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Musste die Generation der Nachkriegszeit - die "skeptische Generation" von Helmut Schelsky – teilweise ohne Kindheit gleich erwachsen werden, wird das Erwachsenwerden für die "überforderte Generation" der Gegenwart hinausgezögert: Der Berufseinstieg erfolgt für diese Generation spät und oft auf unsicheren Wegen; dann ist die Familiengründung oft in kürzester Zeitspanne zu bewältigen. Ihr Pragmatismus, ihre Vernunftorientierung, auch ihre Skepsis gegenüber großen Ideen und Heilsversprechen basieren nicht mehr auf jener furchtbaren Erfahrung der Großeltern, die ohne Jugend gleich erwachsen geworden sind, sondern eher auf der zunehmenden Einsicht, dass sich trotz einer glücklichen und wohlhabenden Kindheit, hohen Bildungsqualifikationen und einer reichen Gesellschaft das Versprechen der Kindheit vermutlich nicht einlösen lässt, sich ihre Zukunft nach den eigenen Möglichkeiten zu gestalten. Sie sind zwar unglaublich gebildet, aber die Wege in die Berufswelt sind unsicher und unüberschaubar geworden. Musste die skeptische Generation teilweise ohne Kindheit gleich erwachsen sein, wird bei der überforderten Generation das Erwachsenwerden hinausgezögert und die Übergänge in die Selbstständigkeit sind außerordentlich schwierig.
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Seitenzahl: 495
Veröffentlichungsjahr: 2014
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[2]Hans Bertram • Carolin Deuflhard Die überforderte Generation
[3]Hans Bertram Carolin Deuflhard
Die überforderte Generation
Arbeit und Familie in der Wissensgesellschaft
Verlag Barbara Budrich Opladen • Berlin • Toronto 2015
[4]Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Gedruckt auf säurefreiem und alterungsbeständigem Papier.
Alle Rechte vorbehalten. © 2015 Verlag Barbara Budrich, Opladen, Berlin & Torontowww.budrich-verlag.de
ISBNeISBN
978-3-8474-0617-4 (Paperback)978-3-8474-0401-9 (eBook)
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Umschlaggestaltung: Bettina Lehfeldt, Kleinmachnow – www.lehfeldtgraphic.de Lektorat: Judith Henning, Hamburg – www.buchfinken.com Satz: R + S, Redaktion + Satz Beate Glaubitz, Leverkusen
eBook-Herstellung und Auslieferung: Brockhaus Commission, Kornwestheimwww.brocom.de
[5]Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
1.
Es kommt nicht nur auf den Anfang an
2.
Lebensläufe im Wandel
2.1
Demografische Paradoxien
2.2
Der Zweite Demografische Übergang
2.3
Von der landwirtschaftlichen Familie zur Familie der Dienstleistungsgesellschaft
2.4
Das Szenario des neuen Lebenslaufs
2.5
Die Neuorganisation von Lebensereignissen im jungen Erwachsenenalter
2.5.1
Das sich entwickelnde Erwachsenenalter
2.5.2
Ökonomische Selbstständigkeit und die Entscheidung für Kinder
2.5.3
Bildung und die Entscheidung für Kinder
2.5.4
Von der skeptischen zur überforderten Generation
3.
Struktureller Individualismus und methodologischer Nationalismus
4.
Industriegesellschaft, Wissensgesellschaft und Familie
4.1
Familie in der Industriegesellschaft: Traditional-Warm
4.2
Die Stille Revolution: Selbstbestimmung durch Bildung und Arbeit und die gewonnenen Jahre
4.3
Warm-moderne und kalt-moderne Familienstrukturen und gesellschaftliche Differenzierung
[6]4.4
Der flexible Mensch, die Informationsgesellschaft und die kreative Klasse: Lebensformen heute
4.5
Familie heute: Flexibel und strukturell überfordert
4.5.1
Kinder in Familien
4.5.2
Die ökonomische Basis des Haushalts und der Familie
4.5.3
Einkommensentwicklung, Berufe und Familie
4.5.4
Zeit für Beruf und Familie und strukturelle Hindernisse, diese Zeiten zu realisieren
4.5.5
Zeit für Kinder, Haushalt und Arbeit: Die neuen Väter
4.5.6
Die multilokale Mehrgenerationenfamilie und warm-moderne Betreuung
4.5.7
Auf dem Weg zur symmetrischen Familie?
4.6
Familiäre Lebensformen und die kreative Klasse
4.6.1
Die kreative Klasse und regionale Differenzierung: „A Door in the Dream“
Exkurs: „A Door in the Dream“
4.6.2
Die kreative Klasse, Lebensformen und Kinder
4.6.3
Die Rushhour des Lebens und die starre Struktur der Lebensläufe
5.
Familien: Lebensläufe, Wohlbefinden und Familienpolitik
5.1
Die Familie als Herstellungsleistung durch kooperativen Individualismus
5.2
Multilokale Beziehungen als Herstellungsleistung von Familien
5.3
Die ökonomische Basis der Familie als Herstellungsleistung des Paares
5.4
Die Illusion der zeitlichen Entlastung
5.5
Perspektiven nachhaltiger Familienpolitik und elterliches und kindliches Wohlbefinden
5.6
Neue Lebensläufe und die Überwindung der Rushhour des Lebens
5.7
Infrastruktur, Nachbarschaft und kooperativer Individualismus
5.8
Die neue ökonomische Basis von Familien und staatliche Unterstützung
5.9
Struktureller Individualismus, elterliches Wohlbefinden und subjektive Autonomie
Literaturverzeichnis
Anhang zur Methode
[7]Abbildungsverzeichnis
1:
Lebensläufe verheirateter Frauen; Deutschland und USA: 1900-2002
2:
Durchschnittliches Erstheiratsalter und Geburtenrate (TFR); alte Bundesländer und USA: 1950-2010
3:
Kinder pro Frau nach Geburtsjahr der Frau (CFR) und Kalenderjahr (TFR): Deutschland und USA
4:
Geburtenraten (CFR), Mehrkindfamilien und Kinderlosigkeit von 1935, 1950 und 1960 geborenen Frauen im internationalen Vergleich
5:
Kinder unter 18 Jahren nach Anzahl der Geschwisterkinder unter 18 Jahren im Haushalt; alte und neue Bundesländer: 1973-2004
6:
Anzahl der von Scheidung betroffenen Kinder unter 18 Jahren; Deutsches Reich, alte und neue Bundesländer: 1933-2009
7:
Familiäre Lebensformen aus Sicht der Kinder (0-17 Jahre); USA: 1790-1989
8:
Familiäre Lebensformen aus Sicht der Kinder (0-17 Jahre); Deutsches Reich und alte Bundesländer: 1882-2004
9:
Anzahl Alleinerziehender; alte Bundesländer: 1957-2010
10:
Lebensformen 18- bis 24-jähriger Männer und Frauen; alte Bundesländer 1973-2004 und USA 1970-1998
11:
Alter von Frauen bei Beginn der ersten Partnerschaft, bei der ersten Heirat und bei der Geburt des ersten Kindes; alte Bundesländer: Geburtskohorten 1913/17 bis 1973/77
12:
Frauen nach Schulbildungs- und Berufsabschluss und Alter; alte Bundesländer: 1976 und 2004
13:
Frauen nach Erwerbstätigkeit und Alter; alte Bundesländer: 1976 und 2004
14:
Abweichungen der mittleren Anzahl von Berufsepisoden im jungen Erwachsenenalter nach Geschlecht: Geburtskohorten 1913/17 bis 1958/62
15:
Alter von Frauen beim Zusammenziehen, bei Berufsbeginn und bei der Geburt des ersten Kindes; alte Bundesländer: Geburtskohorten 1913/17 bis 1973/77
16:
Kumulierte altersspezifische Fruchtbarkeitsziffern (ASFR) und Geburtenrate (TFR); alte Bundesländer und USA: 1965-1975
17:
Kumulierte altersspezifische Fruchtbarkeitsziffern (ASFR) und Geburtenrate (TFR); alte und neue Bundesländer: 1996-2009
18:
Kumulierte altersspezifische Fruchtbarkeitsziffern (ASFR) und Geburtenrate (TFR); Frankreich, Schweden und USA: 1996-2007
19:
Ausgewählte Ausbildungs- und Berufscharakteristika 18- bis 24-Jähriger nach Geschlecht; Deutschland und USA: 2007
[8]20:
30- bis 34-jährige Frauen und Männer nach dem höchsten Ausbildungsabschluss: USA 2012 und Deutschland 2008
21:
Durchschnittliche Anzahl der Kinder nach dem höchsten Schulabschluss und Geschlecht; alte und neue Bundesländer: 1976, 1991 und 2004
22:
Kinderlosigkeit nach dem letzten beruflichen Ausbildungsabschluss und Geschlecht; alte und neue Bundesländer: 1976, 1991 und 2004
23:
Kinder nach dem höchsten Ausbildungsabschluss der Mutter; alte Bundesländer 1976, 1991, 2008 und USA 2008
24:
Heiratsmuster und Fertilität von Frauen nach Alter; alte Bundesländer: 1970, 1990 und 2009
25:
Beschäftigungsanteile nach Wirtschaftsbereichen; Deutsches Reich und Bundesrepublik Deutschland: 1882-2011
26:
Lebensorte des Aufwachsens von Kindern bis zum 15. bzw. 18. Lebensjahr: Geburtskohorten 1913 bis 1968
27:
Zentrale familienbezogene Rechtsreformen: 1969-1986
28:
Integration 25- bis 54-jähriger Frauen und Männer in die Arbeitswelt; USA und Deutschland: 1960-1990
29:
Wohlstandsposition von Frauen nach Anzahl der Kinder im Haushalt; alte Bundesländer: 1973-2004
30:
Pro-Kopf-Einkommen junger Paare ohne Kinder und junger Paare und Alleinerziehender mit Kindern unter einem Jahr: 1973, 1991 und 2008
31:
Pro-Kopf-Einkommen, Kinder im Haushalt und Geburtenrate (CFR) von Frauen nach Alter; alte Bundesländer: 1973 und 2004
32:
Bruttostundenverdienst und Frauenanteil in den zehn Branchen mit den meisten Beschäftigten; Baden-Württemberg: 2010
33:
Einkommensentwicklung im Lebenslauf von Akademikern im öffentlichen Dienst; Männer, Frauen mit Kindern und kinderlose Frauen; Deutschland: 2008 und 1991
34:
Überwiegender Lebensunterhalt 35- bis unter 45-jähriger Frauen nach Bundesländern in Prozent: 1982 und 2008
35:
Wöchentliche Erwerbsarbeitszeit (Perzentile) erwerbstätiger Frauen und Männer nach Anzahl der Kinder im Haushalt; alte und neue Bundesländer: 2008
36:
Arbeitszeitwünsche von Frauen nach Anzahl der Kinder im Haushalt und Erwerbsarbeitszeit; alte Bundesländer: 2008
37:
Unbezahlte Arbeitszeit in Minuten pro Tag für Frauen und Männer in ausgewählten OECD-Ländern: 2001-2010
38:
Arbeitsteilung im Haushalt von Paaren mit Kindern unter 6 Jahren; alte und neue Bundesländer: 1988/90 und 2009
39:
Aufteilung der finanziellen Einkünfte im gemeinsamen Haushalt aus Sicht der Befragten in ausgewählten Ländern: 2010
40:
Bezahlte und unbezahlte Arbeitszeit sowie Gesamtarbeitszeit nach Geschlecht in ausgewählten OECD-Ländern: 2001-2010
41:
Wöchentliche Zeitverwendung amerikanischer Mütter und Väter in Stunden: 1965-2008
42:
Entwicklung der Berufsstruktur in ausgewählten Großstädten Deutschlands; 30- bis 40-jährige Frauen und Männer: 1976 und 2008
43:
Arbeitszeit- und Einkommensmuster 30- bis 40-jähriger Akademiker und Akademikerinnen mit und ohne Kinder; Berlin und München: 1976 und 2008
[9]44:
Anteil 30- bis 40-jähriger Akademikerinnen mit Kindern auf Teilzeitstellen mit einem Nettoeinkommen unter 1400 Euro in Unterbeschäftigung; alte und neue Bundesländer: 2008
45:
Lebensformen 30- bis 40-jähriger Akademiker und Akademikerinnen in Berlin und Hamburg im Vergleich zu Stuttgart und München: 1976, 1991 und 2008
46:
Kinderlosigkeit 40- bis 44-jähriger Frauen nach dem Ehestand und der Stellung im Betrieb: USA 1998 und Deutschland 2004
47:
Einstellungen zur Mutterrolle und zur familiären Arbeitsteilung; Deutschland – alte und neue Bundesländer, Frankreich und Schweden: 2002
48:
Kinderlosigkeit und Geburtenrate (TFR) 38- bis 45-jähriger Männer nach dem höchsten beruflichen Ausbildungsabschluss und Gemeindegrößenklassen: 2004
49:
Kinderlosigkeit und Anzahl der Kinder 38- bis 45-jähriger Frauen nach dem Beruf: 2004
50:
Arbeits- und Lebensumstände von Frauen bis zum 30. Lebensjahr: Geburten (ASFR), Auszug aus dem Elternhaus, Ausbildungsende und Anteil der in Vollzeit Erwerbstätigen in ausgewählten Ländern: 2007/2010
51:
Alter beim Erreichen wichtiger Lebensereignisse in Beruf und Familie von Akademikerinnen im öffentlichen Dienst; Bayern und Baden-Württemberg im Vergleich zu den neuen Bundesländern: 1991 und 2008
52:
Anteil von Frauen mit Führungsverantwortung in den 30 DAX-Unternehmen nach Altersklassen
53:
Öffentliche Ausgaben für Familienleistungen in Prozent des Bruttoinlandsprodukts, differenziert nach direkten Geldzahlungen, Infrastruktur für Kinder und Steuerentlastungen für Familien; OECD-Vergleich: 2009
54:
Wohlstandsposition und Pro-Kopf-Einkommen von Kindern in Deutschland nach Lebensform und Anzahl der Kinder: 2003 und 2006
55:
Anteil armutsgefährdeter Kinder vor und nach monetären Familienleistungen und Sozialtransfers in ausgewählten europäischen Ländern: 2005 und 2010
56:
Gemeinsame Zeitverwendung von Paaren für Erwerbsarbeit und Haus-/Fürsorgearbeit sowie Pro-Kopf-Einkommen nach Lebensphase; Paare mit Kindern im Vergleich zu Paaren ohne Kinder im Haushalt: 2002/2004
57:
Frauenanteil an allen Beschäftigten und in Führungspositionen nach Branchen und Betriebsgrößenklassen: 2012
58:
Diskrete Zeit nach Lebensform in ausgewählten Ländern
59:
Grundgesamtheiten nach Einschränkung der Privatbevölkerung am Hauptwohnsitz
60:
Grundgesamtheiten: Haushalte und Anzahl der Familien
61:
Vergleich der Kinder pro Frau mit der Geburtenstatistik der Standesämter
[10][11]1.Es kommt nicht nur auf den Anfang an
Als Rushhour des Lebens (Bertram 2007) wird jene Lebensphase zwischen dem 28. und 38. Lebensjahr bezeichnet, in der sich junge Erwachsene nach einer langen qualifizierten Ausbildung im Beruf etablieren, sich um Partnerschaft und Familie bemühen, für Kinder entscheiden und möglicherweise auch noch in einem völlig neuen Wohnumfeld nachbarschaftliche und soziale Beziehungen aufbauen. Diese Form des Erwachsenwerdens unterscheidet sich von dem vorherrschenden Muster der Industriegesellschaft, das durch eine relativ frühe Heirat und Familiengründung gekennzeichnet war, da die ökonomische Selbstständigkeit nach einer Facharbeiterausbildung schon früh erreicht werden konnte. Partnerschaft, Familiengründung und Kinder sowie die Fürsorge für Kinder waren in der Industriegesellschaft zudem leichter vereinbar mit der Berufstätigkeit, weil in Westdeutschland in der Regel die Mütter mit sehr kleinen Kindern fast ausschließlich allein die Fürsorge für die Kinder übernahmen, während die Väter die ökonomische Fürsorge für die Familie als wesentliches Element ihrer Vaterschaft interpretierten.
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