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Es ist an der Zeit, dass Frauen nicht nur in der Gesellschaft ihren gleichwertigen und gleichberechtigten Platz erhalten. Sie brauchen auch ein spirituelles System, mit dem sie sich identifizieren können. Ich stelle dir eine Spiritualität vor, die dich in deiner Weiblichkeit unterstützt und fördert, und dir deine Kraft und Macht zurück gibt. Komme mit mir auf eine Reise durch die heidnischen Jahreskreisfeste.
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Seitenzahl: 314
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Kapitel
1. Ein neues System muss her
2. Die neuen Regeln
3. Wozu brauchen wir eine Göttin
4. Die Gottheiten und ihr Nutzen für uns
5. ICH BIN eine Hexe
6. Das Jahresrad- erfahrbare Spiritualität
7. A never ending story
8. Zelebriere Rituale für ein stabiles Leben
9. Die Reise durch einen Jahreskreis und zu dir
10. Eine magische Zeit zwischen den Jahren
11. Das spirituelle Leben
12. Eine Übersicht
13. Was noch zu sagen ist
Ganz zu Beginn danke ich Heike, für ihre Zeit
und ihrem roten Stift der Korrektur.
Danke, Dank, Danke.
Ich widme dieses Buch allen Frauen.
Ich hatte in den letzten Jahren immer wieder die Idee, ein Buch zu schreiben, um etwas in den Menschen zu bewirken, die Menschheit aufzurütteln und die existierenden Vorurteile zu korrigieren. Immer wieder hatte ich den Anlauf genommen und dann mein Vorhaben doch wieder begraben, da es eigentlich schon genug Bücher und genug Autoren gibt, die diesen Weg gegangen sind. Warum ich es nun doch wage, hat mehrere Gründe. Ich möchte hier nur auf einen, der vielen Gründe näher eingehen. Vor ein paar Jahren las ich einen Artikel des Magazins „Land Idee“, der sich mit der Walpurgisnacht beschäftigt. Der Titel „Die magische Nacht der Hexen“ erweckte meine Neugier und ließ mich dieses Magazin kaufen. Ich wurde nicht nur enttäuscht, da es sich hier eigentlich um keine richtige Recherche handelte; ich wurde sogar richtig wütend, da in diesem Artikel Hexen mit dem Teufel und Dämonen in einem Atemzug erwähnt und dieses für Hexen so wichtige Fest als „heidnisches Spektakel“ bezeichnet wurde. Wir befinden uns zwar im aufgeklärten 21. Jahrhundert, doch dieser Artikel katapultierte die Leser wieder ins Mittelalter. Hier hat der verantwortliche Journalist nicht nur gefährliche Halbwahrheiten verbreitet; er hat die Meinung über Hexen wiedergegeben, die im 14. Jahrhundert zur Hexenverfolgung führten und die 300 Jahre Angst und Schrecken unter der weiblichen Bevölkerung verbreitete. Gerade Journalisten, die durch ihre Artikel Wissen und Information weitergeben und dadurch zur Meinungsbildung beitragen, haben eine große Verantwortung und sollten sich dessen besser bewusst werden. Doch ich bin diesem mir unbekannten Journalisten auch wieder dankbar. Ohne ihn wäre es nicht zu diesem Buch gekommen.
Denn ich bin eine Hexe - ich bin eine Frau, ich bin im übertragenen Sinn Heilerin und ich bin nicht christlich.
Ich habe diesen spirituellen Weg nicht gewählt, weil ich gegen die Kirche rebellieren möchte, sie ihrer "Verbrechen" an der Menschheit anklagen will oder mich interessant machen möchte.
Ich habe diesen spirituellen Weg nicht gewählt, weil ich zaubern möchte, andere Menschen manipulieren will oder in der Nacht nackt mit Dämonen und dem Teufel tanzen will.
Ich habe diesen spirituellen Weg gewählt, weil ich durch ihn ein nachvollziehbares Glaubenssystems gefunden habe, das uns Frauen eine spirituelle Identifikation gibt und den Männern eine Möglichkeit bietet, das Weibliche in sich zu finden.
Ich habe diesen spirituellen Weg gewählt, weil hier die Natur und nicht ein im Himmel thronender Gott im Vordergrund steht, was ein spiritueller Beitrag zum Klimaschutz und gegen die „Vermüllung“ unserer Erde sein könnte.
Du wirst in diesem Buch keine speziellen Zauberformeln lernen, um Reich zu werden, den Traummann zu finden, dich gegen Anfeindungen zu schützen oder Krankheiten zu heilen. Diese Art des Hexentums hat nur wenig mit der wahren Spiritualität dieses Weges zu tun.
Was mich nun, aber tatsächlich hat tätig werden lassen, war ein Besuch in einer namhaften Buchhandlung. Als ich in der Rubrik Esoterik nach neuen „Hexenbücher“ suchte, fand ich nichts Neues. Nicht mal der Hinweis „Hexen“ war dort zu finden. Dafür gab es zahlreiche Engelsbücher, Bücher mit dem Thema 2012 (und weitere Jahresangaben in der Zukunft, da 2012 schon lange überschritten war), der angeblichen gesellschaftlichen Veränderungen und noch der weiter Entwicklung in die Zukunft, u.a. aber keine neuen Bücher über Hexen. Die Hexen waren verschwunden; selbst in der Herbst Deko. Da wusste ich; jetzt war es so weit.
Wir Frauen sind noch lange nicht da, wo wir sein müssten!
Viele Frauen haben in der Vergangenheit den Weg für uns bereitet, dass wir heute selbstbestimmt leben, eine adäquate Schulausbildung machen und sogar studieren können, uns beruflich entfalten und politisch aktiv wirken können.
Frauen bekamen hier in Europa erst vor ca. hundert Jahren das Wahlrecht zugesprochen. Für die Durchsetzung dafür ging ein ebenso langer Kampf der Frauenbewegung voraus, indem die sogenannten Suffragetten auf die Straße gegangen sind und dafür sogar bis zu ihrem Tod gekämpft haben.
Vor genau 125 Jahren wurden die erste Frau an einer Universität zugelassen und durfte Medizin studieren.
Frauen durften in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts mit der Einwilligung des Vaters oder des Ehemannes ihren Führerschein machen.
Es ist noch gar nicht so lange her, dass wir diese Freiheiten nicht hatten. Bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, hatte der Ehemann das sagen, ob seine Frau arbeiten gehen durfte oder nicht. Er hatte sogar die Möglichkeit, den Job seiner Frau zu kündigen, ohne dass sie gefragt worden ist. Erst mit der Reform des Ehe- und Familienrechts 1977 wurde die „Hausfrau“ abgeschafft.
Bis 1962 durften Ehefrauen allein kein Bankkonto eröffnen und erst ab 1969 wurden verheiratete Frauen geschäftsfähig. Davor war die Unterschrift einer verheirateten Frau nichts wert.
Wer den Roman „Die Päpstin“ gelesen hat, hat erfahren, dass uns Frauen das Denken, die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben bereits im ersten Jahrtausend n. Chr. abgesprochen wurde. Den Frauenwurden jegliche kognitiven Fähigkeiten untersagt mit der Begründung, sie wären dazu nicht in der Lage und, würden sie doch lesen und schreiben erlernen, missgestaltete Kinder zur Welt bringen. Es hat dann noch gut mehr als 1000 Jahre gedauert, bis Frauen da sind, wo sie heute sind.
Ende der 60er und Anfang 70er Jahre begann die Zeit der „new age“ Bewegung. Das ist ein Sammelbegriff der für eine Vielzahl an alternativen, spirituellen, sozialen und gesellschaftlichen Ideen, Zielsetzungen und Veränderungen steht. Diese Zeit beschwor das Wassermann- Zeitalter herauf, das das Zeitalter der Fische mit seiner patriarchalischen Struktur auf allen Ebenen des menschlichen Seins und Miteinanders ablösen sollte, um das Weibliche auf spiritueller und gesellschaftlicher Ebene zu reaktivieren und zu etablieren.
Es war die Zeit, in der die Frauenbewegung aktiv wurde, um den Frauen ihren Status in der Gesellschaft zu verbessern und eine Selbstbestimmung, eine Gleichberechtigung und eine Gleichstellung zu erreichen.
Es musste erst ein Gesetz erschaffen werden, dass Frauen die Gleichberechtigung zusicherten. Dieses Gesetzt trat erst 1996 in Kraft. Aber Papier ist geduldig, denn die praktische Umsetzung erfolgt noch nicht überall im Alltag. Allein der Anstieg der häuslichen oder partnerschaftlicher Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat seit der Covid – Pandemie in Deutschland stark zugenommen. Die ehemalige Bundesinnenministerin Nancy Faser veröffentlichte dazu, dass alle vier Minuten eine Frau oder ein Mädchen in Deutschland Opfer häuslicher Gewalt wird (Stand November 2024). Jeden Tag werden mehr als 149 Frauen und Mädchen in Deutschland Opfer einer Sexualstraftat. Fast täglich wird in Deutschland eine Frau getötet.
Frauen bekommen immer noch nicht den gleichen Lohn wie Männer trotz gleicher Leistung. Frauen müssen sich in ihrem Aussehen und ihrem Kleidungsstil „vermännlichen“, um in den Berufen der Wirtschaft, des Geldes und der Politik überhaupt gesehen und anerkannt zu werden.
Mit der New Age- Bewegung der 60er und 70er Jahre erstarkte auch eine zweite Welle der Frauenbewegung, und zwar weltweit. Nach dem uns die erste Welle der Frauenbewegung das Wahlrecht ermöglicht hat, ging es nun um die gesellschaftliche Stellung der Frau. Für mich von Bedeutung war ein Marsch der Frauen in Rom, wo Frauen auf der Demonstration sangen: "Tremate, tremate, le streghe son tornate!" ("Zittert, zittert, die Hexen sind zurückgekehrt!").
Anfang der 70er Jahre begann der Kampf gegen den Paragrafen 218, der es Frauen nicht ermöglichte, selbst zu bestimmen, ob sie ein Kind austragen wollen oder nicht. Diese Entscheidung war nur Männern (Richter, Theologen und Ärzten) vorbehalten, da damals diese Positionen primär von Männern besetzt waren. So trat 1974 eine Neuregelung des § 218 in Kraft, in der ein Schwangerschaftsabbruch unter bestimmten medizinischen, sozialen oder ethnischen Gründen erlaubte und dennoch bleibt eine Abtreibung strafbar. In dieser Zeit kam es auch zur Einrichtung von Frauenhäusern und Frauenzentren, die heute noch aktiv sind.
Ende des 20. Jahrhunderts erfolgte die dritte Welle der Frauenbewegung, die vor allem in den USA herrschte und sich sehr stark an den Zielen der zweiten Welle orientierte, die sie bis heute noch nicht erreicht sieht.
Seit ca. 2012 haben wir nun die vierte Welle der Frauenbewegung, in der es darum geht, die (mächtigen) Männer für ihr Verhalten zur Verantwortung zu ziehen und ihnen ihre Macht zu entziehen. Dankder expandierenden Entwicklung des Internets können nun weltweit Männer für ihr sexistisches Verhalten enttarnt werden, publik gemacht werden und gesellschaftlich bloßgestellt werden. Die #Me Too Bewegung ist das beste und bekannteste Beispiel. Ebenso stehen heute das Gendern und die Geschlechteridentifizierung im Vordergrund dieser Welle.
Natürlich stehen der Frauenbewegung auch in der vierten Welle Gegner gegenüber, die das Erstarken der Frauen verhindern wollen und damit sind die alten Kämpfe des 19. Jahrhunderts aktueller denn je.
Frauen werden weiterhin sexuell belästigt, als Sexobjekt gesehen, vergewaltigt oder Opfer von Gewalt. Vielleicht werden Frauen gleichbe-Rechtigter behandelt, aber sie sind noch weit davon entfernt gleichwertig zu sein. Immer noch herrscht das Patriachat in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Immer noch spüren Frauen, dass man ihnen nicht das zutraut, was für das andere Geschlecht selbstverständlich ist.
Was müsste geschehen, dass sich das Weibliche in der Gesellschaft so durchsetzt, dass Frauen nicht mehr als das „schwache“ Geschlecht angesehen wird?
Was müsste geschehen, dass sich Männer ihrem Verhalten bewusstwerden und sie etwas ändern/ sich ändern?
Die Antwort könnte in der Spiritualität liegen. In allen großen Weltreligionen (Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus, Konfuzianismus und Daoismus) haben Männer das Sagen und Frauen müssen dafür kämpfen, gesehen, gehört und geweiht zu werden. In keiner Religion sind Frauen als spirituelle Wesen gleichberechtigt. Solange wir keine spirituelle Gleichberechtigung erfahren, solange werden wir, meiner Meinung nach, auch keine gesellschaftliche Gleichberechtigung erleben. Das ist eine Realität,die es zu verändern gilt. Doch bleiben wir bei dem christlichen Glauben. Das Patriarchalische System der katholischen Kirche erlaubt Frauen nicht, priesterlich tätig zu sein. Das Frauen dazu in der Lage sind, zeigt die evangelische Kirche, die seit den 70er Jahren Pfarrerinnen zulässt und deren Zahl stetig gestiegen ist. Nur braucht es eine Spiritualität, in der das Weibliche auch vertreten und erlebbar ist.
In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts entstand mit WICCA ein derartiges, neues Modell, dass auf alten Wurzel fußte. Gerald Gardner, Aleister Crowley, Alex Sander und Doreen Valiente waren die „Gründer“ dieser heidnisch- spirituellen Bewegung. Von Großbritannien aus verbreitete sich WICCA nach Nordamerika, Australasien, Europa und Südafrika. In den USA ist WICCA eine anerkannte Religion mit ca. 1,5 Millionen Anhängern.
In Deutschland wurde im Jahr 2020 die Anhänger WICCAs auf über 200.000 geschätzt. Da es nicht mehr Anhänger sind, könnte daran liegen, dass die Hexen von den Engeln „abgelöst“ wurden, die um die Jahrtausendwende Botschafter der Esoterik wurden. Mittlerweile sind auch die Engel aus der Mode geraten. Der neue spirituelle Trend ist die Selbstoptimierung, mit dem Weg zu mehr Sich- Selbst- Bewusstseins, der Selbstliebe, und des Selbstvertrauens, hin zu mehr Selbstoptimierung und dem Versprechen, sein ganzes Potenzial für ein glückliches und erfülltes Leben auszuschöpfen. Wir sollen uns nun als spirituelle Wesen begreifen, die hier auf Erden sind, um menschliche Erfahrungen zu machen und für die das Universum alles bereithält, was ja eh schon in uns existent ist. Doch dieser Pfad kann irgendwann hohl und leer sein, ohne eine entsprechende Glaubensrichtung.
Qi Gong oder Tai chi chuan zu praktizieren und grünen Tee bei glimmenden Räucherstäbchen zu trinken, macht uns nicht zum Buddhisten, ohne den Tao oder den Daoismus.
Yoga zu betreiben, bringt uns nicht dem Hinduismus näher. Gerade der Buddhismus ist bei religiöser Suche eine beliebter alternativer Glaube. Doch der Buddhismus und der Hinduismus sind beide Frauenfeindlich, letztere sogar menschenfeindlich.
Mit einem Glaubenssystem, in dem das Weibliche seine spirituelle Gleichberechtigung und seine gleichwertige Stellung wieder einnimmt, erhalten Frauen auch auf spiritueller Ebene eine Möglichkeit der Identifikation. Solange wir in allen großen Religionen mit einem patriarchalischen System konfrontiert sind, werden wir Frauen niemals vollständig gleichwertig und gleichgestellt sein. Solange mächtige Männer das Sagen und die Macht innehaben, wird sich nichts ändern. Wie R. Buckminster Fuller sagte:
Sie verändern die Dinge nie durch ein Ankämpfen
gegen die existierende Realität.
Wenn Sie etwas ändern wollen,
dann bauen Sie ein neues Modell auf,
dass das existierende Modell überflüssig macht.
(R. Buckminster Fuller)
Wir brauchen ein neues Modell, und dieses Modell könnte WICCA sein.
Ich war als heranwachsende Jugendliche mit dem Aufkommen der Frauenbewegung konfrontiert. Ich kann mich an die Diskussionen um den § 218 und die großen Plakate mit dem Slogan „Mein Bauch gehört mir“ erinnern. Ich begann mich mit der Geschichte der Frauen und ihrer gesellschaftlichen Rolle zu beschäftigen und erkannte, dass ich als Frau gesellschaftlich wie religiös die Karte des schwarzen Peters gezogen hatte. Bis weit ins 20. Jahrhundert waren wir Frauen das Böse und trugen die Schuld für alles, was in der Natur und bei den Menschen schiefgegangen war und schiefgehenkonnte. Spirituell galten wir als schmutzig aufgrund von biologischen Vorgängen, waren schwach im Glauben und Geist, in unserer Meinung und auf körperlicher Ebene. Wir hatten unseren Mund zu halten, wenn sich Männer unterhielten. Uns wurde Bildung vorenthalten, da unser Platz am Herd war und unsere Aufgabe sich auf das Gebären (hoffentlich) männlicher Kinder beschränkte, die einmal in die Fußstapfen der Väter treten sollten. Schon mit der Geburt einer Tochter hatten wir versagt. Wir waren jahrhundertelang die Putzfrauen, Dienstmägde und Prostituierte der eigenen Ehemänner, ohne Bezahlung und immer zur Verfügung stehend.
Ich selbst habe schon sehr früh, die Aussagen der Kirche, die mir in meinem Religionsunterricht vermittelt wurden, kritisch hinterfragt. Ich war noch nie jemand, der alles, was gesagt wurde, ohne ein Hinterfragen einfach so hinnehmen konnte. Zu fremd erschien mir der Gedanke, ich sei schon mit einer Sünde geboren, nur weil meine Eltern Sex hatten, um mich zu zeugen. Ich war mir selbst keiner Schuld bewusst und ich hatte auch nichts verbrochen. Ich konnte auch nicht den Gedanken ertragen, dass für mich Jesus einen solch fürchterlichen Tod erlitten haben soll. Und die Hölle mit dem Teufel war für mich auch mehr als bizarr. Aber eine Frage beschäftigte mich am meisten. Wenn Gott ein Mann und Vater von Jesus war, und wir alle an den Vater im Himmel beten sollte, wo war die Mutter? An die Geschichte um Maria und eine göttliche unbefleckte Empfängnis konnte ich nach der ersten Stunde Sexualkunde nicht mehr glauben. Mein Zuhause zeigte es ganz deutlich, ich habe einen Vater und eine Mutter, die mich gezeugt hatten. Auch in der Tierwelt und in der gesamten Natur benötigt es, bis auf wenige Ausnahmen, immer einen männlichen und einen weiblichen Part, um neues Leben hervorzubringen.
Mit dem Aufkommen der Frauenbewegung im 19. Jahrhundert sollte sich dieses armselige Leben nun ändern.
Als ich Mitte der 90ziger Jahre Marion Zimmer-Bradley´s Version der Artus- Sage „Die Nebel von Avalon“ las, war das die Offenbarung für mich. Ich fühlte mich auf einer unerklärlichen Weise mit Morgaine und Vivianne verbunden. Wie viele andere Frauen, die diesen Roman gelesen hatten und wahrscheinlich dafür verantwortlich waren, dass er ein Bestseller wurde, sah ich mich im Geiste auf der Insel Avalon lernend, arbeitend und in der Gemeinschaft mit anderen Frauen Rituale haltend. Eine Göttin. Ich erhielt endlich Antworten auf meine Fragen und eine Möglichkeit der spirituellen Identifikation. Nun ist dieses Buch zwar ein Roman, doch er basiert auf einer Sage, die vielleicht sogar wahr ist. Darüber streiten sich die Historiker und dies soll auch ihr Job bleiben. Ich war jedoch fasziniert von der Vorstellung, dass es tatsächlich einmal einen Glauben gab, der die Weiblichkeit nicht unterdrückt, verleugnet, missachtet oder hinrichtet, sondern der Frauen achtet und verehrt und es sogar eine weibliche Gottheit gab, die gleichwertig neben einem Gott stand. Ich begann über diesen Glauben zu recherchieren. Dies war zu dieser Zeit gar nicht so einfach. Damals verfügte kein Haushalt über ein Internetzugang. Ich war auf die Literaturangebote der Buchhandlungen angewiesen. Die Rubrik „Esoterik“ war damals nur mit wenigen Büchern bestückt. Meine ersten Bücher zu diesem Thema waren:
*Marion Green “Das geheime Wissen der Hexen“
*Scott Cunnigham „Wicca Teil 1 und 2“
*Starhawk „Hexenkult- Die Ur-Religion der Großen Göttin“
„Mit Hexenmacht die Welt verändern“ u.a.
*Viviann Crowley „WICCA- Alte Relgion in einer neuen Zeit“
Mittlerweile ist meine persönliche Bibliothek zu diesem Thema so groß, dass ich ein echtes Platzproblem habe. Trotz einiger Abzweigungen auf meiner spirituellen Reise, kam ich immer wiederauf den Pfad der Göttin zurück. Die größte Gruppierung dieses Pfades der Göttin ist WICCA.
Doch was ist WICCA?
Das Wort ist zusammengesetzt auch dem Wort Witch (Hexe) und Craft (Religion) und wird dem Neopaganismus zugeordnet. WICCA sieht sich selbst als neugestaltete, naturverbundene Spiritualität. In ihr findet man eine sogenannte Mysterienreligion, in dem Erkenntnisse des eigenen Lebens und innere Transformationsprozesse mit integriert werden. WICCA zieht seine Lehren aus der Natur wie auch aus Sagen und Märchen. Doch genau die haben verhindert, dass WICCA in Deutschland sich etablieren konnte. Doch dazu später.
Andere Synonyme für WICCA sind:
Alter Pfad, Alte Religion, die Religion der Großen Göttin In WICCA feiern und ehren wir eine weibliche und eine männliche Gottheit, die als gleichwertige und gleichberechtigte Partner Repräsentanten einer polaren Natur sind. Um diese Gottheiten und die Natur zu ehren, feiern wir die acht Jahreskreisfeste, die den Zyklus von Werden und Vergehen in der Natur und im menschlichen Leben symbolisiert. Ebenso zelebrieren wir Rituale zu den jeweiligen Mondphasen, da der Mond Repräsentant der Großen Göttin ist.
WICCA sieht das Göttliche nicht weit entfernt und außerhalb allem, sondern in allem, was existent ist.
Ich habe vor einigen Jahren einen Frauenkreis gegründet, um genau diesen alten Pfad in die Moderne zu führen. Wir treffen uns alle 6 Wochen, um gemeinsam diesen spirituellen Weg zu zelebrieren.
Ich lade dich ein, mithilfe dieses Buches, an unseren Frauenkreistreffen teilzunehmen und mit uns gemeinsam und das Leben zu feiern und einen neuen Weg zu gehen, der dich aufspiritueller Weise näher zu dir selbst bringt, zu einem tieferen Verständnis für dich und die Ereignisse in deinem Leben führt, dir die Kraft und Macht als dein Geburtsrecht zurückgibt und dich in deinem Inneren stärkt.
Doch zuvor möchte ich dir ein wenig Theorie über WICCA weitergeben, damit dir diese Glaubensrichtung vertrauter wird.
In WICCA gibt es kein Heiliges Buch. Vieles wurde und wird mündlich weitergeben, was zum Teil auch sehr sinnvoll ist, da die Inhalte flexibler und veränderbar bleiben. Wenn etwas niedergeschrieben ist und es verbreitet wurde, lässt es sich nur schwer wieder korrigieren. Es gibt jedoch einige Regeln, an die sich Hexen / WICCAS halten und die ihr spirituelles Leben bestimmen. Das oberste Gebot lautet:
„Tue was du willst, aber schade nichts und niemandem, denn alles, was du aussendest, kehrt dreifach zu dir zurück“
Allein dieser Satz erübrigt jede Diskussion über Schadenszauber, schwarze Magie oder Satanismus. Auch eine Zusammenarbeit mit dem, was auch immer als Böses dargestellt wird und das den Hexen immer noch unterstellt wird, bedarf eigentlich keines weiteren Kommentares.
Doreen Valiente, die mit Crowley in den 60er Jahren zusammenarbeitete, verfasste das Hexencredo, bekannt auch als Wicca- Rede, dass eigentlich alles erklärt und (hoffentlich) irgendwann ein neues Denken über Hexen bewirkt.
Auf das Hexenrecht wirst du bauen,
in wahrhafter Liebe und rechtem Vertrauen.
Lebe und lass alle anderen leben,
sei mäßig beim Nehmen und mäßig beim Geben.
Zieh den Kreis auf dreimal aus,
und halte alles Böse raus.
Die Sprüche werden wirksam sein,
wenn sie geschmiedet sind im Reim.
Die Augen sanft, Berührung zart,
erst Hören, dann Reden sei Deine Art.
Wächst der Mond, geh sonnenwendig,
tanze und sing das Pentakel lebendig.
Doch heult ein Wolf beim blauen Eisenkraut,
geh der Sonne entgegen, denn der Mond wird abgebaut.
Wenn der Göttin Mond im neuen Stand,
küss‘ dann zweimal ihre Hand.
Achte den Vollmond und sei bereit,
für Sehnsucht im Herzen ist die richtige Zeit.
Lässt der mächtige Nordwind sich spüren.
Streich die Segel und schließe die Türen.
Der Wind aus dem Süden, bring Herzen zum Glühen,
du kannst mit ihm in Liebe erblühen.
Neuigkeiten wird der Ostwind entschleiern,
erwarte und bereite Dich vor auf das Feiern.
Hat der Wind aus dem Westen zu befehlen,
unruhig sind dann die wandernden Seelen.
Neun Hölzer sind für den Kessel gut.
Brenn sie schnell, mit sanfter Glut.
Der Baum der Göttin ist weise und alt,
schade ihm, und ihr Fluch ist Dein Gehalt.
Erreicht das Jahresrad Walpurgisnacht,
brenne ihr Feuer, in voller Pracht.
Ist das Rad bei Jul arriviert,
dann zünd die Fackeln, und Pan regiert.
Alle Pflanzen sollst Du pflegen,
denn dies trägt der Göttin Segen.
Die murmelnden Wasser sind Dein Gewissen,
wirf einen Stein und Du wirst es wissen.
In Deiner Not wirst Du Dich bewähren,
und nicht den Besitz Deiner Nächsten begehren.
Lass Dich nicht mit den Toten ein,
sie bringen Dich in falschen Schein.
Empfangen und Abschied mit Wärme gemacht,
Dein Herz wird zum glücklichen Glühen gebracht.
Das Dreifachgesetz sei Dein leitender Faden,
dreimal bringt‘s Glück und dreimal den Schaden.
Wenn Missgeschick regiert dunkle Tage,
auf Deiner Stirn einen Stern dann trage.
Die, die Dich lieben wirst Du nie betrügen,
sonst werden sie Dich ins Antlitz belügen.
Zum Schluss noch acht Worte und da gilt´s,
Schadet es keinem, dann tu‘ was Du willst!
Das dieser spirituelle Pfad auch ein Weg zur Selbsterkenntnis sein kann, zeigen die neueren Regeln, nach denen eine Hexe lebt /leben sollte:
Erkenne Dich selbst
Es ist eine grundlegende Voraussetzung, dass du weißt, wer du eigentlich bist. Dazu gehört auch, dass du deine Schwächen und Stärken, deine Fähigkeiten und dass, was dich ausmacht kennst. Nur so kannst du deine Grenzen abschätzen und deine eigenen Grenzen setzen. Wenn das eigene Ziel ist, zu lernen, den Willen umzusetzenund die Umwelt zu beeinflussen, muss du wissen, wer du wirklich bist.
Die entfesselnde Energie der Rituale und Zaubersprüche kann gefährlich werden, wird sie nicht oder zu schwach gelenkt. In jedem Fall aber wirst du nichts erreichen.
Beherrsche die Regeln der Hexenkunst
Hexenkunst kann nur wirksam werden, wenn sie in ihrem ganzen Ausmaß bekannt ist und man sich immer wieder mit ihr auseinandersetzt. Dazu ist die Regel die Grundvoraussetzung. Es genügt leider nicht ein Ritual oder einen Zauber wie nach einer Rezeptanleitung für einen Kuchen abzuhalten. Wahre Hexenkunst ist ein Glaube und laut Scott Cunningham ist nur ein gelebter Glaube ein wahrer Glaube.
Höre nie auf zu lernen
Das magische Wissen ist nichts Statisches. Man muss sich immer wieder darum bemühen. Leben heißt Lernen. Zum Lernen gehört auch die eigenen Erkenntnisse zu notieren und daraus neue Schlüsse zu ziehen.
Wende das Wissen weise an
Reines, technisches Wissen ist ohne Nutzen. Man muss auch wissen, wann und in welchen Zusammenhang man es anwenden kann. Weisheit hat nicht nur mit Intelligenz zu tun, das Gefühl für das Richtige muss hinzukommen. Wissen muss sich mit Weisheit paaren.
Lebe im Gleichgewicht
Dies ist in unserer Gesellschaft immer schwerer einzuhalten. Es bedeutet sich nicht in Extreme zu verfangen und das Leben auf eine ausgewogene Basis zu stellen. Dabei handelt es sich um eine Balance zwischen Intellekt, Gefühl und Körperlichkeit. Nur in dieser Balance kann die Mentalität einer Hexe gesund bleiben. Die Nähezur Natur kann helfen, in dieser Balance zu bleiben, denn sie ist von einem natürlichen Gleichgewicht geprägt.
Wisse immer, was du sagst und warum du es sagst
Unterschätze nie die Kraft des Wortes. Das Wort hat eine besondere Kraft, es kann befreien, anstoßen und verändern, aber auch verletzen und zerstören. Hinzu kommt auch, dass du in manchen Situationen besser gar nichts sagst. Schweigen ist manchmal mehr wert als Reden und hat so mancher Frau in der Vergangenheit das Leben gerettet.
Sei mental konzentriert
Die mentalen Fähigkeiten sind die große Stärke einer Hexe. Hier gibt sie ihrer Energie den Anstoß und lenkt ihre Kraft. Trainiere diese Stärke der Konzentration, des Fokussiert seins und der Aufmerksamkeit. Im Hier und Jetzt liegt auch die größte Kraft zur Veränderung, des neu Wählens und jeden Neubeginns.
Lebe im Einklang mit der Natur
Rituale und weiße Magie werden vom Rhythmus der Natur bestimmt und geprägt, von Mondphasen und den vier Jahreszeiten. Das moderne Hexentum definiert sich über diese Nähe. Hier findest du dein Zentrum. Die Natur ist im Allgemeinen sehr heilsam. Mit der Natur im Einklang leben bedeutet auch, sich nach der Natur zu ernähren. Das, was uns die Natur zu den jeweiligen Jahreszeiten schenkt, hat genau die Inhalte, die wir gerade dann brauchen.
Erdbeeren im Dezember in unseren Breitengraden ist weit von dem Einklang mit der Natur entfernt.
Feiere das Leben
WICCA ist eine Lebensbejahende Spiritualität. Wir wollen nichts zerstören und schaden, sondern erschaffen und fördern. Das menschliche Wesen ist dazu bestimmt, ein Leben in Freude und Liebezu führen, nicht in Ärger und Hass. Für uns gibt es nichts Sündhaftes, nicht Schmutziges. Wir sehen alles, was nichts und niemandem schadet, als göttlich an.
Atme bewusst, ernähre dich gesund
Achte auf Körper und Gesundheit. Dies ist eine zentrale Regel. Der Körper ist das Heiligtum, unser Tempel. Er ist ein Teil der Natur. Die mentale Kraft ist eng mit dem Körper verbunden. Es gibt keine Teilung, keine Trennung. Nur wenn der Körper gesund ist, ist auch der Geist gesund. Alles Körperliche ist heilig und göttlich und verdient es geehrt und wertgeschätzt zu werden.
Trainiere deinen Körper
Zur Gesunderhaltung gehören neben gesunder Ernährung und bewusster Atmung auch ein adäquates, körperliches Training. Du brauchst die körperliche Kraft, denn die Arbeit mit Magie kann auch sehr kräftezehrend sein.
Meditiere
Mit Meditation reinigst du deinen Geist und letztendlich auch deinen Körper. Mit Meditation erdest und zentrierst du dich. Mit Meditation schaffst du Klarheit und Orientierung in deinem Leben. Mit Meditation aktivierst du deine Liebe und deine Energie. Durch Meditation bündelst du deine mentale Energie. Nur durch diese Bündelung kannst du die Kraft gezielt einsetzen.
Ehre die Göttin und den Gott
Die Göttin und der Gott sind die Kräfte, die das moderne Hexentum zusammenhält. Mit der Ehrung akzeptierst du die besonderen Regeln und lässt sich auf die Philosophie ein. Zusammenfassend lässt sich schreiben:
Die Spiritualität der Hexen hat nachweislich alle Merkmale einer Religion und ist durch WICCA in Amerika bereits staatlich anerkannt. Diese Religion ist eine Spiritualität der Liebe, der Achtung und der Wertschätzung und ein Weg der wahren Selbsterkenntnis.
Doch was genau verstehen wir unter WICCA, Magie und Energie?
WICCA, die alte Religion oder der alte Pfad, wie auch immer man diese religiöse Richtung nennen möchte, gründet sich weder auf Dogmen oder strikte Glaubensregeln noch auf offenbarten Schriften oder ein heiliges Buch. Sie bezieht ihre Lehren aus der Natur und erfährt ihre Inspiration aus den Bewegungen von Sonne, Mond und Sternen, aus dem Flug der Vögel, dem langsamen Wachsen der Bäume und aus dem Wechsel der Jahreszeiten. Es ist eine Religion der Poesie. Mythen, Legenden, Lehren werden als Metapher für das „unsagbare“ erkannt. Das ursprüngliche Symbol für das Unsagbare ist die Göttin. Sie hat unendliche Eigenschaften und tausend Namen. Sie ist die Welt (nicht getrennt von ihr) und sie ist alles in ihr: Mond, Sonne, Sterne, Wind, Steine, Wasser, Pflanzen, Tiere, Menschen. Das Bild der Göttin, die in der Natur innewohnt, fördert die Ehrfurcht vor der Heiligkeit alles Lebendigen
Die Religion der Göttin hat ein Ziel: Ein Leben im Einklang mit der Natur. Ein Leben in Frieden, Liebe, Vertrauen und Verbundenheit.
Das Symbol der Göttin verleiht die spirituelle Kraft, um Systeme der Unterdrückung in Frage zu stellen und neue zum Leben hin orientierte Kulturen zu schaffen. Das Bild der Göttin, die in der Natur innewohnt, fördert die Ehrfurcht vor der Heiligkeit alles Lebendigen. Normen und Werte der Alten Religion beruhen auf der Vorstellung, dass die Göttin der Welt und allen Formen des Lebens einschließlich des Menschen immanent ist.
Die Grundethik ist die Liebe zum Leben. Alle lebenden Dinge werden geehrt, geachtet und als heilig angesehen. Das Leben nährt Lebenund die Vielfalt des natürlichen Lebens soll bewahrt werden. Alles, was in der Welt geschieht, ist lebenswichtig.
Rituale dienen der Verbindung zum Leben und zum Göttlichen und stellen das harmonische Gleichgewicht der Wahrnehmung von Pflanzen und Tieren, Menschlichem und Göttlichem her. Jedes Ritual ist ein spiritueller Akt, der durch Magie die Energien verbindet.
Eines der obersten Gebote ist das universelle Gesetz der Anziehung. Diese besagt, dass jede Handlung Folgen nach sich zieht, die man verantworten muss.
„Was du gibst, erhältst du dreifach wieder“
(Dieser Spruch hat sich die Szene der Esoterik, wie auch die Szene rund um das Thema Selbstoptimierung angeeignet.)
Alle Dinge sind voneinander abhängig und stehen in enger Verbindung zueinander und sind deshalb gegenseitig verantwortlich. Eine Handlung, die irgendeinem schadet, wirkt sich auf alle schädlich aus.
Das Leitmotiv ist die Ehre, als Sinn für Stolz und Selbstachtung „Ehre die Göttin in dir selbst, preise Dein Selbst und Du wirst sehen, das Selbst ist überall.“
Alle Handlungen der Liebe und Lust sind Rituale der Göttin. Sexualität wird weder als schmutzig noch als sündig angesehen, sondern als direkter Ausdruck der Lebenskraft und ist göttlich und heilig. Sie darf sich frei ausleben, solange Liebe das Leitmotiv ist. Die Ehe ist eine tiefe Bindung, eine magische, spirituelle und psychische Beziehung, aber sie ist nur eine Möglichkeit. Ein Missbrauch wird als äußerst verwerflich angesehen. Vergewaltigung ist ein unerträgliches Verbrechen, da es die Lebenskraft entehrt. Frauen und Männer haben das heilige Recht, über ihren Körper selbst zu entscheiden. Alle Menschen auf dieser Erde werden als Götterbetrachtet, als Zeichen der tausendfaltigen Schönheit der Göttin. Sie ist der Leib und der Leib ist heilig.
Nichts an einem Körper ist unrein, kein Aspekt der Lebensvorgänge ist durch irgendeine Idee der Sünde besudelt. Geburt, Tod und Zerfall sind gleichwertige heilige Teile im großen Kreislauf. Jede Tugend wird zum Laster, wenn man sie nicht durch ihr Gegenteil ausgleicht:
Schönheit – Stärke, Macht - Leidenschaft, Ehrgefühl- Demut / Arroganz, Fröhlichkeit- Tiefsinn
WICCA ist eine magisch orientierte Religion. Magie lenkt und steuert natürliche Energie, um einen gewünschten Effekt zu erzielen und um notwendige Veränderungen herbeizuführen. Die WICCA – Religion benutzt Magie als Werkzeug zur Segnung des rituellen Bezirks oder zur Verbesserung des eigenen Selbst und der Welt. Magie ist der Grundpfeiler der WICCA- Religion. Doch Magie ist keine Technik, mit der wir der Natur unseren Willen aufzwingen können. Magie ist etwas Natürliches. Sie ist eine gewaltfreie Lenkung von Energien, mit denen man notwendige Veränderungen herbeiführen kann.
Es gibt drei Hauptquellen dieser Energie:
a. die eigene / Persönliche Energie:
Lebensenergie- sie ermöglicht unsere irdische Existenz und erhält unseren Körper. Wir nehmen diese Energie von Mond und Sonne, Wasser und Nahrung auf und setzen sie in Bewegung, Sport und Sex frei. Sie wird auch durch Magie aktiviert.
b. Erdkraft:
Im Planeten und den natürlichen Produktionen, wie Steine, Bäume, Wind, Flamme, Wasser, Kristalle, Gerüche. Sie besitzen einzigartige Kräfte, die während eines magischen Rituals gezielt eingesetzt werden können
c. göttliche Kraft:
Manifestation von a + b. Dies ist die Kraft des Lebens, der allumfassenden Macht, die alles schuf
Magie ist eine Methode, mit der jeder Einzelne in absoluter Eigenverantwortung sein eigenes Leben in die Hand nehmen kann. Eigene Energie, universelle Kraft und Erdenergie sollen harmonisch zusammenwirken, um zur Verbesserung des Lebens und zur Erhaltung der Erde beizutragen. Magie fördert so unser Leben und hilft uns, unseren zerstörten Planeten Erde an uns zurückzugeben. Mit Magie wird unsere besondere Beziehung zur Göttin und zum Gott intensiviert. Magie ist in erster Linie eine religiöse Tätigkeit und wenn Magie von Liebe beseelt ist, besteht keine Gefahr. Diese Form, magisch tätig zu sein, hat absolut nichts mit Zauberei oder Illusionen zu tun.
In WICCA beschwören wir die Göttin und Gott, um ihre Macht mit Wirkkraft zu segnen. Rituale verbinden die persönliche Kraft mit dem Göttlichen. Magie ist hierbei der Prozess der Vereinigung. Alle Religionen sind zunächst geistige Strukturen, in deren Zentrum die Verehrung des Göttlichen steht. WICCA erkennt eine höchste, göttliche Macht, die unbegreiflich, absolut und Urquelle des gesamten Universums ist, an. Unsere begreifliche Verbindung zu dieser höchsten göttlichen Macht sind die Gottheiten. Diese Gottheiten werden als Gott und Göttin analog zur Natur als Doppelwesen geehrt, da fast die gesamte Natur in zwei Geschlechtern aufgeteilt ist. Für uns ist das Göttliche überall innewohnend. Beide erhielten im Laufe der Zeit viele Namen, und alle Gottheiten lassen sich auf eine Urform – Urgottheit zurückführen. Dieser Gott und seine Göttin sind allmächtig, Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Existenzen. Wir kommunizieren mit Ihnen, weil sie ein Teil von uns sind und wir ein Teil von ihnen.Beide sind gleichgestellt und ergänzen sich – Ideal ist die vollkommene Balance beider Kräfte.
Es gibt viele Wege, wie du diesen spirituellen Weg gehen kannst.
*British Traditional WICCA oder Traditionelles WICCA:
Einige häufig in den USA verwendeten Begriffe zur Selbstbezeichnung derjenigen WICCA, die sich auf eine bis auf Gerald Gardner zurückgehende Initiationslinie berufen können und sich eng an dessen Lehren orientieren:
Gardnerian Wicca, Alexandrian Wicca, Central Valley Wicca
*WICCA Traditionslinien:
Unter Traditionen oder Linien versteht man in Coven (Gruppen, die aus 13 „Teilnehmer“ und einer Hohepriesterin bestehen) organisierte und darin initiierte WICCA, die sich noch relativ eng am British Traditional WICCA orientieren
*Neo-WICCA, Eclectic WICCA, Solitary WICCA
Unter Eclectic WICCA versteht man WICCA-Anhänger, die keiner speziellen Tradition angehören, sich aber bei verschiedenen Traditionen und Kulturen bedienen. Eklektiker können sowohl in einem Coven initiiert werden als auch eine Selbstinitiation gegenüber dem Gott und der Göttin durchführen.
Solitary-WICCA („Freifliegende Hexen“) ist ein besonders „freier“ WICCA-Stil, der die persönliche Freiheit betont und eine hierarchische Struktur vermeidet. Es umfasst alle WICCA, die nicht in Coven organisiert sind und eigenständig lernen.
Neo-WICCA ist keine Tradition im eigentlichen Sinne, sondern der Sammelbegriff für moderne und offenere Interpretationen von WICCA – mit geringerer Betonung von Themen wie Sexualität und Tod, und meist auf der Grundlage von Selbstinitiation.
In der Verfilmung „Die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer-Bradley
geht Morgaine am Ende des Films nach Glastonbury.
In dem Film werden ihre Gedanken laut:
„Avalon entschwand aus der Welt der Menschen und nur noch
Glastonbury erinnerte an den Ort seiner Wunder. Die Sachsen
überrannten Britannien und nahmen es ein und die Göttin geriet in
Vergessenheit. Jedenfalls glaubte ich das viele Jahre lang.“
(Morgaine fiel eine Gruppe Frauen auf,
die in einem Raum der Kirche vor einer Statue beteten.
Sie ging auf die Gruppe Frauen zu und
erkannte in der Statue von Mutter Maria die Göttin.)
„Bis ich schließlich erkannte, dass die Göttin überlebt hatte. Sie war
nicht zerstört worden, sondern hatte lediglich eine andere Gestalt
angenommen. Und vielleicht würden eines fernen Tages zukünftige
Generationen dann das in ihr erkennen, was wir in ihr gesehen
haben. Die Herrlichkeit Avalons.“
Leider ist das bis heute nicht geschehen.
Die großen Weltreligionen haben der Frau und der weiblichen Spiritualität nur wenig bis gar keinen Platz eingeräumt. In der christlichen Religion wurden ehemalige Göttinnen entweder des Tempels und der heiligen Schriften verwiesen oder sie mutierten zu einer demütigen, unselbständigen und unsichtbar scheinenden Gestalt oder sie wurden denunziert. Dabei hatten alle großen Kulturen, Mythologien und in ihren Ursprüngen auch die großen Weltreligionen weibliche Gottheiten, die heute in die weite Ferne der Mythologie gerutscht sind. Die Geschichten, in denen Göttinnenvorkamen, wurden neu geschrieben und das Weibliche entfernt und als das Böse gebrandmarkt. Die Resultate sind nicht nur frauenfeindliche Kirchen – und Glaubensinstitutionen, sondern auch eine Gesellschaft, in der die Frau noch immer nicht gleichberechtig ist und Frauen sich selbst nicht als gleichwertig sehen.
Wie sollte sie es auch, wenn sie nicht einmal in einem Glauben eine Möglichkeit der Identifizierung hat?
2000 Jahre Unterdrückung, Verfolgung und Denunzierung haben aus uns Frauen ein schwaches Geschlecht werden lassen, voller Zweifel und Selbstkritik, bereit, uns jedem (Mode -) Diktat von außen zu unterwerfen, um daraus einen persönlichen Wert zu ziehen. Um uns selbst aufzuwerten, streben wir einem nicht definierbaren Perfektionismus an, vermännlichen uns in Kleidungsstil oder Aussehen in den Büros der Großstädte, versuchen sinnloserweise multitaskingfähig sein, in dem wir Hausfrau, Mutter, Geliebte und Karrierefrau zugleich sein wollen oder setzen zu sehr auf unsere weiblichen Reize. Sehr viel häufiger als bei Männern kommt es bei Frauen zu Mobbing, unter dem auch wieder mehr Frauen als Männer leiden. Nach dem Sprichwort: Männer solidarisieren sich und Frauen gehen in die Konkurrenz, greifen wir stutenbissig alles an, was uns als vermeintliche Gefahr über den Weg läuft, vornehmlich gegen unser eigenes Geschlecht. Ein Grund dafür ist unser spirituelles Minderwertigkeitsgefühl, dass wir versuchen, über die Konkurrenz zu verbergen.
Das Weibliche ist unter der Herrschaft des Patriachats zum Opfern gemacht worden und es lässt zu, dass die Mächte, die es damals getan haben, daran festhalten und damit fortfahren. Frauen haben verlernt sich ihrer eigenen Stärke bewusst zu sein, machen sie sich auch selbst zu Opfern. Gleichzeitig sind sie auch Täter, wenn sie gegen ihr eigenes Geschlecht intrigieren und sich gegenseitig beund verurteilen.
Solange Frauen in ihrem stillen Kämmerlein jammern und klagen, nähren sie die Mächte, die sie unterdrücken. Frauen müssen wieder lernen, sich selbst, ihre Kraft und Macht und ihre Weiblichkeit anzuerkennen, zu ehren und zu achten, denn es wird kein anderer für sie tun. Frauen werden ansonsten Opfer bleiben.
Wir müssen für uns die Verantwortung wieder übernehmen und unsere geburtsrechtliche Stellung in der Gesellschaft einnehmen. Dass Frauen lange vor der Entstehung des Christentums eine ganz andere gesellschaftliche Stellung innehatten, zeigt heute die Matriarchat Forschung. Sie bestätigt sich in noch heute existierenden Kulturkreisen, in denen Frauen auf allen Ebenen wirklich gleichberechtigt neben Männern stehen.
Die Frauenbewegung der ersten und zweiten Welle war zwar ein guter Anfang, doch wo stehen wir heute? Wie führen gerade die jungen Frauen diese Bewegung fort?
Alleine die Tatsache, dass Frauen für die gleichen Leistungen, das gleiche Wissen und Fähigkeit und den gleichen Einsatz immer noch geringer bezahlt werden als Männer ist ein Zeichen dafür, dass noch viel zu tun ist. Doch diese Tatsache scheint den meisten Frauen nicht bekannt zu sein, denn nur wenige wehren sich dagegen.
