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Wie ein Lauffeuer spricht es sich überall im Dorf herum: Gunnar Wissmann hat im Lotto gewonnen. Acht Millionen - Wahnsinn!
Alle gönnen ihm sein Glück, denn in letzter Zeit hat es das Schicksal nicht gerade gut mit ihm gemeint. Obwohl er seine Gesellenprüfung mit Auszeichnung bestanden hat, konnte ihn die Firma nicht übernehmen. Nun, jetzt werden sich Gunnar ja ganz neue Chancen eröffnen. Und vor allem: Er kann endlich seine Nele heiraten, mit ihr ein Haus bauen und glücklich werden. So, wie die beiden es sich immer erträumt haben.
Doch dann kommt alles ganz anders! Lina, Gunnars Mutter, berichtet Dr. Fabian bedrückt, dass ihr Sohn sich erschreckend verändert habe. Und Nele, seine Freundin, läuft nur noch mit verweinten Augen herum ...
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Seitenzahl: 105
Veröffentlichungsjahr: 2016
Cover
Impressum
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens
Schenk mir dein Herz ein zweites Mal
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: shutterstock / karelnoppe
Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-3705-1
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens:
Dr. Karsten Fabian – Arzt mit Leib und Seele, ehemals Chirurg im Elbe-Krankenhaus.
Florentine Fabian – geborene Fiedler, seine immer vergnügte, bildhübsche Frau.
Svenja, Tim und Jan – die aufgeweckten Kinder der Fabians, die von allen verwöhnt werden.
Dr. Albrecht Heideck – der ältere der beiden Landärzte, wohnt und praktiziert mit seinem jungen Kollegen in der Löwenvilla. Er ist Witwer.
Johannes Bruhns – Imker, Heidschnuckenzüchter und bester Freund von Dr. Heideck. Er kennt sich in der Naturheilkunde bestens aus.
Gerlinde Semmelweiß – Haushälterin in der Löwenvilla, abergläubisch und immer auf dem Laufenden, was Neuigkeiten im Dorf betrifft.
Schwester Bernhardine – unentbehrliche Helferin von Dr. Fabian und Dr. Heideck.
Helene Fromm
Schenk mir dein Herz ein zweites Mal
Als einen Mann die Reue packte
Von Ulrike Larsen
Wie ein Lauffeuer spricht es sich überall im Dorf herum: Gunnar Wissmann hat im Lotto gewonnen. Acht Millionen – Wahnsinn!
Alle gönnen ihm sein Glück, denn in letzter Zeit hat es das Schicksal nicht gerade gut mit ihm gemeint. Obwohl er seine Gesellenprüfung mit Auszeichnung bestanden hat, konnte ihn die Firma nicht übernehmen. Nun, jetzt werden sich Gunnar ja ganz neue Chancen eröffnen. Und vor allem: Er kann endlich seine Nele heiraten, mit ihr ein Haus bauen und glücklich werden. So, wie die beiden es sich immer erträumt haben.
Doch dann kommt alles ganz anders! Lina, Gunnars Mutter, berichtet Dr. Fabian bedrückt, dass ihr Sohn sich erschreckend verändert habe. Und Nele, seine Freundin, läuft nur noch mit verweinten Augen herum …
»Und jetzt hauen wir ordentlich auf die Pauke!«, verkündete Hein Dahlen. »Das haben wir uns verdient.«
Zustimmende Rufe wurden laut, nur Gunnar Wissmann winkte ab.
»Was denn? Du bist doch sonst kein Spielverderber«, meinte Hein verwundert. »Ist doch wohl klar, dass die bestandene Gesellenprüfung gefeiert werden muss!«
»Mir ist nicht nach feiern zumute«, antwortete Gunnar verdrossen. »Ihr habt eure Schäfchen im Trockenen, aber meine Firma übernimmt mich nicht. Ich bin jetzt erst mal arbeitslos. Tut mir leid, Jungs, aber ich fahre nach Hause.«
»Nun mach dir doch nicht gleich ins Hemd!«, regte Hein sich auf. »Jetzt haben wir so lange zusammen gepaukt und geschwitzt, jetzt sollten wir auch zusammen feiern.«
Dafür hatte Gunnar nur ein müdes Lächeln. Hein Dahlen hatte gut reden. Sein Vater hatte eine Firma, die Hein später einmal übernehmen sollte. Er brauchte sich um die Zukunft keine Sorgen zu machen.
»Ich wünsche euch alles Gute, Jungs. Irgendwann sehen wir uns sicher mal.« Gunnar wandte sich ab und ging zu seinem altersschwachen Wagen hinüber, der auf dem Parkplatz der Industrie- und Handelskammer stand.
Direkt neben Gunnars Rostlaube parkte Hein Dahlens knallroter Porsche. Ein Geschenk seines Vaters. Gunnar seufzte. Sein Vater war schon vor ein paar Jahren gestorben, aber selbst wenn er noch lebte, könnte er ihm keinen so teuren Wagen schenken.
Auf der Fahrt nach Hause, nach Altenhagen, ließ Gunnar die letzten drei Jahre Revue passieren. Er hatte den Beruf des Heizungsbauers erlernt, mit Schwerpunkt Solarenergie, denn die hatte in seinen Augen Zukunft.
Nicht einen Tag war er krank gewesen. »Blaumachen« kannte er nicht, und oft hatte er bis tief in die Nacht gepaukt. Sein Meister war mit ihm sehr zufrieden gewesen, doch da die Geschäfte rückläufig waren, hatte man ihm vor ein paar Monaten bedauernd mitgeteilt, dass die Firma ihn nicht übernehmen könne.
Mehr als hundert Bewerbungen hatte Gunnar Wissmann seither abgeschickt, und bis heute nur Absagen erhalten.
Längst hatte er die Autobahn verlassen und fuhr durch die Heide. Gunnar hatte keinen Blick für die Schönheit der Landschaft, und wenn er zufällig Wanderer entdeckte, rümpfte er die Nase. In seinen Augen waren diese Menschen Glückspilze, die gar nicht anerkannten, wie gut sie es hatten, die keine Sorgen kannten, die eine Anstellung und ihr Auskommen hatten.
Als er das hübsche Heidedorf Altenhagen erreichte, zögerte er. Seine Mutter wartete sicher schon auf ihn, doch Gunnar entschied sich für einen Besuch bei seiner Freundin Nele. Er wusste, dass sie sich heute freigenommen hatte, um diesen Tag gebührend mit ihm zu feiern.
»Einmal muss sie es ja erfahren«, seufzte er, als er von der Hauptstraße abbog und zum Kirchweg fuhr.
Das Haus der Familie Raider war eines der schönsten im Kirchweg, und Nele, die einzige Tochter, würde dieses Anwesen einmal erben. Otto Raider, ein penibler Beamter, konnte dies nicht oft genug betonen und gab Gunnar damit zu verstehen, dass er eine gute Partie machte.
Gunnar wusste nur zu gut, dass die Raiders sich einen anderen Schwiegersohn gewünscht hatten, einen Akademiker vielleicht, zumindest aber einen, der Geld hatte. Gunnar konnte weder mit dem einen noch mit dem anderen aufwarten.
Britta Raider stand am Gartenzaun und schnitt Rosen, als Gunnar aus dem Wagen stieg. Ein geringschätziges Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie Gunnars Auto betrachtete. Unwillkürlich warf sie einen Blick zu dem chrom- und lackblitzenden Sportwagen, der vor ihrer Garage stand. Für Britta war der fahrbare Untersatz ein Statussymbol, Ausdruck für einen gewissen Wohlstand.
»Tag, Frau Raider«, grüßte Gunnar. Obwohl er schon fast ein Jahr mit der Tochter des Hauses eng befreundet war, hatten ihm Neles Eltern noch nicht das Du angeboten.
»Hallo, Gunnar, Sie sind schon zurück? Und? Wie war die Prüfung?«
»Mit Auszeichnung bestanden«, verkündete er stolz. »Ist Nele zu Hause?«
»Gratuliere.« Begeistert klang das nicht, denn in Brittas Augen war ein Heizungsbauer nichts Besonderes. »Sie ist hinterm Haus, den Weg kennen Sie ja.«
Gunnar hatte keine andere Reaktion erwartet. Dass Handwerk goldenen Boden hatte, interessierte Britta Raider nicht. In ihren Augen hatte er einen Beruf ergriffen, in dem man sich die Hände schmutzig machen musste, und so einen Mann wünschte sie sich für ihre Tochter nicht.
Nele musste Gunnars Stimme gehört haben, denn sie kam ihm auf halbem Weg entgegen und fiel ihm um den Hals.
»Herzlichen Glückwunsch, mein Schatz«, rief sie und küsste ihn stürmisch.
»Du weißt doch gar nicht, ob ich bestanden habe«, meinte er verwundert.
»Natürlich weiß ich es. Ich spüre es«, antwortete sie lachend, nahm ihn bei der Hand und führte ihn zum gedeckten Tisch. »Einen kleinen Happen wirst du doch essen, oder?«
»Aber nur einen ganz kleinen«, sagte er und fragte sich, ob er überhaupt einen Bissen herunterbringen würde.
Nele hatte einen kleinen Imbiss vorbereitet und den Tisch liebevoll gedeckt. Dazu reichte sie Kaffee, denn solange Gunnar mit dem Wagen unterwegs war, gab es keinen Alkohol.
»Und jetzt schieß los«, forderte sie ihn auf, und ihre braunen Augen glänzten. Sie hatte oft genug mit Gunnar gepaukt und wusste, dass er gut war.
Er berichtete ausführlich, und als sie hörte, dass er die Gesellenprüfung mit Auszeichnung bestanden hatte, beugte sie sich zu ihm und umarmte ihn.
»Schatz, ich bin mächtig stolz auf dich«, versicherte sie strahlend.
Er schnaubte leicht durch die Nase. »Bist du das auch noch, wenn du hörst, dass ich ab nächster Woche arbeitslos bin?«
Er sah ihre Betroffenheit und lächelte müde. Erst jetzt gestand er sich ein, dass er sie schon viel früher hätte informieren müssen. Schließlich wusste er schon seit einiger Zeit, dass er nicht übernommen würde. Nele musste ja geschockt sein, wenn er sie so unvorbereitet vor vollendete Tatsachen stellte.
»Na ja, das macht doch nichts«, meinte sie unsicher. »Mit deinem Zeugnis bekommst du allemal einen Job.«
»Meinst du?«, entgegnete er bitter. »Jetzt kann ich es dir ja sagen, Nele. Ich habe schon mehr als hundert Bewerbungen abgeschickt, und ich war sogar bereit, jeden Tag eine weite Strecke zu fahren. Aber nichts … absolut nichts.«
Doch so schnell war Nele nicht zu entmutigen. Sie rückte nahe an Gunnar heran und schlang die Arme um ihn.
»Es wird schon werden, Gunnar«, sagte sie weich und küsste ihn sanft. »Schau, ich verdiene zwar keine Unsummen, aber was mir gehört, gehört auch dir. Wir lassen uns nicht unterkriegen. Gemeinsam sind wir unschlagbar.«
»Ach, Nele.« Teils bewundernd, teils mitleidig sah er sie an. »Sag das mal deinem Vater. Ich war nie sein Traumschwiegersohn, und jetzt will er mich erst recht nicht.«
»Na ja, er soll dich schließlich auch nicht heiraten«, bemerkte sie amüsiert.
»Ich finde das gar nicht lustig!«
»Ich auch nicht.« Nele wurde ernst. »Trotzdem sollst du wissen, dass ich immer für dich da bin, Gunnar. Ich hab dich so lieb, dass ich mir ein Leben ohne dich gar nicht vorstellen kann. Das hört sich vielleicht kitschig an, aber es ist so. Komm, mach nicht so ein Gesicht. Ein Mann mit diesem Zeugnis bekommt ganz sicher über kurz oder lang einen Job.«
Er verzog das Gesicht. »Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube«, sagte er und warf einen Blick zum Himmel. »Ich darf gar nicht an deinen Alten denken, der …«
»Sag nicht immer Alter zu ihm«, unterbrach sie ihn vorwurfsvoll.
»Okay, schon gut«, gab er mürrisch nach. »Ich kann mir jetzt schon lebhaft vorstellen, was dein Vater sagen wird. Unsere Familie ist ihm sowieso nicht gut genug, und jetzt hat seine einzige Tochter auch noch einen arbeitslosen Freund.« Er griff sich an den Kopf. »Das passt genau in das Bild, das er sich von mir gemacht hat.«
Sie nahm sein Gesicht in die Hände und sah ihn lieb an.
»Ist es wirklich so wichtig, was mein Vater meint? Ich liebe dich, Gunnar, und nur das allein zählt. Solange wir zusammenhalten, kann uns nichts passieren.« Und noch bevor er etwas entgegnen konnte, küsste sie ihn so zärtlich, dass er für Minuten alles andere vergaß.
***
Am frühen Nachmittag war die ruhigste Zeit in dem kleinen Supermarkt des Heidedorfes, und Bertha Lammers, die Besitzerin, hatte Zeit und Muße, die Hauptstraße zu beobachten.
Zu sehen gab es immer was, und wenn es besonders interessant zu werden versprach, eilte Bertha Lammers hinaus, um ja nichts zu verpassen.
»Na, der hat mir gerade noch gefehlt«, flüsterte Bertha und reckte sich leicht auf die Zehenspitzen.
Wenn Bertha die Augen zusammenkniff und die Lippen spitzte, so bedeutete dies höchste Alarmstufe, dann stand sie kurz vor einer Explosion.
Obwohl sie Lutz, den Neffen ihres Mannes, schon seit gut sechs oder sieben Jahren nicht mehr gesehen hatte, war sich Bertha ihrer Sache absolut sicher, das konnte nur Lutz sein.
»Wenn der glaubt, dass er mir mit seinem Gesülze wieder mal ein paar Hunderter aus der Tasche locken kann, dann täuscht er sich aber gewaltig«, schimpfte die Geschäftsfrau.
Es gab Dinge im Leben, die vergaß man einfach nicht, und für Bertha gehörte hierzu die Geschichte mit Lutz Ewald, der ihr als Student mit einem Nebenjob eine Geldanlage angedreht hatte, die ihm eine hohe Provision und ihr einen kräftigen Verlust eingebracht hatte.
Zwar hatte Lutz damals, als sie ihn zur Rede gestellt hatte, reuevoll bedauert, nicht über dieses Schwindelunternehmen informiert gewesen zu sein, aber Berthas Geld war weg gewesen.
Bertha zupfte am Kragen der Bluse und strich den weißen Kittel glatt, als sie sah, dass die beiden Männer auf den Supermarkt zukamen.
»Bertha?«, rief ihr Mann Gerhard und sah sich suchend um. »Ah, da bist du ja. Sieh mal, wen ich mitgebracht habe!«
»Ich habe ihn schon gesehen, deinen Lieblingsneffen Lutz«, meinte sie brummig.
»Tantchen, bist du vielleicht immer noch böse auf mich?«, rief er, kam lachend auf sie zu und umarmte sie herzlich. »Nun mach ein anderes Gesicht, Tantchen, ich bin nicht mehr der böse Bube von damals. Inzwischen bin ich ein gestandener Designer, der von den Aufträgen ganz gut leben kann.«
»Aha?« So schnell war Bertha nicht zu überzeugen.
Sie musterte ihn kritisch, doch an seinem Erscheinungsbild war nichts auszusetzen. Weißes Hemd, dezente Krawatte, dunkler Blazer und helle Hose – so stellte man sich einen erfolgreichen Geschäftsmann vor.
»Und was verschlägt dich in unser Dorf? Ein Mann wie du gehört doch nicht hierher. So was Schnuckeliges wie dich würde ich eher an der Côte d’Azur oder in Marbella vermuten.«
Lutz lächelte säuerlich, denn Tante Bertha ließ keinen Zweifel daran, dass sie ihm nicht viel zutraute. Ein Grund mehr für ihn, sich in gleicher Manier zu revanchieren. Er sah sich im Laden um und rümpfte leicht die Nase.
»Hier ist alles noch so wie vor zehn Jahren«, stellte er kühl fest.
»Und was ist schlecht daran?«, konterte Bertha angriffslustig.
Gerhard Lammers hielt sich in weiser Voraussicht zurück. Er freute sich über den Besuch seines Lieblingsneffen, der früher oft bei ihnen die Ferien verbracht hatte.
