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Seit Andrea Degen geschieden ist, lebt sie in Angst und Schrecken. Ihr ehemaliger Mann droht, ihr die Tochter Tanja wegzunehmen. Sie kann die Kleine keine Minute aus den Augen lassen. Jetzt ist sie nach Altenhagen geflohen, und sie hoffet, dass ihr Mann sie dort nicht findet. In dem Heidedorf hat sie Freunde: Regina, die energische junge Altenhagenerin, die immer einen Rat weiß, und Bert Burmeister, dieser ruhige Mann vom Rosenhof, der so viel Sicherheit ausstrahlt.
Aber können Andreas Freunde die junge Frau wirklich vor ihrem Exmann beschützen?
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Seitenzahl: 105
Veröffentlichungsjahr: 2017
Cover
Impressum
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens
Im Paradies ist noch ein Plätzchen frei
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Bastei Verlag / Blume
Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-5469-0
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens:
Dr. Karsten Fabian – Arzt mit Leib und Seele, ehemals Chirurg im Elbe-Krankenhaus.
Florentine Fabian – geborene Fiedler, seine immer vergnügte, bildhübsche Frau.
Svenja, Tim und Jan – die aufgeweckten Kinder der Fabians, die von allen verwöhnt werden.
Dr. Albrecht Heideck – der ältere der beiden Landärzte, wohnt und praktiziert mit seinem jungen Kollegen in der Löwenvilla. Er ist Witwer.
Johannes Bruhns – Imker, Heidschnuckenzüchter und bester Freund von Dr. Heideck. Er kennt sich in der Naturheilkunde bestens aus.
Gerlinde Semmelweiß – Haushälterin in der Löwenvilla, abergläubisch und immer auf dem Laufenden, was Neuigkeiten im Dorf betrifft.
Schwester Bernhardine – unentbehrliche Helferin von Dr. Fabian und Dr. Heideck.
Helene Fromm
Im Paradies ist noch ein Plätzchen frei
Wenn eine große Liebe in der Heide beginnt …
Von Sybille Nordmann
Seit Andrea Degen geschieden ist, lebt sie in Angst und Schrecken. Ihr ehemaliger Mann droht, ihr die Tochter Tanja wegzunehmen. Sie kann die Kleine keine Minute aus den Augen lassen. Jetzt ist sie nach Altenhagen geflohen, und sie hofft, dass ihr Mann sie dort nicht findet. In dem Heidedorf hat sie Freunde: Regina, die energische junge Altenhagenerin, die immer einen Rat weiß, und Bert Burmeister, dieser ruhige Mann vom Rosenhof, der so viel Sicherheit ausstrahlt.
Aber können Andreas Freunde die junge Frau wirklich vor ihrem Exmann beschützen?
Es war sieben Uhr morgens an einem Mittwoch Ende Juni. Die Sonne zauberte von einem wolkenlosen Himmel ein Farbenkonzert über die Lüneburger Heide und das Kirchdorf Altenhagen. Das zarte Grün der Birken über weißen Stämmen, das Blaugrün der Wacholderbüsche und das frische Grün der Fichten und Kiefern …
In Altenhagen blühten die Linden an beiden Seiten der Dorfstraße, und die Kastanien schickten sich an, ihre Kerzen anzuzünden. In den Gärten blühte der Flieder, die Schneeballen und der Jasmin. Der Duft des frühen Sommers hing wie eine süße Verheißung in der Luft.
Die Wirtin des Gasthauses »Zum Blechernen Krug«, direkt am Kirchplatz gelegen, stand vor der Tür und krähte mit ihrer durchdringenden Stimme ein »Guten Morgen, Pastor« über den Platz vor der Kirche, als Pastor Stolzenburg aus der Pforte des Gartens trat.
Der Bauer Karl Lindau fuhr mit seinem Traktor die Dorfstraße entlang und fluchte, als eine schwarze Katze über die kopfsteingepflasterte Fahrbahn lief.
Frau Roloff, die Klatschtante Altenhagens, stand vor dem Selbstbedienungsladen des Kaufmanns Lammers und ärgerte sich, weil ihre Freundin Bertha Lammers keine Zeit zum Tratschen hatte.
Und am Ende des Dorfes, dort, wo der Birkenweg gegenüber dem Neubaugebiet nach rechts abbog, trabte der fünfjährige Jan Burmeister mit einer Milchkanne in der Hand den Fußweg entlang. Sein Vater, der Witwer Bert Burmeister, hatte einen kleinen Hof von seinen Eltern geerbt und ihn in eine Baumschule und Rosenzucht umgewandelt, weil ein Kleinbauernbetrieb nicht mehr rentabel war. In Altenhagen nannten sie ihn »Rosenhof«.
Zum Rosenhof gehörten mehrere lange Gewächshäuser, Reihen von Frühbeeten, die mit Glasfenstern abgedeckt waren, und einige Morgen mit Ziersträuchern.
Und über allem hing zurzeit der unvergleichliche Duft der Rosen.
Der kleine Jan trippelte den Fußweg entlang. Er betrat von der Rückseite das Haus und rief in die Küche hinein: »Da bin ich wieder, Mulle.« Er stellte die Milchkanne auf einen Hocker.
»Du bist ein tüchtiger Junge. Du kannst schon gut helfen«, entgegnete »Mulle«, die eigentlich Marieluise Müller hieß, fünfzig Jahre alt war und seit dem Tod von Jans Mama den Haushalt auf dem Rosenhof führte. »Du kannst zu deinem Vati laufen und ihm sagen, dass das Frühstück auf dem Tisch steht.«
»Wo ist Vati?«, fragte Jan und war schon an der Tür.
»Er ist im zweiten Gewächshaus. Lauf nicht so schnell, hörst du?«
Jan sauste zwischen den Frühbeeten hindurch, balancierte auf einer der Seitenbegrenzungen und rutschte prompt, da er alles im Laufschritt tat, von den schmalen Steinen ab. Er fiel in eines der schrägen Glasfenster. Dabei schlug er mit dem Unterarm auf einen Begrenzungsstein auf und blieb lang ausgestreckt auf dem schmalen Fußweg liegen. Ein heftiger Schmerz durchzuckte seinen Arm. Jan konnte nicht einmal schreien. Zitternd setzte er sich auf und legte den rechten Arm vorsichtig in seinen Schoß.
Sein Vater, der das Klirren der Glasscheibe gehört hatte, war rasch bei ihm.
»Was ist los mit dir, Jan?« Und als Jan gar nicht reagierte, fuhr er fort: »Bist du gefallen? Hast du dich im Glasfenster geschnitten?«
Jan sah ihn mit Tränen in den Augen an.
»Mein Arm, Vati«, flüsterte er, und sein Gesicht war schmerzverzerrt.
»Lass mal sehen.« Bert Burmeister beugte sich zu ihm hinab und fasste nach Jans rechtem Arm. »Mir scheint, er ist gebrochen. Ich bringe dich zu Doktor Fabian. Halt den Arm ganz fest. Kannst du aufstehen?«
Jan nickte, aber beim Aufstehen taumelte er, sodass sein Vater rasch zupackte und ihn einfach hochhob. Jan zuckte zusammen, aber dann legte er seinen Kopf fest gegen das Gesicht seines Vaters. So ging Bert Burmeister zu Mulle in die Küche.
»Ich muss Jan zu Doktor Fabian bringen, Mulle. Wahrscheinlich hat er sich den rechten Arm gebrochen.«
»Ich habe ihn gewarnt«, erwiderte Mulle aufgeregt. »Er ist immer so wild!«
»Du kannst Paul sagen, dass ich zum Arzt bin und wohl auch ins Krankenhaus fahren muss, weil der Arm sicher geröntgt werden muss. Er soll alle Frühbeetfenster abnehmen lassen. Die Fenster kann er im Schuppen aufstapeln.«
Mulle nickte.
Schon Minuten später hielt Bert mit seinem Wagen vor dem Eingang zur »Löwenvilla«, in der die beiden Landärzte Dr. Heideck und Dr. Fabian ihre Praxis hatten. Bert Burmeister nahm Jan erneut auf den Arm und ging mit ihm die Eingangsstufen hinauf.
Als er die Halle betrat, stand er vor Dr. Fabians Frau Florentine und der Praxishilfe Dr. Fabians, Schwester Bernhardine, die sofort auf ihn zukam.
»Jan? Was fehlt ihm, Bert?«, fragte sie, während Florentine zur Tür ging, die zu den Praxisräumen führte und sie öffnete.
»Wahrscheinlich hat er sich beim Fallen den rechten Arm gebrochen«, sagte Bert. »Ist dein Mann zu Hause, Florentine?«
»Ja, er ist im Behandlungszimmer.«
»Lass Jan mal herunter. Ich nehme ihn mit hinein«, sagte Bernhardine und nahm den Jungen an der linken Hand, als er vor ihr stand und ein bisschen ängstlich und verlegen zu ihr aufsah.
»Wie ist es denn passiert?«, fragte Florentine.
»Jan lief zwischen den Frühbeeten. Er wollte mich zum Frühstück holen«, begann Bert und unterbrach sich, da in diesem Augenblick Dr. Fabian aus der Praxis kam. Er trug eine Arzttasche in einer Hand und sah Jan und Bert stirnrunzelnd an. »Wir müssen los, Schwester Bernhardine … Ist was mit deinem Jungen, Bert?«
»Eine Unterarmfraktur, Herr Doktor«, antwortete Bernhardine hastig.
»Na, dann komm mal mit«, wandte sich der Landarzt an Jan, und zu Bert sagte er: »Dann wirst du deinen Jungen selbst ins Kreiskrankenhaus bringen müssen. Ich lege ihm nur einen Notverband an und gebe dir die Einweisung mit. Bernhardine und ich müssen zu einer Geburt. Aber Florentine wird dich und Jan beim Oberarzt Dr. Heim telefonisch anmelden.«
»Danke, Doktor. Muss Jan im Krankenhaus bleiben?«
»Wahrscheinlich wird er einen Gipsverband bekommen. Dann kannst du ihn gleich wieder mitnehmen.«
»Das wäre gut. Das heißt, ich weiß nicht …«
»Du meinst, weil du niemanden hast, der auf Jan aufpasst?«, fragte Florentine.
»Wir reden noch darüber«, antwortete Dr. Fabian freundlich und schob Jan mit einer Hand auf dessen Schulter behutsam in die Praxis. »Es dauert nur zehn Minuten, Bert.«
Bert seufzte und wandte sich an Florentine: »Jan hat viel zu wenig Aufsicht. Ich arbeite den ganzen Tag. Nur gut, dass er normalerweise morgens in den Kindergarten gehen kann. Bei mir im Betrieb hat kaum jemand für ihn Zeit.«
Schwester Bernhardine folgte Dr. Fabian und schloss die Tür hinter sich, während Florentine Bert nachdenklich ansah.
»Ich habe dir schon einige Male gesagt, dass du dich nach einer Frau umsehen musst, Bert.«
»Eine Frau«, stieß Bert spöttisch heraus. »In meiner Kommodenschublade finde ich keine. Oder hast du welche zur Auswahl?«
Sie unterbrach ihn leise lachend. »Du bist nervös, Bert. Wahrscheinlich deshalb, weil du mir im Stillen Recht gibst. Es gibt immer Wege, wenn du nur willst. Aber du willst nicht. Da liegt das Problem. Im Übrigen hast du genug getrauert. Ich will damit ja nicht sagen, dass du deine Irmgard vergessen sollst. Aber du hast dich regelrecht in den Gedanken verrannt, dass es für dich keine andere geben wird. Nach fünf Jahren wird es Zeit, dass du dich für Jan …«
»Gib dir keine Mühe«, knurrte Bert unbehaglich.
»Aber Jan braucht eine Mutter, und du weißt das auch«, fuhr Florentine ihn gutmütig an. Sie betrachtete ihn nachdenklich. »Ich werde mich mal ein bisschen umsehen.«
»Du sagst das so, als ob du schon nachgedacht hättest«, knurrte er und sah sie misstrauisch an.
»Nicht direkt, Bert. Aber wenn du ich schon fragst, hast du mal an Regina Helmrich gedacht? Du weißt, sie ist Krankenschwester …«
»In Hamburg«, antwortete er hastig.
»Richtig, aber sie ist jedes Wochenende in Altenhagen. Das bedeutet doch wohl, dass sie lieber auf dem Lande lebt als in der Stadt, nicht wahr?«
»Ja, schon«, gab er unbehaglich zu.
»Magst du sie nicht?«, fragte Florentine rasch.
»Doch, aber ich kann doch nicht zu ihr gehen und sagen: ›Komm zu mir, Jan braucht dich.‹»
»Männer!«, stieß Florentine heraus. »Nein, so kannst du natürlich nicht mit ihr reden. Aber ich kann ja mal mit ihrer Mutter telefonieren. Lass mich nur machen. Selbst wenn Regina nur deshalb zu dir kommt, damit Jan jemanden hat, der sich um ihn kümmert, ist dir doch schon eine Sorge abgenommen.«
Bert atmete auf. »Na ja, das hört sich schon anders an.«
»Gut, dann spreche ich mal mit Frau Helmrich. Oh, da ist ja schon Jan.« Sie wandte sich der Praxistür zu, die von Schwester Bernhardine geöffnet wurde. »Hast du aber einen großen Verband bekommen. Sogar eine Schiene!«
Dr. Fabian tauchte hinter Jan auf. »Du musst mit deinem Jungen ins Krankenhaus, Bert. Ich weiß natürlich nicht, wie der Bruch aussieht. Der Arm muss geröntgt werden.«
»Klar, das dachte ich mir schon.«
»Hier hast du den Einweisungsschein, Bert. Gib ihn bei der Aufnahme ab. Florentine meldet dich telefonisch an.«
»Danke, Doktor. Bernhardine … Florentine …«
»Wir hören noch voneinander, Bert«, sagte Dr. Fabians Frau ruhig, strich einmal leicht über Jans blondes Wuschelhaar und schaute Vater und Sohn nach, als sie die Treppenstufen zur Auffahrt hinuntergingen. Sie wartete, bis beide in Berts Wagen gestiegen waren, und wandte sich dann an ihren Mann: »Hattest du nicht mal erwähnt, dass Regina Helmrich gern hier in Altenhagen arbeiten würde?«
»Ja, das sagte ich. Frau Helmrich fragte mich mal vor einem halben Jahr, ob ich keine Arbeit für ihre Tochter hätte.«
»Du nicht, aber vielleicht Bert Burmeister, Karsten. Jan braucht Aufsicht. Außerdem kränkelt Reginas Mutter …«
»Du meine Güte.« Dr. Fabian lachte und wandte sich an Schwester Bernhardine. »Kommen Sie, wenn meine Frau anfängt, dauert das Stunden.« Er ging mit seiner Praxishilfe, die gleichzeitig Hebamme war, lachend hinaus.
***
Florentine seufzte und ging in Dr. Heidecks Arbeitszimmer, das den Praxisräumen gegenüberlag. Und da Dr. Heideck, der ältere der beiden Landärzte, zu seinem Freund Johannes Bruhns gefahren war, setzte Florentine sich gemütlich in einen Sessel, nahm das Telefon auf den Schoß und suchte im Telefonverzeichnis die Nummer von Frau Thea Helmrich heraus. Dann wählte sie und horchte dem hinausgehenden Rufzeichen nach.
»Hier ist Florentine Fabian«, meldete sie sich, als sie Theas Namen hörte. »Ich wollte mich nur mal erkundigen, wie es Ihnen geht. Hat Ihre Tochter sich schon entschlossen, ganz nach Altenhagen zurückzukehren? Sie erwähnte mal so was.«
»Schön wär es ja, aber da kommt immer was dazwischen. Jetzt ist es ihre Freundin Andrea Degen. Die ist geschieden … Und ihr Mann ist hinter Andreas Tochter her. Nein, da wird Regina sich nicht freimachen können. Will dein Mann sie als Krankenschwester beschäftigen, Florentine?«
»Nein, er hat ja Schwester Bernhardine, aber ich dachte, wenn ich mal was höre …«
»Ach so, nein, Regina will sich auch um die kleine Tanja kümmern …«
»Tanja? Wer ist denn das?«, fragte Florentine begriffsstutzig.
»Na, die Tochter der Freundin meiner Tochter, doch …«
»Ach so, ja … Und Tanjas Vater …«
»Er ist ein Trinker. Er ist ja geschieden, aber er will Tanja zu sich holen.«
»Das müssen Sie mir mal näher erklären. Darf ich mal zu Ihnen kommen?«
»Du meinst, jetzt gleich? Ja, komm nur. Ich mache uns eine Tasse Kaffee.«
