Die Stutenfurt-Morde - Susanne Eisele - E-Book

Die Stutenfurt-Morde E-Book

Susanne Eisele

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Beschreibung

Kaum tritt Hauptkommissar Klaus Brösamle den Dienst in Stutenfurt an, wird er mit einem Mord konfrontiert. Trotz intensiver Ermittlungen ist der skrupellose Verbrecher dem Polizeiteam stets einen Schritt voraus. Während die Sonderkommission im Dunkeln tappt, vertraut der Täter seinem Tagebuch grauenhafte Einzelheiten an. Dem Team läuft die Zeit davon, denn der Mörder trifft bereits Vorkehrungen für das nächste Opfer.

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Seitenzahl: 105

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Susanne Eisele

Die Stutenfurt-Morde

Notizen eines Mörders

© 2025 Susanne Eisele

Lektorat von: Manfred Polz, Petra Schmid

www.federundlektorat.com.

Coverdesign von: Cover and Art

www.cover-and-art.de

ISBN

Paperback 978-3-384-78439-1

e-Book 978-3-384-78440-7

Druck und Distribution im Auftrag der Autorin:

tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist die Autorin verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin, postalisch zu erreichen unter: Susanne Eisele, Urnagold 32, 72297 Seewald, Germany und per E-Mail unter [email protected].

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Epilog

Kapitel 1

Liebes Tagebuch!

Wieder einmal hatte mich dieses seltsame Gefühl überkommen. Heute sogar schon kurz nach dem Aufwachen. Ich weiß eigentlich gar nicht so richtig, wie ich es beschreiben soll. Vielleicht wie ein drängendes Verlangen, wie eine ungestillte Sehnsucht – wie etwas, das einem so lange keine Ruhe lässt, bis es endlich getan ist.

In der Vergangenheit war es mir zwar mehrfach gelungen, diesem Gefühl zu widerstehen, es beiseitezuschieben, wann immer es auch aufgetreten war. Ich habe mich dann in meine Wohnung zurückgezogen und gewartet, bis es vorbei war.. Doch heute ist es anders; dieses Drängen ist so viel stärker geworden. Ich bin nicht mehr in der Lage, es noch länger zu unterdrücken. Aber das will ich jetzt auch gar nicht mehr. Denn schließlich habe ich erkannt, wie verblendet ich gewesen bin! Wie konnte ich nur all die Zeichen, die mir das Schicksal geradezu entgegengebrüllt hatte, dermaßen ignorieren? Deshalb werde ich nun endlich meiner wahren Bestimmung folgen und noch heute Nacht einem Menschen das Leben nehmen.

Als mich dieses Gefühl vor langer Zeit das erste Mal beschlichen hatte, zogen unaufgefordert schlimme Ideen durch meinen Kopf, wie ich dabei vorgehen würde. Damals war ich entsetzt, zu welch dunklen Gedanken ich offensichtlich fähig bin. Das kannte ich gar nicht von mir.

Später war das Entsetzen von Mal zu Mal nur noch eine stets blasser werdende Erinnerung. Stattdessen hatte ich begonnen, mir die notwendige Ausrüstung zu besorgen. Vor allem ein extrem scharfes japanisches Küchenmesser mit breiter Klinge. Selbstverständlich habe ich das in einem Haushaltswarengeschäft eines Nachbarlandkreises erstanden und bar bezahlt. Den fast bodenlangen, wasserdichten Mantel und ein paar einfache Turnschuhe bestellte ich übers Internet. Irgend so eine äußerst günstige chinesische Massenware. Die Transaktion wäre zwar grundsätzlich nachverfolgbar weil online, aber deshalb habe ich solche Artikel bestellt, die laut den Angaben des Versenders schon über tausendmal verkauft wurden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Behörden bei einem Online-Versand mit Sitz im Ausland und bei dieser Bestellrate so leicht ausfindig machen können, wer da so alles das Produkt gekauft hat. Hinzu kommt, dass es ja nicht nur diese eine Plattform gibt, die solche Ware anbietet. Damit dürfte es ziemlich unübersichtlich werden. Ein gewisser Hinweis ist dadurch zwar gegeben, aber etwas Nervenkitzel gehört ja schließlich auch dazu.

Und dann, nur wenige Wochen später, hätte ich schon beinahe losgelegt. Doch die Furcht, erwischt und bestraft zu werden, war größer – damals. Aber da hatte ich ja auch noch nicht erkannt, dass mir nichts geschehen kann, weil mir höhere Mächte zur Seite stehen.

Darum werde ich es heute tun!

Liebes Tagebuch!

Ich habe es getan! Ich habe einen Menschen ermordet!

Leise und unbemerkt hatte ich mich meinem Opfer genähert. Schon wollte ich nach dem Messer greifen, um es ihm von hinten ins Herz zu rammen. Aber wegen seiner wallenden Kleidung konnte ich gar nicht eindeutig erkennen, an welcher Stelle genau ich denn eigentlich zustechen sollte. Was, wenn das Messer an einer Rippe abrutscht und der Kerl überlebt? Ich zögerte, folgte ihm aber lautlos. Oder sollte ich ihm hinterrücks die Kehle durchschneiden? Wäre auch eine Option gewesen. Doch selbst da hätte ich das Messer sofort richtig ansetzen müssen. Ich meine: Der Kerl war größer als ich und sah deutlich fitter aus. Zu einem Kampf durfte es also keinesfalls kommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich dabei gut weggekommen wäre. Dann dreht der sich auch noch um und sieht mir voll ins Gesicht. Ein ziemlich junger Kerl; schwarz, wie aus dem Kohlenkeller. Er warf mir einen misstrauischen Blick zu, sah mich dann aber offensichtlich nicht als gefährlich an. Ich – mittleres Alter, mit Kurzhaarfrisur und leichtem Bauchansatz, dazu noch teigige Haut von zu viel im Büro sitzen und zu wenig an der frischen Luft sein – nein, bedrohlich wirke ich nicht. Jedenfalls nicht gefährlicher als jeder andere durchschnittliche Bankangestellte, der ich ja auch bin. Das Messer war weiterhin unter der Kleidung versteckt, das konnte er nicht sehen. Dass ich einen dunklen Mantel trug, um besser mit den Schatten verschmelzen zu können, empfand er offensichtlich nicht als beunruhigend.

Daraufhin beschloss ich, mir ein leichteres Opfer zu suchen. Schon wollte ich an ihm vorbeigehen, als er mich plötzlich ansprach:

»Ey, haben kleines Geld?«

›Pass auf‹, dachte ich noch, ›ich hab‘ dir sogar etwas Großes – ein großes Messerchen‹. Und bevor mir richtig bewusst wurde, was ich tat, stach ich dem Kerl in den Oberschenkel.. Mann, das hat vielleicht gespritzt! Und wie viel da ’rauskam! Der Typ war von dem Angriff so überrumpelt, dass er nicht mal in der Lage war zu schreien. Als er nur wenige Sekunden später auf dem Boden lag, in dieser riesigen Pfütze aus Blut, hat er ein bisschen geröchelt. Da war er dann auch schon zu schwach, um noch lange nach seinem Handy zu greifen. Im ersten Moment war ich tatsächlich ein wenig überrascht: Durch den Stich wollte ich ihn eigentlich nur zu Fall bringen, damit ich ihm den Hals aufschlitzen konnte. Auf Anhieb die Beinschlagader zu treffen hatte ich dagegen nicht erwartet. Das war echt Anfängerglück. Der ist sofort ausgeblutet wie ein frisch geschlachtetes Schwein. Das ersparte mir immerhin zusätzliche Arbeit.

So schnell, wie der zu Boden ging und sein Leben aushauchte, hatte das den Vorteil, dass ich mein Vorhaben rasch zu Ende bringen konnte, ohne entdeckt zu werden. Ich wollte unbedingt ein Andenken an diesen bedeutsamen Abend mitnehmen. Erst dachte ich daran, ihn um eine Haarsträhne zu erleichtern. Aber bei dem kurzen Gekräusel auf dem Kopf hatte das keinen Sinn. Ein Finger wäre auch schön gewesen – jedoch wollte ich mein tolles Messer nicht ruinieren, wenn ich damit an einem Knochen herumsäbelte. Deshalb entschied ich mich kurzerhand für ein Ohrläppchen. Klein genug, um es zügig abschneiden und problemlos einstecken zu können. Mein Opfer hatte bei dieser Aktion auch kaum noch gezuckt.

Dann habe ich geschaut, dass ich wegkam – schnell wegkam. Verborgen im Schatten der nächsten Hausecke säuberte ich mir als erstes meine Hände mit Reinigungstüchern, von denen ich einige Packungen in den Manteltaschen hatte. Dass ich welche brauchen sollte, ahnte ich ja schon. Aber so viele? Ich war nicht davon ausgegangen, dass ich mich derart einsaue. Erneut griff ich in die Manteltasche nach einem Reinigungstuch für das Messer, als ich das Ohrläppchen zu fassen bekam. Das habe ich dann auch gleich saubergemacht.

Aus dem Rucksack, den ich nun endlich abnehmen konnte, holte ich das Paar Schuhe zum Wechseln, das ich in weiser Voraussicht eingepackt hatte. Die waren jetzt genau richtig. Man will ja keine Spur legen.

Und das ganze blutige Zeug – Mantel, Turnschuhe, Reinigungstücher und so weiter – stopfte ich rasch, aber sorgfältig in einen großen Müllsack, den ich logischerweise ebenfalls dabei hatte. Das gesäuberte Messer wurde in Tücher eingewickelt und im Rucksack verstaut, das Ohrläppchen bekam eine eigene, kleinere Tüte spendiert. Aber im Nachhinein betrachtet war ich schlecht vorbereitet. Das ganze Aufräumen hatte viel zu lange gedauert. Nur gut, dass mir in dieser Zeit niemand über den Weg gelaufen ist.

Vier Häuserblocks weiter stand mein Auto. Rucksack wie Müllsack landeten im Kofferraum, der mit einer pflegeleichten Kunststoffwanne ausgestattet ist. Das Smartphone hatte ich ausgeschaltet im Handschuhfach gelassen, weil ichmal in einem Krimi gesehen habe, dass man die Dinger lokalisieren kann. Ich wollte ja nicht, dass es am Tatort aufgespürt wird. Anschließend fuhr ich zu dem alten, abgelegenen Waldgrillplatz. Total verwildert und verwahrlost, dort will eigentlich niemand mehr hin. An der Feuerstelle habe ich dann mit Unterstützung von ein wenig Spiritus die komplette Tüte samt Inhalt verbrannt. Also, bis auf ein paar hartnäckige Reste halt. Die heiße Asche schaufelte ich in den extra hierfür mitgebrachten Metalleimer und kippte sie anschließend in den nahegelegenen See. Die Jeans wurde zuhause reichlich mit Fleckentferner eingesprüht und gründlich gewaschen. Der Rucksack genauso. Sicher ist sicher. So kann mir niemand etwas nachweisen.

Klar – könnte man im Grunde schon, schließlich habe ich das Ohrläppchen. Aber das liegt jetzt erstmal eingeschweißt in der Tiefkühltruhe. Und da kommt außer mir niemand hin. Eine angemessenere Aufbewahrungsmöglichkeit muss ich mir dafür schon noch überlegen.

Leider hat die ganze »Aktion Spurenbeseitigung« sämtliches Adrenalin aufgebraucht. Und das erwartete Hochgefühl blieb auch aus. Hallo? Ich meine: Immerhin habe ich ein Leben genommen, habe Gott gespielt – sollte ich da nicht eigentlich euphorisch sein? Oder mich wenigsten souverän und lebendig fühlen – jedenfalls irgendwie besser? Stattdessen bin ich einfach nur müde. Eventuell muss ich das Erlebte erst noch sacken lassen, bevor sich die ersehnte Emotion einstellt. Morgen schaue ich mir nochmals meine Trophäe an, vielleicht beschert mir ja das endlich ein beglückendes Gefühl.

Wenn ich dann schon an der Tiefkühltruhe bin, muss ich unbedingt eines der vielen Schweinefleischstücke auftauen, die dort lagern. An denen habe ich Schnitt- und Stichproben durchgeführt, um ein Gefühl für das Messers zu bekommen. Jetzt ist die Truhe bis obenhin voll mit Schweinefleisch. Da wird es in nächster Zeit wohl häufiger mal Braten geben. Nicht, dass das ganze Fleisch trotz Kühlung noch verdirbt. Lebensmittelverschwendung geht ja so gar nicht.

Polizei

Hauptkommissar Klaus Brösamle stöhnte. Erst vor zwei Tagen war er zur Kriminalabteilung der Polizeidirektion von Stutenfurt versetzt worden, der größten Stadt im weiten Umkreis. Und schon bekam er ein Tötungsdelikt vorgesetzt. Eindeutig Fremdeinwirkung. Ein Fall, bei dem der Täter offenbar sehr akribisch vorgegangen war, was erfahrungsgemäß viel Ermittlungsarbeit, aber wenig Erfolg versprach. Wenigstens hatte das Opfer einen Ausweis bei sich gehabt: Jake M’Barougonaba, 22 Jahre alt. Der junge Mann war erst vor ein paar Monaten aus Afrika eingereist. Geflüchtet vor dem dort tobenden Bürgerkrieg. Er hatte bei Onkel und Tante gewohnt, die schon seit einigen Jahren in Stutenfurt ansässig waren.

Zur Unterstützung bei den Ermittlungen wardem Hauptkommissar neben zahlreichen Sachbearbeitern Oberkommissar Jörg Rägle zugeteilt worden. Gemeinsam machten sie sich auf, den Angehörigen die traurige Nachricht zu überbringen. Eine Aufgabe, die niemand gerne machte, aber trotzdem getan werden musste.

Die in die Jahre gekommene, verzogene Haustür des heruntergewirtschafteten Wohnblocks war nur angelehnt, bewegte sich mitunter im Wind. Offenbar störte sich keiner der Anwohner daran, dass sie nicht mehr richtig schloss. Andererseits fühlte sich wohl auch niemand dafür verantwortlich, dies in Ordnung bringen zu wollen. Dadurch war es den beiden Ermittlern möglich, gleich bis vor die Wohnungstür in den ersten Stock zu gelangen. Nach mehrmaligem Anklopfen öffnete eine dunkelhäutige Frau mittleren Alters, die Augen vom Weinen gerötet.

Nachdem sich die beiden Kriminalbeamten vorgestellt hatten, brach es förmlich aus der Frau heraus: »Nachbar Jake gefunden. Uns gesagt, was ist passiert.« Sie schluchzte auf, während Tränen über ihre Wange strömten.

»War … guter … Junge«, stammelte die Tante fassungslos. »Wir von hier wegwollen. Nix gut für uns hier. Anderswo besser, aber nix bekommen zu wohnen. Gefährlich hier, aber Jake immer brav, immer gut.«

Nein, mit Drogen habe der Junge nichts am Hut gehabt, erklärte sie. Dies wurde auch von Jakes Onkel so bestätigt. Eine Durchsuchung des Zimmers, welcher die Familie zugestimmt hatte, brachte ebenfalls nichts zutage, das auch nur im Entferntesten auf ein Mordmotiv hätte schließen lassen.

Bedrückt verließen die beiden Polizisten die Wohnung der trauernden Familie. Leider gab es in der ganzen Gegend rund um den Tatort keine einzige Überwachungskamera. Zwar waren welche an der Imbissbude in der Nähe angebracht, die stellten sich jedoch als Attrappen heraus. Auch die Betreiber der beiden Lebensmittelläden in dieser sowie der Parallelstraße meinten nur, dass der Schaden durch einen Diebstahl weniger Kosten verursachen würde als teure Überwachungstechnik. Bevor sich die Polizisten wieder ins Revier begaben, konnte es sich der Hauptkommissar nicht verkneifen, den Ladenbesitzern zu empfehlen, sich mal nach den aktuellen Preisen für solche Systeme zu erkundigen.

Die einberufene Sonderkommission, bestehend aus Klaus Brösamle, Jörg Rägle, Oberkommissarin Isabell Zistler und Kommissar Marvin Keller, führte eine umfangreiche Befragung der Nachbarn des Opfers sowie in der Umgebung des Tatorts durch. Wirklich neue Erkenntnisse hatte das nicht eingebracht – sofern den Polizisten überhaupt die Tür geöffnet wurde. Diejenigen, mit denen die Beamten sprechen konnten, beschrieben Jake als eher schüchternen, zurückhaltenden jungen Mann, der Konfrontationen aus dem Weg gegangen war, sich jedoch immer hilfsbereit zeigte.