Die weiße Göttin - Günter Dönges - E-Book

Die weiße Göttin E-Book

Günter Dönges

0,0

Beschreibung

Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Wir sind uns also einig, daß Mike Rander und dieser komische Butler Parker ermordet werden müssen«, sagte Lefty Claim zusammenfassend. »Fragt sich nur, wie wir das anstellen. Wie denkt ihr darüber?« Lefty Claim sah sich in der Runde um. Claim, etwa fünfundvierzig Jahre alt, mittelgroß und mit leichtem Bauchansatz, hatte das gerötete Gesicht eines Trinkers. Seine wasserblauen Augen wirkten leicht trübe. Sie spiegelten den Whisky wider, den er bereits konsumiert hatte. Claim gegenüber saßen Joe Hyman und Lew Strapetta. Joe Hyman war knapp dreißig Jahre alt, sah aber wesentlich älter aus. Sein schütteres braunes Haar war kurz geschoren. Tiefe Falten durchzogen sein Gesicht. Wenn er redete, waren seine bräunlich gefärbten, schadhaften Zähne zu sehen. Seine grauen Augen wirkten kalt und berechnend. Wesentlich erfreulicher hingegen wirkte Lew Strapetta. Lew konnte seine italienischen Vorfahren nicht verleugnen. Er war eher klein als mittelgroß, fast überschlank und hatte pechschwarzes Haar. Die olivbraune Hautfarbe und sein schneeweißes Raubtiergebiß verliehen ihm ein draufgängerisches Aussehen. Strapetta war knapp fünfunddreißig Jahre alt und kleidete sich stets eine Spur zu modisch. Er bevorzugte lebhaft gestreifte Krawatten.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 133

Veröffentlichungsjahr: 2023

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Der exzellente Butler Parker – 77 –Die weiße Göttin

Günter Dönges

»Wir sind uns also einig, daß Mike Rander und dieser komische Butler Parker ermordet werden müssen«, sagte Lefty Claim zusammenfassend. »Fragt sich nur, wie wir das anstellen. Wie denkt ihr darüber?«

Lefty Claim sah sich in der Runde um. Claim, etwa fünfundvierzig Jahre alt, mittelgroß und mit leichtem Bauchansatz, hatte das gerötete Gesicht eines Trinkers. Seine wasserblauen Augen wirkten leicht trübe. Sie spiegelten den Whisky wider, den er bereits konsumiert hatte.

Claim gegenüber saßen Joe Hyman und Lew Strapetta.

Joe Hyman war knapp dreißig Jahre alt, sah aber wesentlich älter aus. Sein schütteres braunes Haar war kurz geschoren. Tiefe Falten durchzogen sein Gesicht. Wenn er redete, waren seine bräunlich gefärbten, schadhaften Zähne zu sehen. Seine grauen Augen wirkten kalt und berechnend.

Wesentlich erfreulicher hingegen wirkte Lew Strapetta. Lew konnte seine italienischen Vorfahren nicht verleugnen. Er war eher klein als mittelgroß, fast überschlank und hatte pechschwarzes Haar. Die olivbraune Hautfarbe und sein schneeweißes Raubtiergebiß verliehen ihm ein draufgängerisches Aussehen. Strapetta war knapp fünfunddreißig Jahre alt und kleidete sich stets eine Spur zu modisch. Er bevorzugte lebhaft gestreifte Krawatten.

Joe Hyman und Lew Strapetta hatten bisher schweigend zugehört. Das hing damit zusammen, daß man einfach den Mund hielt, wenn Lefty Claim redete. Das war kein Akt der Höflichkeit, sondern eine Frage der Gesundheit. Claim duldete niemals Widerspruch. Er war der unbestrittene Chef der Runde.

»Na also, laßt euch was einfallen«, forderte Lefty Claim seine Zuhörer auf. »Wie können wir Rander und Parker umbringen. Und zwar so, daß wir keinen Ärger mit der Polizei bekommen.«

»Na ja, ich meine, Mord müßte man uns erst mal nachweisen«, ließ Joe Hyman sich vernehmen.

»Eben, und damit das nicht geschieht, müssen wir ein erstklassiges Alibi haben«, antwortete Lefty Claim. »An wen wird sich die Polizei wenden, wenn Rander und Parker ins Gras gebissen haben? Doch erst mal an uns, oder?«

»Warum eigentlich, Lefty?« erkundigte sich Lew Strapetta naiv. Er hörte einen Augenblick damit auf, sich um seine Fingernägel zu kümmern, die er sich am Revers seines Jacketts unentwegt blankrieb.

»Dumme Frage, Lew«, meinte Lefty Claim und schüttelte erstaunt den Kopf. »Wer hat denn unseren Laden hochgehen lassen? Wem verdanken wir es, daß wir kurztreten müssen? Doch nur Parker und sein Boß. Wir können noch von Glück sagen, daß wir frei herumlaufen. Und wenn wir uns nicht etwas beeilen sind auch wir noch an der Reihe. Wenn das einer schafft, dann dieser verdammte Parker. Der ist gefährlicher als die Polizei.«

»Können wir uns nicht ein anständiges Alibi kaufen?« warf Joe Hyman ein. Dazu grinste er und legte sein schadhaftes Gebiß frei. Er sah in diesem Augenblick wie ein altes Pferd aus.

»Ist nicht …!« Lefty Claim schüttelt nachdenklich den Kopf. »Wir dürfen nicht das geringste Risiko eingehen.«

»Ja, wie wollen wir die dann aber umbringen?« Lew Strapetta sah ratlos und geistig überfordert aus.

»Mit anderen Worten, wir brauchen ein Alibi, müssen gleichzeitig aber zulangen. Keine Ahnung, wie wir das schaffen wollen.« Joe Hyman sah seinen Chef ratlos an. Dann kam ihm so etwas wie eine Erleuchtung. Er grinste und leckte sich nervös die Lippen. »Können wir nicht ein paar Killer besorgen?«

»Die hauen ab, wenn sie hören, wen sie aufs Korn nehmen müssen«, antwortete Lefty Claim. »In unserer Branche hat es sich inzwischen herumgesprochen, was mit Parker und seinem Boß los ist.«

»Dann lassen wir es also, oder?« Lew Strapetta zuckte resigniert die Schultern.

»Damit wir mit Sicherheit auffliegen?« Lefty Claim schüttelte energisch den Kopf. »Nee, Jungens, so schnell gibt ein Lefty Claim nicht auf. Rander und Parker müssen noch in dieser Woche von der Bildfläche verschwinden, damit wir endlich Weiterarbeiten können. Die Kunden werden schon verdammt ungeduldig. Wir müssen bald wieder mit den Lieferungen loslegen, sonst schaltet sich die Konkurrenz ein. Die wartet doch nur darauf, daß wir einpacken und abhauen.«

Joe Hyman und Lew Strapetta sahen sich hilflos an. Sie wurden hier mit einem Problem konfrontiert, das sie ohne fremde, wohlwollende Hilfe nicht zu lösen vermochten.

Lefty Claim hatte inzwischen wohl eingesehen, daß von seinen beiden Partnern nichts mehr zu erwarten war. Er füllte sich sein Glas und nahm einen erstaunlich tiefen Schluck. Nachdem er sich ausgiebig geschüttelt hatte, schien ihm so etwas wie eine Erleuchtung gekommen zu sein. Sein Gesicht nahm einen gerissenen, fuchsschlauen Ausdruck an. Er beugte sich vor und dämpfte unwillkürlich seine Stimme, als er zu reden begann.

Er setzte seinen beiden Mitarbeitern den Plan auseinander, den er gerade gefaßt hatte. Und während Lefty Claim redete, klärten sich gleichzeitig seine Gedanken. Vage Vorstellungen wurden zur Gewißheit. Und er las es an den Gesichtern seiner Freunde und Mitarbeiter ab, daß er auf dem richtigen Weg war.

»Genauso bringen wir sie um«, meinte Lefty Claim abschließend. »Und ich gehe jede Wette ein, daß das hinhauen wird. Man muß nur die richtigen Leute vor seinen Karren spannen, oder …?«

*

»Die Abendpost, Sir …!«

Josuah Parker war lautlos in den großen Salon der Dachgartenwohnung gekommen und schritt würdevoll auf den großen Schreibtisch zu, hinter dem Anwalt Mike Rander saß und in einer Akte arbeitete.

Parker trug zu den schwarzen Hosen die unvermeidliche gestreifte Weste, wie sie nur Butlern zustand. Auf den hochgestellten, gespreizten Fingern seiner rechten Hand balancierte er ein silbernes Tablett, auf dem die Post lag. Parker kam an dem breiten Fenster vorbei, von dem aus man einen phantastischen Blick auf die Wasserfront des Michigan-Sees hatte. Kurz vor dem Schreibtisch blieb er abwartend stehen, bis sich der Blick seines jungen Herrn hob.

»Legen Sie das Zeug dorthin«, meinte Mike Rander zerstreut. Ihn beschäftigte ein juristisches Problem. Er war nicht in der Stimmung, sich mit seinem Butler zu unterhalten.

»Gewiß, Sir, wie Sie befehlen«, antwortete Parker höflich. »Wenn mir eine Bemerkung gestattet ist, möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf jenen Brief lenken, den ich zuoberst des Briefstapels deponiert habe.«

»Nehmen Sie den Brief weg und schmeißen sie ihn in den Papierkorb«, gab Mike Rander zurück.

»Wie Sie befehlen, Sir …!«

Josuah Parker nahm den Brief und ließ ihn in den Papierkorb flattern. Statt zu gehen und den Salon zu verlassen, dessen Wände mit wohlgefüllten Bücherregalen bedeckt waren, blieb er jedoch stehen.

»Was ist denn noch?« Mike Randers Stimme klang leicht gereizt. Wie gesagt, er war mit einem juristischen Problem beschäftigt und wollte nicht abgelenkt werden.

»Darf ich Sie höflichst darauf aufmerksam machen, Sir, daß besagter Brief, den ich auf Ihr Geheiß hin in den Papierkorb warf, eine Mordandrohung enthielt?«

»Wie bitte …?« Mike Rander sah erstaunt hoch.

»Eine Mordandrohung«, wiederholte Josuah Parker. »Sie dürfen versichert sein, daß ich diesen an Sie gerichteten Brief nicht geöffnet habe.«

»Woher wissen Sie dann, daß es sich um eine Mordandrohung handelt?«

»Ich erhielt einen ähnlichen Brief, Sir, das heißt, Aufmachung und Papiermaterial dieses Schreibens dürften identisch sein.«

»Lassen Sie mal sehen …!«

Josuah Parker bückte sich und fischte den Brief aus dem Papierkorb. Als Mike Rander danach greifen wollte, schüttelte Parker fast unmerklich, aber dennoch irgendwie vorwurfsvoll den Kopf, legte den besagten Brief zuerst auf das Silbertablett, um ihn dann an Mike Rander weiterzureichen.

Der junge Anwalt zog den Brief vom Tablett, riß den Umschlag auf und entfaltete das Schreiben, auf dem nur wenige Zeilen Text zu lesen waren.

Diese wenige Textzeilen hatten es allerdings in sich.

Mike Rander wurde zuerst einmal als gemeiner, hinterhältiger Polizeispitzel und Schnüffler bezeichnet. Dann wurde ihm mitgeteilt, die »Langen Messer« hätten beschlossen, ihn aus dem Verkehr zu ziehen. Und das innerhalb der kommenden drei Tage. Flucht sei sinnlos, so wurde weiter mitgeteilt. Die Wurfmesser stünden schon bereit. Statt einer Unterschrift waren die Umrisse eines langschneidigen Messers zu sehen.

»Alberner geht’s wohl nicht«, sagte Mike Rander und warf den Brief auf den Tisch. Dann sah er zu Parker hoch, der stumm und stocksteif vor dem Schreibtisch stand. »Haben Sie auch solch einen Wisch erhalten, Parker?«

»In der Tat, Sir …!«

»Na, und was halten Sie davon?«

»Ich erlaube mir, Sir, Ihnen beizupflichten«, erwiderte Josuah Parker. Mit spitzen Fingern nahm er das Schreiben hoch und legte es zurück auf das Silbertablett. »Diese kindliche Naivität, diese robuste Primitivität könnten allerdings, wenn ich es recht betrachte, eine bewußte Finte sein.«

»Sie wollen diesen Wisch ernst nehmen, Parker?«

»Mordandrohungen, Sir, pflege ich immer als eine Art persönliche Beleidigung zu betrachten«, entgegnete der Butler gemessen.

»Schön, haben Sie schon mal etwas von den »Langen Messern« gehört?«

»Ich nahm mir die Freiheit, bereits in meiner Privatkartei nachzuschlagen«, antwortete Parker. »Eine Gang, die sich ›Lange Messen nennt, ist darin nicht verzeichnet, was nicht unbedingt heißen soll und kann, daß es eine Gang dieses Namens nicht gibt.«

Mike Rander, einmal abgelenkt, sortierte die übrige Post. Er hielt ein langes, schmales Couvert hoch, dem ein schwacher Parfümgeruch entströmte.

»Rita Malcona …«, las er den Absender halblaut vor.

»Auch dieser Name ist in meiner Privatkartei nicht existent«, schaltete Parker sich ein.

»Tragen Sie etwa die Namen meiner weiblichen Bekannten in Ihre Kartei ein?« erkundigte Mike Rander sich verblüfft.

»Nur aus Gründen der allgemeinen Übersicht«, entschuldigte sich der Butler.

»Kennen wir eine Miss Rita Malcona?« Mike Rander öffnete das Couvert und nahm eine Briefkarte heraus. Nachdem er die Zeilen überflogen hatte, reichte er die Karte an Parker weiter.

In Parkers Gesicht verzog sich kein Muskel, als er die Zeilen las. Mit einer knappen Verbeugung reichte er dann die Briefkarte an seinen jungen Herrn zurück.

»Noch eine Mordandrohung, wenn auch indirekt und nicht gegen Sie oder meine bescheidene Wenigkeit gerichtet«, sagte er dann. »Nähere Einzelheiten möchte uns Miss Malcona heute abend im Nachtclub Amazonas mitteilen, Sir. Darf ich an dieser Stelle fragen, ob Sie den Smoking zu tragen wünschen?«

»Wer sagt Ihnen, daß ich Miss Malcona besuchen will, Parker?« Mike Rander lächelte unwillkürlich.

»Wie ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiß, Sir, daß Sie niemals eine junge Dame hilflos und unbeschützt lassen werden, wenn sie ermordet werden soll.«

»Schön, ich nehme den Smoking.«

»Und welches Kaliber bevorzugen Sie für die Nacht, Sir?«

»Was paßt denn Ihrer Meinung nach zu einem Smoking?« fragte Mike Rander ironisch.

»Wenn ich mir einen bescheidenen Rat erlauben darf, Sir, würde ich zu einem kleinen, handlichen 38er raten«, gab der Butler todernst zurück. »Dieses Kaliber hat den Vorteil, den Stoff nicht zu sehr auszubeulen.«

»Also schön, den 38er also«, entschied Mike Rander und unterdrückte ein Lächeln.

»Dann werde ich mich, wenn Sie erlauben, Sir, zurückziehen und die erforderlichen Vorbereitungen für die Nacht treffen.«

*

Der Portier des Amazonas-Club war ein mit allen Wassern gewaschener Endfünfziger, dem nichts Menschliches mehr fremd war. Er hatte in seinem Beruf schon die verrücktesten Dinge erlebt und wunderte sich über nichts mehr.

In jener Nacht aber staunte er dermaßen, daß sein Unterkiefer fassungslos herunterklappte. Dann rieb der Mann in der goldbetreßten Uniform sich wiederholt die Augen und schüttelte verständnislos den Kopf.

Nachdem er einigermaßen sicher war, daß sein Blick ihn nicht täuschte, räusperte der Portier sich die trockene Befangenheit aus der Kehle und nahm fast schutzsuchend Deckung an der harten Hauswand.

Er wollte es einfach nicht glauben, daß dieses vierrädrige Vehikel auf Rädern tatsächlich fuhr. Er wollte es einfach nicht glauben, daß dieses komische Fahrzeug direkten Kurs auf den roten, gewölbten Baldachin nahm, der den Eingang zur Bar mit der Fahrbahn verband.

Röchelnd, stinkend, eine düstere Wolke hinter sich lassend, wurde dieses seltsame Monstrum auf Rädern vor den Baldachin gelenkt. Dieses Fahrzeug war nichts anderes als ein Londoner Taxi, das vom Zahn der Zeit bereits ziemlich angenagt worden war. Es war schon fast ein kleines Wunder, daß es überhaupt noch aus eigener Kraft rollte.

Am Steuer des hochbeinigen Monstrums saß eine erstaunliche Gestalt. Der Mann, auf dessen Kopf eine Melone thronte, trug einen ungemein korrekten tiefschwarzen Anzug, wie ihn hochherrschaftliche Butler zu tragen pflegen. Als er ausstieg, um seinem Fahrgast im Fond die hintere Wagentür zu öffnen, lüftete der Fahrer höflich die schwarze Melone und deutete eine knappe, korrekte Verbeugung an.

Ein junger, sportlich aussehender Mann mit angenehmen Gesichtszügen stieg aus. Er trug einen tadellosen Smoking, dessen Schnitt schon verriet, daß er von einem der teuersten Schneider der Stadt stammen mußte.

Der Portier hatte sich von seiner nahenden Ohnmacht erholt.

Dennoch waren seine Schritte etwas unsicher, als er dem jungen Mann entgegenging. Der Portier war sich noch nicht schlüssig, wie er sich hier und jetzt zu verhalten hatte.

»Mr. Rander«, meldete der schwarz gekleidete Butler. »Wenn ich mich recht erinnere, wurde ein Tisch bestellt.«

»Sehr wohl, Sir!«

Der Portier dienerte und war gleichzeitig wütend über diesen Butler. Schon allein die korrekte, englische Ausdrucksweise behagte ihm nicht. Und schon gar nicht diese selbstverständliche Sicherheit, vor der man seelisch unwillkürlich in die Knie ging.

»Soll ich Ihren … Wagen auf den Parkplatz fahren lassen?« fragte der Portier. Es gelang ihm, einen Unterton von Spott in seine Stimme zu bringen.

»Das besorge ich lieber allein, der Wagen könnte sonst Schaden nehmen«, meinte Josuah Parker. »Ich gehe doch richtig in der Annahme, daß in diesem Etablissement die weiße Göttin auftritt, oder?«

»Der Star der Show«, erwiderte der Portier. Nur mühsam dämpfte er seine Gereiztheit. Schon allein die Fragestellung dieses Butlers ging ihm auf die Nerven. Deshalb beschloß er, diesem so würdig auftretenden Mann eins auszuwischen. Er fügte hinzu: »Für das Personal haben wir im Hof eine Kantine eingerichtet.«

Parker sah den Portier mit höflichem Interesse an.

»Dann wissen Sie ja, junger Mann, wohin Sie sich in Ihrer Freizeit zu begeben haben«, meinte er dann. Mike Rander hatte schmunzelnd zugesehen und zugehört. Nun hielt er es für an der Zeit, sich einzuschalten.

»Ich erwarte Sie in der Bar, Parker«, sagte er zu seinem Butler. »Beeilen Sie sich …!«

»Selbstverständlich, Sir, Schnelligkeit gehört zu den wenigen Tugenden, die ich besitze.«

»Sind Sie sicher?« frotzelte Mike Rander. Und bevor Parker antworten konnte, verschwand Mike Rander hinter der Glastür, die der Portier nervös aufgestoßen hatte.

Mike Rander wollte sich auf keinen Fall auf eine Diskussion mit seinem Butler einlassen, die Zeitverschwendung wäre nämlich zu groß gewesen.

Interessiert sah er sich in dem Club um.

Es herrschte nur Halblicht. Es reichte gerade aus, die Menschen an den Nebentischen zu erkennen. Junge Damen in mehr als knapp sitzenden Badeanzügen servierten die diversen Getränke. Die einteiligen Badeanzüge waren aus Gründen der allgemeinen Schicklichkeit mit einigen zusätzlichen Stoffetzchen drapiert worden. Dennoch blieb der Eindruck einer gewissen Peinlichkeit. Die spärliche, auf die Kurven der Damen hinweisende Kleidung wirkte unnötig provozierend.

Vom Erdgeschoß des Clubs aus führten zwei weit ausladende Freitreppen hinauf zu einer Galerie, auf der ebenfalls Tische standen. Eingerahmt von den beiden Freitreppen befand sich eine kleine Bühne, auf deren Hintergrund sehr naturalistisch die Einzelheiten eines üppigen, tropischen Dschungels zu sehen waren. Dichtes, saftstrotzendes Buschwerk rankte sich hoch bis zur Galerie. Es gab echte Baumstämme, Lianen, die wie dicke Stricke herunterhingen und dazu noch kreischende Papageien, die den Lärm der kleinen, aber gut spielenden Band übertönten.

Diese Band saß in einer Grotte unter der rechten Freitreppe. Ihr genau gegenüber befand sich in einer anderen Grotte ein Miniatursee, der von einem Quell plätschernd gespeist wurde. Dieser Quell, von buntem Licht magisch angestrahlt, entsprang der Wand.

Im Club herrschte eine im wahrsten Sinne des Wortes schwüle, tropische Atmosphäre. Das hing wahrscheinlich damit zusammen, daß der Manager des Clubs die Klimaanlage auf plus fünfundzwanzig Grad aufgedreht hatte. Einmal zur Förderung der tropischen Atmosphäre, dann, damit seine weiblichen Angestellten sich auf keinen Fall erkälteten und schließlich, um den Umsatz an eisgekühlten Getränken zu heben.

Mike Rander ließ sich von einer der jungen Damen an seinen Tisch führen. Er stand in der Nähe der kleinen Bühne, auf der sich vorerst noch nichts tat. Rander bestellte für sich und Parker schottischen Whisky, zündete sich eine Zigarette an und war darauf gespannt, wie Parker diese Umgebung kommentieren würde.

»Sonst noch Wünsche?« erkundigte sich die junge Dame bei ihm, nachdem er die Bestellung aufgegeben hatte.

»Sagen Sie, wann tritt die ›Weiße Göttin‹ auf?« fragte Rander.

»In einer guten Viertelstunde, Sir.« Die junge Dame im Badeanzug gab sich freundlich, aber betont reserviert.

»Eine Frage am Rande, wissen Sie, wie sie außerdem noch heißt?«

»Wenden Sie sich bitte an den Manager, Sir«, lautete die Auskunft.

»Sie nennt sich Rita Malcona, ja?«