte er mich nur deshalb die ganze Zeit so eingehend gemustert, um mich besser einschätzen zu können – es hatte sich jedoch zumindest zeitweise so angefühlt, als würde er mich mit seinen Blicken vögeln. Dass Männer davon träumten, mich flachzulegen, war ich gewohnt. Ich hatte nur kein Interesse daran, ihnen diesen Traum zu erfüllen, und ich wollte auch nicht dazu verführt werden, es mir vielleicht noch anders zu überlegen. Angesichts der Tatsache, wie mein Körper auf seine durchdringenden Blicke reagierte, musste ich das von Anfang an klarstellen.

»Ich kann Ihnen versichern, dass ich keinerlei Interesse an einer Affäre habe. Andere Männer würden vielleicht ihre Machtposition Ihnen gegenüber ausnutzen, Sie mit Geschenken bestechen oder Ihnen unsittliche Anträge machen. Aber unsere Beziehung wird rein geschäftlicher Natur sein.« Seine Stimme verebbte, so als ließe er etwas aus, eine Bedingung oder einen Hintergedanken, den er nicht weiter fortführte. »Haben Sie noch weitere Fragen an mich?«

Das sollte ich, aber mir fielen keine ein. Es fiel mir zunehmend schwer, in seiner Gegenwart einen klaren Gedanken zu fassen. Ich schaffte es lediglich, den Kopf zu schütteln.

»Dann sind wir hier fertig.« Das Vorstellungsgespräch ging jäh zu Ende, das hatte ich schon geahnt.

So war es am besten, da war ich mir sicher. Doch trotz der überdeutlichen Warnzeichen und trotz der in mir schrillenden Alarmglocken, was diesen Mann anging, bedauerte ich, dass es nicht klappen würde. Es wäre eine gut bezahlte Stellung gewesen. Zwar kam ich trotz der umwälzenden Ereignisse der letzten Monate finanziell über die Runden, doch das verdankte ich hauptsächlich meiner Tante Jane, die sich weigerte, Miete von mir anzunehmen, und meinen engsten Freunden, die ständig für mich mitbezahlten.

Ich kratzte den letzten Rest Stolz zusammen und zwang mich zu lächeln. »Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören.«

»Das wird nicht nötig sein«, sagte er in einem herablassenden Tonfall, bei dem mich der Mut verließ. »Ich erwarte Sie morgen um dreizehn Uhr hier, damit wir meine aktuellen Termine und Wünsche durchsprechen können.«

Ich sah darüber hinweg, dass er meine Einwilligung offenbar voraussetzte, und konzentrierte mich lieber auf die Tatsache, dass ich den Job tatsächlich bekommen hatte. »Ich werde da sein.«

»Seien Sie pünktlich, Miss Stuart. Ich warte nicht gern.«

Ein heftiger Schmerz durchzuckte meine Unterlippe, ich hatte vor Anspannung draufgebissen. Smiths Blick hing an meinem Mund. Er hatte es schon vor mir bemerkt, und ganz gleich, was er über unsere zukünftige Beziehung sagte – seine lustvollen Blicke waren alles andere als geschäftlich.

Ich musste hier raus und wieder einen klaren Kopf bekommen. Nur so konnte ich entscheiden, ob ich wirklich morgen Mittag in diesem Büro antreten oder doch nur feige eine E-Mail schicken würde. Ich schnellte von meinem Stuhl hoch und war froh, in meinen hohen Pumps die Übersicht zu haben. Vor seinem Schreibtisch hielt ich inne.

»Eine Sache muss ganz klar sein. Ich werde tun, was Sie von mir erwarten. Ich arbeite von Ihrer Wohnung aus, wenn es sein muss, aber ich werde nicht mit Ihnen schlafen.«

»Klar«, sagte er, aber seine Antwort klang alles andere als vertrauenswürdig. Ich war mir nicht sicher, ob er mich als Herausforderung empfand oder ob er davon ausging, dass er mich bereits so gut wie rumgekriegt hatte. Eins stand jedenfalls fest: Es würde nicht leicht werden, in der Gegenwart von Smith Price standhaft zu bleiben. Vielleicht sogar unmöglich.

Doch auf diese Herausforderung ließ ich mich gern ein.

2

Als ich von Kensington zurück nach Notting Hill lief, war das Coco völlig überfüllt. Das ehemals urige Bistro war zum Anlaufpunkt für neugierige Touristen und Paparazzi geworden, die auf ein Foto des königlichen Babybäuchleins hofften, seit die Illustrierten über das wöchentliche Abendessen berichtet hatten, dass ich dort mit Edward und Clara abzuhalten pflegte. Ich drängte mich durch die Menge, bis ich Clyde entdeckte, den Geschäftsführer. Er tupfte sich gerade mit einer Serviette die Stirn und starrte ein wenig verzweifelt auf die Menge. War er in der letzten Woche gealtert, oder kam mir das nur so vor? Ich hatte ihn ins Herz geschlossen und legte Wert darauf, durch die Vordertür hereinzukommen, damit ich ihn auch sicher jede Woche sah.

»Clyde!«, rief ich und schwenkte den Arm über meinem Kopf. Es war nicht sehr ladylike, noch weniger ladylike war es für mich jedoch, zwischen verschwitzt riechenden Möchtegern-Fotografen eingekeilt zu sein.

Clyde ließ einen lauten Seufzer hören, nahm die Sache in die Hand und bedeutete seinen Kellnern, mir zu helfen. Sobald ich es zu ihm geschafft hatte, führte er mich durch die Küche und über die Hintertreppe nach oben in einen nicht öffentlichen Speisesaal.

»Die Leute da unten sind so schlimm wie noch nie.« Ich schob meine Handtasche zurück über die Schulter und verlangsamte meinen Schritt, um mich dem Tempo des erschöpften Restaurantbesitzers anzupassen.

»Es werden immer mehr, je dicker Claras Bauch wird«, sagte er mit seinem breiten irischen Akzent. »Ich weiß nicht, wie viele Gäste wir in diesem Haus noch unterbringen können. Es platzt bald aus allen Nähten.«

»Genau wie Clara«, flüsterte ich, um seine Stimmung aufzuheitern. »Sobald das Baby da ist, brauchen Sie sich unseretwegen nicht mehr die Haare zu raufen.« Angesichts seines schütteren Haars wünschte ich, ich könnte die Bemerkung zurücknehmen, aber Clyde nickte nur traurig.

»Sie machen doch gar keine Umstände.« Er hielt mir die Tür auf.

»Wir wissen beide, dass das nicht wahr ist.« Ich trat ein und blieb kurz stehen, um ihm ein Küsschen auf die Wange zu geben. Es war nicht auszuschließen, dass es für lange Zeit unsere letzte Begegnung sein würde. »Danke für alles.«

»Es war mir ein Vergnügen«, grummelte er, bevor er sich entschuldigte und ging.

»Machst du dich etwa an Clyde ran?« Edward schnalzte mit der Zunge, während er aufstand, um mich zur Begrüßung zu umarmen. »Ein Kuss von einem hübschen Mädchen? Ich weiß nicht, ob sein Herz so viel Aufregung verkraftet.«

»Ich habe mich nur bei ihm bedankt.« Ich boxte ihn gegen die Schulter, aber Edward lachte bloß und stellte mir einen Stuhl zurecht. »Ist sie noch nicht da?«

Edward trank einen großen Schluck Wein und seufzte, als er das Glas wieder abstellte. »Alex macht mal wieder auf Alphatier.«

»Wann tut er das nicht?«, erwiderte ich trocken, während ich mir aus der geöffneten Flasche ebenfalls etwas Wein einschenkte.

»In zwei Wochen ist der Geburtstermin. Da hat er jedes Recht, sich als Beschützer aufzuspielen.« Die Erklärung wäre nicht nötig gewesen. Wie die meisten von uns sah Edward seinem älteren Bruder nach, dass er immer die Kontrolle behalten wollte.

Vielleicht hätte ich ihm widersprochen, wenn Clara den Ärger in den letzten eineinhalb Jahren nicht geradezu magnetisch angezogen hätte. Unter den gegebenen Umständen fand ich es durchaus sinnvoll, dass Alexander sie generalstabsmäßig bewachen ließ – meistens jedenfalls. Die übrige Zeit hätte ich sie gern häufiger gesehen, als es der Fall war. Ich hatte den Verdacht, dass das weniger an Alexanders Beschützerinstinkt lag, als vielmehr daran, dass die beiden offensichtlich wie besessen voneinander waren.

»Ich glaube, wir sollten uns freuen.« Ich zuckte mit den Schultern und machte es mir auf meinem Stuhl bequem.

»Das glaube ich auch.« Edward verzog den Mund zu einem schiefen Grinsen. »David ist leider gar kein Beschützertyp.«

Ich zwinkerte ihm zu. »Vielleicht ist das dein Job.«

»Was ist sein Job?«, fragte eine müde Stimme hinter mir. Im nächsten Moment hatte Clara den Tisch erreicht und setzte sich ächzend auf den freien Stuhl, wobei sie schützend mit einer Hand ihren prächtigen Babybauch hielt. Sie mochte erschöpft klingen, aber ihre helle Haut strahlte, und ihr kastanienbraunes Haar glänzte. Wenn ich sie nicht so sehr lieben würde, hätte ich sie vielleicht dafür gehasst.

»Wir versuchen gerade herauszufinden, wer in meiner Beziehung der Alexander ist.«

Clara verzog das Gesicht. »Hoffentlich keiner von euch beiden.«

»Ärger im Paradies?« Edward legte sorgenvoll die Stirn in Falten.

»Er ist zurzeit ein bisschen überfürsorglich. Ihr habt Glück, dass ich heute überhaupt kommen durfte. Unten warten Norris und die Hälfte der Britischen Streitkräfte. Was nützt ein Hintereingang, wenn man mit einer kleinen Armee anrückt?«

Sie tätschelte sich den Bauch und lächelte zerknirscht. »Vermutlich wird es noch schlimmer, wenn sie erst auf der Welt ist.«

»Dann kommen wir eben zu dir«, versprach ich ihr. »Und so schlimm ist es nun auch wieder nicht, wenn sich jemand um einen sorgt.«

Clara sah mir in die Augen und nickte, was sofort Schuldgefühle in mir auslöste. Ich hatte nicht missgünstig klingen wollen. Der Umstand, dass sie glücklich verheiratet war, löste wirklich weder Schmerz noch Neid in mir aus. Das hatte ich ihr zwar schon hundertmal versichert, aber es war trotzdem noch nicht ganz zu ihr durchgedrungen.

»Es gibt Neuigkeiten«, verkündete ich triumphierend, um schnell das Thema zu wechseln.

»Sag bitte, du hast dich flachlegen lassen!« Edward rang flehend die Hände.

»Sehr witzig«, antwortete ich und warf ihm die Serviette an den Kopf. »Ich habe den Männern abgeschworen, schon vergessen?«

»Dann sag wenigstens, dass du dir einen Vibrator zugelegt hast, Süße«, gab er zurück.

»Den hatte sie schon lange, bevor es mit Philip auseinanderging«, bemerkte Clara trocken.

Ich hob drohend den Finger. »Stimmt. Aber leider endet meine Neuigkeit nicht mit dieser Art Höhepunkt. Ich habe lediglich einen neuen Job.«

»Das ist ja fantastisch.« Edward wirkte enttäuscht, hätte ich mit jemandem gevögelt, hätte er sich offensichtlich mehr gefreut.

»Was ist denn aus deinen Plänen von einem eigenen Modegeschäft geworden?«, fragte Clara.

»Ach, das werde ich wohl nie schaffen«, log ich. Ich hatte meiner besten Freundin nur ein einziges Mal von der Idee erzählt, aber Clara vergaß nie etwas. Doch es führte zu nichts, die beiden in meine Pläne einzuweihen, die wahrscheinlich Träumereien bleiben würden. Insbesondere, weil ich wusste, dass jeder von ihnen darauf brannte, mir mein Abenteuer zu finanzieren – und das war wirklich das Letzte, was ich wollte. »Büroarbeit ist nun einmal der langweilige Stoff, aus dem wir gewöhnlichen Sterblichen gemacht sind.«

»Nichts da!« Clara imitierte mein warnendes Fingerschwenken von vorhin. »Du warst schon lange vor mir blaublütig.«

»Na, das hat sich für meine Familie aber nicht als besonders einträglich erwiesen«, erinnerte ich sie. Dabei erwähnte ich nicht extra, dass der notorisch defizitäre Gutsbesitz meiner Mutter einer der vielen Gründe dafür war, dass ich besagten Job brauchte. »Ein Mädchen muss essen.«

»Und essen werden wir«, sagte Edward, als ein Kellner mit der Bestellung erschien.

Ich wollte nach dem Vorlegelöffel greifen, aber Edward stupste meine Hand beiseite.

»Nein. Wir Unsterblichen werden speisen, während du uns mit Geschichten aus deiner kümmerlichen bürgerlichen Existenz unterhältst. Was ist das für ein Job?«

Unterdessen schnappte sich Clara den Löffel und fing an, Pasta auf meinen Teller zu schaufeln. »Iss, aber erzähl.«

»Ich werde als persönliche Assistentin arbeiten.« Ich drehte meine Gabel in den Nudeln. Mein Magen knurrte, als ich sah, wie die dekadente Sauce Alfredo die Linguine überzog.

»Für eine bekannte Persönlichkeit?«, wollte Edward wissen.

»Für einen Anwalt«, antwortete ich, bevor ich langsam die Nudeln herunterschlürfte.

»Das ist deutlich weniger glamourös.«

»Ihr habt den Anwalt nicht gesehen«, platzte ich heraus, bevor mir klar wurde, welche Munition ich ihnen damit lieferte.

»Ach, ja?« Clara quietschte vor Aufregung.

»Sie wird mit ihm schlafen«, konstatierte Edward, als wäre das bereits eine unumstößliche Tatsache.

»Kommt bloß nicht auf falsche Gedanken«, warnte ich sie. »Er schein ein Knallkopf erster Güte zu sein.«

Clara und Edward tauschten einen wissenden Blick.

»Dann wird sie garantiert mit ihm schlafen«, prophezeite Edward. »Sie denkt ja jetzt schon an nichts anderes.«

Die Lampen in der Wohnung waren heruntergedimmt, als ich eintrat. Durch die Räume wogte unter leisem Knistern eine langsame, sinnliche Melodie. Weil ich meine Tante nicht stören wollte, blickte ich vorsichtig um die Ecke und sah, dass sie sich zur Musik wiegte. Ihr weiter Kaftan schwang wie ein blasser Regenbogen um ihre anmutige Gestalt. Ich hatte meine Tante mit dem wilden, platinblonden Haar und ihrer noch verwegeneren Garderobe schon immer vergöttert. Dass sie genauso temperamentvoll war, wie sie aussah, nahm mich noch mehr für sie ein.

»Na, wie war dein Tag?«, rief sie, ohne sich überhaupt umzudrehen.

»Das hat Zeit. Ich will nicht stören.«

»Unsinn.« Jane wirbelte herum und holte eine Flasche Wein aus dem Schrank. »Hol du uns Gläser.«

Erst als ich zwei langstielige Kelche aus dem Regal zog und auf dem Küchentresen abstellte, wurde ich allmählich ruhiger. Die meisten wären nicht gerade begeistert, mit einem Familienmitglied zusammenzuwohnen, doch ich hatte damit nicht die geringsten Probleme. Jane war ein Wirbelwind von einer Frau, die sich ständig veränderte und es an keinem Ort und bei keinem Mann lange aushielt. Ich war noch nicht bereit, allein zu leben, als Clara heiratete, und noch viel weniger, als meine Verlobung platzte. Es war mir leichtgefallen, bei Jane einzuziehen, und nachdem es sich in den letzten Monaten als derart schwierig erwiesen hatte, einen festen Job zu finden, war ich zunehmend glücklich darüber, dass sie es mir angeboten hatte.

»Wie war das Vorstellungsgespräch?«, fragte sie und reichte mir ein Glas Wein.

»Interessant.« Ich legte meine Finger um den empfindlichen Stiel und ließ die rote Flüssigkeit im Kelch kreisen, wo sie das Glas einen Moment benetzte, bevor sie wieder nach unten rann.

Jane hob eine Braue. »Wie das?«

»Nun ja, ich habe den Job.« Ich stockte und suchte nach den richtigen Worten.

»Aber er beunruhigt dich«, riet Jane ins Blaue hinein.

»Mein Chef beunruhigt mich«, gab ich zu.

»Ist er ein Arsch? Oder hat er nur einen Stock in selbigem, wie die meisten Anwälte?«

»Ich weiß nicht. Er ist ziemlich direkt.« Ich wählte meine Worte weiterhin mit Bedacht. Nicht weil ich Jane etwas verheimlichen wollte, sondern weil ich mich bemühte, die Gefühle zu begreifen, die mein Inneres in Aufruhr versetzten. Allein wenn ich an das Bewerbungsgespräch dachte, löste das kleine nervöse Schauer in mir aus.

»Und, spielt er in der ersten Liga mir?«

Ich nickte. Mit Sicherheit tat er das. Ich wusste nicht viel über Smith Price, aber eines spürte ich deutlich: Macht und Autorität. Beides strahlte er aus wie die Sonne ihr Licht, und wenn ich nicht äußerste Wachsamkeit walten ließ, würde ich mir vermutlich gehörig die Finger verbrennen.

»Sag bloß, er ist auch noch gutaussehend«, schloss Jane den Bericht für mich ab.

»Ja«, hauchte ich, und in meinem Bauch flatterte ein einzelner Schmetterling empor. »Ich fürchte, ich könnte den Kopf verlieren, wenn ich für ihn arbeite.«

Jane nahm meine Hand. Sie schüttelte den Kopf und ließ ihr glockenhelles Lachen klingen. »Ein bisschen Aufregung tut dir ganz gut.«

»Ich hatte kürzlich genügend Aufregung für ein ganzes Leben.« Nach der Sache mit Philip stand mir der Sinn wahrlich nicht nach weiteren Abenteuern. Jane hingegen stolperte von einer Liebesaffäre in die nächste. Sie mochte damit glücklich sein, aber für mein Leben stellte ich mir etwas anderes vor. »Ich will mich auf mich selbst und meinen Businessplan konzentrieren und mich nicht von einem Mann ablenken lassen.«

»Gelegentliche Ablenkungen braucht man aber. Du kannst nicht immer nur arbeiten. Das ist kein Leben. Jede Frau braucht eine ordentliche Portion Romantik. Du musst dich nicht zwischen deiner Karriere und der Liebe entscheiden«, sagte sie mit sanfter Stimme, »tu einfach, was gut für dich ist.«

»Vielleicht weiß ich gar nicht, was gut für mich ist«, gestand ich und senkte den Blick. »Ich war drauf und dran, einen Mann zu heiraten, der in eine andere verliebt war.«

»Belle!«, mahnte sie zärtlich. »Du warst von der Liebe verblendet. Die Hochzeit. Dazu der Lebensstil. Du hast dich nach Beständigkeit gesehnt. Nach der Kindheit, die du durchlitten hast, kann dir das weiß Gott niemand verdenken.«

»Von nun an sorge ich eben selbst für Beständigkeit.« Ich hob den Kopf und schaute ihr in die Augen.

»Dann tu das, aber hör nicht auf zu leben. Sich auf nichts mehr einzulassen – das bedeutet nicht Beständigkeit, sondern nur den schleichenden Tod.«

»Dann sollte ich den Job wohl annehmen?«, fragte ich.

»Brauchst du den Job?«

»Das kommt drauf an«, sagte ich und musste unwillkürlich grinsen, »wie lange ich meine Miete noch mit billigem Wein bezahlen kann.«

»Nimm den Job an und bezahl mich mit gutem Wein.« Jane zwinkerte. »Ich will keine Miete von dir, aber ich will, dass du bald dein eigenes Geschäft aufmachst. Und falls du deine Einstellung bezüglich eines Investors geändert hast, sag Bescheid …«

Ich winkte ab. »Ich muss das aus eigener Kraft schaffen.«

Ich hatte keine Ahnung, ob meine Geschäftsidee sich auf dem Markt durchsetzen würde. Seit meinem Studium hatte sich eine Menge verändert, und ich würde unter gar keinen Umständen Geld von Jane oder sonst jemandem annehmen, ehe ich nicht sicher war, dass ich es schaffen konnte.

»Du weißt, ich will dich nicht unter Druck setzen, aber mein Angebot steht nach wie vor.«

»Ich weiß.« Ich trank einen großen Schluck Wein und stellte mein Glas ab. »Ich sollte jetzt ein bisschen schlafen. So wie es aussieht, muss ich morgen arbeiten.«

»Belle, hast du deiner Mutter schon von dem … Job erzählt?«

Sofort spannte sich mein gesamter Körper an. »Noch nicht.«

»Dann tu es auch nicht«, riet mir Jane.

»Sie wird es herausfinden.«

»Dann ist es immer noch früh genug.« Jane stand auf und legte mir die Arme um die Schultern. »Wenn du dich auf dich selbst konzentrieren willst, wäre das vielleicht ein guter Moment, damit anzufangen.«

»Da könntest du recht haben.«

Jane, die offenbar sah, wie schwer mir das Herz war, schenkte mir ein Lächeln, dann zog sie mich hoch, nahm mich fest in den Arm und hielt mich so lange, bis auch der letzte Rest von Schuldgefühl verschwunden war. »Ich bin stolz auf dich.«

»Wirst du auch noch stolz auf mich sein, wenn ich umfalle und mich dem Chef an den Hals werfe?«, fragte ich ironisch.

»Liebling, nichts würde mich stolzer machen.«

3

Es war fünf nach eins. Ich trommelte mit den Fingern auf das Fensterbrett. Ich hasste es, wenn man mich warten ließ. Seit drei Jahren hatte mich keine Frau mehr warten lassen. Wenn Belle Stuart mich nicht so verdammt fasziniert hätte, ich hätte meiner Empfangssekretärin bereits befohlen, ihr die Tür zu weisen, falls sie doch noch zu erscheinen geruhte. Doris, das alte Schlachtross, das seit fünf Jahren in meinen Diensten stand, hätte sie eiskalt abserviert.

Es war ein Fehler gewesen, sie nicht gleich in die Wüste zu schicken. Davon war ich längst überzeugt, als mir ein zartes Klopfen an der Tür, das ganz sicher nicht von Doris stammte, ihre Ankunft signalisierte.

Ich richtete mich auf, verschränkte die Hände hinter dem Rücken und wartete einen Moment, bevor ich »Herein« sagte.

Der Tür ging auf, doch ich wandte ihr weiterhin den Rücken zu und richtete den Blick auf die Straße. Besser, sie lernte sofort, dass sie keinen Anspruch auf meine Aufmerksamkeit hatte, sondern dass ich entschied, wann ich sie ihr schenkte. Das bedeutete allerdings nicht, dass mich ihre Anwesenheit kaltließ. Ihr leises Atmen war in dem stillen Raum unüberhörbar, und ich verstärkte den Griff um mein Handgelenk.

Ein Fehler.

Da ich am Fenster stand und die Arme hinter dem Rücken verschränkt hielt, hatte sie die Bewegung direkt vor Augen. Es spielte keine Rolle, ob sie ihr tatsächlich aufgefallen war. Dies war nur ein weiterer Fehler, den ich in der Gegenwart Belle Stuarts begangen hatte. Mein erster Fehler war womöglich schon gewesen, sie überhaupt einzustellen. Ich durfte mich nicht von ihr aus dem Konzept bringen lassen. Sie sollte nur sehen, was ich ihr zu sehen erlaubte. Also keine Ausrutscher mehr. Die Tatsache, dass ich mir des Problems bewusst war, würde es mir künftig vermutlich einfacher machen, damit umzugehen.

»Mister Price.« Sie klang verlegen. Ganz anders als die Frau, mit der ich erst gestern das Vorstellungsgespräch geführt hatte. Vielleicht eignete sie sich, um an ihr Gegensätze zu studieren. Stark, aber verletzlich. Kühl und doch einladend. Eine Dame, solange sie bekleidet war, und gefährlich wild, wenn alle Hüllen fielen.

Die Zeit würde es zeigen.

Natürlich war sie womöglich wegen ihrer Verspätung verlegen.

Ich wandte mich zu ihr um, bevor ich einen weiteren Fehler begehen konnte. Ich ballte meine Hand zur Faust. In ihrer Gegenwart nicht die Kontrolle zu verlieren, würde eine Herausforderung sein, ganz besonders dann, wenn sie sich auch weiterhin so unverfroren über meine Anweisungen hinwegsetzte. Für den Augenblick sollte ein einfacher Verweis genügen, aber ich zweifelte nicht daran, dass ich irgendwann noch das Vergnügen haben würde, sie weitaus schärfer zu maßregeln. »Smith.«

»Smith.« Ich hörte zu gern, wie sie den Namen ausprobierte. Mein Name auf ihren Lippen klang vertraut und hatte etwas Intimes. Belle schob ein Bein hinter das andere und rieb es nervös an ihrer Wade. Sie trug wieder Schuhe mit roter Sohle. Irgendeine Luxusmarke. Normalerweise würde ich meine Sekretärin bitten, der schönen Frau vor mir ein Paar davon zu schicken. Ein Geschenk, das mir den Weg zu dem ebnete, was mich eigentlich interessierte. Das richtige Geschenk ersparte einem all das lästige Brimborium – Abendessen, Unterhaltungen, Romantik. Ein Geschenk brachte mich ohne Umwege zum Ziel: mein Schwanz tief in einer warmen Muschi. Alles andere war bloß vonnöten, wenn ich mehr wollte – zumindest das Abendessen und die Unterhaltung. Meiner Erfahrung nach brauchte eine Frau nur das rechte Maß an Aufmerksamkeit – dann tat sie alles, was ich von ihr verlangte.

Aber ich war mir noch nicht sicher, was ich eigentlich von Belle Stuart wollte.

»Mich lässt man nicht warten«, klärte ich sie auf. »Sie täten gut daran, sich das zu merken.«

»Selbstverständlich.« Sie senkte den Kopf, aber ich sah, wie ihre Augen blitzten.

Belle Stuart mochte es nicht, gemaßregelt zu werden. Das war bedauerlich, wenn man bedachte, wie gern ich erzieherisch tätig wurde.

Ich deutete auf das schwere Ledersofa. »Kommen Sie. Wir müssen ein paar Unterlagen durchgehen.«

Ohne den Blick von ihr zu lösen, nahm ich den Ordner mit diversen Papieren und Verträgen, die sie mir unterschreiben musste. Sie ließ sich auf die Couch sinken und strich sich beim Hinsetzen den grauen Rock über ihrem Hinterteil glatt. Der Rock saß eng oder war so geändert worden, dass er ihren Hintern wunderbar zur Geltung brachte. Am liebsten hätte ich den Schneider aufgesucht und ihm dafür ein Trinkgeld gegeben. Als ich mich neben sie setzte, schlug sie die Beine übereinander und faltete die Hände in ihrem Schoß.

Widersprüchliche Signale.

Ich ließ die Unterlagen auf den Couchtisch aus Eiche fallen, dann lehnte ich mich zurück und legte einen Arm über die Rückenlehne. Sie erstarrte, dabei berührte ich sie nicht. Nicht annähernd. Trotzdem reagierte sie so, als hätte ich es getan.

Interessant.

»Da Sie mich zu einer Reihe von geschäftlichen Verabredungen begleiten werden, müssen Sie eine Verschwiegenheitserklärung und Ihre Einwilligung zu einem Mediationsverfahren unterzeichnen.«

»Ein Mediationsverfahren?« Sie hob die Brauen.

»Das heißt im Grunde nur, dass Sie mich nicht verklagen, ohne sich zunächst um eine gütliche Einigung zu bemühen.« Es war etwas mehr als der übliche Papierkram bei Neueinstellungen, aber es war alles hieb- und stichfest und schützte mich und meine Geschäfte.

»Ich glaube, ich würde Sie lieber erpressen.« Sie verzog die kirschroten Lippen zu einem Lächeln, und ich begriff, dass sie einen Scherz gemacht hatte.

»Davon würde ich Ihnen abraten«, antwortete ich mit leiser Stimme.

Das Lächeln erstarb. Sie beugte sich vor, um die Verträge durchzusehen, und belohnte mich auf diese Weise mit einem Blick in ihr Dekolleté. Ihre Brüste waren eher klein, ein B-Körbchen vielleicht, aber genug für einen Mundvoll.

Ich zog einen Stift aus meiner Anzugtasche und legte ihn auf den Tisch. Natürlich hätte ich ihn ihr auch gleich geben können, aber so musste sie sich noch einmal vorbeugen.

»Sie erwähnten Abendessen«, bemerkte sie, während sie die Seiten überflog. »Geht es dabei ausschließlich um geschäftliche Termine oder auch ums Vergnügen?« Ihre Wangen röteten sich, und sie verschluckte sich fast. »Ich meine, sind das auch Essensverabredungen mit Ihren Freunden oder nur mit Ihren Mandanten?«

»Es gibt Leute, die zwischen Geschäftlichem und Privatvergnügen eine deutliche Trennlinie ziehen.«

»Und Sie?«, hakte sie sofort nach, hob den Blick und sah mir in die Augen.

»Ich fand es schon immer gut, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.«

Sie unterbrach als Erste unseren Blickkontakt und versuchte, ihre Nervosität dadurch zu kaschieren, dass sie gleich zum nächsten Vertrag weiterblätterte. »Also werden Sie mich regelmäßig in den Abendstunden benötigen?«

»Und an den Wochenenden«, fügte ich hinzu. »Ist das ein Problem für Sie?«

»Eine Frau braucht auch ein Privatleben.« Sie zuckte mit den Schultern, aber ich bemerkte, dass ihre Wangen noch immer leicht gerötet waren.

»Die Position erfordert einen bestimmten Lebensstil. Ich glaube, wenn Sie zur letzten Seite blättern, werden Sie feststellen, dass Ihr Zeitaufwand mit dem Gehalt und den Zusatzleistungen überaus angemessen kompensiert wird.« Ich wartete, während sie im Vertragsentwurf nach meinem Angebot suchte, das ich ganz bewusst am Ende platziert hatte.

Schweigend studierte sie die Seite und ergriff erst das Wort, als sie fertig war. »Das ist zu viel.«

»Die meisten Leute würden jetzt schon unterschreiben und auf den ersten Scheck warten«, bemerkte ich trocken. Das Gehalt, das ich ihr anbot, enthielt eine Botschaft: Ich erwarte Loyalität. Eine sechsstellige Summe, ein eigener Fahrer und ein Spesenkonto – das war der Preis, den ich zu zahlen bereit war.

»Ich bin keine Prostituierte, Mr. Price. Ich lasse mich nicht kaufen. Man zahlt einer Assistentin nicht solche Summen.«

»Vielleicht nicht.« Jetzt war es an mir, mit den Schultern zu zucken. »Sie betonen bereits zum zweiten Mal, dass Sie nicht gewillt sind, im Rahmen Ihres Arbeitsverhältnisses mit mir zu schlafen. Ich versichere Ihnen, Belle, dass ich nicht daran interessiert bin, meine Angestellten zu vögeln. Ich habe es nicht nötig, eine Frau dafür zu bezahlen, die Beine breitzumachen.«

Sie schlug die Augen nieder und senkte den Kopf. Ich beugte mich vor und stützte die Ellenbogen auf die Knie, um ihr ins Gesicht zu schauen.

»Habe ich mich klar ausgedrückt?«

»Ja.« Sie biss die Zähne zusammen und nickte. »Ich möchte es noch deutlicher formulieren. Ich werde nicht die Beine breitmachen, Smith.«

Ich musste unwillkürlich grinsen. Manchen Männern missfiel eine spitze Zunge. Ich ließ mich gern herausfordern.

»Ich wäre enttäuscht, wenn Sie es täten«, erwiderte ich schlicht und zu meiner eigenen Überraschung. »Dann wären wir ja durch mit dem Thema.«

Waren wir ganz und gar nicht. Es ging ihr nicht darum, mich abzuschrecken, vielmehr versuchte sie, sich selbst zu überzeugen. Das war mehr als deutlich zu sehen und gefiel mir ausgesprochen gut. Die Rötung ihrer Wangen hatte sich bis zu ihrem Hals ausgebreitet und leuchtete über ihrem Brustansatz. Sie biss sich auf die Lippe, als würde sie sich, genau wie ich gerade, ausmalen, wie meine Lippen über ihr Schlüsselbein strichen und an ihrem Hals nach oben glitten, bis meine Zähne sich in ihre volle Unterlippe vergruben.

Belle räusperte sich und brachte uns damit wirkungsvoll auf den Boden der Realität zurück. Ich lehnte mich in die Sofaecke und veränderte die Position meines Beines so, dass es gegen ihr Knie stieß. Sie packte die Unterlagen zusammen und atmete hörbar ein, bewegte sich aber nicht. Unsere Beine blieben dicht nebeneinander, lediglich getrennt durch das hauchdünne Gewebe ihrer Strümpfe und den Stoff meiner Anzughose.

Das Problem war, dass Belle Stuart nicht mit mir schlafen wollte. Sie wollte genommen werden und zwar hart. Ihr ganzer Körper schrie danach, aber bis das auch in ihrem Kopf angekommen war, würde ich dieses kleine Vorspiel mit Vergnügen fortsetzen. Außerdem war da auch noch der Umstand, dass sie meine Assistentin war. Sex würde das nur verkomplizieren. Und ich wollte nun wirklich nicht ihretwegen mit der einzigen Regel brechen, die ich mir für den Umgang mit Frauen auferlegt hatte: keine Verbindlichkeiten. Ich bevorzugte schnelle, saubere One-Night-Stands oder eine handverlesene Escort-Lady. Diese Dame hier war jedoch im Begriff, einen Vertrag zu unterzeichnen, der uns aneinander band. Das war fast so schlimm wie eine Heirat. Es war also wirklich besser, wenn ich Distanz wahrte.

Ich stand auf und merkte, dass sich das Zimmer sofort kälter anfühlte. Trotzdem lockerte ich meine Krawatte. Es war unnötig, in ihrer Gegenwart ganz formell zu bleiben. Meine letzte Assistentin hatte mir jeden Morgen den Kaffee ans Bett gebracht. Bei der Vorstellung, mir von der renitenten Miss Stuart das Frühstück servieren zu lassen, musste ich lachen. Sie würde es genießen, dass ich nackt schlief, und ich würde es genießen, ihr dabei zuzusehen, wie sie versuchte, ihre Aufregung zu verbergen.

»Gibt es etwas zu lachen?«, fragte sie und drehte ihren Körper, um mir mit dem Blick zu folgen, als ich das Büro durchquerte.

»Nur ein Scherz, der mir eingefallen ist«, winkte ich ab. »Nichts von Bedeutung.«

»Ich habe eine Schwäche für gute Witze.« Sie stellte mich auf die Probe, legte den Kopf schief und musterte mich.

Ich öffnete die Schreibtischschublade und holte ein kleines weißes Kästchen hervor. »Ich bin mir noch nicht über die Pointe im Klaren.«

»Dann sind Sie wohl leicht zum Lachen zu bringen.«

»Kaum.« Ich kehrte zu ihr zurück und hielt ihr das Kästchen hin. »Es sei denn, das Thema fasziniert mich.«

»Vielleicht finden wir ja ein gemeinsames Thema.« Ihre Hand streifte meine, als sie das Kästchen nahm. Kühl und weich – die samtene Berührung einer Frau.

Mein Schwanz regte sich und ließ mich davon träumen, wie diese zarte Hand sich darum schloss. »Was das betrifft, habe ich ein gutes Gefühl.«

»Und dennoch teilen Sie nicht.« Jedes ihrer Worte war pointiert und enthielt eine unterschwellige Bedeutung, die ich instinktiv verstand. Was sich zwischen uns abspielte, fand auf einer animalischen Ebene statt. Eine nicht zu leugnende Naturgewalt zog uns zueinander hin. Ich musste sie vögeln, bis ich sie ganz ausfüllte. Und sie musste genommen und festgehalten werden – in Besitz genommen.

Stattdessen wartete ich, dass sie den Deckel abnahm und ein Mobiltelefon zum Vorschein kam.

»Ich habe schon ein Telefon«, sagte sie, obwohl sie bereits mit dem Finger über den champagnergoldenen Rahmen strich.

Ich hatte die richtige Wahl getroffen. Auch wenn sie sich spröde gab, war unverkennbar, dass es ihr gefiel. Ich hatte gespürt, dass Belle einen Sinn für charmante Details besaß – für wahren Luxus. Sie war eine Frau mit Geschmack.

»Dies Telefon ist für mich. Ich allein kenne die Nummer, und Sie werden es ständig bei sich tragen.«

»Und was kommt als Nächstes? Wollen Sie mich mit nach Hause nehmen und an die Wand ketten?«, fragte sie tonlos und drückte es mir wieder in die Hand.

Belles schlanker Hals von einem Halsband umschlossen und an die Kette gelegt. Es würde nicht leicht werden, meine Erektion vor ihr zu verbergen, wenn sie mich weiterhin auf solche Ideen brachte. Ich machte einen kleinen Schritt hinter die Couch, was sie zwang, sich umzudrehen. Die abgesteppte Rückenlehne war nicht annähernd hoch genug, um meinen steinharten Schwanz zu verbergen.

Sie hob die Hand, doch ich schüttelte den Kopf. »Darf ich Sie etwas fragen?«

»Gewiss.«

Gott, sie war sogar sexy, wenn sie schmollte.

»Warum wollen Sie den Job eigentlich, wenn Sie mich so abscheulich finden?«

Ihr hübscher kleiner Mund klappte auf und zu. Sie schnappte nach Luft. »Das tue ich nicht … Ich weiß nicht, warum … Ich kenne Sie doch gar nicht.«

»Und trotzdem haben Sie mir schon so einiges unterstellt«, erklärte ich. »Sie unterstellen mir, dass ich mit Ihnen schlafen will. Dass ich Sie für eine Prostituierte halte.«

»Das habe ich nicht gesagt …«

»Doch, das haben Sie.«

»Korrigieren Sie mich, wenn ich mich irre, aber Sie wollen sich eine schöne Frau ans Revers heften.« Sie verschränkte die Arme.

»Es tut gut, einer Frau mit Selbstvertrauen zu begegnen. Als Mann ist man es irgendwann leid, mit hübschen Mädchen zu verkehren, die so tun, als wüssten sie nicht, wie sie aussehen. Ich bestreite nicht, dass Sie hübsch sind, aber ich stelle Sie auch deshalb ein, weil Sie in Oxford studiert und eine gute Erziehung genossen haben. Außerdem traue ich Ihnen zu, meinen anspruchsvollen Terminkalender in den Griff zu bekommen. Oder täusche ich mich da?«, fragte ich und nutzte die Gelegenheit, sie zu provozieren.

»Diese Qualifikationen besitze ich durchaus.« Sie stand auf und schnappte sich das Telefon. »Und noch einige mehr. Aber ich bin nicht darauf aus, ein teures Accessoire zu sein.«

»Ich versichere Ihnen, dass ich sie hart rannehmen werde.« Ich wollte mir diese Andeutung nicht versagen. »Und zwar härter, als Sie es je zuvor erlebt haben.«

»Ich freue mich auf die Herausforderung«, hauchte sie.

Herrgott, hatte sie denn gar keinen Selbsterhaltungstrieb? Die letzte halbe Stunde hatte sie wie Frischfleisch vorm Löwenmaul gehangen, und das Tier geneckt, wann immer es sich ihr näherte. Sie konnte von Glück reden, dass ich sie nicht mit Haut und Haaren verschlungen hatte. Ich konnte mich gerade noch zurückhalten, nicht über sie herzufallen.

»Ein Fahrer wird Sie morgens abholen.« Gern wäre ich noch einen Schritt näher auf sie zu getreten. Ich war neugierig, wie sie reagierte, wenn man sie in die Enge trieb, doch das Sofa bildete eine feste Hürde. Nie zuvor hatte ich so viel Dankbarkeit einem Möbelstück gegenüber empfunden.

»Ich kann genauso gut mit der U-Bahn kommen oder mir ein Taxi nehmen. Ich weiß nicht, ob ein Fahrer nötig ist.«

»Was nötig ist, entscheide ich«, überging ich ihren Einwand. Sie würde schon noch begreifen, dass sie bei mir nicht viel zu melden hatte.

Sie kniff die Augen zusammen, hielt jedoch den Mund. Was für ein Jammer, geöffnet gefiel er mir besser.

»War das alles?«, fragte sie forsch und umrundete die Couch. Sie hängte sich ihre Handtasche über die Schulter und schaute mir durchdringend in die Augen.

»Ja. Lassen Sie Ihr Telefon eingeschaltet.«

Sie warf mir ein gekünsteltes Lächeln zu, dann machte sie auf dem Absatz kehrt und marschierte aus dem Zimmer.

Ich stieß die Luft aus, erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich den Atem angehalten hatte. Dann schlenderte ich wieder zu meinem Schreibtisch. Ich ließ mich auf den Stuhl sinken und starrte auf die Tür, durch die sie gerade verschwunden war. Der Duft ihres Parfüms hing noch in der Luft. Sie einzustellen war ein Fehler gewesen. Das war mir jetzt klar. Dies war kein Spiel, sondern eine Prüfung, bei der ich ganz gewiss versagen würde. Ich hatte mir ihre Akte angeschaut. Ich wusste genau, warum sie zwischen uns eine Mauer errichtete. Das war mir auch stets gelungen. Sie war nicht die erste attraktive Frau, die ich für diesen Posten angeheuert hatte. Jede von ihnen hatte sich mir irgendwann angeboten, und ich hatte sie alle zurückgewiesen.

Was jedoch Belle anging, hegte ich nicht den geringsten Zweifel, dass ich sie innerhalb von fünf Sekunden an die Wand genagelt hätte, wenn sie auch nur mit dem kleinen Finger geschnippt hätte. Es war ausgeschlossen, unser Verhältnis professionell zu halten, wenn ich immerzu darüber nachdachte, wie ich sie knacken konnte. Ich wollte ihre Mauern einreißen, bis das wilde Tier zum Vorschein kam, das sie dahinter eingesperrt hatte. Ich würde mich erst zufriedengeben, wenn sie mir gehörte.

Und genau deshalb durfte es nie so weit kommen.

Ich zog die Schreibtischschublade auf, holte einen Bilderrahmen heraus, wischte mit einen Flanelltuch über das Glas und sah in die Augen, die mich aus dem Foto anschauten. Sie wirkten so wach und lebendig.

»Warum habe ich sie nicht gefeuert?«, fragte ich das Foto, doch niemand antwortete.

Es hatte noch nie jemand geantwortet.

4

Sie stöhnte, als ich ihre Beine auseinanderdrückte; ihre Zähne bissen in ihre volle Unterlippe. Ich hielt mich zurück, machte schön langsam – das hatte sie verdient. Doch als ich in sie eindrang, mich immer tiefer in sie versenkte, beschleunigte sich mein Rhythmus, bis ich schließlich fest zustieß. Mein Gott, sie fühlte sich so fantastisch an. Ich wollte es ihr sagen, aber ich hatte keine Chance, ihre Lustschreie zu übertönen. Endlich war ich da, wo ich hingehörte. Das wusste ich jetzt.

Ich schlang den Arm um ihre Taille und drehte sie um, weil ich diesen göttlichen Körper unbedingt auch von hinten betrachten musste.

Doch dann schreckte ich aus dem Schlaf auf, ich war schweißgebadet und presste das Gesicht ins Laken. Ich war allein. Es war nur ein Traum. Diese Erkenntnis war mir so unwillkommen wie mein leeres Bett. Ich klammerte mich an das Kissen über meinem Kopf, aus Verzweiflung hätte ich es am liebsten zerrissen. Sofort spürte ich das nervöse Prickeln in meinen Handflächen. Ich tastete auf dem Nachttisch nach der Fernbedienung und drückte den Knopf, um die Vorhänge zu öffnen. Helles Licht strömte herein, als die Vorhänge zur Seite glitten. Ein spitzer Federkiel hatte sich durch den Bettbezug gebohrt. Ich zog ihn heraus und betrachtete den gefiederten Flaum einen Moment. Etwas Weiches mit einem kleinen Stachel. Darin lag eine gewisse Poesie. Ich blies die Feder in die Luft. Dann nahm ich mein Handy vom Nachttisch und schrieb eine SMS.

Kaffee. Schwarz. Garrison steht in fünf Minuten vor Ihrer Wohnung und holt Sie ab.

Wir hatten gestern wichtige Dinge noch nicht besprochen. Beispielsweise meinen Morgenkaffee oder wann ich sie jeden Morgen in meinem Haus erwartete. Mein Wunsch, sie flachzulegen, hatte mich zu sehr abgelenkt. Jetzt hatte ich keinen Kaffee und wollte sie immer noch vögeln. Stöhnend rollte ich mich auf den Rücken und befreite die stahlharte Erektion, mit der ich aufgewacht war. Vielleicht war es doch besser, dass sie mich heute Morgen nicht geweckt hatte. Andererseits war es aber auch eine Sünde, das gute Stück nicht zu nutzen.

Haben Sie eine Ahnung, wie spät es ist?

Zeit für Kaffee.

Während ich antwortete, streichelte ich mit der freien Hand über meinen Ständer. So schnell würde ich den nicht mehr loswerden. Bei einer Morgenlatte konnte nur eine warme Muschi Abhilfe schaffen. Obwohl ich mir vorstellen konnte, dass ihr fester Hintern genauso gut zu gebrauchen war.

Sagen Sie diesem Garrison, dass ich in zwanzig Minuten fertig bin.

Sie haben fünf Minuten.

Legen Sie sich noch mal hin, und stehen Sie dann mit dem richtigen Bein zuerst auf.

Ich merkte ihren Nachrichten deutlich an, wie genervt sie war. Sie hatte definitiv den falschen Stock im Arsch. Da wüsste ich etwas Besseres. Mein Schwanz prickelte zustimmend.

Los. Aufstehen und an die Arbeit.

In der nächsten halben Stunde müssen Sie sich noch allein beschäftigen.

Kurz überlegte ich, ihr einen Schnappschuss von dem Schaft in meiner Hand zu schicken, um ihr zu zeigen, womit genau ich in den kommenden dreißig Minuten beschäftigt sein würde. Vielleicht brachte sie das schneller hierher. Andererseits würde sie sich dann höchstwahrscheinlich gar nicht mehr blicken lassen. Ich hatte sie noch nicht durchschaut. Dieses Problem hatte ich selten bei einem Menschen, insbesondere, wenn es sich bei dem Menschen um eine Frau handelte. Das machte mich zu einem guten Anwalt. Ich wusste, dass sie mit mir vögeln wollte. Das stand groß und breit auf ihrer Stirn. Ich hatte Erkundigungen über sie eingezogen, und angesichts dessen, was ich dabei erfahren hatte, konnte ich verstehen, dass sie gerade eine Anti-Männer-Phase durchlebte. Ich mochte nicht der Mann sein, der sie heilen würde, aber das bedeutete nicht, dass ich ihr nicht helfen würde, wieder auf die Beine zu kommen.

Ich rief mich zur Ordnung. Mit derlei Gedanken lud ich mir nur Probleme auf. Denn eigentlich brauchte ich gar keinen Gedanken an sie zu verschwenden. Sie war meine Assistentin, und Assistentinnen hatte ich noch nie gevögelt.

Hätte ich doch nur beim Vorstellungsgespräch nicht gemerkt, wie empfänglich ihr Körper war. Schon stellte ich mir vor, ihn zu unterwerfen – ihn zu kontrollieren. Belle Stuart würde mehr als eine flüchtige Affäre sein, wenn ich die Dinge mit ihr anstellte, nach denen ich mich sehnte.

Genau deshalb sollte ich jetzt eine kalte Dusche nehmen.