13,99 €
Starmacher meiden das Rampenlicht. Doch im Hintergrund formen sie aus talentierten Athleten gefeierte Superstars. Begnadete Chirurgen, clevere Berater, extravagante Fitnessgurus und mysteriöse Wunderheiler – sie alle haben großen Anteil am Erfolg unserer Sporthelden. Nun gewähren sie exklusive Einblicke in ihre Arbeit mit den Gladiatoren der Neuzeit. Egal ob Fußballstar Leroy Sané, Tennisass Roger Federer oder Skilegende Marcel Hirscher – ihre einzigartigen Karrieren wären nicht möglich ohne Starmacher. Wer stählt die Körper der Spitzensportler, wer plant ihre Erfolge? Ein Blick hinter die Kulissen einer weitgehend geschlossenen Gesellschaft.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 237
Veröffentlichungsjahr: 2020
Daniel Müksch
DIESTARMACHER
Daniel Müksch
Wie Ärzte, Managerund Mentaltrainerunsere Sportstars erschaffen
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
Originalausgabe
1. Auflage 2020
© 2020 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Türkenstraße 89 80799 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Umschlaggestaltung: Marc-Torben Fischer, München
Umschlagabbildung: shutterstock.com/Michal Sanca, shutterstock.com/Login
sowie Jens Mauritz (Autorenfoto)
Satz: Röser MEDIA GmbH & Co. KG, Karlsruhe
Druck: CPI books GmbH, Leck
eBook: ePubMATIC.com
ISBN Print 978-3-7423-1443-7
ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-1106-8
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-1107-5
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.rivaverlag.de
Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de
Wie alles begann
Prolog
Kapitel einsDer Kreuzband-König
Kapitel zweiZwischen den Stühlen
Kapitel dreiDer Herrscher über die Klicks
Kapitel vierEin Weltenbummler, der den »Djoker« Effizienz lehrte
Kapitel fünf»Tausendundeine Nacht« in der Macho-Welt
Kapitel sechsNichtraucher im Unruhestand
Kapitel siebenDer Kalorien-Pionier
Kapitel achtDrei Engel für PS-Helden
Kapitel neunKölscher Jeck mit Killerinstinkt
Kapitel zehnVom Wunderheiler zum Seelenöffner
Kapitel elfWer zuletzt lacht, gewinnt Pokale …
Kapitel zwölfEin Mann für das Leben danach
Kapitel dreizehnSpieglein, Spieglein an der Wand
Kapitel vierzehnDas Phantom von Salzburg
Kapitel fünfzehnSie nennen ihn »Magic Heinzi«
Zeit, Danke zu sagen
»Daniel und sein Ball« – da hätten meine Eltern schon wissen müssen, was sie in den nächsten Jahren erwartet. Diese Worte schreibt Klassenlehrerin Frau Manych-Rüger in mein erstes schriftliches Zeugnis der Grundschule. Verbunden mit der Anmerkung, man könne den Eindruck gewinnen, Daniel würde morgens nur zum Unterricht erscheinen, um möglichst schnell in der Pause gegen den Fußball treten zu können. Positiv interpretiert, war die gute Frau von der Leidenschaft eines kleinen Knirpses begeistert. Skeptische Geister wollen darin bis heute eine zu starke Fixierung auf Bälle erkennen.
Auf jeden Fall bestimmt der (Ball)-Sport meine Kindheit. Zunächst aus weiter Ferne – mit dem WM-Titel der deutschen Fußballnationalmannschaft in Rom 1990, den ich als Neunjähriger völlig übermüdet vor dem Fernseher verfolge. Und nicht verstehe, warum dieser Mann namens Beckenbauer nach dem Triumph teilnahmslos über den Rasen wandert.
Aber zu jener Zeit ereignet sich auch in der hessischen Provinz Außergewöhnliches. Mit mir mittendrin. Ort des Schauspiels: Eitra. Ein 500-Einwohner-Dorf am Fuße der Rhön. Osthessen. Meine Heimat. Zonenrandgebiet. Diese Bezeichnung überlebt den Mauerfall 1989. Mir damals völlig egal. Wiedervereinigung hin oder her. Für mich sind es sportlich aufregende Zeiten. Dem Handballverein meines Dorfes, dem TV Eitra, gelingt der Durchmarsch in die erste Bundesliga. Ein ganzes Dorf packt mit an. Auch meine Eltern. Besonders mein Vater. Früher selbst ein sehr passabler Handballer bietet er dem Verein unsere Einliegerwohnung als Appartement an. Und niemand Geringeres als das Gesicht des Dorf-Märchens zieht dort ein – Željko Zovko, der kroatische Trainer. Mit seiner Frau Jasenka und den beiden kleinen Söhnen Lovro und Jossip. Für mich ein riesiges Abenteuer. Meine Stars vom »TVE« treffe ich beim Tischtennisspielen in unserem Hof. Oder sie sitzen beim Trainer zum Rapport auf unserer Terrasse.
Eine frühe Kindheitslehre: Großer Sport findet nicht nur im Fernsehen statt, sondern manchmal sogar vor der eigenen Haustür. Selbst für einen kleinen Jungen aus dem Zonenrandgebiet.
Mit dem gleichaltrigen Trainer-Sohn Lovro beginne ich das Tennisspielen. Anfangs auf Augenhöhe. Relativ schnell entwischt mir der kroatische Freund. Heute blickt Lovro auf eine erfolgreiche Profikarriere zurück – mit dem kroatischen Davis-Cup-Sieg 2012 als Höhepunkt. Ich spiele selber ordentlich. Erfolge und Turniersiege stellen sich ein. Aber ich merke zum ersten Mal, dass eine Karriere im Sport mehr als nur Talent erfordert. Oder kann es Zufall sein, dass Lovro von seinem Vater prompt aus der hessischen Provinz geschickt wird, als er die Ranglisten nach oben klettert? In Zagreb wohnt Lovro bei Verwandten und trainiert im Stützpunkt des kroatischen Verbands mit den besten Spielern und Coaches des kleinen Landes. Meine nächsten Förderzentren liegen in Kassel oder Frankfurt. Jeweils über eine Stunde Fahrt entfernt. So bleibt meine eigene Sportkarriere ein regionales Phänomen. Im Tennis wie im Fußball.
Doch meine Klassenlehrerin Frau Manych-Rüger hat den richtigen Riecher: Ohne Sport kann ich nicht. Und irgendwann muss nicht einmal mehr immer ein Ball beteiligt sein. In Göttingen studiere ich Sport und erlebe Nicht-Ballsportarten auf höchstem Niveau hautnah. Am Sportinstitut der Uni drehen Leichtathleten von nationalem Format mit den Professoren ihre Runden. Wie Zehnkämpfer Jacob Minah. Minutiös bespricht er jeden einzelnen Schritt mit Leichtathletik-Ikone Dr. Rolf Geese. Selbst beim 100-Meter-Lauf. Was soll daran bitte kompliziert sein? So schnell wie möglich geradeaus laufen. Es klingt banal. Doch von zu Semester zu Semester lerne ich: Das ist es nicht. Will man im Spitzensport ein Wörtchen mitreden, ist gar nichts banal. Beim Anblick des Duos Minah-Geese wird mir klar: Nur im Detail und mit Experten an ihrer Seite werden außergewöhnliche Athleten geformt. Und trotzdem tauchen die von mir in Göttingen beobachteten Sportler nie wirklich auf der großen Bühne auf. Auch ein Jacob Minah nicht. Wie ist das möglich? Schließlich haben sie doch so vieles richtig gemacht.
Als Journalist in München (Focus, Playboy, Bunte, Münchner Merkur und tz) lerne ich wenige Jahre später die großen Namen des Sports persönlich kennen. Dirk Nowitzki, Michael Schumacher, Boris Becker, Jürgen Klopp, Lindsey Vonn, Philipp Lahm, Angelique Kerber, Marcel Hirscher. Bis zu einem Treffen mit diesen Superstars müssen unzählige Telefonate geführt und dutzende Nachrichten geschrieben werden. Erst danach steht die Person irgendwann leibhaftig vor mir. Dann aber fast ausnahmslos ohne Allüren. Auch wenn Boris Becker sich stets bemüht, diese Aussage zu widerlegen. Die Aufregung um sie herum wächst ausschließlich durch die Menge an Leuten, die diese Sportler begleiten. Spätestens hier wird mir klar: Mit diesem täglichen Wahnsinn umzugehen, ihn richtig zu kanalisieren, ist ein beinahe genauso großes Talent wie eine saubere Ballannahme oder ein gefährlicher Rückhand-Slice. Und wie entscheidend müssen dann erst die Menschen um diese Athleten herum sein?
Die größten Stars haben eins gemeinsam: Sie sind umgeben von Charakteren, die sie über Jahre begleiten, denen sie blind vertrauen. Schattenmänner des Erfolgs. Um sie geht es in diesem Buch. Sie agieren still im Hintergrund. Aber ohne sie wären Sportler nicht zu Höchstleistungen fähig. Aus talentierten Athleten formen sie Stars: begnadete Ärzte, Mentaltrainer, Fitness-Gurus oder Wunderheiler. Echte Starmacher.
»Die Erfolgreichen suchen sich die Umstände,die sie brauchen. Wenn sie diese nicht finden,schaffen sie sich die Umstände selber.«
(George Bernard Shaw,irischer Dramatiker und Nobelpreisträger)
36. So viele Akkreditierungen beantragt Tennisprofi Rafael Nadal 2016 bei den US Open. Für sich und sein Team. In manchen Meldungen ist die Rede von 35, auch mal von 38 Anträgen. Die einzige Zahl, die der US-Tennisverband nicht dementiert ist hingegen jene 36. Die Boxen auf dem Center-Court der Anlage, dem Arthur-Ashe-Stadion, bieten gerade einmal 16 Gästen gleichzeitig Platz. Die Nadal-Entourage hätte also Schnick-Schnack-Schnuck um einen Stuhl im größten reinen Tennisstadion der Welt spielen müssen. Wie sich die spanische 36-Teilnehmer-Reisegruppe zusammensetzt? Zunächst mal ist da die Familie Nadal, klar. Vater Sebastián und Mutter Anna María sitzen trotz ihrer Trennung oft in der Box ihres Sohnes, genau wie Schwester María Isabel. Und Nadals damalige Freundin und heutige Ehefrau Xisca – auch klar. Nebst seinen Schwiegereltern. Auch noch vorstellbar. Aber sonst? Es ist einige Fantasie gefragt, um auf 36 Personen zu kommen. Wahrscheinlich weiß Nadal heute selber nicht mehr, für wen er im Herbst 2016 eine Anfrage an die Veranstalter unterschrieben hat. Dennoch steht diese Anekdote sinnbildlich für eine neue Generation von Supersportlern. Für Athleten, die sich für den maximalen Erfolg ein Umfeld aus unterschiedlichen Experten schaffen, die sie auf Schritt und Tritt begleiten. Oder jederzeit für sie abrufbar sind.
Damals ist an der Seite des 19-fachen Grand-Slam-Siegers Nadal noch sein Onkel Toni als Hauptcoach unterwegs. Wenig später nimmt Ex-Profi Carlos Moyá dessen Platz ein. Auch Nadals Agent Carlos Costa gehört zu den treuen Begleitern, ebenso wie eine feste Ernährungsberaterin und ein Physiotherapeut. Ein Aufgebot, dessen Mission darin besteht, die bestmögliche Leistung aus dem Linkshänder herauszukitzeln. Sie sind die Starmacher von Rafael Nadal, und sie müssen ihr eigenes Leben komplett den Bedürfnissen ihres anspruchsvollen Arbeitgebers unterordnen. Schließlich gehören sie in ihrem Genre selber oft zu den besten der Welt. Aber nur mit den Besten der Besten in seiner Box kann ein Rafael Nadal über inzwischen fast zwanzig Jahre herausragende Leistungen abrufen. Die große Leistungsdichte gewährt einem Profi nur dann Vorteile, wenn er sich in Mini-Schritten, in kleinen Prozentpunkten von der Konkurrenz abhebt. Das ist in allen Sportarten so, nicht nur im Tennis. Und eben deswegen verschmilzt der Profisport immer mehr mit der Wissenschaft. So äußert der ehemalige Weltklasse-Keeper Andreas Köpke bereits 2013: »Diese Kombination aus Wissenschaft und Sport ist genau der Ansatzpunkt, der immer wichtiger wird. Die Leistungsdichte im Profisport und vor allem im Fußball ist so hoch, dass die Unterschiede in der Trainingsqualität vor allem im Detail liegen und hier kann die Sportwissenschaft den entscheidenden Vorteil bieten.« Der Europameister von 1996 gehört als Torwart-Trainer der Nationalmannschaft selbst zu einer Berufsgattung, an die man sich erst einmal gewöhnen musste. Heute ist ein Extra-Trainer für Torhüter Standard. Im Fußball genauso wie im Handball oder Eishockey. Starmacher, die nicht mehr als neumodische Spinnerei in den Köpfen abgespeichert sind. Das ist nicht immer der Fall. So manche Spezialisierung wird auch heute noch mit Hohn und Spott überzogen.
Diese Erfahrung musste Thomas Gronnemark (siehe Kapitel elf) im Fußballgeschäft machen. Der Däne arbeitet als Einwurftrainer für große europäische Clubs. In seiner Heimat ließ er mit Erfolgen bei einigen Erstligisten aufhorchen, zum Beispiel beim »Moneyball«-Club FC Midtjylland. Über die Grenzen Dänemarks hinweg gelang ihm der Durchbruch beim englischen Traditionsverein FC Liverpool. Allerdings wehte ihm dort zu Beginn ein kalter britischer Wind ins Gesicht. Viele Beobachter zweifelten an der Notwendigkeit eines Einwurftrainers im Fußball. Die Ablehnung hat Gronnemark getroffen, von seinem Weg hat sich der ehemalige Leichtathlet und Bobfahrer dennoch nicht abbringen lassen. Heute, so sagt er, könne er auch den FC Bayern noch den entscheidenden Tick besser machen.
Doch das Team um einen Sportler oder eine Mannschaft ist kein Selbstzweck. Jeder Impuls muss den aktuellen Bedürfnissen des Protagonisten entsprechen. Diese können sehr unterschiedlich ausfallen.
Am klarsten scheint der Nutzen für professionelle Athleten, wenn sich Mediziner um sie kümmern. Der Sportler ist verletzt. Seine Lebensgrundlage stark gefährdet. Die logische Konsequenz: Der Außer-Gefecht-Gesetzte will so schnell wie möglich wieder gesund und fit sein. Im Fußball erleidet jeder Profi in einer Saison durchschnittlich zweieinhalb Verletzungen. Immer mit der Hoffnung – oder dem Druck – zu alter Stärke zurückzufinden. Nach diesem Kriterium sucht sich der Sportler a. D. einen Arzt seines Vertrauens. Leider nicht selten nach einem Kreuzbandriss. Dass Geschwindigkeit allerdings nur eine Seite der Medaille ist, erklärt Professor Christian Fink (siehe Kapitel eins). Der Innsbrucker ist zum gefragtesten Knie-Chirurgen der Welt aufgestiegen. Er hat unter anderen die heikle Knie-Operation beim neuen Bayern-Star Leroy Sané im Sommer 2019 durchgeführt. Unter strenger Beobachtung. Auch Sanés Kollegen aus der Bayern-Abwehr Niklas Süle und Luca Hernández konnte Fink erfolgreich behandeln.
Fink hat Methoden entwickelt, die dem Kreuzbandriss den Schrecken vergangener Tage nehmen. Es ist nicht lange her, da ging diese Verletzung mit dem Karriereende einher. Vorbei. Starmachern wie Christian Fink sei Dank. Einige Monate ist der kreuzbandgeplagte Profi heute dennoch außen vor. Ausreichend Zeit für die Suche nach Alternativen. Und die Sportler werden fündig.
Längst hat sich um die Prominenz in kurzen Hosen eine Industrie der »Wunderheiler« etabliert. So würden sie sich niemals selbst nennen. Nichtsdestotrotz versprechen sie den Verletzten nichts anderes als Wunder. Gemessen an der traditionellen Ausfallzeit der Schulmedizin. Am klügsten hat dieses Geschäftsprinzip Mohamed Khalifa (siehe Kapitel vierzehn) aus Salzburg entwickelt. Bei dem gebürtigen Ägypter, der sich so gut wie nie öffentlich zeigt, mischt sich osteopathisches Geschick mit dem Versprechen von Heilung innerhalb weniger Stunden. Oft gar innerhalb von Minuten. Sein Spezialgebiet sind Kreuzbandrisse, wobei der Wahl-Salzburger verspricht, ohne Operation jeden Kreuzbandriss von gut trainierten Sportlern zu heilen. Bei ihm in der Praxis geht die internationale Sportelite seit Jahren ein und aus. Vertrauen diese Persönlichkeiten einem Scharlatan? Seit Kurzem befindet sich Khalifa im Ruhestand. Offiziell. Im Hintergrund heilt er allerdings weiter an seinem eigenen Mythos.
Zu den Klienten von Khalifa zählte auch Boris Becker. Doch selbst der »Wunderheiler« konnte nicht verhindern, dass der jüngste Wimbledon-Sieger aller Zeiten 1999 zurücktreten musste. Beckers Körper machte nicht mehr mit, gezeichnet von all den Jahren auf allerhöchstem Niveau. Mit gerade einmal 31. Heute sind Sportler wie Beckers Tenniskollege Roger Federer, Football-Superstar Tom Brady oder Skirennläufer Aksel Lund Svindal bis weit in die Dreißiger – und sogar darüber hinaus (Brady) – in der Lage, zwanzig Jahre jüngere Kontrahenten in die Schranken zu weisen. Schon wieder ein Wunder? Nein. Weil die älteren Herren über Jahrzehnte penibel auf ihre Körper achten oder Experten engagieren, die das für sie erledigen. Als Boris Becker den Weltranglistenersten Novak Djoković trainierte, staunt er über den großen Betreuer-Stab seines neuen Schützlings: »Bei uns gab es damals einen Teller Nudeln und eine Massage. Das ging auch«, merkte Becker an. Doch der Deutsche war auch nicht ohne Grund gezwungen, seine Karriere mit 31 Jahren zu beenden. Er bezahlt einen hohen Preis für seine Nudeln-Massage-Regeneration. Bis heute. Der 53-Jährige eilt von Operation zu Operation, und Krücken sind dabei seine zuverlässigsten Begleiter. Djoković hingegen wird noch mit 40 Jahren um die großen Pokale mitspielen können. Davon ist sein ehemaliger Berater und Fitnesstrainer überzeugt. Kaum jemand kennt den Athleten Djoković besser als Gebhard Gritsch (siehe Kapitel vier). Zehn Jahre reiste er mit dem »Djoker« 40 Wochen im Jahr von Turnier zu Turnier. Gritsch setzte die fehlenden Puzzleteile zusammen und formte aus Djoković einen Weltsportler.
Will man etwas über die Evolution des Sports erfahren, muss man nach Donaustauf reisen. Hier lebt und arbeitet Klaus Eder (siehe Kapitel sechs). Seine Hände haben Generationen von Profis geknetet. Der Physiotherapeut hat als Betreuer der deutschen Fußballnationalmannschaft sieben Weltmeisterschaften vor Ort miterlebt. Bei der WM 1990 in Italien qualmte er zusammen mit einigen Nationalspielern gemütlich ein paar Zigaretten. So dass sein Vorrat schnell aufgeraucht war. Die gute alte Zeit? Nicht nur. Heute erkennt er unter den Fußballern Manieren, die er bei den glorifizierten Helden von einst vermisst hat. Auch nach einem erfüllten Berufsleben brennt in Eder noch die Leidenschaft für seinen Beruf. Diese konnte selbst »Fluppen-König« Mario Basler nicht löschen.
Das Thema darf auf keiner Smalltalk-Party fehlen. Weil es jeder macht. Machen muss: essen. Vegetarisch, vegan, glutenfrei, low-carb. Es findet sich zu jedem dieser Begriffe eine Fülle von Literatur und Ratgebern. Auch im Sport hat der Kult um die Kalorien Einzug gehalten. Wenn auch nicht so triumphal, wie man es sich vorstellt. Von dieser Fehleinschätzung berichtet Christian Frank (siehe Kapitel sieben). Er arbeitet als erster Ernährungswissenschaftler (Ökotrophologe) in der Fußballbundesliga. Beim Ruhrpott-Club Schalke 04 um die Jahrtausendwende. Die Essgewohnheiten professioneller Athleten hat er sich jedoch anders vorgestellt. In Gelsenkirchen ist man bei seinem Dienstantritt meilenweit von einer sportartspezifischen Ernährung entfernt. Frank ändert das. Bis das königsblaue Power-Food auf dem Speiseplan steht, muss der gebürtige Hesse erst das Gelsenkirchener Macher-Duo aus Manager Rudi Assauer und Trainer Huub Stevens überzeugen. Zwei Dickköpfe. Keine einfache, aber lohnende Mission. Christian Frank – ein Starmacher, ein Pionier, dessen Überzeugungen bis nach Liverpool greifen. An der Anfield Road leitet Franks Kollegin Mona Nemmer eine ganze Abteilung, die sich ausschließlich um die richtige Ernährung der Spieler kümmert. Und in Deutschland hat sich Bayern-Stürmer Robert Lewandowski nicht nur dank seiner Tore, sondern auch mit Hilfe eines Speiseplans in den Vordergrund gespielt. Er musste dafür keine externe Expertin anstellen. Seine Geheimwaffe auf dem Gebiet hat er am 22. Juni 2013 geheiratet – seine Frau Anna.
Unterstützt die Medizin den Spitzensport, so ist ein Thema unvermeidlich: Doping. Die Schlagzeilen der letzten Jahre wirken wie ein Mahnmal. Allein schon die Definition des Begriffs füllt Bücher und Seminararbeiten. Das Problem beginnt im Kleinen: Was ist mit dem Sportler, der jeden einzelnen Muskel nach einer Vollbelastung spürt, sich kaum mehr bewegen kann, wenn ein entscheidender Wettkampf, beispielsweise ein WM-Endspiel, ansteht? Ist der Akteur bereits gedopt, wenn er sich vor solch einem großen Finale ein paar Ibuprofen-Tabletten einwirft? Nach einigen Definitionen wäre er das. Ohne die Zuführung des Mittels hätte der Sportler schließlich nicht auflaufen können. Erst das Präparat hat ihn einsatzbereit gemacht. Derlei Fragen sind kein theoretisches Gedankenspiel: Nach dem WM-Erfolg der deutschen Handball-Nationalmannschaft 2007 im eigenen Land geben einige Spieler zu, dass sie ohne Schmerzmittel im Finale gegen Polen nicht hätten auflaufen können. Ein historischer deutscher Sportmoment getrübt durch verdecktes Doping? Bei Schmerzmitteln sprechen Experten, wie Hans Geyer von der Deutschen Sporthochschule in Köln, von »Grauzonen«. Auch zahlreiche Starmacher in diesem Buch sind mit dem Thema in Berührung gekommen. Sie versichern aber, niemals gegen die Anti-Doping-Vorschriften verstoßen und die verbotenen Mittel verabreicht zu haben.
Ähnlich wie die Ernährung hat die Psyche als Faktor für Topleistungen enorm an Bedeutung gewonnen. In Deutschland rückt das Thema durch den Freitod von Nationaltorwart Robert Enke 2009 in das Zentrum des Interesses. Wie kann ein Mann, der den Traum eines jeden kleinen Jungen lebt, unglücklich sein? So unglücklich, dass er seinem Leben ein Ende setzt? Antworten sind schwer zu finden, aber das Bewusstsein für die psychischen Komponenten im Leistungssport wächst. So scheint es. Oder sind wir nur für einen kurzen Moment zum Jahrestag des tragischen Ereignisses berührt, trauern um das Schicksal des ehemaligen Hannoveraners – und kehren dann schnell zu den brutalen Urteilen über die fürstlich bezahlten Sportler zurück? Werden die Spieler heute tatsächlich besser mental betreut als vor rund zehn Jahren? Holger Fischer (siehe Kapitel zehn) glaubt, die mentale Betreuung der Vereine sei mehr Alibi als sinnvolle Unterstützung. Fischer war eine Zeit lang als »Wunderheiler von der Schwäbischen Alb« berühmt. Manch einer mag sagen: »berüchtigt«. Ähnlich wie bei Mohamed Khalifa in Salzburg besuchten ihn Sportler mit der Hoffnung auf drastisch kürzere Verletzungspausen. Der Streit mit den Vereinsärzten und Verbandsmedizinern wurde ihm irgendwann zu anstrengend. Seitdem sorgt er für mentale Gesundheit bei seinen Klienten. Ein Mental-Trainer? Irgendwie schon. Auch wenn Fischer dieses Wort nicht gerne hört. Zeitweise betreute er Fußballer aus jedem Verein der Bundesliga. Doch parallel zum steigenden Wachstum der Kicker-Blase schwindet Fischers Lust am deutschen Lieblingssport. Heute ist er breiter aufgestellt und hat über seinen Klienten Peter Sobotta selber ein neues Hobby gefunden: den Käfigkampf.
Der Weg in den Kopf der Athleten, ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden – alles schön und gut. Letztlich ist der Sport für die größten Stars: ihr Beruf. Und das Geschäft mit der professionellen Leibesertüchtigung ist dermaßen komplex geworden, dass für finanzielle Angelegenheiten der Berater zuständig ist. Eine Berufsgruppe, die unter den Starmachern den schlechtesten Ruf besitzt. Selbst bei Wunderheiler-Konkurrenz. Die Skepsis gegenüber der Arbeit der Berater ist enorm, erst recht, wenn sie in der Fußball-Szene aktiv sind. Das mag an den astronomischen Summen liegen, welche die Branche generiert und an alle Beteiligten wieder ausschüttet. Schließlich versorgen die Berater Fans, Club-Bosse und Nationaltrainer nun mal mit dem wertvollsten Gut, den Akteuren auf dem Rasen, und das lassen sie sich gut bezahlen. Allerdings sind die Beraterhonorare prozentual nicht höher als in anderen Branchen – etwa in der Musik oder im Modell-Geschäft. In Deutschland ist Volker Struth (siehe Kapitel neun) mit seiner Agentur »SportsTotal« der wichtigste Player auf dem Markt. Sein Aufstieg zeigt, dass eine Berater-Karriere nicht planbar ist: Man muss in der Lage sein, eine Chance zu ergreifen, wenn sie sich eröffnet – eine Disziplin, in der Volker Struth so schnell niemand etwas vormacht. Von Aktenordnern und Lochern über Deutschland-Fähnchen am Seitenspiegel bis hin zum Oktoberfest am Dom – der kölsche Jung packt an. Heute ist er der mächtigste Spielerberater Deutschlands.
Volker Struth steht oben in einer Branche, die Dr. Samira Samii (siehe Kapitel fünf) den Zutritt nicht einfach gemacht hat. Zwar passt bei der jungen Frau der Spruch, jemand sei »mit dem goldenen Löffel geboren«, denn die Familie ihrer Mutter stammt direkt aus der persischen Königsdynastie, und ihr Vater kommt aus einer berühmten Ärzte-Familie und ist ein weltweit anerkannter Augenarzt. Was macht eine Tochter mit so einem Hintergrund normalerweise? Beruf Prinzessin? Lifestyle-Influencerin? Jetset-Leben? Nein. Sie avanciert als erste Frau in Deutschland zur SpielerberaterIN im Profifußball. Ihre ständigen Karrierebegleiter: Vorurteile und Klischees. Und sexuelle Belästigung. Irgendwann dreht Samii den Spieß um und nutzt den weiblichen Charme als Vorteil gegenüber den oft kühl kalkulierenden männlichen Kollegen.
Ähnlich wie Samii ist auch Michael Hoffmann (Kapitel zwölf) unverdächtig, nur dem schnöden Mammon hinterherzurennen. Bei seinem Start als Berater hat der Norddeutsche mit Anfang 40 bereits eine erfolgreiche Karriere in der Wirtschaft hinter sich. Er kann es sich leisten, die Zusammenarbeit mit Sportlern an bestimmte Bedingungen zu knüpfen. So muss jeder seiner Athleten an einem Patenprogramm teilnehmen. Dadurch sollen vor allem die älteren Spieler den jüngeren Kollegen bei ihrem Weg durch das Profileben mit Rat und Tat zur Seite stehen. Schließlich schnuppert man in einer Sportlerkarriere nicht nur Höhenluft. Manche Abstürze sind brutal – etwa der von Sebastian Mielitz, einst große Torwart-Hoffnung bei Werder Bremen und dem Deutschen Fußball Bund. Hoffmann lernt ihn kennen, als er in der Bayernliga zwischen den Pfosten steht. Sie entwickeln einen Plan für den Weg zurück in Topligen. Bereiten sich parallel auf ein Leben ohne Profisport vor. Bei diesen Überlegungen kann kaum einer der jungen Athleten-Generation so gut helfen wie Michael Hoffmann. Mit seinen Kontakten in die Wirtschaft öffnet er für seine Klienten Türen, die auch ein erfülltes Leben nach der aktiven Laufbahn versprechen. Viele Firmen suchen inzwischen gezielt nach solchen Charakteren, möchten von der Gewinner-Mentalität erfolgreicher Sportler profitieren.
Mehr Klicks, mehr Follower – mehr Geld. In der Welt der sozialen Medien spielt das zweifelsfrei eine immer größere Rolle. Aus dem Freizeitgedaddel für langweilige Stunden ist längst ein lukrativer Markt geworden. Auch und besonders für Sportstars. Als Nationalspieler Timo Werner von RB Leipzig zum FC Chelsea wechselt, steigert sich seine Follower-Anzahl auf Instagram um sage und schreibe 178 Prozent. Likes und Postings – das ist die (berufliche) Heimat von Mario Leo (siehe Kapitel drei). Der Technikfan befasst sich Tag für Tag mit Strategien für soziale Medien. Seine Kunden sind die größten Sportverbände der Welt, unter anderem die UEFA. Er berät aber auch große Vereine auf der ganzen Welt – etwa Borussia Dortmund oder Juventus Turin. Fast wäre Leo selber professioneller Kicker geworden, hätte ihn nicht eine schwere Verletzung bei seinem zweiten Profieinsatz aus der Bahn geworfen. Doch er haderte nicht mit dem Schicksal, reiste um die Welt und kehrte als Digital-Stratege zurück nach Deutschland. Heute sitzt er mit am Verhandlungstisch, wenn Juventus Turin den Wechsel von Cristiano Ronaldo einfädelt. Er rechnet vor, wie man nicht nur den Spieler, sondern auch dessen Fans in den sozialen Medien mit zum neuen Arbeitgeber transferieren kann. Ganz nebenbei kann Leo auch noch erklären, ob »CR7« wirklich mit nur einem einzigen Post eine Million Euro verdient. Spoiler: Es lohnt sich für den Portugiesen.
Ein Schönheitschirurg als Starmacher für unsere Sportelite? Dazu noch einer, der direkt an der schicken Düsseldorfer Königsallee praktiziert – zwischen Designer-Läden und PS-Boliden im Wert eines Einfamilienhauses? Beschäftigt man sich näher mit Malte Villnow (siehe Kapitel dreizehn), wird klar: Er gibt den Sportlern mehr als eine oberflächliche Optimierung. Im nächsten Schritt stoßen seine Patienten oft in sportliche Sphären vor, die unerreichbar erschienen. Eine Erklärung für so manch unerwartete Leistungsexplosion liefert in solchen Fällen die Wissenschaft. Und Tennis-Star Andre Agassi wäre mit Villnows Hilfe vielleicht sogar noch früher auf den Tennis-Olymp geklettert.
Direkt oder indirekt: Bei Heinz Hämmerle (siehe Kapitel fünfzehn) stellt sich die Frage, wie er den Sportstars hilft, gar nicht erst. Direkter geht es nämlich kaum. Seine Leistung tragen die großen Stars des Wintersports an ihren Füßen. Der österreichische Servicemann präpariert seit fast vierzig Jahren die Bretter für die schnellsten Skifahrer der Welt. Mit seinem Landsmann Patrick Ortlieb, Olympiasieger und Weltmeister, feiert er den großen Durchbruch. Für Lindsey Vonn bricht der sanfte Macho mit einem seiner Grundsätze: Er arbeitet ausnahmsweise für eine Frau. Noch heute verbindet ihn mit dem US-Glamour-Girl eine Freundschaft. Vonn, die erfolgreichste Skirennläuferin der Weltcupgeschichte, war es auch, die dem Vorarlberger seinen Spitznamen verpasst hat: »Magic Heinzi«. In der Ski-Szene muss nur dieser Name fallen und jeder weiß sofort, wer gemeint ist: der Starmacher aus dem Skikeller.
Ein Starmacher aus dem Hörsaal – das ist Rolf Brack (siehe Kapitel zwei). Der 67-Jährige pendelt über seine gesamte Handball-Laufbahn zwischen den Welten. An der Universität predigt er, man müsse sich als Coach auch von seinen Emotionen und dem Bauchgefühl leiten lassen. Denn ein Patentrezept auf Erfolg finde man in keinem Lehrbuch. Im Profihandball wünscht er sich gleichzeitig mehr Offenheit für die Methoden der Wissenschaft. Nur weil man zum Beispiel vor vielen Jahren mal in der Nationalmannschaft gespielt habe, sei man noch lange kein guter Trainer. Für seine eigene Karriere kann Brack beide Welten perfekt miteinander verbinden. Besonders mit Balingen wirbelte er das Handball-Establishment gehörig durcheinander. Seine Arbeit strahlt bis heute über den Handball hinaus – und sogar bis in den Fußball hinein. Nicht zuletzt dank eines seiner besten Studenten: Ralf Rangnick.
Wenn eine Szene für tradierte Weltbilder steht, dann ist es die Formel 1. Lange Zeit feierte sich die Königsklasse mit ihren »Boxenludern«, und mit jeder aufheulenden Pferdestärke schoss Testosteron durch das Fahrerlager. Doch auch dieses männliche Biotop hat sich gewandelt – und zwar nicht erst, seit die »Boxenluder« im März 2018 abgeschafft wurden. Schon vorher besetzten einige Frauen tragende Rollen. Angela Cullen, Sabine Kehm und Britta Roeske (siehe Kapitel acht). Diese drei Frauen stehen loyal an der Seite der berühmten Fahrer, für die sie arbeiten. Dabei bleiben sie nicht stehen und sonnen sich in der Aura ihrer Weltmeister-Chefs. Sie greifen nach mehr, achten aber auch stets darauf, ihre innere Mitte nicht zu verlieren.
Christian Fink ist angeschlagen. Ein Magen-Darm-Virus setzt ihm schon seit einigen Tagen zu. Diagnose: Schonkost anstatt OP-Kittel. Zwangspause für einen Mediziner aus Leidenschaft. Sein Pech ist des Reporters Glück. Nur so findet der Wahl-Tiroler Zeit für ein Gespräch ohne Zeitdruck und Termine im Nacken – beim Gesundheitstee im Gramarthof. Dieser liegt im Stadtteil Hungerburg über Innsbruck, nur einen Steinwurf von Finks Zuhause entfernt. Doch daran darf er auch nicht denken. Wasserrohrbruch im Keller. Das Haus voller Handwerker. Dann lieber ein heißes Aufgussgetränk mit einem knisternden Kamin in der Ecke. Draußen leichter Nieselregen. Das Thermometer schafft mit Mühe und Not die Zehn-Grad-Marke, und so finden sich an diesem Tag kaum Wanderer und Tagestouristen in dem beliebten Ausflugs-Wirtshaus ein. Der Gast ist hier bestens bekannt und vertraut mit der Küche. Fink bestellt, ohne in die Karte zu blicken. Spinat-Gnocchi – die könne der angeschlagene Magen vertragen. Ganz zur Ruhe kommt Christian Fink allerdings selbst im Krankenstand nebst Bergidylle nicht. Sogar jetzt trudeln permanent Nachrichten seiner Patienten auf dem Smartphone ein.
Der Mediziner ist ein weltweit gefragter Mann. Die komplette Liste seiner prominenten Kundschaft aus der Welt des Sports könnte alleine eine Buchseite füllen. Felix Neureuther, Lindsey Vonn, Aksel Lund Svindal, Leroy Sané, Giorgio Chiellini, Niklas Süle, Corentin Tolisso, Oliver Baumann, Merih Demiral oder Luca Hernández – sie alle vertrauen seinen Händen. Und so hat sich Innsbruck zur Zuflucht für schwer verletzte Topathleten gemausert, mit Professor Christian Fink als Hoffnungsträger.
Vor einigen Jahren stiegen die Sportstars noch mit dem Ziel Vail im US-Bundesstaat Colorado in den Privatflieger. Richard Steadman galt als »der« Arzt für die »schwierigsten« Knie. Der emeritierte Professor der Universität von Dallas entwickelte die Technik der »Mikrofrakturierung« zur Behandlung von Knorpelschäden. Das Prinzip: Steadman setzt mit einem spitzen Instrument unter arthroskopischer Sicht kleine Löcher (»Mikrofrakturen«) in die defekten Knorpelstellen. Aus diesen Löchern kommt es zur Blutung und Entwicklung eines »Blutkoagels«, der sich in eine Art Ersatzknorpel umwandelt. Diese Technik ist auch heute noch sehr verbreitet.
Mit der »Mikrofrakturierung« und auch mit der operativen Behandlung von Kreuzbandrissen macht sich Steadman in den 1990er-Jahren weltweit einen Namen. Steigt zur Koryphäe in der Sportmedizin auf. Zu dieser Zeit ist er zudem einer der wenigen Chirurgen, die sich intensiv um die physiotherapeutische Nachbehandlung ihrer Patienten kümmern. Steadman, der Knie-Pionier, häuft aber nicht nur Wissen für seine medizinische Unsterblichkeit an, er will der nächsten Generation sein Know-how als Anstoß für noch effektivere Methoden auf den Weg geben. Und kaum einer saugt die Erfahrung des heute 84-jährigen Amerikaners so intensiv auf wie Christian Fink.
