Die Schönheitskur - Sybille Kolar - E-Book

Die Schönheitskur E-Book

Sybille Kolar

0,0
2,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Ostseeküste. 1983. In einem Hotelzimmer erwartet Viktoria Claasen voller Ungeduld den Mann, den sie heimlich liebt. Nur ein einziges Mal im Jahr, am dritten Wochenende im November, treffen sie sich im feudalen Grandhotel Travemünde und verbringen köstliche Tage miteinander – seit mehr als zwei Jahrzehnten. Ihren Ehemann, einen Reeder aus Hamburg, lässt sie in dem Glauben, sie unterziehe sich während dieser Zeit einer Schönheitskur. In gewisser Weise entspricht das sogar der Wahrheit, was ihr blühendes Aussehen noch nach jeder Reise bestätigt hat. Doch dieses Jahr scheint Adrian die Verabredung nicht einzuhalten.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Die Schönheitskur

Sybille Kolar

Die Schönheitskur

Novelle

Copyright © 2024 Sybille Kolar

c/o Internet-Buchverlag

Hünefeldzeile 18

12247 Berlin

Lektorat/Korrektorat: Sophie Gruber

Umschlaggestaltung: Sophie Euphorie

Sämtliche Rechte sind vorbehalten, insbesondere das Recht der mechanischen, elektronischen und fotografischen Vervielfältigung, der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, des Nachdrucks in Zeitungen und Zeitschriften, des öffentlichen Vortrags, der Verfilmung und Dramatisierung, der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen oder Video, auch einzelner Text- und Bildteile sowie der Übersetzung in andere Sprachen. Die Handlungen und Personen dieses Romans sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Zur Novelle:

Ostseeküste. 1983.

In einem Hotelzimmer erwartet Viktoria Claasen voller Ungeduld den Mann, den sie heimlich liebt. Nur ein einziges Mal im Jahr, am dritten Wochenende im November, treffen sie sich im feudalen Grandhotel Travemünde und verbringen köstliche Tage miteinander – seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Ihren Ehemann, einen Reeder aus Hamburg, lässt sie in dem Glauben, sie unterziehe sich während dieser Zeit einer Schönheitskur. In gewisser Weise entspricht das sogar der Wahrheit, was ihr blühendes Aussehen noch nach jeder Reise bestätigt hat.

Doch dieses Jahr scheint Adrian die Verabredung nicht einzuhalten.

Aktuelles über mich und meine Arbeit finden Sie hier:

sybille-kolar.com

Facebook

Twitter

Instagram

Für Sophie

Der Ausblick zog mich fünf Stockwerke in die Tiefe. Ein Meisterwerk – Grau in Grau – hielt mich auch dieses Jahr in seinem Bann: DasGemälde Gottes, wie ich es seit unserer ersten Begegnung nannte. Die sturmgepeitschte Ostsee tobte unter bedrohlich aufgetürmten Wolkenbergen. Im November zeigte sie sich stets von ihrer wilden, unnahbaren Seite. Kaum zu glauben, dass sie im Sommer eher wie ein See anmutete und mich langweilte mit ihrem von Algen und Quallen gesäumten Ufer.

Mit dunkelrot lackierten Nägeln trommelten meine Finger auf die Armlehnen des Sessels, den ich mir dicht an die Fensterfront gerückt hatte, um die Aussicht zu genießen.

Der seidige Ärmel meines Negligés war zurückgerutscht und gab den Blick auf meine Armbanduhr frei. Schon wieder konnte ich nicht anders, als die Zeit abzulesen: Es war kurz nach halb sieben.

Adrian verspätete sich. Schon zweiunddreißig Minuten.

Wie hektisch prasselte der Regen an die Fensterfront, als wäre auch seine Geduld längst überstrapaziert.

Ich seufzte. Ein ganzes Jahr glühenden Verlangens wäre zu Ende ertragen, wenn er nur endlich an diese verdammte Tür klopfte. Ich fröstelte und verließ meinen bequemen Sitzplatz.

Wie eine Tigerin im Käfig bewegte ich mich durch das Zimmer. Doch es war nicht mein romantisches Begehren allein, das mich umtrieb. Die Wahrheit war, dass ich nach all den Monaten kaum noch damit vertraut war, wie es sich anfühlte, seine Nähe zu spüren. Erst in dem Moment, wenn wir uns in die Arme schlossen, änderte sich dieser Zustand der Ungewissheit und wich erlöster Glückseligkeit. Dann wusste ich wieder genau, warum ich mich auf all das eingelassen hatte. Jahr für Jahr das gleiche Spiel.

Wo bleibst du nur?

Meine ruhelosen Augen streiften das Telefon auf dem gläsernen Wohnzimmertisch. Ich könnte beim Empfang anrufen und …

Unsinn!

Schließlich hatte er es vor sieben Jahren schon einmal nicht pünktlich geschafft, weil durch den orkanartigen Herbststurm ein Baum auf die Gleise gestürzt war. Erst gegen einundzwanzig Uhr waren wir uns in die Arme gefallen und hatten ein unvergessliches Wochenende miteinander verbracht.

Auf ein paar Minuten kommt es jetzt auch nicht mehr an, tröstete mich die Vernunft. Außerdem war seine Anreise von Hannover aus viel länger als meine kurze Fahrt von Hamburg mit dem Regionalzug.

Ich öffnete eine Tür, die mit maisgelbem Satin überzogen war, genauso wie die Sitzmöbel und die Wände des Zimmers. Im Badezimmer war es wesentlich wärmer. Ich warf einen prüfenden Blick in den überdimensionierten Spiegel über den Waschtischen, hatte aber nichts an mir auszusetzen. Das wäre auch ein Wunder gewesen, hatte ich doch seit meiner Ankunft mein Make-up gefühlte hundert Male kontrolliert – im Wechsel mit der Uhrzeit.

War da nicht ein Geräusch an der Tür? Ich lauschte.

Nein. Da hatte mir wohl meine Sehnsucht einen Streich gespielt.

An der Garderobe neben der Eingangstür durchsuchte ich meine Tasche nach einer Reiselektüre und fand einen Liebesroman. Vom Sideboard daneben lockte wie jedes Jahr der Korb mit den Gastgeschenken und versprach, uns zu einem höchst angenehmen Aufenthalt in diesem noblen Haus zu verhelfen. Ich griff mir das kleinere Paar Hotel-Pantoffeln aus weißem Frotteestoff, das mit einem goldenen Emblem bestickt war, und schlüpfte mit kalten nackten Füßen hinein. Sie waren zu weit und zu groß, aber besser als nichts.

Auf dem Sofa hüllte ich mich in die behagliche Wolldecke, die dort bereitlag. Ich klappte mein Buch auf und las. Bis ich merkte, dass ich mich nicht konzentrieren konnte. Dann klappte ich es wieder zu und ließ es gedankenverloren auf den Couchtisch fallen. Ein weiterer Blick auf meine Armbanduhr verriet mir, dass es bereits neunzehn Uhr war.

Hast du mich etwa vergessen?

Ich angelte mir das Telefon und wählte.

„Grandhotel Travemünde, Rezeption“, sagte der Portier, der Adrian und mich schon seit vielen Jahren empfing.

„Viktoria Claasen hier, Zimmer fünfhunderteins. Ich wollte nur fragen, ob …“

In diesem Moment klopfte es an der Tür und diesmal war es keine Einbildung.

---ENDE DER LESEPROBE---