Dieses Buch wird dein Lernen verändern - Laura Hooymann - E-Book

Dieses Buch wird dein Lernen verändern E-Book

Laura Hooymann

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Beschreibung

Gute Noten zu bekommen ist gar nicht mal so schwer!

Du sitzt stundenlang am Schreibtisch und hast weder Lust am Lernen noch großartigen Erfolg?

Finde heraus, wie du richtig lernst, dich richtig motivierst und deine Zeit sinnvoll einteilst. Dieser Guide zeigt dir praktische Tipps und effiziente Methoden, die dein Lernen verändern und deine Noten verbessern:

• Was in unserem Gehirn beim Lernen passiert

• Warum bekannte Lernstrategien wie Highlighten und Zusammenfassen nicht funktionieren und welche Methoden dir wirklich helfen

• Wie du deine Konzentration und Motivation wirklich steigerst

• Wie du endlich aufhörst, alles aufzuschieben

› Für Schüler*innen und Studierende

› Mit Beispielen und Grafiken

Laura Hooymann hat selbst ein 1,0-Abitur gemacht und gibt seitdem als @laurinspire auf YouTube, Instagram und TikTok praktische Lerntipps und Anregungen, um produktiver und motivierter zu arbeiten. In Ihre Inhalte lässt sie nicht nur eigene Erfahrungen einfließen, sondern stets auch die neuesten wissenschaftlichen Befunde zum Thema Lernen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 183

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Vorwort

TEIL 1

Wie Lernen wirklich funktioniert

Was passiert in deinem Gehirn, wenn du lernst?

Wie tickt unser Hirn?

Wie bekommen wir Infos aus dem Langzeitgedächtnis wieder heraus?

Warum funktionieren herkömmliche Lernmethoden nicht?

Lesen und (wieder)lesen

Langes Lernen am Stück (am Tag vor der Klausur)

Zusammenfassungen schreiben

Welche Lernstrategien greifen wirklich?

Active Recall

Spaced Repetition

Interleaving

Welche Lernmythen du getrost wieder vergessen kannst

Mythos 1: Die Idee der »Lerntypen«

Mythos 2: Mehr Lernen bedeutet immer bessere Leistungen

Mythos 3: Wer schlechte Noten schreibt, ist dumm

Key-Learnings aus Kapitel 1

TEIL 2

Wie du richtig Notizen machst

Warum Notizen wichtig sein können – und wann du dir damit selbst ins Bein schießt

Clever Notizen machen – so geht’s!

Klassisch: Auf Folien mitschreiben

Die Outline-Methode

Die Cornell-Note-Taking-Methode

Mindmaps

Die SQ3R-Methode

Key-Learnings aus Kapitel 2

TEIL 3

Wie du wirklich konzentriert bleibst

Dich nicht ablenken lassen – leichter gesagt als getan

Was ist Konzentration überhaupt?

Ablenkungen – einfach allgegenwärtig

Wie du tickst, bestimmt, wie du dich am besten konzentrieren kannst

Chronotypen

Flow

Lernen bis der Kopf raucht? Nein danke – jetzt erst mal eine Pause!

Die Qualität der Pause macht’s!

Schlaf – eine besonders wichtige Form der Pause

Konzentrationsbooster: Musik

Konzentrationsprobleme tiefer gedacht

Key-Learnings aus Kapitel 3

TEIL 4

Wie du Prokrastinieren überwindest

Dich beim Prokrastinieren selbst überlisten? Das geht!

Was wirklich hinter dem Prokrastinieren steckt

Versagensangst

Perfektionismus

»Langweilige« Aufgaben

Entscheidungsmüdigkeit

Überforderung

Drei Methoden, um schneller anzufangen

Die 3 – 2-1 Methode

Die 2-Minuten-Regel

Die 5-Minuten-Regel

Key-Learnings aus Kapitel 4

TEIL 5

Wie du Motivation langfristig aufbaust (und hältst)

Motivation bedeutet in Bewegung bleiben…

So erhöhst du deine intrinsische Motivation

Freie Wahl statt »müssen«

Lernen kann Spaß machen – zumindest kannst du dafür sorgen

So erhöhst du deine extrinsische Motivation

Was Stimmung mit deiner Motivation macht

Planung und Vision – Motivationsbooster

Die Time-Blocking-Methode

Visualisierungsstrategien

Tipps, wie du deine Motivation weiter steigerst

Arbeite mit dem Hawthorne-Effekt

Fang klein an

Setze dir eigene Deadlines

Nutze das Prinzip der Verlustaversion

Hinterfrage deine Motivationsquellen

Key-Learnings aus Kapitel 5

TEIL 6

Wie du produktiver wirst und bleibst

Was ist Produktivität?

Wie kannst du deine Produktivität steigern?

Key-Learnings aus Kapitel 6

Fazit

Danksagung

Impressum

Vorwort

Weißt du, was sie dir in der Schule nicht beibringen?

Wie man eigentlich lernt. Von klein auf – vom ersten Tag in der Grundschule bis zum Tag, an dem wir unser Abschlusszeugnis in der Hand halten – werden wir mit tausenden Materialien überschwemmt, deren Inhalte wir von nun an aufzunehmen und zu behalten haben. Aber wie das eigentlich funktioniert – vor allem ohne irrsinnigen Zeitaufwand und ohne extremen Stress – das sagt einem niemand.

Viele Schüler:innen und Studierende (und vielleicht auch du) verlieren wertvolle Zeit mit ineffektivem Lernen und bekommen als Endergebnis nur Noten, mit denen sie unzufrieden sind. Frustrierend.

Vieles Lernen allein bringt den meisten nichts, weswegen sie (verständlicherweise) irgendwann den Kopf in den Sand stecken und einfach aufhören es weiter zu versuchen. Warum auch? Führt am Ende ja ohnehin nicht zum gewünschten Ergebnis.

Was aber, wenn ich dir sage, dass das auch anders gehen könnte? Dass sich, wenn wir einmal verstanden haben, wie Menschen eigentlich lernen, Methoden finden lassen, die jeder und jedem einzelnen von uns das Lernen erleichtern? Die uns bessere Noten verschaffen und Zeit sparen. Die unsere Motivation wieder nach oben bringen.

Denn diese Methoden gibt es. Ich bin auf die Suche gegangen, habe vielversprechende Techniken selbst getestet und die für mich besten in mein festes Lernrepertoire aufgenommen.

2019 habe ich mein Abitur mit einer Abschlussnote von 1,0 gemacht. Und das ohne extremen Lernaufwand und Stress. Ich konnte daneben noch viel Sport treiben, Freunde treffen, und allen anderen Hobbys nachgehen. Einfach nur, weil ich die richtigen Tools an der Hand hatte.

Seitdem helfe ich deutschlandweit anderen Schülerinnen, Schülern und Studierenden ebenfalls die für sie passende Strategien zu finden. Auf meinem YouTube-Kanal spreche ich wöchentlich über Lernmethoden, Wege, sich neu zu motivieren und Zeit in Schule und Uni zu sparen. Und immer wieder bekomme ich das Feedback: Es funktioniert! Nicht nur für mich, sondern für tausend andere auch.

Warum das so ist?

Weil diese Methoden wissenschaftlich fundiert sind. Sie entstammen jahrelanger Forschung im Bereich der kognitiven Neurowissenschaften und Psychologie und wurden in zahlreichen Studien immer und immer wieder als wirksam eingestuft.

Mein Ziel ist es, dir diese Forschung und vor allem die daraus abgeleiteten Methoden näherzubringen, damit du nach der Lektüre dieses Buches mit Leichtigkeit durch deinen Schul- oder Unialltag gehen kannst. Dafür bediene ich mich meines eigenen Wissens aus meinem Psychologiestudium, als auch einzelner konkreter Studien, die ich dir direkt vorstelle (keine Sorge, ich habe nur Spannende herausgesucht)

Also lass’ uns gleich loslegen. Lass uns dein Lernen heute noch verändern!

TEIL 1

Wie Lernen wirklich funktioniert

Was passiert in deinem Gehirn, wenn du lernst?

Um in Zukunft smart an unseren Lernprozess herangehen zu können, sollten wir uns zunächst einmal anschauen, wie dieser eigentlich genau funktioniert. Also, was ist Lernen überhaupt? Und was passiert dabei in unserem Kopf?

Werfen wir dazu im ersten Schritt einmal einen Blick auf die einzelnen Akteure, die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen: unsere Neuronen und Synapsen.

Vereinfacht gesagt ist ein Neuron eine Zelle, die Reize empfängt (also auch alle Informationen, die wir beim Lernen aufnehmen), sie verarbeitet und wiederum an andere Neuronen weitergibt. Angenommen wir lesen gerade einen Text: Dann senden einige Neuronen in unserem Gehirn die Nachricht »Augen bewegen« an wieder andere Neuronen, und diese Nachricht wandert im Anschluss über unser Nervensystem bis zu unseren Augen. Die elektrischen Signale, die von einem Neuron zum anderen übertragen werden, ermöglichen es uns also, alles in die Tat umzusetzen, was wir eben tun möchten: hören, fühlen, denken, schreiben, sprechen, malen und so weiter.1Jeder von uns besitzt ca. 86 Milliarden dieser Neuronen.2 Das ist fast das Tausendfache der Bevölkerung, die gerade in Deutschland wohnt! Die meisten dieser Neuronen sind übrigens miteinander verbunden, sodass man sich ihre Anordnung wie ein großes, verwobenes Spinnennetz vorstellen kann.

Wenn wir nun etwas Neues lernen – und zwar egal was – werden diese Verbindungen entweder neu aufgebaut oder verdichtet. Je nachdem wie viel Vorwissen wir schon zu einem bestimmten Thema haben.

Diese ziemlich beeindruckende Fähigkeit unseres Gehirns sich zu verändern, das heißt Verbindungen zwischen Neuronen zu schaffen, zu verstärken, zu schwächen oder abzubauen, nennt man Neuroplastizität.

Wichtig ist aber Folgendes: Je mehr wir etwas üben, das wir neu hinzugelernt haben, desto stärker werden die Verbindungen zwischen den Neuronen. Umgekehrt funktioniert das leider aber auch: Wenn wir aufhören etwas zu üben, schwächt sich die Verbindung zwischen unseren Neuronen ab und es wird uns damit auch schwerer fallen, das Gelernte wieder abzurufen. Deshalb ist es auch so mühsam, sich nach den Sommerferien an den bisherigen Lernstoff zu erinnern: Wir hatten in der Zwischenzeit einfach zu wenig Berührungspunkte damit, weswegen die Verbindungen zwischen den Neuronen in ihrer Intensität abgenommen haben.

So weit, so gut. Aber wie kommen wir nun von den wenig greifbaren Neuronen zu dem tatsächlichen Wissen in unserem Kopf?

Wie tickt unser Hirn?

Dafür ist es sinnvoll, einen genaueren Blick auf und in unser Gedächtnis zu werfen: Unser Gedächtnis ist ein komplexes System, das uns ermöglicht, Informationen zu speichern und abzurufen.3 Es ist wichtig für unser Lernen, unser Denken und unser Handeln. Drei Komponenten sind in diesem Zusammenhang entscheidend für unseren Lernprozess:

Den Anfang machen unsere Sinneswahrnehmungen. Wir erfassen im Klassenzimmer beispielsweise über unsere Augen, wie jemand vor uns heimlich unter dem Tisch am Handy herumspielt. Über unsere Ohren nehmen wir wahr, was der Lehrer gerade mit Worten versucht zu vermitteln. Vielleicht riechen wir (Nase), dass jemand neben uns gerade eine Mandarine schält.

Diese Wahrnehmung läuft aber in einer Geschwindigkeit ab, die es uns unmöglich macht, jeden eintreffenden Reiz gleichzeitig bewusst zu registrieren. Denn er verbleibt nur maximal 200 – 500 Millisekunden4 im sogenannten sensorischen Register (dem Ort, an dem die Sinnesreize verarbeitet werden). Das bedeutet: Wir verarbeiten zu jedem Zeitpunkt unglaublich viele Reize, können uns aber später nur an ganz spezifische erinnern. Welche das sind, bestimmt unsere Aufmerksamkeit. Fokussieren wir uns also stark auf die Worte unseres Lehrers, werden wir weniger den Duft der Mandarine wahrnehmen, und fokussieren wir mehr auf den Duft der Mandarine, werden wir weniger vom tatsächlichen Inhalt des Unterrichts wahrnehmen (und behalten).

Im nächsten Schritt gelangen die sensorischen Informationen in unser Arbeitsgedächtnis. Viele bezeichnen es vereinfacht ausgedrückt als Kurzzeitgedächtnis, allerdings passiert hier zu viel, als dass man es lediglich als kurzen Zwischenspeicher abtun könnte.

Das Arbeitsgedächtnis ist die Verbindungsstelle zwischen sensorischem Register und Langzeitgedächtnis und der zentrale Ort für Informationsverarbeitungen aller Art. Alles, was uns im aktuellen Moment präsent ist, Gedanken, Meinungen, bewusst empfundene Gefühle etc., läuft hier ab. Leider hat das Arbeitsgedächtnis aber nur eine begrenzte Speicherdauer und Kapazität. Es kann nur zwischen fünf und sieben Informationen gleichzeitig behalten5 und diese auch nur für circa 20 Sekunden6.

Danach geht eine Information entweder verloren oder sie wandert ins Langzeitgedächtnis.

Dieses wiederum hat einen unbegrenzten Speicher – sowohl zeitlich als auch hinsichtlich der Datenquantität. Wenn eine Information es also einmal ins Langzeitgedächtnis geschafft hat, kann sie so gut wie nicht mehr vergessen werden. So etwas wie »vergessen« gibt es auch streng genommen gar nicht. Informationen sind immer irgendwo gespeichert – wir können nur Schwierigkeiten haben sie abzurufen (darauf kommen wir an anderer Stelle aber noch mal zu sprechen).

Wie schafft eine Information es nun ins Langzeitgedächtnis?

Es gibt verschiedene Kriterien, die das bestimmen: Eines davon heißt Wichtigkeit. Etwas, das für uns von Relevanz ist, wird in unser Langzeitgedächtnis transferiert. Hierzu zählen Informationen, die für unsere persönliche oder akademische Entwicklung wichtig sind oder für die Bewältigung von grundlegenden Aufgaben oder Problemen.

Daneben spielen auch Emotionen eine Rolle: Inhalte, die mit Emotionen verbunden sind, schaffen es ebenfalls prioritär ins Langzeitgedächtnis. Wenn uns also etwas extrem glücklich macht, merken wir uns das eher, als wenn uns etwas total gleichgültig ist. Ähnlich verhält es sich, wenn wir Angst vor etwas haben oder wenn wir wütend oder traurig sind.

Wiederholung ist ein weiterer Faktor, der begünstigend darauf einwirkt, dass eine Information ins Langzeitgedächtnis wandert. Wie schon gesagt, dabei werden die Verbindungen zwischen den Nervenzellen gestärkt, die im Lernprozess eine zentrale Rolle spielen. Wenn unser Lehrer uns beispielsweise gerade eine Vokabel und ihre Bedeutung erklärt hat, und wir sie direkt einige Male leise für uns wiederholen, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch langfristig in unserem Gedächtnis verankert wird.

Zuletzt möchte ich noch das Thema Verknüpfung erwähnen – auch ein »Mechanismus«, den wir uns später mit Hilfe einiger spezifischer Lernmethoden noch zunutze machen werden. Was dahintersteckt? Neue Informationen, die bereits mit im Langzeitgedächtnis gespeicherten Informationen verknüpft sind, werden schneller ins Langzeitgedächtnis transferiert. Warum? Weil Informationen, die in einem Netzwerk von Informationen eingebettet sind, leichter zugänglich sind. Neuer Lernstoff wird nie isoliert gelernt. Er versucht immer, zu bereits Bekanntem dazuzustoßen. Je mehr Vorwissen wir also zu etwas haben, desto eher sind wir auch in der Lage, Wissen, das darüber hinausgeht, aufzunehmen.

Wichtig ist: Informationen, die im Langzeitgedächtnis gespeichert sind, sind zwar »sicher« (vor dem Vergessen), können uns aber nur durch ein Zurückrufen ins Arbeitsgedächtnis wieder bewusst gemacht werden. Genau dieser Prozess tritt ein, wenn wir eine Klausur schreiben und versuchen, uns an gelernte Informationen zu erinnern.

Wie bekommen wir Infos aus dem Langzeitgedächtnis wieder heraus?

Es gibt verschiedene Wege, wie Informationen aus dem Langzeitgedächtnis abgerufen werden können. Ein entscheidender Faktor ist die Art von Hinweisen oder Stichworten in der Umgebung, die wiederum aktivierend wirken.

Das allgemeine Prinzip, das der Wirksamkeit von Abrufhinweisen zugrunde liegt, ist die sogenannte Enkodierungsspezifität7, welche die Psychologen Tulving und Thomson 1973 erstmals in einer Studie nachgewiesen haben: Wenn Menschen sich an etwas erinnern, tun sie das am leichtesten, wenn die Umstände, in denen sie sich erinnern, den Umständen der Situation, in der sie etwas gelernt bzw. erlebt haben, ähneln. Nehmen wir zum Beispiel einen Song im Radio. Vielleicht haben wir ihn gehört, als wir irgendwann einmal auf einem Date waren und ein tiefgehendes Gespräch mit der jeweiligen Person führten. Das Gespräch, unsere Gefühle diesem Menschen gegenüber, Gerüche und eben auch der Song ergaben zusammengenommen eine komplexe Erfahrungseinheit. Jahre später, wir haben schon lange nicht mehr an dieses Date gedacht, hören wir plötzlich genau dieses Lied wieder im Radio, und im Handumdrehen kommt uns das ganze Erlebnis wieder in den Sinn. Genauso könnte es uns gehen, wenn wir plötzlich einem bestimmten Geruch wiederbegegnen, den wir ebenfalls während des Treffens wahrgenommen haben. Oder einem bestimmten Geschmack, den wir in dem Moment geschmeckt haben (zum Beispiel, weil wir dabei etwas Bestimmtes gegessen haben).

Generell gilt also: Je passgenauer der gegenwärtige Hinweis mit dem Erinnerungskontext übereinstimmt, desto zielgerichteter wird die Erinnerung abgerufen.

In einem berühmten Experiment der Psychologen Godden und Baddely hierzu8 mussten sich Probandinnen und Probanden eine Reihe von Wörtern in einer ungewöhnlichen Umgebung, nämlich einem Tauchbecken einprägen. Später wurde ein Teil von ihnen im Tauchbecken, der andere an einem anderen Ort auf die gelernten Wörter getestet. Die Teilnehmer:innen, die den Test an dem Ort absolvierten, an dem sie die Wörter gelernt hatten (im Tauchbecken), konnten sich tatsächlich an mehr Wörter erinnern als die Teilnehmer, die den Test in einer neuen Umgebung absolvierten. In diesem Fall lieferte der physische Kontext selbst Anhaltspunkte für die Reaktivierung des Wissens.

Wir merken uns also schon mal: Um unser Gedächtnis dabei zu unterstützen, Wissen abzurufen, kann es helfen, sich Lernstoffe in denjenigen Umgebungen einzuprägen, die den Umgebungen ähnlich sind, in denen das Wissen später getestet wird. Wenn wir also eine Klausur in einem absolut ruhigen Klassenzimmer schreiben, macht es wenig Sinn, zuhause im gemütlichen Bett mit Hintergrundmusik zu lernen.

Den Prozess der Wissensaneignung können wir außerdem bewusst mit bestimmten anderen Reizen paaren – zum Beispiel indem wir eine bestimmten Kaugummisorte kauen oder uns mit bestimmten Gerüchen umgeben – vorausgesetzt wir haben auf diese Reize auch während unserer Klausur Zugriff.

1 Blanchette Sarrasin J., Brault Foisy L.M., Allaire-Duquette G., Masson S. (2020). Understanding Your Brain to Help You Learn Better, Front. Young Minds, 8:54. DOI:10.3389/frym.2020.00054

2 www.dasgehirn.info/aktuell/frage-an-das-gehirn/wieviele-neuronen-hat-das-gehirn

3 https://flexikon.doccheck.com/de/Ged%C3%A4chtnis

4 Chen H., Liu C., Wu Z., He Y., Wang Z., Zhang H., Wan Q., Hu W., Zhang D.W., Liu M., Liu Q., Zhou P. (2019). Time-Tailoring van der Waals Heterostructures for Human Memory System Programming. Adv. Sci. 2019, 6, 1 901 072. DOI:10.1002/advs.201901072

5 Miller, G. (1955). The magical number seven, plus or minus two: Some limits on our capacity for processing information. Psychological Review Vol. 101, No. 2, 343 – 352.

6 www.pschyrembel.de/Ged%C3%A4chtnis/K08J9

7 https://lexikon.stangl.eu/7966/enkodierspezifitat

8 Godden, D. R., Baddeley, A. D. (1975). Context-dependent memory in two natural environments: on land and underwater. British Journal of Psychology, 66, 325 – 331.

Warum funktionieren herkömmliche Lernmethoden nicht?

Nachdem wir uns mit den grundsätzlichen Mechanismen vertraut gemacht haben, die erklären, was das Gehirn beim Lernen eigentlich genau macht, können wir darauf aufbauend vielleicht besser verstehen, warum wir beim Lernen bisher eventuell nicht so viel Erfolg hatten wie erwünscht. Oder anders gesagt: Warum die allermeisten Lernmethoden, die man im Internet findet, oder die einem sogar explizit in der Schule vorgelebt werden, nicht funktionieren können.

Gehen wir also einmal Schritt für Schritt einzelne populäre Lernmethoden durch und nehmen dabei immer wieder Rückbezug auf die Funktionsweise des Gehirns.

Lesen und (wieder)lesen

Wenn du lernst, indem du deine Notizen – oder auch Textbücher – immer wieder liest, in der Hoffnung, dass das Wissen irgendwann einfach »sitzt«, habe ich leider schlechte Nachrichten für dich: Damit verschwendest du massiv Zeit und wirst auf diese Weise auch nicht dein Ziel erreichen, gute Noten zu schreiben. Zumindest nicht langfristig.

Das Hauptproblem bei dieser Methode: Es entsteht lediglich eine Illusion von Wissen9. Was heißt das?

Wenn wir denselben Text wiederholt lesen, lernen wir ihn kennen. Wir gewöhnen uns daran. Nach einer Weile haben wir das Gefühl, dass wir das Ganze verstanden haben.

Wenn wir nach einiger Zeit oder gar nur ein paar Tage später dieses Wissen wieder abrufen wollen, ist es weg.

Was ist passiert?

Wir haben Informationen gelesen und verstanden und setzen dieses Verstehen gleich mit Wissen. Aber Wissen würde voraussetzen, dass wir – ohne auf den Text zu schauen – dessen Inhalt perfekt abrufen könnten. Können wir aber in der Regel nicht.

Dazu habe ich noch ein schönes Beispiel aus meinem ganz persönlichen Alltag: Immer wenn ich eine Doku zu einem bestimmten Thema schaue (beispielsweise zu Walen), bin ich danach der festen Überzeugung, alles über das behandelte Thema zu wissen. Ich bin quasi ab diesem Zeitpunkt eine echte Wal-Expertin.

Aber ist das wirklich so?

Offen gestanden, eher nein. Wenn ich am darauffolgenden Tag einer Freundin von meinen neuesten Erkenntnissen erzählen möchte, stelle ich meist fest, dass ich gar nicht so viel weiß, wie gedacht. Ich kann plötzlich gar nicht mehr abrufen, was ich mir da eigentlich genau angesehen habe. Wichtige Details der Doku sind mir plötzlich komplett entfallen. Und das obwohl ich doch so sicher war, zu einer Expertin auf diesem Gebiet geworden zu sein …

Auch die Forschung zeigt, dass es nicht dasselbe ist, jemandem bei der Ausführung einer Tätigkeit zuzuschauen, die bestimmte Fähigkeiten verlangt, als sie selbst auszuführen, genauso wie das Wiederlesen von Informationen nicht darauf vorbereitet, sie auch tatsächlich abrufen zu können, wenn man später in einer Klausur sitzt.

In einer 2013 veröffentlichten Studie der Forscher Ryals und Cleary wurde mittels funktioneller MRT (fMRT) festgestellt, dass im Gehirn zwei verschiedene Bereiche für die Verarbeitung von Vertrautheit einerseits und Erinnerung (Wissen) andererseits zuständig sind: Der Hippocampus spielt eine Rolle beim Sich-Erinnern, während die vorderen Teile der parahippocampalen Region oder des medialen Temporallappens für die Vertrautheit verantwortlich sind.10

Halten wir also fest: Die eigenen Lernmaterialien immer und immer wieder durchzugehen, ohne sie tiefer zu reflektieren, kann nicht funktionieren kann und ist früher oder später zum Scheitern verurteilt.

Langes Lernen am Stück (am Tag vor der Klausur)

Bist du jemand, der oder die von sich behauptet, nur »unter Druck« gut lernen zu können und aus diesem Grund das Lernen bis zum letzten Tag aufschiebt?

Oder denkst du vielleicht, dass eine lange Lernsession sinnvoller ist als viele kurze, weil man es dann einmal hinter sich gebracht hat?

Ich gebe zu, mit dieser Lernmethode kann man an sich Erfolg haben. Allerdings nur kurzfristig und nur, solange der Lernstoff eine gewisse Menge nicht überschreitet.

Sobald mehrere Seiten Wissen gefordert sind oder die Klausur noch mehr als 24 Stunden in der Zukunft liegt, wirst du mit diesem Ansatz vermutlich hoffnungslos scheitern. Der Grund dafür ist die sogenannte Vergessenskurve.

Diese wurde um ca. 1880 durch den deutschen Psychologen Hermann Ebbinghaus aufgestellt. Er lernte hierfür in einem Selbstversuch sinnlose Silben auswendig und maß anschließend in bestimmten Abständen das Vergessen. Dabei entstand folgende Kurve:11

Diese Kurve bildet ab, mit welch rascher Geschwindigkeit wir neu Gelerntes wieder »vergessen«. Der Begriff ist hier bewusst in Anführungszeichen gesetzt, da wir ja vorhin gelernt haben, dass es so etwas wie »Vergessen« eigentlich gar nicht gibt. Es ist eher so, dass wir keinen Zugriff mehr auf das abgespeicherte Wissen haben. Einfachheitshalber können wir, dieses Verständnis vorausgesetzt, aber gerne weiter von Vergessen sprechen.

Wie du siehst, können wir schon nach ca. 30 Minuten nur noch etwa die Hälfte des gelernten Materials wieder abrufen. Wir haben also bereits die Hälfte des Stoffs wieder vergessen, ehe die betreffende Schulstunde oder Vorlesung vorüber ist!

Nach 24 Stunden können wir nur noch 30 Prozent des neu vermittelten Stoffs wiedergeben. Würden wir zu diesem Thema jetzt eine Klausur schreiben, würden wir sie noch nicht mal mehr bestehen!

Unglaublich oder, wie rasend schnell wir wieder vergessen? Wenn wir außerdem erst 24 Stunden vor einer Klausur anfangen zu lernen und vieles vielleicht zum allerersten Mal genauer anschauen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir unsere Prüfung so richtig in den Sand setzen.

Was du dagegen tun kannst?

Den Lernstoff regelmäßig wiederholen. Damit lässt sich der Verlauf der oben gezeigten Kurve komplett verändern. Welche Zeitabstände und welche Methoden hier konkret funktionieren, besprechen wir später genauer.

Wichtig ist nur: Klassisches »Bulimie-Lernen« wird dich nicht an deine Ziele bringen.

Zusammenfassungen schreiben

Komplexe Sachverhalte auf ihren Kern herunterzubrechen und dann neu aufzuschreiben war zumindest in meiner Schulzeit die am häufigsten genutzte Lernmethode. Auch jetzt im Studium sehe ich immer wieder Kommilitoninnen und Kommilitonen, die ellenlange Exzerpte schreiben.

Man kann nicht grundsätzlich behaupten, dass diese Lernmethode nicht funktionieren kann. Es kommt aber stark darauf an, wie man seine Zusammenfassungen schreibt. Die allermeisten verstehen unter Zusammenfassungen nämlich Texte entweder wortwörtlich abzuschreiben und nur teilweise zu kürzen. Oder die Texte deutlich zu kürzen, aber dennoch keine eigenen Erklärungen zu notieren. Viele machen sich auch kaum Gedanken zu Struktur und Aufbau der Zusammenfassungen, sodass Verbindungen innerhalb des Lernstoffes nicht erkannt werden können und sich generell kein tiefes Verständnis der Thematik aufbauen kann.

All das führt dazu, dass passiv gelernt wird. Beim passiven Lernen werden Informationen aufgenommen, ohne sie tiefer zu verarbeiten.

Warum aber ist dieses Vorgehen so ineffektiv?

Da dies ein wichtiger Punkt ist, um spätere, effektive Lernmethoden besser zu verstehen, gebe ich dir hier gleich mehrere Gründe mit an die Hand:

Zunächst einmal ist passives Lernen problematisch, da es keinerlei Metakognition in den Prozess mit einbezieht. Metakognition ist die Fähigkeit, über das eigene Denken nachzudenken.12 Sie ermöglicht uns, Pläne und Strategien, die wir im Alltag (und somit auch beim Lernen) anwenden, zu überwachen und in der Folge auch anzupassen. Heißt vereinfacht gesagt: Mithilfe von Metakognition können wir schon während des Lernprozesses feststellen, ob eine bestimmte Lernmethode für uns funktioniert oder nicht.

Dafür brauchen wir aber bestimmte Anhaltspunkte. Das kann beispielsweise das Feedback einer anderen Person sein oder die testweise Bearbeitung von Übungsfragen.

Keiner dieser Check-Ups findet bei Zusammenfassungen statt. Wir könnten Stunden mit dem Schreiben von Zusammenfassungen verbringen und am Ende würden wir immer noch nicht wissen, ob wir den Lernstoff auch wirklich wieder abrufen können, wenn es darauf ankommt. Einfach, weil wir keinerlei Selbst- oder Fremdabfrage durchführen.

Und zweitens: Passives Lernen widerspricht dem Muster, wie unser Gehirn eigentlich funktioniert.

Denn was ist unsere Aufgabe in einem Test oder in einer Klausur? Genau, Lernstoff, den wir einmal aufgenommen haben, wieder abzurufen.