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Dieses Buch ist eine Sammlung der beliebtesten Anleitungen aus der Yacht-Werkstatt aus dem "Skippers Magazin" der YACHT. Die beiden YACHT-Technik-Redakteure Hauke Schmidt und Lars Bolle erklären, wie man Reparaturen und Wartungsarbeiten am Boot vornimmt: Pflege: z.B. Neumontage von Fenstern, Mikroorganismen im Dieseltank erkennen und entfernen, Edelstahlbeschläge reinigen und polieren, Kauschen konfektionieren, neue Polster anfertigen, passgenaue Bootsauflagen für den Rumpf herstellen, Einbau von Selbststeueranlagen für die Pinne, Sanierung und Pflege von Holzdecks, Sitzbretter selbst bauen Wartungsarbeiten: z.B. Ruderlager tauschen, Eisenkiele entrosten, Wartung und Pflege von Gashebel und Einhebelschaltung, Schallisolierung im Motorraum erneuern, Außenborder ordnungsgemäß winterfest machen, Salinge erneuern, Cockpitboden neu belegen Reparaturen: z.B. Schönheits-Reparaturen am Holz des Innenausbaus, Holzpfropfen setzen, Sandwich-Reparatur, Haarrisse entfernen, Carbon-Patches selbst herstellen Die besten Tipps und Tricks aus der "Yacht-Werkstatt" endlich auf einen Blick!
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Seitenzahl: 188
Veröffentlichungsjahr: 2016
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HAUKE SCHMIDT | LARS BOLLE
PFLEGEN,REPARIEREN,MODERNISIEREN
ANLEITUNGENZUM SELBERMACHEN
DELIUS KLASING VERLAG
RUMPF & DECK
Sandwich-Reparatur
Haarrisse entfernen
Löcher verschließen
Osmose-Sanierung
Kajütdach sanieren
Spund einsetzen
Holzrumpf sanieren
Decksbelag pflegen
Furnier-Spund einsetzen
Cockpitboden erneuern
Holzpfropfen bauen
Neue Fenster montieren
Eisenkielkiel entrosten
Ruderlager tauschen
UNTER DECK
Holzreparatur innen
Polster erneuern
Autopilot einbauen
RUND UM DEN MOTOR
Einbaudiesel warten
Einhebelschaltung warten
Schallisolierung anfertigen
Motor einwintern
Dieselpest entfernen
RIGG & BESCHLÄGE
Gennakerbaum bauen
Salinge erneuern
Verklicker bauen
Edelstahl polieren
Ausreitbretter bauen
Carbon-Patches bauen
WINTERLAGER
Bootsauflagen bauen
Schlauchboot reparieren
Antifouling aufbringen
Wer ein ProblemVERSTEHT, kann es auch lösen. Nach diesem Prinzip führen die folgenden Anleitungen zurERFOLGREICHENReparatur. Damit die Arbeit am Boot Spaß macht und auch noch Geld spart
Man wächst mit seinen Aufgaben – in kaum einem Bereich ist diese Aussage so zutreffend wie bei der Pflege, Reparatur und Modernisierung älterer Segelboote. Solche betagten Schätzchen begegnen einem meist, wenn nach einigen Sommern auf Charteryachten oder pflegeleichten Jollen der Kauf des ersten eigenen Bootes ansteht. Zudem quillt der Gebrauchtbootmarkt geradezu vor Angeboten über, von denen nicht wenige zu vergleichweise geringen Anschaffungspreisen zu erstehen sind. Nicht selten mischen sich dabei jedoch Vorfreude und Unerfahrenheit zu einem riskanten Cocktail – schmeckt herrlich süß, betäubt den Verstand und führt schon wenig später zu Kopfschmerzen – nämlich dann, wenn die ersten Probleme auftauchen und die mit der Reparatur oder Überholung beauftragte Werft einen Kostenvoranschlag präsentiert. Dabei handelt es sich in der Regel um recht ordentliche Summen, denn Bootsbau ist Handarbeit.
Doch dieser Umstand kann zugleich ein großer Vorteil sein, denn mit der richtigen Anleitung und einer Grundausstattung an Werkzeugen lassen sich viele zeit- und kostenaufwendige Arbeiten in Eigenregie ausführen. Vielleicht nicht ganz so schnell wie beim Profi, vielleicht nicht immer ganz so perfekt, dafür aber mit einem guten Gefühl. Denn die Freude über eine gelunge Instandsetzung oder Verschönerung des eigenen Bootes stärkt nicht nur den Besitzerstolz, sondern erzeugt auch eine enorme Befriedigung. Nebenbei lernt man bei den Arbeiten das Boot und seine Bauweise intensiv kennen und gewinnt dadurch Sicherheit im Umgang mit seinem Schiff. Zudem kann ein von vornherein geplantes Refit auch ein Weg sein, um günstig an eine Yacht zu gelangen. Denn offensichtliche Instandsetzungsarbeiten lassen sich normalerweise bei einer gut argumentierten Verkaufsverhandlung vom Kaufpreis abziehen. Aber Vorsicht, meistens addieren sich die geplanten Arbeitsstunden bei Laien auf mehr als das doppelte, und auch die reinen Materialkosten sind nicht zu unterschätzen und sollten vorher gründlich kalkuliert werden.
Die in diesem Buch gezeigten Arbeitsschritte stellen jeweils einen der möglichen Reparatur- oder Herstellungswege dar, oftmals führen auch andere Methoden zum Ziel oder das Ergebnis kann durch den Einsatz von speziellem Werkzeug verbessert werden – etwa durch eine Vakuumpumpe bei Laminierarbeiten. Die Anschaffung solch teurer Gerätschaften lohnt sich für den Laien aber kaum, daher haben wir die einfachste Vorgehensweise gewählt und auf Spezialwerkzeuge verzichtet oder günstige Leihoptionen angegeben.
Zum Ende jeder Arbeit am Boot entschädigt das Ergebnis mehrfach für die aufgewendete Mühe. Und kann zu einem Phänomen führen, von dem viele Hobbyhandwerker berichten: Dass ihre Saison nicht im Herbst endet, sondern dass sie sich im Herbst auf die zweite Saison freuen – die Saison der Winterarbeit.
Übrigens: Für ausgewählte Projekte dieses Buches gibt es Videoanleitungen im TV-Portal des Internetauftrittes des Magazins YACHT.
Einsichtnahme. Die Außenhaut wird großflächig abgenommen
Bei älteren Schiffen mit Sandwich-Decks gibt es häufig Probleme durchDELAMINATIONund eingedrungenes Wasser. Ein kapitaler Schaden, der sich aber durchaus in Eigenregie beheben lässt. So wird’s gemacht
Decks in Sandwich-Bauweise sind eine feine Sache. Die Konstruktion, bei der die äußere und innere Laminatschicht durch einen Kern aus Balsaholz oder Schaum getrennt sind, ist nicht nur leicht, sondern auch sehr biegesteif. Ganz nebenbei isoliert der Verbund auch deutlich besser als ein massives Laminat, was die Temperaturen im Sommer senkt und in der Nebensaison vor Schwitzwasser schützt.
Doch wo viel Licht ist, sind auch die Schattenseiten nicht weit. Bei Sandwich-Decks beginnen die Probleme mit dem Alter. Sobald sich der Verbund aus Laminat und Kern löst, verliert die Konstruktion rapide an Festigkeit. Das Tückische dabei: Ist das Deck erst an einer Stelle geschwächt, arbeitet es beim Darüberlaufen und Segeln stärker, und der Schaden kann sich umso leichter ausbreiten. Viele Eigner älterer Boote kennen das, es beginnt mit einem harmlosen Knirschen oder Quietschen. Nach kurzer Zeit federt das Deck dann immer stärker, und man sackt beim Laufen regelrecht ein, so dass dringender Handlungsbedarf besteht.
Dies war auch bei einem gebrauchten H-Boot aus den 70er-Jahren der Fall. Der Aufbau beulte sichtbar ein und federte stark. Schließlich brach das Deck beim Aufriggen hinter dem Mastfuß ein. Dieser war bereits vom Voreigner mit einem Ringspant als Unterzug verstärkt worden.
Abgesehen von Fehlern bei der Dimensionierung oder der Verarbeitung von Harz und Kernmaterial ist eingedrungenes Wasser die Hauptursache für das Versagen von Sandwich-Decks. Die Feuchtigkeit gelangt in der Regel durch schlecht abgedichtete Schraublöcher von Beschlägen ins Deck. Kritisch sind auch ältere Teakdecks. Oft wurde nur sehr wenig Dichtungsmasse verwendet, und die Verschraubung der Stäbe summiert sich leicht auf einige hundert Bohrungen.
Am anfälligsten sind Sandwich-Konstruktionen mit einem Kern aus Balsaholz. Das Material saugt sich vom Leck ausgehend voll und verrottet großflächig. Hier hilft nur Aufsägen und Austauschen des Kerns, von dem meist nur noch schwarzer Torf übrig ist.
Doch auch bei den vielgerühmten geschlossenporigen Schaumkernen, wie Airex oder Divinycell, ist Vorsicht geboten. In solchen Decks kann sich das Wasser zwar nicht so leicht ausbreiten, und der Kern verrottet auch nicht. Das heißt aber nicht, dass es nicht zu Problemen kommt.
Je nach Qualität des eingesetzten Polyesterharzes kann die Feuchtigkeit quasi zu Osmose von innen führen, in deren Folge das Laminat vom Kern reißt. Es reicht aber auch schon ein Frostwinter, um den nassen Verbund regelrecht zu sprengen, was vermutlich bei dem hier behandelten H-Boot der Fall war.
Die Reparatur eines delaminierten Decks ist ein massiver Eingriff und erfordert Überwindung – wer sägt schon gern große Löcher in sein Boot? Die größte Herausforderung ist aber, nach dem Entfernen des alten Kernmaterials wieder eine belastbare Struktur zu schaffen.
Bei größeren oder stark gewölbten Bereichen wäre eine Vakuumpumpe ideal, um Kern und Decksschale gleichmäßig zu verkleben. Da diese Technik in der Regel nur professionellen Betrieben zur Verfügung steht, wurde bewusst darauf verzichtet und stattdessen mit Gewichten gearbeitet.
Oft ist die innere Lage des Decks sehr dünn und weich. Um die Deckskontur zu erhalten, muss sie eventuell vor dem Aufsägen von unten mit einer Hilfskonstruktion abgestützt werden. In vorliegenden Fall genügte der zur Verstärkung des Mastfußes bereits eingebaute Ringspant.
Da Rumpf und Deck sowieso lackiert werden sollten, wurde nur bis zum Primer gearbeitet. Durch diese Vereinfachung war das H-Boot nach einer knappen Woche wieder segelfertig. Soll auch lackiert werden, muss die doppelte Zeit veranschlagt werden.
WEICHES DECK – WAS NUN?
Die ersten Schritte: zunächst denSCHADEN EINGRENZEN, dann das DeckAUFSÄGEN
1Die Latte macht deutlich, wie stark der Aufbau beim Betreten durchfedert. Hier haben sich die Glasfaserlagen vom Kern abgelöst
2Am Übergang zum Mastfuß ist das Deck bereits gebrochen. Um den Schaden einzugrenzen, wird der gesamte Aufbau abgeklopft
3An Stellen, an denen es dumpf klingt, ist der Kern abgerissen. Um den beschädigten Bereich herum wird mit etwas Zugabe abgeklebt
4Mit einer Oszillationssäge wird dann das etwa vier Millimeter starke Außenlaminat rundherum bis zum Kern durchtrennt
5Anschließend kann der Deckel mithilfe eines Stecheisens abgehebelt werden. In der Regel trennt er sich problemlos vom Kern
6Wenn dem so ist, kann er abgehoben werden. Er haftet nur noch an wenigen Stellen. Bei Balsaholz ist mehr Krafteinsatz erforderlich
ENTKERNEN
Der feuchteSCHAUMund der Mastfuß werden entfernt
1Das alte Kernmaterial kann mit der Oszillationssäge oder per Stechbeitel herausgebrochen werden. Bei Balsaholz ist etwas mehr Arbeit nötig. Das nicht verrottete Material lässt sich mit einem Stecheisen entfernen
2Am Mastfuß ist das Außen laminat beim Abnehmen gebrochen. Augenscheinlich wurde hier in der Vergangenheit bereits repariert, allerdings nicht gut. Die Sperrholzunterlage ist nass und muss ebenfalls entfernt werden
3Beim früheren Reparaturversuch wurde das Außenlaminat lediglich mit Polyesterspachtel aufgeklebt. Dieser haftet schlecht und lässt sich mit dem Stechbeitel ohne größere Probleme abschlagen
4Schaum- und Spachtelreste werden mit 36er-Papier abgeschliffen. Dank der groben Körnung entsteht eine sehr raue Oberfläche, auf der sich das Epoxidharz beim Einkleben des neuen Kerns optimal verkrallen kann
5Da eine Oszillationssäge verwendet wurde, sind die Schnittkanten recht sauber. Sie sollten aber noch einmal begradigt und geschliffen werden. Dann fällt später das Einpassen des neuen Kernmaterials leichter
6Damit beim Verschließen des Decks keine Restfeuchte einlaminiert wird, sollte die Reparaturstelle gut abtrocknen. In der Zwischenzeit können der Deckel vorbereitet und das neue Kernmaterial angepasst werden
VORBEREITEN DER DECKSSCHALE
Wie Löcher und AusschnitteVERSCHLOSSENwerden
1Um zu sehen, was einen erwartet, wurde zu Beginn der Reparatur eine kleine Pilotöffnung ins Deck gesägt. Dieser Ausschnitt wird nun wieder einlaminiert
2Nachdem der Deckel von Schaumresten befreit und gesäubert wurde, werden die Kanten der Pilotöffnung und des Ausschnitts von unten schräg geschliffen
3Damit das Harz beim Einkleben des Ausschnitts nicht weglaufen kann, das Loch von oben verschließen. Dafür reicht einfaches Klebeband oder eine Kunststofffolie
4Den Ausschnitt von unten einlegen und die Fuge mit angedicktem Harz füllen. Hier wurde SIX10 aus der Kartusche verwendet. Normales Harz mit Baumwollflocken tut es auch
5Zur Stabilisierung wird noch eine Lage 163-Gramm-Glasfasergewebe aufgelegt. Nach dem Aushärten wird die Unterseite des Deckels mit 36er-Papier grob angeschliffen
6Die endgültige Festigkeit erhält die Reparatur durch das von oben aufgebrachte Laminat. Dazu wird der Bereich etwa 0,6 Millimeter tief ausgeschliffen. Das entspricht …
7… der Dicke von 430-Gramm-Biaxialgelege und einer Lage 163-Gramm-Glasseide. Das Glas wird zu Lochgröße passend zugeschnitten, die Decklage etwas größer
8Den Reparaturbereich mit Harz benetzen; die Glasfasern auflegen und gut durchtränken. Das Harz mit einem Spachtel einmassieren. Wenn das Glas klar geworden ist, folgt …
9… Abreißgewebe. Es nimmt überschüssiges Harz auf und sorgt somit für eine gleichmäßige Oberfläche, auf der ohne Zwischenschliff weitergearbeitet werden kann
DER MASTFUSS
SPEZIALSCHAUMstatt Sperrholz und Spachtel
1Der Mastfuß soll eine stabile Unterfütterung erhalten. Dazu muss ein Keil eingeklebt werden. Als Erstes wird die Unterseite des Decksstücks von Spachtelresten gesäubert
2Der nötige Kiel wird ausgemessen und aus Coosa-Schaum angefertigt. Das Material ist glasfaserverstärkt, sehr druckfest und lässt sich mit Holzbearbeitungswerkzeugen schneiden
3Die Keilform wird nach dem Verkleben mit der Decksschale zurechtgeschliffen. Daher muss der Schaumrohling zunächst nur grob angepasst werden
4Die Klebeflächen mit Epoxidharz bestreichen. Als Kleber wird ein Gemisch aus Harz und Baumwollflocken verwendet. Es sollte eine Konsistenz wie Mayonnaise haben
5Beim Einsetzen des Schaumstücks sollte der Kleber überall herausquellen. Das überschüssige Material danach sauber abziehen, sonst muss später mühsam geschliffen werden
6Fertig ausgehärtet wird die Unterseite plan geschliffen und das Laminat der Decksschale zum Schäften angeschrägt. Die Schräge sollte etwa der zwölf fachen Materialstärke entsprechen
DEN NEUEN KERN EINSETZEN
Das Kernmaterial muss an dieKRÜMMUNGdes Aufbaus angepasst werden
1Mastfuß und Beschläge warden mit Coosa-Schaum unterfüttert. Das Material ist leichter als Sperrholz und wasserbeständig. Die Dicke entspricht der des Originalkerns
2Die Verstärkung für den Fallumlenker muss an die Rundung des Decks angepasst werden. Dazu wird die Kontur übertragen und der Schaum zurechtgeschliffen
3Für die beschlagsfreien Flächen kommt 20 Millimeter starker Airex-Schaum zum Einsatz. Die Platten sollten möglichst passgenau zugeschnitten werden
4Um der Kontur des Aufbaus zu folgen, muss das Material an den Ecken um etwa zwei Zentimeter gebogen werden. Um die Spannung in der Platte zu verringern, wird sie …
5 … von unten geschlitzt. Der Tiefenanschlag der Oszillationssäge wird auf drei Viertel der Materialstärke gestellt. Die Schnitte folgen der Außenkontur der Platte
6Da der Aufbau auch in Längsrichtung gewölbt ist, folgen um 90 Grad versetzte Schnitte. Zudem bohrt man vier Millimeter große Löcher in den Schaum. Sie füllen sich …
7 … beim Verkleben mit Harz und bilden Brückenpfeiler. Wenn alle Segmente fertig sind und sich mit wenig Druck in Form bringen lassen, kann das Einkleben beginnen
8Die Schaumoberfläche nimmt viel Harz auf. Damit die Verklebung nicht zu trocken wird, Schaum und Aufbau mit Harz benetzen. Dabei die Kanten nicht vergessen
9Zum Kleben wird wieder eine mayonnaiseartige Mischung aus Epoxidharz und Baumwollflocken verwendet. Sie wird mit einem Zahnspachtel gleichmäßig aufgetragen
10Die Kernsegmente auflegen und in den Epoxidkleber drücken. Dabei von einer Kante zur anderen arbeiten. So kann überschüssiger Kleber entweichen
11Die Ränder der Platten lassen sich gut mit Klebeband fixieren. Zum flächigen Anpressen eignen sich Sandsäcke sehr gut. Werden wie in diesem Fall Autoakkus verwendet, …
12 … muss unbedingt darauf geachtet werden, dass sich die in der Regel weiche Innenlage des Decks nicht durchbiegt. Im Zweifel sollte das Deck von unten abgestützt werden
DECKEL DRAUF
Wie die DecksschaleAUFGEKLEBTwird
1Selbst wenn die Materialstärke mit der des Originals übereinstimmt, muss der Kern in der Regel noch geschliffen werden
2Trockenprobe. Die Decksschale wird aufgelegt, um zu prüfen, wo die Dicke des Kerns noch korrigiert werden muss
3Die Ecken und Kanten des Kerns lassen sich schlecht dünner schleifen, daher sollte dort die Oszillationssäge verwendet werden
4Wenn alles passt, wird der Kern mit Harz benetzt. Dann werden die Spalten und Einschitte mit einer dünnen Mischung aus Harz …
5… und Microballoons ausgespachtelt, hier braun zu sehen. Anschließend wird eine Klebemischung aufgetragen
6Dafür wird das Harz wie zuvor mit Baumwollflocken angedickt und mit einem feinen Zahnspachtel aufgetragen
7Die Unterseiten von Decksschale und Mastfuß werden ebenfalls mit Harz benetzt und die Teile aufgesetzt und angedrückt
8Wie beim Einkleben des Kernmaterials werden die Kanten mit Klebeband fixiert, der Rest wird mit Gewichten …
9… beschwert. Der eingeklebte Kern hat die Beulsteifigkeit des Aufbaus erhöht, trotzdem sollte das Deck abgestützt werden
FUGEN VERSCHLIESSEN
Damit dieFESTIGKEITdes Decks wieder gegeben ist, werden die Trennstellen angeschäftet
1Um das Außenlaminat wieder kraftschlüssig zu verbinden, wird die Trennstelle zunächst rundherum ausgeschliffen. Das Tal muss so tief sein, wie das neue Laminat aufträgt
2Für zwei Lagen 430-Gramm-Biaxialgelege und eine Lage 163-Gramm-Glasseide muss das Deck etwas mehr als ein Millimeter ausgeschliffen werden
3Vermutlich treten durch das Schleifen Lufteinschlüsse zutage. Sie werden zusammen mit eventuell vorhandenen Fugen mit einer Microballoon-Mischung verspachtelt
4Wenn keine großen Flächen laminiert werden müssen, sind sogenannte Gelege- und Gewebetapes praktisch. Sie ersparen das Zurechtschneiden von der breiten Rolle
5Bei Epoxid muss das Mischungsverhältnis zwischen Harz und Härter genau eingehalten werden. Für größere Projekte empfiehlt es sich, in Dosierpumpen zu investieren
6Die beiden 430-Gramm-Streifen und die 163-Gramm-Glasseide werden übereinander gelegt und getränkt. Dazu eignet sich eine Glasplatte oder …
7… die mit Folie abgedeckte Werkbank. Das Harz mit einem Spachtel in die Streifen einarbeiten, bis keine Lufteinschlüsse mehr zu sehen und die Fasern durchsichtig sind
8Bevor die vorgetränkten Glasfasern aufgebracht werden, sollte der Untergrund noch einmal mit Harz benetzt werden. Die Glasstreifen von der Mitte aus andrücken
9An den Ecken werden die Streifen nicht auf Stoß gelegt, sondern die Lagen abwechselnd übereinander sortiert. Sonst entsteht eine Sollbruchstelle
10Um eine bessere Oberfläche zu erzielen und die Reparatur nach dem Aushärten gleich in Form schleifen zu können, wird noch eine Schicht Microballoons aufgespachtelt
11Anschließend wird die Naht mit Abreißgewebe abgedeckt. Es nimmt überschüssiges Harz auf und hinterlässt eine klebefreie Ober fläche, was das Schleifen erleichtert
12Das Abreißgewebe wird vorsichtig mit einem Spachtel angedrückt. Dabei immer am Ende gegenhalten, sonst kann leicht das gesamte Laminat verrutschen
MATERIAL UND KOSTEN
Der finanzielleAUFWANDfür die Sanierung hält sich in Grenzen – solange man selbst arbeitet
Die hier gezeigte Reparatur des Decks ist nicht sehr anspruchsvoll. Man benötigt lediglich Stecheisen, eine Schleifmaschine mit guter Absaugung und eine Oszillationssäge. Es sollte aber genügend Zeit eingeplant werden. Häufig treten beim Öffnen des Decks weitere Schäden zutage oder der betroffene Bereich erweist sich als größer als gedacht. Für die etwa einen Quadratmeter große Reparatur war der Bootsbauer vier Tage im Einsatz, und das, obwohl nur bis zur Grundierung gearbeitet wurde. Der Materialbedarf hielt sich dagegen in Grenzen. Epoxidharz, Glasgelege, Füllstoffe und Kernmaterialien schlugen mit etwa 600 Euro zu Buche. Passende Materialpakete stellt die Firma M. und H. von der Linden zusammen.
ENDARBEITEN
MitSPACHTELund Primer verschwinden die Narben der Operation
1Die Festigkeit des Aufbaus ist wieder hergestellt. Damit die Spuren der Reparatur verschwinden, ist noch etwas Arbeit notwendig
2Die braune Mischung aus Microballoons und Silica-Pulver lässt sich gut schleifen. Bis zur perfekten Oberfläche fallen aber noch …
3… diverse Spachtel- und Schleifgänge an. Wenn die gröbsten Unebenheiten ausgeglichen sind, folgt eine Schicht Primer
4Die Grundierung muss nach dem Anmischen der Komponenten in der Regel 10 bis 15 Minuten ruhen, bevor sie verarbeitet wird
5Das dickflüssige Material schließt kleine Poren, und auf der einfarbigen Fläche treten Unebenheiten und Lunker deutlich hervor
6Das Klebeband entfernen, solange die Grundierung noch frisch ist. Später lässt es sich nur noch mühsam abziehen
Auch wenn mit einer Schablone gut gespachtelt wurde: Schleifen bleibt eine Fleißarbeit
Feine Furchen in der Gelcoat-Schicht können entstehen, wenn das darunter liegende LaminatÜBERLASTETwird – dann sind sie mehr als ein optischer Makel. Wie man die Schadstellen dauerhaft saniert
Schönheitsfehler, ein Zeichen für geringe Bauqualität oder gar ein ernsthafter Schaden? Nicht nur Gebrauchtbootkäufer stehen bei der Beurteilung von Haarrissen vor einer schwierigen Aufgabe. Auch für Eigner stellt sich angesichts von plötzlich auftretenden, schwarzen Äderchen die Frage: Hat mein Boot ein Problem? Muss ich was tun oder gar einen Bootsbauer beauftragen?
Wie so oft gibt es auf solche Fragen keine einfache und allgemeingültige Antwort. Grundsätzlich können Haarrisse auf unterschiedliche Art und Weise entstehen. Die einfachste Erklärung ist ein leichter Schlag, wie er beispielsweise von einer fallengelassenen Winschkurbel herrührt. Bilden sich an der Einschlagstelle spinnennetzförmige Risse im Gelcoat, handelt es sich in der Regel um ein optisches Problem, bei dem nur die Polyester-Feinschicht selbst beschädigt ist. Hierfür reicht eine kleinräumige Gelcoat-Reparatur aus.
Komplizierter wird es, wenn die Risse an Kanten, Rundungen oder im Umfeld von Klampen, Relingsstützen oder Winschen auftreten. Dort sind sie zumeist ein Zeichen für Überlastung des Laminats – sprich, der Glasfaserverbund arbeitet so stark, dass die Feinschicht reißt. Sie besteht aus Polyesterharz und enthält keine Faserverstärkung. Daher ist das Gelcoat generell spröder und anfälliger als das darunter liegende Laminat. Mit der Zeit verstärkt sich das Problem: Zum einen härtet das Gelcoat nach und wird immer spröder, zum anderen kann das Laminat durch häufige Wechselbelastung mit den Jahren weich werden und noch stärker durchbiegen.
Dieser Prozess ist bei den Decks von älteren Jollen häufig zu beobachten: Die Boote sind in der Regel aus relativ dünnem Massivlaminat gebaut und entsprechend weich. Meist treten die Haarrisse dann, wie im vorliegenden Fall, der betagten Conger-Jolle, an Kanten oder Übergängen zu Unterzügen auf. Dort treffen flexible und steife Laminatbereiche aufeinander, und es entstehen besonders hohe Materialspannungen.
Bei derartigen Symptomen reicht die oberflächliche Reparatur mit Gelcoat nicht aus. Ohne die Ursachen, sprich die Bewegung des Laminats zu beseitigen, würden schon nach kurzer Zeit neue Haarrisse auftreten.
Die Sanierung beginnt mit dem Abschleifen des Gelcoats. Bei stark ausgeformten Bereichen, wie der Fußleiste im Beispiel, ist es hilfreich, zuvor eine Spachtel-Schablone aus Pappe oder dünner Hartfaserplatte abzunehmen.
Nach dem Abtragen der Feinschicht lässt sich erkennen, wie aufwendig die Reparatur wird. Wenn das Laminat unbeschädigt ist, reicht es, eine Lage 85-Gramm-Glasseide mit Epoxidharz aufzubringen. Anschließend kann die Reparaturstelle wieder in Form gespachtelt, geschliffen und lackiert werden. Sollen nur kleinere Bereiche ausgebessert werden, ist alternativ ein Neuaufbau der Gelcoat-Schicht möglich.
Wenn beim Laminieren mit Abreißgewebe gearbeitet wurde und keine glänzenden Stellen zu sehen sind, sollten auch keine Aminrückstände auftreten, die das Polyester-Gelcoat am Aushärten hindern.
In vorliegenden Fall waren die Schäden so großflächig, dass nur eine Komplettlackierung in Frage kam. Zudem setzten sich die Risse an einigen Stellen als weiße Adern im Laminat fort. Ein Zeichen dafür, dass die Struktur deutlich unterdimensioniert ist und verstärkt werden muss.
Dazu wird so tief geschliffen, bis kein Weißbruch mehr zu sehen ist. Anschließend wird das Laminat mit neuen Glasgelegen wieder auf die ursprüngliche Dicke aufgebaut. Die Vorgehensweise entspricht der Lochreparatur, wie sie auf Seite 20 zu sehen ist.
Damit ist das Deck zwar schon etwas fester als zuvor, wirklich steif lässt sich die Fläche aber erst durch zusätzliche, von unten anlaminierte Verstärkungen bekommen.
Eine der einfachsten und effizientesten Möglichkeiten dazu ist das Einbauen von Decksbalken oder Stringern in Form von vorgefertigten Schaumprofilen. Diese unter dem Namen Prisma-Beam angebotenen Verstärkungen sind bereits mit Glasfasergelege versehen und können sehr einfach zugeschnitten und anlaminiert werden.
GELCOAT ABTRAGEN
DieSCHADSTELLENmüssen komplett freigelegt werden
1Ein unschönes Bild: In den Rundungen des Vordecks und der Relingsleiste ist das Gelcoat von feinen Rissen durchzogen. Derart großflächig tritt das Problem zum Glück selten auf
2Um das Profil der Fußleiste später zu rekonstruieren, wird eine Schablone aus dünner Hartfaserplatte angefertigt. Der keilförmige Verlauf der Leiste kann durch Kippen der Schablone erreicht werden
3In diesem Fall muss das beschädigte Gelcoat großflächig bis aufs Laminat abgetragen werden. Sind die Risse lokal begrenzt, genügt es, etwa zwei Zentimeter größer zu schleifen, als der Schaden zu sehen ist
4Bei der groben Arbeit mit der Flex entstehen leicht scharfe Kanten. Sie werden per Hand rundgeschliffen, damit sich das Glasfasergewebe beim Laminieren besser anlegt und sich keine Lufteinschlüsse bilden
5Erst wenn das Gelcoat abgetragen ist, lässt sich erkennen, wie groß der Schaden ist. Hier reichen die Risse bis ins Laminat. Daher muss weitergeschliffen werden, bis kein Weißbruch mehr zu sehen ist
6Von unten gut auszumachen ist, wo das Gelcoat entfernt wurde und das Laminat durchscheint. Ebenfalls zu erkennen: Die Risse sind vornehmlich an den Übergängen zu den Unterzügen entstanden
ÜBERBRÜCKEN UND VERSTÄRKEN
Damit die Risse nicht wieder auftreten, müssen dieURSACHENbeseitigt werden
1Haarrisse sind ein Zeichen für Überlastung des spröden Gelcoats. Damit sie nicht wieder auftreten, werden die beschädigten Bereiche mit Glasgelege überbrückt. Zusammen mit Epoxidharz reicht meist schon eine Lage …
2… Glasseide mit einem Gewicht von 85 Gramm pro Quadratmeter. Erstrecken sich die Risse bis ins Laminat, muss dieses ersetzt und entsprechend mehr Glas vor bereitet werden. Die Lagen werden abgestuft
3Damit das Laminat gut klebt und nicht zu trocken gerät, sollten die geschliffenen Bereiche satt mit Epoxidharz eingestrichen werden. Oft werden beim Einziehen des Harzes weitere Risse sichtbar
4Solange es nur wenige sind, kann man auf die Klebkraft des Harzes vertrauen. Hier wird das Deck zudem von unten verstärkt und daher nur mit einer Lage Glas earbeitet. Diese wird in das Harz gelegt …
5… und mit einem Pinsel durchtränkt. Anschließend wird Abreißgewebe aufgebracht. Es lässt sich mit einem ebenfalls aus Abreißgewebe gebildeten Knäuel gut faltenfrei andrücken
6Damit das Deck nicht mehr so stark arbeitet, werden Unterzüge eingebaut. Dazu werden vorgefertigte Profile aus mit Glasfasern belegtem PU-Schaum verwendet. Diese Prisma-Beams lassen sich einfach zuschneiden
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