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Dörren und Trocknen erlebt derzeit eine wahre Renaissance. Durch die traditionelle Art des Haltbarmachens von Obst und Gemüse bewahren Sie nicht nur alle Nährstoffe, Sie veredeln und verwandeln das Dörrgut gleichzeitig zu feinen Spezialitäten. Achim Samwald gibt Ihnen in diesem kompakten Ratgeber alle Grundlagen zu den verschiedenen Dörr- und Trockentechniken, den optimalen Dörrzeiten, zur richtigen Lagerung und idealen Verarbeitung an die Hand. Die Basisanleitungen zum Dörren von Obst, Gemüse, Gewürzen, Körnern, Pilzen und Nüssen machen fit für den umfassenden Rezeptteil: Vom Trockenfruchtkompott über Pilzaufstriche bis hin zu Feigenschnitten. Zaubern Sie Ihre ganz eigenen Leckerbissen!
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Seitenzahl: 152
Veröffentlichungsjahr: 2019
Achim Samwald
Früchte, Gemüse, Kräuter, Pilze und mehr
6., aktualisierte Auflage
Schnellübersichten
Trockenzeiten
Dörr- und Lagerprobleme
Unser Buch „Dörren“ ist der beste Beweis dafür, dass sich der Wunsch nach richtiger und gesunder Ernährung unaufhaltsam in das Bewusstsein der Bürger drängt. Wir sind nun bereits in der sechsten, aktualisierten Auflage angelangt und das Interesse für die Methode des Dörrens bestätigt auch – vielleicht als Antwort auf den Regelwahn aus Brüssel – das Verlangen zu mehr Eigeninitiative in der Lebensmittelversorgung und Unabhängigkeit von industriegefertigten Nahrungsmitteln. Längst ist bekannt, dass das Immunsystem unseres Körpers auf manche Nahrungsmittel wie auf Krankheitskeime reagiert. Das bedeutet, dass unverdaute Nahrungsmittelstoffe, die die natürliche Barriere der Darmschleimhaut passiert haben, buchstäblich als Eindringlinge und nicht als Nährstoffe erkannt und bekämpft werden: Die Maschinerie der Immunabwehr läuft im Körper an. Dieses Verhalten führt letztendlich in die Krankheit, wenn das Immunsystem nachlässt.
Die Invasion der Hochbeete in den letzten Jahren lässt sich in vielen Gärten und Schrebergärten verfolgen: Man will auf gesundes, selbst gezogenes Gemüse und Obst nicht mehr verzichten und das Dörren der geernteten Früchte hat daran einen wichtigen Anteil.
Im Gegensatz zu Verfahren wie Pökeln, Räuchern, Einkochen, Einlegen oder Vergären brauchen wir beim Dörren keinerlei sonstige Zutaten, nur ausreichende und gleichmäßige Wärmezufuhr. Und sogar diese bekommen wir im Sommer, wenn wir draußen dörren können, von der Sonne kostenlos geliefert. Und trotzdem – ganz ohne Technik geht es auch beim Dörren heute meist nicht mehr: Es hat sich nämlich mittlerweile beim Angebotsspektrum der Dörrgeräte sehr viel getan und ein modernes Dörrgerät ist eine saisonunabhängige Bereicherung für jeden Vollwerthaushalt. Die technischen Verbesserungen kommen wiederum dem Dörrvorgang zugute, der auf diese Weise rascher abläuft.
Wer richtig dörrt, wird mit dem reichhaltigen Geschmacksangebot der Natur belohnt und versorgt zugleich seinen Körper mit allen wichtigen Nahrungsstoffen in ihrer natürlichsten Form – nämlich naturbelassen. Es ist erstaunlich, welch hervorragende Fruchtmischungen sich mit ein wenig Einfallsreichtum und Freude am Experimentieren erzielen lassen. Besuchen Sie mich gern im Internet unter www.doerren.com.
Bedanken möchte ich mich bei den Firmen im Bezugsquellenverzeichnis für ihre bereitwillige Unterstützung rund ums Thema Dörren; Dank gebührt auch meiner Familie für die Geduld und das Verständnis, wenn meine intensive Beschäftigung rund ums Dörren wieder einmal Vorrang gegenüber unserem Familienleben hatte.
Achim Samwald, München
Viele Obstarten intensivieren durch das Dörren ihren Geschmack, werden süßer, schmecken gehaltvoller und bieten damit viele neue Möglichkeiten für Gerichte.
Fast jede Obst- und Gemüseart ist durch Trocknen auf schonende Weise haltbar zu machen. Frische pflanzliche Lebensmittel besitzen einen relativ hohen Wassergehalt von etwa 80 bis 90 Prozent, der zusammen mit dem Gehalt an natürlichen Nährstoffen eine günstige Wachstumsgrundlage für Mikroorganismen wie Schimmelpilze und Bakterien darstellt. Diese vermehren sich unter solchen Bedingungen bei normaler Temperatur und leiten Fäulnis- und Gärungsprozesse ein, die die Frucht ungenießbar machen.
Ziel jeder Konservierung ist es, diese Vorgänge auszuschalten, indem man den schädlichen Organismen die Lebensgrundlage Wärme und Feuchtigkeit entzieht.
Wirkungsvoll, wenn auch für vergleichsweise kurze Zeit, verlängert man die Haltbarkeit schon durch einfaches Absenken der Temperatur in einem Kühlschrank. Dauerhafter ist jedoch der weitgehende Wasserentzug, die Dehydrierung. Dabei ist zu beachten, dass viele Schimmelpilze erst bei einem Wassergehalt von weniger als 15 Prozent ihre zersetzende Tätigkeit einstellen, während sich die meisten Bakterienarten schon bei 35 Prozent Wassergehalt nicht mehr vermehren.
Beim Dörren geschieht Folgendes: In der an den Früchten vorbeiströmenden, erwärmten Luft verdunstet die Feuchtigkeitsschicht an der Oberfläche der Früchte und wird aus dem Inneren wieder ausgeglichen um erneut zu verdampfen. Diese Vorgänge laufen dabei umso rascher ab, je höher die Umgebungstemperatur ist. Natürlich spielen dabei auch die Durchlässigkeit des pflanzlichen Gewebes und die Oberflächengröße eine wichtige Rolle; je durchlässiger das Gewebe und je größer die Verdunstungsoberfläche, desto rascher erfolgt die Trocknung.
Die Erwärmung beim Dörrvorgang bewirkt also nicht wie bei der Sterilisation eine Keimabtötung, sondern ist nur für den Grad des Wasserentzuges bestimmend.
Wichtigste Bedingungen für das Dörren sind also strömende Luft und Wärme. Damit die vorbeiströmende Luft die abgegebene Feuchtigkeit aufnehmen kann, muss sie möglichst trocken sein. Die Luft muss strömen können, d.h. feuchte Luft muss abziehen und trockene nachfolgen können.
Bei den verschiedenen Methoden der Trocknung wird man immer versuchen, den Dörrvorgang rasch und gleichmäßig durchzuführen. Die höchstmögliche Temperatur ist aber keineswegs die beste, denn große Hitze zerstört wertvolle Inhaltsstoffe und beschleunigt chemische Prozesse im organischen Gewebe, die wertmindernd wirken (Oxidation, Bräunungsvorgänge o. Ä.), lässt die Fruchtoberfläche hart und vielfach brüchig werden, verändert den Geschmack der Früchte ungünstig, bewirkt teilweise die Überführung von Mikroorganismen in stabile Dauerformen, die sich später bei idealen Temperaturverhältnissen wieder in aktive Bakterien zurückverwandeln und erzeugt zudem hohe Energiekosten.
Auch eine niedrige Temperatur ist zu vermeiden, da die Fäulniserreger dabei genügend Zeit erhalten, sich zu vermehren und das Trockengut anzugreifen, bevor der Wasserentzug wirksam wird.
Aus diesen Gründen sind gewisse optimale Temperaturen vorzusehen, die je nach Fruchtart zwischen 30 und 70 °C liegen, wobei es jedem überlassen bleibt, ob er auf wirtschaftliches, schnelles Dörren oder einen möglichst hohen Gehalt an Nährstoffen bei schonendem Trocknen Wert legt.
Halbierte Cocktailtomaten, abgewürzt.
Trotz Konservenflut und wachsender Nutzung der Gefriertruhe haben industriell hergestellte Trockenfrüchte nicht nur ihren Absatz auf dem Markt behaupten können, sondern ihr Anteil steigt weiter an. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen hat sich in der Bevölkerung während der letzten Jahre ein steigendes Bewusstsein für die Natur, für gesunde Ernährungsmethoden und eigenes Wohlbefinden herausgebildet; zum anderen wächst wieder die Freude am Selbermachen, an alten, bewährten Techniken und Rezepten und an traditionsreicher Küche, in der Trockenobst eine wichtige Rolle spielt. Selbst gemachte Trockennahrung ist zweifellos eine andere Form der ursprünglichen Frischnahrung ohne jeglichen Zusatz von chemischen Haltbarmachern. Allerdings verändert dieses Verfahren in vielen Fällen den Geschmack und Geruch der pflanzlichen Lebensmittel. Etliche Obstarten intensivieren durch das Dörren ihren Geschmack und enthalten danach konzentrierte Nährstoffe, werden süßer, schmecken gehaltvoller und bieten damit viele neue Möglichkeiten für Gerichte.
Stellt man das Dörren anderen üblichen, häuslichen Konservierungsmethoden wie Einkochen oder Tiefkühlen gegenüber, so ergeben sich einige Vorteile:
1. Der Wasserentzug macht die Nahrung leicht und verringert ihr Volumen.
2. Die Lagerung ist einfach und beansprucht nur wenig Platz.
3. Die Kosten für das Dörren sind gering, nutzt man vorhandene Energiequellen wie Sonne, Luft oder eine im Haus vorhandene Wärmequelle.
4. Vitamine, Mineralstoffe und Faserstruktur bleiben weitgehend erhalten und der Nährwert ist auf Grund der Konzentration besonders hoch; nur Vitamin C wird abgebaut und ist anderweitig auszugleichen.
5. Zu Hause getrocknetes Obst und Gemüse ist frei von Konservierungsstoffen.
6. Geringes Gewicht und Volumen, hohe Nährstoffkonzentration und großer Ballaststoffanteil machen Trockenfrüchte zur idealen Nahrung auf Reisen und auf Wanderungen.
7. Veränderungen von Geschmack und Konsistenz bei einigen Früchten gegenüber der Frischware ergeben neue Verwendungsmöglichkeiten. Damit ist Trocknen mehr als nur ein Ersatz für andere Konservierungsmethoden.
Beim Einkochen werden durch das Erhitzen auf hohe Temperatur Vitamine weitgehend zerstört, ebenso Ballaststoffe und Rohfasern, und der notwendig hohe Zuckergehalt des Einkochgutes ist ebenfalls nachteilig. Bei Dosen ist zudem der manchmal monatelange Kontakt der Früchte mit dem umgebenden Blech in gesundheitlicher Hinsicht fragwürdig.
Zum Dörren von Obst, Gemüse, Kräutern oder Pilzen bieten sich je nach Bedingungen und Trockengut verschiedene zweckmäßige Methoden an, die hier vorgestellt werden.
Die Entscheidung für die eine oder andere hängt von der Menge und der Art des Trockengutes ab, das man produzieren möchte, von den räumlichen Möglichkeiten und vorhandenen Heizquellen, die man nutzen möchte. Ein Anfänger, der sich noch nicht sicher ist, ob er wirklich künftig einen Teil seiner Gartenernte trocknen will und ob ihm die Produkte schmecken werden, wird erst auf einfachste Weise experimentieren. Ein begeisterter Bastler baut sich dann selbst seinen Trockenschrank und versieht ihn möglicherweise nach und nach mit allerlei Verbesserungen. Wer sich den Selbstbau nicht zutraut, findet „sein“ Gerät unter den im Handel angebotenen Elektrogeräten.
Die einfachste Methode, Früchte zu dörren, ist das Trocknen an der Luft. Zu niedrige Temperaturen und unerwünschte Lichteinwirkung führen oft nur zu mäßig befriedigenden Ergebnissen, vor allem bei Früchten, die sich leicht verfärben oder sehr wasserreich sind. Durchaus geeignet ist diese Methode für dünn geschnittene Pilze, Kräuter, mit stark verdünnter Zitronensäure behandelte, aufgefädelte Apfelscheiben u.Ä.
Das vorbereitete Obst oder Gemüse legt man auf ein Trockensieb (z.B. ein rostfreies Fliegengitter mit Holzrahmen), auf Packpapier oder auf ein Drahtgeflecht, oder aber man reiht es auf eine dünne Schnur. Letzteres kommt vornehmlich für Pilze, Bohnen und Apfelspalten in Frage. Kräuter lassen sich einfach zu kleinen Sträußchen binden, die man dann mit den Blütenständen nach unten aufhängt. Das Trockengut soll dabei möglichst nicht der prallen Sonnenbestrahlung ausgesetzt sein, die einen Verlust an Nährstoffen und Vitaminen bewirkt. Außerdem kommt es je nach Obstart zu einer Verfärbung der Fruchtstückchen. Eine gute Luftzirkulation, Staubfreiheit und niedrige Luftfeuchtigkeit sind die Vorbedingungen für erfolgreiches Trocknen an der Luft. Der geeignetste Ort hierfür ist ein Schuppen, ein luftiger Dachboden oder ein regengeschützter, überdachter Balkon.
Zum Trocknen aufgefädelte Apfelringe.
Verschiedene Trockenmöglichkeiten zum Dörren an der Luft: Hängende, miteinander verbundene Dörrsiebe, aufgefädelte Pilze und Bohnen.
Mit Lufttemperaturen von mehr als 30 bis 35 °C kann man in unseren Breiten bei der Trocknung kaum rechnen, weshalb man besonderes Augenmerk auf ordnungsgemäßes, schimmelfreies Dörren legen muss. Dazu gehört tägliche Kontrolle und mehrmaliges Umschichten des Dörrgutes.
In der Pfalz blickt die Obsthorte, auch Hörtel genannt, auf eine lange handwerkliche Tradition zurück. Diese aus unbehandeltem Fichtenholz hergestellte Vorrichtung dient dem Darren bzw. Dörren von Obst. Das Flechtwerk sorgt nämlich für eine gute Durchlüftung und Trocknung des Obstes und eignet sich daneben auch hervorragend für die Aufbewahrung von Frischobst und auch als Präsentkorb. Für die eigene Herstellung werden Rundholzstücke aus Fichtenholz wiederholt halbiert, bis dünne, 1,5 bis 2 cm breite Spalten entstehen – vergleichbar der früher weit verbreiteten Fertigung von Dachschindeln.
Die angefeuchteten Spalten werden in den Rahmen eingeflochten, der aus zwei parallel zueinander liegenden Flachhölzern (ca. 1 cm stark) besteht, die über etwa fünf Querstreben miteinander verbunden sind. Die beiden äußeren Streben sind an ihren Enden abgeflacht und werden über schräg angebrachte Schlitze (ca. 15 mm lang, 3 mm breit) in den Rahmen gesteckt. Die drei mittleren Streben sind an den Enden abgerundet und werden in Löcher mit etwa 3 mm Durchmesser eingelassen, die zuvor in den Rahmen gebohrt wurden.
Der Hörtel ist praktisch und dekorativ zugleich.
Für ein einfaches Trockensieb im Selbstbau benötigt man vom Schreiner oder Heimwerkermarkt acht Holzleisten, von denen vier Stück 45 cm lang und vier 41 cm lang sind. Des Weiteren besorgt man sich Fliegengitter aus Nylon, Nägel sowie wasserunempfindlichen Holzleim. Auf eine lange Leiste legt man nun den Rand des Fliegengitterzuschnittes, bestreicht die Leiste mit etwas Leim, zentriert nun die kürzere Leiste darüber und fixiert sie mit zwei Nägeln. Nun dreht man das Gitter um 90 Grad und fügt eine kürzere Leiste an, auf die oben über dem Fliegengitter mit Leim und Nägeln eine lange aufgebracht wird. Man verwendet also rundherum wechselweise kurze und lange Leisten. Zuletzt schneidet man überstehende Ränder des Nylongitters ab.
Wer viel an der Luft trocknet, kann an den vier Rahmenenden Schraubösen anbringen und mehrere Gitter im Abstand von etwa 12 cm übereinander mit einer durchgezogenen Schnur zusammenhängen (siehe Seite 11). Der Nachteil dabei ist vielleicht, dass man das Trockengut nicht so leicht umschichten kann wie bei Trockensieben, die einzeln herausnehmbar sind. Dafür spart man sich den Kasten mit den Einschubleisten, der sonst notwendig wird, um die Siebe aufzunehmen.
Ein Trockensieb kann jeder ganz einfach selbst herstellen.
Im Backofen eines Elektroherdes lassen sich Früchte schön trocknen. Als Trockenroste verwendet man die Einschieberoste, von denen der Heißluftherd serienmäßig mehrere enthält und legt darauf Backtrennpapier oder spannt ein Gazetuch darüber, oder man fertigt, passend in die Einschiebeleisten des Herdes, Roste aus Drahtgitter, wie es für Kaninchenställe verwendet wird, indem man lediglich die Seitenkanten mehrfach umbiegt und dadurch versteift. Auch darauf sollte man Backtrennpapier legen, damit das Trockengut nicht mit dem Metall in Berührung kommt.
Man kann aber auch die Frucht- oder Gemüsestückchen auf rostfreie Metallstäbe oder auf das nötige Maß verlängerte Stricknadeln auffädeln und in die Leisten des Backofens schieben. Die Backofentür muss beim Trocknen immer einen Spalt geöffnet bleiben, damit die feuchte Luft abziehen kann.
Trocknen im Backofen mit Stricknadeln oder Metallstäben.
Hat das Trocknen an der frischen Luft die bereits genannten Nachteile, so ist der Backofen vor allem deshalb nicht ideal, weil während des mehrere Stunden bis zu zwei Tagen andauernden Trocknungsvorganges der Ofen nicht anderweitig benutzbar und der Energieverbrauch erheblich ist.
Wenn man vorhat, mehr oder weniger das ganze Jahr über Nahrungsmittel zu trocknen, empfiehlt sich deshalb die Anfertigung eines stabilen Trockenschrankes für den Dauergebrauch. Dies kann man je nach handwerklichem Geschick selbst in Angriff nehmen oder man kann einen Schreiner damit beauftragen. Es gibt auch die Möglichkeit, auf vorhandenes Material, etwa alte Bilderrahmen gleicher Größe, Bienenstockeinsätze usw. zurückzugreifen und den Kasten darum herum entsprechend zu dimensionieren. Im Prinzip handelt es sich dabei um einen einfachen Holzschrank, der die Möglichkeit bietet, Früchte staubfrei und mit optimalem Luftaustausch zu trocknen. Unten ist der Schrank immer offen, um das Aufsteigen der warmen Luft aus Heizschlangen, Heizlüfter usw. zu ermöglichen; vorne kann eine Tür zum Einschieben der Siebe geöffnet und oben ein Deckel aufgelegt werden, wenn der Schrank einmal ein paar Wochen unbenutzt herumsteht. Kleidet man die Wände mit Alu-Folie aus, wird die Wärme gut zurückgestrahlt.
Kleiner Trockenschrank, der über einer Kochplatte als Energiequelle stehen kann.
Ein Trockenschrank mit eingebautem elektrischem Heizlüfter ist auch im Eigenbau herzustellen. Hier ein Schrank nach der Bauanleitung im Hobbythek-Buch 6.
Der Trockenschrank besitzt an den Seitenwänden innen Leisten, in denen die Siebe geführt werden. Um richtigen Luftaustausch zu garantieren, haben sich im Wesentlichen zwei Methoden bewährt. Die eine besteht darin, dass man die Siebe so locker belegt, dass die Luft zwischen den Früchten ungehindert aufsteigen kann und gleichmäßige Trocknung die Folge ist. Die andere sieht vor, dass Einlegebretter, Bleche oder dicht belegte Siebe zueinander versetzt angeordnet sind, damit die Luft an ihnen vorbei streichen und zum nächstfolgenden Sieb aufsteigen kann. Bei dieser Anordnung muss der Kasten tiefer sein als die Siebe, damit sie versetzt angeordnet werden können. Wichtig ist auf alle Fälle, dass die Luft beim Trocknen oben entweichen kann. Man lässt daher den Deckel oben etwas offen oder befestigt ihn auf vier Klötzen etwa 5 cm erhöht, sodass die Luft aus den seitlichen Schlitzen ungehindert austreten kann.
Die Art der Ausführung und die Maße des Trockenschrankes richten sich nach den Wärmequellen.
Will man vorhandene Wärmequellen nutzen, finden kleinere Einheiten vielleicht auf einem freistehenden Kühlschrank Platz. Die Ölfeuerung im Keller, Warmwasserboiler, Öfen oder Heizkörper können Möglichkeiten bieten. Mit einiger Findigkeit gibt es in fast jeder Wohnung einen Platz, der die Ansprüche an Belüftung, Wärme und Staubfreiheit erfüllt. Die angeführten Beispiele mögen eine Anregung sein, sich im eigenen Haushalt umzusehen und eine Möglichkeit zu finden, um Obst und Gemüse zu trocknen.
Der Einsatz einer eigenen, regelbaren Wärmequelle erleichtert die Arbeit und verbessert das Ergebnis.
Ein kleinerer Schrank kann auf dem Elektroherd über einer Heizplatte aufgestellt werden. Besser geeignet ist eine Einzelkochplatte, weil damit der Herd zum Kochen frei bleibt. Weniger behelfsmäßig wird der Schrank durch den Einbau eines Heizlüfters, der möglichst mit einem Thermostat ausgestattet sein sollte und Platz unter dem ersten Trockenrost findet. Diese kleinen Geräte gibt es in Heizstufenbereichen von 500 bis 2000 Watt. Durch das Gebläse ist der Wirkungsgrad wesentlich besser.
Dörrapparat mit Stufenschalter für 10 kg Frischware.
Trockenschrank, der mit Sonnenenergie funktioniert und im Freien montiert wird. Die schräge Glaswand sammelt Wärme, die durch einen Schlitz in den Trockenschrank aufsteigt.
Dörrschrank aus Fichte als Fertigbausatz.
Auch mittels eines Solartrockners ist die Trocknung möglich.
Nicht allzu schwierig und vor allem preiswert ist es, einen Trockenschrank zu bauen, bei dem die Sonnenenergie als Heizquelle benutzt wird.
Ein Trockenschrank mit Boden und vorne aufklappbarem Deckel oder einer Lüftungsklappe an der Vorderwand für die Abluft wird auf etwa 50 cm hohe Pfosten gestellt. Die Rückwand der Kiste hat an der Unterseite eine 20 cm hohe Öffnung, an die der „Sonnenkollektor“ angefügt wird. Dazu wird eine dünne Spanplatte in der Breite der Trockenkiste und einer Länge von etwa 1 m mit dunkler Folie bespannt. Darüber werden unten und seitlich 20 cm starke Holzlatten genagelt und diese mit einer Glasscheibe abgedeckt. Strahlt die Sonne auf die Glasscheibe, erwärmt sich die Luft im Innern und steigt durch die Öffnung in die Kiste.
Dass dies nur bei gutem Wetter funktioniert und wenn der Sonnenkollektor nach der Sonne ausgerichtet ist, schränkt die Gebrauchsfähigkeit natürlich ein.
Wer Trockenobst selbst herstellen möchte und nicht über Möglichkeiten zur Lufttrocknung oder über genügend Platz zum Aufstellen eines Trockenschrankes verfügt, und wer sich nicht an den Eigenbau wagt, verwendet ein elektrisches Dörrgerät. Der Handel bietet heute eine große Auswahl an Dörrapparaten verschiedener Hersteller an, mit denen in mehreren Lagen getrocknet werden kann. Außerdem ist dabei eine gleichmäßige Trocknung über einen Ventilator gewährleistet.
Die Geräte aus hitzebeständigem Kunststoff bestehen im Wesentlichen aus einem stabilen Untersatz, der den Heizteil, den Thermostat und oft auch eine Schaltuhr enthält und darüber liegenden geschmacksneutralen Trocken- oder Dörrsieben, die mehrfach ineinander gesteckt werden können. Der Heizteil ist eine Heizspirale oder Wärmeschlange mit einem elektrischen Gebläse, das die Wärme durch die Siebe schickt. Die manuelle Temperaturregulierung ermöglicht die Dosierung der aktiven Warmluftzirkulation auf das entsprechende Trockengut und verhindert so Überhitzung und damit sprödes Trockengut. Das Dörrgerät des Schweizer Herstellers Stöckli gibt es als Modell mit und ohne Timer im Handel. Und wer gar noch ein SIGG Dörrex Dörrgerät betreibt, den wird die gute Nachricht freuen, dass man die Siebe von Kaltenbach beim Dörrex verwenden kann und umgekehrt, denn diese Siebe sind baugleich.
