1,99 €
Bei Grete Roloff, der größten Klatschbase von Altenhagen, hat sich ein Mann eingenistet, der behauptet, ihr Neffe zu sein. Grete lässt sich von ihm in seinem tollen Sportwagen durchs Dorf kutschieren und macht eine große Schau daraus.
Gerlinde Semmelweiß, der Haushälterin der Altenhagener Landärzte, ist dieser Gerd Kortener hingegen von Anfang an nicht geheuer. Sie versucht, ihre Freundin zu warnen. Grete will davon allerdings nichts wissen.
Doch dann zeigt Gerd beim Dorffest sein wahres Gesicht. Es kommt zu einer wilden Schlägerei, als er das Heidemädchen Susanne zum Tanz auffordert. Und damit fangen die Schwierigkeiten für die Dorfbewohner erst an ...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 99
Veröffentlichungsjahr: 2016
Cover
Impressum
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens
Wenn rote Rosen welken …
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: shutterstock / wavebreakmedia
Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-2398-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens:
Dr. Karsten Fabian – Arzt mit Leib und Seele, ehemals Chirurg im Elbe-Krankenhaus.
Florentine Fabian – geborene Fiedler, seine immer vergnügte, bildhübsche Frau.
Svenja, Tim und Jan – die aufgeweckten Kinder der Fabians, die von allen verwöhnt werden.
Dr. Albrecht Heideck – der ältere der beiden Landärzte, wohnt und praktiziert mit seinem jungen Kollegen in der Löwenvilla. Er ist Witwer.
Johannes Bruhns – Imker, Heidschnuckenzüchter und bester Freund von Dr. Heideck. Er kennt sich in der Naturheilkunde bestens aus.
Gerlinde Semmelweiß – Haushälterin in der Löwenvilla, abergläubisch und immer auf dem Laufenden, was Neuigkeiten im Dorf betrifft.
Schwester Bernhardine – unentbehrliche Helferin von Dr. Fabian und Dr. Heideck.
Helene Fromm
Wenn rote Rosen welken …
Als Susanne sich in den Falschen verliebte
Von Ulrike Larsen
Bei Grete Roloff, der größten Klatschbase von Altenhagen, hat sich ein Mann eingenistet, der behauptet, ihr Neffe zu sein. Grete lässt sich von ihm in seinem tollen Sportwagen durchs Dorf kutschieren und macht eine große Schau daraus.
Gerlinde Semmelweiß, der Haushälterin der Altenhagener Landärzte, ist dieser Gerd Kortener hingegen von Anfang an nicht geheuer. Sie versucht, ihre Freundin zu warnen. Grete will davon allerdings nichts wissen.
Doch dann zeigt Gerd beim Dorffest sein wahres Gesicht. Es kommt zu einer wilden Schlägerei, als er das Heidemädchen Susanne zum Tanz auffordert. Und damit fangen die Schwierigkeiten für die Dorfbewohner erst an …
Grete Roloff stand im Erdgeschoss am Fenster und blickte hinaus. Sie rieb sich fröstelnd die Arme und beobachtete, wie sich die Birken neben der Straßenlaterne im Sturm bogen. Regen peitschte gegen die Fenster. Es war ein Wetter, bei dem man nicht einmal einen Hund vor die Tür jagte.
Jetzt einen Tee mit Rum, dachte Grete und eilte auch schon in die Küche. Kurze Zeit später summte der Wasserkessel auf der Herdplatte. Die magere Frau goss Tee auf und trug Kännchen und Tasse auf einem kleinen Tablett ins Wohnzimmer.
Aus dem großen protzigen Wohnzimmerschrank holte sie eine Flasche Rum, die sie ebenfalls auf den Tisch stellte, um es sich anschließend vor dem Fernseher gemütlich zu machen.
Lieber wäre sie im Dorf herumgestreift, immer auf der Suche nach Sensationen. Grete Roloff war als die größte Klatschbase des Heidedorfs Altenhagen bekannt.
Sie zuckte erschrocken zusammen, als es laut und anhaltend läutete. Grete war es nicht gewohnt, Besuch zu bekommen. Sie lief neugierig zur Haustür und öffnete.
Verdutzt musterte sie den jungen Mann, der sie strahlend ansah und die Arme ausbreitete. Sie wich einen Schritt zurück.
»Ich glaube, Sie haben sich in der Adresse geirrt, junger Mann«, erklärte sie unwirsch und wollte die Tür wieder zuschlagen.
Blitzschnell schob der junge Mann einen Fuß zwischen Tür und Rahmen, und Grete Roloff bekam es mit der Angst zu tun. Krampfhaft überlegte sie, was zu tun sei, als ihr Blick auf die Axt fiel, die sie heute Nachmittag in den Keller hatte bringen wollen. Schnell griff sie danach.
»Hören Sie, ich schlage mit der Axt auf Ihren Fuß, wenn Sie nicht sofort verschwinden!«, rief sie drohend.
»Tante Grete, erkennst du mich denn nicht mehr?«, rief der späte Besucher, der vorsorglich den Fuß zurückzog, denn aus Erzählungen seiner Mutter wusste er, dass mit Grete nicht zu spaßen war. »Ich bin’s, Gerd. Gerd Kortener, dein Neffe.«
»Gerd?«, wiederholte sie misstrauisch.
Mein Gott, ihn hatte sie schon seit Jahren nicht mehr zu Gesicht bekommen.
»Schieb deinen Ausweis durch den Türspalt«, ordnete sie barsch an.
Eine Plastikkarte wurde Sekunden später durch den schmalen Spalt geschoben. Grete nahm sie entgegen, prüfte sie gründlich und öffnete die Tür.
»Du hast ja tatsächlich eine Axt«, staunte Gerd. »Ich hätte geschworen, dass du nur bluffst.« Er betrat die Diele und verneigte sich leicht. »Tante Grete, du hast dich gar nicht verändert. Du bist immer noch so hübsch wie früher.«
Obwohl die Roloff für Schmeicheleien empfänglich war, zeigte sie ihm einen Vogel, denn das war selbst ihr zu dick aufgetragen.
»Das Süßholz kannst du dir sparen«, bemerkte sie kühl und musterte ihn eingehend.
So groß hatte sie ihn nicht in Erinnerung. Das pechschwarze Haar, das er von seinem Vater geerbt hatte, trug er straff zurückgekämmt, der schmale Oberlippenbart ließ ihn älter erscheinen.
»Na ja, wenn ich jetzt genauer hinsehe, dann bist du es wirklich«, sagte sie, schloss die Haustür und ging ins Wohnzimmer voran. »Du siehst deinem Vater sehr ähnlich.«
»Das behauptet jeder, der uns kennt«, erwiderte er, sah sich ungeniert im Wohnzimmer um und ließ sich unaufgefordert in einem Sessel nieder. Sein Blick fiel auf die Rumflasche. »Aber Tantchen, das hätte ich dir gar nicht zugetraut«, sagte er breit grinsend. »Du und Alkohol? Oder gehörst du gar zu denen, die heimlich abends an den Flaschen nippen?«
»Unsinn«, wehrte sie ab und setzte sich zu ihm. »Doktor Fabian hat es mir sogar verordnet, denn mein Kreislauf ist nicht der beste. Ein Gläschen am Abend, das ist Medizin, mein Lieber.«
»Na, wenn das so ist, dann nehme ich auch eins«, antwortete er. »Aber bitte ohne Tee.«
Seufzend erhob Grete sich, holte ein Schnapsglas, schenkte ein und stellte die Flasche rasch in den Schrank zurück, bevor Gerd auf die Idee kommen konnte, die medizinische Behandlung auszudehnen. Dann setzte sie sich wieder.
»Cheers, Tante Grete«, sagte Gerd und hob sein Glas in ihre Richtung, bevor er es in einem Zug leerte. »Ah, das tut gut.«
Es schmeckt nach mehr, fügte er in Gedanken hinzu, aber die Alte ist geizig. Mutter hatte völlig recht.
»Und was treibt dich nach Altenhagen, Junge?« Grete rang sich ein halbwegs freundliches Lächeln ab. »Ich habe deine Mutter schon seit Jahren nicht mehr gesehen, aber seit meiner Scheidung lebe ich sehr zurückgezogen.«
Natürlich wusste Gerd, dass Grete sich noch nie mit seiner Mutter vertragen hatte und dass alle Familienfeiern zu einem Fiasko wurden, wenn Grete mitmischte. Doch das verschwieg er wohlweislich, denn er wollte ja ein paar Tage ausspannen, und zwar so preiswert wie möglich. Wozu hatte man eine Tante auf dem Land, wenn man ihr Domizil nicht manchmal als Pension mit Vollverpflegung nutzen konnte?
»Du weißt es wahrscheinlich noch nicht, aber ich besitze in Hamburg ein kleines, aber sehr feines Reisebüro«, erzählte Gerd, lehnte sich zurück und schlug lässig die Beine übereinander. »Ich möchte mich hier ein bisschen umschauen, denn ich habe viele Kunden, die gern mal auf dem Land ihren Urlaub verbringen wollen.«
Nun ahnte Grete Roloff, was auf sie zukam, und sie war keineswegs begeistert. Die Tür konnte sie Gerd allerdings nicht weisen, denn dann sprach seine Mutter niemals mehr ein Wort mit ihr, und man wusste nie, wozu man seine Verwandten noch einmal gebrauchen konnte.
»Ich hoffe, du hast nichts dagegen, wenn ich mich ein paar Tage bei dir einniste?«
»Aber nein«, erwiderte sie und lächelte süßlich.
»Wunderbar.« Gerd Kortener nickte zufrieden. »Mama war auch sicher, dass du mich aufnimmst. Übrigens, ich soll dich sehr herzlich von ihr grüßen, von Papa natürlich auch.«
»Danke, danke.«
Grete griff zur Teetasse. Sie wollte Zeit gewinnen, denn sie musste ihm erklären, dass er sich hier keineswegs in einem Luxushotel befand und sich ihren bescheidenen Verhältnissen anpassen musste.
Diese Sorge nahm Gerd ihr ab, als er sagte: »Und morgen machen wir einen Großeinkauf, Tante Grete, denn ich will dir nicht auf der Tasche liegen. Weißt du, ich habe so meine Eigenheiten. Morgens liebe ich Eier mit knusprigem Speck, mittags habe ich am liebsten ein saftiges Steak mit viel Salat. Und diese Dinge werden wir einkaufen!« Er beugte sich zu ihr hinüber und tätschelte flüchtig ihre Hand. »Es ist ja schon genug, wenn du für mich kochst.«
Er lehnte sich wieder zurück. So, die einfachsten Dinge hatte er geklärt, nun konnte er zum gemütlichen Teil übergehen.
Gerds Erklärung, zur Beköstigung beizutragen, hatte Grete Roloff ein wenig versöhnt, und so ließ sie sich dazu hinreißen, eine Flasche Wein aus dem Keller zu holen.
Als sie wenig später den Wein tranken, der für Gerds Geschmack viel zu trocken war, berichtete er von seinen Reisen, die ihn in alle Welt führten.
Eines musste man Gerd Kortener lassen: Erzählen konnte er, und Grete lauschte ihm hingerissen, denn die Länder, von denen er anschaulich zu berichten wusste, kannte sie nur aus dem Fernsehen.
Manchmal, wenn Gerd eine kleine Atempause einlegte, gingen Gretes Gedanken eigene Wege. Sie wunderte sich über die Geschäftstüchtigkeit ihres Neffen, denn sie glaubte sich noch gut daran zu erinnern, dass er früher ein Tunichtgut, ein Hansdampf in allen Gassen gewesen war.
Vielleicht hat er sich die Hörner abgestoßen, dachte Grete, deren Blick inzwischen wohlwollend auf dem jungen Mann ruhte. Vielleicht ist er endlich zur Besinnung gekommen und hat erkannt, dass man nur durch Fleiß und harte Arbeit etwas im Leben erreichen kann.
»Tja, Tante Grete, die Reise war doch ganz schön anstrengend. Was hältst du davon, wenn du mir mein Zimmer zeigst? Wir können noch genug miteinander reden, denn eine Woche oder zehn Tage bleibe ich bestimmt.«
Diese Aussicht dämpfte Gretes Laune sofort wieder. Hatte er nicht von ein paar Tagen gesprochen? Sie lächelte säuerlich, als sie sich erhob.
»Ich muss erst das Bett frisch beziehen«, sagte sie. »Bleib noch ein wenig sitzen. Ich rufe dich, wenn dein Zimmer fertig ist.«
Das kam Gerd sehr gelegen, und kaum hatte seine Tante das Wohnzimmer verlassen, eilte er zum Schrank und griff nach der Rumflasche, aus der er einen tiefen Zug nahm.
***
Auf dem hübschen Hof des Bauern Luchten brannte an diesem Abend noch lange Licht, denn sein Sohn Henner war am späten Nachmittag eingetroffen. Die Semesterferien hatten begonnen, und die nächsten Wochen würde Henner bei seinen Eltern verbringen.
Helmas Augen glänzten, als sie ihren Sohn betrachtete, der ihr ganzer Stolz war. Noch niemals zuvor hatte es einen Lehrer in der Familie gegeben.
Auch Henner genoss den ersten Abend zu Hause. Seine Eltern hatten alles aufgetischt, was die Speisekammer zu bieten hatte, und der junge Mann ließ sich besonders den Schinken schmecken, den sein Vater noch selbst räucherte und der bei den Touristen besonders beliebt war.
»Mann, das schmeckt vielleicht gut«, sagte Henner, als er sich ein wenig zurücklehnte und die Hände auf den Bauch legte. »Wenn ich an das Essen in der Mensa denke, weiß ich jetzt erst, was mir entgeht.«
»Kriegt ihr da wenigstens genug? Wirst du denn auch satt, mein Junge?«, fragte Helma besorgt.
»Na ja, schlecht sieht er nicht gerade aus, Helma«, bemerkte Otto brummig und strich sich mit einer Hand über das graue struppige Haar, das mit allen Kämmen auf Kriegsfuß stand.
Henner griff über den blank gescheuerten Tisch in der riesigen Wohnküche und tätschelte die Hand seiner Mutter.
»Satt werde ich schon, Mutter, aber zu Hause schmeckt es einfach am besten.«
Helma Luchten strahlte, denn ein schöneres Kompliment hätte er ihr nicht machen können.
»Magst du einen Klaren?«, fragte der Vater. »Das ist gut für die Verdauung.«
»Klar, Vater.«
Otto stand auf, um Flasche und Gläschen zu holen, und Helma räumte den Tisch ab, als schwungvoll die Tür geöffnet wurde und Klaus hereinkam. Er war der älteste Sohn und sollte einmal den Hof übernehmen.
Schon vor Jahren hatte Klaus die Zeichen der Zeit erkannt, die Landwirtschaft drastisch eingeschränkt und die Scheune ausgebaut.
Sein Mut war belohnt worden, denn über einen Mangel an Gästen konnten sich die Luchtens nicht beklagen. Helma Luchten war eine ausgezeichnete Köchin, und ihre Schwiegertochter Elfi konnte tüchtig zupacken. Die Gäste fühlten sich auf dem hübschen Hof wohl, und viele kamen Jahr für Jahr wieder.
»Da schau an, unser Herr Akademiker ist wieder mal da«, sagte Klaus und schüttelte seinem jüngeren Bruder herzlich die Hand. »Ich freu mich, Henner.«
