12,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 3,99 €
Im Podcast Hotel Matze verraten Schauspieler*innen, Künstler*innen und andere Kreative Gastgeber Matze Hielscher, wie sie ihr Leben meistern. Es waren bereits zahlreiche Prominente bei ihm zu Gast, und von jeder und jedem hat er etwas über das Leben gelernt: Von Nora Tschirner, wie wichtig Auszeiten sind, von Frank Elstner, wie man Ideen loslässt, von Illustrator Christoph Niemann, wie er gelernt hat, auf Knopfdruck kreativ zu sein, und von Anne Will, wie sie Karriere gemacht hat. In diesem Buch hat Matze Hielscher »das Beste der Besten« versammelt: Es vereint die klügsten Lebensrezepte von einigen der interessantesten Köpfe der Nation und liefert so inspirierende Impulse für die eigene Lebensführung.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2020
Mehr über unsere Autoren und Bücher:www.piper.deFür die Familie© Piper Verlag GmbH, München 2020Covergestaltung: Pablo LütkenhausSämtliche Inhalte dieses E-Books sind urheberrechtlich geschützt. Der Käufer erwirbt lediglich eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf eigenen Endgeräten. Urheberrechtsverstöße schaden den Autoren und ihren Werken. Die Weiterverbreitung, Vervielfältigung oder öffentliche Wiedergabe ist ausdrücklich untersagt und kann zivil- und/oder strafrechtliche Folgen haben.In diesem E-Book befinden sich Verlinkungen zu Webseiten Dritter. Wir weisen darauf hin, dass sich der Piper Verlag nicht die Inhalte Dritter zu eigen macht.
Cover & Impressum
WILLKOMMEN IN DER SCHULE MEINES LEBENS
WEGWEISER
DORIS DÖRRIE ÜBER DEN MUT, DIE EIGENE GESCHICHTE ZU ERZÄHLEN
JEDE BIOGRAFIE IST ERZÄHLENSWERT
JUST DO IT!
ZWEI GRUNDREGELN FÜR DAS SCHREIBEN
ETWAS HERSTELLEN STATT ZU KONSUMIEREN
SCHREIBEN, WÄHREND DIE NUDELN KOCHEN
SCHREIB ÜBER EINEN LEHRER
FAUL SEIN IST AUCH WICHTIG
EINE ACHTSAMKEITSÜBUNG: WIE MAN EINEN WALD FEGT
WOLFGANG JOOP ÜBER DIE HERAUSFORDERUNGEN EINES KREATIVEN LEBENS
ETWAS MACHEN, WAS ES NICHT GIBT
WIE ENTWIRFT MAN DIE ZUKUNFT?
DER HOCHSTAPLER
KUNST UND KOMMERZ
ÜBER ILLUSIONEN
WAS BEDEUTET ES, EIN KREATIVES LEBEN ZU FÜHREN?
DIE LEERE STELLE IN DEINER SEELE IST EIN GESCHENK
WAS IST DEINE LEBENSAUFGABE?
KEINE AUSREDEN
WIE WÜNSCHT MAN SICH ETWAS?
ANNE WILL ÜBER DAS ANERKENNEN DES EIGENEN ERFOLGS
WIE GEHT MAN MIT PANNEN UM?
MEHR SELBSTBEWUSSTSEIN BEI DER EIGENEN KARRIERE!
DAS KARRIEREZIEL
NACH GLÜCK KOMMT KÖNNEN
WAS, WENN MAN ZU VIEL MACHT?
JÜRGEN VOGEL ÜBER DEN SELBSTKRITISCHEN BLICK
WIE SIEHST DU DICH SELBST?
VON WEM NIMMST DU KRITIK AN?
WARUM SOLLTE MAN SICH IM ALTER IMMER MEHR INFRAGE STELLEN?
WARUM SOLLTE MAN SICH BEI SEINEN KINDERN ENTSCHULDIGEN?
VON UNGEFRAGTEN RATSCHLÄGEN
DIE ROLLE DER EIGENEN ELTERN
JEDER MENSCH SOLLTE KREATIV SEIN
HAZEL BRUGGER ÜBER GELASSENHEIT UND DEN VORTEIL DAVON, ABGESTEMPELT ZU WERDEN
ÜBERALL GUT AUFGESTELLT
GANZ VIEL IST GAR NICHT NÖTIG
WOVON TRÄUMST DU?
WARUM HAT ES VORTEILE, ABGESTEMPELT ZU WERDEN?
EIN TERMIN FÜRS NICHTSTUN
KLAAS HEUFER-UMLAUF ÜBER DIE RICHTIGEN FRAGEN UND DIE RICHTIGE HALTUNG
WARUM MACHST DU DAS, WAS DU MACHST?
MAN KANN NUR BEURTEILEN, WAS MAN KENNT
EINE ZIELFÜHRENDE KÜNDIGUNG
DIE EXISTENZANGST BLEIBT
DIE KRAFT EINER SEHR EINFACHEN FRAGE
FRANK ELSTNER ÜBER NOCH MEHR FRAGEN UND DAS LOSLASSEN VON IDEEN
WIE MAN DAS FANTASIE-POTENZIAL ANZAPFT
WAS BRAUCHT MAN, UM KREATIV ZU SEIN?
DIE ERFINDUNG VON WETTEN, DASS..?
DER WEG ZUM ERFOLG
WIE FÜHRT MAN EIN INTERVIEW?
WIE MAN MIT DEN EIGENEN IDEEN UMGEHT
KATRIN BAUERFEIND ÜBER DIE FREUDE DER VIELEN MÖGLICHKEITEN UND DAS ENDE DER MECKEREI
MACH EINFACH ALLES
DENK ERST MAL POSITIV
TRAU AUCH DEN GUTEN TAGEN
DEIN LEBEN IST NICHT SO STRESSIG, WIE DU TUST
ATZE SCHRÖDER ÜBER DIE KUNST, SICH NICHT SO WICHTIG ZU NEHMEN
NIMM ES NICHT PERSÖNLICH
DIE LEINE DES SCHICKSALS
KÜNSTLER VS. DIENSTLEISTER
DAS PUBLIKUM NICHT BELÄSTIGEN
WAS ÜBERSIEHT MAN?
VON NIETZSCHE LERNEN
WAS MÖCHTEST DU GEWESEN SEIN?
FYNN KLIEMANN ÜBER DEN RAUSCH DES MACHENS
DENK NICHTS KAPUTT
WIE FINANZIERT MAN FREIGEISTER?
NICHTS GLAUBEN, ALLES SELBST PROBIEREN
NICHT BESSER ALS DIE ANDEREN
DIE ANGST VOR EINEM BURN-OUT
ARBEITSWEISEN
HOFPAUSE WIE ICH ETWAS NEUES ANFANGE
CHRISTOPH NIEMANN ÜBER KREATIVITÄT AUF KNOPFDRUCK
WIE GIBT MAN GUTES FEEDBACK?
WIE KOMMT MAN AN JOBS?
SEI DEIN EIGENER LESER
KREATIVITÄT AUF KOMMANDO
KONTROLLIERTES RELAXEN
WAS MACHST DU, WENN DU NICHT SCHLAFEN KANNST?
BOSSE ÜBER FREIHEIT DURCH STRUKTUR
GLÜCK UND ARBEIT
NIEMAND WEISS, WIE ES GEHT
FREIHEIT DURCH STRUKTUR
WIE FÜHLT SICH ZUFRIEDENHEIT AN?
KIM FRANK ÜBER DEN STOLZ AUF DIE EIGENE ARBEIT
EMOTIONEN STATT PERFEKTION
FÜR WEN MACHST DU DAS?
WANN BIST DU FERTIG?
WANN IST ES ZEIT AUFZUGEBEN?
MADELEINE »DARIADARIA« ALIZADEH ÜBER DIE HERAUSFORDERUNGEN DER SELBSTSTÄNDIGKEIT
WAS IST DER SCHWIERIGSTE TEIL DER SELBSTSTÄNDIGKEIT?
DIE IDENTIFIKATION ÜBER ARBEIT
WIE SCHAFFST DU ES, DINGE ABZUGEBEN?
WIE TRIFFST DU DEINE ENTSCHEIDUNGEN?
WANN SAGST DU NEIN?
WAS TUN, WENN ALLES ZU VIEL WIRD?
BEWUSSTSEIN
GIOVANNI DI LORENZO ÜBER PFLICHTBEWUSSTSEIN UND FÜHRUNG
WIE SIEHT DIE ERSTE STUNDE IHRES TAGES AUS?
WIE BEHALTEN SIE DEN ÜBERBLICK?
MENTORING
WAS BEDEUTET GUTE FÜHRUNG?
KONSTRUKTIVE KRITIK
WAS WÜRDEN SIE IHREM 30-JÄHRIGEN ICH SAGEN?
ZU HOHE ERWARTUNGEN
WAS WÄRMT SIE?
TIM MÄLZER ÜBER DEN SINN DES LEBENS UND DAS VERTRAUEN INS EIGENE BAUCHGEFÜHL
KEIN KONZEPT IST AUCH EIN KONZEPT
ERST CHARAKTER, DANN KOMPETENZ
LASS DICH NICHT VON FEHLERN IRRITIEREN
DER EINSTELLUNGSTEST
BESCHÜTZE DEIN BAUCHGEFÜHL
MUSST DU DICH ÖFTER ENTSCHULDIGEN?
EINE REISE ZUM SINN DES LEBENS
PAUL RIPKE ÜBER PROBLEMLÖSUNGEN UND PIONIERARBEIT
MACH ALLES AUF EINMAL
DU BIST NICHT DIE HAUPTSACHE
WIE LÖST DU EIN PROBLEM?
ARBEITEN MIT FREUNDEN
WAS STEHT AUF DEINEM WUNSCHZETTEL?
WAS MACHT DICH ZUM PIONIER?
HOFPAUSE WIE MONATLICHE CHALLENGES MEIN LEBEN VERBESSERT HABEN
DER 5-AM-CLUB
DAS BESTE DES TAGES
DIE NEIN-CHALLENGE
JEDEN TAG EINE SUPERNETTE TAT
DER LETZTE TAG
TIM RAUE ÜBER HERKUNFT, DISTANZ UND DIE EIGENE DEMUT
DU BIST, WOHER DU KOMMST
DER GRÖSSTE ERFOLG
WAS HABEN DIE AUSZEICHNUNGEN GEBRACHT?
WARUM IST DISTANZ WICHTIG?
VOM TEUFEL ZUM MENTOR
ICH MÖCHTE EIN EICHHÖRNCHEN SEIN
CLUESO ÜBER POSITIVE ENERGIE UND AUSDAUER
GLÜCKLICH MIT DER TRAURIGKEIT
HART AM SUCHEN
DU MUSST NICHT DAHIN, WO ES WEHTUT
DER TEILCHENBESCHLEUNIGER
DER RICHTIGE RAUM
IN DER KRISE
UND WIEDER RAUS AUS DER KRISE
CHRISTIAN ULMEN ÜBER OBJEKTIVITÄT UND DIE FRECHHEIT DER ENDLICHKEIT
DIE FREUDE AM ZUFALL
WIE KREIERST DU EINE GUTE ARBEITSATMOSPHÄRE?
DER RAUSCH DER UNBEGRENZTEN MÖGLICHKEITEN
WIE SCHAFFST DU ES, OBJEKTIV ZU BLEIBEN?
FREU DICH NICHT ÜBER GUTE KRITIKEN
MEHR OFFENHEIT WAGEN
DER TOD IST EINE UNVERSCHÄMTHEIT
SABINE RÜCKERT ÜBER SELBSTÜBERWINDUNG UND DIE SCHÖNHEIT DES ALTERS
EINE STACHELIGE JUGEND
SELBSTSICHERHEIT DURCH ARBEIT
WIE FÜHRT MAN DIE ZEIT?
SELBSTÜBERWINDUNG BEI HARTEN FÄLLEN
IHRE LIEBSTE BIBELSTELLE
WARUM SIND SIE AUF DIE WELT GEKOMMEN?
EINE GROSSE LÜGE, DIE MAN FRAUEN ERZÄHLT
LEBENSWEISEN
HOFPAUSE MEINE LIEBSTEN FRAGEN
1. WAS SOLL MIR DIESE ERFAHRUNG BEIBRINGEN?
2. WIE WÜRDE ES AUSSEHEN, WENN ES EINFACH WÄRE?
3. IST DAS DIE WAHRHEIT?
4. WAS BRAUCHE ICH?
5. WARUM MACHST DU, WAS DU MACHST?
6. WAS LERNST DU GERADE, WAS DU NOCH NICHT SO GUT KANNST?
7. WAS DENKEN ANDERE ÜBER DICH, WAS VIELLEICHT GAR NICHT STIMMT?
8. KANNST DU MIR EIN BEISPIEL NENNEN?
9. WAS SCHREIBST DU AUF EIN WEISSES BLATT PAPIER?
10. WER ODER WAS MÖCHTEST DU GEWESEN SEIN?
11. WELCHEN SATZ ODER WELCHES WORT WÜRDEST DU FÜR ALLE SICHTBAR AUF EINE GROSSE PLAKATWAND AM ALEXANDERPLATZ SCHREIBEN?
NORA TSCHIRNER ÜBER AUSZEITEN, THERAPIEN UND DEN DORFÄLTESTENRAT
DIE KÜCHENSTUHL-TAKTIK
WIE SCHÜTZT MAN SICH VOR SICH SELBST?
ZU VIEL DES GUTEN
WAS PASSIERT, WENN MAN EIN HALBES JAHR PAUSE MACHEN MUSS?
WEN RETTEST DU ZUERST?
ZUFRIEDENHEIT KANN MAN LERNEN
DAS PRINZIP VOM DORFÄLTESTENRAT
SARAH KUTTNER ÜBER DAS ENTSPANNTWERDEN
ENTSPANNTER DURCH THERAPIE
WARUM SICH THERAPIEN LOHNEN
NÄCHSTENLIEBE
ES IST OKAY, KEINE AHNUNG ZU HABEN
LARS EIDINGER ÜBER ERFOLG UND DIE SUCHT NACH DEM LEBEN
WONACH SUCHST DU IN DER NACHT?
ES IST MEIN ERSTES LEBEN
ES GIBT MEHR VERLIERER ALS GEWINNER
MAN MUSS NICHT AUF DEN GIPFEL STÜRMEN
DIE OFFENBARUNG DER EIGENEN VERLETZBARKEIT
IN UNSERER AUFLÖSUNG LIEGT DIE TOTALE SCHÖNHEIT
TITUS DITTMANN ÜBER DAS BEZWINGEN VON ÄNGSTEN
WARUM UND WIE BESCHÄFTIGST DU DICH MIT DEINER ANGST?
WAS HILFT BEI LAMPENFIEBER?
EXTREME SELBSTBESCHÄFTIGUNG IST EFFIZIENT
WIE SCHAFFT MAN ES, SO VIEL ZU MACHEN?
HAST DU WIRKLICH ALLES ZU VERLIEREN?
SIBYLLE BERG ÜBER DAS RETTEN DER WELT IM RAHMEN DER EIGENEN MÖGLICHKEITEN
GEGEN DIE EIGENE BESCHRÄNKTHEIT
WER BIN ICH?
DU BIST DER WELT EGAL, ABER DAS IST NICHT SCHLIMM
WIE HÄLTST DU HOFFNUNGSLOSIGKEIT AUS?
DAS ERKENNEN DER EIGENEN MITTELMÄSSIGKEIT
THE SCHOOL OF BERG
DUNJA HAYALI ÜBER ENGAGEMENT UND DIE EIGENEN VORURTEILE
JEDER WURDE SCHON DISKRIMINIERT
WIE KANN MAN DIE GESELLSCHAFT VERÄNDERN?
FÜR WAS GEHST DU AUF DIE STRASSE?
WOHIN MIT DEN EIGENEN VORURTEILEN?
EIN RATSCHLAG FÜR DIE EWIGKEIT
KÜBRA GÜMÜŞAY ÜBER DEMUT UND STÄNDIGE WEITERENTWICKLUNG
DIE MAGIE DES ERZÄHLENS
WIE MAN SEIN KIND VERANTWORTUNGSVOLL ERZIEHT
LEG DEINE HAND UNTER JEDEN STEIN
WIE MAN DEM EIGENEN FRUST MIT DEMUT BEGEGNEN KANN
DIE FREUDE ÜBER DIE EIGENE UNWISSENHEIT
UNSERE ZUKUNFT
WIE SCHAFFST DU ES, BEI DIR ZU BLEIBEN?
DIE ROLLE DES GLAUBENS
CARL JAKOB HAUPT ÜBER DIE KUNST, EIN GLÜCKLICHES LEBEN ZU FÜHREN
BIST DU ERFOLGREICH?
ALLES AUF EINE KARTE
BLOSS KEINE VERANTWORTUNG
WEM FÜHLST DU DICH VERPFLICHTET?
ES IST NUR GELD
WAS MÖCHTEST DU GEWESEN SEIN?
WAS LERNST DU GERADE, WAS DU NOCH NICHT SO GUT KANNST?
FREEDOM
FRÜHAUFSTEHER DER MENSCHHEIT
BENJAMIN VON STUCKRAD-BARRE ÜBER DAS SCHREIBEN, FREUNDSCHAFTEN UND DEN ZWEIFEL
WIE SCHREIBST DU?
FESTE ABLÄUFE
DER WORTSAMMLER
DIE RELATIVIERUNG DER ROUTINE
DIE ZWEIFEL NACH DEM ZWEIFEL
WERKEN UND MENSCHEN FOLGEN
DAS VERGLEICHEN MIT ANDEREN
VON DER GROSSZÜGIGKEIT IN FREUNDSCHAFTEN
ÜBER DAS ENDE VON FREUNDSCHAFTEN
ZUM SCHLUSS
DANKE
Ich war schlecht in der Schule. Gerade so habe ich die Mittlere Reife geschafft und mich dann in eine Ausbildung zum Lampenverkäufer gerettet. Lange habe ich angenommen, dass es mir besonders schwerfällt, Dinge zu lernen. Ich habe außerdem gedacht, dass ich ganz einfach zu faul bin. Stundenlang saß ich in meinem Zimmer und habe so getan, als würde ich lernen. Meine Eltern haben sich immer gewundert, wie jemand, der so viel am Schreibtisch sitzt, so schlechte Noten schreiben kann. Sie wussten nicht, dass ich heimlich Stephen-King-Bücher gelesen oder Briefe an meine Lieblingsbands geschrieben – und manchmal sogar eine Antwort bekommen habe. Ich habe lieber das Schulradio moderiert und mit Freunden eine Schülerzeitung herausgebracht. Allerdings nicht für die Schule, auf die ich ging, sondern für das Gymnasium im Nachbarort. Pennetrant hieß das Meisterwerk. Bis heute ist mir unerklärlich, warum wir Autoren uns Pseudonyme gegeben und zugleich ein Foto von uns auf dem Cover platziert haben …
Aus dieser Schülerzeitung wurde ein Fanmagazin. Für dieses Fanzine haben wir unsere Lieblingsbands interviewt und uns irgendwann auch selbst Instrumente umgehängt. Unsere Band hieß Virginia Jetzt!.
In den ersten Jahren haben wir alles selbst gemacht: Konzerte buchen, Radios kontaktieren, Platten pressen, die GEMA-Anmeldung, Rechnungen schreiben, durch das Land touren. Das Wissen darüber hatten wir aus unseren Interviews mit unseren Vorbildern. Denn wir haben immer auch danach gefragt, wie sie Dinge angehen und wie das Musikbusiness generell funktioniert. Virginia Jetzt! wurde einigermaßen erfolgreich. Wir hatten einen Plattenvertrag, spielten auf großen Festivals, liefen im Fernsehen und im Radio, gaben Autogramme und konnten gut davon leben. Nach elf Jahren hat sich die Band aufgelöst und ich habe mit meinem Freund Pierre das digitale Stadtmagazin Mit Vergnügen gegründet, das heute ein modernes Medienhaus mit vier lokalen Redaktionen ist.
Weder Pierre noch ich haben zuvor in einer anderen Redaktion gearbeitet. Wir haben nicht studiert und, zugegeben, auch eine ziemlich miserable Rechtschreibkenntnis. Doch wir haben wieder Leute befragt, wir haben gelesen, wir haben observiert. Wir wollten ganz einfach wissen, wie das Medienmachen funktioniert. Ich glaube, wir haben es mittlerweile ganz gut verstanden.
Erst mit den Erfolgen von Mit Vergnügen konnte ich meine Annahme begraben, dass ich nicht lernen kann und zu faul dafür bin. Ich habe erkannt, dass ich etwas, wofür ich mich wirklich interessiere, am besten ergründe, indem ich es ausprobiere und von denen lerne, die es schon richtig gut machen.
2014 habe ich Podcasts als mein passives Lernprogramm entdeckt. Als leidenschaftlicher Läufer hingen mir meine Musik-Playlists zu den Ohren raus. Mein Freund David hat mir Podcasts als Alternative empfohlen, und ich bin sofort süchtig geworden. Ich habe mich durch Gründergeschichten gehört, habe gelernt, wie man seine Zeit besser einteilt, wie man ein Unternehmen führt, wie man eine Geschichte hörbar macht, wie man seine Beziehungen stärkt und vor allem, wie man Fragen stellt. Ich habe unendlich viele Joggingrunden mit Tim Ferriss, James Altucher, Dax Shepard und Joe Rogan gedreht und dabei viel von ihnen gelernt.
Ähnlich wie zu Schulzeiten musste ich diese Podcast-Sache irgendwann natürlich auch selbst ausprobieren. So habe ich 2016 meinen Podcast Hotel Matze gestartet. Die Idee war, das, was ich aus amerikanischen Podcasts kannte – lange, tiefgründige Gespräche –, hierzulande zu machen. Vor dem ersten Treffen habe ich im Internet nach Fotos von Podcast-Aufnahmen gesucht, um zu sehen, welches Equipment meine Helden nutzen, und habe es nachgekauft. Ich habe Fragetechniken studiert, ein Stimmtraining gemacht, habe entfernte Bekannte für erste Tests interviewt und mich immer weiter durchgefragt.
In den letzten drei Jahren habe ich um die hundert Gespräche geführt. Immer mit der Intention, die Weltsicht meines Gegenübers zu verstehen und von ihm oder ihr zu lernen. Ich habe mit Ministern, Sängerinnen, Moderatoren, Unternehmerinnen, Fotografen, Autorinnen, Sommeliers, Influencerinnen und Spitzenköchen gesprochen.
Diese Stunden im Hotel Matze gehören, neben denen mit meiner Familie, zu den anregendsten der letzten Jahre. Manchmal bin ich nach einer Begegnung im Hotel noch tagelang aufgekratzt. In den besten Fällen vergessen mein Gast und ich während der Gespräche völlig die Zeit. Mit Benjamin von Stuckrad-Barre wollte ich zum Beispiel anderthalb Stunden sprechen. Als ich die Stopptaste des Zoom-Rekorders gedrückt habe, waren vier Stunden vergangen. Wir hatten wahrhaft die Zeit vergessen. Ein herrlicher Zustand. Danach schrieb ich einem Freund, dass ich mit »Stuckiman« quasi meinen Bachelorabschluss gemacht hätte. Und Anne Will war gefühlt mein Abitur. Man könnte sagen, dass Hotel Matze die Schule ist, die ich nicht hatte, aber gebraucht habe. Hotel Matze ist meine kleine Schule des Lebens.
Die amerikanische Sozialwissenschaftlerin Brené Brown sagt: »Was wir wissen, ist wichtig, doch wer wir sind, ist wesentlich wichtiger.« Darüber habe ich im Hotel Matze viel gelernt, denn durch die Begegnungen habe ich nicht nur etwas über das Leben anderer erfahren, sondern konnte auch mich selbst besser verstehen. Denn im Gegenüber findet man immer auch sich selbst wieder.
Ende 2018 habe ich mit meiner Frau und meinem Sohn eine Auszeit in Kalifornien genommen. Eines Morgens bin ich los, um am Strand von Oceanside eine Runde laufen zu gehen. Statt den neuesten Podcast zu hören, habe ich eine alte Hotel Matze-Folge gestartet. Ich lief Richtung Pier, als mir Tim Raue erklärte, warum er sich siezen lässt. Immer wieder musste ich anhalten, um mir auf dem Handy eine Notiz zu machen. Obwohl ich das Gespräch ja selbst vorbereitet, geführt und veröffentlicht habe, hatte ich viel von dem, was mir Tim Raue erzählt hat, vergessen. Die nächsten Tage verbrachte ich mit weiteren alten Folgen und vielen kostbaren wiederentdeckten Weisheiten. Aber dieses Mal schrieb ich mit.
Mit dem Blick auf meine vielen neuen Notizen – und auf meine Vorbilder Tim Ferriss und Howard Stern – wusste ich, dass ich aus meinem Podcast ein Buch machen muss. Also habe ich mich jeden Morgen in die Küche unseres Airbnbs gesetzt und angefangen, die ersten Lektionen in ein Google Doc einzutragen. Ein Jahr später habe ich im nicht ganz so sonnigen Brandenburg weitergeschrieben. Das Ergebnis dieser Arbeit hältst du nun in Händen.
Die Schule meines Lebens ist eine Mischung aus Interviewbuch und Inspirationsgeber. Ich möchte ergründen, wie man ein kreatives Leben führt, deshalb sind die meisten der hier zitierten Gäste auch Kreative im weitesten Sinne. Für mich bedeutet ein kreatives Leben jedoch nicht, jeden Tag an einer Staffelei zu stehen. Es bedeutet vielmehr, dass man die Schätze, die man in sich trägt, zum Ausdruck bringt und selbstbestimmt durchs Leben geht. Wie man das macht, wie man mit den Ängsten und Hoffnungen umgeht, die damit verbunden sind, worauf man achten und was man lieber lassen sollte, was hilft und was überhaupt nicht, das habe ich von meinen Gästen gelernt – und hier gesammelt.
Mein Anspruch ist es, im Podcast zeitlose Gespräche zu führen und meinen Gästen maximalen Raum zu geben. Gleiches gilt für dieses Buch, das wie ein Rezeptbuch mit Impulsen für ein kreatives Leben funktionieren soll. Wie beim Podcast kannst du also einfach irgendwo reinklicken beziehungsweise -blättern und loslesen. Die Chronologie der einzelnen Gespräche ist nicht wichtig. Bestenfalls gibt es genau dort, wo du hinblätterst, eine Inspiration, eine Sichtweise oder vielleicht sogar eine Lösungsidee für eine Herausforderung, die dich gerade beschäftigt.
Was mir noch wichtig ist: Niemand außer Anne Will spricht druckreif. Wir alle – allen voran ich selbst – benutzen immer wieder dieselben Wörter (bei mir ist es sozusagen), fangen Sätze immer wieder gleich an und sprechen sie nicht zu Ende. Beim Aufschreiben habe ich versucht, das Gesagte möglichst lesefreundlich zu formulieren, ohne in die jeweilige Sprechart einzugreifen – weil ich glaube, dass es sehr wichtig ist, wie jemand etwas sagt. Außerdem habe ich Gedanken zu einem bestimmten Thema zusammengeführt, wenn sie an verschiedenen Punkten in einem Gespräch aufkamen. Aus Gründen der Lesbarkeit habe im Text die männliche Form gewählt, die Angaben beziehen sich aber selbstverständlich auf Angehörige aller Geschlechter.
Von Paul Ripke und Wolfgang Joop habe ich gelernt, dass man sich sein ideales Leben herbeiwünschen kann. Und deshalb wünsche ich mir, dass diese Gang von Supertypen auch deine Lehrer werden. Ich wünsche mir, dass du von ihren Lebenserfahrungen und Weisheiten so viel mitnehmen kannst wie ich. Denn würde ich eine Schule eröffnen, stünden diese Menschen vor der Klasse.
Ich sitze ganz hinten und höre zu. Und keine Sorge, du musst nicht mitschreiben. Du kannst meine Notizen haben.
Ob ich ihr eine Freude machen könne, dafür, dass sie mein Bühnengast ist, habe ich sie vor unserem Gespräch gefragt. Und sie schrieb: Blumen, Blumen, Blumen.
Es ist Dezember in München und ich bin gerade auf Live-Podcast-Tour quer durch Deutschland. Natürlich dürfen es für meine heutige Gesprächspartnerin Doris Dörrie keine Tankstellenblumen sein und natürlich auch kein kleines Sträußchen. In einem Blumenladen im Werksviertel werde ich fündig. Die nette Floristin bindet mir einen ansehnlichen Strauß zusammen, damit laufe ich sehr zufrieden zurück zur Location. Weil es keine Vase gibt, nehmen wir einen Sektkübel, und weil der Strauß darin nicht halten will, sammeln wir draußen Steine, um ihn zu fixieren. Die Bühnentechniker schauen ein wenig verwirrt, da ich vermutlich den Eindruck eines leicht verspulten Künstlers erwecke, der ohne seinen Blumenstrauß nicht auftreten kann. Ich nehme das mit den Blumen wirklich ernst, denn ich möchte Doris unbedingt eine Freude machen – genau wie sie mir mit ihrem Buch Leben, schreiben, atmen. Die Mischung aus biografischen Erzählungen und einer Anleitung zum Schreiben ist mein liebstes Buch aus dem vergangenen Jahr. Doris gelingt darin die beste Kombination in der Kunst: erzählen und inspirieren.
Doris Dörrie ist in Hannover aufgewachsen und zählt zu den bekanntesten deutschen Regisseurinnen. Der Film Männer war ihr großer Durchbruch, das ist 35 Jahre her. Er lief in zahlreichen Ländern, Doris bekam daraufhin sofort Angebote aus Hollywood, ging nach L. A., ist dann aber lieber wieder nach München zurückgezogen. Sie hat dreißig Filme gedreht, um die dreißig Bücher geschrieben, so genau weiß sie das auch nicht, ist ja auch nicht so wichtig – dazwischen inszeniert sie Opern und unterrichtet an der Filmhochschule München kreatives Schreiben. Was für eine Karriere!
Ich habe von Doris Dörrie gelernt, wie man seine Stimme findet, dass man beim Nudelnkochen kreativ sein kann, und warum es sich lohnt, sinnlosen Tätigkeiten nachzugehen.
Der Saal tobt, als Doris und ich auf die Bühne kommen. Sie schwebt regelrecht herein in ihrem roten Anzug. Doris ist eine Meisterin der Inspiration und das sieht man ihr an. Ich frage, was sie mir beibringen würde, wenn ich bei ihr an der Hochschule einen Kurs in kreativem Schreiben belegen würde: »Dann würde ich versuchen, dich dazu zu bringen, erst mal deine Stimme zu finden – also herauszufinden, wie du auf die Welt schaust. Du! Wirklich nur du. Es geht darum, zu begreifen, dass jeder seine eigene erzählenswerte Biografie hat, denn keine Biografie ist langweilig oder zu klein. Jeder trägt einen unendlichen Schatz in sich, der es wert ist, erzählt zu werden. Nur kommen wir uns oft zu klein und zu dies und zu das vor – nicht originell genug, nicht begabt genug, nicht talentiert genug und all die anderen Dinge, die wir nicht sind. Ich würde versuchen, dir beizubringen, wie man genau hinschaut, ganz präzise, damit du merkst: Niemand sonst außer mir sieht die Welt so, wie ich sie sehe.«
»Jeder trägt einen unendlichen Schatz in sich, der es wert ist, erzählt zu werden.«
Doris erzählt von einer Improvisationstheatergruppe aus Kalifornien, die sie als junge Frau im Freizeitheim in Hannover erlebt hat. Sie war so begeistert von den Fähigkeiten der Schauspieler, dass sie sich direkt für eine Ausbildung in dieser Truppe beworben hat. Es klappte und sie wurde angenommen, ihre Eltern haben Doris finanziell unterstützt und so ist sie nach Amerika gezogen. »Ich habe dort gelernt, dass alles ein Handwerk ist. Auch das Schreiben, was es bei uns so immer noch nicht gibt. Und ich habe gelernt, alles erst mal zu versuchen. Diesen Gedanken hat Nike später im Slogan ›Just do it‹ manifestiert. Der Grund, warum ich Professorin geworden und es auch immer noch bin, ist, dass ich diese Ermunterung, die ich damals in Amerika erfahren habe, weitergeben möchte. Weil ich das Gefühl habe, dass in Deutschland zu wenig ermutigt wird. Wir sind so schnell damit, Leute zu kritisieren. Diese prinzipielle Ermunterung, die fehlt mir. Und wenn ich davon nur ein bisschen weitergeben kann, dann habe ich meine Aufgabe erfüllt.«
Aus der Ferne wirkt es wahnsinnig, dass jemand so viele Bestseller geschrieben hat wie Doris Dörrie. Doch hier auf der Bühne winkt sie ab, als wäre das nichts Besonderes, und behauptet, dass sie jedem das Schreiben beibringen kann. Also los, wie funktioniert es? »Die oberste Regel ist, nicht nachzudenken. Das klingt sehr verwirrend auf den ersten Blick, weil man denkt: Oh Gott, wenn man so viel schreibt, muss man doch so viel nachdenken. Nein. Das Gegenteil ist richtig: Nicht nachdenken und die ganzen Bewertungen ausschalten.
Nun kann man natürlich nicht nichts denken. Das Gehirn denkt vor sich hin und macht, was es will. Aber diese Bewertungen wegzulassen, die Analyse, die Theorie, die Beurteilung – das geht relativ simpel, wenn man sich angewöhnt, möglichst mit der Hand zu schreiben, zehn Minuten am Stück – und immer weiter schreibt und nicht nachdenkt.
Die nächste wichtige und schwierige Regel ist, keine Qualität herstellen zu wollen. Dabei spürt man sehr schnell unser nationales Handicap: Made in Germany. Wir wollen immer, dass alles sehr qualitätvoll ist und Hand und Fuß hat. Aber gutes Schreiben hat erst mal nicht Hand und Fuß, sondern ist sehr sinnlich. Sich davon zu befreien, Qualität herstellen zu wollen, ist eine der wichtigsten Regeln, zusammen mit dem Nicht-Nachdenken. Es ist wirklich unglaublich, was da an Geschichten rauskommen kann.«
Zusammengefasst heißt das: Nicht nachdenken, einfach losschreiben, am besten mit der Hand. Okay.
Doris beginnt ihren Tag mit zehn Minuten ununterbrochenem Schreiben. Sie sitzt mit ausgestreckten Beinen im Bett, hat ein kleines Brettchen auf dem Bauch, darauf liegt ihr Notizbuch – so schreibt sie sich in den Tag.
»Schreiben gibt mir ein Gefühl von Vorhandensein in der Welt und größerer Bodenhaftung, die ich wirklich brauche. Wenn ich länger nicht schreibe, dann komme ich mir schnell vor wie ein abgeschnittener Luftballon. Ich werde dann sehr unleidlich, meine Familie rät mir dann auch zum Schreiben, weil ich sonst diffus unglücklich werde. Das hat auch damit zu tun, dass Schreiben für mich eine sehr einfache Umkehr von Konsum in etwas Kreatives ist. Konsum als etwas, was ich aufnehme, und Schreiben als etwas, was ich herstelle.«
Statt zum hundertsten Mal seinen Instagram-Feed zu durchforsten, kann man während Wartezeiten auch einfach ein Notizbuch nehmen und aufschreiben, was man gerade sieht. Und statt morgens als Erstes aufs Handy zu schauen, könnte man auch erst mal vor sich hin schreiben. Also Handy raus und Notizbuch rein ins Schlafzimmer!
Doris hat eine beeindruckende Anzahl an Filmen und Büchern veröffentlicht, ihre Tochter allein aufgezogen und parallel an der Hochschule unterrichtet. Wie hat sie es geschafft, so viel zu produzieren?
»Das klingt in Summe alles so imposant. Das ist es aber gar nicht. Ich habe einfach gelernt, sehr schnell zu schreiben. Also zehn Minuten, das musste wirklich reichen, als mein Kind noch klein war. Das war immer die Zeit von Pasta auf dem Herd, al dente acht Minuten. Oder Kartoffeln, zwanzig Minuten, da hatte ich ein bisschen mehr Zeit, und in der habe ich geschrieben – mehr hatte ich erst mal nicht. Ich musste wirklich schauen, dass ich schnell bin. Und das auch jeden Tag machen. Das hat zu einer großen Disziplin geführt. Also mein Kind hat mich zur Disziplin erzogen. Du wirst dich wundern, was da alles entsteht an Material in diesen zehn, zwanzig, dreißig Minuten.«
Kennen wir nicht alle die typischen Ausreden? Dass man ja gern etwas kreativer sein möchte, statt einfach nur den Alltag zu durchlaufen, aber man glaubt, keine Zeit dafür zu haben. Ich würde ja gern, aber ich schaffe das einfach nicht. Ich bin mir sicher, dass es viele solcher Nudel-Momente gibt und dass jede und jeder von uns am Tag mindestens zehn Zwischen-Minuten hat, um ein Notizbuch aufzuschlagen und den Stift in die Hand zu nehmen. Und wer weiß, am Ende kommt vielleicht sogar ein ganzes Buch dabei heraus.
»Eine tolle Übung, die wir an der Uni immer machen, ist ›Schreib über einen Lehrer!‹. Es ist so toll, was da für Geschichten rauskommen, mit diesem unglaublich präzisen Blick von Kindern auf Lehrer. Zum Beispiel die Geschichte von einem Studenten, dessen Lehrer immer etwas Zahnpasta im Mundwinkel hatte. Ein anderer hat immer gespuckt und man sah die Spucketropfen auf dem Tisch vor ihm. Oder die peinlichen Socken. Alles, was Stunde für Stunde für Stunde vor einem auf und ab ging, diese Lehrer und Lehrerinnen. Man lernt bei dieser Übung diesen genauen Blick, also zu begreifen, dass man diesen Blick hat.« Ich muss sofort an meine Musiklehrerin Frau Boinski denken. Eine kleine ältere Frau mit einer Betondauerwelle, die uns Jungs im Stimmbruch gequält hat, indem wir laut vor der Klasse singen mussten. Ein kleiner Schauer läuft über meinen Rücken, vor meinem inneren Auge läuft sofort ein Film ab. Diese Übung geht nicht gut für Sie aus, Frau Boinski.
In ihrem Buch schreibt Doris davon, dass sie jeden Hängemattenabstand zwischen den Bäumen im Englischen Garten in München kennt, und auf der Bühne sagt sie mit Stolz, dass sie wahnsinnig faul sei. Auch das sieht sie als Ermunterung: »Faulsein ist wichtig. Ich brauche wahnsinnig viel Zeit, in der ich in die Luft gucke. Deshalb habe ich die Hängematte oder die Couch, auf der gar nichts passiert. Ich muss einfach rumliegen wie ein Wal, dann entstehen auch viele Dinge. Ich brauche also die Langeweile, weil dadurch wieder Dinge entstehen.«
Passend zur inneren Einkehr spielen in Doris’ Filmen und Büchern Buddhismus und Zen immer wieder eine Rolle.
Für den Film Erleuchtung garantiert hat Doris in einem japanischen Kloster gedreht. Von den Mönchen hat sie eine besondere Übung für mehr Achtsamkeit gezeigt bekommen. Und zwar, wie man den Wald fegt. In ihrem Buch erwähnt sie das in einem Nebensatz. Mich hat diese Übung sofort neugierig gemacht.
»Das ist schon erstaunlich, wenn man den Wald fegt, weil es eine Lektion in kompletter Sinnlosigkeit ist. Das Kloster lag wunderschön außerhalb, dahinter der Wald. Da sind wir jeden Tag hingegangen und haben eine Stunde lang gefegt. Man soll dabei lernen, dass diese Tätigkeit komplett sinnlos ist. Denn alles, was wir tun, ist sinnlos, und wir tun es dennoch. Alles, was sauber war, wird wieder schmutzig, was hoch war, wird niedrig, was schön war, wird hässlich, was lebt, muss sterben. Alles ist ziemlich sinnlos und trotzdem geben wir uns Mühe damit – dieser Gedanke steckt dahinter.«
Und dann zeigt mir Doris auf der Bühne, wie das geht – wie man einen Wald fegt. Sie nimmt den Besen, den ich vorher besorgt habe, macht es ganz langsam und bedächtig vor und schwingt fegend über die Bühne. Dabei sieht sie fast aus wie eine Balletttänzerin. »Wenn ich fege, fege ich, wenn ich einatme, atme ich ein, wenn ich ausatme, dann atme ich aus. Das ist gar nicht so einfach, wenn du versuchst, ganz bewusst zu fegen.«
Als ich mit einsteige, sieht das mit dem Fegen nicht mehr ganz so elegant und selbstverständlich aus. Auch bei dieser Übung kommen Erinnerungen in mir hoch. Ich muss daran denken, wie ich samstags immer die Straße vorm Haus meiner Eltern fegen musste – was ich auch als eine Lektion in kompletter Sinnlosigkeit empfunden habe. Beim Gedanken an diese verhasste Tätigkeit bekomme ich Lust, auch diese Geschichte aufzuschreiben, um mich genau zu erinnern.
Ganz zum Schluss frage ich Doris, was sie auf eine große Plakatwand schreiben würde. Sie muss nicht lange überlegen: »Wann, wenn nicht jetzt?« Mit ihrem Strauß Blumen im Arm verabschiedet sie sich daraufhin in die Münchner Nacht.
Ich habe schon viele Absagen für Gespräche bekommen, aber die von Wolfgang Joop sind die besten. Er ist einer der bekanntesten deutschen Modedesigner. Seit den frühen Achtzigerjahren weiß jeder von Mailand bis New York, der sich ein bisschen mit Mode auskennt, wer Wolfgang Joop ist. In den letzten Jahren ist seine Bekanntheit darüber hinaus gewachsen, weil er Juror bei Germanys Next Topmodel war. Dabei wurde deutlich: Egal in welcher Umgebung Wolfgang sich auch befindet, durch ihn wird jede Situation ein bisschen tiefgründiger.
Ursprünglich sollte unser Gespräch das erste Interview im Jahr 2019 werden. Perfekter Start also. Ich verlasse gut gelaunt das Büro, als das Telefon klingelt. »Wolfgang Joop hat heute leider keine Lust auf das Interview«, verkündet mir eine seiner Mitarbeiterinnen. Im ersten Moment lasse ich den Kopf hängen, doch dann stelle ich fest, dass das die wahrscheinlich beste Absage ist, die ich je bekommen habe. Jeder hat mal schlechte Laune, doch die meisten Menschen ziehen trotzdem durch und oft werden solche Tage schwierig, vor allem für die Mitmenschen. Was bringt mir also ein schlecht gelaunter Wolfgang Joop, der keine Lust hat, meine Fragen zu beantworten? Und wenn jemand geradeheraus sein kann und keine Ausrede für schlechte Laune haben muss, dann ja wohl ein 74-jähriger Mann. Ich finde es also nicht respektlos, dass er so kurzfristig absagt, ich hätte es eher respektlos gefunden, wenn er es nicht getan hätte.
Ich bleibe dran. Rufe die Mitarbeiterin wieder an, schreibe Mail um Mail – dann kommt endlich ein neuer Termin für den Sommer 2019. Als es so weit ist, notiere ich neue Fragen, packe wieder meine Tasche und breche auf. Dieses Mal bin ich schon auf dem Weg zur S-Bahn, als das Telefon klingelt. Leider ist der Pool übergelaufen, Herr Joop kann wieder nicht. Schade. Nach ein paar Wochen melde ich mich wieder. Inzwischen ist Wolfgang Joops Autobiografie Die einzig mögliche Zeit erschienen. Wir vereinbaren einen neuen Termin. Zwei Tage vorher lese ich, dass er sich den Fuß gebrochen hat. Absage Nummer drei. Ab hier übernimmt sein langjähriger Lebens- und Geschäftspartner Edwin Lemberg die Kommunikation und es beginnt ein heiteres WhatsApp-Pingpong, das über Monate andauert. Irgendwann ist das Jahr 2019 vorbei und ich habe das Gefühl, langsam kenne ich Wolfgangs Kalender. Ich weiß, wann er auf Ibiza oder Sylt ist und wann sein Physiotherapeut kommt. Als wir endlich einen neuen Termin gefunden haben, kommt Corona. Natürlich denke ich, dass Wolfgang Joop als Risikogruppen-Mitglied wieder absagen wird. Doch weit gefehlt. Von einem Virus lässt sich ein Joop doch nicht aufhalten.
Wir verabreden uns für einen Dienstag. Montag schreibt mir Edwin, dass das Wetter schlecht werden soll, ob wir nicht Mittwoch sprechen wollen, und dann wird es Donnerstag. Das Wetter ist perfekt. In der Bäckerei Du Bonheur in der Brunnenstraße kaufe ich Kuchen. Als ich in Wolfgangs Villa in Potsdam-Bornstedt ankomme, ist auf der Terrasse schon der Kaffeetisch gedeckt. Der gut aussehende Edwin begrüßt mich. Er warnt mich vor den Hunden und freut sich auf den Kuchen. Wolfgang kommt auf die Terrasse geschlendert und es ist gleich eine Vertrautheit da. Er will mir die Hand geben, ich bin lieber vorsichtig und wir begrüßen uns mit den Ellbogen. Wolfgang erzählt mir von seiner ersten Panikattacke, bevor ich überhaupt dazu komme, meinen Rekorder anzumachen. Es ist sofort klar: Der lange Weg hierher hat sich gelohnt.
Ich habe von Wolfgang Joop gelernt, wie er die Zukunft entwirft, was es bedeutet, ein kreatives Leben zu führen, und dass die Leerstellen unserer Seele ein Geschenk sind.
Wolfgang setzt seine große Sonnenbrille auf, nimmt ein Stück Kuchen. Ich stelle meine ersten Fragen. Er antwortet sehr gedankenflüchtig. Ich weiß nicht immer, wohin er inhaltlich will. Aber das macht nichts.
»Ich habe meinen Beruf nicht gelernt, den gab es vorher nicht. Uns gab es nicht, die Jil Sanders, die Helmut Langs, die Karl Lagerfelds – die deutschen Modeleute. Doch auf einmal gab es diese Generation von Supernoven – zu denen ich gehörte.« Jeder, der sich ab und zu mit Mode beschäftigt, kennt diese Namen. Sie sind wirklich Supernoven. Sich in solcher Gesellschaft zu wissen, ist doch irre. Und dass dieser Wolfgang Joop jetzt tatsächlich vor mir sitzt, auch.
Die Vögel zwitschern, manchmal bellen die Hunde. Jegliche Hektik wirkt hier weit entfernt. Auch wenn dieser Ort eine große Ruhe ausstrahlt, gibt es bei Wolfgang Joop selbst keinen inneren Ruhezustand. Wenn man einmal am Puls des Zeitgeistes war, will man nie wieder davon weg. Gerade jetzt, wenige Wochen nach dem Ausbruch von Corona, ist die Frage, wohin sich der Zeitgeist entwickeln wird, für einen Kreativen aufregend und aufreibend zugleich. Joop designt hier in seinem Arbeitszimmer seine Antwort darauf: »Wenn ich jetzt eine Kollektion für den Sommer 2021 entwerfe, will ich mich fast wehren, so weit zu denken, denn es kann so viel passieren, und wenn dieser Sommer 2021 eintritt, dann bin ich vielleicht nicht mehr richtig. Das kann ich nicht vorfühlen. Ich frage mich also, wie übersetze ich meine Emotionen in eine zeitgemäße Kunst, in eine zeitgemäße Mode? Der Zeitgeist ist jetzt verstört, also wie reagiere ich? Mit Mut und Übertreibung? So wie man sich Horrormasken aufsetzt, wenn die bösen Wintergeister vertrieben werden sollen? Oder mache ich es traditionell? Will man die alte Welt wieder? Will man sie restaurieren? Ich weiß nur eins: Frauen, die aus dem Konzentrationslager kamen, fast verhungert, beinahe schon gestorben, wollten, nachdem sie eine warme Dusche hatten, sich einmal ausschlafen und essen durften, ein schönes Kleid.«
Joop mag es, mit seinen Erkenntnissen zu provozieren. Er ist 1944 geboren und hier auf dem Anwesen aufgewachsen. In seiner Biografie erzählt er von der engen Verbindung zu seiner Oma, seiner Mutter Charlotte und zu Tante Ulla. Sein Vater war längere Zeit in Kriegsgefangenschaft. Wolfgang Joop hat acht Dekaden als Beobachter und Übersetzer des Zeitgeistes durchlebt.
»Du musst dir klar werden: Wo sind wir gerade gelandet und wo kann es hingehen? Kommt eine zweite Epidemie? Kommt Corona zurück, wenn die Maßnahmen gelockert werden? Das sind die Fragen, die ich mir jetzt stelle und versuche zu beantworten. Also frage ich jetzt keinen Boutique-Besitzer, keinen Modeheini – denn der weiß ja auch nicht, wie es aussieht, wenn seine Tür wieder aufgeht –, sondern ich frage einen Arzt. So einfach ist das.«
Während der Vorbereitung auf unser Gespräch ist mir aufgefallen, wie sehr sich Wolfgangs Sprache über die Jahre verändert hat. Irgendwie hat sie auch immer in die jeweilige Zeit gepasst. In den Achtziger- und Neunzigerjahren sein breites Grinsen, die große Klappe, das Lebensbejahende. Der Überfluss. Irgendwann wurde sein Ton leiser und wahrhaftiger. Ich spreche ihn darauf an.
»Ich hatte früher sehr viel Lampenfieber. Ja, wirklich. Das dachten die Leute nie, aber ich hatte kein Papier in der Tasche, kein Diplom, kein gar nichts – nichts, was ich irgendwie formell vorlegen konnte. Ich kam mir manchmal vor wie ein Hochstapler. Mein eigener Erfolg und mein eigenes Glück kamen mir manchmal unheimlich vor und ich dachte, das stimmt doch alles gar nicht. Ich hatte noch so eine bürgerliche Erziehung in mir. Wenn du schlecht in Mathe bist, dann wirst du Straßenfeger, dann wird nichts aus dir. Das wurde mir immerzu eingetrichtert. Wenn ich ein Interview gegeben habe, dachte ich immer, ich muss was kompensieren. Ich muss das mit meiner Art kompensieren irgendwie.«
Der Durchbruch kam für Wolfgang Joop mit seiner ersten eigenen Pelzkollektion. Anfang der Achtzigerjahre wollte plötzlich jeder auf den rasenden Joop-Zug aufspringen. Sein Nachname in Versalien mit dem Ausrufezeichen dahinter wurde zur Marke – JOOP!. Am bekanntesten war wohl sein Damenparfüm, für das er mit seinem Gesicht geworben hat. Das gab es vorher noch nicht, dass ein Mann für einen Frauenduft wirbt. Joop durfte alles und machte alles: Taschen, Schuhe, Brillen, Uhren, Möbel, Jeans. Durch sein Lizenzgeschäft wurde er sehr wohlhabend. Er zog nach New York in ein Penthouse. Die Fotos aus dieser Zeit zeigen einen Lebemann, der offensiv und zuversichtlich zwischen den ikonischen Models dieser Zeit lächelt und zum Prototypen des erfolgreichen Deutschen wurde. Irgendwann wollte Wolfgang Joop dieses Klischee nicht mehr bedienen, denn eigentlich wollte er ja Maler werden. Sein riesiger Erfolg als Modedesigner ist ihm irgendwie dazwischengekommen.
Ende der Leseprobe
