Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 697 - Ina Ritter - E-Book

Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 697 E-Book

Ina Ritter

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Beschreibung

Maria, ihre Schwester, ist tot - im Meer ertrunken! Im Telegramm steht es schwarz auf weiß. Und trotzdem kann Sabine Schneider es nicht fassen. Der gepackte Koffer steht bereits vor ihr. Denn sie war auf dem Weg zu ihr, weil ihre Schwester so verzweifelt geklungen hat. Kein Wunder, ihr Verlobter hat sie schwanger sitzen gelassen.
Sabine zerreißt es das Herz, dass sie ihrer Schwester nun nicht mehr beistehen kann. Sie ist zu spät. Maria hat sich das Leben genommen. Wer ist dieser Graf Zevenstedt, der sie dazu getrieben hat?
Sabine will ihn finden und Rache üben. Doch als sie ihn kennenlernt, läuft sie Gefahr, sich selbst in ihn zu verlieben ...


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Inhalt

Cover

Im Medaillon lag eine Locke

Vorschau

Impressum

Im Medaillon lag eine Locke

Der große Erfolgsroman um eine tapfere Frau

Maria, ihre Schwester, ist tot – im Meer ertrunken! Im Telegramm steht es schwarz auf weiß. Und trotzdem kann Sabine Schneider es nicht fassen. Der gepackte Koffer steht bereits vor ihr. Denn sie war auf dem Weg zu ihr, weil ihre Schwester so verzweifelt geklungen hat. Kein Wunder, ihr Verlobter hat sie schwanger sitzen gelassen.

Sabine zerreißt es das Herz, dass sie ihrer Schwester nun nicht mehr beistehen kann. Sie ist zu spät. Maria hat sich das Leben genommen. Wer ist dieser Graf Zevenstedt, der sie dazu getrieben hat?

Sabine will ihn finden und Rache üben. Doch als sie ihn kennenlernt, läuft sie Gefahr, sich selbst in ihn zu verlieben ...

»Ein Brief für Sie.« Frau Teichmann reichte Sabine den Umschlag mit so spitzen Fingern, als sei er schmutzig.

Ihre Miene drückte höchste Missbilligung aus. Offenbar hielt sie es für eine Unverschämtheit, dass ein Kindermädchen Privatpost empfing. Und dann noch einen Brief aus dem Ausland! Aus Italien!

»Wer schreibt Ihnen denn?«, fragte sie neugierig. »Ein Freund, den Sie im Urlaub kennengelernt haben? Sie waren doch in Italien. Wohl so ein schwarzhaariger Italiener, wie?«

»Nein. Der Brief ist von meiner Schwester.«

Sabine Schneider bemühte sich, den gehässigen Ton der Chefin zu überhören. Leicht war es nicht, denn Frau Teichmann war gegen sie.

»So, Ihre Schwester kann in Italien herumbummeln! Hat wohl einen reichen Freund?«

»Nein.«

»Aber Geld, um dort zu leben. Manchen Leuten geht es mit Nichtstun gut, und andere, wie wir, müssen schwer arbeiten. Was schreibt Ihre Schwester denn?«

»Ich habe den Brief noch nicht gelesen, gnädige Frau.« Es fiel Sabine immer noch schwer, ihre Chefin mit »gnädige Frau« anzureden.

Frau Teichmann war ungemein ordinär, verfügte aber Dank der Tüchtigkeit ihres Mannes über Geld, um sich alles erlauben zu können. Die beiden Kinder, die Sabine zu betreuen hatte, waren um nichts besser als ihre Mutter.

»Nun machen Sie schon auf«, forderte Frau Teichmann.

Sabine unterdrückte einen Seufzer und öffnete den Umschlag. Es war ein langer Brief, und beim Lesen legte sich unwillkürlich ein Lächeln über ihr Gesicht.

»Nun, was will sie?«, drängte Frau Teichmann, als Sabine die Bogen zusammenfaltete und wieder in den Umschlag zurückschob.

»Nichts Besonderes. Es geht ihr gut.«

»Und um das zu schreiben, braucht sie vier Seiten?«

Sabine schaute Frau Teichmann an. Wie ihr diese dicke Frau zuwider war! Sie besaß nicht die Spur von Geschmack und war schon am frühen Vormittag mit Schmuck behängt wie ein Weihnachtsbaum.

»Sie hat wirklich nicht mehr geschrieben, gnädige Frau.«

»Geben Sie mir den Brief mal her.« Frau Teichmann streckte die Hand aus.

»Nein.« Sabine verbarg den Brief hinter ihrem Rücken. Was Maria geschrieben hatte, ging Frau Teichmann nichts an.

»Wie Sie wollen.« Ihre Chefin legte den Kopf in den Nacken. »Wenn Sie meinen, Sie brauchten kein Vertrauen zu mir zu haben, bitte schön. Aber Kindermädchen finde ich genug, auch Mädchen, die wissen, was sie mir schuldig sind.«

Sabine nahm diese Drohung nicht ernst. Bei Frau Teichmann hielt es niemand lange aus, sie war bisher die große Ausnahme. Ein halbes Jahr lebte sie nun schon in der pompösen Villa bei den beiden ungezogenen Kindern, während die anderen es höchstens zwei Monate ausgehalten hatten, bevor sie fluchtartig die gutbezahlte Stellung aufgegeben hatten.

Das Gehalt war es, was Sabine immer wieder dazu bewog, alles hinunterzuschlucken. Schließlich hatte sie nichts gelernt und war froh, eine Stellung gefunden zu haben, in der sie ein Dach über dem Kopf hatte und gut verdiente.

»Was sitzen Sie hier eigentlich noch herum?« Frau Teichmanns Gesicht drückte Verachtung aus. »Haben Sie nichts weiter zu tun? Bezahle ich Sie für das Herumsitzen?«

Ihr Mann bezahlt mich, hätte Sabine ihr antworten können, aber selbstverständlich hielt sie den Mund. Frau Teichmann hatte noch nie einen Beruf ausgeübt, wahrscheinlich war sie dafür zu dumm.

Frau Teichmann ärgerte sich wieder einmal maßlos über dieses Kindermädchen. Sabine besaß etwas, was ihr fehlte und was sie sich für kein Geld der Welt kaufen konnte: Vornehmheit und eine gute Erziehung.

»Kümmern Sie sich lieber um Ulla und Thomas. Aber mit Ihren Pflichten nehmen Sie es ja nicht so genau. Ich werde heute Abend einmal mit meinem Mann über Sie sprechen.«

Sabine neigte den Kopf und ging hinaus. Aus Erfahrung wusste sie, dass es gar keinen Zweck hatte, sich gegen die läppischen Anschuldigungen von Käthe Teichmann zu verteidigen.

♥♥♥

Sabine war abends müde, als die beiden Kinder endlich im Bett lagen. Sie saß in ihrem Zimmer und holte noch einmal Marias Brief hervor. Ihre Schwester lebte als Gesellschafterin bei einer alten Dame, die Frühjahr und Herbst in Italien zubrachte. Nach Marias Schilderung war sie sehr nett und dankbar für alles, was man für sie tat.

»Ich habe einen Mann kennengelernt, Sabine!«, schrieb Maria.

Sie lächelte, weil sie sich vorstellen konnte, wie Maria am Schreibtisch gesessen und diese Zeilen aufs Papier geworfen hatte. Sabines Schwester neigte ein wenig zum Überschwang – und auch ihre Schrift verriet das.

»Es war Liebe auf den ersten Blick, als wir uns am Strand trafen. Könnte ich ihn Dir doch nur richtig beschreiben, Binchen. Er sieht fantastisch aus: blond, sehr groß und ... Ach, Worte reichen nicht aus. Du musst ihn selbst kennenlernen. Dann kannst Du verstehen, weshalb ich ihn einfach lieben muss.«

Sabine schüttelte den Kopf. Das sieht Maria ähnlich, dachte sie. Sich Hals über Kopf in einen Mann zu verlieben. Aber diesmal schien es etwas Ernstes zu sein.

»Frederik stammt aus gutem Haus. Er besitzt ein Gut, das ein Verwalter bewirtschaftet, und ich glaube, er will mich heiraten. Wäre es doch schon so weit. Zur Hochzeit musst Du meine Brautjungfer sein, Sabine. Ich bin ja so glücklich! Die Sonne scheint jetzt heller als sonst. Ich weiß, dass Du jetzt vor Dich hinlächelst. Du bist eben ganz anders als ich. Du kannst nicht verstehen, dass man sein Herz so völlig verlieren kann. Du behältst immer Deinen klaren Kopf, aber ich ...

Frederik ist übrigens ein Graf, stell Dir nur vor. Deine Schwester wird eines Tages eine Gräfin Zevenstedt sein. Frederik hat mir Bilder von Schloss Zevenstedt gezeigt. Ein richtig altmodisches Schloss mit Türmen und Erkern. Seine Mutter ist auch bei ihm, aber ich glaube, sie mag mich nicht besonders. Aber Frederik sagt, das sei ihm gleichgültig, er liebe mich.

Es ist herrlich, wenn ein Mann das einem sagt. Die ganze Welt wird dadurch anders. Er bewohnt hier übrigens das Haus eines Freundes, und wir sehen uns jeden Tag. Jede freie Minute sind wir zusammen, und meine Baronin zeigt sehr viel Verständnis für mich. Sie gibt mir jetzt jeden Abend frei, und wir gehen dann tanzen ... Frederik ist ein blendender Tänzer. Alle Mädchen verrenken sich die Köpfe nach ihm, aber er hat nur Augen für mich. Vielleicht heiraten wir schon im Herbst.

Ich kann es gar nicht mehr abwarten, seinen Namen zu tragen. Und mit seiner Mutter werde ich schon fertig werden, ich gebe mir jedenfalls sehr viel Mühe, um sie für mich gewinnen. Natürlich denkt sie, ich sei nicht gut genug für Frederik. Aber ich liebe ihn doch so.«

Sabine lächelte vor sich hin. Vielleicht fand Maria tatsächlich ihr Glück an der Seite eines reichen Mannes. Sie war sehr schön, und es fehlte ihr keineswegs an Bewerbern. Aber Maria wollte nur aus Liebe heiraten. Und nun hatte sie die große Liebe kennengelernt.

Jemand klopfte an ihre Zimmertür.

»Herein«, rief Sabine automatisch.

Herr Teichmann trat ein. Er nickte ihr freundlich zu und ließ seinen Blick dann durch das Zimmer gleiten. Auf den ersten Blick wirkte er gutmütig, wie es bei untersetzten Männern häufig der Fall ist. Nur der wache Ausdruck seiner Augen passte nicht dazu.

Sabine stand auf und legte den Brief auf den Tisch. Es kam selten vor, dass Herr Teichmann sich persönlich zu ihr bemühte. Ob er ihr kündigen wollte?

Wer weiß, was die Kinder ihm alles erzählt haben mochten.

»Bleiben Sie nur sitzen, Sabine.« Teichmann ließ sich in einen Sessel fallen. »Ein hübsches Zimmer, gefällt es Ihnen?«

»Ja.«

»Das freut mich, obwohl ... Es könnte noch schöner sein. Ein Zimmer mit eigenem Bad zum Beispiel.«

Er zog eine Zigarre hervor und entzündete sie, ohne Sabine um Erlaubnis zu bitten. Dabei belauerten seine Blicke sie verstohlen.

»Sie haben es nicht immer leicht bei uns?« Es war mehr eine Feststellung als eine Frage, denn Richard Teichmann war schließlich nicht dumm und wusste, wie schwierig seine Kinder sein konnten, von seiner Frau ganz zu schweigen.

»Ich kann mich nicht beklagen, Herr Teichmann«, versicherte Sabine höflich.

»Sie stecken viel ein. Ich habe mich schon oft darüber gewundert, mein Kind. Ein so hübsches Mädchen wie Sie hätte es doch eigentlich nicht nötig, bei anderen Leuten Kindermädchen zu spielen.«

»Ich habe keinen Beruf erlernt und bin froh, die Stellung in Ihrem Haus gefunden zu haben, Herr Teichmann.«

»Nun ja, Ihre Einstellung ist bewundernswert. Also wirklich, ich muss schon sagen ...«

Irgendetwas stimmte nicht. Teichmann hatte etwas auf dem Herzen, denn er war kein Mann, der nicht aussprach, was er wollte.

»Über meine Ehe brauche ich Ihnen nicht viel zu erzählen. Sie wissen selbst, wie es bei uns aussieht. Ich will über meine Frau nichts Schlechtes sagen, in ihrer Art ist sie eine famose Person, nur eben ... Sie kommt aus kleinen Verhältnissen und ist nicht mitgewachsen. Sehen Sie, ich habe es zu etwas gebracht, während meine Frau ... Eine richtige Ehe führen wir schon lange nicht mehr. Und wären die Kinder nicht ...«

Sabine machte ein verschlossenes Gesicht. Die Worte des Mannes waren ihr peinlich. Sie fand, dass es sich einfach nicht gehörte, mit dem Personal in dieser Art über die Chefin zu sprechen.

»Ich bin ein Mann in den besten Jahren. Und wenn ich so denke, was vor mir liegt ... Also, wissen Sie, Sabine, im Herzen bin ich jung. Und ein Mann hat noch so seine Wünsche. Sie verstehen?«

»Nein.« Sabine stand auf. »Ich wollte gerade einen Brief schreiben, Herr Teichmann.«

»Sie sind ein merkwürdiges Mädchen, wissen Sie das? Ich habe nun Zeit genug gehabt, Sie zu beobachten. Sie verlassen abends das Haus nur, um spazieren zu gehen. Ein junges Mädchen wie Sie müsste sich doch mehr vergnügen.«

»Ich bin mit meinem Leben vollkommen zufrieden, Herr Teichmann.«

»Weil Sie gar nicht wissen, was Sie alles versäumen. Sie könnten einen Freund haben, der sich eine Freundin wie Sie leisten kann! Geschäftsleute sind viel auf Reisen. Das erzählen sie zumindest ihren Ehefrauen. Ich habe ein Haus, Sabine. Ein hübsches Appartement ist frei. Im achten Stockwerk. Vom großen Wohnzimmer aus hat man einen herrlichen Blick über die Stadt. Dann ist noch ein Schlafzimmer da, Küche, Bad selbstverständlich – voll möbliert übrigens auch. Hätten Sie nicht Lust, dort einzuziehen?«

»Ich?«, fragte Sabine fassungslos. »Aber ich habe doch hier mein Zimmer.«

Richard Teichmann lächelte breit. »Ihr Zimmer hier ist ein Loch im Vergleich zu meinem Appartement. Haben Sie es nötig, auf fremde Kinder aufzupassen? Sie brauchen nur ein bisschen nett zu mir zu sein, Sabine.«

Sabine zuckte zurück, und einen Moment spiegelte ihr Gesicht den Abscheu wider, den sie bei seinen Worten empfunden hatte.

Teichmann runzelte die Stirn. »Ich bin ein bisschen untersetzt«, sagte er. »Ich weiß, es gibt Männer, die besser aussehen. Aber die haben meistens kein Geld, um ein Mädchen zu verwöhnen. Überlegen Sie sich meinen Vorschlag. Ich will Sie nicht drängen, aber etwas Besseres wird Ihnen nie wieder in Ihrem Leben geboten. Ich werde Sie hin und wieder besuchen, wir werden Reisen machen, ich werde Sie ausführen. Selbstverständlich kaufe ich Ihnen die hübschesten Kleider. Nun, wie sieht es aus mit uns beiden?«

»Nein, Herr Teichmann!« Sabine wich förmlich vor ihm zurück. Sein Blick folgte ihr, und Sabine erschrak vor dem, was sie in seinen Augen las.

Er grinste. »Ein paar Flaschen Sekt habe ich schon für uns kalt gestellt. Wir werden Ihren Einzug feiern. Kommen Sie, ich fahre Sie gleich hin. Und nach der Besichtigung werden Sie nicht mehr nein sagen.«

»Sie irren sich, Herr Teichmann. Ich – ich bin nicht so eine, wie Sie denken.«

»Ich denke, dass Sie ein sehr schönes Mädchen sind, liebe Sabine. Ein intelligentes Mädchen noch dazu. Und arm. Ihr Verstand wird Ihnen sagen, dass Sie mein Angebot einfach annehmen müssen.«

»Bitte, nehmen Sie es mir nicht übel, Herr Teichmann, ich ... kann nicht.«

»Aber Sie haben doch keinen Freund, oder?«

»Nein.«

»Dann bin ich Ihnen also ... nicht gut genug?« Teichmann kniff die Augen zusammen.

»Bitte, Herr Teichmann, lassen Sie uns dieses Gespräch vergessen.«

»Ich lade Sie ein. Zu einer Urlaubsreise. Dabei können wir uns menschlich ein bisschen näherkommen. Hier im Haus ist das nicht möglich, meine Frau ist viel zu misstrauisch.«

Er blies mit seiner Zigarre Wolken vor sich hin.

»Wissen Sie, was ich manchmal denke?« Er kratzte sich den Nacken. »Also mit Käthe und mir ist ja sowieso alles aus. Wir haben uns auseinandergelebt und – und die Kinder ... Meine Frau kümmert sich sowieso nicht um die Kinder. Also ich denke, ich werde mich wohl scheiden lassen.« Er schaute Sabine an und grinste. »Ich brauche eine Frau wie Sie, Mädchen – eine, die sich benehmen kann. Wenn ich jetzt mit Geschäftsleuten mal nach Hause will, da muss ich mich genieren, wenn Käthe ihnen entgegenwatschelt. Würde Ihnen das nicht gefallen, hier Hausfrau zu werden? Und die Kinder haben sich sowieso schon an Sie gewöhnt, für die ist das weiter keine Umstellung. Und wenn sie frech werden sollten, dann geben wir sie einfach in ein Internat.«

»Haben Sie schon mit Ihrer Gattin über Ihre Scheidungsabsichten gesprochen?«, fragte Sabine beklommen.

»Nee. War so ein Gedanke, der mir erst jetzt gekommen ist. Ein Geschäftsfreund hat nämlich seine Sekretärin geheiratet. Eine tolle Frau, kann ich Ihnen sagen. Seine erste war auch so in die Breite gegangen, und überhaupt ... Also der Mann ist wieder richtig aufgeblüht, ob Sie es glauben oder nicht. Und da habe ich mir gedacht: Warum soll ich es ihm nicht gleichtun? Lassen Sie es sich mal durch den Kopf gehen.«

»Ich würde nie damit einverstanden sein, dass Sie sich meinetwegen scheiden ließen, Herr Teichmann.«

»Ich habe Käthe damals genommen, weil sie ein bisschen was an den Füßen hatte. Und das schmiert sie mir jetzt oft genug aufs Butterbrot. Aber was ich daraus gemacht habe, davon spricht sie nicht. Das ist selbstverständlich. Ich habe geschuftet wie ein Ochse, und anstatt dankbar zu sein, ist sie nur immer dicker geworden. Aber jetzt habe ich die Nase voll. Meinen Sie nicht, dass Sie mich ein bisschen gern haben könnten, Sabine?«

»Herr Teichmann ... Ich bin romantischer, als Sie wahrscheinlich glauben. Ich möchte nur aus Liebe heiraten.«

»Dann werden Sie entweder eine alte Jungfer oder Sie fallen eines Tages in Torschlusspanik auf den Erstbesten herein. Sabine, ich meine es gut mit Ihnen. Aber drängen will ich Sie nicht. Gut Ding will seine Weile haben.«

Sabine war wie benommen. Dass es so etwas gab! Sicher, man las oft genug in den Zeitungen darüber, aber so in Wirklichkeit erlebt, sah alles anders aus ...

Ein sehr bitterer Geschmack lag in Sabines Mund.

♥♥♥

Liebste Sabine, ich bin ganz durcheinander, schrieb Maria.

Sabine lächelte über diesen temperamentvollen Briefanfang.

Ich habe Dir doch geschrieben, dass ich mir den Magen verdorben hatte. Frederik ist so schrecklich besorgt um mein Wohl, er hat darauf bestanden, dass ich einen Arzt aufsuchte. Und was meinst du, was mir fehlt?

Bestimmt nichts Schlimmes, dachte Sabine belustigt.

Du wirst es nicht erraten, und außer Dir weiß es niemand. Auch Frederik nicht. Erst war ich wie vor den Kopf geschlagen, aber jetzt bin ich glücklich. Ich erwarte ein Kind.

»Nein«, murmelte Sabine und ließ den Brief sinken. Maria war doch noch gar nicht verheiratet! Und es schien ihr nicht einmal etwas auszumachen.

Ich bin irrsinnig glücklich. Frederik wünscht sich doch Kinder, vor allem natürlich Jungen, die später einmal sein Gut übernehmen sollen. Aber ich glaube, auch wenn unser erstes Kind ein Mädchen wird, hat er nichts dagegen. Wird es ein Mädchen, dann soll es Sabine heißen. Ich habe Frederik viel von Dir erzählt, er brennt darauf, Dich kennenzulernen.

Ich kann mir schon denken, wie du von mir geschwärmt hast, dachte Sabine. Maria war für sie immer die kleine Schwester gewesen, die sie behütete und beschützte. Und Maria hatte ihr die Fürsorge mit einer geradezu abgöttischen Liebe gedankt.

Wenn ich erst eine Frau Gräfin bin, dann brauchst Du auch nicht mehr auf fremde Kinder aufzupassen. Frederik und ich werden eine Möglichkeit finden, Dich gut zu versorgen. Du wirst als Gast in unserem Schloss leben. Wir werden herrliche Feste geben.