Do Khyi (Tibet Mastiff) - Birgit Primig - E-Book

Do Khyi (Tibet Mastiff) E-Book

Birgit Primig

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Beschreibung

Der Do Khyi ist ein großer, robuster und langlebiger Hund, dessen Vorfahren aus Tibet stammen. Sie zogen mit Nomaden über die kalten und trockenen Hochebenen in einem Gebiet, das fünf Mal größer ist als Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen. Er dient dem Schutz der Nomaden und ihrer Herden. Dieses Buch gibt Einblick in die Herkunft dieser seltenen Hunderasse, die als teuerster Hund der Welt traurige und irreführende Berühmtheit erlangte. Der Entwicklung der Zucht in Europa und dem Rassestandard ist der zweite Teil des Buches gewidmet. Der dritte Teil behandelt ausführlich die Haltung des Do Khyi als Familienhund. Abgerundet wird das Buch durch Berichte von Züchterinnen und begeisterten Fans dieser Rasse. Mehr als 100 Fotos machen den Do Khyi noch anschaulicher.

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Seitenzahl: 135

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Liebe Leserin, lieber Leser,

der Do Khyi hat in den vergangenen Jahren traurige Berühmtheit als der teuerste Hund der Welt erlangt. Überdimensionale monströse Fellberge wurden in Boulevard-Medien hochstilisiert zu „Edelkläffern“, wie sie etwa im „Spiegel online“ bezeichnet wurden. Dabei ist es naheliegend, dass die alten Begriffe „Tibet Dogge“ und „Tibet Mastiff“ verwendet wurden. Das klingt gleich viel riesiger und gefährlicher.

Der imposante, leichtfüßige Hund ist in Gefahr, durch Importe von dubiosen chinesischen „Züchtern“ verunstaltet zu werden. Für mich ist ein echter Do Khyi nur dann schön, wenn er problemlos tagelang durch die unwirtliche Landschaft Tibets schnüren könnte.

Es gibt sie noch, die schönen, alten, ursprünglichen Typen des Do Khyi. In ganz abgelegenen Regionen Tibets liegen sie noch vor Nomadenzelten oder in Dörfern. Ich durfte ihnen dort selbst begegnen - und eine unfreiwillige Nacht mit einem Rudel verbringen.

Es gibt sie auch in Europa, weil seriöse Züchter_innen an den Erhalt der Rasse glauben.

Mein Dank gilt Hundemenschen aus aller Welt: Menschen, die mit Leidenschaft züchten, die historisches Material sammeln, die nie ohne Fotoapparat mit ihren Hunden unterwegs sind. Ohne sie hätte dieses Buch nicht zustande kommen können. Ich habe von Menschen trotz Sprachbarrieren Unterstützung bekommen, die ich nie persönlich kennen gelernt habe.

Ich danke auch jenen, die einen Beitrag zu diesem Buch geschrieben haben. Wer könnte besser schwärmen (oder Kritik üben) als Menschen, die Do Khyi halten, züchten oder auf Ausstellungen richten?

Mein Dank gilt auch meiner Mutter Uschi Eisner. Sie hat mir den „Hunde-Virus“ vererbt. Sie hat mir meinen ersten Lhasa Apso beschert und mit ihr gemeinsam durfte ich Tibet bereisen. Sie ist eine der angesehensten Richter_innen für tibetische Hunderassen.

Ich selbst habe nie mit Do Khyi gelebt. Sie sind keine Großstadt-Hunde, Wiener Pflaster konnte und wollte ich ihnen nicht zumuten. Nach der Übersiedlung aufs Land haben längst die kleineren Brüder und Schwester der Do Khyi, die Lhasa Apsos, mein Leben erobert. Aber wer weiß, eines Tages ...

Liebe Leserin, lieber Leser: Machen Sie sich auf ganz besondere Hunde gefasst. „Patiently trained and educated by Tibetan Mastiffs“ („geduldig ausgebildet und erzogen von Do Khyi“) sagt ein schwedischer Züchter über sich selbst. Überlegen Sie daher gut, bevor Sie sich selbst so einen Hund ins Haus holen. Wenn Sie wirklich die richtigen Menschen sind, wird es nicht bei einem einzigen bleiben!

Birgit Primig

Inhalt

Vorwort

Die Herkunft: ein Hund vom „Dach der Welt“

Tibet: sehr hoch, sehr kalt, sehr trocken

Von der Monarchie zur chinesischen Herrschaft

Hunde in Tibet: Schutz, Wärme und Glaube

Do Khyi heute: Touristenattraktion und Prestigeobjekt

Die anderen tibetischen Rassen

Die Zucht in Europa

Entdecker und Eroberer berichten

Beginn der „modernen“ Zucht in Europa

Der Rassestandard

„Do Khyi“ oder „Show Khyi“?

Die Zucht: streng kontrolliert

Züchterinnen und Züchter berichten

Der Do Khyi als Familienhund

Überlegungen vor dem Kauf

Erziehung beginnt im Welpenalter

Futter, Pflege und Gesundheit

Mehr als ein Wächter: Fans berichten

Informationen im Internet

Die abgebildeten Hunde: Verzeichnis der Abbildungen

Die Herkunft: Hunde vom „Dach der Welt“

 

Tibet: sehr hoch, sehr kalt, sehr trocken

Tibet ist das größte Hochplateau der Welt. Es liegt auf einer Höhe von etwa 4000 bis 5500 Metern über dem Meeresspiegel. Daher wird das Land gerne als das „Dach der Welt“ bezeichnet.

Das ursprüngliche Tibet hat eine Größe von mehr als 2,5 Millionen km², das ist fünf Mal mehr als Deutschland, Österreich und die Schweiz gemeinsam Fläche haben. Das heutige „politische“ Tibet, die „Autonome Region“ innerhalb der Volksrepublik China ist mit 1,2 Millionen km² nicht einmal mehr halb so groß. Die Region Amdo liegt zur Gänze, Kham zu einem großen Teil außerhalb des politischen Tibet.

Das Karakorum– und das Himalaya-Massiv bilden die Süd– und Westgrenze Tibets. Mount Everest (tibetisch: Chomolungma oder Chomolaghpa), Cho Oyu, Lhotse, Makalu und Manaslu sind nur einige der 14 Achttausender dieses Gebietes, die auf tibetischem Territorium stehen. In Westtibet liegt auch der heilige Berg Kailash.

Das Gebiet des Hochhimalaya geht über in das riesige Becken des Tsangpo und seinen Nebenläufen. Wichtige Städte und Kulturstätten wie Shigatse oder Samye liegen im Flusstal. Durch die Hauptstadt Lhasa fließt sein Nebenfluss Kyichu.

Nördlich des Beckens schließt das Gebiet des Trans-Himalaya an. Unzählige Gipfel mit mehr als 6.000 m Höhe wurden noch nie bestiegen. Manche tragen bis heute keinen Namen. Dieses Gebiet wird vom Jangthang abgelöst, den „nördlichen Ebenen“.

Auch der Nordosten Tibets wird von einer Gebirgskette abgeschlossen, dem Kunlun mit Gipfeln bis zu 7.700 Metern Höhe.

Die Geographie des Landes spielt eine wesentliche Rolle für das Klima des südasiatischen Kontinents. Der Tsangpo ist unter dem Namen Brahmaputra besser bekannt und ist einer der wichtigsten Flüsse Indiens. Die Quellgebiete des Ganges liegen in Westtibet. Der Yangtse und der Mekong entspringen im osttibetischen Kham. Der Trans-Himalaya ist die bedeutendste Wasserscheide des Landes. Die Ströme im Norden speisen abflusslose, salzige Seen. Am bekanntesten ist der 1.940 km² große Nam Tsho.

Blick auf den Mount Everest aus dem Basislager in Tibet.

Vor allem in Zentraltibet ist es extrem trocken. Das Himalaya-Massiv schirmt das Gebiet vor den Monsunregen des indischen Subkontinents ab.

Das angenehmste Klima herrscht in den tiefer gelegenen Regionen um Lhasa und in Osttibet. Die Durchschnittstemperatur in Lhasa beträgt acht Grad Celsius. Durch die starke Sonneneinstrahlung kann es tagsüber aber sehr schnell vergleichsweise warm werden, die Temperaturen können in den Sommermonaten um die Mittagszeit die 20-Grad-Marke überspringen.

Die Nordhälfte Tibets ist dagegen Permafrostgebiet mit einer Durchschnittstemperatur unter null Grad. Ganz anders in Osttibet: Hier herrscht ein nahezu subtropisches Klima mit üppiger Vegetation.

Bedrohte Natur

Immer größere Landstriche verwüsten. Das immense Wachstum der Städte - allen voran Lhasa - sorgt für einen enormen Bedarf an Brennmaterial. In ganz Tibet entstanden neue Dörfer und Städte, gebaut von der chinesischen Regierung, um Nomaden sesshaft zu machen. Sie können nicht mehr auf ausreichend Yak-Dung als Brennmaterial zurückgreifen.

Die in vielen Landstrichen ohnehin schon sehr geringe Menge an Bäumen und damit Holz wurde großflächig vernichtet. Zwar gibt es bereits erste Schritte zur Aufforstung, aber gepflanzt werden schnellwüchsige Monokulturen.

Die chinesische Industrie in Tibet benötigt Strom. Gigantische Staudämme an den wichtigsten Flüssen sind in Bau und in Planung. Umweltschutz-Organisationen warnen, dass es kaum gefährlichere Orte für derart massive Eingriffe in die Natur gibt. Sie fürchten geologische Katastrophen wie vermehrte Erdbeben.

Die Dämme verändern nicht nur die Natur in Tibet selbst massiv, sondern bedrohen das Klima des gesamten Subkontinents. Die indische Regierung fürchtet um das Trinkwasser für mehrere hundert Millionen Menschen, die Bewässerung der indischen Felder ist akut gefährdet.

Angebliche Pläne, Flüsse aus Tibet umzuleiten, um beispielsweise den akuten Wassermangel in Peking zu beheben, bestreitet die chinesische Regierung.

Sand und Wind beherrschen Zentraltibet, die Wüste breitet sich aus.

Von der Monarchie zur chinesischen Herrschaft

Vor mehr als 2000 Jahren ...

Die tibetische Mythologie erzählt, ein Fremder sei von einem Berg herab gestiegen. Von zwölf Weisen nach seiner Herkunft befragt, wies er auf den Himmel. Sie schlossen daraus, er sei ein Sohn des Himmels. Sie hoben ihn auf ihren Nacken und gaben ihm den Namen Nyatri Cenpo, übersetzt der „Nackenthron-König“.

Tatsächlich beginnt Tibets Zeitrechnung 127 Jahre vor Christi Geburt. Nyatri Cenpo wurde in diesem Jahr zum König der zentraltibetischen Stämme gekrönt. Die Herrschaft seiner Dynastie mit insgesamt 41 Königen dauerte 969 Jahre.

Bön-Einflüsse in heutigen tibetischbuddhistischen Ritualen.

Im Jahr 617 nach christlicher Zeitrechnung kam Songtsen Gampo an die Macht. Er errichtete den Königssitz in Lhasa und erweiterte das Reich nach Westen und Nordosten. Tibet wurde zum Großreich. In dieser Blütezeit wurde die dezentralisierte Nomadengemeinschaft Tibets zu einem zentral regierten Staat.

Aus politischen Gründen heiratete Songtsen Gampo zunächst die nepalesische Prinzessin Bhrikuti. In ihrem Gefolge kamen Künstler ins Land, die wesentlichen Einfluss auf die Architektur gewannen. Auch Priester befanden sich in ihrem Gefolge. Die erste Phase der Bekehrung zum Buddhismus setzte ein.

Einige Jahre später wurde die chinesische Prinzessin Wencheng die zweite Gemahlin Songtsen Gampos. Durch diese Heirat konnte der Krieg zwischen Tibet und China beendet werden.

Songtsen Gampo ließ eine eigene tibetische Schrift entwickeln, um buddhistische Werke in die Landessprache übersetzen zu können. Buddhismus und die wesentlich ältere Naturreligion Bön existierten über lange Zeit parallel.

Um 775 n.Chr. gründete der indische Gelehrte Padma Sambhava in Samye das erste buddhistische Kloster.

Tibetische Mönche: eine politische Heirat brachte den Buddhismus ins Land.

Die Anhänger der Bön-Religion wurden nach unzähligen Auseinandersetzungen „verbannt“: wie die heidnischen Rituale im Christentum wurde Bön vom Buddhismus vereinnahmt. 779 wurde der Buddhismus zur Staatsreligion erhoben.

Anfang und Mitte des 9. Jahrhunderts führten die Spannungen zwischen buddhistischen Strömungen einerseits, zwischen dem Adel und den Mönchen andererseits zum Zerfall des Großreiches. Buddhisten-Verfolgungen waren die Folge, Bön-Gelehrte kehrten zurück.

Im 10. Jahrhundert kam es zur zweiten Phase der Bekehrung. König Yeshe Ö initiierte und förderte den buddhistischen Glauben. Zahlreiche bedeutende Klöster wie Sakya oder Rateng entstanden. Philosophische Schulen wurden begründet und bilden heute noch die Basis der verschiedenen buddhistischen Strömungen in Tibet.

Einer der heute noch berühmtesten Gelehrten dieser Zeit ist Milarepa (1040—1123), dessen Meditations-Höhle ein Anziehungspunkt für Tourist_innen ist.

Die folgenden Jahrhunderte waren geprägt durch die Mongolen. Dschingis Khan einte die mongolischen Stämme und errichtete sein riesiges Reich. Auch Tibet fiel unter seine Herrschaft.

Die Herrschaft der Gelugpas

1357 wurde Tsongkhapa geboren. Der buddhistische Gelehrte gilt als Gründer der „Gelugpa-Schule“ oder „Gelbmützen“, einer tibetisch-buddhistischen Strömung. Er löste eine Bewegung aus, in deren Folge große Klöster und Lehrzentren wie Ganden, Drepung, Sera oder Tashilhünpo entstanden. Zweihundert Jahre später wurden die Gelugpa zur vorherrschenden religiösen und weltlichen Macht Tibets.

Der Gelugpa-Mönch Sönam Gyatso erhielt im Jahr 1578 vom mongolischen Khan den Titel Dalai Lama.

Rückwirkend wurde Tsongkahpas Neffe und Gründer des Kloster Tashilhünpo, Gendün Dub, zum ersten und der Abt von Drepung, Gendün Gyatsho, zum zweiten Dalai Lama ernannt.

Der fünfte Dalai Lama Ngawang Lozang Gyatsho (1617-1682) wurde zum Begründer der lamaistischen Autokratie. Er war erstes politisches und religiöses Oberhaupt Tibets. Unter seiner Herrschaft wurde der Potala als Sitz des Dalai Lama in Lhasa gebaut.

Die folgenden Jahrhunderte waren wieder geprägt von Kriegen gegen die Mongolen und die Chinesen. Immer wieder wurde der Dalai Lama in seinen Wiedergeburten entführt und ermordet. Einige von ihnen erreichten nicht einmal die Volljährigkeit.

Die Statue von Tsongkhapa in Ganden.

Unter dem 13. Dalai Lama (1876-1933) wurden umfassende Reformen durchgeführt. Britannien und Russland suchten diplomatische Beziehungen. China bemühte sich, seinen Einfluss aufrecht zu erhalten.

1904 unternahmen die Briten eine militärische Expedition nach Tibet unter der Leitung von Colonel Younghusband. Tibet musste sich ergeben, die Briten verliehen den Chinesen das Recht zur Eröffnung von Handelsniederlassungen in Tibet.

1911 wurde die Chinesische Republik ausgerufen. Im Jahr darauf verließen die letzten chinesischen Truppen Tibet. Dennoch versuchte China, über den Panchen Lama seinen Einfluss in Tibet aufrecht zu erhalten. Der 13. Dalai Lama Thubten Gyatso flüchtete 1923 in die Mongolei.

Der „Dzong“, die Befestigungsanlage in Gyantse, galt bis zur blutigen Erstürmung durch Colonel Younghusband jahrhundertelang als uneinnehmbar.

Die Briten förderten zu diesem Zeitpunkt den Ausbau der Infrastruktur. Ein Postdienst mit dem Ausland, eine Münzprägeanstalt und Papiergeld wurden eingeführt, eine Polizeitruppe aufgestellt.

Politisch isolierte sich Tibet erneut. Das Land schottete sich durch seine restriktive Einreisepolitik vom Ausland ab. Im Juni 1935 wurde der gegenwärtige 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso geboren.

Von China „friedvoll befreit“

Als Indien im Jahr 1947 von Großbritannien unabhängig wurde, verlor auch Tibet einen wesentlichen politischen Partner und diplomatische Unterstützung. 1949 proklamierte Mao Zedong die „Kommunistische Volksrepublik China“. Die tibetische Regierung verwies noch alle chinesischen Beamten des Landes. Im Oktober 1950 fand jedoch die Invasion durch chinesische Truppen in Tibet statt.

Im November 1950 übernahm der erst 15jährige Dalai Lama Tenzin Gyatso die Regierungsgeschäfte. Die Tibeter_innen trugen ihre Situation den Vereinten Nationen vor. Einzig El Salvador verurteilte die Vorgangsweise Chinas, alle anderen Mitglieder enthielten sich der Stimme.

Im Mai 1951 wurde eine tibetische Delegation in Peking gezwungen, das „17-Artikel-Abkommen“ zu unterzeichnen. China verpflichtete sich darin, weder das Regierungssystem Tibets noch den Status des Dalai Lama anzufechten. Umgekehrt musste Tibet die Herrschaft Chinas anerkennen. 1954 wurde Tenzin Gyatso sogar zum stellvertretenden Vorsitzenden des „Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses“ gewählt. China selbst hielt sich nie an das Abkommen, die Position im Ausschuss brachte dem Dalai Lama keinerlei Vorteil oder Einfluss.

Am 10. März 1959 kam es in Lhasa zu einem Volksaufstand, der von den chinesischen Militärs brutal niedergeschlagen wurde. Der Dalai Lama konnte das Chaos dieser Tage nutzen, um ins indische Exil zu flüchten.

Erneut beriet die Vollversammlung der Vereinten Nationen über den völkerrechtlichen Status von Tibet. Eine Entscheidung wurde jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt. China reagierte darauf mit „politischer Säube-rung“. Bis zum Beginn der chinesischen Kulturrevolution 1966 wurden 90 Prozent aller Klöster und Kulturdenkmäler zerstört.

Ein renoviertes Kloster mit chinesischen Wimpeln anstelle tibetischer Fahnen, mit Aluminium-Fenstern und Laminat-Böden.

1960 fanden die ersten demokratischen Parlamentswahlen der Exilregierung Tibets statt.

Drei Jahre später verkündet der Dalai Lama eine demokratische Verfassung Tibets.

1965 gründet die chinesische Regierung die „Autonome Region Tibet“. Das ursprüngliche Land wurde damit um mehr als die Hälfte verkleinert.

Im Jahr 1989 wurde das Kriegsrecht über Lhasa verhängt. Zuvor waren Berichte über gewaltsam niedergeschlagene Demonstrationen in ganz Tibet gegen die chinesische Herrschaft an die Weltöffentlichkeit gelangt.

Der Dalai Lama setzte sich weltweit für die Befreiung Tibets ein. Prominente Persönlichkeiten und viele Organisationen, Vereine und Komitees versuchten, Tibet zu unterstützen. Im Oktober 1989 wurde dem Dalai Lama in Oslo der Friedensnobelpreis verliehen.

Von Heinrich Harrers 7-Jahre-Idylle zur Realität um Olympia 2008

In Europa wurde Tibet als Land erstmals 1953 verstärkt wahrgenommen. In diesem Jahr erschien die Erstauflage von Heinrich Harrers Buch „Sieben Jahre in Tibet. Mein Leben am Hofe des Dalai Lama“. Das Buch wurde in mehr als 60 Sprachen übersetzt und 1997 in Hollywood verfilmt.

Etwa ab den 1980er Jahren wurde Tibet als Reiseziel beliebter. Zunächst war es nur einzelnen Personen möglich, das Land zu bereisen. Spätestens zur Jahrtausendwende wurde es „schick“, auch einmal in Tibet gewesen zu sein. Über Tourist_innen gelangten auch die ersten Nachrichten über massive Menschenrechtsverletzungen an die Weltöffentlichkeit.

Für einiges Aufsehen sorgte der Film „Flucht über den Himalaya“ von Maria Blumencron im Jahr 1999. Darin begleitet sie tibetische Kinder, die im Winter von ihren Eltern über den Himalaja ins indische Exil geschickt werden.

China entdeckte den Tourismus als willkommene Einkommensquelle. Für Reisegruppen wurde die Einreise erleichtert. Die Eröffnung der Bahnstrecke zwischen Peking und Lhasa im Jahr 2006 führte zu einem Anstieg des Tourismus um etwa 60 Prozent. Die meisten Tourist_innen kamen aus China selbst. Sie wollten den exotischen Teil „ihres“ Landes besichtigen.

Chinesische Fremdenführer_innen wurden eingesetzt, die jedoch mit der tibetischen Kultur sehr respektlos umgingen. Ihre lauten Erläuterungen übertönten die betenden Mönche in Versammlungshallen. Heilige Statuen umrundeten sie gegen den Uhrzeigersinn - für Tibeter_innen eine Entwürdigung.

Protest an der Außenmauer des tibetischen Viertels in Delhi.

Unzählige Klöster wurden wieder aufgebaut. Allerdings benötigten Mönche eine Lizenz. Wer den Potala, den Sitz des Dalai Lama in Lhasa, besichtigen wollte, musste sich Tage vorher für eine Eintrittskarte anmelden.

Erst durch die Olympischen Spiele 2008 in Peking kam Tibet in den Mittelpunkt der medialen Berichterstattung. Die jahrzehntelange Unterdrückung führte zu massiven Protesten in Tibet. Ihren Höhepunkt fanden sie am 10. März, dem Jahrestag des ersten Volksaufstandes 1959.

Wieder waren es Tourist_innen, die Bilder von der Brutalität der chinesischen Militärs aus dem Land brachten. Bilder von gewalttätigen Mönchen, die von China selbst verbreitet wurden, erwiesen sich später als Fälschungen. Weltweit fanden Solidaritätskundgebungen statt. Mönche wurden zur „Umerziehung“ in Lager verschleppt, Gefangene gefoltert.

Seit 2008 ist die Hauptstadt Lhasa ab Mitte Februar bis Mitte April für Tourist_innen gesperrt. Die chinesische Regierung fürchtet neuerliche Ausschreitungen. Aber auch in den anderen Monaten ist die Polizeipräsenz in Lhasa enorm.

Die Zahl der Selbstverbrennungen, mit denen Tibeter_innen gegen die chinesische Herrschaft protestieren ist bereits auf etwa 150 gestiegen.

Anfang 2009 gab der regionale Volkskongress der Autonomen Region Tibet bekannt, dass künftig am 28. März die „Befreiung der Tibeter von der Leibeigen schaft“ gefeiert wird. Exiltibeter_innen weltweit wurden damit ein weiteres Mal vor den Kopf gestoßen.

Mitte des Jahres 2016 rückten in Larung Gar, dem größten Kloster und Buddhimus-Akademie in Ost-Tibet chinesische Arbeiterkolonien an. Bis dahin lebten mehr als 10.000 Mönche und Nonnen in diesem Komplex. Die chinesische Regierung will ihre Zahl auf unter 5.000 senken und zerstörte daher große Teile des Kloster-Areals.

Der 10. März spielt in der internationalen Tibet-Bewegung eine große Rolle. Weltweit finden Solidaritätskundgebungen statt, tibetische Flaggen werden auf vielen privaten und öffentlichen Gebäuden gehisst.

Hunde in Tibet: Schutz, Wärme und Glaube