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Als Florentine Fabian dem fremden jungen Mann zum ersten Mal begegnet, liegt er hilflos in der Heide, offenbar schwer krank. Doch als sie ihren Mann Karsten zu dem Verletzten führen will, ist der Fremde verschwunden.
Beim zweiten Mal fällt er direkt vor dem Ärztehaus vom Fahrrad, und dieses Mal lässt Florentine ihn nicht allein, sondern bringt ihn in ihrer Mühle unter.
Dort erholt sich der Fremde erstaunlich schnell, und Karstens Misstrauen ist geweckt. Er mag diesen Thomas nicht, unterstellt ihm, er würde Florentines Gutmütigkeit ausnutzen. Florentine ist ziemlich sauer auf Karsten, weil er ihren Gast so grob beleidigt, aber Thomas scheint Karstens Angriffslust völlig kalt zu lassen. Hat er vielleicht wirklich etwas zu verbergen?
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Seitenzahl: 102
Veröffentlichungsjahr: 2017
Cover
Impressum
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens
Gewitterwolken über der Ärztevilla
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Bastei Verlag / Blume
Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-5470-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens:
Dr. Karsten Fabian – Arzt mit Leib und Seele, ehemals Chirurg im Elbe-Krankenhaus.
Florentine Fabian – geborene Fiedler, seine immer vergnügte, bildhübsche Frau.
Svenja, Tim und Jan – die aufgeweckten Kinder der Fabians, die von allen verwöhnt werden.
Dr. Albrecht Heideck – der ältere der beiden Landärzte, wohnt und praktiziert mit seinem jungen Kollegen in der Löwenvilla. Er ist Witwer.
Johannes Bruhns – Imker, Heidschnuckenzüchter und bester Freund von Dr. Heideck. Er kennt sich in der Naturheilkunde bestens aus.
Gerlinde Semmelweiß – Haushälterin in der Löwenvilla, abergläubisch und immer auf dem Laufenden, was Neuigkeiten im Dorf betrifft.
Schwester Bernhardine – unentbehrliche Helferin von Dr. Fabian und Dr. Heideck.
Helene Fromm
Gewitterwolken über der Ärztevilla
Fesselnder Heideroman um Dr. Fabian und seine Familie
Von Ulrike Larsen
Als Florentine Fabian dem fremden jungen Mann zum ersten Mal begegnet, liegt er hilflos in der Heide, offenbar schwer krank. Doch als sie ihren Mann Karsten zu dem Verletzten führen will, ist der Fremde verschwunden.
Bei zweiten Mal fällt er direkt vor dem Ärztehaus vom Fahrrad, und dieses Mal lässt Florentine ihn nicht allein, sondern bringt ihn in ihrer Mühle unter.
Dort erholt sich der Fremde erstaunlich schnell, und Karstens Misstrauen ist geweckt. Er mag diesen Thomas nicht, unterstellt ihm, er würde Florentines Gutmütigkeit ausnutzen. Florentine ist ziemlich sauer auf Karsten, weil er ihren Gast so grob beleidigt, aber Thomas scheint Karstens Angriffslust völlig kaltzulassen. Hat er vielleicht wirklich etwas zu verbergen?
Sie saßen am Rand des Mischwaldes, und Florentine Fabian hörte Cordula Dirschen aufmerksam zu.
»Na ja, und jetzt muss ich mich um eine neue Anstellung bemühen«, sagte Cordula und seufzte. »Schade, dass in der Löwenvilla kein Plätzchen frei ist. Bei euch würde ich gern arbeiten.«
»Es findet sich bestimmt etwas«, versuchte die Ältere zu trösten, doch auch sie wusste, dass die Stellen für Arzthelferinnen gerade auf dem Land rar waren. »Vielleicht nicht bei uns, aber in der Stadt sicher.«
»Um noch einmal so einen Reinfall zu erleben?«, entgegnete Cordula bitter. »Weißt du, ich habe immer geglaubt, Ärzte wären bereit, Menschen zu helfen, aber meine Erfahrung hat mich etwas anderes gelehrt.«
»Nun ja, du hast in einem gentechnischen Labor gearbeitet«, widersprach Florentine und versuchte, den Status der Ärzte ein wenig hochzuhalten. »Vielleicht bewirbst du dich mal in einer ganz normalen Praxis?«
»Ja … sicher.« Es klang traurig und mutlos, und Tränen standen in Cordulas Augen, als sie die Hände anhob und die Nägel betrachtete. »Ich habe schon alles versucht, Florentine, ich bin schon ganz verzweifelt. Was ich auch unternehme – es hilft nichts. Schau dir meine Fingernägel doch an! Ich passe schon wie ein Schießhund auf, aber sie splittern ganz einfach auf.«
Aufweinend schlug sie die Hände vors Gesicht, neigte sich zur Seite und lehnte sich an Florentines Schulter.
Die Frau des Landarztes legte einen Arm um die weinende junge Frau und überlegte, wie sie Cordula helfen könnte.
»Sprich doch mal mit Karsten, vielleicht weiß er einen Weg?«
»Ich war schon beim Arzt«, erwiderte Cordula heftig. »Ach was, ich war schon bei einigen! Und keiner konnte mir helfen, und bei meinem Glück rennt mir sicher auch noch Burkhard davon!«
Sie sprang auf, rief noch etwas Unverständliches und rannte davon.
Kopfschüttelnd sah Florentine ihr nach, denn irgendwie erschien ihr Cordulas Problem an den Haaren herbeigezogen. Sicher, gesplitterte Fingernägel sahen nicht sehr schön aus, zumal Cordula sie noch recht kurz halten musste, aber sie waren kein Grund, jemandem zu kündigen.
Florentine überlegte, ob sie Cordula folgen sollte, entschied jedoch, dass es im Augenblick besser sei, die Jüngere allein zu lassen. Als die Frau des Landarztes langsam Richtung Altenhagen schlenderte, ließ sie sich alles, was Cordula ihr erzählt hatte, noch einmal durch den Kopf gehen.
Wie Florentine es auch drehte und wendete, ihre Überlegungen führten immer wieder zu dem einen Punkt: Cordula musste die Unwahrheit gesagt haben.
Vielleicht hatte sie sich im Genlabor etwas zuschulden kommen lassen? Jedenfalls konnte Florentine es sich nicht vorstellen, dass man eine fähige Mitarbeiterin entließ, bloß weil ihre Fingernägel nicht so gepflegt waren.
Tief in Gedanken versunken hatte Florentine nicht auf den Weg geachtet, und ein Schrei entschlüpfte ihr, als sie plötzlich über etwas Weiches stolperte.
Entsetzt starrte sie auf den jungen Mann, der leichenblass und schweißüberströmt am Boden lag und sich offensichtlich unter Schmerzen krümmte.
Sofort ließ sich die Frau des Landarztes neben dem Fremden auf die Knie nieder, drehte ihn behutsam auf den Rücken und strich ihm die dunklen Locken aus der feuchten Stirn.
»Ruhig, ganz ruhig, Sie sind nicht allein«, sagte sie. »Haben Sie Schmerzen? Wenn ja – wo?«
Der Mann, er mochte um die zwanzig sein, öffnete die Lippen, doch nur gurgelnde Laute drangen aus der Kehle. Er wollte antworten, doch offensichtlich ließ dies sein Zustand nicht zu.
Florentine sah, wie er die Augen verdrehte, wie sich sein Gesicht unter krampfhaften Zuckungen verzerrte, und sie hielt es für ratsam, ihren Mann hinzuzuziehen.
»Bleiben Sie ruhig, ich hole einen Arzt«, sagte sie aufgeregt zu dem jungen Mann und rannte davon.
Völlig außer Atem erreichte sie die Löwenvilla, und als sie das Haus betrat, kam Karsten ihr entgegen.
»Schnell, Karsten, da draußen, gar nicht weit von der Mühle, liegt ein Mann und krümmt sich vor Schmerzen!«, rief sie.
»Bin schon unterwegs«, antwortete er.
Florentine folgte ihm. Karsten nahm seine Tasche, in der sich alles Notwendige befand, das er für die Erste Hilfe brauchte, aus dem Wagen. Im Laufschritt eilten sie zur Mühle. Etwa hundert Meter abseits des alten flügellosen Gebäudes, das die Frau des Landarztes schon vor Jahren renovieren ließ, suchte Florentine vergeblich nach dem jungen Mann.
Ein wenig verwirrt und verunsichert sah sie Karsten an.
»Ich schwöre dir, er hat hier gelegen«, verteidigte sie sich, als sie seinen skeptischen Blick auffing. »Und er machte den Eindruck, als könnte er jeden Augenblick sterben.«
Er legte einen Arm um sie. »Schatz, vielleicht war ihm auch nur speiübel? Vielleicht hat er in Stollp bis zum Morgengrauen gezecht, hat irgendwo auf der Heide seinen Rausch ausgeschlafen, um anschließend festzustellen, dass eins von den dreißig Bierchen nicht so ganz in Ordnung war?«
Der Landarzt lachte, und das forderte ihren Zorn heraus.
»Karsten, du bist abscheulich!«, rief sie, riss sich los und suchte die nähere Umgebung ab.
Nichts, es war absolut nichts zu finden.
Entmutigt und ratlos kam sie zu ihrem Mann zurück, lehnte sich an ihn und schaute seufzend zu ihm auf.
»Meinst du, ich halluziniere?«, fragte sie und schnitt eine Grimasse.
»Schatz, ich wollte dich vorhin nicht verspotten«, sagte er und führte sie zur alten Mühle hinüber. Sie setzen sich auf die Bank im Garten. »In Stollp war Kirmes, und es ist doch durchaus denkbar, dass der Mann …«
»Er war fast noch ein Junge«, fiel sie ihm ins Wort.
»Schön, vielleicht hatte der Junge sogar seinen ersten Rausch, lief ziellos durch die Nacht und wachte hier auf.« Dr. Fabian schmunzelte. »Und natürlich war ihm speiübel. Jeder hat mal seinen ersten Rausch, und die meisten haben ungute Erinnerungen daran.«
»Wahrscheinlich hast du recht«, bemerkte sie niedergeschlagen.
Er drückte ihr einen Kuss auf den Mund.
»Dein soziales Engagement in Ehren, Schatz, aber diesmal war es ein Schuss in den Ofen.«
»Engagement?« Sie runzelte die Stirn. »Du erinnerst mich an etwas. Du, ich habe vorhin Cordula getroffen.«
»Die kleine Dirschen?«
»Ja, und sie ist kreuzunglücklich«, erzählte Florentine. »Stell dir mal vor, sie ist entlassen worden, weil sie hässliche Fingernägel hat. Einer ihrer Vorgesetzten, irgendein Doktor der Biologie, regte sich über ihre – wie er sich ausdrückte – ungepflegten Hände auf.«
»Aber deswegen kann man doch niemanden entlassen!«, warf er empört ein.
»Natürlich gab man das auch nicht offiziell an.« Florentine winkte ab. »Du kennst diese Spielchen doch. Inoffiziell hat man ihr aber zu verstehen gegeben, dass es ihrem Vorgesetzten nicht zuzumuten sei, weiterhin mit ihr zusammenzuarbeiten.«
Er runzelte die Stirn. »Wo hat sie denn in letzter Zeit gearbeitet? Soweit ich unterrichtet bin, hat sie Arzthelferin gelernt, nicht wahr?«
»Ja, aber sie hat sich weitergebildet und während des letzten Jahres in einem Genlabor gearbeitet«, ergänzte sie. »Aber nun muss sie sich erst einmal nach einer neuen Anstellung umsehen, und sie befürchtet, keinen Job zu bekommen.«
»So ein Unsinn, dann soll sie halt zur Maniküre gehen«, bemerkte er und stand auf.
Es war nicht zu übersehen, dass Dr. Fabian dieses Thema nicht gerade berauschend fand. Gegen ungepflegte Hände oder Nägel konnte man doch etwas unternehmen!
»Ich glaube, wir reden aneinander vorbei, Karsten.« Florentine stand ebenfalls auf, hakte sich bei ihrem Mann unter und schlenderte an seiner Seite zur Löwenvilla zurück. »Ich habe mich vielleicht falsch ausgedrückt: Cordula ist eine sehr gepflegte Erscheinung, aber sie leidet an brüchigen Nägeln. Ich habe sie mir angesehen, Karsten, es sieht wirklich schlimm aus. Die Nägel splittern schieferartig ab, und der Nagel des Ringfingers ist sogar längsfaserig gespalten. Kannst du nicht etwas für Cordula tun?«
Er wiegte den Kopf und schwieg. Dieses und ähnlich gelagerte Probleme waren ihm aus der Praxis bekannt.
»Doch, ich könnte mal mit ihr reden«, antwortete er zögernd und dachte an seine Patientin Rosa Pulcher, die er seit zwei Wochen mit dem Vitamin Biotin behandelte und bei der sich schon erste Erfolge einstellten. »Aber im Augenblick denke ich an etwas anderes, Schatz. Unsere Schwester Bernhardine geht Anfang nächster Woche in den Urlaub, und ich habe noch keine Vertretung. Vielleicht könnte Cordula einspringen? Gleichzeitig könnte ich die Nagelbehandlung durchführen. Was meinst du? Rufst du sie nachher mal an? Sie könnte ja morgen in der Praxis vorbeischauen.«
Florentine strahlte ihn an. »Ich wusste, dass du ihr helfen kannst«, sagte sie.
»Immer langsam mit den jungen Pferden«, entgegnete er schmunzelnd. »Du kennst ja die Geschichte mit dem Huhn, das erst gackern sollte, wenn das Ei gelegt ist. Aber ich bin guter Dinge. Ich glaube, unserer Cordula kann geholfen werden.«
***
»Monika, das ist unfair!«, rief Hannes Wiggert, als er die hübsche blonde Frau zur Tür schleichen sah. »Hiergeblieben! So kommst du mir nicht davon!«
Das kleine Lokal, das ›La Bohème‹, das zumeist nur von Insidern der Theaterwelt besucht wurde, war brechend voll, denn der Schauspieler Hannes Wiggert feierte seinen Geburtstag.
Noch bevor sie die Tür erreichte, hatte er sie eingeholt, beugte theatralisch vor ihr das Knie, legte eine Hand ans Herz und zitierte gekonnt Goethe, den Dichterfürsten: »Heut ist mir alles herrlich, wenn’s nur bliebe! Ich sehe heute alles durchs Augenglas der Liebe.«
»Liebe und Moschus lassen sich nicht verheimlichen«, spottete Hartmut Thoma, Hannes’ Kollege und wandte sich an Monika: »Wann wirst du ihn endlich erhören, meine Teuerste? Unser Hannes ist ja schon kein Mensch mehr, seit du in sein Leben getreten bist.«
»Tja, wann?« Monika unterdrückte ein amüsiertes Lachen. »Wenn’s rote Rosen regnet, zum Beispiel.« Lachend wandte sie sich der Tür zu.
Hannes war schnell neben ihr.
»Warum gehst du schon?«, fragte er und setzte seinen traurigen Hundeblick auf, der selten seine Wirkung verfehlte. »Die Fete geht doch erst richtig los, und ohne dich macht das doch alles keinen Spaß.«
Sie legte eine Hand an seine Wange und sah ihn bittend an. »Ich muss morgen eine Übersetzung abliefern, Hannes, und wie’s aussieht, werde ich wohl noch die halbe Nacht arbeiten müssen. Nicht böse sein, Hannes.«
»Ich verzeihe dir alles, nur keinen anderen Mann«, behauptete er.
»Spinner«, entgegnete sie, drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange und ging.
Nur ein paar hundert Meter vom ›La Bohème‹ entfernt lag Monikas hübsche Dreizimmerwohnung, die sie als Glücksfall betrachtete, denn sie war für Hamburger Verhältnisse relativ günstig.
Doch es gab kaum einen Glücksfall ohne den berühmten Wermutstropfen, und der hieß Norbert Krumme. Ihm gehörte das Achtfamilienhaus, und in seinem Haus herrschte Zucht und Ordnung.
Bis heute war Monika mit Herrn Krumme ganz gut zurechtgekommen, doch von anderen Mietern wusste sie, dass er zu drastischen Mitteln greifen konnte, wenn ihm etwas gegen den Strich ging.
Doch daran dachte Monika in diesen Augenblicken nicht. Sie genoss die kühle Nachtluft und die Ruhe, die um diese Zeit auf der Straße herrschte.
