Drei sind keiner zu viel - Jörn Holtz - E-Book

Drei sind keiner zu viel E-Book

Jörn Holtz

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Beschreibung

Was bringt einen Workaholic dazu, sich unbezahlt beurlauben zu lassen, sein Haus unterzuvermieten, sich in seinen Campingbus zu setzen und alles hinter sich zu lassen? Und was bringt einen Misanthropen dazu, sich zu öffnen und sich anzunähern? Dies ist die Geschichte von Ole Stein, der schwer traumatisiert, körperlich und geistig erschöpft in seinen VW-Bus steigt und alles Vertraute hinter sich lässt, um das unbekannte Schöne zu finden.

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Jörn Holtz

Drei sind keiner zu viel

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Widmung

Prolog

Der gelebte Alptraum

Die Party

Der Filmriss

Was jetzt?

Der Preis für den Deal

Der vereitelte Aufbruch

Gülle und die alternative Art zu reisen

Der Koiteich und der bunte Stein

Renata

Das Unisexbadeerlebnis

Der gefällte Baum

Weisheiten eines Feldphilosophen

Die Welt im Rückspiegel

Die Anhalterin

Anne

Lektion im Hier und Jetzt

Der stumme Hilfeschrei

Margret

Wellness und das Einbettzimmer

Johannes und der Chauffeur

Ole im Glück

Gülle im Gepäck

Schwanger und eine Lektion in Vertrauen

Eine Göttin steigt herab

Das Happening

Demonstrationen

Die Regeln

Auf dem Boden der Tatsachen zurück

Abschiedsrituale

Die neuen Mitfahrer

Ein schmerzliches Frühstück

Siw

Mia

Das Familientreffen

Das gelbäugige Monster

Wiedersehfreuden

Yvette

Gefangen

Die Osterbescherung

Josef aus Bremen

Die letzte Etappe

Der Kreis schließt sich

EPILOG

Impressum neobooks

Vorwort

Drei sind keiner zu viel

„Wenn einem immer seine Liebsten abhandenkommen, dann ist ein fester Partner einfach nicht genug, um sich wirklich sicher und geborgen zu fühlen.  Ein Road-Trip zurück zu den Wurzeln des Miteinanders und der wirklich befreiten Liebe.“

Hinweis: Dieser Roman beschreibt eine Utopie

Eine Utopie ist der Entwurf einer fiktiven Gesellschaftsordnung, die nicht an zeitgenössische historisch-kulturelle Rahmenbedingungen gebunden ist. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird Utopie auch als Synonym für einen von der jeweils vorherrschenden Gesellschaft vorwiegend als unausführbar betrachteten Plan, ein Konzept und eine Vision, benutzt.

Ein ähnlicher, in diesem Kontext oft verwendeter Begriff ist der Wunschtraum. Es handelt sich um eine Gesellschaftsordnung, die bisher keinen Ort hat und nur als Gedanke und Idee existiert.

Quelle: Wikipedia Juni 2015

In der Hoffnung, dass dieser Wunschtraum irgendwo Wirklichkeit werden könnte oder vielleicht schon irgendwo existiert.

Anmerkung des Autors

Widmung

Dies Buch ist für alle, die mich begleiten 

Lichter für alle Zeiten

Ihr überwältigt mich am meisten

Rettet meine Seele, seid die geilsten

Dies Buch ist für alle, die ihr gegangen seid

Schatten für alle Zeit

Seid Ausdruck meiner Eitelkeit

Hafen und Motor meiner Einsamkeit

Prolog

28.01.2008

Alles im Leben hat seinen Preis, hatte Ole schon oft gehört oder gelesen, und heute schien wohl Zahltag zu sein. Denn alles was er sich teilweise maßlos, über Jahrzehnte hinweg abverlangt hatte, forderte nun einen weiteren Tribut von ihm.

Einen weiteren Tribut deshalb, da die körperliche und geistige Erschöpfung, die er gerade verspürte, zumeist seinem normalen Zustand entsprach. Doch dass sein Puls wie wild raste und sein Blutdruck jenseits von Gut und Böse war, war selbst für seine Verhältnisse nicht normal.

Daher war er am frühen Morgen statt zur Arbeit, besorgt zu seinem Hausarzt gefahren, um sich untersuchen und mal wieder krankschreiben zu lassen.

Nach einem kurzen, prüfenden Blick und Blutdruckmessen hat sein Hausarzt ihn auch problemlos für eine Woche krankgeschrieben. Zuvor jedoch hat er ihm unmissverständlich klargemacht, dass wenn er diese Auszeit nicht nutzt, indem er sie am besten in Bett verbringt, er Ole als nächstes ein eigenes Bett im Krankenhaus spendieren wird.

Also saß Ole nun auf seiner Couch im Wohnzimmer seines geerbten Elternhauses und zwang sich dazu, nichts zu tun. Was ihm aber schon seit Jahren nicht mehr gelingen wollte. Denn irgendetwas machte er immer. So glitten auch jetzt seine Hände mechanisch über die Saiten einer Bassgitarre und übten irgendwelche Akkordfolgen. Dabei sah er zum Hoffenster hinaus in den Garten, während er versuchte an das zu denken, was ihn hierhergebracht hatte und nicht an das, was dort vor seinem Fenster noch alles zu erledigen war. Nur war beides gar nicht so einfach. Denn zum einen konnte er nur zu deutlich den Druck spüren, den das Blut in seinen Adern erzeugte und das von unten aus in seinem Kopf zu münden schien, wobei es seine Gedanken lähmte. Zum anderen war da dieser permanente Druck in seinem rechten Unterleib, der ihn nachts wachhielt und der ihn jetzt dazu Zwang, seine Bassgitarre zur Seite zu legen, da die davon ausgehenden Schwingungen nicht mehr zu ertragen waren.

Wütend auf seine immer mehr außer Kontrolle geratenen Körperfunktionen stand er auf, wobei er das empfindliche Instrument schwungvoll in seinen Halter zurückstellte. Kurz erschrak er daraufhin, dann schleppte er sich mit unsicheren Schritten zu seinem Lieblingsplatz hinüber, einen bequemen Schaukelstuhl, der im Wintergarten stand, und ließ sich dort nieder.

Während er sich dort sitzend sanft hin und her wiegte, starrte er mit nun leerem Blick erneut aus dem Fenster und fragte sich nicht zum ersten Mal, warum all diese ignoranten Ärzte die Ursache für seine fortwährende Pein nicht fanden. Denn selbst der Proktologe und die anderen Spezialisten, die er in den letzten 2 Jahren aufgesucht hatte, hatten nichts Ungewöhnliches bei ihm entdecken können.

Dabei plagte ihn regelmäßig die Angst, dass es ihm ebenso ergehen würde, wie es dem größten Teil seiner Familie ergangen war. Und die Tatsache, dass dieser verdammte Fluch bis jetzt ausnahmslos nur weibliche Verwandte mütterlicher Seitz getroffen hatte, beruhigte ihn keineswegs.

Als dann auch noch das Bild seiner Ex-Freundin Marion in seinen Gedanken auftauchte und ihr vorwurfsvolles Gesicht nicht mehr verschwinden wollte, entschloss er sich genervt aufzustehen, um sich eine Tasse Fenchel Tee zu machen.

Ole stand gerade noch etwas unsicher da, weil sein Kreislauf noch gefühlt im Schaukelstuhl saß, während sich sein Wintergarten um ihn herumbewegte, ohne dass er sich selbst bewegte. Da klopfte sein alter Schulfreund Peter an die gläserne Wintergartentür.

‚Man, der sieht ja noch schlechter aus als ich‘, stellte er auf den ersten Blick amüsiert fest, bevor er sich leicht schwankend auf den Weg zur Tür machte.

Peter, ein dunkelhaariger Bär, der mit seinen 186 cm locker 130 Kilo auf die Waage brachte, hatte sich währenddessen schon selbst rein gelassen und schaute ihn ebenfalls fragend an. 

„Verdammt, siehst du Scheiße aus!“, begrüßte er Ole auf seine direkte Art.

„Danke altes Haus, du siehst aber auch nicht viel besser aus!“, lächelte Ole gequält zurück.

„Ja, da magst du wohl Recht haben!“, brummte Peter betrübt, während er sich die Schuhe auszog. „Man so ein Zufall, ich hatte eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass du zu Hause bist. Doch als ich hier vorbeilief, sah ich, dass dein Camper im Carport steht. Du bist doch nicht schon wieder krank, oder?“

„Ämh doch, irgendwie schon!“, kratzte Ole sich verlegen am Kopf, da ihm das Thema: Kranksein, ohne wirklichen Befund; immer unangenehm war. „Na ja, mein Blutdruck war heute Morgen bei 200 zu 150 und ich fühl mich noch immer so, als wäre ich volle Pulle gegen eine Wand gelaufen!“, sagte er schließlich, wobei er seinem Freund zur Begrüßung auf die Schulter klopfte. „Und du, wer hat dir den Tag versaut?“, sah er ihn dann fragend an.

„Ach, ich mir selbst! Anke hat mich eben rausgeschmissen, nachdem sie das mit Maya herausbekommen hat“, rang Peter sich ein falsches, schiefes Lächeln ab.

„Oh, das ist aber blöd!“, sah Ole seinen Freund zuerst überrascht an. Dann konnte er sich ein hämisches Grinsen nicht verkneifen. „Na ja, aber so ist es wohl, wenn man den Hals nicht voll bekommt! Apropos, möchtest du vielleicht etwas trinken, einen Kaffee oder etwas Stärkeres?“

„Hey, sag Mal!“, empörte Peter sich kurz, bevor er schulterzuckend hinzufügte: „Danke, aber Kaffee reicht erst einmal.“

„Und nun?“, sah Ole ihn kritisch an, nachdem er in der Küche den Kaffeevollautomaten eingeschaltet hatte.

„Ehrlich gesagt, weiß ich es gerade nicht“, zuckte Peter sichtlich ratlos mit den Schultern. „Oder wärst du vielleicht so nett, mir dein Gästezimmer unterzuvermieten?“, fügte er nach einer gewollten Pause vorsichtig hinzu, bevor er selbstbewusst: „Natürlich nur solange bis ich was Neues habe“, anfügte.

„Oh, du meinst Marions altes Zimmer“, hielt Ole kurz überrascht inne, wobei sich sein Bauch einen Moment lang noch unangenehmer bemerkbar machte. „Häm, na okay, geht klar!“, sagte er dann jedoch, da er seinen ältesten Freund nicht hängen lassen wollte.

Der gelebte Alptraum

19.02.2008

Als Ole erst den zweiten Tag wieder auf Arbeit war, rief ihn kurz nach der Mittagspause seine älteste Schwester Doro an. Kurz starrte er überrascht und ungläubig das Display seines Handys an. Denn dies war, abgesehen von der frühen Uhrzeit, schon sehr ungewöhnlich, weshalb er sich auch vorsichtig, sowie mit gespielter Überschwänglichkeit meldete: „Moin Schwesterherz, das ist ja schön, dass du mich mal anrufst!“

„Hallo Ole, nein eigentlich nicht!“, erklang ihre Stimme daraufhin schluchzend in der Ohrmuschel seines Handys. „Denn das was ich dir mitteilen möchte, ist alles andere als schön. Petra geht es seit gestern sehr schlecht, und zwar so schlecht, dass die Ärzte sie vorhin ins künstliche Koma versetzt haben, nachdem sie einen weiteren Schlaganfall hatte“, kam sie wie immer direkt und ohne weitere Formalitäten zur Sache, wenn auch dieses Mal etwas stockend. „Würdest du daher bitte umgehend ins Städtische kommen?“

„Äh ja, geht klar!“, starrte er verwirrt aus dem Fenster. „Doch sag mal, was ist denn bloß passiert?“

„Das wissen die Ärzte noch nicht. Aber es sieht gerade gar nicht gut für sie aus. Daher solltest du dich auch ein wenig beeilen. Vielleicht ergibt sich dann noch einmal die Möglichkeit, dass du mit ihr reden kannst.“

„Sicher, dass wäre toll!“, stammelte er daraufhin mechanisch, auch wenn er es seit Jahren vermieden hatte, mit seinen Schwestern zu sprechen. Dennoch ließ er alles stehen und liegen und raste über die Autobahn zurück nach Kiel.

Im Krankenhaus angekommen, fragte er sich bis zur Intensivstation durch. Dort angekommen, streifte er sich schnell einen weißblauen Kittel über, sowie jeweils hellblaue Papierhauben über die Haare und Schuhe, bevor er das sterile Krankenzimmer betrat, wo einer seiner schlimmsten Alpträume ad-hoc Realität wurde. Zuerst meinte er noch, sich im Raum geirrt zu haben, denn die nackte Frau, die dort in der Shavasana Stellung rücklings auf einem metallenen Bett lag, war so immens aufgedunsen, dass er seine zweit älteste Schwester erst auf den zweiten Blick erkannte. Dabei stellte aber auch erschrocken fest, dass ihr Körper überall mit irgendwelchen Geräten verbunden war, wobei nur ihre Genitalien notdürftig mit jeweils einem Handtuch abgedeckt waren. Als sein Kopf diese Information entsetzt verarbeitet hatte, entdeckte er Doro. Sie saß derweilen in sich zusammengefallen am Kopfende des Bettes und hielt die Hand ihrer Schwester, wobei sie unaufhörlich: „Du bist nicht allein, hörst du. Wir sind bei dir!“, murmelte. Als sie Ole durch ihre verquollenen Augen wahrnahm, fügte sie: „Und Ole nun auch!“, hinzu.

Michael, Doros und Petras Halbbruder, war ebenfalls anwesend und hockte mit seiner Frau zusammengekauert am anderen Ende des Raumes auf zwei Stühlen. Freundlich nickte Ole zu ihnen hinüber, während er sich, von der skurrilen Umgebung und der vorherrschenden trüben Stimmung paralysiert, hinter Doro aufbaute und seine Hände auf ihren Rücken legte. Dabei wurde ihm wieder einmal bewusst, dass seine Schwestern eigentlich nur seine Halbschwestern waren, weil sie aus der ersten Ehe seiner Mutter stammten. Aber auf solche Feinheiten hatte er als Kind nie Wert gelegt, trotz allem was mittlerweile zwischen ihnen stand. Dann stimmte er in den mechanischen Sing-Sang von Doro mit ein, wobei sein Blick unruhig im Raum umherschweifte. Dabei verweilte er immer wieder kurz bei den Instrumenten, die die verschiedenen Körperfunktionen von Petra visualisierten. So bemerkte er mit der Zeit, wie ihr Blutdruck und ihre Herzfrequenz langsam sanken, bis ein lautes, durchgehendes Piepen, gefolgt von einer grell blinkenden, orangefarbenen Lampe am Fußende des Bettes, ihn aus dieser Litanei riss.

Ein gedrungener Arzt und eine hochgewachsene Krankenschwester erschienen daraufhin und machten sich ohne Umschweife an ein paar medizinischen Geräten zu schaffen, ohne die Anwesenden eines Blickes zu würdigen. Erst als sie damit fertig waren und eine vermeintliche Ruhe im Krankenzimmer zurückgekehrt war, wandte sich der Arzt mit besorgter Miene und räuspernd an Doro: „Ähm, ihre Schwester hatte gerade ein Nierenversagen und ehrlich gesagt,“, stutzte er kurz, während seine Hände rastlos ineinander rieben, „verstehe ich es immer noch nicht, was hier vor sich geht!“ Dann schwieg er eine Zeitlang nachdenklich, bevor er behutsam fortfuhr: „Denn ehrlich gesagt, bin ich mit meinem Latein gerade so ziemlich am Ende, was ihre Schwester betrifft. Ähm,“, räusperte er sich erneut, „wünschen sie dennoch, dass ich weitere lebensverlängernde Maßnahmen ergreife? Ich meine ja nur, in Anbetracht der beiden Schlaganfälle von heute Mittag. Denn diese sind bestimmt auch nicht spurlos an ihrer Schwester vorbeigegangen, auch wenn ich zurzeit noch nichts Näheres dazu sagen kann“, sah er sie ratlos, aber mitfühlend an.

„Was soll ich?“, schluchzte Doro ungläubig, nach einer Zeit des bedrückenden Schweigens, so als ob sie meinte sich verhört zu haben. „Nein,“, riss sie dann plötzlich entsetzt ihre Augen weit auf, als ihr die Bedeutung der Frage klar wurde, „das kann und will ich nicht allein entscheiden, dass müssen ihre Brüder mitentscheiden!“

Woraufhin Oles gesenkter Kopf erschrocken hochfuhr und er sie entsetzt anstarrte. Doch ehe er protestieren konnte, ergriff Michael das Wort: „Okay, da wir gerade alle ganz ehrlich zueinander sind“, sah er kurz kopfschüttelnd und mit feuchten, roten Augen erst zu Petra und dann zu den ganzen Maschinen hinüber, die sie am Leben erhielten, bevor er stockend fortfuhr: „Auch ich verstehe nicht,“ stockte er erneut, wobei er hörbarmit seiner Fassung rang, „was hier gerade vor sich geht, wie auch! Jedoch glaube ich, dass es besser für sie ist, wenn sie nicht noch länger leiden muss!“, wobei seine Stimme immer brüchiger und leiser wurde, so dass man ihn am Ende kaum noch verstand. Trotzdem hallten seine Worte einen Moment in Oles Kopf nach, weil er wusste, was nun von ihm erwartet wurde. Doch erst als Doro zustimmend nickte, fand er den Mut: „Dem habe ich nichts hinzuzufügen!“, zu stammeln.

„Okay“, nickte der Arzt milde in Oles Richtung, bevor er langsam und nacheinander in alle Gesichter blickte und ruhig anfügte: „Na, dann wollen wir mal dafür sorgen, dass ihre Schwester schmerzfrei und friedlich von uns gehen kann!“ Daraufhin wandte er sich von ihnen ab und machte sich erneut an den Gerätschaften zu schaffen. Mit dem Satz: „So, nun wird es nicht mehr lange dauern und sie wird bestimmt keine Schmerzen haben“, schloss er seine Arbeiten ab und verließ das Zimmer.

Während Ole kurze Zeit später erneut in den Sing-Sang von Doro mit einstimmte, die den Text in: „Alles ist gut, du darfst gehen. Wir sind bei dir!“, geändert hatte, schweifte sein Blick erneut unruhig im Raum umher. Dabei kam ihn hier alles so surreal vor, dass er sich über sich selbst wunderte, weshalb er nicht schreiend davonlief. Doch aus irgendeinem Grund und trotzt der ganzen schrägen Ereignisse in der Vergangenheit, fühlte es sich für ihn richtig an, hier zu sein, weil er sich zugehörig fühlte. Ja er, der sich seit seiner frühesten Jugend nicht mehr zu irgendjemandem zugehörig fühlte, fühlte sich in diesem surrealen Moment wieder zu jemanden zugehörig, und zwar zu seinen Schwestern. Dabei fühlte es sich für einen kurzen Moment so wie früher an, bevor sie ihn von einem auf den anderen Tag und ohne einen ersichtlichen Grund verlassen hatten.

Während er diesem verloren geglaubten Gefühl nachhing, verstrich die Zeit um ihn herum wie in Zeitlupe. Wobei er sehr genau verfolgte wie der Puls und der Blutdruck seiner Schwester langsam, ganz langsam immer weiter sanken.

Als dann irgendwann keine Vitalfunktionen mehr angezeigt wurden, erschien die Krankenschwester erneut. „Mein herzliches Beileid!“, wandte sie sich kurz an alle Anwesenden. „Und ich möchte auch gar nicht weiter stören. Ich sorge nur mal kurz dafür, dass sie sich ungestört verabschieden können“, schaltete sie erst alle Geräte aus, bevor sie Petras Leichnam von der künstlichen Beatmung befreite. Dann breitete sie ein Laken über ihr aus, so dass Petra mit einem Mal so aussah, als ob sie schlief. Mit den Worten: „Der Arzt schaut gleich noch einmal vorbei“, verließ sie diskret den Raum wieder.

Wie versteinert und mit einem Mal innerlich leer, betrachtete Ole eine Zeitlang seine tote Schwester. Dann wanderte sein Blick abwechselnd zwischen ihr und dem mittlerweile dunklen Nachthimmel im Fenster hin und her. Und der, der bei der Frage: Warum Gott seine Mutter so früh zu sich genommen hatte, seinen Glauben an einen gütigen Gott und alles andere verloren hatte, sah nun zum Himmel hinauf, so als ob er der Seele seiner Schwester hinterher schauen konnte. Dabei stellte er sich vor, dass seine Mutter milde lächelnd auf ihn hinabsah, während sie die Seele seiner verstorbenen Schwester in Empfang nahm. So gelang es ihm, weiterhin allen Schmerz um sich herum auszublenden, während ein warmes Kribbeln an seinen Beinen hinunterlief. Erst das Erscheinen des Arztes holte ihn in die traurige Realität zurück.

Nachdenklich und mit vor dem Bauch gefalteten Händen sah der Arzt eine Weile schweigend auf Petra hinab, bevor auch er: „Mein herzliches Beileid!“, sagte. Dann erst sah er auf und blickte in die Runde: „Wie schon erwähnt, ist es mir immer noch ein echtes Rätsel, was hier gerade geschehen ist und ich weiß natürlich, dass der Zeitpunkt nicht gerade passend ist. Dennoch möchte ich fragen, ob wir nachschauen dürfen, wieso es so unglücklich gekommen ist. Denn damit könnten sie vielleicht zukünftigen Patienten helfen, die sich in der gleichen Situation befinden“.

Herztumor, und zwar ein ganz besonders fieser, da sich dieser im gesunden Gewebe versteckt gehalten hatte, war die Diagnose, die ihm Doro am darauffolgenden Montag telefonisch mitteilte. Da die Chance an dieser Krankheit zu erkranken, einen Sechser in Lotto gleichkam und weil man außerdem ein paar Tage zuvor eine Probe aus Petras Herzen entnommen hatte, hatte der Arzt und seine Kollegen diese Möglichkeit ausgeschlossen. Und so hatte die Seltenheit dieser Krankheit ihm die Schwester geraubt, die er kurz zuvor erst wieder wahrgenommen hatte.

Die Trauer und Wut, die er darüber empfand, raubten ihm ad-hoc das letzte bisschen Kraft, welches er sich bisher noch erhalten hatte. Außerdem sorgten die bizarren Bilder aus dem Krankenhaus, die immer wieder vor seinem geistigen Auge auftauchten, für eine weitere durchwachte Nacht. Weshalb er sich völlig übermüdet und mit Kopfschmerzen am nächsten Morgen erneut auf den Weg zu seinem Hausarzt machte, um sich für den Rest der Woche krankschreiben zu lassen.

Am frühen Nachmittag des darauffolgenden Freitages betrat Ole mit gemischten Gefühlen das Friedhofsgelände in Elmschenhagen. War es doch der Ort, den er seit 25 Jahren mied wie der Teufel das Weihwasser, weil neben den Rest seiner Verwandtschaft auch seine Mutter hier begraben war. Das heißt, die Reste ihrer Gebeine werden hier vielleicht noch irgendwo in der Erde ruhen. Denn sein Vater hatte vor 5 Jahren ihre Grabstelle gekündigt, so dass jetzt wohl ein anderer Grabstein ihre letzte Ruhestätte zierte.

Als Kind wollte er die Erinnerung an seine Mutter unverfälscht in seinen Herzen behalten, weshalb er sich weigerte ihr Grab zu besuchen. Doch dann waren seine Erinnerung an sie, zusammen mit dem Rest seiner Kindheit irgendwann in sein Unterbewusstsein abgerutscht und erst mit Petras Tod wieder etwas an die Oberfläche zurückgekommen.

Als er seine Verwandten begrüßte, die überraschend zahlreich zu Petras Beerdigung erschienen waren, schob er den Gedanken an seine Mutter zur Seite und ging dann in die kleine Kapelle hinein. Dort wählte er einen Platz weiter hinten aus. Zum einen mied er Doros direkte Gegenwart, die in der ersten Reihe lautstark und für jedermann sichtbar um ihre Schwester trauerte. Denn er konnte ihren Schmerz, selbst aus dieser Entfernung noch, körperlich spüren und dieser zerrte an seinen noch nicht wiedererlangten Kraftreserven. Zum anderen fand er, stand ihm ein Platz dort vorne auch nicht zu. Denn er hatte in den vergangenen 23 Jahren, von einigen zufälligen Begegnungen mal abgesehen, gar keinen Kontakt mehr zu Petra gehabt.

Deshalb wartete er in diesem selbst gewählten Exil gespannt darauf, wie sich die Beerdigungszeremonie entwickeln würde. So wurde er gleich zum Anfang von der Trauerrednerin angenehm überrascht. Denn sie fand großartige Worte für Petra und ihren Lebensweg, was ihm jedoch überaus komisch vorkam. Zuerst wollte er dies damit abtun, dass es wohl ihr Job ist. Wusste er doch von Hörensagen, dass ihr erworbenes Handicap ihr das Leben nicht einfach gemacht hatte und dass ihr das langfristige Glück bei den Männern auch verwehrt blieb. Nachdenklich verfolgte er daraufhin sehr genau jeden einzelnen Wortbeitrag und hörte so heraus, dass die Aussagen der Trauerrednerin nicht beschönigt waren. Weshalb er immer betrübter wurde, weil er sich mit einem Mal um die Zeit mit ihr betrogen fühlte.

Zum Ende des ersten Teils der Zeremonie dröhnte auf einmal, auf ihren Wunsch hin: Hells bells von AC/DC, durch die Kapelle, was ihn zuerst entsetzte. Doch während sich im Mittelgang der kleinen Kapelle eine Prozession formierte, an dessen Spitze die Urne seiner Schwester feierlich aus der Kapelle getragen wurde, musste er lächeln. Denn den Gedanken: Auf dem Weg in die Gruft, noch einmal dem Mittelfinger zu zeigen; fand er gut. Als er dann eigentlich an der Reihe war, sich in die Prozession einzureihen, blieb er jedoch einfach sitzen und starrte stattdessen auf die vielen Kränze und Gestecke, die er nun barrierefrei betrachten konnte. Dabei haderte er erneut mit seinem Schicksal und den Absichten, die vielleicht irgendeine höhere Macht dabei verfolgte.

Deshalb verließ er die Kapelle erst, als der Rest der Trauergäste schon lange bei dem Urnenfeld angekommen war, welches Petras letzte Ruhestätte bilden sollte. Jedoch entschied er sich spontan dagegen, sich dazu zu stellen. Stattdessen streifte er planlos übers Friedhofsgelände, da er den ganzen neuen Eindrücken einen Raum geben musste. Außerdem hoffte er dabei die Energie seiner hier begrabenen Verwandtschaft zu erspüren, um eine neue Inspiration oder irgendetwas anderes zu erhaschen, was sich jedoch nicht ergab.

Erst als es schon dämmerte suchte er ihre frische Grabstätte auf, wo er sich in der Habach Haltung vor ihren Kränzen aufbaute und diese eine Zeitlang erneut anstarrte. Dabei versuchte er sich an ihre gemeinsame Kindheit zu erinnern, wobei ihm zum ersten Mal nachhaltig bewusstwurde, dass diese, wie viele andere Dinge auch, in den Schatten seines Unterbewusstseins gefallen war.

Die Party

Am nächsten Tag fühlte Ole sich immer noch sehr niedergeschlagen. Die Leere und der nun sehr bewusste Verlust ließen die Faszien in seinem Rücken zusammenziehen und verkleben, womit sie ihn nicht nur körperlich lähmten. So erfasste er zuerst auch gar nicht, was Peter von ihm wollte, als er ungehalten aus dem Wohnzimmer heraufrief: „Ole, bist du denn nun bald fertig?“

„Oh verdammt, schon so spät!“, wurde ihm daraufhin gewahr, was sie heute Abend vorhatten. „Okay, ich komme gleich. Gib mir einfach noch eine Viertelstunde, dann bin ich soweit“, machte er sich mit steifen Rücken auf den Weg ins Badezimmer, um sich schnell ausgehfertig zu machen.

„Ach Ole, nicht schon wieder! Immer erscheine ich deinetwegen als Letzter auf einer Party“, maulte Peter unterdessen.

„Ja, ist ja schon gut!“, beantwortete Ole daraufhin harsch Peters Feststellung, bevor er die Badezimmertür hinter sich zu schlug.

Seitdem Peter bei Ole wohnte, traf er sich nun regelmäßig mit Maya, die heute Abend zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen hatte. Soviel Ole von ihr wusste, lebt sie etwas abseits auf einem alten Gut bei Schönberg, das von ein paar Lebenskünstlern, wie Peter Mayas Mitbewohner mal abfällig tituliert hatte, bewirtschaftet wird. Dabei arbeitet sie als Sprechstundengehilfin für eine Heilpraktikerin, die ihre Praxis auf dem Gut betreibt.

Weil ihm ein solch alternativer Lebensstil, seit jeher viel zu suspekt ist, wollte er zuerst ablehnen, als Peter ihn vor ein paar Tagen fragte, ob er mitkommen wolle. Doch nach kurzem Zögern, schob er diesen Gedanken zur Seite und sagte zu, weil Peter unter anderen meinte, dass ihm ein wenig Abwechslung bestimmt guttun wird.

Also saßen sie nun in Peters Cabriolet und fuhren auf der B202 in Richtung Lütjenburg, um dann in Wittenberger Passau in Richtung Fargau / Pratjau abzubiegen, wo dann irgendwo dort, mitten in der Schleswig-Holsteinischen Pampa, das besagte Gut lag.

Ole genoss derweilen die Fahrt, die Sitzheizung und den Fahrtwind, der ihm auf Grund des geöffneten Verdecks um die Ohren wehte. Kannte er doch diese Gegend und die Wegstrecke von damals noch sehr gut, als sein geliebter Freund Andreas hier noch lebte! Leider liebte Andreas neben der Musik auch seinen Sportwagen, mit dem er immer viel zu tief über die Landstraßen flog. So dass es vor ein paar Jahren kam, wie es wohl kommen musste: Mit viel zu hoher Geschwindigkeit raste er frontal gegen einen entgegen kommenden Geländewagen mit Bullenfänger.

Seit Andreas Beerdigung mied Ole zumeist diese Gegend, da er diesen Landstrich noch immer zu sehr mit seinem verunglückten Freund verband. Doch heute in Begleitung von Peter freute er sich, wieder hier zu sein. Daher scannten seine Augen neugierig die Umgebung ab, während er ruhig und zumeist wohlwollend jede Veränderung in sich aufnahm. Als sie kurz darauf an dem umgebauten Resthof von Andreas Eltern vorbeikamen, bat er Peter anzuhalten, damit er den Anblick des liebevoll renovierten Gebäudes in Ruhe genießen konnte. ‚Großartig sieht es aus!‘, stellte er dabei zufrieden fest. Genauso hatte er es sich vorgestellt, als er damals dabei mitgeholfen hatte, die Pläne von Andreas Eltern in die Realität umzusetzen. ‚Respekt!‘, nickte Ole sich zuerst zufrieden zu. Bevor er traurig gedanklich anfügte: ‚Oder vielmehr schade, dass du Dussel es nicht mehr erlebt hast. Mist, du hättest dir man auch eine Pause kaufen sollen, anstatt diesen dämlichen Audi Quadro!‘ Bei dem spontanen Gedanken, an die damals hier gängige Bezeichnung für einen zumeist umgebauten VW Bus, musste er jedoch wieder lächeln, bevor Peter ungeduldig das Gaspedal runter drückte.

Er selbst fuhr seit dieser Zeit immer noch eine sogenannte Pause, weil er sie einfach praktisch findet. Hoch oben auf dem Fahrersitz hatte man einen guten Überblick, Stauraum war mehr als genug vorhanden und bei Bedarf konnte man irgendwo schlafen oder sich einen Kaffee kochen.

‚Ja und warum sind wir dann heute Abend mit Peters Cabrio unterwegs?‘, fragte er sich als nächstes, als er unsanft aus seinen Gedanken gerissen und in den Sicherheitsgurt gedrückt wurde. Wobei er sich im nächsten Moment krampfhaft an der Armlehne festhalten musste, da Peter viel zu schnell in einen kleinen Feldweg aus Panzerplatten abbog, auf dem gerade mal ein Auto genug Platz fand. „Ruhig mein bester, ruhig!“, versuchte er Peter verbal zu bremsen, als sich sein kurzzeitiger Schockzustand gelegt hatte. „Ich habe hier in der Gegend schon einmal einen sehr guten Freund verloren“, fügte er stammelnd an, bevor er erneut im Sitz zusammensackte.

„Maybe, but no Risk, no Fun!“, schien Peter Oles Aussage nicht erfasst zu haben, weil er stattdessen erneut Gas gab, während er ihn angrinste.

‚Na, dann mal schönen Dank, and welcome back to the Eighties!‘, schüttelte Ole missbilligend seinen Kopf. ‚Oder vielmehr irgendwann zuvor!‘, war sein nächster Gedanke, als ihr Ziel vor ihnen in einer Waldlichtung auftauchte.

Denn silbrig glänzte das alte Gemäuer vor ihnen in der sanften Abendsonne, welches umgeben war von vielen alten Birken, die die große Wiese davor romantisch umrahmten. Auf den ersten Blick wirkte dieses Gut tatsächlich wie aus einer anderen Zeit. Doch auf den zweiten Blick zerstörten die vielen Sonnenkollektoren und die Sattelitenantenne auf dem Dach, sowie die vielen geparkten Autos drum herum, diesen Eindruck.

Dann war er froh, endlich aussteigen zu dürfen, nachdem Peter seinen Wagen schwungvoll mitten auf der Wiese neben den anderen geparkt hatte. Die Erinnerung an seinen verunglückten Freund, sowie die seiner Meinung nach viel zu hohe Geschwindigkeit, war eine schlechte Kombination und der dadurch ausgelöste Stress steckten ihm noch in den Knochen. Daher lockerte er instinktiv seine Beine, so als ob er die Strecke hierhergelaufen wäre, um die aufgestaute Anspannung daraus zu vertreiben.

„Was machst du denn da?“, sah Peter ihn zuerst überrascht an, bevor er ungeduldig: „Ach, nun komm schon! Maya wartet bestimmt schon“, anfügte und ihn in Richtung des Haupthauses schob, kaum dass er damit fertig war.

Wie aufs Stichwort erschein in diesen Moment eine junge Frau, die ihnen über die Wiese entgegengelaufen kam. Dabei musterte sie Ole eingehend und er sie daraufhin ebenfalls. Denn sie war im Gegensatz zu Peter und Ole recht zierlich, gerade mal 1,65 Meter groß und hatte blonde Dreadlocks, die mehr widerwillig durch ein lila/blaues Batiktuch auf den Kopf zusammengehalten wurden. Ansonsten trug sie nur ein rotes Spagettiträger-Top, sowie einen recht kurzen, schwarzen Minirock.

„Na, da seid ihr ja endlich!“, strahlte sie ihnen schon von weitem entgegen, so dass Ole noch ganz in dieses Lächeln versunken war, als die Erscheinung im Gegenlicht sie erreichte. „Hallo, ich bin übrigens Maya!“, stellte sie sich lässig vor, bevor sie ihn wie selbstverständlich umarmte und ihm unverhofft jeweils einen dicken Kuss links und rechts auf die Wange drückte. Während ihm daraufhin noch das Blut in die Wangen schoss und er sie verlegen betrachtete, vereinnahmte sie schon Peter.

„Oh, dann bist du also das Geburtstagskind?“, stammelte Ole schließlich, als er sich wieder einigermaßen gefangen hatte.

„Richtig, die bin ich!“, erwiderte sie verschmitzt seinen Blick, zwischen zwei leidenschaftlichen Küssen, die sich aus seiner Sicht endlos hinzogen. Und so dauerte es noch eine Weile, bis sie endlich von Peters Lippen abließ und ihn an ihre linke und Peter an ihre rechte Hand nahm. „Und du bist dann Ole! Schön dich endlich kennenzulernen", lächelte sie ihn daraufhin noch strahlender, als zuvor an, bevor sie sich mit den Worten: "Kommt, lass uns endlich hineingehen!", in Bewegung setzte. Dabei führte sie die Beiden an vielen überdimensionalen Pflanzkübeln vorbei, die er erst jetzt wahrnahm und die hier überall vorm Haus herumstanden.

Neugierig versuchte er beim Vorbeigehen einen Blick von inneren zu erhaschen, weshalb er ganz vergaß Maya zum Geburtstag zu gratulieren.

Drinnen in der Tenne angekommen, musste Oles sich erst einmal orientieren. Denn hier herrschte ein ziemlich unübersichtliches Gedränge, von vielen ebenfalls etwas schräg aussehenden Zeitgenossen, wie er naserümpfend bemerkte. Die Luft war flirrend heiß und hatte irgendetwas Süßliches, das er gerade nicht zuordnen konnte. Allerdings konnte er nun nachvollziehen, warum Maya um diese Jahreszeit so spärlich bekleidet herumlief. Er fing gerade damit an, die Ärmel seines Hemdes hoch zu krempeln, als er hinter sich jemand sagen hörte: „Hey Sweetheart, weißt du eigentlich schon: Ich habe mein Ziel für dieses Jahr tatsächlich jetzt schon erreicht. Denn es ist kaum zu glauben, diese elenden Bürokratenreiter haben meinen Hartz IV Antrag doch tatsächlich schon letzte Woche genehmigt“, krächzte eine ältere, weibliche Stimme.

„Booah, super Ey!“, kam prompt die begeisterte Antwort von dem angesprochenen Sweetheart zurück.

‚Ja sag mal, wo bin ich denn hier bloß gelandet!‘, sah Ole sich daraufhin irritiert um, wobei er zumindest eine Quelle des süßlichen Geruches lokalisiert hatte. Denn ein Riesenjoint glimmte und dampfte in der linken Hand der glücklichen Besitzerin der Stimme, die ihr Jahresziel Anfang März schon erreicht hatte. Dabei hatte er mit einem Mal das Gefühl, hier völlig deplatziert zu sein. Außerdem fühlte er sich mittlerweile ein wenig zurückgelassen. Denn Maya und Peter waren noch nicht wiederaufgetaucht, seitdem sie vor gut einer viertel Stunde hinter einer der vielen Türen, die von dieser Tenne abgingen, verschwunden waren. So kämpfte er sich kurz entschlossen zu der besagten Tür durch und klopfte dort kurz an, bevor er diese einfach aufriss. Was er jedoch sofort bereute, denn wie erstarrt blieb er daraufhin im Türrahmen stehen, während er sich selbst fragen hörte: „Wollten wir nicht noch gemeinsam auf das Geburtstagskind anstoßen?“ Was man wohl, wenn auch ungewollt, als eindeutig doppeldeutig werten konnte, da er dabei auf Mayas nackten, knackigen Hintern starrte. Welcher sich gerade rhythmisch auf Peters ebenfalls nackten, jedoch wesentlich dickeren Beinen auf und ab bewegte.

„Klar, machen wir gleich, okay?“, gab Maya gelassen zurück, wobei sie sich nicht bei dem stören ließ, was sie gerade tat. Nur kurz bevor er die Tür wieder von außen schloss, lächelte sie ihn kurz verzückt, mit leicht erröteten Wangen an.

„Ja Okay, lasst euch nur Zeit!“, haspelte er daraufhin irritiert, während er von außen am Türknauf ruckelte, um sich davon zu überzeugen, dass die Tür wirklich verschlossen war. Dann drehte er sich um und ging zu dem Tisch zurück, auf den er vorhin sein Gastgeschenk, eine Flasche Plum, abgestellt hatte.

Der Filmriss

„Oh man, du schnarchst ja fürchterlich!“, war das Nächste was Ole, wie durch einen dicken Nebel hindurch, bewusst wahrnahm. Überrascht und aus dem Tiefschlaf gerissen, fuhr sein Kopf seitlich ein wenig hoch, während er dabei die Augen aufriss. Jedoch nur, um sie einen Moment später wieder eiligst zu schließen. Denn eine schon ziemlich grelle Frühlingssonne schien ihn, durch ein ungeputztes Fenster, direkt ins Gesicht. Verkatert und mit dem Gefühl der Desorientierung sank er daraufhin zurück auf die Matratze und so zurück in einen schützenden Schatten. Dort angekommen, machten sich jedoch plötzlich starke Kopfschmerzen bemerkbar, die wie ein Presslufthammer in seinem Schädel wüteten. Ungehalten über diesen unseligen Zustand und der abrupten Beendigung seines sehnlich erwarteten und benötigten Schlafes, öffnete er erneut, wenn auch nun wesentlich vorsichtiger als zuvor, seine Augen. Doch was er daraufhin vor sich entdeckte Verstärkte noch sein Gefühl der Desorientierung und auch mehrmaliges blinzeln änderte nichts daran. Denn direkt vor sich sah er weiterhin die einfache Darstellung eines Delphins, der ihn keck anlächelte. Die Erkenntnis, dass dieser freundliche Meeressäuger ein Tattoo auf den schlanken, unverhüllten Damenrücken war, der vor ihn auf der Seite ruhte, erschoss sich ihm sehr zäh. Ebenso erschloss sich ihn die Tatsache noch zäher, dass dieser sehr ansehnliche Körperteil von seinem linken Arm umschlungen war. Diese Feststellung ging jedoch einher, mit einem lang vermissten Gefühl der Geborgenheit, welches ihn unverhofft warm durchströmte. Wesentlich entspannter sank er daraufhin in sich zusammen, während er sehr bewusst diesem Gefühl und den Anblick des hübschen Rückens vor sich genoss. Doch war es mit der Entspannung schlagartig vorbei, als ihm aufging, dass das was sich gerade unter seiner linken Hand befand, eine wohlgeformte, feste, nicht zu kleine, aber auch nicht sehr große weibliche Brust ist.

‚Oops!‘, durchfuhr ihn daraufhin ein Schreck wie ein elektrischer Schlag, wobei er deutlich spüren konnte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss. Augenblicklich öffnete er seine Hand, bevor er seinen Arm in einer fließenden Bewegung nach hinten wegzog. Dann rollte er sich auf den Rücken und schloss die Augen erneut, in der Hoffnung, dass wenn er sie wieder öffnete, alles nur ein Traum gewesen war. Doch dass dem nicht so war, wurde ihn in dem Moment klar, als er einen leichten Kuss auf seinen Lippen verspürte. Und so riss er erstaunt seine Augen erneut auf, weshalb er gerade noch sehen konnte, wie die junge Frau, die eben noch neben ihm verweilt hatte, sich von ihn abwandte und wortlos aufstand. So wie Gott sie geschaffen hatte, wankte sie daraufhin auf noch unsicheren Stelzen zu einem Kleiderhaufen hinüber. Dort wuselte sie sich kurz in ihren von Schlaf zerzausten Harren herum, bevor sie sich vornüberbeugte, um ein enges Shirt aufzuheben. Fröstelnd streifte sie sich es eiligst über und zog es glatt. Doch bedeckte es dennoch nicht ihren schlanken, muskulösen Gluteus maximus, den Ole noch immer ungläubig betrachtete. Als sie sich erneut vornüberbeugte, um eine ausgewaschene Jeans aufzuheben, musste er kurz blinzeln, während ihr wimpernloses Bärenauge kurz zum Vorschein kam. Doch dann war es schon in der enganliegenden Jeans verschwunden und sie auf den Weg zur Tür.

Dabei meinte Ole sie leise murmeln zuhören: „Mist, Jonas wartet bestimmt schon und hat Hunger!“ An der Tür angekommen, hielt sie jedoch plötzlich mitten in der Bewegung inne, und drehte sich noch einmal zu ihn um. „Ach ja, Tschüss, war nett mit dir!“, lächelte sie ihn dabei offen an.

„Äh ja, fand ich auch“, nuschelte er reflexartig. „Ich bin übrigens Ole, und wie heißt du?“, richtete er sich auf, doch da war die Tür schon wieder zu. „Gut, dann eben nicht!“, sank er brummend kurz darauf langsam zurück auf die Matratze, wobei er weiterhin fragend die Tür anstarrte. Doch kaum, dass er wieder lag, forderte der Presslufthammer in seinem Kopf erneut seine volle Aufmerksamkeit. Zudem fing sein Magen nun auch noch schmerzhaft zu krampfen an. So vergas er die unbekannte Schöne für den Moment und starrte stattdessen stöhnend an die Zimmerdecke, ohne einen klaren Gedanken fassen zu können.

Nach einer Weile, als die Schmerzen endlich etwas nachließen, gingen seine Gedanken wieder zurück zu der unbekannten Schönen, die gerade nur spärlich bekleidet verschwunden war. Dabei stellte sich ihm plötzlich eine andere Frage und so hob er neugierig die Bettdecke ein wenig an, um einen kritischen Blick darunter zu werfen. Ein überraschtes Lächeln huschte ihn übers Gesicht, als er feststellte, dass er seine Unterhose noch anhatte. Doch erstarb dieses gleich wieder, als er versuchte sich an den weiteren Verlauf des gestrigen Abends oder daran zu erinnern, wo er war. Auch die Frage wie er hierhergekommen war, konnte er sich nicht beantworten.

Doch beantwortete sich die Frage, nach dem wo er war, einen Augenblick später dadurch, dass er vor der Zimmertür zwei träge, gedehnt sprechende Typen Tische rücken hörte. Erleichtert nahm er daraufhin die Hände in den Nacken und sah sich neugierig in der winzigen Kammer um. Neben den Kleiderhaufen, bei dem sich eben die unbekannte Schöne bedient hatte, gab es noch einen Stuhl, auf dem seine Kleidung von gestern Abend zusammengefaltet obendrauf lag. Ansonsten war die Kammer so gut wie unmöbliert. Lediglich eine kleine, hölzerne Truhe, die wie eine kleine Schatzkiste aussah, befand sich neben dem Bett und ein großes, leicht vergilbtes Bild mit einem blinzelnden Smiley, der den Mund leicht geöffnet hatte, hing ihm gegenüber an der Wand.

Gespannt auf den Inhalt der Truhe, zog er sie näher zu sich heran und öffnete neugierig deren Deckel. „Ui!“, stieß er erstaunt aus, kaum dass er einen Blick hineingeworfen hatte, bevor er deren Inhalt näher betrachtete. Denn in der kleinen Truhe, die wohl als Nachtischersatz diente, lagen jede Menge Fotografien, die wie Schnappschüsse aussahen, ein paar spanische Bücher, handgeschriebene Briefe, ebenfalls auf Spanisch, und eine große, fast leere Kondompackung. Etwas verstört und beschämt, weil er gerade die Intimsphäre der jungen Frau verletzt hatte, schloss er vorsichtig deren Deckel wieder und schob die Kiste auf ihren alten Platz zurück, bevor sein Blick auf seine Uhr fiel. ‚Was, halb zwölf durch!‘, stellte er überrascht fest, da dies bedeuten würde, dass, egal wie spät oder früh er ins Bett gegangen war, er mehr als die üblichen 3 Stunden am Stück geschlafen hatte. Kurz sinnierte er kurz über diese Erkenntnis nach, wobei er immer wieder den freundlichen Meeressäuger vor seinem geistigen Auge sah. Dann beschloss er aufzustehen.

Während er sich mit dröhnendem Kopf und üblen Sodbrennen langsam ankleidete, vernahm er plötzlich Peters Stimme, die schrill seinen Namen rief. ‚Ja, ich komme ja schon!', brummte er genervt, dennoch beeilte er sich nun mit dem Anziehen. Als er auf der Türschwelle stehend sich noch einmal lächelnd in dem Kämmerchen umsah, fuhr er sich mit der linken Hand durchs Haar, jedoch mit dem gleichen Erfolg, wie bei der hübschen Unbekannten zuvor.

‚Nichts von alledem, was hier eben passiert ist, werde ich Peter erzählen‘, beschloss er innerlich, bevor er die Tür hinter sich schloss und durch die Tenne ins Freie lief.

Peter ließ gerade das Dach seines Cabriolets vollautomatisch im Kofferraum verschwinden, als Ole ihn erreichte. „Moin, hast du etwa auch so gut geschlafen?“, begrüßte Peter ihn freundlich, als sei gestern Abend vorgefallen.

„Ja allerdings, das habe ich tatsächlich! Nur wäre ich dir dankbar, wenn du nicht so schreist“, ließ Ole sich auf den Beifahrersitz plumpsen, wobei er schmerzverzerrt die Augen zusammenkniff und seine Ohren mit den Händen schützte.

„Okay, kein Problem,“, sah Peter ihn ein Moment kritisch an, bevor er grinsend anfügte, „das war aber auch ’ne wilde Party, oder?“

Als er kurz darauf das Gaspedal auf dem schmalen Feldweg wieder bis zum Bodenblech durchdrückte, seufzte er zufrieden: „Man, was für ein schöner Tag!“, während Ole sich wieder ganz klein in seinem Sitz machte.

Was jetzt?

Am späten Nachmittag erwachte Ole langsam aus einem unruhigen Schlaf. Noch etwas benommen hing er mit geschlossenen Augen einem merkwürdigen Traum hinterher, in dem er zuletzt den nackten Rücken der unbekannten Schönen vor sich liegen sah. Doch als er den darauf tätowierten Delphin berühren wollte, löste sich die Gestalt auf und er hatte das Gefühl in eine bodenlose Tiefe zu stürzen. Als dieses sehr reale Gefühl des Fallens endlich nachließ, öffnete er seine Augen und beschloss sich einen Kaffee zu zubereiten. Dabei fiel seine Wahl nach kurzer Überlegung auf einen Espresso mit etwas Zitrone, in der Hoffnung damit die letzten verbliebenen Kopfschmerzen ganz zu vertreiben.

Diesen stürzte er, noch in der Küche stehend, in nur einem Zug hinunter, bevor er zum Schaukelstuhl hinüber schlürfte. Während er dort auf die ersehnte Wirkung wartete, ging er gedanklich noch einmal die Ereignisse der etwas merkwürdigen Party durch. Mayas coole Reaktion, nachdem er sie und Peter beim Sex überrascht hatte, verwunderte ihn noch immer und auch alles andere verwirrte ihn, wie die Alte mit dem Joint, die ihr ungewöhnliches Jahresziel jetzt schon erreicht hatte und ganz zu schweigen von dem blonden Engel, der so natürlich und gechillt drauf war.

‚Was ist das nur für ein eigentümlicher Verein?‘, grübelte er. ‚Und überhaupt, warum strahlten alle diese Freaks auf dem Gut eine so merkwürdige zufriedene und in sich ruhende Art aus?‘ Dies war nämlich genau das Gegenteil seiner eigenen Gefühlswelt. Er selbst war rastlos und dabei sehr leicht erregbar, was schon viele, die ihm quergekommen waren, zu spüren bekommen hatten. Zudem war er aufgrund der jüngst zurückliegenden Ereignisse und des permanenten Schlafentzuges körperlich und geistig so erschöpft, dass er wo immer er kurz zur Ruhe kam, einfach einschlief.

‚So wie jetzt kann es auf keinen Fall weitergehen!‘, beschloss er daraufhin in einer der kurzen wachen Phasen, da bei ihm zurzeit alles aus dem Ruder zu laufen schien.

Von diesem Entschluss beflügelt, stand er kurze Zeit später auf, um spazieren zu gehen. Außerdem wollte er dabei diesen Gedanken weiterspinnen. So zog er bei der Garderobe eilig seine Matschschuhe und seine Jacke an, bevor er die Tür öffnete und hinaustrat. Ein starker Wind blies ihn daraufhin ins Gesicht, der ihn erfrischte und den er gierig in sich einsog, bevor er durch das Carport, in Richtung Straße ging. Dabei strich er mit der Hand über den Lack seines ausgebauten VW-Busses, der dort wie immer auf ihn wartete. Vorne an der Fahrertür angekommen, hielt er plötzlich inne, da er auf einmal ein Fernweh verspürte, das er seit langem nicht mehr verspürt hatte. ‚Ja, das wäre es doch jetzt! Ein paar Sachen packen und dann für ein paar Tage oder Wochen einfach verschwinden, um irgendwo in der Sonne das süße Leben zu genießen‘, hing er kurz diesem Gedanken nach, während ihm ein warmes Kribbeln die Beine hinunterlief.

Mit einem warmen Gefühl wandte er sich daraufhin von seinem treuen Reisebegleiter ab und dem Bürgersteig zu, um sein Spaziergang zu beginnen. Dabei ließ ihn der Gedanke, alles hinter sich zu lassen, und den ganzen Problemen davon zu fahren, nicht mehr los. Denn wenn er ehrlich zu sich war, nervte ihn gerade alles und auch sein Verhältnis zu Doro gestaltete sich gerade wieder schwierig. Ihre Trauer um Petra verstärkte gerade ihre schon immer dagewesene Art, sich allen bedingungslos zu unterwerfen, und nie für ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen, was ihn immer mehr nervte, weil er für genau das Gegenteil stand. Außerdem verstand er nicht seine unterschwellige Wut auf sie, die er meistens in ihrer Gegenwart empfand.

Am nächsten Morgen, bei einer kurzfristig anberaumten Betriebsversammlung in seiner Firma, kam der Gedanke, alles hinter sich zu lassen, zurück. Während sein CFO über die derzeitige schwierige wirtschaftliche Lage seiner Firma referierte, die aufgrund einer verzögerten Neuentwicklung zu erwarten war, träumte Ole sich weit weg. Dann auf einmal sah er alles ganz klar vor sich: Warum bat er nicht seinen Chef, ihn für ein halbes Jahr zu beurlauben? Wäre das nicht eine Win-Win Situation? So könnte seine Firma kurzfristig Personalkosten einsparen, was sie gerade eh vorhatte und er konnte sich seinen Traum erfüllen.

Den ganzen Tag ließ ihn dieser Gedanke nicht mehr los und auch als er wieder zu Hause ankam, war dieser Gedanke immer noch da. Kurzentschlossen ging er nicht wie geplant ins Haus, um das Abendessen vorzubereiten, sondern wechselte dort nur kurz die Schuhe und Jacke, um spazieren zu gehen.

Gedankenversunken folgte er dann der vertrauten Straße, bis er bei einer Schafkoppel stehen blieb. Während er den Schafen beim Fressen zusah, überlegte er was oder wer ihn hier hielt. Und auch wenn ihn die Antwort zuerst traurig stimmte, weil ihm dazu nichts einfiel, bestätigte diese Erkenntnis doch, dass es nichts gab, was diesem Plan im Wege stand. Nur konnte er sich solche Spinnereien eigentlich leisten? Um diese Frage zu beantworten, fing er noch an der Schafweide stehend damit an, in Gedanken einen Kassensturz zu machen: Schon seit zwei Jahren hatte er vor, auf die Malediven zu fliegen, um dort zu tauchen, und dieses Geld hatte er mittlerweile zusammengespart. Dann war da ja noch die Miete, die Peter ihm seit neustem regelmäßig in die Hand drückte. Und diese ließ sich sogar noch steigern, wenn er Peter seine Wohnung während der Zeit ganz untervermietet. Dann standen ihm seine Ersparnisse für den Urlaub, Peters Miete, inklusive der letzten zwei Monate und das, was das geerbte Mehrparteienhaus an Erträgen sonst noch abwirft zur Verfügung!

‚Tja, wenn man das Alles so grob zusammenzählt, sollte dieser kleinen Auszeit zumindest nichts Monetäres entgegenstehen! Oder…?‘, starrte er eine Weile nachdenklich die Schafe an, ohne diese wirklich wahr zu nehmen. Irgendwann weitete sich sein Tunnelblick und ein zufriedenes Lächeln huschte ihm übers Gesicht. Beschwingt von dieser Erkenntnis drehte er um, um zu Hause eine genauere Berechnung anzufertigen.

Am Schreibtisch sitzend, stellte er eine Was-wäre-wenn Betrachtung an, wobei er dieses Mal 3 verschiedene Szenarien durchrechnete, die alle drei bestätigten, dass seine Vermutung richtig war und sein Geld locker reicht, wenn er nicht allzu sehr über die Stränge schlägt. Aufgewühlt von dem Ergebnis und was es ihm ermöglichte, kippte er daraufhin mit seinem Drehstuhl nach hinten und legte seine Beine auf das Sofa, dass hinter seinem Schreibtisch steht. ‚Wow!‘, seufzte er zufrieden, während ihm sein Herz bis zum Hals schlug. Kurz hing er diesem glücklichen Gefühl nach, bis sich die Frage in sein Bewusstsein drängte: Und, wohin jetzt?

Unruhig schweifte sein Blick daraufhin durchs Arbeitszimmer, bevor dieser an der Wand mit den Familienfotos hängen blieb. Die Hochzeitsbilder seiner Eltern hingen dort, sowie das einzige Bild, das ihn zusammen mit seiner leiblichen Mutter zeigt, kurz bevor bei ihr der Krebs richtig ausgebrochen war. Sein Blick jedoch blieb an dem frisch ausgedruckten Foto seiner Cousine und ihrer Familie hängen.

Seitdem der Arbeitsplatz des Mannes seiner Cousine vor zwei Jahren nach Barcelona verlagert worden war, lagen sie ihm in den Ohren, wann er sie denn endlich mal besuchen kommt. Und Barcelona, diese kosmopolitische Stadt am Mittelmeer mit ihren bekannten Stadtstränden, wollte er schon seit Langem erkunden. Bei diesem plötzlichen Gedanken kippte er langsam mit dem Drehstuhl wieder hoch und nahm seine Füße vom Sofa, bevor er aufgeregt zum Telefon griff. „Hola, buenas tardes soy Ole!“, meldete er sich in dem wenigen Spanisch, das er bis jetzt gelernt hatte.

„Hola, primo!“, gab seine Cousine Nina freundlich überrascht zurück. „Schön, dass du anrufst! Wie geht es Marion und dir denn so?“

„Gut, gut!“, begann er überschwänglich, bevor er stutzte und daraufhin seufzte: „Na ja, eigentlich gar nicht so gut. Marion und ich haben uns schon vor einiger Zeit getrennt und wie du bestimmt schon mitbekommen hast, ist Petra vor kurzem gestorben…“

„Was, das ist ja schrecklich!“, fiel Nina ihn hörbar bestürzt ins Wort. „Nein, davon wusste ich nichts! Ja, dann erst einmal mein aufrichtiges Beileid. Woran ist sie denn gestorben?“

„Oh, das ist eine lange Geschichte“, fing er daraufhin an, ihr von dem schrecklichen Tag im Krankenhaus zu erzählen. Dabei durchlebte er alle schrecklichen Ereignisse noch einmal, während sie schweigend zuhörte, ohne ihn zu unterbrechen. Erst als er geendet hatte, fragte sie mitfühlend: „Ja sag mal, wie verkraftest du das alles bloß?“

„Na ja, wie schon gesagt: Gar nicht so gut. Das alles macht mich echt fertig, und zwar noch fertiger als ich eh schon bin. Daher habe ich mir eben überlegt, dass ich dringend mal eine längere Auszeit brauche! Morgen werde ich das mit meinem Vorgesetzten besprechen und wenn alles klappt, werde ich ein paar Sachen zusammenpacken, mich in mein Camper setzen und von hier verschwinden. Kannst du dir zufällig vorstellen wohin?“

„Sag jetzt bloß nicht, du willst uns endlich mal besuchen kommen“, stieß Nina freudig aus, bevor sie sich an ihren Mann im Hintergrund wandte, der gerade zur Tür hereinkam und sie neugierig betrachtete: „José, du glaubst ja gar nicht, was Ole mir eben erzählt hat!“

„Will dein Primo uns endlich zu seiner Hochzeit einladen oder will er uns doch nur besuchen kommen?“, antwortete ihr Mann, bevor er die Freisprechfunktion des Telefons einschaltete und sich dann sofort an Ole wandte, „Hey Primo, wann kommst du denn? Das ist ja super und natürlich holen wir dich vom Flughafen ab, alles gar kein Problem!“

„Danke, doch das wird nicht nötig sein, da ich nicht fliegen werde. Vielmehr habe ich vor, mit meinen Camper zu euch zu kommen“, antwortete Ole schnell, bevor er verlegen fortfuhr: „Na ja, daher weiß ich auch noch gar nicht, wann ich genau kommen werde, denn eigentlich möchte ich vorher noch in Ruhe die Mittelmeerküste runterfahren und mir dort alles anschauen. Wäre das Okay für euch oder habt ihr vor zu verreisen in nächster Zeit?“

„Wow alter, das hört sich ja super an. Nein, alles gut! Mach das bloß, wir sind eh hier und müssen arbeiten“, scherzte Jóse begeistert. „Komm nur, wir freuen uns und natürlich kannst du so lange bleiben, wie du willst!“

„Okay danke, nett von euch und ich freue mich auch. Doch jetzt erst mal: Adiós! Ich melde mich dann, wenn ich etwas Genaueres weiß“, verabschiedete er sich von Nina und José, bevor seine Telefonrechnung eine zu große Lücke in sein Budget riss und legte auf.

Kurz darauf stand er auf und ging zum Fenster. Während er von dort aus, auf die erst kürzlich entstandenen Neubauten in seiner direkten Nachbarschaft blickte, überschlugen sich seine Gedanken. ‚Man, wenn das wirklich funktioniert, wäre das unglaublich!‘, freute er sich innerlich. Dann ging er zurück zum Schreibtisch, um eine Checkliste für die Dinge anzufertigen, die er vor seiner Reise noch erledigen musste.

Der Preis für den Deal

Nach einer weiteren durchwachten Nacht bat er als Erstes um ein Gespräch mit seinem Vorgesetzten und der Personalabteilung, welches am späten Vormittag erfreulich problemlos verlief. Beide Parteien freuten sich darüber, so den temporären Personalüberhang zu eliminieren, ohne jemanden entlassen zu müssen, und stimmten zu, ihn mit sofortiger Wirkung unbezahlt zu beurlauben. Woraufhin er seinen Arbeitsplatz aufräumte und gutgelaunt nach Hause fuhr, um mit Peter zu reden.

Doch war Peter widererwartend nicht da, so dass er schon befürchtete, dass sein alter Freund die Nacht bei Maya auf dem Gut verbringen würde und er sich mit dem Gespräch bis morgen gedulden musste. Missmutig ließ er sich daraufhin, so wie er war, aufs Bett fallen, wo er sofort eindöste und erst wiedererwachte, als er hörte, wie jemand die Haustür aufschloss.

„Moin Ole, ich bin wieder da!“, hörte er kurz darauf Peter von unten rufen. „Und ich hoffe, du bist passabel angezogen, denn ich habe Maya mitgebracht!“

Noch etwas verschlafen schreckte Ole daraufhin hoch: ‚Oh nee, was will die den hier!‘, musste er sofort an die Szene von letztem Wochenende denken, kurz bevor er sich an nichts mehr erinnern konnte. Dabei wurde er etwas verlegen: ‚Denn was ist, wenn der blonde Engel ihr alles erzählt hatte?‘, grummelte er innerlich, bevor er grinsen musste: ‚Tja, zumindest weiß sie dann mehr als ich!‘ Dieser Gedanke beruhigte ihn und so rief er das Treppenhaus hinunter: „Okay, habt ihr vielleicht Lust auf einen Kaffee? Denn ich würde gerne mit euch etwas besprechen“, wobei er sich aufrappelte. Dann ordnete er noch schnell seine Klamotten, bevor er zu ihnen nach unten in die Küche ging.

„Oh, das trifft sich gut! Denn wir haben Kuchen mitgebracht, allerdings nur den gesunden vom Vollkornbäcker“, lächelte Maya ihn offen an, als er die Küche betrat. Dann wandelte sich ihr Blick: „Moin erst mal und schön dich wieder zu sehen! Doch sag mal, wie ist es dir eigentlich am letzten Sonntag so ergangen?“, betrachtete sie ihn kritisch von oben bis unten. „Man, du bist ja voll der Partylöwe! Das hätte ich dir auf den ersten Blick gar nicht zugetraut“, überrumpelte sie ihn, während sie wieder zu lächeln anfing. „Zumindest warst du es, bis du uns leider auf einmal zusammengeklappt bist. Davor jedoch hast du die ganze Tenne mit deinen Trommelkünsten unterhalten. Gütige Göttin, na man gut, dass ich das mitbekommen habe. So konnte ich dich rechtzeitig ins Bett befördern, bevor dir vielleicht noch etwas Schlimmeres passiert wäre“, fügte sie in ihrer gelassenen Art hinzu.

„Was, du warst das? Du hast mich in wildfremde Betten gebettet!“, hielt Ole die Luft an, während ihm plötzlich ein Licht aufging.

„Ja, wieso?“, sah sie ihn kurz verständnislos an. „Da war doch genügend Platz und ich habe dir doch deine Unterhose gelassen“, fügte sie gelassen hinzu, als ob dies das Normalste auf der Welt wäre.

„Jetzt sag bloß nicht, du hast mich auch noch ausgezogen? Oh, Schande über mich!“, war ihm die Sache nun superpeinlich.

Jedoch schienen seine Bedenken nicht auf sie abzufärben, da sie ihn weiterhin offen anlächelte: „Na, nun hör aber auf! Eigentlich solltest du mir dankbar sein und nicht jammern. Denn da war doch nun wirklich nichts dabei!“

Diese Aussage ließ Ole kurz nachdenken, bevor er sich kleinlaut berichtigte: „Okay, hast ja Recht!“ Dann wechselte er lieber das Thema, weil er spürte, wie er gerade errötete und sein Kopfkino ansprang. „Dann jetzt mal ein anderes Thema: Was haltet ihr davon, wenn ihr meine Hütte das nächste halbe Jahr ganz für euch allein zur Verfügung hättet?“

„Oh, wie meinst du denn das?“, sah Peter ihn überrascht an. „Schickt deine Firma dich etwa wieder ins Ausland, um die Welt oder vielmehr sich selbst zu retten?“.

„Nein, leider oder zum Glück nicht!“, lachte er. „Vielmehr hatte ich mir überlegt, dass ich gerne mal eine Zeitlang einfach so wegfahren würde, um auf andere Gedanken zu kommen. Denn die letzte Zeit war einfach echt blöd und sehr aufreibend für mich. Außerdem bin ich mittlerweile so kaputt, dass ich morgens auf den Weg zur Arbeit singen muss, um nicht einzuschlafen. Deshalb und aus ein paar anderen Gründen habe ich heute in der Firma um einen unbezahlten Urlaub gebeten und stellt euch vor, die haben tatsächlich zugestimmt!“, konnte er es selbst immer noch nicht glauben, was er gerade von sich gab. „Tja, und da ich in der Zeit meine Hütte nicht brauchen werde und ich sie in guten Händen wissen will, dachte ich: Ihr wollt vielleicht auch mal etwas Zeit allein verbringen. Daher wäre es doch für alle prima, wenn ihr sie zwischenzeitlich komplett übernimmt“, sah er die beiden fragend an, während er erst einmal tief durchatmete.

Peter, der sich gerade ein Stück Kuchen in den Mund schieben wollte und Maya, die gerade ein Schluck Kaffee nehmen wollte, schauten ihn daraufhin kurz überrascht an und dann sich gegenseitig.

„Also, das ist ja mal spontan und die Idee finde ich richtig gut!“, sah Maya ihn als erste wieder an. „Und wo und wie hast du vor Urlaub zu machen oder hast du noch nichts geplant?“

„Ähm…?“, war Ole kurz irritiert, doch erinnerte er sich dann an das Gespräch mit Nina und Jóse. „Also, ich hatte mir überlegt, endlich einmal meine Cousine und ihre Familie in Barcelona zu besuchen. Tja, und auf den Weg dorthin wollte ich mir Frankreichs Mittelmeerküste genauer anschauen und dann…, ach was weiß ich. Egal, irgendwohin, wo es schon warm und nicht allzu teuer ist“, sah er kurz Maya an, bevor er stolz anfügte: „Und nein, einen fertigen Plan habe ich noch nicht. Aber das ist ja auch der Sinn der Sache! Denn ich wollte mich zur Abwechslung einfach mal treiben lassen, um so vielleicht ein anderes Ich an mir zu entdecken. Wer weiß?“ Dann betrachtete er seinen Freund, der ihn kritisch zu beobachten schien. „Also, was denkst du Peter? Du hast ja noch gar nichts gesagt.“

„Mm, also gut, was denke ich?“, wiegte Peter seinen Kopf kurz hin und her. „Gute Frage, denn so kenne ich dich ja gar nicht! Also…, ja doch, ich denke, ich schließe mich Maya an, großartige Idee!“, haspelte er, bevor er sie kurz verliebt anlächelte und sie dann auf einmal kritisch betrachtete. „Tja, wie soll ich es sagen, ohne jemanden von euch auf dem Gut zu nahe zu treten? Denn ich mag die Leute in deiner Kommune sehr, echt. Dennoch wäre ich auch gerne mal längere Zeit ganz allein mit dir. Also, wenn es dir nicht zu viel Fahrerei ist, gerne.“

„Nö Hasi, du weißt doch, wie gerne ich Auto fahre, auch wenn das ökologisch nicht in Ordnung ist, ich weiß, ich weiß!“, runzelte sie erst die Stirn, bevor sie zu strahlen anfing, und ihn verliebt über den Arm streichelte.

Ole, der nach dem Wort: Hasi, mit leerem Blick an die Decke gestarrt hatte, da ihm diese Art Kosewörter immer kalte Schauer über den Rücken laufen ließen, musste erst mal kurz über ihren letzten Satz nachdenken, bevor er abwechselnd beide anschaute: „Dann ist es also abgemacht?“

„Ja, wenn du keine horrende Miete verlangst, können wir darüber reden!“, nickte Peter zustimmend.

Kurze Zeit später war der Kuchen alle und die drei sich einig. Völlig aufgekratzt, weil sein Plan immer mehr Gestalt annahm, musste Ole erst einmal an die frische Luft, um die jüngsten Ereignisse zu verarbeiten. Dabei lief er planlos im Garten umher, blieb hier und da stehen, um die sich gerade entwickelnden Pflanzen zu betrachten, so wie er es immer macht, wenn er sich beruhigen musste. Aber heute fand er keine Ruhe beim Anblick seiner liebevoll angelegten Beete. Denn es schwirrten ihm einfach zu viele Gedanken auf einmal im Kopf herum, so dass er seine Umgebung gar nicht richtig wahrnahm. Deshalb schaute er auch verblüfft auf, als Maya auf einmal neben ihm stand und ihn ansprach: „Hey Ole, erwähntest du vorhin nicht, dass du nach Barcelona willst?“, lächelte sie ihn so lange an, bis sie sich seiner Aufmerksamkeit sicher war. Dann sah sie ihm direkt in die Augen, bevor sie fortfuhr: „Was hältst du eigentlich davon, die Benzinkosten zu halbieren?“

„Äh, wie bitte?“, sah er sie irritiert an, weil er sich mit dieser Frage ein wenig unvorbereitet konfrontiert fühlte. „Willst du mich damit etwa fragen, ob ich jemand mitnehmen würde?“, stutzte er daraufhin etwas ungehalten. „Danke fürs Angebot, aber nein, ich glaube nicht! Denn wie ich vorhin erzählte, wollte ich nicht auf dem direkten Weg nach Barcelona fahren. Außerdem ist der Flieger wesentlich bequemer und schneller, einfach 2 Stunden in der Luft und fertig!“, versuchte er seine Gedanken in Worte zu fassen, wobei er bemerkte, dass er dabei einen viel zu harschen Ton angeschlagen hatte. Weswegen er betont, freundlich hinzufügte: „Aber, wie kommst du eigentlich darauf?“

„Oh, wie ich darauf komme? Na ja, Zeit spielt dabei eigentlich keine Rolle, oder vielleicht doch ein wenig. Aber bis zum Geburtstag von Bernd ist ja noch über einen Monat hin und fliegen mag sie nun mal nicht“, stammelte Maya zuerst, von Oles Tonfall sichtlich irritiert, bevor sie noch einmal tief Luft holte und dann ruhig hinzufügte: „Weißt du, ich kenne da jemanden, die auf den Kanaren lebt. Nur mag sie keine Flugzeuge, zu viel Umweltverschmutzung, Flugangst und so. Und da sie ja nun schon eine Weile bei uns zu Besuch ist, muss sie ja auch irgendwann einmal wieder zurück, also spätestens bis zum sechzigsten Geburtstag ihres Vaters. Denn da wollte sie wieder zu Hause sein und sie würde sich bestimmt riesig freuen, wenn du sie mitnimmst. Seit Tagen überlegt sie nämlich schon, wie sie es vermeiden kann, die ganze Strecke erneut allein mit dem Zug zurückzulegen. Also wie wäre es, Lust auf eine nette Beifahrerin?“, holte sie daraufhin erst einmal tief Luft.

‚Ja aber, mit einem Wildfremden eine Frankreich Rundfahrt machen, das wäre okay für sie?‘, sah er sie daraufhin ungläubig an, da er aus ihrem Menschenschlag einfach nicht schlau wurde. Ihm würde so etwas nicht einmal im Traum einfallen. Auch würde er nie per Anhalter bei irgendjemand mitfahren oder gar einen Tramper mitnehmen. Jedoch wurde er sanft aus seinen dunklen Gedanken gerissen, weil sie auf einmal seine linke Hand ergriff. Dabei schaute sie ihn unschuldig in die Augen, während sie geduldig seine Antwort abzuwarten schien.

‚Tja, was willst du da machen?‘, atmete er daraufhin ebenfalls tief ein, bevor er ruhig sagte: „Okay, wenn es also für einen guten Zweck ist und ich deiner Freundin aus der Patsche helfen kann, meinetwegen“, hielt er kurz inne, als ihm bewusst wurde was er gerade getan hatte. Darum fügte er mit ernster Stimme hinzu: „Aber meine Großzügigkeit hat Grenzen, denn falls deine Freundin sich als eine Stress-Liesel entpuppt, habe ich kein Problem damit, sie am nächsten Bahnhof einfach abzusetzen. Außerdem hat mein Camper nur eine durchgehende Pritsche. Wenn sie möchte, kann sie sich gerne einen Schlafsack mitnehmen, aber…“