Die Völker der Welt - Tamik Heinrich - E-Book

Die Völker der Welt E-Book

Tamik Heinrich

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Beschreibung

Entdecken Sie die faszinierende Vielfalt der Völker der Welt mit Tamik Heinrichs neuem Buch! In einer Zeit, in der kulturelles Verständnis und Wissen über unsere eigenen Wurzeln und die Wurzeln anderer Völker wichtiger denn je sind, bietet Tamik Heinrichs neues Buch "Die Völker der Welt" einen unverzichtbaren Einblick in die vielfältigen Geschichten und Hintergründe der Völker weltweit. Tamik Heinrich, der beliebte YouTuber und Experte für Völkerkunde, führt Sie auf eine faszinierende Reise durch die Vergangenheit und Gegenwart von Völkern wie den Deutschen, Österreichern, Schweden, Griechen und Italienern. Jedes Kapitel widmet sich einem Volk und bietet eine tiefgehende, aber unterhaltsame Erkundung ihrer einzigartigen Geschichten, Sprachen und genetischen Hintergründe. Heinrich hat sich mit seinem YouTube-Kanal einen Namen gemacht, auf dem er regelmäßig über verschiedene Völker, ihre Herkunft und Genetik berichtet. Mit seiner lebendigen Art gelingt es ihm, komplexe wissenschaftliche Themen verständlich und spannend zu vermitteln. Sein Buch bietet eine Fülle von Fakten aus Archäologie, Genetikforschung, Linguistik und Geschichte, ohne dabei trocken oder langweilig zu sein. Erfahren Sie mehr über die Deutschen, die sich als fleißig, ordnungsliebend und gründlich betrachten. Entdecken Sie, warum die Schweizer ein komplexes Verhältnis zur deutschen Sprache haben. Lesen Sie über die Engländer, deren genetische Nähe zu den Deutschen sie zu einem besonderen Volk macht. Die Griechen, die trotz vieler Einflüsse ihre ursprüngliche genetische Zusammensetzung beibehalten haben, bieten ebenfalls faszinierende Einblicke. Die fünf wichtigsten Vorteile dieses Buches auf einen Blick: Unterhaltsame Wissensvermittlung: Heinrichs lebendiger Schreibstil macht komplexe Themen leicht verständlich und spannend. Wissenschaftliche Tiefe: Jedes Kapitel bietet detaillierte Einblicke in die Geschichte, Sprache und Genetik der behandelten Völker. Breite Themenvielfalt: Das Buch deckt eine Vielzahl von wissenschaftlichen Disziplinen ab, von der Archäologie bis zur Linguistik. Aktuelle Forschung: Nutzen Sie die neuesten Erkenntnisse aus der Genetikforschung und anderen Wissenschaften. Vielfältige Anwendung: Ideal für den persönlichen Wissensausbau, als Geschenk für Geschichtsbegeisterte und Kulturinteressierte und geeignet für Kinder ab 12 Jahren. Ob zur eigenen Weiterbildung oder als Geschenk – "Die Völker der Welt" ist die perfekte Wahl. Entdecken Sie, wie die Völker weltweit entstanden sind, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben und welche faszinierenden Geschichten sie zu erzählen haben. Holen Sie sich jetzt Ihr Exemplar und lassen Sie sich von Tamik Heinrichs Fachwissen und Erzählkunst begeistern!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 227

Veröffentlichungsjahr: 2024

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© Tamik Heinrich

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind

im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

ISBN Softcover: 978-3-96967-467-3

ISBN eBook: 978-3-96967-468-0

Originale Erstausgabe 2024

© by Eulogia Verlags GmbH

Eulogia Verlags GmbH

Gerhofstraße 1–3

20354 Hamburg

Lektorat: Sandra Pichler

Satz und Layout: Tomasz Dębowski

Covergestaltung: Aleksandar Petrović, Bildquelle: Erstellt mit Midjourney (KI)

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise,

nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Wer sind die Deutschen?

Wer sind die Österreicher?

Wer sind die Niederländer?

Wer sind sie Schweizer?

Wer sind die Engländer?

Wer sind die Schweden?

Wer sind die Griechen?

Wer sind die Italiener?

Wer sind die Spanier?

Wer sind die Rumänen?

Wer sind die Ungarn?

Wer sind die Türken?

Wer sind die Albaner?

Wer sind die Dänen?

Wer sind die Franzosen?

Wer sind die Polen?

Wer sind die Russen?

Wer sind die Schotten?

Nachwort

Vorwort

Die Menschheit ist eine Geschichte von Vielfalt und Einheit zugleich. Über die Jahrtausende haben sich unzählige Völker auf der ganzen Welt entwickelt, ihre einzigartigen Kulturen geschaffen, Geschichten erzählt und bedeutende Beiträge zur Entwicklung der Zivilisation geleistet. Doch was genau formt diese Vielfalt? Wie hängen die kulturellen Unterschiede mit der Geschichte unserer Abstammung und der genetischen Struktur zusammen?

Die historische Entwicklung der menschlichen Völker und Gesellschaften wurde von geografischen, klimatischen, sozialen und politischen Kräften geformt. Migration, Handel, Kriege und kultureller Austausch haben Spuren hinterlassen, die sich in den Geschichten der verschiedenen Völker widerspiegeln. Diese historischen Verbindungen sind oft klar sichtbar – etwa im Austausch von Sprache, Technologie und Ideen.

Doch hinter dieser kulturellen und sozialen Entwicklung liegt eine tiefere, weniger offensichtliche Ebene der menschlichen Vielfalt: unsere Gene. Durch die Fortschritte in der modernen Genforschung können wir heute die Spuren der Wanderungen unserer Vorfahren über Kontinente und Jahrtausende hinweg verfolgen. Genetische Muster erzählen uns Geschichten von Isolation und Vermischung, von Überleben und Anpassung, die weit in die Tiefen unserer Frühgeschichte reichen und uns ein neues Verständnis dafür geben, wie eng verwoben wir trotz unserer Unterschiede sind.

Dieses Buch bietet eine Reise durch die Geschichte der Völker und verbindet diese mit den Erkenntnissen der modernen Genetik. Es zeigt, wie sich historische und genetische Pfade kreuzen, wie Völker entstanden und sich entwickelten, welche Rolle Migrationen und Umweltanpassungen spielten und wie die heutige genetische Vielfalt der Menschheit zu erklären ist. Wir werden erfahren, wie Genforschung heute hilft, jahrhundertealte Fragen zu beantworten. In diesem ersten Band stehen einige der Völker Europas im Vordergrund, über viele weitere kann sich der Leser auf dem YouTube-Kanal von Tamik Heinrich „Völker der Welt“ informieren.

Ich hoffe, dass dieses Buch die Leser dazu anregt, die Geschichte der Völker dieser Erde nicht nur als Ansammlung von Fakten und Daten zu sehen, sondern als ein faszinierendes Netz, das Kultur, Biologie und Zeit miteinander verknüpft. Möge es uns helfen, die Komplexität unserer Herkunft besser zu verstehen und den tiefen Wert der menschlichen Vielfalt zu schätzen.

In den Augen vieler Menschen weltweit gelten Deutsche als nüchterne „Macher“, die nicht lange herumreden und eher zu einer Ruppigkeit bis hin zur Rechthaberei neigen, dafür aber Dinge in einer Qualität produzieren, auf die man sich verlassen kann. Die Deutschen selbst halten sich für fleißig, ordnungsliebend, sauber, pünktlich und gründlich. Diese Eigenschaften setzen eine ernsthafte Grundhaltung voraus, die wenig Raum für Humor lässt. Deshalb halten die Engländer deutschen Humor für nicht existent. Für Engländer und Amerikaner geht das Verlangen nach individueller Freiheit allen anderen Werten vor. Auch die Deutschen schätzen die Freiheit in einem hohen Maß, doch ihr höchster Wert ist Sicherheit. Das wird deutlich, wenn man ein anderes Wort dafür verwendet, nämlich Geborgenheit. Die Sehnsucht danach ist etwas, das die Deutschen seit dem Dreißigjährigen Krieg prägt. Die Ursache dafür liegt auf der Hand: Bis zur Reichsgründung von 1871 hatten die Deutschen keinen gemeinsamen Staat. Sie lebten in vielen Staatsgebilden, die sich durch Eroberungen und Erbteilungen ständig veränderten. Noch immer hat die Heimat für Deutsche eine tiefere emotionale Bedeutung als für die meisten ihrer Nachbarvölker. Das rührt daher, dass die historisch gewachsenen Kleinstaaten nicht nur politische, sondern auch kulturelle Einheiten waren.

VERSCHIEDENE NAMEN FÜR DIE DEUTSCHEN UND DEUTSCHLAND

Frankreich heißt auf Englisch France, auf Italienisch Francia; England heißt auf Französisch Angleterre, auf Italienisch Inghilterra. Der Originalbegriff ist in vielen Fremdsprachen wiederzuerkennen. Deutschland dahingegen heißt auf Niederländisch Duitsland, auf Dänisch, Schwedisch und Norwegisch Tyskland. Die sprachlich verwandten nordeuropäischen Länder scheinen die Regel zu bestätigen: der Eigenname wird in abgewandelter Form übernommen. Aber auch das Englische ist verwandt mit dem Deutschen. Beides sind westgermanische Sprachen. Deutschland heißt aber auf Englisch Germany – und nicht etwa, wie man annehmen könnte, Dutchland. Denn Dutch ist bei den Engländern seit dem 17. Jahrhundert allein für die Niederländer reserviert. Zur Bezeichnung der östlichen Nachbarn mussten sie auf das lateinische Germania zurückgreifen. Diesen Begriff haben die Römer seit etwa 200 v. Chr. als Sammelbezeichnung für die rechtsrheinischen Stämme verwendet. Die Herkunft des Begriffs Germanoí (griechisch Γερμανοί) ist nicht geklärt. Eine Verbindung mit dem germanischen gaizaz, Ger (‚Wurfspeer‘) gilt als widerlegt. Unwahrscheinlich ist auch die Ableitung vom lateinischen germānus (‚leiblich‘, ‚echt‘, ‚wahr‘). Am wahrscheinlichsten ist eine keltische Etymologie. Erwogen werden die Wurzeln vom Altirischen gair (‚Nachbar‘) oder gairm (‚Schrei‘), woraus die Benennungsmotive „die Nachbarn“ bzw. „die Schreienden“ resultieren.

Die Eigenbezeichnung Deutsche(r) und für das Land Deutschland gehen wiederum auf das althochdeutsche Wort thiutisk, diutisk zurück, was ‚zum Volk gehörig‘ oder ‚die Sprache des Volkes sprechend‘ bedeutet. Dieses leitet sich von thiot, diot (‚Volk‘, ‚Stamm‘) ab, was im urgermanischen Wort þeuðo („theudō”) – ebenfalls mit der Bedeutung ‚Volk‘ oder ‚Stamm‘ – verwurzelt ist. Bei dem Begriff deutsch ging es ursprünglich nicht um eine ethnische Einheit, sondern um eine nicht lateinische Volkssprache (z. B. Fränkisch, Gotisch oder Normannisch). Die früheste belegte Form dieses Wortes (thiota) findet sich in der gotischen Bibelübersetzung des Bischofs Wulfila aus dem 4. Jahrhundert. In der lateinischen Form theodisce wurde das Wort erstmals im Jahre 786 in einem vatikanischen Kodex belegt. Dies bildete auch die Quelle des italienischen Wortes tedesco. Im Mittelalter und darüber hinaus wurde das lateinische Adjektiv teutonicus in lateinischen Texten als (Rück-)Übersetzung von ‚deutsch‘ gebraucht, beispielsweise in Regnum Teutonicum, dem nördlich der Alpen gelegenen Teil des römisch-deutschen Reichs. Die Römer schrieben den Germanen den Furor teutonicus, also die ‚teutonische Raserei‘, zu. Der Ausdruck spiegelt den Schrecken wider, den die Römische Republik beim ersten Zusammentreffen mit germanischen Stämmen auf ihrem italienischen Gebiet im 2. Jahrhundert v. Chr. ergriff. Dies wurde nach der Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. nochmals bestätigt und fortan allen Germanen zugeschrieben. Im Englischen ist Teuton heute noch eine umgangssprachliche Bezeichnung für den ansonsten als German bezeichneten Deutschen. Der Deutsche Orden heißt dort Teutonic Order, die Deutschordensritter werden Teutonic Knights genannt.

In einigen Ländern fallen die Volks- und Landesbezeichnung der Deutschen auseinander, z. B. Немец (Nemec) и Германия (Germania) bei den Russen oder tedesco und Germania bei den Italienern. Was man vom Französischen nicht behaupten kann: Allemagne heißt das Land, Allemands die Bewohner. In der Spätantike war das westgermanische Volk der Alemannen der östliche Nachbar der romanisch sprechenden Gallier. Die späteren Franzosen übertrugen den Namen dann auf alle germanischsprachigen Nachbarvölker. Wenn wir von Deutschland aus nach Osten reisen, kommen wir nach Polen. Dort nennt man die Deutschen Niemcy – wie in Russland. Der Deutsche heißt auch auf Tschechisch Němec und auf Ungarisch Német. Das ist eindeutig dieselbe Wurzel in ganz Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Man glaubt, dass die Bezeichnung von einem urslawischen Wort abstammt, das ‚Fremder‘ bedeutet und auf ein Adjektiv für ‚stumm‘ zurückgeht. Das Wort bezeichnet also Fremdsprachige, die sich mit den Slawen nicht verständigen konnten, und wurde später auf die Deutschen eingeengt. Damit entwickelte sich der Begriff genau in die entgegengesetzte Richtung wie Allemagne: Während die Slawen eine Allgemeinbezeichnung eingegrenzt haben, haben die Franzosen eine Sonderbezeichnung ausgeweitet, und das mit großem Erfolg: Der französische Wortstamm wurde ins Spanische und Portugiesische übernommen – und von dort nach Südamerika und in den Nahen Osten exportiert. Auf Finnisch und Estnisch heißt der Deutsche Saksa. Unverkennbar hat hier ein anderer Stamm Pate gestanden – einer, der näher an Nordosteuropa dran war: die Sachsen.

WOHER KAMEN DIE VORFAHREN DER DEUTSCHEN?

Die Deutschen haben kein einzigartiges genetisches Erbe. Denn sie und alle anderen Europäer sind ein buntes Gemisch – Nachfahren wiederholter urzeitlicher Einwanderungen. Schon Hermann der Cherusker – eigentlich Arminius – war alles andere als ein lupenreiner Mitteleuropäer. Er trug in sich das Erbe von mindestens drei großen Einwanderungswellen – und damit von Migranten aus Gebieten außerhalb Europas. Die wissenschaftlichen Ergebnisse enthüllen, dass die ersten Vertreter des Homo sapiens vor 40.000 Jahren aus Afrika über die arabische Halbinsel durch die Balkanroute nach Europa eingewandert sind. Ihre Verwandten, die Neandertaler, wurden dort von ihnen verdrängt, bis diese schließlich vor 30.000 Jahren ausstarben. Offensichtlich haben beide Gruppen aber auch gemeinsame Nachkommen gezeugt. Denn alle Nicht-Afrikaner tragen heute maximal 4 % der Neandertalergene in sich. Vor 9.000 Jahren begann die Einwanderung der ersten Bauern aus dem Nordwesten Anatoliens, wieder über den Balkan. Sie brachten nicht nur ihre Gene und die Technologie der Landwirtschaft mit. Wir verdanken ihnen auch einen kulturellen Wandel: Aus nomadischen Jägern und Sammlern entwickelten sich die sesshaften Bauern der Linearbandkeramik-Kultur. Die dritte Welle folgte in der frühen Bronzezeit: Vor rund 5.000 Jahren strömten die Jamnaja, ein halbnomadisches Volk von Steppenreitern, nach Südosteuropa ein. Vor allem die Männer der Jamnaja haben ihre Spuren im Erbgut der Europäer hinterlassen. Heute tragen alle Europäer eine „genetische Dreifaltigkeit“ der Stein- und der Bronzezeit in sich: 30 % Jäger und Sammler, 30 % anatolische Frühbauern und 40 % Steppen-Viehhirten, was auch ihr Aussehen prägt. Denn die blauen Augen haben sie von den dunkelhäutigen Jägern und Sammlern, die helle Haut von den anatolischen Frühbauern und die blonden Haare von den Yamnaya aus der Steppe.

GENETIK

Gemeinsam mit der Biologin Joelle Apter hat die Gen-Expertin Inma Pazos von der Firma „Igenea“ fast 19.500 Genanalysen von Deutschen verglichen. Die Ergebnisse beweisen, dass die Deutschen mehrere Wurzeln haben. Besonders deutlich wird das bei den väterlichen Linien. Sie sind bei deutschen Männern nur zu 6 % germanisch. Das steht im Widerspruch zu den mütterlichen Linien. Demnach sind 50 % der deutschen Frauen mütterlicherseits germanischer Abstammung. Unwissenschaftlich ausgedrückt: Deutsche Frauen sind deutscher als deutsche Männer. Über Jahrhunderte sind die Männer in der Urzeit durch Kriege, Naturkatastrophen und Jagdunfälle hinweggerafft worden. Die Frauen hatten schon damals eine geringere Sterblichkeit und eine höhere Lebenserwartung. Und offenkundig eine hohe Zahl an Geschlechtspartnern aus anderen Völkern, mit denen sie Kinder zeugten. Insgesamt 25 % der Deutschen entstammen der Haplogruppe I1, obwohl diese auch in den traditionellen germanischen Ländern durch die zahlreich verbreitete Haplogruppe R1b oft überschattet wird. I1 tritt am häufigsten im Westen von Finnland (40 %), in Süd-Norwegen (35 %), gefolgt von Schweden, Dänemark und Norddeutschland auf.

Es ist trotzdem problematisch, die Germanen als die Vorfahren der Deutschen zu bezeichnen. Neben germanischen Stämmen lebten im Laufe der Geschichte viele Menschen unterschiedlicher Herkunft auf dem Gebiet, das wir heute Deutschland nennen. So bestanden im Süden lange Zeit keltische Stämme. In römischer Zeit siedelten sich Menschen aus vielen Regionen des Römischen Reiches in Teilen des Rheinlands und Süddeutschlands an. Ab dem Frühmittelalter besiedelten slawische Stämme weite Teile des heutigen Ostdeutschlands. Die Idee einer Verbindung zwischen „germanisch“ und „deutsch“ ist relativ jung. Erst seit dem 18. Jahrhundert wurden die Germanen als Vorfahren der Deutschen stilisiert, um eine gemeinsame deutsche Vorgeschichte zu konstruieren. Genetisch gesehen gibt es in Deutschland sogar weit mehr als 30 Millionen Menschen, die keltische Vorfahren haben. 45 % der männlichen Deutschen gehören nämlich zur Haplogruppe R1b. Sie wird als die „Kelten-DNA“ bezeichnet, da sie am stärksten bei Völkern mit keltischem Hintergrund verbreitet ist. Die Haplogruppe R trat erstmals zwischen dem Kaspischen Meer und Sibirien vor 30.000 bis 35.000 Jahren auf. Ihre Aufspaltung in R1a und R1b fand vor weniger als 18.500 Jahren im zentralen und westlichen Teil Asiens statt. Die Träger dieser Genvariation sind in der heutigen irischen und walisischen Bevölkerung häufig, aber auch bei den Basken und den turksprachigen Baschkiren. Der Historiker Otto Urban skizzierte: „Die Ausdehnung der Kelten könnte man durchaus mit dem heutigen Europa vergleichen: Im 2. Jahrhundert unserer Zeit siedelten die Kelten auf den Britischen Inseln und an der Westküste Portugals, quer über den mitteleuropäischen Kontinent bis hinunter zu den Donaukelten und den Kelto-Thrakern im heute rumänisch-bulgarischen Gebiet. Die Kelten waren in Oberitalien sesshaft, fielen in Delphi ein und setzten auch über den Bosporus, wo eine kleine Gruppe in Kleinasien blieb. Nur nach Norden hin sei die Abgrenzung zu den Germanen schwierig.“ Auch die Germanen, deren ursprüngliches Siedlungsgebiet zwischen Oder und Rhein lag, begannen um 500 v. Chr. mit Wanderzügen, die sie im Westen nach England, Frankreich und bis in den Norden Spaniens und im Osten bis ans Schwarze Meer führten. Überall kam es zu Vermischungen mit Einheimischen.

Welche weiteren Haplogruppen dominieren bei den Deutschen? 15 % von ihnen gehören zur R1a. Besonders verbreitet ist sie bei Ost- und Westslawen, Balten, aber auch bei Nordindern, Kirgisen, Paschtunen, allerdings bei den Letzteren in einer anderen Untergruppe. Das könnte ein Hinweis auf den genetischen Beitrag der Slawen sein, die früher als Wenden bekannt waren. So bezeichnete man neben den slawischen Bewohnern von Gebieten entlang und östlich der Elbe auch die Slawen nördlich der Donau, in der Oberpfalz und in Oberfranken sowie in den Ostalpen. Hinweise auf sie sind zum Beispiel slawische Ortsnamen (Güstrow, Pankow) oder Personennamen (Krahl, Modrow).

Was kann man noch zu weiteren Beiträgen in der Genetik der Deutschen sagen? Der hebräische Zweig am Stammbaum, die Haplogruppe J, der 40 % aller Juden angehören, umfasst 10 % der Deutschen. Und das ist auch verständlich: Die Geschichte der Juden in Deutschland ist mehr als 1700 Jahre alt. Die Christen und Juden gingen bis zum 1. Kreuzzug 1096 Ehen ein. Erst durch die Ghettoisierung wurden Juden isoliert, was sich ab dem 19. Jahrhundert wieder lockerte. Die restlichen 5 % der Deutschen entstammen der Haplogruppe E3b. Sie haben ihre Wurzeln bei den Phöniziern, dem seefahrenden Mittelmeervolk, das große Teile Europas und Afrikas bereiste und Handel auch im nördlichen Europa trieb.

WANN ENTSTANDEN DIE DEUTSCHEN?

Völker entstehen natürlich nicht an einem bestimmten Tag. So lässt sich nicht ein Zeitpunkt nennen, an dem die Menschen an Elbe, Rhein und Donau zu Deutschen wurden. Wenn man allerdings ein Ereignis angeben möchte, ohne dass alles anders gekommen wäre, dann ist es die Schlacht von Fontenoy 841 südlich von Auxerre. Drei Enkel Karls des Großen traten dort mit ihren Truppen an, weil sie über das Erbe stritten: auf der einen Seite Kaiser Lothar, auf der anderen seine Brüder Ludwig, König von Bayern, und Karl, König von Westfranken. Das fränkische Imperium Karls des Großen – bis heute das Symbol für die Einheit Europas – zerbrach. Die Brüder teilten den Vielvölkerstaat auf. König Ludwig erhielt den östlichen Part, und sein ostfränkisches Reich wurde zum Ausgangspunkt für etwas ganz Neues: die Deutschen. Die Ethnogenese ist hier in umgekehrter Reihenfolge verlaufen. Am Anfang war das Reich, erst darin entstand ein Volk. Die Menschen empfanden sich damals keineswegs als Deutsche, sondern als Franken, Alemannen oder Bajuwaren. Erst das ostfränkische Imperium bot einen verlässlichen Rahmen, innerhalb dessen die Stämme zu einem neuen Volk zusammenwuchsen. Sie „schlitterten in ihr nationales Dasein, ohne es zu merken und ohne es zu erstreben“, urteilt der Historiker Johannes Fried. Einen weiteren Schub dafür gaben die Italienfeldzüge, beginnend mit Otto dem Großen im 10. Jahrhundert. Um den Angreifern aus dem Norden einen Namen zu geben, griffen die Italiener das Wort theodisk auf. Fried betont, dass sich die Völker erst da als Deutsche begriffen hätten. Doch das war ein zeitlich und örtlich begrenztes Phänomen. Sobald sie zurückkehrten, waren sie wieder Franken oder Sachsen.

Ein gemeinsames Abstammungsnarrativ bot die im 15. Jahrhundert entdeckte Schrift „Germania“ des römischen Historikers Tacitus aus dem 1. Jahrhundert. Nun schien das Volk der Deutschen, das man mit den Germanen gleichsetzte, älter zu sein als das der Franzosen – und obendrein moralisch überlegen. Das Volk selbst sah sich aber immer noch als Angehörige ihres jeweiligen Stammes und später als Untertanen ihres Territorialfürsten im „Heiligen Römischen Reich“. Das aber war ein Gebilde, in dem neben Deutschen auch Menschen mit italienischer, flämischer, französischer und tschechischer Muttersprache lebten. Unterhalb des Kaisertums bildeten sich selbstständige Territorien heraus, deren Untertanen dabei auch eine auf den Kleinstaat bezogene Identität entwickelten: So kämpfte man in Kriegen für seinen Fürsten gegen das Heer des Nachbarfürsten, auch wurde die Art der Religionsausübung im Zeitalter der Reformation nicht von einer gesamtdeutschen Autorität bestimmt (anders als in England oder Frankreich), sondern vom jeweiligen Territorialherren. Im 16. Jahrhundert manifestierte sich der Prozess der nationalen Konsolidierung in der Schaffung einer Schriftsprache, aber es kam gleichzeitig auch zur religiösen Spaltung in Katholiken und Protestanten, die die Unterschiede im Alltagsleben und in der Kultur der Deutschen bestimmten. Martin Luther übersetzte das Alte und Neue Testament, das in Hebräisch und Altgriechisch verfasst war, ins Deutsche. Er verwendete dabei eine Schriftsprache, die sich an der kursächsischen Kanzleisprache orientierte. Durch die Drucktechnik Gutenbergs hat sich die Sprache weiter verbreitet und ist später auch in katholischen Gebieten übernommen worden.

Aber bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gab es immer noch kein ausgeprägtes Nationalbewusstsein. Den Wechsel brachte erst die nationale Bewegung Anfang des 19. Jahrhunderts, die nach den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Herrschaft großen Auftrieb erhielt. Erst 1871 wurde mit der Reichsgründung der erste deutsche Nationalstaat gegründet. Seine Einwohner wurden als „Reichsdeutsche“ bezeichnet.

Wenn im Fußball eine Europa- oder Weltmeisterschaft stattfindet, hört man in Österreich einen Satz, der immer wiederkehrt: „Mir ist egal, wer gewinnt, Hauptsache, die Deutschen verlieren.“ Dabei haben die Deutschen mehr Sympathie für die Österreicher übrig als umgekehrt. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presseagentur gaben 22 % der Deutschen an, die Österreicher seien ihre sympathischsten Nachbarn. Die Sprache, die Berge, die Skiurlaube, die Wiener Kaffeehauskultur, Schnitzel, Kaiserschmarren und vieles mehr; es gibt einiges, wovon die Deutschen schwärmen. Diese Liebe bleibt aber zumeist unerwidert. Dem Österreicher gelten die „Piefkes“ als laut, arrogant, besserwisserisch und geizig. Sie sind die Repräsentanten des deutschen Spießertums, dem der österreichische Autor Felix Mitterer einst die TV-Serie Piefke-Saga widmete. Der Spottname Piefke kam übrigens 1866 auf, als Österreich nach der verlorenen Schlacht bei Königgrätz in einer tiefen Depression steckte. Kurz nach der schmachvollen Niederlage fand in Marchfeld bei Wien eine preußischen Siegesparade statt, an deren Spitze der Militärkapellmeister Johann Gottfried Piefke mit seinem Bruder Rudolf teilnahm. Als die beiden Musiker neben 60.000 preußischen Soldaten unter den für Österreich demütigenden Klängen des Königgrätzer Marschs schritten, sollen die Ortsbewohner „Die Piefkes kommen!“ ausgerufen haben.

Woher kommt die Abneigung gegenüber den Deutschen? Nach Thomas Köllen von der Wiener Wirtschaftsuniversität waren die Österreicher nach 1945 darum bemüht, sich von den Deutschen abzugrenzen, zum Beispiel mit Heimatfilmen, die eine Art „Zuckergussbild“ von Österreichern zeichneten. „Nicht ohne Grund ist es in Österreich ein verbreiteter Witz, dass Beethoven Österreicher und Hitler Deutscher war“, sagt Köllen. Nach seiner Meinung brauchen die Österreicher diese Abgrenzung, um sich zu vergewissern, dass sie eine eigene, wunderbare Nation sind, denn „sie müssen sich die ganzen Attribute, die Deutschen zugeschrieben wurden, ansehen: der plumpe, humor- und kulturlose, laute Deutsche – das ist ein Gegenbild des österreichischen Selbstbildes.“ Es gibt aber auch die Deutschen, die den Österreichern sympathisch sind: Während 78 % meinen, dass Deutsche „anders ticken“, fühlen das beim Gedanken an die Bayern nur 32 %.

VERWANDTSCHAFT MIT BAYERN

Dass sich die Österreicher den Bayern näher fühlen als all den anderen deutschen Volksgruppen, ist allgemein bekannt. Die Parallelen in Sprache und Mentalität sind präsent. Jedoch gibt es auch geschichtliche Gründe für die Verbundenheit. Das Wissen darum, dass Österreich ein Teil Bayerns war, bzw. Bayern und Österreich bis 1156 in einem Herrschaftsbereich waren, ist weitgehend verloren gegangen. Das alte Bayern ist auf dem Gebiet der ehemals römischen Provinzen Raetien und Norikum entstanden. Hier siedelten um das Jahr 500 neben einheimischen Keltoromanen auch Germanen, denen es die hochstehende mediterrane Kultur vor den Alpen angetan hatte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich hier eine romanisch-germanische Mischkultur. Erstmals urkundlich belegt ist der Begriff Österreich für einen Landstrich im heutigen Niederösterreich im 10. Jahrhundert. Die Bayern nannten nach dem Sieg über die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld 955, in dessen Folge Teile des vorher verloren gegangenen Gebietes zurückerobert werden konnten, den östlichsten Bereich ihres Herrschaftsgebietes Ostarrichi. In einer Schenkungsurkunde von 996 fand dieser Name erstmals eine schriftliche Erwähnung. Daneben war auch noch lange die Namensform Osterlant gebräuchlich.

Von einer Teilung des Gebietes war da noch keine Rede. Die kam erst 160 Jahre später, als um das bayerische Herzogtum gestritten wurde. Kaiser Friedrich I. Barbarossa entschied 1156 auf einem Hoftag in Regensburg: Der Welfe Heinrich der Löwe erhält ein Gebiet, das im Wesentlichen mit dem heutigen Bayern identisch ist, und der Babenberger Herzog Heinrich II. Jasomirgott bekommt das davon abgespaltene Gebiet um Tirol und Kärnten, die Mark Ostarrichi. Im Privilegium minus wurde sie von Friedrich I. zum Herzogtum erhoben. Urkundlich erstmals 1147 belegt, setzte sich Austria als lateinischer Name Österreichs durch.

Wie konnte es passieren, dass sich Österreich zu einem Weltreich entwickelte und Bayern überflügelte? „Das zeigt sich mit einer Parallele bei Brandenburg-Preußen, dass die deutschen Herrscher, die ostgelagert waren, Expansionsmöglichkeiten Richtung Osten gefunden haben, während Bayern mit der Abtrennung von 1156 ‚Binnenland‘ geworden ist und diese Möglichkeiten nicht mehr hatte“, so sagt der Historiker Ferdinand Kramer. Trotzdem bewahrten die Bayern und Österreicher das Bewusstsein der Einheit. Dazu trug auch die Geschichtsschreibung bei, die immer wieder auf den gemeinsamen Vorfahr, den Stamm der Bajuwaren, hinwies.

SPRACHE

Erstaunlicherweise gibt es zurzeit in Österreich einen Trend zum Hochdeutschen. Brötchen stehen fast schon gleichberechtigt neben den traditionellen Semmeln; man geht zur (statt in die) Schule; der Turnprofessor, der Schrecken der Leibesertüchtigung, ist nun der Sportlehrer. Man nimmt es sogar hin, dass tschüss zum Substrat für die einst reiche Population an Abschiedsgrüßen wurde (servus, baba, tschau, tschauli, pfiat di). Der Linguist Hannes Scheutz meint, dass beispielsweise die Salzburger Kinder heute „ein stark am Hochdeutsch orientiertes Deutsch mit zum Teil sogar norddeutschen Einschlägen“ sprechen. Eine Ursache dafür sei die Sprache, die in deutschen TV-Sendern, aber auch in sozialen Medien wie YouTube und TikTok zu hören sei. „Auch in ländlichen Gebieten, die noch dialektfester sind, sind viele ‚altdialektale‘ Merkmale verloren gegangen“, meint Scheutz. Nach ihm wird die Alltagssprache der Österreicher der Sprache der Deutschen künftig näher sein, aber nicht dieselbe wie im Nachbarland. Die Entwicklung gehe hin zur überregionalen Vereinheitlichung der Sprache mit noch hörbaren regionalen Einflüssen.

GENETIK

50-30-20 – diese Formel beschreibt die genetische Zusammensetzung nicht nur der Österreicher, sondern eigentlich aller Völker Zentraleuropas. Beginnen wir bei den ältesten Vorfahren, den Ureuropäern. Sie sind vor etwa 40.000 Jahren aus Afrika über Zentralasien ausgewandert und haben sich, in Europa angekommen, mit den hier lebenden Neandertalern auseinandergesetzt und diese schlussendlich verdrängt. 20 % der Gene lassen sich auf diese Gruppe zurückführen. Vor 8.000 Jahren gab es eine weitere Wanderungsbewegung. Damals sind Ackerbauern aus Anatolien eingewandert; sie beherrschen unsere DNA zu 50 %. „Die Hälfte der heutigen Gene der Zentraleuropäer ist asiatisch“, sagt Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena. Im Zuge dieser Entwicklung kam wahrscheinlich auch der Ackerbau nach Europa. Eine Wanderungsbewegung vor rund 5.000 Jahren hat schlussendlich die letzten 30 % unserer heutigen genetischen Zusammensetzung zu verantworten. Die letzten Ankömmlinge waren Bevölkerungsgruppen aus der Steppe nördlich des Kaspischen Meeres. „Die Expansion dieser Population hat die genetische Zusammensetzung noch einmal verändert und eine weitere asiatische Komponente mitgebracht“, sagt Krause. Vermutlich verdanken wir dieser Gruppe auch die europäischen Sprachen und unsere helle Hautfarbe. Unsere Gene sind also eine Mischung aus verschiedenen Populationen, die nach Europa gekommen sind. „Die haben sich sehr gut vermischt und auch nicht vor Großbritannien oder der Iberischen Halbinsel Halt gemacht. Die Migrationsströme sind, mit Ausnahmen wie etwa Sardinien, in alle Teile Europas vorgedrungen“, sagt Krause. Aufgrund dieser Durchmischung sind sämtliche Gene überall vertreten, was so viel heißt wie: Alle Europäer sind relativ nahe verwandt.

Die Gene der Österreicher unterscheiden sich somit nicht stark von der DNA der Deutschen oder anderer Nachbarvölker. Und das sind ihre häufigsten Haplogruppen: an erster Stelle: R1b (32 %), sie gilt als keltisch, kommt aber auch bei einigen germanischen Völkern vor; an zweiter Stelle: R1a (19 %), die bisher höchste Konzentration in Europa wurde bei West- und Ostslawen gefunden; an dritter Stelle: I1 (12 %), sie wird mit germanischen Stämmen in Verbindung gebracht, bei Dänen, Schweden, Norwegern und Norddeutschen erreicht sie heutzutage die höchsten Werte. Ein erheblicher Prozentsatz der Österreicher hat Haplogruppen, die traditionell mit der Alt-Bevölkerung der Mittelmeerküste in Verbindung gebracht werden: J2 (9 %) und E1 (8 %), die zumeist bei Griechen, Albanern und Italienern anzutreffen sind. Die anderen österreichischen Haplogruppen sind G (7,5 %), I2a (7 %), I2b (2,5 %), J1 (1 %), T (1 %), Q (0,5 %); N (0,5 %). Besonders interessant ist dabei die Haplogruppe I. Sie wird am ehesten der Urbevölkerung Europas zugeordnet, die während der Eiszeit am Balkan in einem Wärmerefugium auf der Balkanhalbinsel bis zum Schwarzen Meer überlebte, um dann nach dem Ende der Eiszeit Europa wieder neu zu besiedeln. Das Alter dieser Haplogruppe wird auf 21.000 Jahre geschätzt. Mit dem Rückgang der Gletscher haben sich die Träger dieses Gens im Nordwesten Europas, vor allem in Skandinavien, ausgebreitet. Weitere Einwanderungswellen (mit der Haplogruppe R1) haben dann keilartig die Haplogruppe I in einen nördlichen und einen südlichen Bereich unterteilt.