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Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Parker war geradezu schockiert. Mit Interesse hatte er das vom Hotelboten hereingereichte etwa zehn Zentimeter hohe Päckchen aufgeschnürt und geöffnet, als eine fast handtellergroße, dicke, häßliche, über und über behaarte Vogelspinne eilfertig herauskletterte und Anstalten traf, ihn in den Ringfinger zu beißen. Vom Standpunkt dieser behaarten Spinne aus war der Angriff durchaus verständlich. Das Her hatte schließlich, mehr oder weniger lange eingesperrt, auf diesen Moment der Rache gewartet. Es wußte ja nicht, daß Parker mit diesem Kartongefängnis überhaupt nichts zu tun hatte. Der Butler zog seinen Ringfinger respektvoll zurück und starrte interessiert auf das Insekt, das mit einem förmlichen Hechtsprung hinunter auf den weichen grauen Veloursteppich hopste und dann erst einmal in Lauerstellung ging. »He, Parker, wo stecken Sie denn mit dem Handtuch?« Mike Rander rief vom Badezimmer aus nach seinem Butler. Seine Stimme klang ungeduldig. Und als der Butler nicht sofort antwortete, erschien Anwalt Mike Rander in Parkers Zimmer, das auf der anderen Seite des Badezimmers lag. Der mittelgroße, sportlich durchtrainierte Anwalt trug nur ein knappes Handtuch, das er sich um die Lenden gebunden hatte. Mit nackten Füßen kam er zu Parker hinüber, der noch immer die behaarte Spinne studierte, die ihrerseits nicht recht wußte, was sie nun machen sollte. Es lag vielleicht an der eingeschalteten Deckenbeleuchtung, daß die Spinne sich veranlaßt fühlte, Halblicht und Schatten zu suchen. Sie setzte sich auf sehr schnellen Beinen in Bewegung und kreuzte Mike Randers Weg. Genauer gesagt, sie kreuzte die nackten Füße des Anwalts, der nichts von dem schnell nahenden Unheil ahnte. Parker mußte sehr schnell handeln, wenn es nicht zu einer Katastrophe kommen sollte. Da er keineswegs die Absicht hatte, die behaarte Spinne zu töten, nahm er blitzschnell ein Kissen von der breiten Couch und wirbelte es durch die Luft. Mike Rander prallte unwillkürlich zurück, als das Kissen durch die Luft sauste. Dann sah er die behaarte Spinne, stieß einen erstickten, schrillen Schrei aus und... hechtete auf das Bett.
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Seitenzahl: 132
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Parker war geradezu schockiert.
Mit Interesse hatte er das vom Hotelboten hereingereichte etwa zehn Zentimeter hohe Päckchen aufgeschnürt und geöffnet, als eine fast handtellergroße, dicke, häßliche, über und über behaarte Vogelspinne eilfertig herauskletterte und Anstalten traf, ihn in den Ringfinger zu beißen.
Vom Standpunkt dieser behaarten Spinne aus war der Angriff durchaus verständlich. Das Her hatte schließlich, mehr oder weniger lange eingesperrt, auf diesen Moment der Rache gewartet. Es wußte ja nicht, daß Parker mit diesem Kartongefängnis überhaupt nichts zu tun hatte.
Der Butler zog seinen Ringfinger respektvoll zurück und starrte interessiert auf das Insekt, das mit einem förmlichen Hechtsprung hinunter auf den weichen grauen Veloursteppich hopste und dann erst einmal in Lauerstellung ging.
»He, Parker, wo stecken Sie denn mit dem Handtuch?« Mike Rander rief vom Badezimmer aus nach seinem Butler. Seine Stimme klang ungeduldig.
Und als der Butler nicht sofort antwortete, erschien Anwalt Mike Rander in Parkers Zimmer, das auf der anderen Seite des Badezimmers lag. Der mittelgroße, sportlich durchtrainierte Anwalt trug nur ein knappes Handtuch, das er sich um die Lenden gebunden hatte. Mit nackten Füßen kam er zu Parker hinüber, der noch immer die behaarte Spinne studierte, die ihrerseits nicht recht wußte, was sie nun machen sollte.
Es lag vielleicht an der eingeschalteten Deckenbeleuchtung, daß die Spinne sich veranlaßt fühlte, Halblicht und Schatten zu suchen. Sie setzte sich auf sehr schnellen Beinen in Bewegung und kreuzte Mike Randers Weg. Genauer gesagt, sie kreuzte die nackten Füße des Anwalts, der nichts von dem schnell nahenden Unheil ahnte.
Parker mußte sehr schnell handeln, wenn es nicht zu einer Katastrophe kommen sollte. Da er keineswegs die Absicht hatte, die behaarte Spinne zu töten, nahm er blitzschnell ein Kissen von der breiten Couch und wirbelte es durch die Luft.
Mike Rander prallte unwillkürlich zurück, als das Kissen durch die Luft sauste. Dann sah er die behaarte Spinne, stieß einen erstickten, schrillen Schrei aus und... hechtete auf das Bett.
Die Spinne wurde von dem niederfallenden Kissen erwischt und in ihrer Bewegungsfähigkeit außerordentlich gelähmt. Sie erlitt nun ihrerseits einen Schock und rührte sich nicht mehr.
»Was... was war denn das?« keuchte Mike Rander, der sich von seiner ersten Überraschung erholt hatte.
»Eine Vogelspinne, Sir«, meldete Parker, der vorsichtig auf das am Boden liegende Kissen zuging. »Wenn mich nicht alles täuscht, gehört sie zu der Spezies, die hier in den südlichen Breiten die ›Schwarze Witwe‹ genannt wird.«
»Ist das verflixte Biest tot?« fragte Rander, der nicht daran dachte, das relativ sichere Bett zu verlassen.
»Ich bin nicht sicher, Sir! Wenn Sie erlauben, werde ich nachsehen!«
»Das erlaube ich Ihnen in jeder Menge«, gab Rander zurück. »Aber passen Sie auf, Parker, diese Spinnen sind verdammt giftig!«
»In dieser Hinsicht bin ich im Gegensatz zu meiner eben gemachten Bemerkung vollkommen sicher«, erwiderte Parker gemessen. »Das war wohl auch der Sinn dieses Geschenks!«
»Geschenk?«
»Die bewußte Spinne, Sir, befand sich in einem kleinen Päckchen, das von einem Hotelboten überbracht wurde.«
»Das ist doch die Höhe!«
Mike Rander wollte noch bedeutend mehr sagen, doch Parker befaßte sich bereits mit dem Kissen.
Sicherheitshalber nahm er dabei seinen Universal-Regenschirm zu Hilfe. Mit der Spitze des Regenschirms wendete er vorsichtig das dicke Kissen um.
Und im gleichen Moment wurde die behaarte Spinne wieder sehr aktiv.
Sie sah die Spitze des Regenschirms, fühlte sich grundlos gereizt und entschloß sich, zum Angriff überzugehen. Die sechs behaarten Beine umklammerten den Schirmstock und fanden guten Halt. Dann stieg das Insekt mit rasanter Geschwindigkeit an der Schirmseide hoch, um Parkers Hand zu attackieren.
»Parker...! Vorsicht...!«
Mike Rander stand auf dem Bett und visierte bereits die Tür zum Badezimmer an. Spinnen mochte er nicht. Schon gar nicht behaarte Bestien von dieser ansehnlichen Größe.
Parker ließ sich nicht irritieren.
Er schüttelte das lästige und aggressive Insekt von der Schirmseide herunter und stülpte dann geschickt den geöffneten Pappkarton über die Spinne. Sekunden später befand sich die Vogelspinne wieder in sicherem Gewahrsam.
»Bestellen Sie Whisky, Parker«, sagte Mike Rander, auf dessen Stirn sich einige Schweißperlen gebildet hatten. »Bestellen Sie viel Whisky...! Dieser Zwischenfall hat mir gereicht.«
»Ihr Wunsch ist mir selbstverständlich Befehl«, erwiderte der Butler.
»Binden Sie aber vorher die Schachtel zu«, redete Mike Rander weiter und äugte mißtrauisch zur geschlossenen Pappschachtel hinüber. »Sind Sie übrigens sicher, daß nicht noch mehr Spinnen hier im Zimmer herumlaufen?«
»Im Moment dürfte keine weitere Gefahr bestehen, Sir.«
»Lachen Sie ruhig, Parker«, gab Rander zurück und stieg vorsichtig auf den Boden. »Diese Spinnen sind giftig wie Schlangen.«
»Nicht ganz, Sir, wenn ich recht orientiert bin«, antwortete der Butler und schnürte die Pappschachtel sorgfältig zu. »Aber weitere Vorsicht dürfte angeraten sein.«
»Hat die Schachtel einen Absender?« erkundigte sich der Anwalt.
»In der Tat, Sir, sie hat einen«, sagte der Butler. Er drehte die Schachtel etwas zur Seite und las dann laut vor: »›Die Schwarze Witwe‹ steht hier. Ich möchte hinzufügen, daß dieser Absender ebenso treffend wie unheimlich und tödlich ist...!«
*
»Also doch tödlich«, meinte Anwalt Rander. Er sah sich mißtrauisch im Zimmer um und fügte dann hinzu: »Sind Sie sicher, daß es nur eine einzige Spinne war?«
»Vollkommen sicher, Sir. Und was die Gefährlichkeit dieser Art von Spinnen angeht, so möchte ich mich korrigieren.«
»Kennen Sie sich etwa auch in Spinnen aus?« Mike Rander nahm auf einem Stuhl Platz, war aber so vorsichtig, die nackten Füße auf die Sitzfläche hochzuziehen.
»Spinnentiere oder Arachnoiden«, dozierte der Butler, »gehören zur Klasse der Gliederfüßler und Tracheenatmer. Sie verfügen über sechs sehr fein gegliederte Gliedpaare, die nur am Kopfbruststück sitzen. Diese sechs Gliedpaare unterteilen sich in ein Kiefernpaar, in ein Kiefertasterpaar und in vier Beinpaare. Im vorliegenden Fall, Sir, haben wir es tatsächlich mit einer Riesen- oder Vogelspinne zu tun, die man hier in den südlichen Breiten die ›Schwarze Witwe‹ zu nennen pflegt. Sie gilt in der Regel als tödlich. Nach einem Biß stellen sich unerträglich Körperschmerzen, Schüttelfrost, Atemnot, Kältegefühl und anschließend Krämpfe mit Delirien ein, bis schließlich eine Atemlähmung den Tod herbeiführt.«
»Herrliche Aussichten...!« Mike Rander schüttelte sich leicht und zog die nackten Füße noch höher. »Haben Sie noch mehr davon auf Lager?«
»Die ›Schwarze Witwe‹, Sir, liebt den Schatten, eine gewisse, warme und feuchte Umgebung und gilt als Nachttier«, redete der Butler weiter. »Das Zuschicken dieses Kerftieres ist in meinen Augen als eine Art Mordandrohung gedacht gewesen.«
»Scheint mir auch so«, antwortete Mike Rander und zündete sich eine Zigarette an. »Aber wer fängt solche lieben Tierchen ein und schickt sie uns ins Hotelzimmer?«
»Das entzieht sich leider meiner Beurteilung, Sir.«
»Haben wir Feinde hier in Los Angeles?«
»Im Moment nicht, Sir...!«
»Zum Henker, wer will uns an den Kragen?« fragte Rander halblaut und suchte den weichen Teppichboden nach weiteren ›Schwarzen Witwern ab. Dann nahm er ruckartig den Kopf hoch: »Ob dieses Geschenkpäckchen mit unserem Gespräch zusammenhängt?«
»Sie denken an das Gespräch, Sir, was Sie und meine Wenigkeit noch zu führen beabsichtigen?«
»Richtig...! In einer Stunde treffen wir auf Art Stonewell von der ›Star Pictures‹. Wir wissen, daß er böse Schwierigkeiten hat. Einzelheiten fehlen uns. Am Telefon aber sprach er von einer tödlichen Gefahr.«
»Wenn Sie erlauben, Sir, würde ich mich gern um jenes Kerftier dort kümmern.«
»Sie wollen sich freiwillig mit dieser verdammten Spinne abgeben?«
»Ich möchte herausfinden, Sir, wo man Arachnoiden dieser Spezies bekommen kann. Meiner bescheidenen Ansicht nach laufen sie hier im Stadtgebiet nicht frei herum.«
»In Ordnung, Parker. Hauptsache, Sie bringen das Biest erst mal weg. Wir sehen uns dann später. Sagen wir, in zwei Stunden wieder hier im Hotel...«
*
Nach genau fünfzehn Minuten stand Mike Rander auf und sah sich noch einmal verabschiedend in dem mit satter Vornehmheit eingerichteten Vorzimmer um.
Hinter einem Tisch aus Glas und Chrom saß eine ungemein attraktiv aussehende Blondine und langweilte sich zurückhaltend. Sie hatte nichts zu tun und bewachte nur die Telefon-Tischvermittlung. Sie saß in der Nähe des breiten und tiefen Fensters, durch das man hinaus auf die Ateliers der ›Star-Pictures‹ sehen konnte. Ihre schlanken Beine und hochhackigen Schuhe standen auf einem Veloursteppich, der wenigstens zehn Zentimeter hoch war. Die tiefen Clubsessel und die kleine Hausbar auf Rollen vervollständigten den Eindruck von Geld, Einfluß und Eleganz.
Mike Rander drückte die Zigarette im Kristallaschenbecher aus und ging gelassen zur Tür.
Die attraktive Blondine erwachte aus ihrem Dämmerschlaf und setzte sich ruckartig aufrecht. Dann schnappte sie hörbar nach Luft. Es ging ihr nicht in den Kopf, daß dieser Besucher das Vorzimmer verlassen wollte. Und zwar freiwillig, ohne daß sie ihn hätte hinauskomplimentieren können.
»Sir...! Mr. Rander...!?« Sie raffte sich auf, stand auf und trippelte ihm nach. In einer Mischung aus Überraschung, Ärger und Mißbilligung sah sie ihn an. »Sie wollen doch nicht etwa gehen?«
»Natürlich werde ich gehen«, antwortete Mike Rander lächelnd. »Ich habe meine Zeit nicht gestohlen. Ich war mit Mr. Stonewell vor einer guten Viertelstunde verabredet. Diese Zeit habe ich nun freiwillig zugegeben, nun aber muß ich bedauern.«
»Und... und was sage ich Mr. Stonewell?«
»Richten Sie ihm meine freundlichsten Grüße aus«, gab der junge Anwalt lächelnd zurück. »Wenn er etwas von mir will, kann er mich jederzeit in meinem Hotel erreichen. Die Adresse ist Ihnen ja bekannt, nicht wahr...!«
Die attraktive Blondine wollte protestieren, Rander mit Einwänden kommen, ihn vielleicht auch warnen, doch Mike Rander hatte das Büro bereits verlassen und schritt auf den Fahrstuhl zu. Er dachte wirklich nicht daran, noch länger auf sein Gespräch mit Stonewell zu warten.
Er hatte den Lift noch nicht ganz erreicht, als er plötzlich hinter sich eilige Schritte hörte. Und dann seinen Namen.
»Mr. Rander... Mr. Rander...!« keuchte eine Stimme. »Mr. Stonewell wünscht Sie zu sehen.«
Mike Rander wurde von einem jungen, fast kahlköpfigen Mann von etwa vierzig Jahren überholt. Dieser junge Mann mit den alten, müden Augen und dem verbrauchten und angewiderten Zug um den Mundwinkeln versperrte ihm den Weg.
»Wer sind Sie?« erkundigte sich der Anwalt.
»Herb Lasters, der Sekretär von Mr. Stonewell... Kommen Sie, wir können den Boß nicht warten lassen...!«
Mike Rander lächelte und zündete sich erst einmal eine Zigarette an. Er fühlte sich keineswegs wie ein junger, gehorsamer Hund, der nur auf den Pfiff seines Herrn wartet. Gut, Stonewell hatte ihn hierher nach Los Angeles gebeten, um ihm einen Fall zu übertragen, doch Rander war finanziell unabhängig. Er war auf Aufträge weiß Gott nicht angewiesen. Er konnte sich seine Klienten immer noch aussuchen.
»Bitte, Sir, kommen Sie...!« Herb Lasters sah ihn flehend an. »Mr. Stonewell hat nur zehn Minuten Zeit für Sie, dann muß er in eine Produktionsbesprechung ..!«
- Es war vielleicht nur die Angst, die aus diesem Lasters sprach, daß Mike Rander nun doch mitkam. Er nahm sich allerdings Zeit, und es dauerte einige Minuten, bis er dem mächtigen Boß der ›Star-Pictures‹ gegenüberstand.
»Zum Teufel, wo bleiben Sie denn?« herrschte er Mike Rander gereizt an. »Ich habe meine Zeit nicht gestohlen.«
»Dann sind wir uns ja vollkommen einig«, erwiderte Mike Rander lächelnd. »Aus Zeitgründen wollte ich gerade gehen.«
»Sie... Sie wollten gehen?« Art Stonewell, ein untersetzter, korpulenter, schwitzender Endfünfziger mit kurz geschorenem, eisgrauem Haar und kalten Augen ließ sich in seinen Drehsessel fallen und starrte den jungen Anwalt wie ein Wesen aus einer fremden, fernen Welt an.
»Ihr Sekretär hat mich gerade noch am Lift erwischt«, erläuterte Rander.
»Wollen... wollen Sie mich provozieren, Rander?« Stonewell sah ihn kalt und abschätzend an.
»Schafft man das so leicht?« erkundigte sich Mike Rander lächelnd.
»Sie wissen wohl nicht, wer ich bin, wie?«
»Legen Sie Wert darauf, daß wir uns gegenseitig aufrechnen und erzählen, wer wir sind? Haben Sie nicht Probleme, mit denen Sie nicht fertig werden?«
»Verdammt, Sie reizen mich, Rander...!«
»Sie mich komischerweise überhaupt nicht, Stonewell...!«
Art Stonewell bekam einen leichten Hustenanfall, als Rander ihn ebenfalls so unkonventionell und gelassen anredete. Sekretär Herb Lasters warf Rander einen beschwörenden Blick zu.
»Sie... Sie haben Haare auf den Zähnen«, meinte Stonewell plötzlich und produzierte eine Art Lächeln, was allerdings gründlich mißlang. Er sah jetzt beleidigt und mißmutig aus.
»Aber, aber, ich versuche doch nur, mich dem Ton meines Gesprächspartners anzupassen«, gab Rander zurück. »Aber wollen Sie nicht endlich zur Sache kommen? Falls Sie mit mir noch Zusammenarbeiten wollen...!«
»Lasters, erzählen Sie ihm von unseren Schwierigkeiten!« sagte Stonewell, sich an seinen Sekretär wendend. Dann lehnte Stonewell sich in seinem Sessel zurück, schloß die Augen und legte die Fingerspitzen seiner Hände gegeneinander.
»Ich glaube, ich kann mich sehr kurz fassen«, begann Lasters nervös und räusperte sich. »Innerhalb von zwei Monaten hat die ›Star-Pictures‹ vier Starlets verloren. Und zwar auf den ersten Blick durch Unfall. Die Polizei fand aber in allen vier Fällen heraus, daß es sich um Mord handelt.«
»Wie bitte? Wiederholen Sie das noch einmal?«
»Vier Morde an Starlets innerhalb von zwei Monaten«, sagte Herb Lasters.
»In allen vier Fällen starben die jungen Damen am Biß der ›Schwarzen Witwe‹, wenn Sie wissen, was ich meine...!«
»Und ob ich das weiß...!« Rander dachte plötzlich sehr intensiv an die handtellergroße, häßliche, behaarte Spinne, die ihn um ein Haar in den dicken Zeh gebissen hatte. Er konnte ein Schütteln des Widerwillens gerade noch unterdrücken.
»Warum war davon kaum etwas in den Zeitungen zu lesen?« fragte Rander interessiert.
»Mr. Stonewell hielt das in Zusammenarbeit mit der Polizei für nicht angebracht«, antwortete Herb Lasters. »Es hätte nur unnötige Unruhe verursacht.«
»Schlagzeilen, Mr. Rander, können wir nicht brauchen. Sie schädigen nur das Geschäft.«
»Wie hießen die bisherigen Opfer?« fragte der Anwalt.
»Namen und Adressen habe ich für Sie zusammenstellen lassen«, schaltete sich Art Stonewell ein. »Wenn Sie mich fragen, wird hier ein gemeines Kesseltreiben gegen die ›Star-Pictures‹ veranstaltet.«
Der Boß der Filmfirma hatte die Augen geöffnet und sah den Anwalt jetzt fast anklagend an. »Die vier jungen Dinger, eh, ich meine, meine Mitarbeiterinnen, waren im Kommen, wie wir sagen. Sie hatten sich bereits die ersten Sporen verdient und sollten jetzt groß herausgestellt werden. Doch sie wurden nacheinander umgebracht. Die hiesige Polizei steht vor einem Rätsel. Sie, Mr. Rander, müssen es schaffen, diesen Massenmörder zu erwischen!«
»Gingen diesen Giftmorden irgendwelche Drohungen voraus?«
»Nichts, gar nichts! Sie starben plötzlich und ohne jede Vorwarnung.«
»Ihr Sekretär sprach eben von der ›Schwarzen Witwe*, Mr. Stonewell. Sind die jeweiligen Spinnen am Tatort gefunden worden?«
»In allen vier Fällen«, antwortete Herb Lasters. »Und in allen vier Fällen steht einwandfrei fest, daß als Todesursache eben nur ein Spinnenbiß vorlag!«
*
Nachdem Josuah Parker einige Anrufe getätigt hatte, landete er nach einer Stunde bei einem gewissen Mr. Steve Hardness, dem Besitzer einer gut florierenden Schlangenfarm am Stone Canyon Reservoire unterhalb des berühmten Mulholland Drive, nördlich von Beverly Hills.
Steve Hardness, ein langer, dürrer, sonnenverbrannter Mann von etwa fünfzig Jahren herrschte über ein großes, felsiges Grundstück und ein halbes Dutzend Holzbaracken, die allesamt von einem hohen Maschen- und Stacheldrahtzaun eingeschlossen waren.
»Na, was haben Sie mir denn mitgebracht?« fragte er belustigt, nachdem der Butler sich höflich und wortreich vorgestellt hatte. »Ich sage Ihnen gleich, daß ich an Schlangen im Moment nicht interessiert bin. Ich bin vollbesetzt.«
»Sie kaufen Schlangen?« fragte Parker und stellte das verschnürte Päckchen auf den Arbeitstisch des Mannes.
»Normalerweise ja...! Ich brauchte für meine Farm immer Nachschub. Aber wie gesagt, im Moment bin ich restlos besetzt.«
»Darf ich Ihnen dieses Kerftier vorstellen?« fragte Parker und öffnete die Verschnürung. »Vielleicht können Sie mir darüber einige Auskünfte geben!«
Während der Butler redete, öffnete er das Päckchen.
Und im gleichen Augenblick krabbelte die Vogelspinne über den Rand, stutzte, sah sich interessiert um und entschloß sich, erst einmal in Lauerstellung zu gehen. Sie sah in diesem Moment äußerst tückisch und giftig aus.
»Donnerwetter, ein wunderschönes Exemplar!« Steve Hardness schien ehrlich begeistert zu sein. Ohne Scheu näherte er sich der Vogelspinne und beugte sich über sie.
»Giftig?« fragte der Butler knapp.
»Worauf Sie im wahrsten Sinne des Wortes Gift nehmen können«, gab Steve Hardness zurück. »Man sieht’s ihr ja direkt an. Sagen Sie, wo haben Sie sie her?«
»Ich fand sie in meinem Hotelzimmer«, sagte Parker vorsichtig.
»In einem Hotelzimmer? Ausgeschlossen!«
»Ich fand sie, nachdem ich dieses Päckchen aufgeschnürt und geöffnet hatte.«
