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Dass Florentine Fabian Happy Ends und Hochzeiten liebt, ist in Altenhagen allgemein bekannt. Und so will die Landarztfrau Amor auch jetzt mal wieder zu Hilfe kommen. Denn dass die alleinstehende Mutter Meike Peters und der Maler Thomas Barden ein ideales Paar wären, ist für Florentine klar. Außerdem hätten Meike und ihre kleine Tochter es verdient, endlich glücklich zu werden, nach allem, was sie im Leben durchgemacht haben.
Als Meike die Fabians eines Tages zu sich einlädt, hofft Florentine auf gute Neuigkeiten. Doch was die junge Frau ihnen dann anvertraut, macht alle Hoffnungen auf ein schnelles Happy End zunichte ...
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Seitenzahl: 101
Veröffentlichungsjahr: 2016
Cover
Impressum
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens
Eine Lüge zu viel
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: shutterstock / Stavchansky Yakov
Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-2666-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens:
Dr. Karsten Fabian – Arzt mit Leib und Seele, ehemals Chirurg im Elbe-Krankenhaus.
Florentine Fabian – geborene Fiedler, seine immer vergnügte, bildhübsche Frau.
Svenja, Tim und Jan – die aufgeweckten Kinder der Fabians, die von allen verwöhnt werden.
Dr. Albrecht Heideck – der ältere der beiden Landärzte, wohnt und praktiziert mit seinem jungen Kollegen in der Löwenvilla. Er ist Witwer.
Johannes Bruhns – Imker, Heidschnuckenzüchter und bester Freund von Dr. Heideck. Er kennt sich in der Naturheilkunde bestens aus.
Gerlinde Semmelweiß – Haushälterin in der Löwenvilla, abergläubisch und immer auf dem Laufenden, was Neuigkeiten im Dorf betrifft.
Schwester Bernhardine – unentbehrliche Helferin von Dr. Fabian und Dr. Heideck.
Helene Fromm
Eine Lüge zu viel
Ein Heidemädchen, ein Erbschleicher und eine gemeine Intrige
Von Ulrike Larsen
Dass Florentine Fabian Happy Ends und Hochzeiten liebt, ist in Altenhagen allgemein bekannt. Und so will die Landarztfrau Amor auch jetzt mal wieder zu Hilfe kommen. Denn dass die alleinstehende Mutter Meike Peters und der Maler Thomas Barden ein ideales Paar wären, ist für Florentine klar. Außerdem hätten Meike und ihre kleine Tochter es verdient, endlich glücklich zu werden, nach allem, was sie im Leben durchgemacht haben.
Als Meike die Fabians eines Tages zu sich einlädt, hofft Florentine auf gute Neuigkeiten. Doch was die junge Frau ihnen dann anvertraut, macht alle Hoffnungen auf ein schnelles Happy End zunichte …
Heute nahm Dr. Karsten Fabian sich nicht die Zeit, die Hochlandrinder zu bewundern, auf deren Zucht sich Graf Kreuth spezialisiert hatte. Der Landarzt hielt auf der kleinen Kuppe, um nach dem Grafen Ausschau zu halten.
Dessen Neffe Heiko Michels hatte Dr. Fabian vor wenigen Minuten angerufen und um Hilfe ersucht, weil sein Onkel auf der oberen Weide zusammengebrochen war. Heiko hatte so aufgeregt geklungen, als habe das letzte Stündlein des Grafen geschlagen.
»Verdammt!«, fluchte der Landarzt, als er niemanden entdecken konnte.
Ein leises knarrendes Geräusch kam von rechts, und als Dr. Fabian sich umwandte, sah er den alten Mattes mit einer Karre hinter den alten Weiden hervorkommen.
»Entschuldigung!«, rief Dr. Fabian. »Haben Sie den Grafen gesehen? Oder Heiko?«
»Ja, Doktor Fabian, die sind dort drüben«, antwortete der rotwangige alte Mann, der viel Ähnlichkeit mit den knorrigen Weiden hatte, deren Ruten er schnitt.
»Könnten Sie mir auch etwas genauer sagen, wo sie sind, Mattes?«, fragte Dr. Fabian ungeduldig.
»Ja, Doktor.«
Mattes ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, doch als er seine Schnupftabakdose aus der Jackentasche zog, platzte dem Landarzt der Kragen.
»Mattes, jetzt rücken Sie schon mit der Sprache heraus!«, forderte er laut.
»Beim Schuppen, drüben hinterm Wacholder«, antwortete der Knecht perplex.
»Na also, es geht doch«, seufzte der Arzt.
Nur selten schlug er so einen harten Ton an, doch jetzt war er gerechtfertigt, denn es war möglich, dass Graf Kreuth in Lebensgefahr schwebte.
Dr. Fabian nahm nicht den breiten Feldweg, der zur Wacholderheide führte, sondern lenkte den Wagen querfeldein. Minuten später hatte er den Schuppen, der nicht mehr als ein Bretterverschlag war, erreicht.
Heiko kam aus dem windschiefen Gebäude und grinste.
»Ich glaube, es geht ihm schon wieder besser, Doktor Fabian, wahrscheinlich war es falscher Alarm – Entschuldigung.«
»Wir werden sehen.« Dr. Fabian spähte über Heikos Schulter. »Ist er da drin?«
»Kommen Sie nur, Doktor Fabian, so schnell sehe ich mir die Radieschen nicht von unten an!«, schallte es von drinnen.
Der Landarzt schmunzelte. Wenn Johann von Kreuth sich auf diese Weise zu Wort meldete, konnte es wirklich nichts Gravierendes sein. Dr. Fabian dachte an den Herzinfarkt, den der Graf vor einem knappen Jahr erlitten hatte. Eine Wiederholung war durchaus denkbar, doch dann würde Johann von Kreuth sicher nicht mehr so glimpflich davonkommen.
Dr. Fabian betrat den Schuppen, und er brauchte ein paar Sekunden, bis seine Augen sich an das diffuse Licht gewöhnt hatten. Rechts neben der windschiefen Tür saß ein hagerer grauhaariger Mann auf einem Strohballen und hatte den Rücken an die Bretterwand gelehnt.
»Viel sehe ich hier nicht«, kommentierte Karsten Fabian, der den Grafen schon seit Jahren kannte. »Heiko, holen Sie mal bitte die Taschenlampe aus meinem Wagen!«
»Kommt sofort, Doktor!«
»Was machen Sie bloß für Geschichten, Johann?«, fragte der Landarzt, als er zum Handgelenk des anderen griff. »Habe ich Ihnen nicht gesagt, dass Sie Ihre Wanderungen nicht übertreiben sollen?«
»Dann könnten Sie mir ebenso gut das Atmen verbieten«, entgegnete der Mittsechziger grantig. »Sie wissen doch, dass mein Herz an meinen Viechern hängt. Ich muss manchmal raus und nach den Herden sehen, sonst werde ich verrückt.«
Der Landarzt schwieg dazu und wandte sich halb zu Johanns Neffen Heiko um.
»Stellen Sie sich da drüben hin. Ja, so. Und jetzt richten Sie das Licht so, dass ich im Brustbereich genug sehen kann.«
Dr. Fabian untersuchte seinen Patienten, soweit es in dieser Umgebung möglich war, und anschließend injizierte er dem Grafen ein kreislaufstärkendes Mittel.
»Und? Habe ich noch ein paar Tage?«, spottete Johann von Kreuth.
»Ich denke schon«, antwortete Dr. Fabian und musterte ihn nachdenklich. »Die Herztätigkeit ist ein bisschen schwach, aber nicht besorgniserregend. Was ist denn eigentlich passiert?«
»Was weiß ich?«, entgegnete Graf Johann brummig. »Ich habe mich gebückt, und als ich wieder hochgekommen bin, hat sich alles um mich herum gedreht.«
Dr. Fabian nickte, hütete sich aber vor einer Behauptung, denn plötzliche Schwindelattacken mussten nicht unbedingt vom Herz ausgelöst werden, auch eine Kreislaufschwäche oder eine Durchblutungsstörung des Gehirns konnten die Ursachen sein.
»Ich bringe Sie jetzt nach Hause«, sagte der Landarzt. »Und in den nächsten Tagen werden Sie sich schonen. Haben Sie mich verstanden?«
Der Graf grinste breit, während Karsten Fabian ihm auf die Beine half.
»Sie machen mir ja direkt Angst, Doktor Fabian, das ist ja ein richtiger Kasernenhofton.«
»Richtig, aber anders hören Sie ja nicht«, konterte der Landarzt, und die Männer lachten, als sie sich ansahen.
Sie respektierten einander, ja, man konnte fast schon von einer Freundschaft sprechen, die sich im Laufe der Jahre entwickelt hatte.
***
Wenig später saßen Dr. Fabian, Graf Kreuth und dessen Neffe Heiko im Wagen, und der Arzt fuhr nach Stenhaag, dem Stammsitz derer von Kreuth.
Seit über vierhundert Jahren, wie die Jahreszahl auf dem Giebel des Wohnhauses verriet, gehörte Gut Stenhaag schon den Kreuths, und auch der Erbauer – Sören Kreuth – hatte sich namentlich und mit einem frommen Bibelspruch auf dem Giebel verewigt.
Gut Stenhaag gehörte zu den schönsten Anwesen des Landkreises, und Johann hatte, wie seine Vorfahren auch, Wert darauf gelegt, die alten Gebäude zu erhalten. Wohin man auch blickte, herrschte Sauberkeit, und man konnte den Reichtum der Kreuths erkennen.
Doch heute hatte Dr. Fabian keinen Blick für das herrliche Anwesen, und selbst den Pferden, die auf der Koppel neben der Ulmenallee grasten, schenkte er keine Aufmerksamkeit.
Der Landarzt war erst zufrieden, als Johann es sich auf dem Diwan im Herrenzimmer bequem gemacht hatte. Noch einmal überprüfte Dr. Fabian Puls und Blutdruck des Grafen.
»Mir wäre es lieber, wenn Sie sich ein paar Tage ins Krankenhaus legen würden, Johann«, sagte er besorgt.
»Unsinn, ich bleibe hier.« Der Graf winkte ab. »Ich kam hier auf die Welt, und ich will hier auch die Augen für immer zumachen. Und damit basta.«
»Sie sind – mit Verlaub gesagt – ein störrischer alter Esel«, erwiderte Karsten. »Aber wie Sie wollen, jeder liegt so, wie er sich bettet.«
»Kommen Sie, Doktor Fabian, machen Sie ein anderes Gesicht«, bat Johann einlenkend. »Sie kennen mich doch, ich bin eine echte nordische Eiche.«
»Es wäre besser, Sie würden langsam eine Weide werden«, entgegnete Karsten brummig und sah auf die Uhr. »Schön, ich muss jetzt los, Johann. Wenn ich es schaffe, schaue ich am Abend noch mal bei Ihnen vorbei.«
»Keinen Heidjer?«, fragte der Graf enttäuscht.
»Ein andermal, Johann, bis dann.« Dr. Fabian ging zur Tür. »Und wenn Sie sich alles noch mal gründlich überlegen, dann gehen Sie vielleicht doch noch ins Krankenhaus.«
Der Landarzt erwartete keine Antwort, und Heiko Michels begleitete ihn zur Tür.
Kaum war der Neffe des Grafen wieder im Herrenzimmer, lachte er schallend.
»Diese Beutelschneider«, kommentierte er verächtlich. »Der Doktor tut ja gerade so, als würdest du schon zum alten Eisen gehören, Onkel Johann. Wir Kreuths sind von einer ganz besonders zähen Sorte und lassen uns nicht unterkriegen.« Während er sprach, ging er zu einem reichverzierten Schrank hinüber. »Wenn der Doktor schon keinen Heidjer mag, ich genehmige mir einen. Magst du auch einen Schluck?«
Johann kniff die Augen zusammen. Immer, wenn Heiko sich zu den Kreuths zählte, krampfte sich der Magen des Grafen leicht zusammen. Heiko war der Sohn seiner Schwägerin, hatte also im Grunde absolut nichts mit den Kreuths zu tun.
Der Graf seufzte. Kinder hatte er keine, und so musste er sich mit dem Neffen begnügen. Oh, Johann konnte nichts Schlechtes über Heiko sagen, der auf Gut Stenhaag als Verwalter arbeitete. Heiko war fleißig, arbeitete mehr, als von ihm verlangt wurde, und er hatte nie ein Widerwort gegen den Onkel.
Und doch konnte der Mittsechziger nicht behaupten, Heiko wie einen Sohn zu lieben, und mehr als einmal verglich er Heiko mit Thomas Barden, mit diesem blonden kernigen Maler, den der Graf als Mäzen unterstützte.
Ja, Thomas wäre ein Sohn nach Johanns Geschmack …
***
Die Gartenstraße lag nicht gerade in einem der vornehmen Stadtbezirke, und auch die kleine Zweizimmerwohnung, in der Meike Peters mit ihrer Tochter Lissy lebte, hatte keinen gehobenen Standard aufzuweisen.
Manchmal, wenn Meike die Sorgen über den Kopf zu wachsen drohten, dachte sie mit Wehmut an die Zeiten zurück, als sie noch in Lübecks Innenstadt gewohnt hatte. Drei große Zimmer mit gediegener Einrichtung, die Meike von ihrer Mutter übernommen hatte, hatten ihr zur Verfügung gestanden, doch mit Lissys Geburt war auch der soziale Abstieg gekommen.
Die Miete war plötzlich unerschwinglich gewesen, ein gutes Möbelstück nach dem anderen hatte sie verkauft, und irgendwann war der Umzug unvermeidlich geworden.
Heute war Meikes Laune jedoch ausgesprochen gut. Lissy verbrachte den ersten Tag im Kindergarten, und Meike konnte sich wieder nach einer Anstellung umsehen.
Vorbei war die Zeit, in der sie sich mit kleinen Nebenjobs und Aushilfsarbeiten über Wasser halten musste. Lissy konnte bis zum späten Nachmittag im Kindergarten bleiben, und Meike war sicher, dass es jetzt wieder langsam bergauf gehen würde.
Als Erstes dachte Meike an Lissys Vater, an Martin Castor, der ihr schon so manchen Job vermittelt hatte. Vielleicht kannte er auch jemanden, der eine gute Sekretärin brauchte?
Ihren Wagen hatte Meike längst aufgegeben, und so benutzte sie den Linienbus, um zu Martins Autowerkstatt zu gelangen.
War es eigentlich sechs oder acht Wochen her, dass sie Martin zum letzten Mal gesehen hatte? Meike hatte Herzklopfen, als sie den asphaltierten Hof überquerte, hinter dem die Werkstatt lag. Rechts und links parkten Autos, ältere Modelle, die Martin zum Verkauf anbot.
Nun ja, mit Reparaturen konnte er sich nicht über Wasser halten, das wusste Meike, denn mit seinem Zweimannbetrieb war er nicht konkurrenzfähig. Trotzdem war Meike nach wie vor der Meinung, dass sie mit Lissy und Martin leben könnte. Doch Martin hatte hochfliegende Pläne, wollte einmal das größte Autohaus der Stadt besitzen, und dabei waren ihm Frau und Kind nur im Weg.
Meike blieb am offenen Tor stehen. Nur ein Wagen befand sich auf der Hebebühne, und daran arbeitete Martins Geselle Horst.
»Wo ist denn der Chef?«, rief Meike dem jungen Mann im blauen Overall zu.
»Drüben im Büro!«, schallte es zurück.
Meike wandte sich nach rechts. Hinter der verstaubten Glasscheibe konnte sie zwar niemanden erkennen, doch das hatte nichts zu besagen.
Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, an wunderschöne Stunden drängten sich ihr auf, doch rigoros schob Meike sie beiseite. Es brachte nichts, der Vergangenheit nachzutrauern, zu deutlich hatte Martin ihr gesagt, dass es aus und vorbei war.
Um nichts in der Welt hätte Meike sich eingestanden, dass sie im Stillen doch noch hoffte, auch wenn es noch so unsinnig war. Sie träumte von einer kleinen glücklichen Familie, und Geld spielte für sie keine sehr große Rolle. Solange es zum Leben reichte, war die Welt in Ordnung.
