Die Untersbergbibel - Valentinus G. - E-Book

Die Untersbergbibel E-Book

Valentinus G.

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Beschreibung

Was, wenn die letzte große Prophezeiung längst begonnen hat - und sich die alten Schriften nun erfüllen? Am Untersberg, dem sagenumwobenen Berg des Lichts, soll sich das letzte Ringen zwischen Licht und Finsternis vollziehen. So erzählt es die uralte Sage vom schlafenden Kaiser Karl - und viele hielten sie für ein Märchen. Doch diese Sage ist mehr: Sie ist eine verborgene Wahrheit. Eine Offenbarung. Denn der Untersberg ist kein gewöhnlicher Ort - er ist das biblische Armageddon: der Berg der Entscheidungsschlacht, an dem sich das Schicksal der Welt vollzieht. Die Untersbergbibel zeigt: Diese Schlacht tobt längst - in dir. Ein Buch wie ein Tor zu vergessenen Mysterien, innerer Wahrheit und deiner eigenen Bestimmung. Bist du bereit, dich zu erinnern, wer du wirklich bist - und die alles entscheidende Rolle einzunehmen, für eine neue Welt im Licht? ...

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Seitenzahl: 314

Veröffentlichungsjahr: 2026

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FÜR DICH

INHALT

DER BERG DES LICHT

Der Berg des Lichts

Ursprünge

Die Kelten

Isis Noreira und die Römer

Die Untersbergbibel

DAS FRESKO VON ETTENBERG

Der Anstieg

Die Kirche

Die Cherubim

Die Einweihung

Das Gemälde

Das Fresko

Die Geschichte

Der Lichtglobus

Gott

Das Hexagramm

Das Zepter

Die Taube

Das Kreuz

Der Baum des Lebens

Jesus

Die Harmonisierung

Maria

Die drei Cherubim

Der Sucher

Der himmlische Kreis

Der Erzengel, der Herzstrahl und der Spiegel

Der Herzstrahl, das Diadem und die Perlen

Die Brosche und der Saphir

Der Speer

Der König

Hermes Mercurius Trismegistos

Der Caduceus

Mordochai

DIE KREUZIGUNG

Die Kreuzigung

Die Stationen

Die Zen Geschichte

SLENDOR SOLIS UND DER STEIN DER WEISEN

Die Alchemie

Das Traktat

Das Zepter

Die Krone

Die Schwangerschaft

Der Mönch

Die Versuchung

Der Hochmut

Das Ziel

Der Ritter, die Säulen und das Zepter

Der Diener

Die Sonne und der Mond

Die Bergleute

Die Landschaft

Die zwei Kinder

Der erste Schritt

Die Vögel

Die Pflanzen und Drachen

Das Sonnenkind

Das Bild und der Spiegel

Das Herz des Berges

DER TEMPLERORDEN

Die Templer

Der Gral

Das Tuch

Die Legende

Der Kopf

DIE GÖTTIN ISAIS

Der Ritter und die Göttin

Der Berg

Die Göttin

Der Stein

Der Spiegel

Der Speer

Der Weiher

Die Gebote

Der Film

Die Wiedergeburt

Der Visionär

Das Unterbewusstsein

Das Böse und der Mensch des Lichts

Der Teufel

Die Helden des Lichts und die Knechte der Finsternis

Die Schlacht

Das Nebelheim Grünlands Gefilde

Die Krieger des Lichts

Der Gral

Das goldene Reich

Doch, wer weiß

DIE BOTSCHAFT

Der Botschafter

Das Treffen

Der Ruf

Das strahlende Licht

Die Hütte

Die Botschaft

Hier und Jetzt

Das ewige Licht

Die Erkenntnis

Das Licht der Welt

Endlos

Das Stundenglas

Die grenzenlose Freiheit

Die Smaragdtafel

Der Herr aller Welten

Die Dualität

Der Kern des Lichts

Der Gesang des Berges

DIE ILLUMINATEN – DAS EDLE ZIEL

Das 18. Jahrhundert

Die Geheimbünde

Adam Weishaupt

Der Orden

Johann Wolfgang von Goethe

Die Erleuchteten

Der Priestergrad

Die Selbsterkenntnis

Die Wahrheit

Schlüssel

Das Denken

Die Einheit

Die innere Vollkommenheit

Das wirkliche Ich-Seins

Das Symbol

Adolph Freiherr Knigge

Aigen in Salzburg

Fürsterzbischof Coloredo

Ignaz Edler von Born

Aloys Blumauer

Der Götterhain

Die Illuminatengrotte

Die Sphinx

Das Dunkel der Seele

Die Spinne

Die Sinnbilder

Der Traum

Die zwei Säulen

Der Tempel

WOLFGANG AMADEUS MOZART

Die Musik

Der Mensch

Der Mystiker

Otto von Gemmingen

Das Siegel von Salomon

Der Brief

Der Götterhain

Basil von Amann

Grotta

Die Zauberflöte

Der Tempel der Weisheit

Eine kleine Deutung

Emanuel Schikaneder

Isis

Das Licht

Das herrlichste Glück

Die Natur

HELLBRUNN DER GEHEIME GARTEN

Die Anreise

Der sakrale Park

Die Symbole

Jacob Böhme

Der Kupferstich

Das Theatrum

Die Geschichte

Der Alchemist

Die Obelisken und Pyramiden

Das Mysteriumtheater

Das Schauspiel

Der Saal

DIE ILLUMINATENGROTTE AM UNTERSBERG

Die Anreise

Die Grotte am Untersberg

Mitternacht

Franz de Paula Pichler

Die drei Säulen

Das Schriftzeichen

Der Ort

Die Einweihung

Die Lichtung

Die Ankunft

Die Wächter

Die Stille

DER THEOSOPH

Franz Hartmann

Das Drachenloch

Die Innenwelt

Die Gefahren

Das Sinnbild

Die telkeit

Die Feenkönigin

DER MEISTER

Der Bruderberg

Die Verwandlung

Der Ruf

Ramana Maharshi

Das Instrument

Das Ich

Das lebendige Symbol

Die Enthüllung

DER KAISER

Die Kaiser Karl Sage

Die Hoffnung

Die Würde

Die Erfüllung

Die Menschen

Die Transformation

Der Schöpfungsimpuls

Die Sinnbilder

Der Edelknabe oder der Hirtenjunge

Der Eintritt

Das goldene Zepter

Des Kaisers Bart und die Tochter

Des Kaisers Erwache

Der wahrhaftige Kaiser

Die vierundzwanzig Raaben

Die Zwerge und der Stein

Eine andere Geschichte von den Raben

Das goldene Zeitalter

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Valentinus

Das Zeichen des Menschen

Weitere Bücher von Valentinus

Die in der Untersbergbibel enthaltenen Originaltexte – darunter Briefe und Schriften aus vergangenen Jahrhunderten, etwa von Wolfgang Amadeus Mozart oder Adam Weishaupt – wurden in ihrer ursprünglichen Schreibweise belassen. Diese bewusste Entscheidung dient dazu, den historischen Charakter und den ursprünglichen Klang der Quellen zu bewahren.

Poetische Einfügungen von Valentinus von Salzburg: Seite →,→,→-→

DER BERG DES LICHTS

Zeichen und Symbol – erschienen am Himmel über dem Untersberg, 2. März 2022.

Es sei stäts deine Seele Wie dieses Berges Quelle

UR. 1820Aufdruck an der Rückseite eines Aquarells vom Untersberg von Louis Wallée 1. Viertel 19. Jhdt.

Der Berg des Lichts

Eine mystische Aura umhüllt den Untersberg, und es ist ein erhebendes Gefühl, ihn zu betrachten und über ihn nachzusinnen. Man fühlt sich auf eine gewisse Weise entrückt und dennoch vollkommen präsent. Der Untersberg übt eine magnetische Anziehungskraft auf Menschen aus, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind.

Der Zauber, der von diesem Berg ausgeht, zieht seit jeher Menschen in seinen Bann, »...besonders ragt der fabelhafte Untersberg wie zauberhaft aus den übrigen hervor...«, schrieb der Komponist Franz Schubert seinem Bruder im Jahr 1825, als er den Untersberg erblickte. Das Licht dieses Berges ist ein Ruf, welcher im Herzen der Menschen eine tiefe Sehnsucht entzündet. Es ist die Sehnsucht, etwas zu entdecken, das Freude, Friede, Inspiration und Erfülltheit schenkt. Menschen, die seinem Ruf folgen, zieht es zu seinen Kraftorten. Meditationen, Rituale, Musik und Kunst sind Ausdruck der tiefen Verbundenheit mit dem Untersberg. In seiner unmittelbaren Nähe breitet sich innere Ruhe aus, und man fühlt sich gestärkt. Manche erleben sogar Heilung.

Der Untersberg ist unbezwingbar. Um seinen Ruf und dessen Sinn zu verstehen, ist großes Feingefühl ein wichtiges Werkzeug im Rucksack des Wanderers. Wer sich ihm mit Respekt und Würde nähert, dem offenbart er nach und nach sein Geheimnis. So spürt der Wanderer plötzlich die Würde und den Respekt, die er dem Untersberg entgegenbringt, auch in sich selbst. Die Kraft und Macht des Untersbergs werden zu seinem eigenen Sein. Der Wanderer selbst wird unbezwingbar. Wenn du die Pforten deiner Seele mit tiefem Vertrauen öffnest und dich in deiner ganzen Verletzlichkeit preisgibst, wird dir der Sinn seines Rufes offenbart. Sein Ruf, zu ihm zu kommen, ist zugleich der Ruf, zur Quelle deines eigenen Daseins zu gelangen

Ursprünge

Viele rätselhafte und mystische Orte finden sich auf unserer Erde. Sinnsuchende Menschen verweilen an solchen Orten und spüren eine unbegreifliche Kraft in ihrer Nähe. Sie versuchen, dem Geheimnis dieser Kraft näher zu kommen. Einer der bekanntesten solcher Orte in Europa ist der Untersberg bei Salzburg. Schon die frühesten Hochkulturen, die in der Umgebung von Salzburg ansässig waren, erlagen seiner faszinierenden Anziehungskraft.

Die Kelten

Wir fürchten niemanden, schrecken könnte uns aber, dass uns der Himmel auf den Kopf fällt.

Keltischer Abgesandter zu Alexander den Großen. 356-323 v. Chr.

So lag der Untersberg vor mehr als 2200 Jahren im Noricum, dem Königreich der Kelten, einem äußerst tapferen und mutigen Volk von hoher kultureller Entwicklung. Im Zentrum der keltischen Mythologie stand »Noreira«, die Lebensgöttin, welche als Urmutter der Natur den Untersberg erschuf.

Parallelen zu Noreira finden sich bei der Frau Percht, die Leuchtende. Bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts wurde sie von der Bevölkerung als schützende Seelenführerin verehrt, die im Untersberg wohnte. Berichten zufolge wurde sie für einige Menschen sogar mit Maria, der Mutter Gottes, gleichgesetzt. In der griechisch-römischen Mythologie wird unsere Erde als Muttergöttin mit dem Namen Gaia verehrt. Sie ist die Segenspendende, die alles Lebendige hervorbringt, ernährt und wieder in ihren Schoß aufnimmt

Glaube und Weitsicht der Kelten waren von einem immer wiederkehrenden Kreislauf des Lebens durchdrungen. So gelangte der »vorerst« Verstorbene an einen paradiesischen Ort, der im Mutterschoß der Erde gelegen war. Die Kelten nannten diesen Ort die Anderswelt. Nach einem heilsamen und verjüngenden Aufenthalt in diesem Paradies erlebte der Mensch erneut die Geburt im Diesseits. Genau dieser heilige Ort, das Paradies, die Anderswelt, befand sich für die Kelten des Noricums im Untersberg. Die Kelten fühlten sich offensichtlich von der mystischen Ausstrahlung des Untersbergs geheimnisvoll berührt. Wie viele offenherzige Wanderer der heutigen Zeit spürten auch die mit der Natur tief verbundenen Kelten in seiner Nähe eine unbestimmte helle Freude in ihren Herzen aufsteigen. Dieses Empfinden ließ ihren Glauben wachsen, dass es von einem Licht aus dem Inneren des Untersbergs verursacht wurde. Für die keltischen Seher handelte es sich bei diesem Licht unmissverständlich um das Fluidum der Anderswelt, dem keltischen Paradies: ein Ort des Friedens, der Freude und zugleich ein Sinnbild für die Vollkommenheit der Seele.

Es lohnt sich, Sagen und Mythen als Symbole unserer seelisch-geistigen Ebene zu betrachten, denn dies ermöglicht uns, deren tiefere Bedeutung zu enträtseln. So ist das Paradies ein Sinnbild für unser Dasein, denn wir finden es in uns selbst. Wir haben es verlassen, weil wir unser Daseins-Empfinden mit unserem Wissen, unseren Erfahrungen und dem wahrgenommenen Umfeld gleichsetzen. Das ist auch die Bedeutung des Mythos von Adam und Eva, als sie vom Baum des Wissens aßen und deshalb aus dem Paradies vertrieben wurden. Sehen wir den Ursprung, wo Probleme ihren Anfang nehmen? Sind es nicht deine eigenen Gedankengänge, mit denen du ein Bild, eine Vorstellung über deine Lebensgeschichte erzeugst? Ist es nicht häufig dergestalt, dass du deine eigene Geschichte, die aus Erfahrungen, Eindrücken und Erinnerungen besteht, zu deinem eigentlichen Fokus werden lässt? Deine Geschichte ist kein Problem, solange du nicht daran glaubst, selbst diese Geschichte zu sein.

Das Paradies ist die Quelle der Existenz und unsere wahre Heimat. Indem wir uns fast ausschließlich mit unserem Wissen, unseren Erfahrungen und Vorstellungen identifizieren, schränken wir unser Sein und seine Möglichkeiten auf ein Minimum ein. Wir schöpfen nicht aus der unversieglichen Quelle unseres Seins. Die Pforte zum Paradies, zum eigentlichen Leben, bleibt dir verschlossen. Niemand außer dir selbst besitzt den Schlüssel zu dieser Pforte. Sobald du dich in dein reines Ich-Empfinden entspannst, findet eine Bewusstwerdung deines ursprünglichen Daseins statt. Du erhältst das makellose Wissen deiner Selbst, deines eigentlichen Ichs. Dieser Moment ist ein Augenblick der größten Freude. Du erlebst dich in deiner seit ewigen Zeiten gültigen Schönheit. Du bist du selbst. Es bedarf keiner Erklärung dafür. Du hast den Schlüssel gefunden und bist ins Paradies heimgekehrt. Du erkennst: Das Paradies und dessen Schöpfer bist du selbst.

Isis-Noreira und die Römer

Die Römer waren flexibel in der Aufnahme und Anpassung neuer Gottheiten. So wurde die keltische Muttergottheit Noreira kurzerhand mit der römischen Isis, welche von den Römern aus dem ägyptischen Götter-Pantheon entliehen wurde, vereint und als Isis-Noreira verehrt. In einem Gedicht des römisches Dichters Apuleius beschreibt die Göttin Isis-Noreira sich selbst:

Ich,

Allmutter der Natur;

Beherrscherin der Elemente,

Erstgeborenes Kind der Zeit,

Höchste der Gottheiten,

Königin der Seelen,

Erste der Himmlischen,

Ich vereine in mir die Gestalten

Aller Götter

und Göttinnen.

Isis Noreira beschreibt nichts anderes als unser eigenes Ich.

Apuleius wurde um 125 n. Chr. in der römischen Provinzstadt Madauros, heute M ’Daourouch in Algerien, als Sohn wohlhabender römischer Bürger geboren. Er studierte in Karthago, lebte in Griechenland und Rom. In Griechenland ließ er sich in eine Reihe von Mysterienkulten einweihen. Zeitlebens war er an religiösem Geheimwissen interessiert. So hatte er später den Ruf, ein Magier zu sein. Sein Hauptwerk, die Metamorphosen, stellt Experten bis heute vor ein Rätsel. Interessant ist dieses Werk, weil es wertvolle Einblicke in den Isis- und Osiris-Kult gewährt.

Als Jesus zur Bestürzung und Empörung der Schriftgelehrten behauptete: »Bevor Abraham war, war Ich«, meinte er damit dein Ich-Empfinden. gerade jetzt. Dieses Empfinden verspürt jedes Lebewesen und bleibt unveränderlich. Als Moses Gott nach seinem Namen fragte, antwortete dieser: »Ich bin, der Ich bin.« Ganz eindeutig wurde Gott mit seinem eigenen Namen, als er Moses anwies, seinem Volk zu sagen: »Der Ich-Bin hat mich zu euch gesandt.« Es handelt sich um das Ur-Ich, das überpersönliche Ich, aus dem das Persönliche erschaffen wird. Dieses Ur-Ich, das überpersönliche Ich, ist die Quelle allen Seins, aus der das Persönliche entsteht. Es existiert schon immer und wird ewig sein – dieses Ich bist du selbst.

Wir leben in einer Zeit, in der das Licht unseres Bewusstseins eine bemerkenswerte Intensität erreicht hat. Trotz der unheilvollen Ereignisse, die uns durch die Pandemie, Kriegsszenarien und die Klimakatastrophe beunruhigen, sind sie paradoxerweise ein Zeichen dafür. Durch das heller werdende Licht des Bewusstseins erkennen wir die Aspekte, die wir aus Furcht vor ihnen in den dunkelsten Winkeln unseres Geistes versteckt haben. Durch Selbstreflexion und eine objektive Beobachtung erkennen wir, dass diese Ängste unbegründet sind. Dadurch findet eine Reinigung unseres Bewusstseins statt. Wir erkennen, dass es unsere eigenen Gedankenmuster sind, denen wir die Macht verleihen, uns Angst einzujagen. Wenn wir uns auf eine wertfreie Beobachtung konzentrieren, gelangen wir zu den erhabenen Höhen des Seins, zur Quelle des Lichts – zu uns selbst. Dadurch verliert die scheinbare Herrschaft von ängstlichen und unwürdigen Gedanken ihre Macht. Du erkennst, dass dies deine eigene Welt ist und dass du ihr Souverän bist.

Die Untersbergbibel

Was, wenn die letzte große Prophezeiung längst begonnen hat – und sich die alten Schriften nun erfüllen? Denn der Untersberg ist kein gewöhnlicher Ort – er ist das biblische Armageddon: der Berg der Entscheidungsschlacht, an dem sich das Schicksal der Welt vollzieht. Die Untersbergbibel zeigt: Diese Schlacht tobt längst – in dir.

Ein Tor zu vergessenen Mysterien, innerer Wahrheit und deiner Bestimmung. Bist du bereit, dich zu erinnern, wer du wirklich bist – und die entscheidende Rolle einzunehmen, für eine neue Welt im Licht? ...

DAS FRESKO VON ETTENBERG

Der Anstieg

In der Nähe der berühmten Kugelmühle bei Marktschellenberg schlängelt sich ein alpiner Pfad mit atemberaubenden Aussichtspunkten in Richtung Ettenberg. Nach dem steilen Aufstieg wandert man behaglich durch ein verzaubertes Waldstück. Nach einigen Schritten öffnet sich dem Auge wie eine gigantische Pforte eine atemberaubende Szenerie. Am Horizont erhebt sich majestätisch das imposante Massiv des Untersbergs mit seiner gewaltigen Südwand, während eine prächtige, sonnendurchflutete Almwiese den Blick verzaubert. Ein schmaler Pfad führt entlang einer Hecke aus Haselnusssträuchern hinauf zur Hochebene von Ettenberg – von den Menschen hier Almberg genannt.

Bei den Kelten galt der Haselnussstrauch als heiliger Baum, ein Sinnbild für Unsterblichkeit, Erneuerung und Jugendlichkeit. Die Haselnuss selbst ist ein Symbol verborgener Weisheit.

Schritt für Schritt wächst die Wallfahrtskirche Ettenberg heran. Erreicht man die Kirche, bietet sich dem Auge des Wanderers eine betörende Aussicht in die Berchtesgadener Alpenwelt, allen voran der majestätische Untersberg. Der ganze Ort hier oben ist von einer wohltuenden Stille durchdrungen Überhaupt beschleicht einen das Gefühl, als befände man sich inmitten einer monumentalen Kulisse eines uralten Mysterienspiels. Das verwundert nicht weiter, da an diesem Ort viele der berühmten Untersbergsagen, Legenden und Geschichten ihren Ursprung haben - darunter jene von Eugen Koeberle oder den sagenhaften Tempelrittern. Geschichten, denen wir in der Untersbergbibel begegnen werden.

Die Kirche

Im Jahr 1695 wurde hier unter einer Linde eine Marienfigur entdeckt. Die Nachricht von Heilungen und Wundern an diesem Ort verbreitete sich rasch. Aufgrund der wachsenden Zahl von Pilgern wurde bald darauf eine hölzerne Kapelle errichtet.

Schließlich, im Jahr 1723, wurde der Grundstein für den Bau der heutigen Wallfahrtskirche gelegt. Im Laufe ihrer Geschichte wurde die Kirche mehrmals erweitert und umfangreichen Renovierungsarbeiten unterzogen. Beim Betreten der Kirche in ihrer heutigen Gestalt wird man sofort der machtvollen Stille gewahr, die im Inneren herrscht. Sie ist ein wunderbarer Ort der Meditation und eine Stätte tiefgründiger Symbolik.

Die Cherubim

Zwei Cherubim, hochrangige Engel, thronen erhaben am Anfang des Langhauses der Kirche und fungieren als Mittler zwischen Gott und den Menschen. Die Cherubim weisen auf die Gegenwart Gottes hin und sind Wächter am Eingang zum himmlischen Reich. Ihr Blick ist zum Altar, dem Allerheiligsten, gerichtet. Ihre Gesichter strahlen eine gelassene, fast schon heitere Ausstrahlung aus. Sie sind Träger des Lichts, wie die Kerzen in ihren Händen zeigen.

Ein gehaltvolles Symbol: die beiden Engel, die über jede Seele wachen, die um Einlass in das Allerheiligste bittet. Sie kennen die Absicht im Herzen eines jeden Menschen. Sie verkörpern eine Einstimmung, eine Einladung, eine Einweihung in das Mysterium des Lebens.

Die Einweihung

Versuchen wir, uns in eine Einweihung einzufühlen: Nach dem Eintreten in die Kirche bleibe nach einigen Schritten stehen und spüre die herrliche Erhabenheit der Stille. Jeder Mensch hat dafür seine eigene Art. Manche Menschen schließen ihre Augen und legen beide Hände auf das Herz, um sich tiefer in diese Stille zu versenken. Manche beten oder bedanken sich dafür, hier an diesem Ort zu sein.

Sobald du dich bereit fühlst, den Einweihungsweg fortzusetzen, gehe an der rechten Seite bis zum Mittelgang und bleibe dort stehen. Dieser Gang führt zum Altar der Kirche. Zu beiden Seiten thronen auf zwei Säulen die Cherubim. Sie bewachen den Weg zum Allerheiligsten. Zwischen den beiden Säulen verläuft die Grenzlinie vom alten ins neue Leben. Schreite bis zu dieser Linie und bleibe stehen.

Es ist ein erhabener Moment, wenn man sich in der Kirche auf diese Weise umsieht. Alles ist so still und gelöst, kein Zwang ist zu spüren. Genieße diesen herrlichen Moment und lasse dich von Freude und Dankbarkeit erfüllen.

Bevor du über die Schwelle trittst, ist dies ein ausgezeichneter Moment, um dein Denken zur Ruhe zu bringen und dich völlig im Empfinden deines reinen Ichs zu entspannen. So bist du bereit, in das Allerheiligste einzutreten. Dein Herz ist rein und die Schwelle zum Allerheiligsten kann überschritten werden. Wenn du einen Blick auf die Cherubim wirfst, wirst du ein Lächeln auf ihren Gesichtern wahrnehmen.

Öffne dich für die Freude, die bedingungslose Freude. Eine Freude, ein Gefühl der Dankbarkeit, hier zu sein und dein Leben leben zu dürfen. Ein Leben im Einklang mit dieser unerschöpflichen Kraft der Einheit aller Dinge, die waren, die sind und sein werden, in alle Ewigkeit.

Des Vaters ohne Anfang, des Sohnes auch ohne Anfang, dem Geist wesensgleich, einheitliche Gottheit; Emsig preisen die Cherubim den Herrn:

Heilig, heilig, heilig bist du, unser Gott.

Beschriftung südrussische Ikonenmalerei von 1800

Das Gemälde

Wenn du dich auf einer der Bänke gemütlich niederlässt und dich ein wenig in der Kirche umsiehst, wirst du in der südlichen Seitenkapelle ein meist unbeachtetes Gemälde erblicken. Dieses Gemälde erzählt von der berühmten Agbar-Legende. Es zeigt den Apostel Judas Thaddäus, wie er König Agbar von Edessa das Mandylion überreicht, ein nicht von Menschenhand gemachtes Bild von Jesus. Hinter diesem Gemälde verbirgt sich eine überaus faszinierende Geschichte. Jüngere Forschungen gelangen immer mehr zur Auffassung, dass es sich bei dem sogenannten Agbar-Bild, dem Mandylion, um das Grabtuch von Turin gehandelt hat (→ Der Templerorden). Die meisten der ältesten bekannten Abbildungen des Mandylion zeigen ein Tuch. Zudem bezeichnet das aus dem persischen abgeleitete griechische Wort Mandylion ein wollenes Oberkleid oder Manteltuch. Das Grabtuch wurde derart gefaltet, dass nur das Abbild Jesu zu sehen war. In Edessa wurde es häufig über der Stadtmauer ausgestellt und bewirkte viele Wunder.

Was dieses Gemälde in der Kirche von Ettenberg so bemerkenswert macht, ist seine tiefgründige Symbolik. Mit dem Zeigefinger der rechten Hand deutet Thaddäus auf das Bildnis von Jesus. Diese Geste zeigt, dass Jesus die Inspirationsquelle auf seiner Suche nach Wahrheit war. Über dem Kopf des Apostels ist eine Flamme zu sehen, welche für die Erleuchtung steht. Diese Flamme ist gleichermaßen ein Sinnbild für Inspiration, für spirituelle Kraft, und steht für die unerschöpflichen Möglichkeiten der Seele. Ein Heiligenschein umgibt den Kopf des Apostels. Dieser Heiligenschein bekräftigt die Erleuchtung und die Kraft und Macht des Lichtes. Selbst die Ähnlichkeit des Abbildes von Jesus und Judas Taddäus ist nicht zufällig. Sie zeigt, dass der Apostel die Wahrheit seines wahren Seins erkannt hat, das wahre Sein oder Ich, für welches Jesus symbolisch steht.

Indem Taddäus mit seinem Finger auf das Bildnis von Jesus zeigt, drückt er aus, dass er und Jesus eins geworden sind. Er zeigt damit, dass sein Ich und das von Jesus dasselbe universelle Ich sind.

An dem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir.

JesusJoh. 14.20

Wenn du dieses Gemälde mit deinen Augen betrachtest und es mit deiner gesamten Empfindung aufnimmst, wirst du erfahren, dass Gottes Ich, das Ich Jesu und dein Ich dasselbe sind. Du wirst zweifellos dein reines Ich-Bewusstsein erleben. Durch ein geniales Chronogramm teilt Waräthi ein Geheimnis mit uns. Dieses Chronogramm sehen wir am Himmel der Kirche. In der deutschen Übersetzung lesen wir dort: Alle Wanderer nähern sich dem Thron der Gnade. Das Leben ist eine Wanderschaft (Suche) nach dem wahren Ich-Sein (dem Thron der Gnade), und jeder wahrhaftige Sucher gelangt zum Ziel. Zählt man die römischen Zahlen (Großbuchstaben) zusammen, erfahren wir zudem das genaue Datum der Fertigstellung seines Deckengemäldes: 1725.

Das Fresko

Die Wallfahrtskirche Maria Ettenberg birgt zahlreiche symbolträchtige Kostbarkeiten. Einer ihrer geheimnisvollsten Schätze thront am Himmel der Kirche: das großartige Deckenfresko von Innozenz Anton Waräthi. Die leuchtenden erdigen Farben und die markanten, intensiven Blauakzente, ein charakteristisches Stilmittel von Waräthi, verleihen diesem Fresko eine erfrischende Lebendigkeit und Tiefe.

Blau ist die Farbe der Wahrheit und zeigt auf ihre ursprüngliche Einfachheit.

Dieses Deckengemälde erzählt laut den historischen Aufzeichnungen der Kirche die biblische Geschichte von Königin Esther und König Ahasver (Xerxes) sowie Maria als neue Esther. In der Darstellung bittet Maria in Anwesenheit von Vertretern der Propstei Berchtesgaden um Wohlwollen für die Bürger der Stadt Berchtesgaden.

Bei der letzten größeren Renovierung der Kirche in den Jahren 1978-80 ergaben Untersuchungen des Deckenfreskos, dass es nahezu gänzlich in seinem ursprünglichen Zustand erhalten ist.

Höchstwahrscheinlich malte Waräthi dieses Deckenfresko im Auftrag und im Sinne der Propstei; jedoch schuf er mit diesem Fresko weit mehr als nur eine farbenprächtige Huldigungsgeschichte an seine Auftraggeber. Es ist kaum möglich, sich der Rätselhaftigkeit des Deckenfreskos zu entziehen. Auffällig ist der fast schon geometrische Strahl, der seinen Anfang am Herzen Marias nimmt. Erzengel Gabriel lenkt den Strahl mittels seines Spiegels auf das Diadem Esthers, wodurch ein blauer Stein zum Leuchten gebracht wird. Von dort aus erreicht und berührt der Strahl das Zepter des Königs Xerxes, der darüber offensichtlich äußerst angenehm überrascht zu sein scheint, ja sogar entrückt wirkt. Wenn es sich bei diesem Deckenfresko ausschließlich um eine Lobpreisung und Verewigung der Erbauer der Kirche handeln würde, warum hat Waräthi dann solch rätselhafte Details in sein Fresko eingearbeitet? Oder war es die Absicht von Waräthi, mit diesen äußerst auffälligen Feinheiten die Aufmerksamkeit des Betrachters auf eine weitaus tiefgründigere Symbolik zu lenken? Es existieren zwar andere Fresken mit ähnlichen rätselhaften Darstellungen, jedoch weisen nur wenige von ihnen so viele geheimnisvolle Details auf wie das Fresko von Waräthi.

Die Geschichte

Es ist bemerkenswert, warum in einer zu dieser Zeit kaum bewohnten Berggegend eine so befremdend wirkende orientalische biblische Geschichte ausgewählt wurde: die Geschichte des persischen Königs Xerxes und seiner Frau Esther. Ist es möglich, dass diese Geschichte und Darstellung den Bewohnern dieser Gegend vertraut war? Es könnte durchaus sein, dass Geschichten und Erzählungen über die Tempelritter und eine geheimnisvolle Frau aus dem Morgenland weit verbreitet waren (→ Kapitel: Die Göttin Isais). Oder war es die mittelalterliche Geheimlehre, die Alchemie, und in diesem Zusammenhang eines der bekanntesten Werke, das Splendor Solis oder Sonnenglanz, das den Menschen gleichermaßen geläufig war (→ Kapitel: Splendor Solis und der Stein der Weisen)? Hat Waräthi mit der Genialität eines Leonardo da Vinci oder Michelangelo mittels seines Deckenfreskos eine meditative Allegorie über das wahre menschliche Sein erschaffen?

Mit großer Wahrscheinlichkeit war es Waräthi selbst, der das Thema für das Fresko vorgeschlagen hat, um den Menschen in der Umgebung eine gewisse Vertrautheit mit ihren Erzählungen zu vermitteln. Und möglicherweise waren die Kirchenoberen sogar mit diesem Kompromiss zufrieden.

Erkunden wir nun die mystisch-symbolische Welt des genialen Freskos von Waräthi und erleben sein transformierendes Geheimnis. Der mysteriöse geometrische Strahl und der blau strahlende Saphir am Diadem von Esther sind das Erste, was beim Betrachten des Freskos ins Auge fällt. Allein dieses Detail vermag die Fantasie eines jeden Besuchers anzuregen. Unweigerlich vermutet man hinter der oberflächlichen Deutung des Freskos eine weit tiefgründigere Symbolik.

Der Lichtglobus

Dass es sich beim Deckenfresko konkret um eine Allegorie über das wahre menschliche Sein handelt, hat Waräthi mit einem Detail in sein Fresko eingearbeitet und quasi zu Füßen Gottes gelegt. Dort sehen wir den Erzengel Michael, dessen Blick direkt auf den Betrachter gerichtet ist und sich nicht abwendet, egal wohin man sich bewegt.

Michaels Gesicht strahlt Heiterkeit und Gelassenheit aus, als ob er uns jeden Moment zuzwinkern würde. Seinen linken Arm hält er repräsentativ erhoben, und dabei präsentiert er uns eine Brosche, die an seinem Ärmelumhang befestigt ist. Die Brosche ist deutlich erkennbar und spielt eine wiederkehrende Rolle im Deckenfresko. Sie enthält einen blauen Saphir, der von einer goldenen Fassung umgeben ist, und an den Enden zieren drei tränenförmige Perlen die Brosche. Die genaue Bedeutung dieser Brosche werden wir an anderer Stelle genauer betrachten. In seiner linken Hand hält oder besser gesagt präsentiert Michael etwas Geheimnisvolles. Es ist vom blauen Gewand Gottes umhüllt, und sein strahlendes Licht scheint deutlich durch den Umhang hindurch. Es handelt sich um den Lichtglobus, ein Symbol für die Vollkommenheit und die Herrschaft Christi über die Welt. Christus trägt in sich die gesamte Schöpfungskraft und ist daher der Souverän über die gesamte Schöpfung. Ein kleines, beinahe unbemerkt über dem Umhang schwebendes Kreuz bekräftigt, dass es sich tatsächlich um den Lichtglobus handelt. In anderen Darstellungen wird der mit einem Kreuz gekrönte Erdball oder Lichtglobus deutlich sichtbar dargestellt.

Dass Waräthi den Globus mit dem blauen Umhang Gottes verhüllt hat, weist, wie bereits erwähnt, auf das eigentliche Geheimnis des Gemäldes hin. Der Lichtglobus, ein Symbol für Vollkommenheit und die Vielfalt aller Möglichkeiten, wurde von Waräthi unter dem blauen Umhang Gottesvaters versteckt – einer Farbe, die für Wahrheit steht. Dieses Geheimnis und wie es in die Erfahrungswelt eines jeden Einzelnen einfließt, wird durch das Betrachten des Deckenfreskos und seiner darin enthaltenen Symbolik entschleiert. Der Umhang wird nun enthüllt, und das Geheimnis wird offenbart. Dadurch öffnen sich uns die Tore zu einer neuen Interpretation. Gemeinsam betreten wir das verborgene Reich des genialen Deckengemäldes von Waräthi und suchen nach dem Sinn, der sich hinter den farbenprächtigen Figuren und Objekten verbirgt und darauf wartet, entdeckt zu werden

Gott

Wie in den meisten himmlischen Szenen der christlichen Kunst thront Gott über der gesamten bildlichen Darstellung.

Der dreieckige Nimbus oder Heiligenschein wird in der christlichen Ikonografie hinter dem Haupt Gottes dargestellt.

So sehen wir an der obersten Stelle des Bildes Gott in menschlicher Gestalt dargestellt. Er verkörpert das ursprüngliche Licht, die Quelle aller Kraft und Macht, und symbolisiert das reine Gefühl des Seins oder des Ichs, das in jedem Menschen vorhanden ist. Er repräsentiert die unendlichen Möglichkeiten, die dem Menschen zur Verfügung stehen, und ist die formbare Energie selbst, die jederzeit genutzt werden kann.

Ausschließlich im reinen Gottesbewusstsein zu verharren, würde Stillstand bedeuten. Der Versuch, darin mental bewegungslos zu verweilen, führt unweigerlich zu einer trügerischen Vorstellung eines vollkommenen Lebens und endet früher oder später in Langeweile, Frustration und Lebensunlust. Es gäbe keinen Fortschritt, keine Entwicklung im Leben. Doch genau das kreative Gestalten mit dieser Energie bringt Sinn ins menschliche Dasein. Leben ist kein Stillstand, sondern Leben ist Lebendigkeit.

Das bedeutet, dass wenn ich mein Ich-Bewusstsein unzweifelhaft spüre und somit das Gottesbewusstsein klar erkannt ist, dies den Beginn markiert, meine Energie selbstbestimmt und auf konstruktive, kreative Weise zu formen und anzuwenden.

Wenn die, die euch führen, zu euch sagen: Siehe, im Himmel ist das Königreich, dann werden euch die Vögel des

Himmels zuvorkommen.

Wenn sie zu euch sagen: Es ist im Meer, dann werden euch die Fische zuvorkommen.

Vielmehr: Das Königreich ist innerhalb von euch und außerhalb von euch. Wenn ihr euch erkennt, dann werdet ihr erkannt werden, und ihr werdet begreifen, dass ihr die Kinder des lebendigen Vaters seid.

Wenn ihr euch aber nicht erkennt, dann existiert ihr in Armut, und ihr seid die Armut.

JesusEvangelium nach Thomas, Logion 3

Das Göttliche ist der eigentliche Seelengrund des Menschen. Dieses göttliche Sein entspricht unserem eigenen Ich-Bewusstsein, mit dem wir unsere Handlungen ausführen und dessen wir uns stets bewusst sind. Gott ist nicht in einer entfernten himmlischen Sphäre über den Wolken verborgen; vielmehr ist er gegenwärtig und spürbar in jedem Augenblick – so auch jetzt beim Lesen dieser Zeilen.

Gott ist immer bei uns, denn das Königreich ist unser Ich-Bewusstsein. Die einzige Herausforderung, völlig im Einklang mit unserem wahren Ich zu sein, liegt in unserer alten Gewohnheit, in den Projektionen unserer Ängste und Dogmen zu leben. Wenn wir uns selbst annehmen und unsere wahre Identität akzeptieren, verlieren unsere Ängste ihre Macht über uns. Dann können wir wahrhaftig Ich sagen.

Dieses Prinzip gilt auch für die materiellen Werte des Lebens. Um sie angemessen zu nutzen und zu genießen, ist es wichtig, dieses erhabene Bewusstsein des reinen Ich-Empfindens wiederzuerlangen – oder besser gesagt, es anzunehmen. In dieser Reise haben wir zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung, und eines davon ist das Deckenfresko von Waräthi.

Das Hexagramm

Die Vereinigung der Gegensätze und die vollständige Harmonisierung unseres Lebens wurden von Waräthi auch in der Darstellung Gottes verarbeitet. Wir sehen ein strahlendes, nach oben gerichtetes Dreieck hinter Gottes Angesicht. In der Mitte, auf Gottes Stirn, an der Stelle des dritten Auges oder des allsehenden Auges, erkennen wir ein nach unten gerichtetes Dreieck. Besonders bemerkenswert ist, dass Waräthi das symbolische Zeichen für das Weibliche direkt auf Gottes Stirn gemalt hat, und dies zu einer Zeit, als das Weibliche im Allgemeinen als minderwertig oder sogar bedrohlich angesehen wurde.

Wenn wir diese beiden Dreiecke zusammenfügen, erhalten wir ein Hexagramm. Das nach oben gerichtete Dreieck repräsentiert den männlichen Aspekt, während das nach unten gerichtete Dreieck den weiblichen Aspekt symbolisiert. In der Alchemie galt das Hexagramm als ein Symbol für die Vereinigung aller Gegensätze. Die Durchdringung der beiden Dreiecke stellt die Verschmelzung und Harmonisierung der sichtbaren Welt (das Materielle) mit der unsichtbaren Welt (das Geistige) dar. Somit sehen wir im Hexagramm die Vereinigung von Oben und Unten – es steht auch für die Einheit des Menschen mit Gott, das wahre Ich-Sein.

Das Zepter

An der höchsten Stelle führt Gott sein Zepter über das gesamte bildliche Geschehen des Freskos. Um dies hervorzuheben, zeigt die Spitze des Zepters exakt zur Mitte, am oberen Rand des Gemäldes und somit über das bildliche Geschehen hinaus. Waräthi meint es ernst. Sein Fresko ist ein lebendiges Symbol für die universelle Wahrheit. Um sicherzustellen, dass diese Symbolik nicht nur innerhalb der begrenzten Rahmen des Freskos eingefroren bleibt, öffnet er dessen Grenzen. Mit dem Zepter hebt er die universelle Gültigkeit dieser Wahrheit über sein Werk hinaus.

Das Zepter repräsentiert den göttlich-königlichen Willen und steht für unsere wahre Macht und Kraft, sowie für die uneingeschränkte Herrschaft über unser Leben. Es ist ein Symbol für den Willen zur Handlung und zur Schöpfung unseres Lebens. Um diese Kraft konstruktiv umzusetzen, ist es von größter Bedeutung, das Bewusstsein für unsere göttliche Natur oder unser reines Ich-Empfinden klar zu spüren. Denn ohne die göttlich-königliche Würde, die aus dem Wissen um unser göttliches Sein erwächst, neigen wir dazu, unsere verfügbaren Kräfte lediglich zur Erfüllung materieller Wünsche einzusetzen.

Wenn wir die einzige Wirklichkeit ausschließlich im materiellen Dasein sehen, regiert das Materielle über den Menschen. Doch wenn wir in unserer göttlichen Essenz verwurzelt sind, nutzen wir unseren Willen wie ein Zepter, um unser Leben in vollkommener Harmonie zu gestalten. Auf diese Weise erlangen wir die wahre Herrschaft über das Materielle. Waräthi verdeutlicht dies in seinem Fresko, indem er das Zepter in die Strahlen der göttlichen Harmonie einfügt.

Die Taube

Nicht zufällig ist in unmittelbarer Nähe des Zepters die weiße Taube mit ausgebreiteten Flügeln dargestellt. Sie schwebt gleichsam über das gesamte Geschehen und symbolisiert den Heiligen Geist.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde aus diesem ursprünglich leicht verständlichen Sinnbild des Heiligen Geistes ein abstrakter und mysteriöser Begriff geformt. Die Heiligkeit wurde immer mehr vom Erfahrungsbereich des menschlichen Daseins entfernt und fand schließlich ihren festen Platz jenseits der irdischen Sphäre. Dadurch geriet ihre eigentliche Bedeutung in den Nebeln der Vergangenheit in Vergessenheit.

Ursprünglich jedoch wurde das Heilig-Sein als die Ganzheit des Lebens verstanden. Der Heilige Geist bezeichnete die Unteilbarkeit und das gesamte Spektrum des menschlichen Lebens, in dem keine Trennung zwischen Geist und Materie existiert.

Das Wort Heil stammt aus der germanischen Sprache und seine ursprüngliche Bedeutung ist: ganz, gesund, unversehrt.

Das Kreuz

Unterhalb der weißen Taube ist Jesus mit dem Kreuz zu sehen. Waräthi verleiht der Szene rund um das Kreuz eine heitere Stimmung. Jesus wirkt geheimnisvoll strahlend und scheint fast schon ein wenig schelmisch zu lächeln. Ein Engel zu Füßen Jesu umarmt liebevoll das untere Ende des Kreuzes und lächelt Maria zu. Mit diesen feinen Details entzieht Waräthi dem Kreuz seinen Schrecken und zeigt seine wahre Bedeutung. Das Kreuz wird zum Sinnbild und Piktogramm für das vollkommene Leben. Das vollkommene Leben kann durch verschiedene untrennbare Attribute definiert werden. Ein essentielles Attribut ist die Erfahrung und das unerschütterliche Wissen um das eigene ursprüngliche Ich-Empfinden. Dieses Ich-Empfinden bildet das Herz und den Ursprung der Schöpfung. In ihm ist alle Kraft und Energie konzentriert. Der Kreuz-Mittelpunkt symbolisiert dieses Ich-Empfinden, den wahren Seelengrund eines Individuums. Stellt man sich einen aufrecht stehenden Menschen mit ausgestreckten Armen vor, so befindet sich sein Herz im Schnittpunkt des Kreuzes.

Ein weiteres Attribut der Vollkommenheit besteht darin, das Ich-Empfinden zu aktivieren. Dies bedeutet den Anfang eines bewussten, aktiven und kreativen Gestaltens mit dieser ursprünglichen Energie. In der Symbolik des Kreuzes erkennen wir diesen Funken der Schöpfung an den beiden Linien, die vom Mittelpunkt des Kreuzes, dem Herzen, ausgehen. Im Bewusstsein des reinen Ich-Empfindens ist eine harmonische Zusammenarbeit beider Aspekte des menschlichen Lebens möglich. Diese beiden Aspekte sind symbolisch durch die vertikale und horizontale Linie im Kreuz dargestellt. Die vertikale Linie versinnbildlicht die himmlisch-göttliche Sphäre und repräsentiert den spirituellen, intellektuellen und aktiven männlichen Aspekt. Die horizontale Linie steht hingegen für den erdgebundenen, emotionalen und passiven weiblichen Aspekt. Durch das Kreuzen beider Linien wird die ursprüngliche Einheit wiederhergestellt.

Ein weiterer Wesenszug der Vollkommenheit liegt in ihrem Potenzial für eine unendliche Expansion in immer neue Welten des Erlebens und der Erfahrung. Die Vollkommenheit steht gleichsam für einen harmonischen und der unbegrenzten Ausbreitung fähigen Geist. Für diesen Geist ist ein erreichtes Ziel ein herrlicher Aussichtspunkt. Von dort eröffnet sich ihm eine Sicht hin zu neuen Erkenntnissen und Möglichkeiten der Entwicklung. So sind die Enden des Kreuzes Fingerzeige in die endlose Ausdehnung des Lebens. Die beiden Linien sind im Grunde unendlich. Um es in der Sprache der Weber auszudrücken: Die vertikale Linie repräsentiert den männlichen Aspekt, während die horizontale Linie den weiblichen Aspekt darstellt. Diese beiden Linien sind wie die Kett- und Schussfäden eines Webstuhls, und du selbst bist der Weber deines eigenen Lebens.

Der Baum des Lebens

Der Baum des Lebens wird in der christlichen Mystik mit dem Kreuz verglichen und mit diesem gleichgesetzt.

Der Baum des Lebens und das Kreuz. Inschrift: Iesous Christos Nika (Jesus siegt) Harbaville- Triptychon, 10. Jh.

Tief in der Erde verwurzelt, breitet der Baum des Lebens seine Früchte im grenzenlosen Himmel aus. Diese Früchte symbolisieren den unermesslichen Reichtum des Daseins. Der Baum des Lebens ist ein kraftvolles Sinnbild für die Vereinigung von Himmel und Erde, während er sich majestätisch in die unendlichen Weiten und unerschöpflichen Quellen des ewigen Lebens erstreckt.

In seiner Entfaltung und Blüte zeigt er auf einzigartige Weise das Wunder des Lebens.

Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Wer siegt, dem werde ich vom Baum des Lebens zu essen geben, der im Paradies Gottes steht.

Johannes Offenbarung 2:7

Die symbolische Darstellung des Lebensbaumes kann auch auf das Fresko übertragen werden. Alles, was darin dargestellt ist, fungiert als Impulsgeber, um unser wahres Sein zu erleben und uns zur schöpferischen Gestaltung anzuregen.

Jesus

Wer von meinem Munde trinkt, wird werden wie ich, und ich selbst werde er werden, und das Verborgene wird ihm offenbart werden.

JesusEvangelium nach Thomas, Logion 108

Gott ist Ich als reines Potenzial. Jesus ist Ich und bringt das Potenzial zur Entfaltung. Doch beide sind eins: Ich und mein Vater sind eins. Dieses Ich (Du, Jesus, Gott) ruht völlig in sich selbst und besitzt das Wissen um die universelle Harmonie des Lebens. Im Bewusstsein dieses Ichs gelangen wir immer zu neueren Einsichten und Erkenntnissen. Überall öffnen sich Tore mit neuen Möglichkeiten. Wir transformieren das Denken an Misserfolg und Leiden in ein kreatives Erschaffen des Guten. Trotz widriger Umstände werden wir standhaft an konstruktiven Lösungen arbeiten und uns nicht vom Ansturm der Negativität beeinträchtigen lassen. Wir erzeugen einen immer größeren und wahren Positivismus. Wenn Jesus von Ich spricht, meint er unser aller gemeinsames Ich genau dieses Ich, also Du, der jetzt diese Zeilen liest.

ICH, hat seinen Ursprung in den Anfangsbuchstaben von I esus CH ristus. Im klassischen lateinischen Alphabet gibt es nur das »I«. Die Aussage von Jesus »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben« gilt auch für dich. Wiederhole diese Aussage und spüre dabei dich selbst - ICH BIN...Es wirkt Wunder.

Die Harmonisierung

Drei Engel spielen vergnügt mit dem Umhang von Jesus, ganz wie verspielte Kinder. Hinter den spielenden Engeln ist ein erwachsenes Engelspaar zu sehen, das wie die Eltern der drei Engel wirkt. Beide strahlen vor Glück und Zuneigung füreinander. Der Mann schaut fröhlich zu Gott und zeigt mit dem Finger auf seine Frau, die ihrerseits einen liebevollen Blick auf die spielenden Kinder wirft.

Dies verweist erneut auf die Bedeutung der Harmonisierung der weiblichen und männlichen Aspekte in uns, die eine wichtige Rolle in unserem Leben spielen werden. Eine Ungleichgewicht zwischen diesen Anteilen kann früher oder später zu chaotischen Verhältnissen führen. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem weiblichen und männlichen Aspekt ist daher eine Grundvoraussetzung für ein freies, kreatives und konstruktives Gestalten unseres Lebens.

Maria

Maria steht für den weiblichen Aspekt des menschlichen Wesens. Der weibliche Aspekt symbolisiert alles Harmonische in der menschlichen Existenz: Vertrauen, Empfangen, Kooperieren, Fühlen und Spüren, Intuition und Liebe. Stärke, Kraft, Aktivität und Macht hingegen werden allesamt dem Männlichen zugeschrieben. Das Zusammenwirken dieser Kräfte und Eigenschaften wird durch das geniale Gemälde von Waräthi auf hervorragendste Weise dargestellt. Dieses Fresko reicht weit über alle religiöse Bekenntnisse. Wenn sich der männliche Aspekt mit dem weiblichen harmonisiert, wird die Liebe zum Dasein, zum Leben, zu dir selbst entfacht. Das Herz, das alles verbindet, wird aktiviert. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass der weibliche und männliche Aspekt nicht am biologischen Geschlecht des Menschen festgemacht ist. So sehen wir Frauen, welche fast ausschließlich mit männlichen Anteilen regieren, und Männer, die sich vom weiblichen Anteil dominieren lassen. Ist das Herz, das Verbindende, nicht aktiviert, führt ein zu großer Anteil des männlichen Aspekts zu maßlosen Zynismus und Aggression. Bei einem dominierenden weiblichen Anteil sind Schwäche und lähmendes Selbstmitleid die Folge. Beides endet letztlich immer wieder in Chaos. Erst das aktivierte Herz gibt beiden Anteilen die wirkliche Kraft zur vollständigen harmonischen Entfaltung des Lebens.

Die drei Cherubim