23,99 €
Unbeschwert leben trotz Divertikel
Etwa jeder 10. Erwachsene in Deutschland hat sie: Divertikel – sackartige Ausbuchtungen der Darmwand. Oft sind sie harmlos und werden lange nicht bemerkt. Bis sie Beschwerden bereiten. In diesem Buch erfahren Sie, wie der Arzt Divertikel erkennt, welche Medikamente helfen und wann operiert werden muss.
Was können Sie tun?
Mit der richtigen Vorbeugung können Sie Beschwerden und etwaige schlimmere Komplikationen ausbremsen. Das geht ganz einfach: Achten Sie auf die richtige Ernährung, bauen Sie mit gezielter Entspannung Stress ab, und bringen Sie Ihren Darm mit Bewegung in Schwung.
Was dürfen Sie essen?
Eine große Rolle spielt die passende Ernährung. Erfahren Sie, was Ballaststoffe und Probiotika alles bewirken. Auf Ihre Situation zugeschnittene Empfehlungen und leckere Rezepte machen es Ihnen leicht, Ihr ganz persönliches Darm-Aktiv-Programm zu starten.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 148
Veröffentlichungsjahr: 2020
Prof. Dr. med. Hans-Dieter Allescher, Anne Iburg
3. Auflage 2020
viele Menschen, bei denen eine Darmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt wurde, sind danach durch einen Befund verunsichert, der häufig vorkommt: Divertikel.
Divertikel sind eine Wohlstandserkrankung, die wesentlich auf unserer ballaststoffarmen Ernährung und den durch unsere Gesellschaft regulierten Stuhlgewohnheiten beruht. Dabei handelt es sich um blasenartige Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch die Muskelschicht des Darms hindurch. Divertikel treten mit zunehmendem Alter gehäuft auf, doch für die meisten Menschen bleiben sie symptom- und folgenlos. Trotzdem ist man als Betroffener zunächst von diesem Befund verunsichert und weiß die möglichen Konsequenzen nicht einzuschätzen. In wenigen Fällen können diese Divertikel sich entzünden; dies führt dann zu Beschwerden, die bis zu einem hochakuten Krankheitsbild fortschreiten können, das mit dem einer Blinddarmentzündung vergleichbar ist. Hier ist dann eine zügige und gezielte Therapie notwendig, um schwerwiegende Komplikationen und Schäden zu vermeiden.
Dieser aktualisierte Ratgeber informiert Sie umfassend über Möglichkeiten der Vorbeugung und über Verhaltensregeln bei Divertikeln ohne oder mit Entzündungen (Divertikulitis). Darüber hinaus gibt er wichtige Hinweise für die Abwägung der aktuellen Therapien bis hin zur Operation. Das Schwergewicht liegt dabei auf praktischen Empfehlungen, wie man mit Divertikeln gesund und dauerhaft beschwerdefrei leben kann. Da diese Empfehlungen viel mit Ihrer Ernährung zu tun haben, ist es wichtig, dass die Tipps in einem ausführlichen Rezeptteil auch als leicht nachvollziehbare Vorschläge für Ihr Frühstück, Mittag- und Abendessen aufbereitet sind.
Prof. Dr. med. Hans-Dieter Allescher
Garmisch-Partenkirchen, im April 2018
Divertikel – Für immer beschwerdefrei
Die optimale Therapie und die richtige Ernährung
Liebe Leserin, lieber Leser,
Teil I Wissen
1 Was sind Divertikel und wie entstehen sie?
1.1 Sehr viele Menschen haben Divertikel
1.2 So entstehen Divertikel
1.2.1 Erbliche Bindegewebsschwäche
1.3 So entsteht aus Divertikeln eine Divertikelkrankheit
1.3.1 Übergewicht
1.3.2 Geschwächte Immunabwehr
1.3.3 Begleiterkrankungen
1.3.4 Verhärteter Darminhalt (Kotsteine)
1.4 Diese Untersuchungen bestätigen die Diagnose
1.4.1 Beschwerden und Anamnese
1.4.2 Blutuntersuchung
1.4.3 Ultraschall und Computertomografie
1.4.4 Darmspiegelung
1.5 Warum die ärztliche Diagnose wichtig ist
Teil II Vorbeugen
2 Vorbeugende Maßnahmen
2.1 Ernährung: ballaststoffreiche Kost
2.2 Mehr Bewegung
2.2.1 Ballaststoffe und Bewegung
2.3 Probiotika
2.4 Gewichtsabnahme
2.5 Heilfasten
2.6 Entspannung – den Stress loswerden
2.7 Darmmassage
2.8 Kleinteilige, feste Nahrungsbestandteile meiden?
2.9 Vorbeugung nach einem ersten Divertikulitisschub
2.9.1 Weitere Vorbeugung nach einer Divertikeloperation
3 Tipps bei Divertikelkomplikationen
3.1 Beschwerden, Risikofaktoren und Entstehung
3.1.1 Abszesse und Fisteln
3.1.2 Divertikelblutung
3.1.3 Verengung bis zum Darmverschluss
3.1.4 Erhöhtes Darmkrebsrisiko?
3.2 Behandlung der Komplikationen
Teil III Behandlung
4 Medikamente und Operation
4.1 Im Überblick: Die Behandlung der Divertikelkrankheit
4.1.1 Leichte bis mäßiggradige Divertikulitis ohne Komplikationen
4.1.2 Schwere Divertikulitis
4.2 Medikamente
4.2.1 Antibiotika (ohne Rifaximin)
4.2.2 Rifaximin zur Behandlung und Vorbeugung
4.2.3 Mesalazin zur Behandlung und Vorbeugung
4.2.4 Probiotika zur Vorbeugung und Behandlung
4.3 Wann eine Operation erforderlich ist und wann nicht
4.3.1 Junge Patienten
4.3.2 Geschwächte Immunabwehr
4.3.3 Begleiterkrankungen
4.4 Gute Gründe für oder gegen eine Operation
4.4.1 Gründe für eine Operation
4.4.2 Gründe gegen eine Operation
4.4.3 Dringlichkeit einer Operation
4.4.4 Wissenschaftliche Studien und Analysen
4.4.5 Weitere Darmerkrankungen bei der Entscheidung berücksichtigen
4.4.6 Entscheidungsfindung
4.4.7 Der Arzt berät und empfiehlt – der Patient entscheidet
4.5 Wie die Operation verläuft
4.5.1 Vorbereitung bei der geplanten Dickdarmresektion
4.5.2 Nach der Operation
4.5.3 Kann eine Divertikeloperation Spätfolgen haben?
4.6 Die laparoskopische Operation
4.6.1 Laparoskopie – von der Diagnose zur Therapie
4.6.2 Ein schonender Eingriff
4.6.3 Ein kleiner Schnitt in die Haut
Teil IV Ernährung
5 Essen und sich dabei gut fühlen
5.1 Gibt es eine Diät bei Divertikeln?
5.1.1 Seine Gewohnheiten ändern? – Oje!
5.1.2 Der Stempel »ballaststoffreich«
5.1.3 Was bringen Ballaststoffe für Ihren Darm?
5.1.4 Brot essen – aber richtig
5.1.5 »Nicht Fleisch ist mein Gemüse!«
5.1.6 Hülsenfrüchte? – Mmmhhh, Linseneintopf!
5.1.7 Sekundäre Pflanzenstoffe
5.2 Richtig trinken!
5.2.1 Trinkkur mit sulfathaltigem Wasser
5.3 Probiotika – nur ein Werbegag?
5.3.1 Viele probiotische Bakterien sind nötig
5.3.2 Probiotische und herkömmliche Sauermilchprodukte
5.4 Optimal mit Fett versorgt!
5.4.1 Wie viel Fett ist o.k.?
5.4.2 Das richtige Kochgeschirr!
5.5 Die Top Ten der divertikelvorbeugenden Ernährung
Teil V Rezepte
6 Ballaststoffreich essen als Langzeitschutz
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
1 Was sind Divertikel und wie entstehen sie?
Wenn sich harmlose Divertikel unter bestimmten Umständen in eine Erkrankung mit empfindlichen Beschwerden verwandeln, gilt es zu handeln. Was sind die Auslöser?
Divertikel sind sackförmige Ausstülpungen der Wände eines Hohlorgans nach außen. Meistens sind sie einen halben bis wenige Zentimeter groß.
In diesem Ratgeber geht es nur um Dickdarm-Divertikel (Kolondivertikel). Grundsätzlich können Divertikel aber auch in anderen Organen, wie zum Beispiel in Speiseröhre oder Harnblase, auftreten.
Die Divertikel im Dickdarm entstehen, indem sich die innerste Schleimhautschicht durch winzige Lücken der Darmmuskelschicht hindurch nach außen zwängt. Die winzigen Muskellücken finden sich vor allem dort, wo kleine Blutgefäße zur Versorgung des Darms durch die Muskelschicht der Darmwand dringen.
Sind mehrere Divertikel vorhanden, was meistens der Fall ist, spricht der Arzt von einer Divertikulose. Bei uns Mitteleuropäern befinden sich die meisten Divertikel im letzten Abschnitt des Dickdarms vor dem Mastdarm. Dieser s-förmige Teil des Dickdarms wird auch als Colon sigmoideum oder kurz als Sigmoid bzw. Sigma bezeichnet. Er liegt im linken Unterbauch und beginnt etwa 15 bis 20 Zentimeter vom After entfernt. Divertikel können auch in anderen Teilen des Dickdarms und – ziemlich selten – auch im Dünndarm vorkommen. Einmal entstandene Divertikel können sich nicht mehr zurückbilden.
Viele Menschen haben Divertikel, die keinerlei Beschwerden verursachen. Erst wenn Divertikel zu Beschwerden oder Symptomen führen, besteht eine Divertikelkrankheit. Wenn Sie also in diesem Ratgeber das Wort »Divertikelkrankheit« lesen, geht es immer um Divertikel, die Beschwerden oder Symptome verursacht haben. (Wendungen wie »Divertikelkrankheit mit Beschwerden« oder »symptomatische Divertikelkrankheit« werden hier nicht benutzt.) In den meisten Fällen handelt es sich lediglich um eine Entzündung der Divertikel (Divertikulitis). Aus einer solchen Divertikulitis können sich in manchen Fällen Komplikationen entwickeln. Der Arzt unterscheidet daher zwischen einer unkomplizierten Divertikelkrankheit (reine Divertikulitis) und einer komplizierten Divertikelkrankheit (mit Komplikationen).
Wenn Sie Divertikel haben, können die folgenden Beschwerden auf eine Divertikelkrankheit hindeuten:
leichte, dumpfe, ziehende, mitunter auch heftige, krampfartige (kolikartige) Schmerzen im linken oder auch im ganzen Unterbauch
Druckschmerz im linken Unterbauch
anhaltende Blähungen
Verstopfung im Wechsel mit Durchfall (Stuhlunregelmäßigkeiten)
schmerzhafter Stuhldrang bei geringer Stuhlentleerung
Appetitlosigkeit
Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen
Fieber bzw. erhöhte Körpertemperatur
Beachten Sie aber bitte, dass solche Beschwerden auch zahlreiche andere Gründe haben können. Wenn sie auftreten, sollten Sie immer Ihren Arzt konsultieren.
Divertikel im Dickdarm kommen bei Frauen und Männern ähnlich häufig vor. Für Europa gilt: Bis zum Alter von 50 Jahren hat etwa jeder Fünfte bis Zehnte, von den 50- bis 60-Jährigen etwa jeder Dritte und von den älteren Menschen etwa jeder Zweite Divertikel im Dickdarm. Die Divertikelkrankheit ist im Grunde eine Alterskrankheit.
Schemazeichnung eines Dickdarmabschnitts mit Divertikeln. Divertikel zwängen sich durch winzige Lücken in der Darmmuskelschicht nach außen. Von 100 Menschen mit Divertikeln haben etwa 25 irgendwann Beschwerden und etwa acht davon erleben Komplikationen.
(Zeichnung: Holger Vanselow, Stuttgart)
In den vergangenen Jahrzehnten hat die Häufigkeit der Divertikelerkrankung in Europa zugenommen. Dieser Trend beruht zum Teil auf dem steigenden Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung. Er hat aber vermutlich auch etwas mit verändertem Ernährungs- und Bewegungsverhalten und den veränderten Stuhlgangsgewohnheiten zu tun. Denn es fällt auf, dass auch Menschen unter 45 Jahren vermehrt betroffen sind.
Wenn von Divertikeln die Rede ist, dann ist es wichtig zu unterscheiden: Divertikel im Dickdarm sind keine Krankheit, sondern nur ein Zustand, der ein Risikofaktor, z. B. für eine Entzündung, darstellt. Bei höchstens einem Viertel der Patienten mit Divertikeln führen sie zur Divertikelkrankheit.
Überwiegend ohne Beschwerden
Die gute Nachricht: Mindestens drei Viertel der Menschen mit Divertikeln bleiben zeitlebens – was die Divertikel betrifft – beschwerdefrei. Nur etwa ein Viertel entwickelt eine Divertikulitis. Und nur jeder dritte Patient mit Divertikulitis erlebt Komplikationen. Die Rechnung geht so: Von 100 Menschen mit Divertikeln haben etwa 25 irgendwann Beschwerden, und von diesen sind es wiederum etwa acht, die Komplikationen erleben. Durch die Behandlung der Beschwerden oder Komplikationen wird in den meisten Fällen wieder Beschwerdefreiheit erreicht. Sie können selbst viel dazu beitragen, Beschwerden und Komplikationen zu vermeiden. Dabei sind Ihr Lebensstil und die Ernährung entscheidend. Mit ballaststoffreichen Lebensmitteln und mehr Bewegung verringern Sie das Risiko erheblich.
Für die meisten körperlichen Veränderungen ist nicht eine einzige Ursache, sondern ein ganzes Bündel von Ursachen und Risikofaktoren verantwortlich. Das ist auch bei den Divertikeln so.
Lebensalter Da Divertikel mit steigendem Lebensalter häufiger werden, spielt das Alter offenbar eine Hauptrolle. Vermutlich wird die Darmwand mit zunehmendem Alter schwächer.
Ballaststoffarme Ernährung Statt einer ballaststoffreichen Kost mit viel Gemüse, Obst und Getreideprodukten bevorzugen heute viele Menschen eine fett- und fleischreiche Ernährung mit viel Weißbrot und »leicht verdaulichen« Fertigprodukten. Diese Form der Ernährung trägt maßgeblich zur Entstehung von Divertikeln bei. Eine ▶ ballaststoffreiche Kost führt zu einer größeren Stuhlmenge und weicheren Stuhlbeschaffenheit, was die Darmtätigkeit erleichtert. Bei mangelnder Zufuhr von Ballaststoffen entsteht dagegen eine geringere Menge an härterem Stuhl, den der Dickdarm nur mit ziemlicher Anstrengung befördern kann. Vegetarier haben übrigens seltener Divertikel als Fleischesser. Das hängt wahrscheinlich mit ihrer höheren Ballaststoffzufuhr und ihrem oft geringeren Körpergewicht zusammen.
Bewegungsmangel Körperliche Bewegung regt die Darmtätigkeit an. Daher gehört auch Bewegungsmangel zu den Risikofaktoren für die Divertikelentstehung.
Übergewicht Ein weiterer Risikofaktor für Divertikel, der mit falscher Ernährung und Bewegungsmangel eng zusammenhängt, ist Übergewicht.
Schädigung des Darmnervensystems Sie beeinträchtigt die Darmperistaltik (rhythmische Anspannung der Darmmuskulatur zur Fortbewegung des Darminhaltes), was dazu führt, dass der Darm erschlafft oder sich verkrampft. Beides erhöht die Anfälligkeit für Divertikel.
Erbanlage Dass auch eine erbliche Veranlagung für Divertikel besteht, haben Zwillings- und Familienuntersuchungen gezeigt. Bei erbgleichen eineiigen Zwillingen kommen Divertikel häufiger gemeinsam vor als bei Geschwistern mit unterschiedlicher Erbanlage. Und in bestimmten Familien treten Divertikel besonders häufig auf. Die erbliche Veranlagung hat wahrscheinlich eine große Bedeutung für die Divertikelentstehung. Dafür spricht auch das Auftreten von Divertikeln bei jüngeren Menschen, die sonst kaum Risikofaktoren haben. In einer Untersuchung war das Risiko für Dickdarmdivertikel bei den nahen Verwandten eines Divertikelträgers 25-fach erhöht!
Risikofaktoren
Diese Faktoren müssen Sie bei der Vorbeugung ganz besonders beachten, denn sie tragen zur Divertikelbildung bei:
Übergewicht
ballaststoffarme Ernährung
Darmträgheit und Verstopfung
Unterdrückung des Stuhldrangs
Bewegungsmangel
Nervenstörungen an der Darmwand
höheres Lebensalter
erbliche Veranlagung
Darmträgheit und Verstopfung Sie gehören zu den Hauptursachen von Dickdarmdivertikeln. Beim Stuhlgang steigt der Innendruck im Dickdarm durch übermäßiges Pressen auf ungesunde Werte. Bei diesem wichtigen Risikofaktor für die Divertikelbildung wirken einige der übrigen Faktoren zusammen, denn Darmträgheit und Verstopfung beruhen in erster Linie auf einer falschen, ballaststoffarmen Ernährung, einer zu geringen Trinkmenge, Bewegungsmangel und einer Störung der nervlichen Steuerung des Darms.
Was Ihr Darm leistet
Der Darm spielt eine große Rolle bei der Verdauung und beeinflusst stark unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Wie die anderen Organe, die Nahrung aufnehmen, zerkleinern, in einen Nahrungsbrei verwandeln, weiterbefördern, in ihre Bestandteile (Fette, Kohlenhydrate, Eiweißfragmente) aufspalten und schließlich in den Körper aufnehmen, gehört der Darm zum Verdauungstrakt. Der Speisebrei gelangt über die Speiseröhre in den Magen. Dort tötet die Magensäure fast alle Bakterien ab, und es beginnt die Eiweißverdauung. Der mit Magensaft durchmischte Speisebrei wird portionsweise in den Zwölffingerdarm befördert, den ersten Darmabschnitt. Dort wird er mit der Gallenflüssigkeit aus der Leber und dem Sekret der Bauchspeicheldrüse gemischt; nun beginnt die Fettverdauung. Im Dünndarm werden die Nährstoffe aufgenommen und gelangen über die Pfortader in die Leber, wo sie weiterverarbeitet werden. Im Dickdarm werden unverdauliche Nahrungsbestandteile durch Bakterien weiter aufgespalten. Zusätzlich wird im Dickdarm Flüssigkeit aufgenommen, das ist lebensnotwendig. Denn jeden Tag gelangen durch Trinken, Essen und die genannten Verdauungssäfte bis zu 10 Liter Flüssigkeit in den Darm!
Von beachtlicher Größe
Der Darm eines Erwachsenen ist rund acht Meter lang. Er vollbringt seine Leistung durch eine enorme Oberfläche von 150 bis 200 Quadratmetern. Das entspricht einem Tennisplatz. Unsere Haut als äußere Körperoberfläche hat im Vergleich dazu nur eine Fläche von 1,5 Quadratmetern. Die Oberfläche entsteht durch eine feine, aber intensive Faltenbildung und schließlich mikroskopisch kleinen Zotten, die die eigentliche Verdauungsfunktion übernehmen.
Ein Faktor für die Entstehung einer Verstopfung (Obstipation) ist, dass wir in unserer oft hektischen Gesellschaft dem natürlichen Stuhldrang nicht nachgeben können. Es ist ein angeborener Reflex (»gastrokolischer Reflex«), dass man morgens etwa 20 bis 30 Minuten nach dem Frühstück einen Stuhldrang verspürt. Häufig ist man dann aber bereits unterwegs zur Arbeit und muss den Stuhlgang unterdrücken. So »verlernen« wir den natürlichen Stimulus und dies kann zur Entwicklung einer Verstopfung (Obstipation) beitragen.
Man könnte die Divertikulose als einen Rückbildungsprozess der Darmwand (Bindegewebe, Muskulatur, Nervensystem) aufgrund einer erblichen Veranlagung verstehen. Wahrscheinlich wirkt sich diese Veranlagung vor allem auf das Bindegewebe (Kollagen, Elastin) aus, das die Darmwand fest und elastisch macht. Die erbliche Bindegewebsschwäche macht sich dann mit zunehmendem Alter unter anderem durch die Entstehung von Divertikeln bemerkbar.
Wenn so viele Menschen Divertikel haben, dann stellt sich unmittelbar die Frage, was dazu beiträgt, dass aus den symptomlosen beschwerdefreien Divertikeln eine Divertikelkrankheit wird. Grundsätzlich tragen die Faktoren, die Divertikel auslösen, auch zur Entstehung von Divertikelbeschwerden bei.
Mithilfe der beiden Muskelschichten wird der Speisebrei durch den Darm befördert.
(Zeichnung: Holger Vanselow, Stuttgart)
In einer großen Untersuchung mit etwa 7500 Männern im Alter von 47 bis 55 Jahren, die bis zu 28 Jahre lang beobachtet wurden, stieg das Risiko für eine Divertikelkrankheit mit zunehmendem Body-Mass-Index an. Bei Männern mit einem BMI über 30, also mit deutlichem Übergewicht, war das Risiko für eine Divertikelkrankheit schon mehr als viermal höher als in der Gesamtgruppe. In einer noch größeren Untersuchung wurden mehr als 47 000 Männer im Alter von 40 bis 75 Jahren über 18 Jahre lang beobachtet. Auch hier nahm das Risiko für eine Divertikelkrankheit mit steigendem BMI zu. Männer mit einem BMI über 30 hatten hier ein fast doppelt so hohes Risiko wie schlanke Männer mit einem BMI unter 21.
Der Körpermasse-Index oder Body-Mass-Index errechnet sich aus Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch die Körpergröße in Metern, zum Quadrat – oder als Formel dargestellt:
Mit einem BMI zwischen 20 und 25 liegen Sie im idealen Bereich. Ein BMI über 25 zeigt Übergewicht, ein BMI über 30 hohes Übergewicht an.
Risikofaktoren
Diese Faktoren müssen Sie als Divertikelträger besonders beachten, denn sie tragen zur Entstehung einer Divertikelkrankheit bei:
Übergewicht
schwache Immunabwehr
Medikamente, vor allem nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), Kortison, Immunsuppressiva
Begleiterkrankungen, zum Beispiel Diabetes
wenig Flüssigkeitsaufnahme
harter Stuhl
starkes Pressen beim Stuhlgang
Ein weiterer Risikofaktor für die Entstehung einer Divertikelkrankheit ist eine reduzierte Immunabwehr. Doch abgesehen von den Fällen, in denen eine krankhafte Immunschwäche (zum Beispiel durch eine HIV-Infektion oder Leukämie) oder eine durch Medikamente verursachte Immunschwäche (zum Beispiel bei Anwendung von Immunsuppressiva nach einer Organtransplantation oder bei längerfristiger Einnahme von Kortison) vorliegt, ist gar nicht so leicht zu sagen, wer eine schwache Immunabwehr hat. Für Erwachsene kann folgende Faustregel gelten: Wer mehr als drei Infekte (zum Beispiel Bronchitis oder Harnwegsinfekte) pro Jahr hat, die jeweils 3–4 Wochen dauern, bei dem könnte dies ein Hinweis für eine Abwehrschwäche sein. In diesem Fall können Krankheitserreger, die im Darm ständig vorhanden sind, leichter eine Divertikulitis auslösen.
Den Body-Mass-Index schnell ermitteln: Verbinden Sie Ihre Körperlänge auf der linken Skala und Ihr Körpergewicht auf der rechten Skala mit einem Lineal. Dann können Sie auf der mittleren Skala Ihren Wert ablesen.
(Zeichnung: Susanne Tischewski, Marburg)
Medikamente
Die Anwendung bestimmter Medikamente erhöht das Risiko für eine Divertikelerkrankung. In erster Linie sind die nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) zu nennen. Diese häufig verwendeten Schmerzmittel, wie zum Beispiel Aspirin (Acetylsalicylsäure), Ibuprofen oder Diclofenac, können die Darmschleimhaut schon ohne Divertikel schädigen. Wenn Sie Divertikel haben, sollten Sie NSAR möglichst meiden. Auch wenn diese Medikamente frei verkäuflich sind, sollten Sie zuerst mit Ihrem Arzt über die Anwendung sprechen. Die dauerhafte Anwendung von Kortison erhöht ebenfalls das Risiko für Divertikelbeschwerden. Dies gilt auch für alle anderen Medikamente, welche die Immunabwehr schwächen (Immunsuppressiva). Beachten Sie auch, dass Medikamente das Risiko für Divertikelkomplikationen erhöhen. Deshalb sollte ihr Arzt wissen, dass Sie Divertikel haben.
Wer Divertikel hat und zuckerkrank ist, hat ein erhöhtes Risiko für Divertikelbeschwerden. Dies trifft auch für andere chronische Krankheiten zu, welche die Immunabwehr schwächen. Besonders gefährdet sind Menschen mit mehreren solchen Erkrankungen.
Stark eingedickter Stuhlgang, zum Beispiel wenn man in den heißen Sommermonaten zu wenig trinkt, führt dazu, dass der Körper Wasser einspart und dazu den Stuhl eindickt. Dadurch wird der Stuhlgang hart und fest und man muss zur Entleerung stärker pressen. Das führt dazu, dass auch Kotpartikel in die sackartigen Divertikel gepresst werden und dort eine Entzündung auslösen können. Darminhalt, der in einem Divertikel liegen bleibt, austrocknet und sich zu einem sogenannten Kotstein verdichtet, kann zum Ausgangspunkt einer Entzündung werden. Solche Kotsteine können die Divertikelwand dauerhaft reizen und durch Druck schädigen, sodass Bakterien leichter eindringen und eine Entzündung verursachen können. Eine Divertikulitis kann aber auch ohne Kotsteine oder feste Nahrungsreste entstehen. Was dies für Ihre Vorbeugung bedeutet, wird im ▶ zweiten Teil ausführlich besprochen. Die Vorstellung dass unverdauliche Nahrungsbestandteile (Teile von Körnern und Nüssen) sich in den Divertikeln festsetzen können und so eine Entzündung auslösen, konnte in großen Populationsstudien nicht nachgewiesen werden. Im Gegenteil, Patienten mit Divertikeln, die reichlich Nüsse
