Die Sprache des Blutes verstehen - Werner Meidinger - E-Book

Die Sprache des Blutes verstehen E-Book

Werner Meidinger

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Beschreibung

Was Ihnen Ihr Blut über Ihre Gesundheit sagt

  • Warum es sich lohnt, alles über unser Blut zu wissen
  • Was die Blutwerte bedeuten und welche besonders wichtig sind
  • Was Abweichungen bedeuten und was man dagegen tun kann
  • Warum Blut für unser Abwehrsystem so wichtig ist
  • Wie man das Warnsystem Blut für ein langes, beschwerdefreies Leben nutzt
  • Wie man falsche Testergebnisse schnell erkennt
  • Warum sich Dunkelfeldmikroskopie als äußerst zuverlässig bewährt hat


Unsere Blutwerte stellen die wichtigste Informationsquelle hinsichtlich unserer Gesundheit dar. Ist der Körper krank, zeigt sich das durch eine Abweichung von den Normalwerten - und zwar häufig schon so früh, dass gegen viele Krankheiten rechtzeitig etwas unternommen werden kann.

An fast allen wichtigen Funktionen des Körpers ist Blut beteiligt. Die Blutwerte und das Blutbild richtig zu lesen und die Zusammenhänge zu verstehen, ist deshalb eine entscheidende Erkenntnis für ein langes, gesundes und beschwerdefreies Leben. Schwachpunkte werden so schnell entdeckt und die Gesundheit kann mit geeigneten Maßnahmen und entsprechender Ernährung bis ins hohe Alter erhalten bleiben.

Blut versorgt nicht nur jede einzelne Körperzelle mit Sauerstoff, sondern auch mit Mineralstoffen, Vitaminen, Enzymen, Hormonen und allen Nährstoffen, die zur Energiegewinnung und zum Wohlbefinden beitragen. Auf diese Weise sorgen das Blut und die Bahnen, mit denen es durch unseren Körper gelenkt wird, für die Vitalität und Leistungsfähigkeit unseres Organismus.

Was bedeuten die Blutwerte und wie hängen Abweichungen zusammen? Wie kann man Krebs, einen Schlaganfall oder eine Demenz vorhersehen? Welche Krankheiten zeigen sich durch welche Warnzeichen? Der Leser kann direkt nachschlagen, welche Krankheiten welche Veränderungen im Blut bewirken. Denn es gibt eindeutige Warnzeichen, zum Beispiel für Erkrankungen des Herzens, der Leber, der Nieren, der Bauchspeicheldrüse, der Schilddrüse, des Immunsystems oder des Fettstoffwechsels.

Wer sich um seine Gesundheit sorgt, erhält über die Blutwerte eindeutige Diagnosemöglichkeiten. Das nötige Wissen dazu finden Sie in diesem Buch mit allen Informationen zu zuverlässigen Selbsttests, die Sie zu Hause durchführen können, und zu Einflüssen, die das Testergebnis verfälschen können.

 

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Veröffentlichungsjahr: 2021

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Dieses Buch dient der Information und ersetzt nicht den Arztbesuch. Auch wenn es sorgfältig erarbeitet worden ist, erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autor noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gemachten Angaben resultieren, eine Haftung übernehmen. 1. Auflage Februar 2021 Copyright © 2021 bei Kopp Verlag, Bertha-Benz-Straße 10, D-72108 Rottenburg Alle Rechte vorbehalten Lektorat: Swantje Christow Covergestaltung, Satz und Layout: Karas & Heiss Grafik Design, Wien ISBN E-Book 978-3-86445-816-3 eBook-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

Gerne senden wir Ihnen unser Verlagsverzeichnis Kopp Verlag Bertha-Benz-Straße 10 D-72108 Rottenburg E-Mail: [email protected] Tel.: (07472) 98 06-10 Fax: (07472) 98 06-11Unser Buchprogramm finden Sie auch im Internet unter:www.kopp-verlag.de

HINWEIS

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BLUT … BLOSS KEINE PANIK!

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Iiiieeeeh, Blut …!!!

Manchen Menschen gefriert das Blut in den Adern, wenn sie nur an Blut denken. Noch schlimmer wird es, wenn sie Blut sehen. Zwischen 5 und 15 Prozent aller Deutschen kämpfen dann mit einer Ohnmacht. Nicht wenige davon verlieren tatsächlich das Bewusstsein. Richtig dramatisch wird es, wenn diese Menschen Blut spenden wollen. Etwa 5 Prozent aller Blutspender werden dabei ohnmächtig. Etwas härter im Nehmen beim Anblick von Blut sind die Männer: Während von den Frauen 3,9 Prozent gegen eine Ohnmacht ankämpfen, tun dies von den Männern lediglich 2,2 Prozent. 1

© AdobeStock: creative - stock

Zwischen 5 und 15 Prozent aller Deutschen kämpfen mit einer Ohnmacht, wenn Sie an Blut denken.

Wieso Menschen beim Gedanken an Blut oder beim bloßen Anblick innerlich das große Flattern bekommen, ist unter Wissenschaftlern durchaus umstritten. Für die einen ist das Erbe aus der Frühzeit des Menschen schuld daran, während andere wiederum einen inneren Schutzmechanismus dahinter sehen. So vermutet die Ärztin Valentina Accurso von der renommierten Mayo-Klinik in den USA, 2 dass die Flucht in die Ohnmacht beim Anblick von Blut ein Totstellreflex ist. Sie vergleicht das mit der Reaktion mancher Tiere auf Gefahren, wenn diese nicht wegrennen, sondern erstarren und umfallen. Diese Tiere suchen ihr Heil nicht in der Flucht, sie hoffen darauf, dem Fressfeind durch ihre Bewegungslosigkeit nicht aufzufallen. Ähnliches vermutet sie bei Menschen, die unbewusst den Anblick von Blut mit einer Gefahrensituation verbinden und vorsichtshalber in Ohnmacht fallen.

Anders wird die Ohnmachtsreaktion beim Anblick von Blut durch Prof. Dr. Alexander Gerlach, Psychologe an der Universität Köln, interpretiert. 3 Für ihn liegt es auf der Hand, dass der Organismus in einer Gefahrensituation, in erster Linie zum Eigenschutz, alle lebenswichtigen Organe mit Blut versorgt. Um dies zu gewährleisten, wird der Blutdruck mit allen Mitteln sogar dann noch aufrechterhalten, wenn ein Blutverlust von bis zu 70 Prozent vorliegt. Erst wenn nur noch 30 Prozent Blut im Organismus vorhanden sind, leitet das Gehirn das Absenken des Blutdrucks ein, was dann die Ohnmacht zur Folge hat. Bei Menschen, die bereits beim Anblick von Blut in Ohnmacht fallen, reagiert das Gehirn mit einer Fehlschaltung auf den »Reiz« von Blut und beginnt viel zu früh, den Blutdruck bis hin zur Ohnmacht abzusenken.

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Mit Blut zu Ansehen und Reichtum

Wie dem auch sei: Blut nahm in der Geschichte des Menschen schon immer eine zentrale Stellung ein. Es brachte verwandtschaftliche Beziehungen ebenso zum Ausdruck wie die innere Verfassung von Menschen. Stand sich jemand nahe oder war vielleicht sogar aus dem gleichen »Fleisch und Blut«, dann wurde diese Nähe mit der Umschreibung »Blut ist dicker als Wasser« beschrieben. Trafen Menschen aufeinander, die in tiefer Abneigung verbunden waren, so gab es zwischen ihnen häufig »böses Blut«. Im schlimmsten Fall wurde »Blut vergossen«, wenn diese sich nicht aus dem Weg gehen konnten und es zur Konfrontation kam. Ein häufiger Grund, dass es überhaupt so weit kommen konnte, war der, dass einer den anderen »bis auf᾽s Blut aussaugte«. Das brachte dann bei dem Benachteiligten das »Blut in Wallung«, sodass es beim besten Willen nicht mehr möglich war, »ruhig Blut zu bewahren«. Ganz oft brachten in der Vergangenheit Standesunterschiede das »Blut zum Kochen«, wenn einer der Kontrahenten »blaues Blut« in den Adern hatte und erst einmal so richtig »Blut geleckt« hatte. Dann nämlich sah dieser keine Grenzen mehr, bis ihm das »Blut zu Kopf gestiegen« war, er »Blut leckte« und seine Vorteile dermaßen schamlos ausspielte, bis letzten Endes »Blut an seinen Händen klebte«.

© AdobeStock: macrovector

Blut nahm in der Geschichte des Menschen schon immer eine zentrale Stellung ein. Es brachte verwandtschaft­liche Beziehungen ebenso zum Ausdruck wie die innere Verfassung von Menschen.

Die Einsicht, dass derartiges Verhalten ganz und gar schändlich und verwerflich war, verbreitete sich immer mehr. In der Frühen Neuzeit brachte es der deutsche Schriftsteller und Philosoph Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) mit dem Satz »Was Blut kostet, ist gewiss kein Blut wert« 4 auf den Punkt. Mehr noch: Es kam die Zeit, in der Aggressionen und Blutvergießen – wie es im Mittelalter an der Tagesordnung war – in intellektuellen Kreisen zunehmend verpönt wurden. »Eine Träne zu trocknen, ist ehrenvoller, als Ströme von Blut zu vergießen« 5, drückte es der britische Dichter Lord George Gordon Noel Byron (1788–1824) aus. Und etwas später fasste Vijaya Lakshmi Pandit (1900–1990), indische Politikerin, UNO-Diplomatin, Schwester von Jawaharlal Nehru und Tante von Indira Gandhi, die Voraussetzungen für Frieden in einem bemerkenswerten Satz zusammen: »Je mehr wir im Frieden schwitzen, desto weniger bluten wir im Krieg« (The more we sweat in peace the less we bleed in war). 6

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»Blut ist ein ganz besonderer Saft.«Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

Blut ist also nicht nur etwas Universales, Zentrales und Allgegenwärtiges im Leben auf unserer Erde, sondern etwas Herausragendes und Wertvolles im Mittelpunkt der menschlichen Existenz. Ohne Blut gäbe es kein Leben. Oder, um es mit den Worten unseres großen Dichters Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) zu sagen: »Blut ist ein ganz besonderer Saft«.

Die Vier-Säfte-Lehre

Der Aderlass, also das medizinische Abnehmen von Blut, war bereits in der Antike bekannt. Er gehört zu den ältesten medizinischen Behandlungsformen. So praktizierte bereits der »Urvater aller Ärzte«, Hippokrates von Kos (um 460–370 v. Chr.), den Aderlass 7. Das Blut wurde in der Regel durch das Öffnen einer Vene entnommen (Phlebotomie). Erst viel später, im 2. Jahrhundert n. Chr., wurde der Aderlass von Galenos von Pergamon (* zwischen 128 und 131 – † zwischen 199 und 216 n. Chr.) in seltenen Fällen auch durch die Öffnung von Arterien vorgenommen (Arteriotomie). Allerdings war zu dieser Zeit der Zweck des Aderlasses noch therapeutischer und weniger diagnostischer Art. So wurde er zum Beispiel in der Nähe einer erkrankten Stelle am Körper vorgenommen, um damit verbundene Schmerzen zu lindern.

Zur Diagnose von Krankheiten wurde die Vier-Säfte-Lehre (Humoralpathologie oder Humorallehre) herangezogen.

Zur Diagnose von Krankheiten wurde die Vier-Säfte-Lehre (Humoralpathologie oder Humorallehre) herangezogen. Anhänger und überzeugte Anwender der Vier-Säfte-Lehre waren ebenfalls Hippokrates von Kos und Galenos von Pergamon. Das Grundprinzip dieser Lehre bestand in der Überzeugung, dass alles Geschaffene auf die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde zurückzuführen sei. Diese Elemente verfügen über die vier Eigenschaften (Temperamente) warm, kalt, trocken und feucht, welche entweder in Reinform oder als Mischung vorkommen können. Da sich diese Elemente überall in der Natur finden lassen, kommen sie auch im Körper des Menschen vor und sind ausschlaggebend für eine gute Gesundheit. Liegen sie in einem ausgewogenen Verhältnis vor, ist der Mensch gesund. Geraten sie jedoch aus der Balance und wird die gesunde Harmonie gestört, kann sich Krankheit breitmachen. Je nachdem, wie sehr die Balance gestört ist und einzelne Temperamente ins Übergewicht geraten, kann die Krankheit sogar sehr schwer sein und bis hin zum Tod führen. Allerdings hat Gott, der Schöpfer, neben dem krank machenden Ungleichgewicht auch dafür gesorgt, dass es Mittel und Wege gibt, diese Disbalance wieder auszugleichen, zum Beispiel mit heilenden Mineralien oder Pflanzen. 8

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Auf die Theorie des Naturphilosophen Polybios bauend, entwickelte Galenos dieses Elemente-Konzept weiter zur Vier-Säfte-Lehre, bei der die alles bestimmenden vier Körpersäfte Blut, Schleim, schwarze und gelbe Galle in einem ausgewogenen Gleichgewicht zueinander stehen müssen, damit der Mensch gesund ist. Verschob sich dieses Gleichgewicht so, dass ein Saft überwog, während ein anderer in einen Mangelzustand geriet, kam es zu einer Dyskrasie – der Mensch wurde krank. Das Blut selbst war zu dieser Zeit noch ein gleichwertiges Element neben den drei anderen.

Erst später, mit dem Ende des Mittelalters und dem anschließenden Beginn der Frühen Neuzeit, geriet das Blut immer mehr in den Fokus der therapeutischen und diagnostischen Bemühungen der damaligen Ärzte. Zwar wurde das Konzept der Säftelehre auch parallel noch angewandt, doch es geriet mit den Jahren immer mehr in den Hintergrund.

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Disbalancen und Krankheiten können mit heilenden Mineralien oder Pflanzen ausgeglichen werden.

Von der Blutschau zum Blutbild

Neben Harnbeschau und Pulsbegutachtung wurde von Ärzten immer häufiger die Blutschau praktiziert. Das beim Aderlass gewonnene Blut wurde im flüssigen oder geronnenen Zustand hinsichtlich Farbe, Geruch, Geschmack, Temperatur und Konsistenz begutachtet. 9

INFO: Leprosenschau mit Blut

INFO:

Leprosenschau mit Blut

Während der Zeit der Kreuzzüge vom Nahen Osten nach Mitteleuropa gebracht, verbreitete sich die Lepra in der Zeit des Mittelalters rasant. In vielen Städten war es deshalb zur Eindämmung der Krankheitsausbreitung für Ärzte, Bader, Wunderheiler und Geistliche bei Androhung empfindlicher Strafen Pflicht, jeden Verdacht auf Lepra sofort zu überprüfen. 10 Dazu wurde das beim Aderlass gewonnene Blut mit einem speziellen Verfahren zur »Leprosenschau« verwendet. In das Blut einer verdächtigen Person wurde etwas Bleipulver eingestreut. Blieb das Pulver an der Oberfläche, galt die Person als gesund. Bei einem anderen Verfahren wurde etwas Essig auf das Aderlassblut gegossen. Begann die Mischung zu sieden, war das ein Zeichen dafür, dass die Person an Lepra erkrankt war.

Noch zu Beginn der Frühen Neuzeit, also nach dem Mittelalter, war das Blut lediglich eine Flüssigkeit, die im menschlichen Körper vorkam. Zwar ahnten Wissenschaftler und Ärzte 11 bereits relativ früh, dass das Blut im Körper irgendwie im Fluss war, aber den Nachweis über die Fließrichtung und den Zusammenhang zum Blutkreislauf erbrachte erst 1628 der englische Arzt und Anatom William Harvey (1578–1657) in einer umfassenden Veröffentlichung. Vor seiner Veröffentlichung gelang ihm als Erstes der Nachweis, dass das Blut in den Venen immer nur in der gleichen Richtung fließt, nämlich von der Peripherie zum Herzen hin. Außerdem beschrieb er den Zusammenhang von arteriellem und venösem Blut – womit er die Ablösung der bis dahin geltenden Humorallehre durch die moderne Physiologie einleitete.

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Der englische Arzt und Anatom William Harvey (1578–1657) erbrachte 1628 den Nachweis über die Fließrichtung des Blutes.

Der Nachweis von Kapillaren – kleine und kleinste Blutgefäße im Gewebe – gelang schließlich Marcello Malpighi (1628–1694), dem italienischen Arzt, Anatom und Pionier auf dem Gebiet der Mikroskopie. Er machte die Mikroblutgefäße erstmals unter dem Mikroskop sichtbar. Hatte man vor der Darstellung des Blutkreislaufs noch keine Vorstellung davon, wie es möglich sein konnte, dass an einer Stelle injizierte Medikamente im ganzen Körper wirksam waren, gab es dafür nun eine Erklärung. Die Wirkstoffe wurden mit dem Blutkreislauf transportiert. Noch im 17. Jahrhundert gab es erste Beschreibungen von intravenösen Injektionen. Gleichfalls wurden erste Versuche von Bluttransfusionen unternommen, zum Beispiel von einem Hund auf einen Menschen – wobei der Versuch für den Menschen tödlich endete. Auch erste Bluttransfusionen unter Menschen wurden vorgenommen, die häufig ebenfalls mit dem Tod endeten, da die für eine gefahrlose Transfusion notwendigen Blutfaktoren noch nicht bekannt waren. Allerdings folgten von da an Schlag auf Schlag weitere bahnbrechende Entdeckungen über das Blut und seine Zusammensetzung. Die Thrombozyten (Blutplättchen) wurden entdeckt, die Blutgruppen und die Isoagglutinine, eine besondere Art von Antikörpern. Ebenfalls erstmals beschrieben wurden Blutbestandteile wie Hämoglobin, Bilirubin, Kreatinin, Harnsäure, Blutzucker sowie verschiedene Eiweiße und weitere im Blut enthaltene Stoffe – der Grundstein für die moderne Blutanalyse im Labor war gelegt.

AUS WAS DAS BLUT BESTEHT

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Im menschlichen Körper sind zwischen 4,5 und 6 Liter Blut vorhanden – bei Frauen etwas weniger, bei Männern etwas mehr. Das gesamte Blut macht etwa 6–8 Prozent des Körpergewichts aus. Rund um die Uhr wird das Blut im Kreislauf vom Herzen in die Gefäße durch den Körper gepumpt. Das Gefäßsystem – von den großen Hauptschlagadern bis hin zu den kleinsten Nebenadern – verfügt insgesamt über eine Länge von 95000 bis 100000 Kilometern. Die Arterien sind die Gefäße, in denen das sauerstoffreiche Blut vom Herzen weg in den Körper transportiert wird. Die Venen hingegen sind die Gefäße, durch die das sauerstoffarme Blut wieder zurück zum Herzen fließt. Pro Minute schlägt ein gesundes Herz etwa siebzig- bis achtzigmal. Mit jedem Herzschlag pumpt es zwischen 4 und 6 Liter Blut in das Gefäßsystem. Zusammengerechnet sind das pro Stunde etwa 360 Liter und pro Tag rund 8500 Liter. Das ist eine enorme Leistung. Damit das Blut auch wirklich durch kleinste Gefäße in die entlegensten Körperteile gelangen kann, verfügt es über ein Phänomen, das als »nichtnewtonsche Flüssigkeit« bezeichnet wird. Wenn man sich vorstellt, dass die kleinsten Kapillaren – also die kleinsten Blutgefäße im Körper – nur über einen Durchmesser von 5 bis 10 Mikrometern verfügen, ist es schwer zu glauben, dass das Blut dort noch hindurchgeht. Schneidet man sich in den Finger, kommt das Blut als relativ zäher roter Tropfen zum Vorschein. 5–10 Mikrometer Durchmesser sind 0,005–0,01 Millimeter. Wie soll das uns als relativ zäh bekannte Blut dort hindurchgehen? Dafür ist das schon erwähnte Phänomen der »nichtnewtonschen Flüssigkeit« die Erklärung. Eine solche Flüssigkeit wird auf wunderbare Art nämlich umso dünnflüssiger, je stärker sie Druck ausgesetzt ist. Und dieser Druck nimmt ganz schön zu, wenn sich das Blut durch die winzigen Kapillaren von nur fünf tausendstel bis zu einem hundertstel Millimeter Durchmesser pressen muss.

Dies alles wird noch umso faszinierender, wenn man sich vorstellt, dass das Blut nicht nur eine Flüssigkeit wie Wasser ist, sondern auch noch reichlich feste Substanzen, die »Körperchen«, transportiert. Knapp die Hälfte des Blutvolumens besteht aus Blutkörperchen, roten wie weißen. Hinzu kommt noch das Blutplasma, das etwas mehr als die Hälfte des Blutvolumens ausmacht. Im Blutplasma sind mehr als hundert gelöste Substanzen wie Mineralstoffe, Hormone, Botenstoffe, Proteine, Harnsäure, Harnstoff, Zuckermoleküle oder Fette enthalten. Vor diesem Hintergrund wird umso verständlicher, dass es bisher nicht gelungen ist, den »Wunderstoff Blut« künstlich herzustellen. Schon allein die im Blut vorkommenden Bestandteile machen die Herstellung eines gleichwertigen Blutersatzes bislang unmöglich.

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Knapp die Hälfte des Blutvolumens besteht aus Blutkörperchen, roten wie weißen.

INTERVIEW: Lebensgefahr durch Gefäßverschluss – sanftes Verfahren regt das Wachstum körpereigener Bypässe an

INTERVIEW:

Lebensgefahr durch Gefäßverschluss – sanftes Verfahren regt das Wachstum körpereigener Bypässe an

Alle 2 Minuten kommt es in Deutschland zu einem Herzinfarkt, alle 3 Minuten zu einem Schlaganfall. Rund 4,5 Millionen Deutsche erkranken jährlich an der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK), Gefäßverschlüssen in den Beinen. Jahr für Jahr müssen in Deutschland wegen einer ausgeprägten PAVK mehr als 30000 Beine amputiert werden.

All diese Beschwerden – und es gibt noch viele mehr – sind auf eine gestörte Durchblutung zurückzuführen. Blutgefäße sind verkalkt oder verschlossen, das Blut kann nicht mehr ungehindert fließen und Gewebe wird von der lebenswichtigen Sauerstoffversorgung abgeschnitten. Verschließt ein Pfropfen die Herzkranzgefäße, hat dies in vielen Fällen einen Herzinfarkt zur Folge. Wird die Blutversorgung im Gehirn gehemmt, ist die Folge häufig ein Schlaganfall. Und die Schmerzen in den Beinen, unter denen PAVK-Betroffene beim Gehen leiden, entstehen, wenn der für die Bewegung von den Beinmuskeln benötigte Sauerstoff wegen der verminderten Durchblutung ausbleibt. Bleiben die Betroffenen stehen und die Muskeln werden nicht mehr beansprucht, gehen sowohl der Sauerstoffbedarf als auch der Schmerz schlagartig zurück. Weil Betroffene deshalb häufig stehen bleiben, sieht es so aus, als würden sie von Schaufenster zu Schaufenster schlendern – weshalb das Leiden auch den verharmlosenden Namen »Schaufensterkrankheit« erhielt.

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Auslöser der Beschwerden ist in allen Fällen eine Durchblutungsstörung. Das Blut transportiert lebenswichtigen Sauerstoff und dringend benötigte Nährstoffe in alle Zellen des Organismus. Wird dieser Transport unterbrochen, kommt es zu Schmerzen und im schlimmsten Fall zum lebensbedrohlichen Absterben der minderversorgten Zellen. Während häufig zur Behandlung der Durchblutungsstörungen und Wiederherstellung des reibungslosen Blutflusses invasive und teilweise auch mit Risiken behaftete sowie auf längere Sicht nicht immer erfolgreiche Therapien wie das Einbringen von Stents angewandt werden, gehen Mediziner in Berlin-Brandenburg andere Wege. Prof. Dr. med. Ivo Buschmann entwickelte an der Charité, einem der größten Universitätskrankenhäuser Europas, ein Verfahren, das auf die Selbstheilungskräfte des Organismus baut: die Herzhose. Professor Buschmann gehört weltweit zu den führenden Gefäßforschern und ist Inhaber des Lehrstuhls für Angiologie an der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB).

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Warum Herzhose?

Professor Buschmann: Der wissenschaftlich korrekte Begriff lautet »Individual Shear Rate Therapy (ISRT)«. Das ist eine personalisierte Form der Gegenpulsation zum Blutfluss. Das heißt, durch an die Waden, Oberschenkel und Hüften angelegte aufblasbare Manschetten wird Druck auf die Gefäße ausgeübt, der das Blut nach »oben« beschleunigt. Das sieht aus, als hätte man eine Art Hose angezogen, deshalb der Begriff Herzhose. Damit wird die Bildung neuer Gefäße angeregt, um die Engstellen in bestehenden Gefäßen, zum Beispiel in den Herzkranzarterien, zu überbrücken und die lebenswichtige Sauerstoffversorgung wiederherzustellen.

Wie funktioniert das? Wo kommen plötzlich neue Gefäße her?

Professor Buschmann: Der menschliche Organismus hat von Geburt an die wundervolle Fähigkeit zur Selbstheilung beim Vorliegen kranker beziehungsweise verstopfter Gefäße. Im ganzen Körper befindet sich neben den großen Arterien ein Geflecht winzig kleiner, dünner Gefäße, die Kollateralen. Durch die Blutflussbeschleunigung der aufblasbaren Manschetten der Herzhose wird ein molekulares Signal ausgelöst, das in den Kollateralen Gene anschaltet, welche eine ganze Reihe biochemischer Reaktionen zur Folge haben. Die Kollateralen werden dadurch länger, dicker und größer, bis sie schließlich als eine Art biologischer Bypass die Funktion der verstopften Gefäße übernehmen können. Dieser Vorgang, die Neubildung von Gefäßen aus Kollateralen, nennt sich Arteriogenese und wurde bereits in den 1980er-Jahren von Prof. Dr. Wolfgang Schaper an der Abteilung Experimentelle Kardiologie des Max-Planck-Instituts für physiologische und klinische Forschung in Bad Nauheim erforscht.

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Mit der Herzhose kann die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls abgewendet werden.

Und dieses Phänomen der Arteriogenese nutzen Sie, um mit der Herzhose die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls abzuwenden. Wie funktioniert das genau?

Professor Buschmann: Früher gab es schon einmal ein ähnliches Konzept, die Enhanced External Counterpulsation (EECP), mit der ebenfalls über aufblasbare Manschetten an Waden, Oberschenkeln und Hüften Reize ausgelöst wurden, welche Kollaterale zum Wachsen anregen sollten. Dies waren sehr grobe Maschinen, die einen enormen Druck auf die Gefäße ausübten, der nicht regulierbar war. Ein gutes Ergebnis war sozusagen ein Glücksfall. Viel häufiger aber kam es zu unerwünschten Nebenwirkungen und es wurde das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich wollte. Unter dem hohen Druck reagierten die Arterien mit einer Art Abwehr und wurden sogar noch enger, da sie sich auf diese Weise gegen den Druck schützen wollten. Die Durchblutung wurde noch zusätzlich gedrosselt und der Blutdruck »fiel in den Keller«. Nach mehr als 20 Jahren intensiver Forschung an der Charité und an der Medizinischen Universitätsklinik Brandenburg haben wir nun ISRT, also die heutige Herzhose, entwickelt. Dabei haben wir festgestellt, dass es für die Anregung des Wachstums der Kollateralen gar nicht auf einen hohen Druck ankommt, sondern auf die durch den Wechsel der Druckphasen und Nichtdruckphasen erzeugten Scherkräfte. Und dafür reicht auch ein wesentlich sanfterer Druck als bei dem früheren Verfahren aus, der bei den Arterien keine Abwehrreaktion hervorruft. Einige, unter anderem auch an der Charité durchgeführte Studien, haben mit dem ISRT-Verfahren eine Zunahme der Umgehungskreisläufe um 87 Prozent ergeben. Bei 60 Prozent der Patienten waren die biologischen Bypässe so gut entwickelt, dass eine bereits geplante Herzkatheterbehandlung mit Weitung der Engstellen in den Herzkranzgefäßen unnötig geworden war, bei fast allen Patienten kam es zudem zu einer relevanten Absenkung des Blutdrucks.

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Bei fast allen Patienten, die mit der Herzhose behandelt wurden, kam es zu einer relevanten Absenkung des Blutdrucks.

Wie hat man sich die Behandlung vorzustellen? Wie läuft das ab?

Professor Buschmann: Viele der Patienten, die zu uns kommen, sind durch die Minderdurchblutung bereits so sehr mitgenommen, dass ihre Belastbarkeit stark eingeschränkt ist.

Bei einigen Patienten haben wir zudem das Gefäßalter mit einer neuen Methode, dem Angiodefender, gemessen und konnten häufig feststellen, dass die Gefäße im Vergleich zum tatsächlichen Alter des Patienten etwa 10–15 Jahre älter waren. Häufig sind die Verschlüsse in den arteriellen Gefäßen sehr langstreckig und bestehen schon seit Jahren. Die Beeinträchtigungen gehen so weit, dass sie kaum mehr zu körperlicher Bewegung, geschweige denn sportlicher Betätigung fähig sind. Als Erstes, vor der ISRT-Anwendung, erfolgt eine gründliche Anamnese und eine kardiologische Untersuchung. Viele unserer Patienten bringen häufig schon lange Arztbriefe von Kardiologen und Fachärzten mit und sind perfekt voruntersucht. Dann nehmen die Patienten auf einer Liege Platz und es werden die Manschetten angelegt. Um an dem Gerät den optimalen Druck einstellen zu können, müssen verschiedene Parameter gemessen werden. Ein zusammen mit Wissenschaftlern des Max-Delbrück-Centrums entwickeltes Forschungsmessgerät, der sogenannte Gefäßtachometer, bestimmt die Stärke des Blutimpulses, um die Herzhose individuell an die Bedürfnisse des Patienten anzupassen. EKG-kontrolliert, in Abstimmung mit dem Herzschlag, wird dann unter sanftem Druck durch die aufblasbaren Manschetten das Signal ausgelöst, welches das Wachstum der Kollateralen in Gang setzt. Wenn gewünscht, messen wir dann am Ende der Behandlung erneut das Gefäßalter und stellen fest, dass sich dieses wieder normalisiert hat. Sprich: Durch die Verbesserung der Durchblutung und durch elastischere Gefäße misst der Angiodefender wieder das normale passende Alter.

Wie lange dauert die Therapie? Und wie geht es danach weiter?

Professor Buschmann: Die Behandlung dauert 30–35 Trainingsstunden über 2–7 Wochen verteilt. So viel Zeit braucht es, bis die Kollateralen wachsen und zu biologischen Bypässen werden. Häufig behandeln wir jedoch auch zweimal am Tag und können auf diese Weise mit 2 Wochen schon sehr viel erreichen. Die genaue Therapiedauer hängt allerdings immer vom Einzelfall sowie von den individuellen Bedürfnissen des Patienten ab und kann wie erwähnt auch auf 90 Minuten pro Tag intensiviert werden. Ziel ist es, die Patienten so weit zu stabilisieren und ihren Zustand zu verbessern, dass sie danach selbst ein angepasstes Training absolvieren und moderaten Sport wie zum Beispiel Spaziergänge oder Wanderungen ausführen können. Damit wird dann die Bildung der neuen Gefäße noch weiter angeregt und unterstützt. Wir simulieren in der Therapie praktisch eine sportliche Betätigung, ohne dass es für den Patienten belastend ist, weil der Herzschlag ruhig bleibt und nicht beschleunigt wird. Das ist der sogenannte Marathon-Effekt. Was wir hier mit der ISRT-Behandlung machen, ist vergleichbar mit einer sportlichen Betätigung, durch welche die Bildung biologischer Bypässe ebenfalls angeregt wird. So ist es zum Beispiel durchaus keine Seltenheit, dass bei Menschen im fortgeschrittenen Alter die ursprünglichen Herzkranzgefäße verstopft sind, ohne dass sie unter Beschwerden leiden. Dieses Problem kann dann durch neu gebildete biologische Bypässe überbrückt werden, weil die Betroffenen immer sportlich waren. Aus diesem Grund legen wir es unseren Patienten mit Nachdruck nahe, nach der Behandlung bei uns körperlich wieder aktiver zu werden, da sie damit die Regeneration der Gefäße, des Herzens und überhaupt des gesamten Herz-Kreislauf-Systems fortführen.

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Eine ISRT-Behandlung ist vergleichbar mit sportlicher Betätigung, durch welche die Bildung biologischer Bypässe ebenfalls angeregt wird.

Was ist eigentlich mit dem Blutdruck? Schnellt dieser unter dem während der Behandlung ausgeübten Druck nicht gefährlich nach oben?

Professor Buschmann: Nein, ganz im Gegenteil. Da das Herz direkt während der Behandlung nicht belastet wird und auch nicht schneller schlägt, steigt der Blutdruck nicht an. Vielmehr konnten wir feststellen, dass sich der Blutdruck im Laufe der Therapie stabilisiert und allmählich niedriger wird. Nach der Behandlung bleibt der Blutdruck unten. Bei Patienten mit Bluthochdruck macht dies bis zu 15 Prozent und mehr aus, sodass die Dosierung der Blutdruckmedikamente bei manchen von ihnen reduziert werden kann.

Kann ISRT bei jedem angewendet werden oder gibt es dafür Kontraindikationen?

Professor Buschmann: In seltenen Fällen gibt es leider auch Patientinnen und Patienten, für die das Verfahren nicht geeignet ist. Das ist zum Beispiel bei offenen Stellen an den Beinen so, bei schweren Herzklappenfehlern oder bei akuten Thrombosen. Ebenso ist die Therapie nicht geeignet, wenn wegen der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit in den Beinen bereits operativ Bypässe angelegt wurden. Derzeit entwickeln wir das sogenannte »Antepuls-Verfahren«, welches die Behandlung der Herzhose auch für Gefäßverschlüsse in den Beinen ermöglicht und nach Abschluss der Studien demnächst seine klinische Zulassung erhält.

Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten)

Pro Mikroliter Blut sind etwa 5,5 Millionen rote Blutkörperchen enthalten, die alle aussehen wie eingedellte runde Scheiben. Insgesamt verfügt ein gesunder Erwachsener über rund 25 Billionen Erythrozyten. Es findet ein ständiger Kreislauf der Neubildung und Entsorgung von roten Blutkörperchen statt. Da jeden Tag um die 250000000000 – das ist 1 Prozent von 25 Billionen – rote Blutkörperchen ausgemustert und aus dem Blutkreislauf entfernt werden, muss der Organismus für Ersatz sorgen. Und zwar in einer schier unvorstellbaren Geschwindigkeit. Damit kein Mangel an roten Blutkörperchen entsteht, werden pro Sekunde sage und schreibe 2 Millionen Erythrozyten neu gebildet. Dies geschieht im Knochenmark.

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Es findet ein ständiger Kreislauf der Neubildung und Entsorgung von roten Blutkörperchen statt.

Die Hauptaufgabe der roten Blutkörperchen besteht darin, Sauerstoff in der Lunge aufzunehmen und zu den Zellen im Körper zu transportieren. Ist ihr »Laderaum« geleert, füllen sie diesen auf dem Rückweg mit Kohlendioxid auf. Wieder zurück in der Lunge, wird das Kohlendioxid abgegeben, ausgeatmet und stattdessen wieder Sauerstoff für die nächste Runde durch den Körper aufgeladen. Damit die roten Blutkörperchen möglichst viel von dem lebenswichtigen Luftbestandteil mit auf die Reise nehmen können, hat sich die Natur einen besonderen Trick einfallen lassen: Wenn die Erythrozyten im Knochenmark wachsen und heranreifen, stoßen sie kurz vor dem Ende des Reifungsprozesses ihren Zellkern aus dem Inneren heraus. So schaffen sie mehr Laderaum, und den Zellkern benötigen sie nicht mehr. Lediglich die Zellen, die sich durch Teilung vermehren, brauchen dazu die im Zellkern enthaltenen DNA-Erbinformationen. Dies ist bei den roten Blutkörperchen aber nicht notwendig, da sie ständig im Knochenmark ohne Teilung neu gebildet werden.

Die roten Blutkörperchen nehmen also in der Lunge Sauerstoff auf, gehen auf ihre Reise durch den Körper und wieder zurück zur Lunge. Diese ganze Tour dauert etwa 1 Minute. Rund 180000-mal drehen die roten Blutkörperchen ihre »Sauerstoff-Runde«. Dann sind sie erschöpft und abgearbeitet. Bei Kindern werden sie in der Milz und bei Erwachsenen in der Leber ausgemustert und entsorgt. Jedes rote Blutkörperchen wird also im Durchschnitt nur etwa 120 Tage alt.

INFO: Warum haben Adelige blaues Blut?

INFO:

Warum haben Adelige blaues Blut?

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Adelige blaues Blut haben. Doch was stimmt daran? Haben Adelige etwa keine roten, sondern blaue Blutkörperchen? Liegt bei ihnen ein anderes Hämoglobin vor? Nichts von dem trifft zu. Mit verschiedenen Ansätzen wird heute versucht, die Redewendung vom »blauen Blut« zu erklären. Erstmals scheint dieser Begriff im Kastilien des Mittelalters aufzutauchen. Und zwar war unter der maurischen Herrschaft in Spanien (711–1492) auf einmal die Rede vom »Sangre azul«, dem azurblauen Blut. 12 Hintergrund war, dass die Adern der Adeligen durch deren blasse Haut besonders blau schimmerten. Schon damals galt es als schick, eine möglichst helle Haut zu haben. Dies entsprach dem damaligen Schönheitsideal. Zum einen wurde die Haut der südländischen spanischen Adeligen durch die Einheirat nordeuropäischer Adeliger immer heller. 13 Zum anderen sorgten die spanischen Adeligen dafür, dass ihre Haut möglichst hell und blass blieb, indem sie der Sonne aus dem Weg gingen. Die Adern unter der blassen Haut wirkten bläulich, insbesondere, wenn es sich um das Blut in den sauerstoffarmen Venen handelte. Dieser Blaueffekt wurde noch durch spezielle Absorptionseigenschaften des Lichts verstärkt. Der langwellige rote Anteil des Lichts dringt nämlich tiefer in das Gewebe ein und wird dort vom Blut absorbiert, also geschluckt, während der kurzwellige blaue Anteil kaum in das Gewebe eindringen kann und verstärkt von der Haut reflektiert wird. Dadurch erscheint das Blut in den Adern noch wesentlich blauer, als es in Wirklichkeit ist.

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Wer einmal Nasenbluten hatte und dabei etwas Blut in den Mund bekam, musste feststellen, dass ein Eisengeschmack davon ausging. Und in der Tat: Rote Blutkörperchen bestehen zu fast 90 Prozent aus dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin, welcher die Sauerstoffmoleküle für den Transport durch den Körper an sich bindet. Um dies zu bewerkstelligen, werden Eisenatome benötigt.

Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten)

Von den weißen Blutkörperchen gibt es wesentlich weniger als von ihren roten Kollegen. In einem Mikroliter Blut sind etwa 7500 Leukozyten enthalten. Umgerechnet kommen ungefähr 700 rote Blutkörperchen auf ein weißes.

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Allerdings ist es bei den Leukozyten nicht ganz so einfach wie bei den Erythrozyten. Es sind nicht alle weißen Blutkörperchen gleich und können einfach »über einen Kamm geschoren« werden. Leukozyten werden nämlich in einzelne unterschiedliche Arten unterteilt:

Granulozyten

Mehr als 60 Prozent der weißen Blutkörperchen sind Granulozyten. Sie haben diesen Namen nach ihrem Aussehen erhalten. Unter dem Mikroskop sind in ihrem Inneren nämlich lauter kleine Knötchen erkennbar, wie eine Art Granulat. Etwa 90 Prozent der Granulozyten verbleiben lebenslang im Knochenmark, wo sie auch gebildet werden. Bis zu 3 Prozent der Granulozyten lassen sich mit dem Blutstrom treiben und 6–7 Prozent wandern auf der Suche nach körperfremden Eindringlingen durch das Gewebe.

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Etwa 90 Prozent der Granulozyten verbleiben lebenslang im Knochenmark, wo sie auch gebildet werden.

Es werden drei Arten von Granulozyten unterschieden:

Neutrophile Granulozyten, die im Organismus nach Bakterien, Viren oder Pilzen fahnden, um diese zu beseitigen.

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Eosinophile Granulozyten, deren Fahndungsziele Parasiten wie Würmer oder Einzeller sind, welche sie nach dem Auffinden mit Gift abtöten. Außerdem setzen sie Abwehrstoffe frei, mit denen sie weitere eosinophile Granulozyten zur Unterstützung herbeirufen. Über diese Funktion hinaus sind die eosinophilen Granulozyten noch in geringem Maße an der Entstehung allergischer Reaktionen beteiligt.

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Basophile Granulozyten, die in wesentlich erheblicherem Umfang an allergischen Reaktionen beteiligt sind und auch Histamin freisetzen. Darüber hinaus versammeln sie sich in der Umgebung von Wunden und locken dort weitere Immunzellen an, um diese Wunden gegen schädliche Eindringlinge zu verteidigen.