DMSO – Das Heilmittel der Natur - Morton Walker - E-Book

DMSO – Das Heilmittel der Natur E-Book

Morton Walker

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Beschreibung

DMSO kann auch Ihnen helfen

  • Die Wirkweise der Wundersubstanz verstehen
  • Mit Hinweisen zur richtigen Anwendung
  • Klinische Studien bestätigen die Wirksamkeit
  • Zahlreiche Fallgeschichten machen Mut
  • Umfassende Darstellung zum Stand der Forschung



Dimethylsulfoxid oder kurz DMSO ist ein häufig untersuchter und trotzdem noch wenig verstandener pharmazeutischer Wirkstoff unserer Zeit. Dabei ist die organische Substanz DMSO bereits seit 140 Jahren bekannt, aber ihr therapeutischer Nutzen wurde erst 1961 entdeckt. Nach einer großen anfänglichen Euphorie wurde DMSO in Amerika schon wenige Jahre später verboten. Obwohl DMSO wenig später rehabilitiert wurde, wurden auf Basis dieses günstigen und hochwirksamen Stoffes nur wenige Medikamente auf den Markt gebracht.

Weltweit sind seitdem zahlreiche wissenschaftliche Artikel über medizinische Anwendungen und über die chemischen Eigenschaften sowie Erfahrungsberichte publiziert worden. Darin werden Indikationen für die Anwendung gegen Schmerzen, Entzündungen, Sklerodermie und Arthritis sowie weitere Erkrankungen beschrieben. Zu der Vielzahl an positiven Eigenschaften zählen unter anderem die entzündungshemmende, abschwellende und gefäßerweiternde sowie die entgiftende, antibakterielle, antivirale und pilzhemmende Wirkung, die Linderung von akuten und chronischen Schmerzen, die Anregung des Immunsystems und die Förderung der Wundheilung. Es sind aber noch lange nicht alle Anwendungsmöglichkeiten und deren Wirkungsweisen erforscht.

DMSO steht erst am Anfang seiner großartigen Möglichkeiten. Seine Anwendungsgebiete scheinen vielfältiger als die aller anderen vergleichbaren Wirkstoffe zu sein.

DMSO kann als eigene Wirkstoffklasse bezeichnet werden. Vereint es doch die Eigenschaften von mehreren Arten an Medikamenten: Es ist ein entzündungshemmendes Schmerzmittel, ein Antibiotikum, ein Antivirostatikum, es hilft bei Pilzinfektionen und stärkt das Immunsystem, es befördert die Wundheilung und löst Vernarbungen und schmerzhafte Verklebungen des Kollagens in unseren Gelenken. Als Trägersubstanz verstärkt es die Wirksamkeit vieler anderer Medikamente und Wirkstoffe und kann als Fänger freier Radikalen bei Entzündungen und sogar bei Krebs günstig wirken.

In der richtigen Anwendung ist DMSO ein Heilmittel für sehr viele Beschwerden. Es kann der Basiswirkstoff für eine ganze Reihe neuer Medikamente für vielfältige Anwendungen werden.

Das Buch bringt endlich Klarheit und eröffnet neue Perspektiven über diesen Superstoff, der die Medizin einfach und günstig revolutionieren kann.

Das internationale Standardwerk zum Thema jetzt endlich in deutscher Sprache!

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Veröffentlichungsjahr: 2017

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1. Auflage Februar 2017 Copyright © 1993 by Dr. Morton Walker This edition published by arrangement with Avery, an imprint of Penguin Publishing Group, a division of Penguin Random House LLC. Copyright © 2017 für die deutschsprachige Ausgabe bei Kopp Verlag, Bertha-Benz-Straße 10, D-72108 Rottenburg Titel der amerikanischen Originalausgabe:DMSO – Nature's Healer Alle Rechte vorbehalten Einschließlich das Recht auf Vervielfätigung, ganz oder teilweise in jeglicher Form. Übersetzung aus dem Amerikanischen: Ingrid Proß-Gill Lektorat: Ulrich Wille Satz und Layout: Martina Kimmerle Covergestaltung: Christine Ibele ISBN E-Book 978-3-86445-428-8 eBook-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

Gerne senden wir Ihnen unser Verlagsverzeichnis Kopp Verlag Bertha-Benz-Straße 10 D-72108 Rottenburg E-Mail: [email protected] Tel.: (07472) 98 06-0 Fax: (07472) 98 06-11Unser Buchprogramm finden Sie auch im Internet unter:www.kopp-verlag.de

Widmung

Für jene einzigartige Freundin der Menschheit, Chrystyne M. Jackson, Herausgeberin der Zeitschrift Explore, die durch ihre Beratung, Vorträge, Empfehlungen und Publikationen mehr Menschen das Leben gerettet hat als die meisten Ärzte, die konventionelle medizinische Verfahren benutzen.

Dank

Mein Dank gilt dem medizinischen Berater, der mir bei der ersten Auflage dieses Buches zur Seite stand. Vor 10 Jahren organisierte Dr. med. William Campbell Douglass, der damals in Sarasota (Florida) lebte, eine dreitägige medizinische Konferenz mit Experten für Dimethylsulfoxid (DMSO). Sie kamen aus den ganzen USA sowie aus sechs anderen Ländern und brachten Spezialwissen über DMSO mit. Sie informierten sich gegenseitig über dieses Wissen, und ich war der Medizinjournalist, der all das aufzeichnete, Artikel für Zeitschriften und Fachmagazine verfasste und schließlich die erste Auflage dieses Buches schrieb. Die vorliegende zweite Auflage ist eine aktualisierte Neufassung des ursprünglich veröffentlichten Textes.

Hinweis

Die medizinischen Informationen und Verfahren, die dieses Buch enthält, sind nicht als Ersatz für Arztbesuche gedacht. Alles, was Ihre körperliche Gesundheit betrifft, sollte von einem medizinischen Fachmann überwacht werden.

Vorwort

Am Wochenende des 14. Februar 1981 hielt die American Medical Association (AMA) eine Führungskonferenz ab, bei der auch der Arzt Dr. Otis R. Bowen sprach, ein früherer Gouverneur von Indiana und führend in den Bereichen Medizin, Management und Politik. Bei seiner Präsentation vor der AMA schockierte er die Teilnehmer, denn er gab zu, dass er das Gesetz in die eigenen Hände genommen und ein nicht zugelassenes Mittel benutzt hatte, um die Schmerzen seiner Frau zu lindern, als sie im Sterben lag. Beth Bowen war am 1. Januar 1981 an einem Multiplen Myelom gestorben, einer Form von Knochenkrebs, die monatelang unerträgliche Schmerzen verursacht hatte.

Dr. Bowen, der sich damals gerade auf den Rücktritt von seinem Gouverneursamt vorbereitete, hatte Dimethylsulfoxid (DMSO) benutzt, um die Schmerzen seiner Frau zu lindern. Er hatte sich das flüssige Lösungsmittel bei einem Tierarzt besorgt und festgestellt, dass es das Leiden seiner Frau »innerhalb von Minuten«, wie er sagte, verringerte.

Die Food and Drug Administration (FDA) verbietet die Verwendung von DMSO bei Menschen, außer zur Behandlung einer seltenen Blasenkrankheit. Trotz des staatlichen Verbots tat Dr. Bowen das, was seines Wissens für seine Frau das Richtige war, und verabreichte ihr intravenös DMSO. In seiner Rede fragte er: »Weshalb können Sterbende, die von starken Schmerzen gequält werden, dieses Mittel nicht einfach auf Rezept bekommen?« Und fügte hinzu: »Ich konnte nur einen einzigen Grund dafür finden: Nach langer Benutzung hoher Dosen rief es gelegentlich einen Katarakt [eine Linsentrübung] hervor – aber nur bei Hunden.«

Schon wenn Sie in diesem Buch noch gar nicht weit gekommen sind, werden Sie wahrscheinlich ähnliche Fragen stellen wie Dr. Bowen. Es wird Ihnen nicht schwerfallen, sich mit diesen Patienten zu identifizieren, die zum Teil gezwungen waren, ihre Behandlung selbst in die Hand zu nehmen und DMSO zu verwenden.

Die Wahrheit ist, dass bei DMSO keine Toxizität für den Menschen festgestellt wurde. Die Nebenwirkungen, die es hat, sind lediglich kleine Irritationen. DMSO stoppt das Wachstum von Bakterien. Es lindert Schmerzen. Es ist ein Vasodilatator, vergrößert dadurch kleine Blutgefäße und erhöht so den Blutzufluss zu bestimmten Bereichen. Zudem macht es Narbengewebe weich und lindert Verbrennungen. Durch seine entzündungshemmende Wirkung reduziert es die mit Arthritis, Bursitis, Tendinitis und anderen Verletzungen des Bewegungsapparats verbundenen Schwellungen und Entzündungen. Und für alle, die verletzt oder krank sind, hilft es therapeutisch auf vielerlei Weise.

Ich rate Ihnen, DMSO ausschließlich unter der Überwachung durch einen erfahrenen Arzt zu verwenden, der sich mit der Verabreichung auskennt. Dabei sollte nur DMSO von pharmazeutischer Reinheit benutzt werden, nicht das rohe industrielle.

DMSO ist sowohl ein Arznei- als auch ein Lösungsmittel. In der Industrie schätzt man es, weil man damit Farben und Lacke entfernen und bestimmte Kunststoffe auflösen kann, beispielsweise Reyon, Polyvinylchlorid, Polyurethan, Methacrylat und Acryl. Baumwolle, Wolle, Nylon, Leder und Polyester greift es nicht an.

Wichtiger ist aber, dass DMSO den Zellen, Geweben und Organen des menschlichen Körpers auf einzigartige Weise guttut. Es ist das neueste Heilprinzip des 21. Jahrhunderts und nutzt den Patienten in sehr vielen, ganz unterschiedlichen Fällen. Es repräsentiert eine völlig andere Methode der Behandlung von Krankheiten – nicht wie ein gewöhnliches Arzneimittel, das nur bei einer bestimmten Erkrankung funktioniert, sondern als holistische Substanz, die die Zellfunktion im ganzen Körper wieder in den Normalzustand versetzt.

Hinter Dimethylsulfoxid liegt eine 30-jährige turbulente Geschichte. Da die Öffentlichkeit aufschrie, als die FDA es nicht zuließ, ist »DMSO« heute ein Wort, das fast alle kennen, und eine medizinisch-politische Cause célèbre. Diejenigen von uns, die es bereits seit 26–28 Jahren benutzen, hätten sich nie träumen lassen, dass es sich zu einem zentralen Punkt beim anhaltenden Kampf zwischen der Freiheit des Einzelnen und der Staatsmacht entwickeln würde.

Meine Kollegen und ich wurden kritisiert, verlacht und verspottet und von manchen medizinischen Kreisen sogar vor Gericht gezerrt, weil wir für DMSO kämpfen und es benutzen. Doch ich und meinesgleichen sind nach einer 40-jährigen Beobachtung der Denkweise des medizinischen Establishments zu dem Schluss gekommen, dass man dieses wirklich revolutionäre Behandlungsprinzip nur auf eine einzige Weise zu den Patienten bringen kann: indem man sich über die Informationsmedien an die breite Öffentlichkeit wendet. Und das ist der Zweck dieses Buches.

Den Wissenschaftlern wird mein Material zu einem großen Teil anekdotisch vorkommen, doch diese Sprache versteht die Öffentlichkeit am besten. Und manchmal sind einhundert Patientengeschichten, die ein einfühlsamer und intelligenter Arzt hört, genauso gut wie ein Doppelblindforschungsprojekt – oder sogar noch besser. Doppelblindstudien sind oft genau das, was ihr Name besagt – alle Beteiligten sind blind, und das bleibt auch so, bis man viele Jahre und Tausende von Patienten später entdeckt, dass ein bestimmtes Mittel nicht funktioniert oder einfach zu toxisch ist.

Gute aktuelle Beispiele für toxische Arzneimittel sind die Arthritismedikamente Motrin (Ibuprofen), Tolectin (Tolmetin), Nalfon (Fenoprofen) und Naprosyn (Naproxen). Alle wurden umfangreichen Doppelblindtests unterzogen. Alle sind schwache organische Säuren und hemmen die Prostaglandinsynthese – wie Aspirin. Die vier Medikamente sind auch etwa so wirksam wie Aspirin, weisen aber zwei deutliche Unterschiede auf: Sie sind toxischer als Aspirin und kosten das Zehn- bis Dreißigfache. So viel zu den Doppelblindstudien.

Unabhängig davon, ob Sie den derzeitigen Behauptungen zustimmen, werden Sie wahrscheinlich auch der Ansicht sein, dass die Ärzte ein Medikament, dessen Sicherheit nachgewiesen wurde, ungehindert benutzen dürfen sollten, wenn sie überzeugt sind, dass es ihren Patienten helfen wird. Angesichts der zahlreichen extrem starken und gefährlichen Arzneimittel, die auf dem Markt zu haben sind, ist es doch absurd, ein so effektives Produkt wie DMSO von den Regalen in den Apotheken zu verbannen.

Sicher werden sich nicht alle Behauptungen im Hinblick auf DMSO als zutreffend erweisen, doch meiner Meinung nach haben viele von ihnen das bereits getan. Und der dramatischste Verwendungszweck von DMSO ist wahrscheinlich noch gar nicht entdeckt worden.

Mit diesem Buch verfolge ich auch den Zweck, auf die unzähligen Anwendungsmöglichkeiten dieser einzigartigen Substanz hinzuweisen. Wenn DMSO erst einmal in allen US-Staaten legalisiert worden ist und auf ethische Weise für die topische, parenterale und orale Verabreichung hergestellt wird, werden die Leute nicht mehr das Produkt für Tierärzte und die unreine industrielle Form zu sich nach Hause schmuggeln müssen, um ihre arthritischen Gelenke damit bestreichen zu können.

Irgendwann wird DMSO seinen Platz im Arsenal der amerikanischen Medizin finden. Diejenigen von uns, die an diese Substanz glauben, möchten das natürlich eher früher als später erleben. Die klinische Beurteilung von DMSO begann in den USA bereits 1963, und heute, im Jahr 1992, hat die FDA die Substanz immer noch nur für eine einzige Krankheit zugelassen. Diese Situation wirft einige Grundfragen auf, denen Sie in diesem Buch immer wieder begegnen werden. Wie können wir die FDA dazu bringen, über ihren blinden Fleck hinauszublicken? Wie können wir DMSO entweder zu den Menschen bringen oder es ein für alle Mal für nutzlos erklären?

Auf diesen Seiten werden Sie sehr viele Antworten finden. DMSO braucht noch mehr öffentlichen Druck auf den Zulassungsprozess als bisher. Wir wollen, dass die Ärzte DMSO verschreiben können, ohne befürchten zu müssen, von der medizinischen Welt und von den Krankenhäusern, an denen sie arbeiten, kritisiert und gerügt zu werden. Sollte dieser Druck ausbleiben, wird wohl wenig dafür getan werden, sicherzustellen, dass allen Patienten DMSO von medizinischer Reinheit zur Verfügung steht.

Als ich dieses Buch schrieb, bin ich bei den Ärzten auf deutliche Zurückhaltung gestoßen – sie wollten nicht, dass ihre Namen im Zusammenhang mit DMSO erwähnt wurden. Sie lieferten mir oft begeisterte Berichte von ihren Erfolgen durch den Einsatz von DMSO, doch ihre Angst vor der Kritik ihrer Kollegen verhinderte, dass ich ihre Identität aufdecken durfte. Solche Berichte konnte ich somit nicht verwenden – und ihre Zahl ging in die Hunderte.

DMSO weist die größte Zahl potenzieller Verwendungszwecke auf, die je für eine einzige Chemikalie dokumentiert wurde. Ich wünsche mir, dass dieses Buch mehr von ihnen in den öffentlichen Bereich bringen wird, als bisher erlaubt ist. Zuerst sollte aber jeder begreifen, dass ich nicht sage, DMSO sei ein Wundermittel. Es ist vielmehr eine sehr wirksame und vielseitige Verbindung, die mit Erfolg auf eine Reihe gesundheitlicher Probleme zugeschnitten wurde. Ich möchte, dass es in die Hände von mehr Patienten gelangt, sodass ihre Beschwerden und Krankheiten, für die DMSO sich eignet, gelindert werden können. Ich hoffe, dass das auch in Ihren Augen ein lohnenswertes Ziel ist.

Morton Walker, Podiater

Stamford, Connecticut

1 | DMSO: Ein Schmerzmittel hat ein Problem

Im späten Frühjahr 1980 erfuhr Eva Lee Snead, damals Allgemeinärztin in San Antonio (Texas), dass ihre Freundin, die 32-jährige Psychologin Marjorie Saloman, sich einer Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) unterziehen sollte. Die Probleme mit ihren Geschlechtsorganen wurden durch eine Gebärmutterhalsstenose verursacht. Das bedeutet, dass der Gebärmutterhals an der Stelle, an der er sich zur Vagina hin öffnet, verengt war.

Die Psychologin erklärte Dr. Snead, dass ihr Gynäkologe sich mehrmals vergeblich bemüht hatte, den Gebärmutterhals zu weiten. Er hatte versucht, ihn durch Spritzen mit einem lokalen Betäubungsmittel in den unteren Quadranten zu entspannen. Diese anästhetische Methode ist gewöhnlich einfach und effektiv, hatte bei ihr aber auch nach vielen Anwendungen nicht geholfen. Schließlich musste der Gynäkologe zugeben, dass die versuchte Aufweitung des Gebärmutterhalses bei ihr keinerlei Erfolg gebracht hatte.

Für diese Patientin war die Einführung des Dilatationsinstruments so schmerzhaft gewesen, dass sie ohnmächtig geworden war. Da das Anästhetikum keine Linderung der Schmerzen brachte, entfernte der Gynäkologe das Instrument schnell wieder. All seine Bemühungen, das Problem zu beseitigen, schlugen fehl. Als nächster Schritt bot sich eine Hysterektomie (operative Entfernung der Gebärmutter) an.

Dr. Snead bat ihre Freundin, mit der Operation noch eine Woche zu warten, sofern ihr Gynäkologe seine Zustimmung dazu gab. Marjorie Saloman bat ihren Arzt dann, Dr. Snead anzurufen und ihr die medizinischen Hintergründe zu erläutern.

Dr. Snead, die bereits Erfahrungen mit der Behandlung mit DMSO (Dimethylsulfoxid) gemacht hatte, überredete ihn dann, diese Substanz mit Vitamin E zu kombinieren und auf den Gebärmutterbereich der Patientin aufzubringen. Sie wollte versuchen, das Narbengewebe und die Verklebungen zu verringern, und das kann durch DMSO gelingen.

Später schrieb Dr. Snead mir einen Brief: »Durch einen glücklichen Zufall traf ich den Gynäkologen an dem Tag, an dem wir das DMSO aufbringen wollten. Er führte die Substanz selbst ein, zusammen mit dem Vitamin E – und nach nicht einmal 5 Minuten glitt sein Instrument in den Gebärmutterhals, ohne dass die Patientin auch nur das Geringste spürte.«

Einen Monat später kontrollierte der Gynäkologe den Zustand des Gebärmutterhalses erneut und stellte fest, dass er noch immer zu eng war. Daher wiederholte er die Anwendung von DMSO und Vitamin E und konnte das Instrument für die Aufweitung des Gebärmutterhalses schon nach wenigen Minuten völlig problemlos einführen. Dieses Mal war das Verfahren ausgesprochen erfolgreich, und der Termin für die Operation wurde abgesagt.

Dr. Sneads Freundin wurde dann eine Vorrichtung eingesetzt, die dafür sorgte, dass die Wand des Zervikalkanals straff blieb. Derweil verordnete Dr. Snead ihr eine Megavitamintherapie mit hohen Nährstoffdosen, um die Gesundheit des umliegenden Gewebes wieder aufzubauen.

Einen Monat nach Einführung der Vorrichtung untersuchte der Gynäkologe die Patientin erneut und stellte fest, dass der Gebärmutterhals perfekt geweitet war. Er konnte Sonden einführen, ohne vorher DMSO oder ein Anästhetikum anzuwenden, und die Patientin verspürte keinerlei Beschwerden. Die Hysterektomie war ihr definitiv erspart geblieben.

Dr. Eva Lee Snead wurde jedoch ihre Zulassung entzogen – wegen der wiederholten Verwendung von DMSO und anderen Formen der Komplementärmedizin. Manche sprechen in diesem Zusammenhang von »Quacksalberei«, doch man könnte es durchaus als alternative Heilmethode betrachten. Der amerikanische Bundesstaat Texas ist nicht geneigt, Abweichungen vom medizinischen Mainstream zu gestatten. Und Sie werden sehen, dass die Verwendung von DMSO durch Ärzte mit Weitblick definitiv außerhalb des medizinischen Mainstreams liegt.

Dr. phil. Lorae Avery, Leiterin von The Health Center, Inc., einer Klinik für Akupunktur und Ernährung in Auburndale (Florida), brachte mir gegenüber ihr Erstaunen über die Effektivität von DMSO bei der Schmerzstillung zum Ausdruck. Wenn die Ärzte, die am Health Center arbeiteten, die Substanz äußerlich bei Patienten anwendeten, erzielten sie hervorragende Ergebnisse. Die 65-jährige Anna Goldeman beispielsweise hatte seit Jahren unter Bursitis (Schleimbeutelentzündung) in der rechten Schulter gelitten. Im November 1980 suchte sie das Health Center auf, das sie von ihrer Bursitis befreien oder die Schmerzen zumindest abschwächen sollte; mit dem Ergebnis einer Behandlung mit DMSO war sie dann sehr zufrieden.

Noch dramatischer als die Befreiung von ihren Schulterschmerzen fand die Patientin die Linderung eines Leidens, das 4 Jahre vorher begonnen hatte. Mrs. Goldeman war damals die linke Hüfte bis zur Leiste amputiert worden, und danach hatten sich »Phantomschmerzen« eingestellt. Nach Amputation eines Körperglieds oder eines Teils davon kann der Amputierte seltsame Empfindungen haben – so als wäre dieses Glied noch da. Diese Phantomschmerzen werden üblicherweise als Stumpfhalluzination betrachtet. Sie entstehen durch Nervenreizungen verschiedener Art, die zu Brennen, Kribbeln, Kitzeln oder wirklich starken Schmerzen führen. Solche Empfindungen sind bei Amputierten nicht ungewöhnlich und lassen sich nicht gut behandeln.

Nachdem die rechte Schulter von Mrs. Goldeman mit DMSO behandelt worden war, verschwanden die Phantomschmerzen mit ihren ständigen Zuckungen aus ihrer linken Leiste. Sie hatte nicht mehr das Gefühl, dass ihr linkes Bein noch da war. Jetzt konnte sie ihren Zustand besser ertragen.

Dr. Avery sagte: »Wir haben nicht versucht, die Phantomschmerzen zu behandeln; unsere Ärzte befassten sich nur mit der Bursitis. Doch die Phantomschmerzen verschwanden durch die Anwendung von DMSO an der Schulter der Patientin. Die Anwendung von DMSO an einem Körperteil führte also dazu, dass die Phantomschmerzen in einem anderen verschwanden. Sie sind seitdem auch nicht wiedergekommen.«

Als ich über 10 Jahre später bei Dr. Avery nachfragte, erfuhr ich, dass Mrs. Goldeman weiterhin sehr zufrieden war – sie wusste ja, dass DMSO zur Schmerzbeseitigung zur Verfügung stand, sollte sie es brauchen.

Dr. med. Murray Franklin aus Chicago ist außerordentlicher klinischer Professor für Medizin an der Medizinischen Fakultät der University of Illinois sowie medizinischer Leiter des Union Health Service, des größten vorausbezahlten medizinischen Programms im US-Bundesstaat Illinois. Er erhielt im Herbst 1980 eine DMSO-Lieferung und beschloss, es bei einigen Patienten auszuprobieren, bei denen nichts anderes geholfen hatte. Zu denjenigen, die von ihm mit therapeutischen Dosen äußerlich behandelt wurden, gehörte der 52-jährige Lucas Sheinholtz, der seit über einem Jahrzehnt an chronischer Polyarthritis in beiden Knien litt. Er humpelte an zwei Krücken in Dr. Franklins Bürokomplex, um dort einen anderen Arzt aufzusuchen. Er hatte bereits zahlreiche Cortisonspritzen erhalten, die sein Hausarzt ihm routinemäßig verabreicht hatte. Doch weder er selbst noch der Arzt hatten bei seiner Arthritis eine merkliche Verbesserung entdecken können.

»Ich habe dem Hausarzt des Mannes vorgeschlagen, seine beiden schmerzenden Knie mit DMSO zu bestreichen«, sagte Dr. Franklin. »Sein rechtes Knie war geschwollen, das linke nicht. Das rechte Knie fühlte sich außerdem warm an. Der Arzt des Patienten stimmte einem therapeutischen Versuch zu, und ich trug dreimal DMSO auf. Da ich nicht genau wusste, wie man die Lösung benutzen musste, ließ ich das DMSO trocknen und trug es dann immer wieder auf die Knie auf. Schon nach 15–20 Minuten hatte der Patient keine Schmerzen mehr und konnte praktisch ohne Krücken gehen.«

Dr. Franklin sagte: »Nach einer Woche kam er wieder und erzählte, dass die Schmerzen in seinem linken Knie völlig verschwunden seien. Sie waren einfach weg! In dem geschwollenen rechten Knie hatte er wieder leichte Schmerzen. Ich wendete das DMSO erneut an, und innerhalb einer Viertelstunde erhielt er das gleiche Resultat. Keine Schmerzen mehr! Seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen – ich nehme an, dass er immer noch schmerzfrei ist.«

1.1 Der neue medizinische Durchbruch bei Schmerzen

Jetzt gibt es einen neuen medizinischen Durchbruch bei Schmerzen: Dimethylsulfoxid, DMSO genannt. Es dürfte allein oder in Kombination mit anderen medizinischen Substanzen bei der Behandlung so ziemlich aller Krankheiten helfen, die wir kennen. Die Substanz, die als Nebenprodukt bei der Herstellung von Pulpe und Papier anfällt, wurde bereits von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt sicher und erfolgreich angewendet – zur Behandlung von Schwellungen, zur Linderung von Beschwerden, bei Entzündungen sowie zur Verhinderung des Wachstums und oft sogar zur Abtötung von Bakterien, Viren und Pilzen. Sie hilft bei Verbrennungen, bei Verstauchungen, blauen Flecken und bei Arthritis in den Gelenken. Sie hat effektiv bei Katarakten (Linsentrübungen), Sportverletzungen, Sklerodermie, Myasthenia gravis und Tuberkulose geholfen und sogar die geistige Retardation beim Down-Syndrom verringert.

Krebs scheint ebenfalls gut auf DMSO anzusprechen. Am Mount Sinai Hospital in New York City konnte Dr. med. Charlotte Friend kanzeröse Zellen im Reagenzglas in harmlose normale Zellen verwandeln, indem sie sie mit den DMSO-Lösungen in Kontakt brachte. Die Forschung zur Wirkung von DMSO bei Krebs geht also weiter.

Im November 1988 berichtete das Journal of Clinical Oncology, zwanzig Krebspatienten mit einer Anthracyclin-Paravasation ins Gewebe (schädliche Ausscheidungen der toxischen chemotherapeutischen Substanz Anthracyclin auf die Haut des Patienten, die kanzeröse Geschwüre bilden können) seien bei einer einarmigen Pilotstudie mit topisch angewendetem 99-prozentigem Dimethylsulfoxid behandelt und dann 3 Monate lang durch regelmäßige Untersuchungen und Fotos überwacht worden. Das DMSO wurde auf einen Bereich angewendet, der etwa doppelt so groß war wie der von der Paravasation betroffene, und man ließ es dann an der Luft trocknen. Das wiederholte man 14 Tage lang alle 6 Stunden. Zu den anfänglichen Anzeichen der Paravasation gehörten Schwellungen, Rötungen und Schmerzen. Der mittlere Schädigungsbereich dieser Patienten auf der Haut lag bei 8,25 Quadratzentimetern, und zwischen der Paravasation und dem Aufbringen des DMSO vergingen im Durchschnitt 25 Minuten.

Bei keinem der Patienten entwickelte sich die Paravasation zu einem Geschwür weiter; ebenso wenig war ein operativer Eingriff erforderlich; dabei ist das bei diesem toxischen chemotherapeutischen Mittel gegen Krebs sonst üblich. Die Verfasser des Berichts vermerken mit 95-prozentiger Sicherheit, dass es ohne die Behandlung bei mindestens 17 Prozent dieser Patienten zur Ulzeration gekommen wäre. Sie schreiben weiter, dass es bei der Hälfte der Patienten nach 3 Monaten keine Anzeichen für Restschäden gab, bei zehn allerdings ein verhärteter pigmentierter Bereich zurückblieb. Zu den einzigen Nebenwirkungen des Dimethylsulfoxids gehörte ein Gefühl des Brennens an der behandelten Stelle, das in der Folge mit Jucken, Rötung und schwacher Abschuppung einherging. Bei vier Patienten traten leichte Blasen auf, und sechs berichteten von einem charakteristischen Atemgeruch, der an Austern erinnerte. Die Onkologen kamen zu dem Schluss, dass topisch angewendetes DMSO eine ungefährliche und effektive Behandlungsweise für die mit Krebs im Zusammenhang stehende Paravasation von Anthracyclin ist. 1› Hinweis

DMSO kann auch die Entstehung von Narbengewebe verhindern oder welches, das sich bereits gebildet hat, auflösen. Die Kontraktion des Narbengewebes, das gewöhnlich nach einer Brandwunde auftritt, bleibt aus.

Chilenische Ärzte haben ihre Ergebnisse bei der Verwendung von DMSO veröffentlicht; sie deuten darauf hin, dass es das Auftreten von Herzanfällen und Angina-pectoris-Schmerzen reduziert. Nach Tierexperimenten kam man zu dem Schluss, dass es Schäden am Herzmuskel verhindert. Wie bei Schlaganfällen kann DMSO auch bei Herzinfarkten ein Lebensretter sein, wenn es früh angewendet wird. Dazu wird ebenfalls weitergeforscht.

In Chile durchgeführte Studien zeigen auch, dass DMSO die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann. Es transportiert Mittel, die gegen bestimmte Geisteskrankheiten wirken, direkt ins Gehirn.

Bringt man DMSO in die Nasenlöcher ein, kann es verstopfte Nebenhöhlen innerhalb von Minuten öffnen.

Es transportiert Antibiotika zur Abschwächung von Infektionen direkt ins Mittelohr. Auch gegen Viren wirkt es so und verringert die Symptome von Herpes Zoster (Gürtelrose) und Herpes simplex (Fieberbläschen). Durch den Transport mit DMSO werden den Viren antivirale Substanzen entgegengesetzt. Und die durch sexuellen Kontakt übertragbare Krankheit Herpes II wird durch die direkte Anwendung von DMSO auf die Genitalien stark gelindert.

Zahnärzte in Polen konnten durch die Auftragung von DMSO auf die betroffenen Bereiche Zahnfleischentzündungen beseitigen und den Zahnverfall und die damit verbundenen Schmerzen verringern. Einige Pioniere unter den Zahnärzten lassen es nach Extraktionen in die leeren Zahnalveolen fallen, vor allem bei den Weisheitszähnen. Es stoppt die Schwellung nach dem Ziehen.

In einem Aufsatz, der 1987 in Russland erschien, wurde die Behandlung von Patienten mit generalisierten Entzündungen des Zahnhalteapparats (Periodontitis) mit Indometacin in einer DMSO-Suspension beschrieben. Periodontitis ist eine Erkrankung der Strukturen, die die Zähne stützen – Zahnfleisch, Periodontalmembran und Zahndamm. Die Bakterien auf den Überresten von Nahrung, die sich an den Rändern des Zahnfleischs sammeln, verursachen die Entstehung von Plaque, die schließlich harte Ablagerungen bildet, den Zahnstein. Sie sammeln sich in den Spalten zwischen dem Zahnfleisch und der Zahnoberfläche, die sich dadurch abnorm vergrößern und Zahnfleischtaschen bilden. Das ist ein Frühstadium der Erkrankung des Zahnhalteapparats.

Bei einer chronischen Zahnfleischentzündung (Gingivitis) ist das Zahnfleisch geschwollen und blutet leicht. In den Zahnfleischtaschen sammelt sich Zahnstein an, was zum Bluten und zur Ulzeration führt. Ohne zahnärztliche Behandlung breitet die Plaque sich auf die tiefer liegende Periodontalmembran und den Zahndamm aus, die dann zerstört werden. In diesem Stadium der chronischen Erkrankung des Zahnhalteapparats lockern sich die Zähne und fallen schließlich aus.

Beim Menschen ist Periodontitis ab dem mittleren Alter die Haupt-ursache für den Verlust von Zähnen. Sie entsteht durch schlechte Mundhygiene sowie durch schlecht sitzende Prothesen und schlecht ausgeführte Kronen und Plomben. In den frühen Stadien wird die Krankheit durch die Entfernung des Zahnsteins und durch Polieren zur Entfernung der Plaque in Kombination mit sorgfältiger Mundhygiene behandelt. Im fortgeschrittenen Stadium entfernt man die Zahnfleischtaschen chirurgisch durch eine Gingivektomie.

Heute behandelt man die Erkrankung des Zahnhalteapparats mit einer Kombination von DMSO und Indometacin. Letzteres ist ein entzündungshemmendes Mittel, das auch gegen Fieber und Schmerzen wirkt, aber keine Corticosteroide enthält. Wie bei manchen anderen entzündungshemmenden Substanzen ist sein Wirkmechanismus nicht bekannt. 2› Hinweis

Schon vor dieser russischen Veröffentlichung wurde aus Bulgarien über klinische Ergebnisse bei der Behandlung einer hämorrhagischen Periodontitisform berichtet. Die Klinikärzte verwendeten einen komplexen Kräuterextrakt und 15-prozentiges DMSO, um ihre Patienten von der Erkrankung ihres Zahnhalteapparats zu heilen. 3› Hinweis

Amerikanische Podiater haben herausgefunden, dass sich schmerzhafte Hühneraugen, Hornschwielen, eingewachsene Zehennägel, Hammerzehen, Fersensporne und sogar die Entzündung gichtiger großer Zehen mit DMSO effektiv behandeln lassen. DMSO scheint die durch die Gicht verursachten Schmerzen schon nach der Anwendung über 7 Tage abzuschwächen.

Entzündungen wie die durch das Eindringen von Viren verursachte Bindehautentzündung verschwinden schon nach wenigen DMSO-Anwendungen.

Das alles geschieht auf eine Weise, die die Medizinwissenschaftler noch nicht ganz verstehen. Sie wissen einfach noch nicht, wie DMSO tatsächlich funktioniert. Vor allem deshalb wurde DMSO von der amerikanischen Gesundheitsbehörde United States Food and Drug Administration (FDA) beim Menschen bisher nur für die Behandlung der interstitiellen Blasenentzündung zugelassen, einer Erkrankung, die zur Vernarbung und allmählichen Schrumpfung der Blase führt.

Dr. Bruce H. Stewart von der Cleveland Clinic Foundation und Dr. Sheridan Shirley von der University of Alabama behandelten 213 Patienten mit DMSO und stellten fest, dass die Blasenentzündung sich dadurch schnell heilen ließ, obwohl die Patienten auf die traditionelle Behandlung nicht angesprochen hatten. Vor dem Erfolg von DMSO wurde bei den Betroffenen – die unter Harndrang litten, der alle 10 Minuten auftrat – entweder eine große Blasenoperation durchgeführt, oder das Organ wurde vollständig entfernt.

Im Gegensatz zu den Kriterien, die für den Einsatz von DMSO bei anderen Krankheiten festgelegt wurden, hielt man sich bei den Studien zu DMSO bei interstitieller Blasenentzündung an elementare Regeln. Die Patienten waren krank, erlebten keine Spontanheilung – bei ihnen hatte keine der bisherigen Behandlungsformen gewirkt. Dann bekamen sie DMSO, und es trat eine merkliche Besserung ein. DMSO hatte die Gesundheitsprobleme der Patienten beseitigt und wurde von der FDA daraufhin für die Anwendung bei Blasenerkrankungen zugelassen – aber eben nur bei der interstitiellen Blasenentzündung.

1.2 Die Einwände der FDA gegen andere Anwendungen von DMSO

»Aus Sicht der FDA ist das Grundproblem die Qualität der wissenschaftlichen Informationen, die zur Stützung der verschiedenen Behauptungen, die im Hinblick auf DMSO aufgestellt werden, zur Verfügung stehen.« Das sagte Dr. J. Richard Crout, der Leiter der FDA-Abteilung für Arzneimittel, am 24. März 1980 bei einer Anhörung bei der 96. Tagung vor dem House Select Committee on Aging (Sonderausschuss zum Thema Altern).

Dr. Crout sagte weiter: »Ich möchte klarstellen, dass die Food and Drug Administration DMSO für die Indikation zugelassen hat, für die Beweise vorliegen, die dem in den Statuten festgelegten Standard entsprechen. Wir sind bereit, es auch für alle anderen Indikationen zuzulassen, wenn uns Beweise dafür vorgelegt werden, dass es den in den Statuten festgelegten Standard erfüllt.«

Kurz gesagt: DMSO kann zugelassen werden, wenn die klinischen Forscher ausreichende Beweise für seine Wirksamkeit vorlegen und der FDA gut kontrollierte Studien präsentieren. Die »Möglichkeit«, dass DMSO dem gegenwärtigen Statut zufolge wirksam sein könnte, reicht einfach nicht. Das Einzige, was der Zulassung von DMSO für weitere Indikationen durch die FDA im Weg stand, war Dr. Crout zufolge also die Verfügbarkeit von gut kontrollierten Studien, die dem in den Statuten festgelegten Standard entsprachen. Hier besteht ein Grundkonflikt zwischen der Qualität der verfügbaren wissenschaftlichen Beweise und dem in den Statuten festgelegten Standard für Zulassungen.

Diese fundamentale Konfrontation lässt sich am besten anhand des Antrags für die Zulassung eines neuen Medikaments (NDA) veranschaulichen, den die Research Industries Corporation 1978 einreichte. Das in Salt Lake City (Utah) ansässige Unternehmen ist der Hauptproduzent von Rimso-50, 50-prozentigem DMSO von humanmedizinischer Reinheit. Es wollte den Anwendungsbereich seines Produkts erweitern und es für die symptomatische Bekämpfung der Schmerzen und der Ulzeration in den Fingern von Sklerodermiepatienten vermarkten. Sklerodermie ist eine seltene Kollagenstörung, die dazu führt, dass die Haut sich infolge der Schwellung von fibrösem Gewebe verdickt. Sie befällt vor allem die Hände, wo sie besonders Geschwüre an den Fingern verursacht, seltener aber auch andere Gewebe im Körper. Nach eingehender Überprüfung durch die FDA-Abteilung für Arzneimittel und ihr Arthritis Advisory Committee wurde der Antrag von Research Industries abgelehnt – mit der Begründung, die verfügbaren klinischen Studien würden noch nicht zeigen, dass DMSO bei Sklerodermie wirken würde. Die damaligen wissenschaftlichen Untersuchungsverfahren mit Doppel- oder Einfachblindstudien schienen für die Beurteilung der Wirksamkeit von DMSO in diesem Fall nicht auszureichen.

Research Industries stützte sich bei seinem Antrag vor allem auf eine bestimmte Studie, durch die man die Wirksamkeit von DMSO bei Sklerodermie beweisen wollte. Dabei hatte jeder Teilnehmer eine Hand in eine DMSO-Lösung getaucht. Die nicht behandelte Hand wurde zur Kontrolle ebenfalls beobachtet. An beiden Händen befanden sich auf der Haut der Finger Ulzerationen, und die Forscher nahmen an, dass sich die Wirksamkeit von DMSO bei der Behandlung von Sklerodermiegeschwüren bei der weiteren Entwicklung der beiden Hände deutlich zeigen würde.

Dr. Crout beschrieb, was dann geschah: »Bei vielen Patienten kam es bei der Heilung der Ulzerationen an den Fingern zu einer generellen Verbesserung, die bei einigen sogar sehr ausgeprägt war. Interessanterweise kam es bei diesen Sklerodermiepatienten aber an beiden Händen zu dieser Verbesserung – sowohl bei den behandelten als auch bei den nicht behandelten Händen zeigte sich eine Tendenz zur Heilung.«

DMSO unterscheidet sich aber dadurch von allen anderen bekannten medizinischen Substanzen, dass es leicht in den Körper absorbiert wird. Wenn Sie irgendwo auf Ihrem Oberkörper einen Bereich von der Größe eines Zwei-Euro-Stücks damit bestreichen, können Sie es schon nach 30 Sekunden auf Ihrer Zungenspitze schmecken. So schnell dringt es durch die Haut und ins Blut.

Research Industries argumentierte damit, dass bei den betroffenen Patienten beide Hände geheilt seien, weil das DMSO bei der Kontrollhand genauso gut funktioniert habe wie bei der behandelten. Das habe das DMSO schlicht und einfach erreicht, indem es über das Blut dorthin gelangt sei. Die Absorption der Substanz in den Körper von der behandelten Hand aus sei aufgrund ihrer einzigartigen Penetrationskraft unvermeidlich gewesen. Die aktuellen Techniken, bei denen die heutige wissenschaftliche Methode benutzt wird, könnten bei der Untersuchung von DMSO nicht angewendet werden.

Dr. Crout sagte: »Unsere Leute und der Beratungsausschuss waren im Gegenteil der Ansicht, die Besserung bei der unbehandelten Hand würde stark darauf hindeuten, dass die generelle Besserungstendenz bei der gesamten Studie einem nicht spezifischen Effekt von DMSO zuzuschreiben sei. Alle waren sich darin einig, die Studie würde zeigen, dass DMSO wirksam sein könnte, doch nur wenige hatten den Eindruck, die Studie hätte den gewünschten Beweis erbracht.«

Der Leiter der FDA sagte weiter: »Da der in den Statuten festgelegte Standard für die Zulassung eines Medikaments substanzielle Beweise für dessen Wirksamkeit verlangt, die durch gut kontrollierte Studien belegt werden muss und nicht einfach nur die Möglichkeit seiner Wirksamkeit, können wir DMSO derzeit nicht für diese Indikation zulassen.«

Damit ein neues Medikament durch die FDA zugelassen werden kann, muss es dem Gesetz für Nahrungsmittel, Medikamente und Kosmetika entsprechen, laut dem der Standard für die Wirksamkeit »substanzielle Beweise« sind. Das bedeutet, dass die Beweise aus kontrollierten klinischen Untersuchungen stammen müssen, die von Fachleuten durchgeführt wurden, die durch eine wissenschaftliche Ausbildung und ihre Erfahrung dafür qualifiziert sind, die Wirksamkeit von Medikamenten zu beurteilen.

Dr. Crout erklärte, die in den vergangenen 18 Jahren bei der FDA eingereichten Anträge für DMSO als neues Medikament im Untersuchungsstadium (IND-Anträge, von »Investigational New Drug«) hätten Mängel aufgewiesen. Sie seien nicht zu wissenschaftlich gestalteten Studien zusammengestellt worden. Sie hätten sich nicht an die Disziplin gehalten, die Forschungen verlangten. Alle Anträge für neue Medikamente im Untersuchungsstadium müssten ein Standardverfahren der FDA durchlaufen, um gebilligt werden zu können. Die bisherigen IND-Anträge, die drei Pharmafirmen von nationalem Ruf eingereicht hätten, seien schlecht vorbereitet gewesen, und die Unternehmen seien nicht in der Lage gewesen, der FDA einen IND-Antrag vorzulegen, der angemessene Beweise für den Nutzen der Verwendung von DMSO beinhaltet hätte. Das sagte er, obwohl die drei Pharmafirmen vorher erfolgreich Anträge für andere Medikamente eingereicht hatten.

1.3 Die Mängel beim Verfahren der FDA

Natürlich waren die Pharmafirmen anderer Ansicht. Und der Mitentdecker der therapeutischen Eigenschaften von DMSO definitiv auch: Dr. Stanley W. Jacob, außerordentlicher Professor für Chirurgie an der Medizinischen Fakultät der University of Oregon, war der Ansicht, dass der Beratungsausschuss, der sich gegen die Zulassung von DMSO durch die FDA ausgesprochen hatte, dieser Substanz gegenüber eine negative Einstellung hatte. Er sagte vor dem House Committee on Aging: »Ich bin der festen Überzeugung, dass die FDA DMSO nicht gerecht behandelt.«

Die DMSO-Forscher, die fallweise mit Patienten arbeiteten, wiesen darauf hin, dass der Beratungsausschuss der FDA DMSO gegenüber Vorurteile habe. Keines seiner Mitglieder habe DMSO selbst als therapeutisches Tool benutzt. Und das gab Dr. Crout auch zu.

Claude Pepper, ehemaliger Vorsitzender des House Select Committee on Aging, war geneigt, der Analyse von Dr. Jacob zuzustimmen. Der Kongressabgeordnete sagte zu Dr. Crout: »Wenn es ein Medikament gibt, das ein enormes Potenzial dafür hat, den Menschen zu helfen, und das Ihnen von drei Pharmaunternehmen ans Herz gelegt wird, die offensichtlich der Ansicht sind, dass dieses Medikament so ein enormes Potenzial hat – dann würde ich annehmen, dass Sie unbedingt wissen wollten, ob sich das rechtfertigen ließe. Dass Sie zudem nach zufriedenstellenden Beweisen suchen würden, die sich mit Ihrem Gewissen und Ihrem Urteil darüber vereinbaren ließen, dass dieses Produkt vielen Menschen helfen und auf den Markt gebracht werden könnte.«

Er sagte weiter: »Die Öffentlichkeit – und ich muss sagen, dass ich diese Ansicht bisher teile – hat den Eindruck, dass Ihre Institution in ihrem Bemühen, vorsichtig zu sein und zu verhindern, dass auch nur ein einziger Mensch Schaden erleidet, vielleicht vielen Menschen Hilfe verweigert hat, aus Angst davor, dass sie geschädigt werden könnten, wenn Sie diese Substanz so zulassen würden, wie sie vorgestellt wurde; dass Sie eine negative Einstellung haben und ihnen nicht auf informelle Weise sagen, was bei ihrem Antrag nicht in Ordnung ist, sodass sie versuchen können, ihn und andere derartige Anträge zu verbessern; dass Ihnen nichts daran liegt, dass die Benutzer in diesem Land, die von DMSO profitieren könnten, einen Vorteil aus ihm ziehen können.«

»Sie sagen: ›Es ist nicht unsere Schuld, wenn diese Leute sich nicht an die Formalien halten können! Das ist das Gesetz, das haben nicht wir zu verantworten. Dann müssen sie sich eben einen besseren Anwalt oder irgendjemand anderen besorgen. Wir führen hier nicht Regie. Wir versuchen nur, die Interessen der Öffentlichkeit zu schützen.‹«

»Sind Sie sicher, dass es keine Rechtfertigung gegenüber der Öffentlichkeit gibt, nicht einmal gegenüber den Kongressabgeordneten, die von Ihrer Einstellung gegenüber Ihren Pflichten diesen Eindruck haben?«, fragte Pepper. »Sind Sie sicher, dass diese Angst keine Grundlage hat?«

Dr. Crout schloss diese Möglichkeit aus und deutete an, die Schwierigkeiten von DMSO seien darauf zurückzuführen, weil es so unorthodox sei. Für ein neues Medikament sei es viel einfacher, zugelassen zu werden, wenn es etwas ähnle, das bereits auf dem Markt sei – beispielsweise für ein neues Antibiotikum oder Psychosedativum, das ein bereits existierendes Mittel nachahme.

DMSO ist eine Substanz, die der medizinischen Wissenschaft völlig fremd ist. Es hat eine neuartige Funktionsweise, die man im Kontext der heutigen Heilkonzepte nicht verstehen kann. Dabei handelt es sich um ein ganz neues Prinzip, das die Therapeutik revolutionieren könnte, sobald es genauer untersucht worden ist. Im Augenblick befasst man sich jedoch nicht in Übereinstimmung mit den Standardverfahren (Doppel- oder Einfachblindstudien), die bei der wissenschaftlichen Methode üblicherweise benutzt werden, mit DMSO. Das ist das derzeitige Problem. Und es stellt die Welt der Medizin schon vor ein Rätsel, seit erstmals entdeckt wurde, dass DMSO einen therapeutischen Nutzen hat und menschliche Verletzungen und Krankheiten heilen kann.

Die Existenz dieses neuen entzündungshemmenden Schmerzmittels wirft Fragen auf: Wie kann man mit Sicherheit ermitteln, in welchem Ausmaß DMSO bei den zahlreichen und so unterschiedlichen Erkrankungen hilft, von denen Kliniker, die es mit Erfolg benutzt haben, in der medizinischen Literatur berichten? Können wir die Zwickmühle beseitigen, die es einer staatlichen Institution ermöglicht, die generelle Nutzung dieses Medikaments zu verhindern, weil die bisher vorliegenden Forschungsstudien nicht den Vorschriften entsprechen, die eben dieser Staat zum Schutz seiner Bürger aufgestellt hat? Gibt es bei DMSO schon länger eine Kontroverse zwischen den Ärzten mit Pioniergeist und den konservativen medizinischen Bürokraten, weil keine der beiden Gruppen wirklich versteht, wie weit diese Substanz von den bekannten Heilprinzipien abweicht? Muss DMSO umstritten bleiben?

2 | Die kontroverse Geschichte von DMSO

Am 10. November 1980 betraten zwei Mitarbeiter der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) das Büro von Dr. Stanley Jacob am Health Sciences Center der University of Oregon. Sie waren auf der Suche nach Forschungsberichten über eventuelle Schäden bei menschlichen Augen durch die Anwendung von DMSO. Sie hatten einen amtlichen Durchsuchungsbefehl, der von einem Bundesrichter unterzeichnet war, und wollten die Akten von Dr. Jacob durchwühlen und mitnehmen.

Trotz des Durchsuchungsbefehls wurde William Zuber und Dr. Alan B. Lisook von der FDA der Zugang zu allen Akten von Dr. Jacob verwehrt. Stattdessen ging der Anwalt von Dr. Jacob, Jay Geller, vor einem Bundesgericht Punkt für Punkt auf den Durchsuchungsbefehl ein. Er sagte, derartige Berichte gebe es gar nicht, und sollten sie doch existieren, befänden sie sich nicht im Besitz von Dr. Jacob.

Geller setzte hinzu, manche der geforderten Dokumente enthielten vertrauliche Informationen über Patienten und dürften selbst bei Vorliegen eines Gerichtsbeschlusses nicht ohne die Zustimmung der Patienten herausgegeben werden. Zuber und Lisook konnten bei Dr. Jacob nur ein einziges Dokument mitnehmen: ein zweiseitiges Memo zu DMSO und seiner legalen Verwendung bei der Behandlung von interstitieller Blasenentzündung. Ansonsten bekamen sie auf ihre Fragen keine Antwort. Zuber räumte ein, dass er gar nicht dazu berechtigt war, den Arzt zu befragen, da das Gesetz zu Nahrungsmitteln, Medikamenten und Kosmetika (Food, Drug and Cosmetics Act) der FDA »keinen Zugang zu Menschen, sondern nur zu Dingen« erlaube.

Als Lisook Geller fragte, ob die Berichte sich irgendwann im Besitz von Dr. Jacob befunden hätten, versicherte Geller ihm und seinem Kollegen, dass das nicht der Fall gewesen sei und dass seit der Ausstellung des Durchsuchungsbefehls keine Dokumente aus dem Büro des Arztes entfernt worden seien. Zuber und Lisook beendeten das Gespräch, weil sie glaubten, keine Informationen über die Dinge bekommen zu können, »um die es bei diesem Durchsuchungsbefehl« ging.

Geller beschuldigte die FDA dann der Belästigung von Dr. Jacob. Viele der in dem Durchsuchungsbefehl geforderten Informationen lägen ihr aufgrund von früheren Anhörungen bereits vor.

Dr. Jacob sagte, es gebe keine Beweise für durch DMSO hervorgerufene Schäden an den Augen von Menschen. »Die Behauptungen, es habe eine versteckte Toxizität«, seien falsch. 4› Hinweis

Solche Kontroversen, die größtenteils vor Gericht ausgefochten wurden, haben das rätselhafte Schmerzmittel Dimethylsulfoxid generell begleitet. Aufgrund seiner aufregenden biologischen und medizinischen Verwendungsmöglichkeiten ist es eines der am stärksten umstrittenen Medikamente unserer Zeit geworden. Nach seiner Entdeckung schlummerte es fast 100 Jahre lang. Dann brach es inmitten von Streit, Zwietracht, Klagen und Gegenklagen über die medizinische Szene herein – und es kam buchstäblich zu einem Krieg mit Worten, bei dem jede Seite versuchte, die andere von der Wahrheit zu überzeugen.

Der Verlierer bei dieser ganzen Auseinandersetzung zwischen den Ärzten ist der medizinische Verbraucher. Wenn es um DMSO geht, haben die Patienten offenbar keinen Beistand. Das Wohl der Menschen spielt keine Rolle mehr. Die Fakten sind immer noch nicht mit Sicherheit ermittelt worden; die Kranken bekommen keine Hilfe dabei, die klügsten Entscheidungen selbst für sich zu treffen. Die Mitarbeiter im Gesundheitswesen und die medizinischen Bürokraten scheinen dabei zu versagen, ihrer Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit nachzukommen.

2.1 Quelle und Ursprung von Dimethylsulfoxid

DMSO wurde 1866 erstmals von dem russischen Wissenschaftler Alexander Saizew in Kasan in Zentralrussland an der Wolga synthetisiert. Er stellte fest, dass die Substanz farblos war, knoblauchartig roch, sich bei Berührung ölig anfühlte, wie Erdöl aussah, wenn man sie aus dem Reagenzglas goss, und einen Nachgeschmack hinterließ, der an Austern erinnerte. Dr. Saizew und andere Chemiker fanden DMSO interessant, weil es sich im Labor mit fast allen Chemikalien kombinieren ließ, die sie ihm zusetzten. Es eignete sich hervorragend als Lösungsmittel und auch gut als Entfetter, Farbverdünner und Frostschutzmittel. Rund 80 Jahre lang gab es nur eine einzige Publikation über DMSO: einen Aufsatz, den Dr. Saizew bei einer kaum bekannten deutschen Chemiezeitschrift eingereicht hatte, die ihn 1867 abdruckte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zeigten die Chemiker allmählich aktives Interesse an DMSO. 1948 erschien in der chemischen Literatur eine Reihe von Aufsätzen, die es als ausgezeichnetes Lösungsmittel darstellten. 1959 zeigte eine Gruppe in Großbritannien, dass DMSO rote Blutkörperchen und anderes Gewebe vor dem Erfrieren schützte.

Dr. H. Harry Szmant, Direktor des Chemischen Seminars an der University of Detroit, erklärte, die Flüssigkeit habe ein ungeheures Vermögen, Substanzen zu lösen. Sie sei ein Reagens, das manche chemischen Reaktionen »milliardenfach« beschleunigen könne.

»Die einzigartige Fähigkeit von DMSO, lebendes Gewebe zu durchdringen, ohne signifikante Schäden hervorzurufen, hängt vermutlich mit seiner relativ starken Polarität, seiner Fähigkeit, Wasserstoffbrückenbindungen anzunehmen, und seiner recht kleinen und kompakten Struktur zusammen«, sagte er. »Diese Kombination von Eigenschaften verleiht DMSO die Fähigkeit, sich mit Wasser, Proteinen, Kohlehydraten, Nukleinsäuren, ionischen Substanzen und anderen Bestandteilen lebender Systeme zu verbinden oder sich an sie anzulagern. Von größter Bedeutung für unser Verständnis der möglichen Funktionen von DMSO in biologischen Systemen ist seine Fähigkeit, manche der Wassermoleküle, die mit den Zellkonstituenten assoziiert sind, zu ersetzen und die Struktur des allgegenwärtigen Wassers zu beeinflussen.« 5› Hinweis

Die Kontroverse um DMSO begann 1962, als Dr. Jacob sich erstmals dafür interessierte, menschliche Nieren gefahrlos einzufrieren, und das Lösungsmittel dafür in Betracht zog. Er bat Robert Herschler, der bei der Crown Zellerbach Paper Company für die chemischen Anwendungen zuständig war, um DMSO. Crown Zellerbach konnte große Mengen davon entbehren, da DMSO bei seinem Papierherstellungsprozess als Nebenprodukt anfällt. Es kann für 5 Dollar pro 1,1 Liter kommerziell in Rohform produziert werden, und man kann es dann für medizinische Anwendungen beim Menschen reinigen.

Bei ihrem ersten Gespräch erwähnte Robert Herschler, es bereite ihm Schwierigkeiten, die Flecken an den Stellen von seinen Händen zu waschen, an denen sowohl DMSO als auch Farbe auf sie gekommen waren. Dr. Jacob erinnert sich: »Wir pinselten unsere Haut mit DMSO ein, und innerhalb von 15 Minuten entwickelte sich ein Geruch nach Muscheln und Knoblauch. Dort, wo die Chemikalie sich befunden hatte, war die Haut trocken.«

Der Trocknungseffekt von Dimethylsulfoxid löste eine wahre Explosion aus. Trockenheit eines therapeutischen Mittels macht es für die Behandlung von Brandwunden wertvoll, da Feuchtigkeit leicht Infektionen fördert. Jacob und Herschler probierten DMSO bei Ratten mit Verbrennungen aus und stellten fest, dass sie sich ruhiger verhielten als die nicht behandelten. Die Substanz linderte den Schmerz, der durch die Verbrennungen hervorgerufen worden war. Dr. Jacob sagte in einem Interview: »Von diesem Punkt an verbreitete sich die Verwendung von DMSO wie ein Lauffeuer.«

In den USA wird DMSO aus Lignin gewonnen, der Zementsubstanz von Bäumen. In Europa und auf den anderen Kontinenten synthetisiert man es aus Kohle, Erdöl und anderen organischen Substanzen.

Jacobs Leute, die die Medizinische Fakultät der University of Oregon repräsentierten, und Herschler als Vertreter von Crown Zellerbach zeigten bei gemeinsamen Labortests, dass DMSO nicht nur durch die Haut und die Schleimhäute gelangt, sondern dabei auch eine Reihe anderer Substanzen mitnehmen kann. So kann man Penizillin in DMSO auflösen, das es dann durch die Haut transportiert, sodass keine Spritze erforderlich ist. Bei lokalen Betäubungsmitteln ist das ebenfalls möglich.

Bei diesen frühen Studien wurde gezeigt, dass DMSO Schmerzen lindert, Schwellungen reduziert, das Wachstum von Bakterien verlangsamt, die Blutversorgung verbessert, Narbengewebe erweicht, die Wirksamkeit anderer pharmakologischer Substanzen erhöht und als Diuretikum und Muskelrelaxans fungiert. Bei Zerrungen, Verstauchungen, Arthritis und sogar Knochenbrüchen ließ es den Schmerz verschwinden.

Veterinäre verwendeten DMSO per Rezept bei Arthritis und Verletzungen von Tieren. Arthritische Windhunde versetzt die Injektion von DMSO oder einem Corticoid (einer Substanz, die wie ein Hormon der Nebennierenrinde wirkt) in die Lage, wieder Rennen zu laufen. Bei 60 Prozent der mit einem Corticoid behandelten Hunde kommt es innerhalb von 6 Monaten zu einem Rückfall, bei den mit DMSO behandelten aber nur bei unter 20 Prozent.

2.2 Die FDA betritt die Bühne – die Kontroverse beginnt

Der erste Bericht über die Verwendung von DMSO als pharmakologische Substanz stammte von Dr. Jacob, der ihn 1963 verfasste; am 1. Februar 1964 wurde er dann veröffentlicht. Der Bericht löste eine Flut von Prozessen und ungezügelter Begeisterung über dieses neue »Wundermittel« aus, mit dem man Stoffe durch die Haut transportieren und in alle Körperorgane einschleusen konnte. Bald wurde offensichtlich, dass sich durch diese Chemikalie in vielen Fällen Entzündungen und Schmerzen lindern ließen, die man bis dahin oft nicht behandeln konnte.

Der erste Antrag für die klinische Untersuchung (IND, Investigational New Drug Application) von DMSO bei Menschen wurde am 25. Oktober 1963 bei der FDA eingereicht – und gebilligt. Schnell entwickelte sich ein enormes Interesse an diesem Medikament; seine Anwendung erfolgte bald in großem Umfang, vor allem bei der Behandlung von Verstauchungen, Hämatomen und kleineren Verbrennungen. Es wurde zahlreichen Forschern aus der Allgemeinmedizin und medizinischen Spezialgebieten sowie Sanitätern und Physiotherapeuten kostenlos zur Verfügung gestellt, daneben auch einigen Zahnärzten, Krankenschwestern und dem Verfasser dieses Buches, einem ehemaligen praktizierenden Podiater.

Bis 1965 erhielten schätzungsweise 100 000 Patienten das Medikament. Es wurden Studien durchgeführt, die nach Ansicht der FDA jedoch nicht gut genug kontrolliert worden waren, um eindeutig zu belegen, dass der beobachtete Nutzen tatsächlich auf die Substanz zurückging. Die New York Times bezeichnete DMSO am 3. April 1965 in einem Leitartikel als »die Substanz, die von allen in den 1960er-Jahren produzierten einem Wundermittel am nächsten kommt«. In Westberlin wurde im Juli 1965 ein internationales Symposium für Medizinwissenschaftler abgehalten, zwecks Informationsaustausch über die Wirksamkeit von DMSO.

Als die FDA 1965 drei NDAs für DMSO erhielt, wurden sie jedoch alle abgelehnt. Die Pharmafirmen Merck, Syntex und Gibb hatten sie mit der Angabe eingereicht, DMSO könne jetzt als rezeptpflichtiges Arzneimittel zugelassen werden. Die FDA wies das zurück, lehnte die Anträge ab und veröffentlichte im Federal Register sogar selbst eine Mitteilung, die jeglichen klinischen Einsatz von DMSO untersagte. Sie führte toxikologische Studien an, laut denen das Medikament in hohen Dosen bei Tierversuchen den Brechungsindex der Augenlinsen veränderte – ihr Fokussierungsvermögen veränderte sich, und sie wurden in einem gewissen Ausmaß getrübt.

Die FDA befürchtete, dass bei den Augen von Menschen, die DMSO ausgesetzt wurden, ebenfalls Schäden auftreten könnten. Damals wussten weder die Forscher noch die Bürokraten, dass solche Augenschäden nur bei bestimmten Rassen auftreten. Affen – und, was natürlich noch wichtiger ist, Menschen – bleiben von ihnen verschont.

Ein Jahr später wurde diese negative Einstellung etwas gelockert. Die FDA erlaubte neue Untersuchungen für die klinische Beurteilung von DMSO bei schweren Krankheiten wie Sklerodermie, hartnäckigem Herpes Zoster und schwerer Polyarthritis, für die keine zufriedenstellende Therapie zur Verfügung stand.

Im September 1968 veröffentlichte die FDA eine weitere Lockerung ihrer strengen Einstellung gegenüber DMSO; die Substanz durfte von da an bei nicht so schweren Krankheiten wie akuten Beschwerden beim Bewegungsapparat – beispielsweise Verstauchungen, Bursitis und Sehnenscheidenentzündungen – höchstens 14 Tage lang topisch angewendet werden. Die Lockerung der Regeln beruhte auf einer toxikologischen Studie am Menschen, die ein beruhigendes Ergebnis gebracht hatte: Es hatten sich keinerlei Hinweise auf Toxizität von DMSO für das menschliche Auge ergeben.

Dennoch wurde 1971 ein weiterer NDA von Gibb Pharmaceutical abgelehnt. Laut diesem Antrag sollte DMSO nun in den USA verschrieben werden können.

1978 reichte Research Industries einen NDA für den Einsatz von DMSO bei Sklerodermie ein. Die Studie war von Dr. Arthur L. Scherbel geplant worden, dem damaligen Chefarzt für Rheumatologie bei der Cleveland Clinic Foundation, unter Überwachung durch Ärzte der FDA und Berater von der National Academy of Sciences. Dr. Scherbel führte diese Studie selbst durch und sah Veränderungen bei einer behandelten Hand, im Gegensatz zu einer nicht behandelten. Nach 3 Monaten war eine deutliche, statistisch signifikante Besserung eingetreten. Als Dr. Scherbel die FDA bat, seine Studie zu akzeptieren, wurde ihm das aber verweigert. Der NDA wurde abgelehnt.

1983 gehörten zu den NDAs, die die FDA abgelehnt hatte, 1500 medizinische Studien, die mit rund 120 000 Patienten mit ganz unterschiedlichen Gesundheitsproblemen durchgeführt worden waren. Zudem hatten die Gesundheitswissenschaftler vier weitere internationale Symposien abgehalten, um mehr Informationen über DMSO zusammenzutragen. Das zweite Symposium stand unter der Schirmherrschaft der New York Academy of Sciences (März 1966, in New York), das dritte wurde von der Universität Wien gesponsert (November 1966); Nummer vier und Nummer fünf fanden wieder in New York statt, unter der Schirmherrschaft der New York Academy of Sciences (Januar 1974 und September 1982). Bei all diesen Symposien gab es positive Berichte über die Substanz.

Da sich die Meinungsverschiedenheiten zwischen den DMSO-Pionieren und den medizinischen Bürokraten fortsetzten, bat Dr. Charles C. Edwards, der damalige FDA-Commissioner für Nahrungsmittel und Medikamente, die National Academy of Sciences im Jahre 1972, alle verfügbaren Informationen über die Wirksamkeit und die Toxizität von DMSO durchzusehen. Die Mitglieder der National Academy sollten der FDA eine unabhängige Beurteilung der Substanz liefern.

Die Academy ernannte dafür einen Fachausschuss mit sechs Unterausschüssen. Er führte dann bis 1974 eine aktive Untersuchung durch. Die Academy war allerdings eine halbstaatliche Institution und als solche keineswegs unabhängig. Da sie sich über einen Vertrag mit der FDA finanzierte, neigte sie dazu, mit deren Position gegenüber DMSO übereinzustimmen. Laut dem Bericht, den die National Academy of Sciences schließlich vorlegte, gab es keine ausreichenden wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit von DMSO bei irgendwelchen Krankheiten; das Toxizitätspotenzial sei so groß, dass das Mittel im Untersuchungsstadium bleiben sollte, und es seien kontrollierte klinische Untersuchungen erforderlich, um die Wirksamkeit von DMSO nachzuweisen.

Angesichts der Tatsache, dass es seit der Zeit, als sie die Vorschriften gegen DMSO festgelegt hatte, immer noch an Beweisen für Augenschädigungen bei Menschen durch den Einsatz von DMSO fehlte, kam die FDA zu dem Schluss, dass die Vorschrift nicht mehr erforderlich war. Am 21. September 1979 veröffentlichte sie im Federal Register den Vorschlag, die Vorschrift zurückzunehmen. Doch Dr. phil. Jere Goyan, der frühere Leiter der gesamten FDA, machte weiterhin öffentliche Aussagen über die Gefahr von Toxizität für die Augen. Vielleicht schickte er Mitarbeiter los, um sich Akten zu greifen, wo immer das möglich war, und nach Berichten über DMSO und sein Verhältnis zum menschlichen Auge zu suchen, weil er diese Aussagen rechtfertigen wollte.

1983 lagen der FDA 16 aktive INDs für DMSO vor. Zu den bei den Studien behandelten Krankheiten gehörten Sklerodermie, Gelenk- und Rückenmarksverletzungen. Für Studien zur Untersuchung von DMSO bei der Behandlung von chronischer Polyarthritis und Osteoarthritis lagen keine aktiven INDs vor – und das ist merkwürdig, da DMSO besonders bei diesen beiden Krankheiten eingesetzt wird.

2.3 Die Öffentlichkeit lehnt sich gegen die Vorschriften der FDA auf

Trotz der Einschränkungen der Verwendung von DMSO durch die FDA gelingt es immer noch Zehntausenden von US-Amerikanern, sich das Mittel zu beschaffen. Manche benutzen eine Form, die für die Behandlung von Tieren zugelassen ist. Andere greifen auf das industrielle Lösungsmittel zurück. Wieder andere reisen nach Mexiko und suchen dort Arthritiskliniken auf, die DMSO verwenden. Die Substanz wird vom einen zum anderen weitergereicht, insbesondere bei Arthritikern.

Obwohl der FDA derzeit kein IND für die Anwendung von DMSO bei Arthritis vorliegt, sind Osteoarthritis und chronische Polyarthritis die gesundheitlichen Hauptprobleme, die von Laien mit DMSO behandelt werden. Die Öffentlichkeit lehnt sich gegen einen Zwang auf, den sie als unsinnige Vorschriften für den eingeschränkten Einsatz von DMSO betrachtet. Die Leute fragen: »Wenn es für die innerliche Behandlung der interstitiellen Blasenentzündung sicher genug ist – wieso ist es dann nicht so sicher, dass man es bei arthritischen Gelenken auf die Haut auftragen kann?«

Heute gibt es einen Schwarzmarkt, auf dem man sich DMSO besorgen kann. Die US-amerikanischen Apotheken verkaufen die reine medizinische Substanz bei Vorlage eines ärztlichen Rezepts zu einem Preis von 15–20 Dollar für 115 Gramm. Technisch betrachtet ist es, sobald ein Medikament von der FDA für bestimmte Verwendungszwecke (wie die interstitielle Blasenentzündung) zugelassen wurde, in keinem der US-Bundesstaaten ein Gesetzesverstoß, wenn ein Arzt es für andere Zwecke verschreibt.

Der blühende landesweite DMSO-Schwarzmarkt arbeitet bedauerlicherweise auch über die Theken von Geschäften für Haushaltswaren, über die Tankstellen und Versandhäuser, über Lastwagen, die ihr Geschäft in der Nähe von Einkaufszentren oder Parkplätzen betreiben, und sogar in Eisdielen. Einem Artikel in der Chicago Tribune zufolge ist das für die Industrie gedachte Lösungsmittel Dimethylsulfoxid schon an so unerwarteten Orten wie einer Eisdiele und einer Schlosserei in Chicago aufgetaucht. 6› Hinweis Ein Lösungsmitteleinzelhändler mit Sitz in Seattle (Bundesstaat Washington) bietet eine gebührenfreie Nummer für den Versand per Post und hat bereits Läden in Milwaukee, Chicago und Evanston (Illinois) eröffnet.

Die Vertreiber der Substanz achten sorgfältig darauf, keine medizinischen Behauptungen über sie aufzustellen. Ein Vertreter sagte: »Wir verkaufen Ihnen diese Substanz als Lösungsmittel; was Sie damit machen, liegt bei Ihnen. Alles andere wäre ein Gesetzesverstoß.«

Billy Williams, der Generaldirektor des Lösungsmittelhändlers, sagte: »Unser DMSO ist von pharmazeutischer Reinheit.« Er versichert den Leuten, es sei sicher, obwohl er es technisch gesehen als Lösungsmittel verkauft. »Wir vermarkten dieses Zeug, weil es sich verkauft. Und wir nehmen an, dass die Leute es benutzen. Wir bekommen Bestellungen von Ärzten, Chiropraktikern und Zahnärzten.« Er gründete ein Verpackungs- und Vertriebswerk und kauft jetzt DMSO von pharmazeutischer Reinheit in großen Mengen von einem medizinischen Labor, das er nicht nennen wollte, und füllt es in seinem Werk in Seattle in kleinere Flaschen um. »Wir kaufen es aus dritter Hand von dem medizinischen Labor«, sagte Williams. »Sie verkaufen es uns sozusagen an der Hintertür.«

»Was die medizinische Verwendung angeht, können wir gar nicht übersehen, dass die Leute es benutzen, um die mit Arthritis verbundenen Schmerzen zu lindern. Ich habe in vielen Briefen gelesen, dass die Leute es so verwenden, denn sie deuten an, dass sie Arthritis oder Muskelzerrungen oder die verschiedensten anderen Krankheiten haben.«

Williams sagte weiter: »Wir wissen, weshalb wir es verkaufen – um Gewinne zu machen. Das hört sich zwar krass an, aber deshalb sind wir ja im Geschäft. Das Zeug wirkt doch! Es ist nicht so, dass wir aus dem Elend anderer Menschen Profit schlagen.«

Eine andere typische Lokalität, bei der man DMSO kaufen konnte, ist ein Hairstylist in Chicago. Der Manager sagte, er habe nur ein paar Tage lang DMSO verkauft, wegen der Kontroverse über dessen Legalität aber schnell wieder damit aufgehört. Er hatte bei einem Polizisten aus Chicago, der auch die Eisdiele belieferte, eine Kiste industrielles DMSO gekauft.

Laut dem früheren FDA-Commissioner Jere Goyan deuten staatliche Studien darauf hin, dass DMSO von industrieller Reinheit für die Behandlung von Menschen nicht geeignet ist. Es muss nämlich nicht die gleichen Qualitätskontrollen durchlaufen wie DMSO, das als Medikament eingesetzt werden soll. Wird das Lösungsmittel in kleinere Behälter umgefüllt, steigt die Gefahr, dass es zu Verunreinigungen kommt. Die FDA warnt offiziell: »Das Risiko, das mit der Verwendung von DMSO von industrieller Reinheit verbunden sein kann, … ist sein Potenzial als chemische Trägersubstanz, die schädliche Stoffe ins Blut transportieren kann, wenn sie in unreinem DMSO oder auf der Haut vorhanden sind.«

Commissioner Goyan sagte: »Wenn Menschen eine Chemikalie von unbekannter Reinheit und Wirksamkeit benutzen, ist das immer gefährlich. Es ist gefährlich, sich Substanzen zu injizieren, sie zu trinken oder auf die Haut aufzutragen, die nicht dafür gedacht sind.«

Den Schwarzmarkt für DMSO von medizinischer und industrieller Reinheit gibt es einfach deshalb weiter, weil die FDA das Mittel für alle Anwendungszwecke außer der interstitiellen Blasenentzündung vom Markt verbannt. Laut Arthur Scherbel, dem früheren Chefarzt der Abteilung für rheumatische Erkrankungen und Immunologie an der Cleveland Clinic, lässt die FDA die Substanz nicht zu, »obwohl es dafür keinen stichhaltigen Grund gibt. Die Leute benutzen sie ohne richtige Anleitung, und das ist ein Fehler. Je eher DMSO freigegeben wird, desto besser.« 7› Hinweis

2.4 Der Gesetzgeber handelt zum Wohl des Volkes

Dem Kongress der USA wurden gleich sechs Beschlussfassungen dafür vorgelegt, DMSO generell zu legalisieren und die FDA bei ihrer Ablehnung zu überstimmen. Senator Mark O. Hatfield (Republikaner aus Oregon) sagte: »Da ich nicht über wissenschaftliches Fachwissen verfüge, kann ich nicht beurteilen, ob DMSO wirklich das Wundermittel unseres Jahrhunderts ist. Doch alle Beweise, auf die ich stoße, deuten darauf hin, dass das tatsächlich stimmt.«

Er fuhr fort: »Nach mehr als 1200 wissenschaftlichen Publikationen über die positive Wirkung von DMSO, nach internationalen Symposien in Deutschland, den USA und Österreich – die sämtlich zu dem Schluss kamen, dass DMSO ungefährlich ist und wirkt –, nachdem drei verschiedene Pharmafirmen vier Anträge auf die Zulassung von DMSO als neues Medikament bei der FDA eingereicht haben, steht DMSO den Amerikanern immer noch nicht zur Verfügung, obwohl es in vielen anderen Ländern erhältlich ist. Ich habe den Senat gedrängt, meine Gesetzesvorlage zu unterstützen – zum Wohle aller Amerikaner, die heute an Krankheiten leiden, die mit anderen Substanzen nicht zu behandeln sind, und derjenigen, die das Mittel in Zukunft brauchen könnten.«

Der Abgeordnete Wendell Wyatt (Demokrat, Oregon) führte im Repräsentantenhaus der USA wieder eine Gesetzgebung ein, die darauf abzielte, DMSO auf gerechte Weise Gehör zu verschaffen. Er sagte: »Da die FDA sich durch winzige Indizien gegen DMSO beeinflussen ließ, konnten wir bisher nicht einmal eine Anhörung für DMSO erreichen. Die ganze Sache wurde mit einer bürokratischen Wolke umhüllt.«

Die Bemühungen des Kongressabgeordneten und anderer Mitglieder der US-amerikanischen Legislative zahlten sich aus. Senator Edward M. Kennedy (Demokrat, Massachusetts) hielt am 31. Juli 1980 eine Anhörung vor einem Senatsunterausschuss zum Status der Substanz bei der FDA ab. Der Kongressabgeordnete Claude Pepper (Demokrat, Florida) saß am 24. März 1980 einer Anhörung (Titel: »DMSO: Neue Hoffnung für Arthritiker?«) vor dem House Select Committee on Aging vor.

Nach diesen Anhörungen untersuchte der Generalinspekteur des Ministeriums für Gesundheit und Soziales das Regulierungsverfahren, das DMSO bei der FDA durchlaufen hatte.

Zudem haben einige amerikanische Bundesstaaten die Vorschriften der FDA für DMSO durch ihre eigene Gesetzgebung so geändert, dass es jetzt von autorisierten Medizinern benutzt werden darf. Derzeit lassen acht Bundesstaaten seine Verschreibung zu: Texas, Washington, Montana, Oklahoma, Florida, Oregon, Louisiana und Nevada. Die Legalisierung von DMSO in Florida ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Amerikaner gegen die Vorschriften der FDA rebellierten. Der Unterschied war, dass die Legalisierung von DMSO dort durch einen Gesetzgeber vorangetrieben wurde, dessen Frau nach Mexiko reisen musste, um sich mit DMSO behandeln zu lassen.

1977 genehmigte die Legislative von Florida intravenöse, intramuskuläre, orale und topische DMSO-Therapien bei Menschen. Das entsprechende Gesetz lautet:

»Paragraf 1: In die Beziehung zwischen Arzt und Patient darf kein Krankenhaus und auch keine sonstige medizinische Einrichtung eingreifen und die Verwendung von Dimethylsulfoxid (DMSO) einschränken oder verbieten, sofern es von einem nach Kapitel 458 oder 459 der Florida Statutes lizenzierten Arzt verschrieben oder angewendet wird, wenn ein Patient das verlangt, sofern die Substanz, die von dem Arzt verschrieben oder angewendet wird, nicht von den State Boards of Medical Examiners und den State Boards of Osteopathic Medical Examiners bei einer gemäß den Vorschriften des Administrative Procedure Act der Florida Statutes, Kapitel 120, durchgeführten Anhörung für schädlich befunden wurde. Überdies darf kein Krankenhaus und auch keine sonstige medizinische Einrichtung einem Arzt die Standesprivilegien nur deshalb entziehen, weil er einem Patienten gemäß den Bedingungen dieses Gesetzes Dimethylsulfoxid (DMSO) verschrieben oder es bei ihm angewendet hat.

Paragraf 2: Gegen einen nach Kapitel 458 oder 459 der Florida Statutes lizenzierten Arzt dürfen von den State Boards of Medical Examiners und den State Boards of Osteopathic Medical Examiners keine disziplinarischen Maßnahmen eingeleitet werden, weil er einem von ihm betreuten Patienten auf dessen Wunsch hin Dimethylsulfoxid (DMSO) verschrieben und es bei ihm angewendet hat, sofern die State Boards of Medical Examiners und die State Boards of Osteopathic Medical Examiners es nicht bei einer gemäß den Vorschriften von Kapitel 120 des Administrative Procedure Act der Florida Statutes durchgeführten Anhörung offiziell für schädlich befunden haben.

Paragraf 3: Nachdem der Patient umfassend über alternative Behandlungsformen und ihr Heilvermögen informiert wurde und er seinen Arzt um die Anwendung von Dimethylsulfoxid (DMSO) gebeten hat, muss er ein Schriftstück unterzeichnen, durch das der Arzt und gegebenenfalls auch das Krankenhaus oder die sonstige medizinische Einrichtung von jeglicher Haftung befreit wird.

Paragraf 4: Der Arzt muss den Patienten schriftlich informieren, falls Dimethylsulfoxid (DMSO) von der Food and Drug Administration des US-amerikanischen Ministeriums für Gesundheit und Soziales nicht für die Behandlung der Krankheit, für die es verschrieben wird, zugelassen ist.

Paragraf 5: Dieses Gesetz gilt nicht für Erkrankungen, für deren Behandlung Dimethylsulfoxid (DMSO) von der Food and Drug Administration des US-amerikanischen Ministeriums für Gesundheit und Soziales zugelassen wurde.«

Als das neue Gesetz verabschiedet worden war, schickte die Florida Medical Association (FMA) im Oktober 1980 allen Zeitungen in Florida eine Mitteilung in Form eines Briefs an den Herausgeber, da die Gefahr eines Missbrauchs von DMSO aufgrund von bezahlten Anzeigen von DMSO-Kliniken und einer breiten Berichterstattung in den Medien jetzt viel größer geworden war. Eine Sendung im Rahmen von 60 Minutes hatte der FMA-Zentrale in Jacksonville (Florida) eine fast tägliche Flut von Anfragen eingebracht, sowohl per Post als auch per Telefon. Die meisten innerstaatlichen Anfragen stammten von der Presse, die aus anderen Bundesstaaten überwiegend von Personen mit den verschiedensten Symptomen, die nach einem Arzt suchten, der ihnen das »Wundermittel« DMSO verordnen würde. Die offizielle Position der FMA sah so aus:

»Obwohl diese Substanz ohne einen gebilligten Antrag für ein neues Arzneimittel (NDA) in Florida nur für die Behandlung der interstitiellen Blasenentzündung verkauft oder ausgegeben werden darf, können Ärzte zugelassene Medikamente auch für andere Erkrankungen verschreiben, ohne dass das ungesetzlich wäre.

1978 wurde in Florida ein Gesetz erlassen, das den Ärzten den Einsatz von DMSO erlaubte, nachdem sie die Patienten über alternative Behandlungsformen und ihre Heilungsmöglichkeiten aufgeklärt hatten. Es verlangt, dass der Patient, wenn er eine Behandlung mit DMSO fordert, ein schriftliches Dokument unterzeichnet, mit dem er den Arzt und gegebenenfalls auch das Krankenhaus oder die medizinische Einrichtung von jeglicher Haftung befreit. Der Arzt muss den Patienten schriftlich informieren, falls die FDA DMSO für die Erkrankung, für die es verschrieben werden soll, zugelassen hat.

Die Florida Medical Association duldet nicht, dass bei der Einführung eines neuen Medikaments von dem gebilligten verantwortungsvollen Mechanismus abgewichen wird. Ärzte mit einer beruflichen Haftpflichtversicherung im von der FMA unterstützten System wurden im Hinblick auf die Substanz sogar gewarnt. Falls sie DMSO bei anderen Symptomen als denen der interstitiellen Blasenentzündung (für die es ja von der FDA zugelassen wurde) benutzen, haben sie keinen Schutz durch die Versicherung mehr.