Dr. Karsten Fabian - Folge 176 - Ulrike Larsen - E-Book

Dr. Karsten Fabian - Folge 176 E-Book

Ulrike Larsen

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Beschreibung

Oft erlebt Dr. Karsten Fabian in seiner Praxis verzweifelte Menschen, und auch die Not von Andrea Altmann versteht er gut. Aber er kann ihr nicht in ihrem Sinne "helfen", kann eine Abtreibung nicht befürworten!

Der Landarzt kennt Andrea ja schon lange und weiß, dass sie kein leichtfertiger Mensch ist, weiß, wie sehr sie ihren Fehltritt bereut. Die Situation, in die sie sich hineinmanövriert hat, ist auch wirklich verzwickt. Denn sie muss nicht nur ihrem Verlobten beichten, sondern auch ihrer besten Freundin ...

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Seitenzahl: 106

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Impressum

Die wichtigsten Bewohner Altenhagens

Die Nacht, die sie bereute

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Bastei Verlag / Blume

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-4110-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Die wichtigsten Bewohner Altenhagens:

Dr. Karsten Fabian – Arzt mit Leib und Seele, ehemals Chirurg im Elbe-Krankenhaus.

Florentine Fabian – geborene Fiedler, seine immer vergnügte, bildhübsche Frau.

Svenja, Tim und Jan – die aufgeweckten Kinder der Fabians, die von allen verwöhnt werden.

Dr. Albrecht Heideck – der ältere der beiden Landärzte, wohnt und praktiziert mit seinem jungen Kollegen in der Löwenvilla. Er ist Witwer.

Johannes Bruhns – Imker, Heidschnuckenzüchter und bester Freund von Dr. Heideck. Er kennt sich in der Naturheilkunde bestens aus.

Gerlinde Semmelweiß – Haushälterin in der Löwenvilla, abergläubisch und immer auf dem Laufenden, was Neuigkeiten im Dorf betrifft.

Schwester Bernhardine – unentbehrliche Helferin von Dr. Fabian und Dr. Heideck.

Helene Fromm

Die Nacht, die sie bereute

Kann der Landarzt Andrea helfen, eine Schuld zu vergessen?

Von Ulrike Larsen

Oft erlebt Dr. Karsten Fabian in seiner Praxis verzweifelte Menschen, und auch die Not von Andrea Altmann versteht er gut. Aber er kann ihr nicht in ihrem Sinne »helfen«, kann eine Abtreibung nicht befürworten!

Der Landarzt kennt Andrea ja schon lange und weiß, dass sie kein leichtfertiger Mensch ist, weiß, wie sehr sie ihren Fehltritt bereut. Die Situation, in die sie sich hineinmanövriert hat, ist auch wirklich verzwickt. Denn sie muss nicht nur ihrem Verlobten beichten, sondern auch ihrer besten Freundin …

In leicht gebeugter Haltung und mit gesenktem Kopf ging Andrea Altmann zur Löwenvilla. Ihrem Chef, dem Apotheker Heller, hatte sie erzählt, sie habe Magenbeschwerden und müsse den Landarzt konsultieren.

Michael Heller, ein Chef, der für die Sorgen und Nöte seiner Angestellten immer ein offenes Ohr hatte, hatte seine Apothekenhelferin daraufhin sofort zu Dr. Fabian geschickt.

»Moin, Deern!«, rief eine tiefe raue Männerstimme.

Erschrocken fuhr Andrea herum und lächelte vage, als sie Johannes Bruhns erkannte.

»Moin, Bruhns«, erwiderte sie. »Tut mir leid, aber ich bin in Eile.«

»Ich muss auch zum Doktor«, sagte er und deutete mit dem Kinn zur Löwenvilla, in der die Praxis der beiden Landärzte Fabian und Heideck untergebracht war. »Oder willst du nicht zur Praxis?«

»Doch, doch«, antwortete Andrea bedrückt.

Sie gingen weiter, und Johannes Bruhns, Schäfer, Bienenzüchter und Naturheilkundiger, musterte die hübsche Frau an seiner Seite kritisch.

»Wo tut’s denn weh?«, fragte er teilnahmsvoll. »Gut siehst du jedenfalls nicht aus, wenn ich das so sagen darf.«

»Mein Magen macht mir zu schaffen«, antwortete sie und errötete leicht, denn Lügen waren noch nie ihre Stärke gewesen.

»Ja, ja, den hat man sich schnell mal verdorben«, meinte Bruhns und hielt ihr höflich die Tür der Löwenvilla auf, in deren Erdgeschoss die Praxisräume untergebracht waren. »Unser Doktor wird’s schon richten. Und Gott sei Dank ist er mit der Chemie nicht so schnell bei der Hand wie so manche andere.«

Das Wartezimmer war – bis auf wenige Sitzgelegenheiten – besetzt, und Andrea Altmann richtete sich auf eine entsprechende Wartezeit ein.

Es war ihr nur recht, dass Johannes Bruhns, der eine bekannte Persönlichkeit im Heidedorf war, von anderen schnell in ein Gespräch verwickelt wurde.

Im Prinzip mochte Andrea den Heidschnuckenzüchter, vor allem seinen hintergründigen Humor, doch im Augenblick stand ihr nicht der Sinn nach heiterer Kommunikation. Sie hatte andere Sorgen. Sorgen, über die sie mit niemandem sprechen konnte – ausgenommen Dr. Karsten Fabian.

Die beiden Ärzte teilten sich die Arbeit. War der eine in der Praxis, übernahm der andere die Hausbesuche – und umgekehrt. Andrea wusste nicht, wer von den Ärzten heute den Praxisdienst hatte, doch zu Dr. Heideck, dem älteren der Ärzte, wollte sie nicht gehen. Ein einleuchtendes Argument hatte Andrea nicht dafür, Dr. Fabian war ihr eben sympathischer.

Endlos dehnte sich die Zeit, und Andrea hatte das Gefühl, auf glühenden Kohlen zu sitzen. Ihre Umgebung nahm sie kaum wahr, ihre Gedanken kreisten unentwegt um den Schwangerschaftstest, den sie vor zwei Tagen durchgeführt hatte, und der positiv gewesen war.

Sie hoffte, dass der Test das Ergebnis nicht richtig angezeigt hatte, dass irgendetwas schiefgelaufen war, denn die Vorstellung, schwanger zu sein, trieb ihr den Angstschweiß aus den Poren.

Endlich – nach gut zwei Stunden Wartezeit – wurde Andrea Altmann aufgerufen. Doch bevor sie die Ordination betrat, fragte sie Schwester Bernhardine: »Wer hat denn heute Dienst, Schwester? Ich will nur zu Doktor Fabian.«

»Glück gehabt, er ist heute da«, erwiderte die Arzthelferin, die sich in dieser Beziehung ganz nach den Wünschen der Patienten richtete.

Ihr war es gleichgültig, welchen Arzt die Patienten wählten, denn in Schwester Bernhardines Augen waren beide in gleicher Weise kompetent.

Einige Augenblicke später betrat Andrea das Sprechzimmer, und Dr. Karsten Fabian ging ihr ein paar Schritte entgegen.

»Andrea, wir haben uns ja schon lange nicht mehr gesehen«, sagte er freundlich und gab ihr die Hand. »Was führt Sie denn zu mir?«

Während er sprach, führte er sie zum Sessel vor dem Schreibtisch und gab ihr mit einladender Geste zu verstehen, dass sie Platz nehmen könne.

Ein guter Arzt zeichnete sich nicht nur durch die Fähigkeit der medizinischen Diagnose aus, das hatte Dr. Fabian schon sehr früh gelernt. Unverzichtbar und oft sehr aufschlussreich war eine gute Beobachtungsgabe, die sich auf Aussehen und Körperhaltung des Patienten bezog.

Dass Andrea sich nur auf der äußersten Kante der Sitzfläche niederließ, war für Dr. Fabian ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie am liebsten weglaufen würde. Ja, sie wirkte wie ein gehetztes Tier auf dem Sprung.

Der Landarzt setzte sich und lächelte aufmunternd.

»Na, dann mal los, Andrea. Wo haben Sie Beschwerden?«

»Überhaupt nicht«, antwortete sie und verzog das Gesicht. »Mir ist nicht mal übel.« Sie fing seinen erstaunten Blick auf. »Ich habe einen Schwangerschaftstest aus der Apotheke gemacht. Er war positiv, Doktor.« Sie senkte den Kopf und strich nervös den großblumigen Rock glatt. »Ich hoffe, dass es ein Irrtum ist, Doktor. Deswegen möchte ich, dass Sie mich noch mal gründlich untersuchen.« Sie griff in die sportliche Umhängetasche. »Die Urinprobe habe ich schon mitgebracht.«

Der Arzt schmunzelte. Es war nicht zu übersehen, dass Andrea als Apothekenhelferin arbeitete und über bestimmte Notwendigkeiten Bescheid wusste.

»Na, dann werde ich es gleich mal kontrollieren«, sagte er, nahm das kleine braune Fläschchen und verschwand damit im Nebenzimmer.

Andrea starrte aus dem Fenster, und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Unter anderen Umständen hätte sie sicher vor Freude gestrahlt, doch wenn ihre Berechnung stimmte, stand sie vor einem Fiasko.

Hastig wandte sie sich um, als Dr. Fabian wieder ins Sprechzimmer kam.

»Herzlichen Glückwunsch, Andrea!«, rief er und lachte sie aufmunternd an, als er sich zu ihr hinunterbeugte, ihre Hand ergriff und sie drückte. »Der Test aus der Apotheke hat nicht gelogen. Sie sind schwanger. Jetzt müssen wir nur noch ausrechnen, wann es so weit ist. Wann war denn der erste Tag der letzten Periode? Aber das könnte auch der Frauenarzt machen, denn bei ihm sind Sie in besseren Händen.«

»Kann es …« Sie räusperte sich. »Kann es sein, dass ich in der siebten Woche schwanger bin?« Angstvoll musterte sie ihn.

»Ja, das kommt hin. Jedenfalls Anfang des zweiten Monats«, antwortete er und runzelte die Stirn. »Sie wirken so bedrückt, Andrea. Es ist doch alles in Ordnung, oder? Sie sind doch noch mit Thomas zusammen?«

»Ja, ja, daran hat sich nichts geändert«, erwiderte sie, sichtlich nervös. »Aber … aber …« Laut aufweinend krümmte sie sich leicht nach vorn und barg das Gesicht in den Händen.

Karsten ließ sie erst einmal weinen und wartete geduldig, bis sie sich ein wenig beruhigt hatte.

»Wollen Sie Thomas denn nicht mehr heiraten?«, fragte er leise.

»Ach, darum geht es doch gar nicht«, entgegnete sie bedrückt und suchte nach einem Taschentuch.

»Sondern?«, fragte er und schob ihr eines über den Schreibtisch.

»Ich darf das Kind nicht bekommen, Doktor«, erklärte sie so leise, dass er sie kaum verstehen konnte. »Es … es ist nicht von Thomas.«

Dunkles Rot überzog ihr Gesicht, sie konnte dem verwunderten Blick ihres Gegenübers nicht mehr standhalten. Andrea schämte sich, obwohl sie wusste, dass der Landarzt der einzige Mensch war, dem sie sich vorbehaltlos anvertrauen konnte.

Als Dr. Fabian schwieg, fragte sie zögernd: »Können Sie mir nicht helfen, Doktor Fabian?«

Obwohl er ahnte, welche Überlegungen sie beschäftigten, entgegnete er: »Und wie stellen Sie sich das vor?«

»Ich will das Kind nicht!«, rief sie, und wieder liefen Tränen über ihr Gesicht. »Ich darf es nicht bekommen, oder soll ich es vielleicht Thomas unterschieben?«

»Und wie wär’s mit der Wahrheit?«

Karsten war prinzipiell gegen Abtreibungen. In seinen Augen gab es nur wenige Situationen, in denen die Tötung ungeborenen Lebens gerechtfertigt war. Wenn das Leben der Mutter in Gefahr war, zum Beispiel. Oder, wenn bereits im Mutterleib festgestellt wurde, dass das Kind geistig und körperlich nicht lebensfähig sein würde. Zu mehr Zugeständnissen war Dr. Fabian nicht bereit.

»Nein«, flüsterte sie und wurde bleich. »Das kann ich Thomas nicht antun, das würde er nicht verstehen.« Flehend hob sie die Hände. »Bitte, Doktor Fabian, helfen Sie mir. Ich darf das Kind nicht bekommen!«

»Und der wirkliche Vater? Warum gehen Sie nicht zu ihm?«, warf er ein.

Es hatte den Anschein, als wolle Andrea loslegen, als wolle sie sich alles von der Seele reden, doch dann presste sie die Lippen wieder zusammen und schüttelte den Kopf so heftig, dass die goldbraunen Locken flogen.

»Manchmal tut es gut, sich alles von der Seele zu reden«, gab er zu bedenken.

»Das … das kann ich nicht«, gestand sie gepresst. »Ich schäme mich zu sehr.«

»Vor mir?«, entschlüpfte es ihm skeptisch.

»Am meisten vor mir selbst«, behauptete sie. »Nein, ich kann Ihnen nicht alles sagen. Es ist so … so erniedrigend, Doktor Fabian. Bitte helfen Sie mir. Lassen Sie mich nicht so lange betteln. Ich will das Kind nicht.«

Obwohl er dieses Häufchen Elend zutiefst bedauerte, wurde Karsten merklich kühler.

»Tut mir leid, Andrea, aber ich werde keine Abtreibung vornehmen. Ja, ich kann Sie nicht mal verstehen. Wenn Sie wirklich diese Absicht haben, dann müssen Sie sich an Beratungsstellen wenden, die dafür zuständig sind.« Er stand auf und kam zu ihr. Karsten nahm ihre Hände und zog Andrea aus dem Sessel. »Andrea, ich bitte Sie, überlegen Sie es sich noch einmal. Ein Kind ist etwas Wunderbares, es ist ein Geschenk Gottes. Das wirft man nicht einfach weg. Lassen Sie sich Zeit, denn es gibt immer einen Weg.«

»Sie haben gut reden«, entgegnete sie bitter und riss sich los. »Ihr alle habt gut reden, ihr müsst das Kind ja nicht zur Welt bringen. Ach, wenn es nur das wäre! Wenn ich Thomas die Wahrheit sage, bin ich ihn los. Verstehen Sie das nicht? Dann muss ich das Kind, das ich nicht will, allein großziehen.« Sie lief zur Tür. »Ihr Männer könnt gut Ratschläge erteilen, ihr habt doch nur euren Spaß. Die Verantwortung tragen wir!«

»Andrea!«, rief Karsten und streckte die Hand aus.

Doch sie hörte nicht mehr und warf die Tür hinter sich zu.

Nachdenklich setzte sich der Arzt wieder an den Schreibtisch. Er kannte Andrea Altmann schon seit Jahren und wusste, dass sie nicht zu jenen leichtfertigen Frauen gehörte, für die eine Abtreibung wenig Belastung bedeutete. Aber ebenso sicher war Karsten sich, dass er eine Abtreibung nicht befürworten konnte, ganz gleich, wer mit diesem Anliegen zu ihm kam.

Dennoch blieb ein ungutes Gefühl, und er befürchtete, Andrea könnte eine Dummheit begehen …

***

Einen ganzen Tag hatte Florentine Fabian in ihrer alten, wunderschön renovierten Mühle verbracht, und Gerlinde, die Haushälterin in der Löwenvilla, hatte kräftig mit Hand angelegt.

Die Fabians erwarteten Besuch, ein Ehepaar, das sie schon seit einigen Jahren nicht mehr gesehen hatten. Am nächsten Vormittag gab es ein großes Hallo, als Hans und Helma Werthan und deren Sohn Michael vor der Tür standen.

Es war ein strahlender Frühsommertag, und Florentine hatte den Willkommenstrunk im Garten vorbereitet.

»Lasst das Gepäck im Wagen, wir bringen es nachher zur Mühle«, verkündete die Frau des Landarztes, hakte sich bei den alten Freunden unter und führte sie in den Garten. »Zuerst müssen wir auf das Wiedersehen anstoßen.«

»Wo steckt denn Karsten?«, fragte Helma, die schon immer eine kleine Schwäche für den gutaussehenden Arzt gehabt hatte. »Entschuldige, Florentine, aber du weißt, ich fahre nun mal auf ihn ab.«

»Oh, das kann ich verstehen, mir geht’s ja auch so«, erwiderte diese amüsiert.

Florentine kannte Helma lange genug und wusste, dass sie die Dinge beim Namen nannte. Aber Helma war nicht nur offen und ehrlich, sie hatte auch bestimmte Vorstellungen über die Ehe, die für sie unantastbar war.