Dunkle und helle Zeiten - Marilena Schlund - E-Book
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Dunkle und helle Zeiten E-Book

Marilena Schlund

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Beschreibung

Das Buch besteht aus mehreren Kurzgeschichten. Die Geschichten zeigen, wie eng Schmerz, Liebe und Glück miteinander verbunden sind, und wie viel Gewicht Gefühle und Gedanken haben. Auch in Momenten, in denen es kein Licht gibt, wird immer wieder Licht aufgehen, Tag für Tag. Denn auch die Sonne geht jeden Morgen erneut auf, ohne, dass wir etwas dafür tun.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 33

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dunkle und helle Zeiten

Marilena Schlund

I almost thanked you for teaching me something about survival back there, but then I remembered that the ocean never handed me the gift of swimming. I gave it to myself.

Wahrnehmung

Der Tag war einer der kältesten, die der Winter zu bieten hatte. All die Vögel hatten sich einen schützenden Unterschlupf gesucht, all die Menschen waren in Schichten an Kleidung eingehüllt, denen sie sich abends wieder entledigten, unter die heiße Duschen sprangen und sich in kuschelige Schlafanzüge packten, in denen sie anschließend von ihren Betten verschlungen wurden. Welch ein Privileg es doch war, jede Nacht in einem warmen Bett verbringen zu dürfen, war ihnen scheinbar nicht bewusst.

Ich hatte mich an einer U-Bahn-Station niedergelassen, das Gitter des Sitzes, auf dem ich mich befand, drang durch meine dünne Kleidung. Meine Hose war aus Jeansstoff, der nicht besonders warm hielt. Am Oberkörper trug ich ein dunkelblaues Hemd, das mit einem Karomuster geschmückt war, und eine magere Jacke aus Stoff.

Während ich im einen Moment noch meine Ruhe hatte und nur wenige Passanten an mir vorbeischritten, hielt im anderen Moment eine Bahn auf dem Gleis an, und ich sah, dass sie bis auf den letzten Zentimeter mit Menschen gefüllt war. Wenige Sekunden darauf öffneten sich die Türen und sie strömten in Massen heraus. Jeder Einzelne bahnte sich den Weg durch diese immense Menge und irgendwie wirkten sie alle gleich. Sie schienen in ihren Gedanken versunken zu sein, im jetzigen Moment schon den nächsten zu planen, und versuchten, so schnell wie möglich zu ihrem Ziel zu gelangen. Ihre Ohren wurden mit Musik und Stimmen beschallt, ihre Hosen sahen gleich aus, ihre Frisuren, ihre Oberteile. Und sie musterten mich alle mit demselben Blick, der mich nun schon seit Monaten verfolgte und nicht loslassen wollte. Zuerst spiegelte sich Überraschung in ihrem Blick wider, danach Angst und Schrecken, und am Ende schauten sie so schnell wie möglich weg, denn was man nicht sieht, ist auch nicht da, und es ist so unendlich schwer der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Und die Wahrheit bin in diesem Fall ich. Sie klickten mich weg wie eine Werbung auf ihren Smartphones.

Ich war auch mal einer von euch, wollte ich schreien, und irgendwann werden wir vielleicht Rollen tauschen. Aber nicht heute, dachte ich, nicht heute. Ich saß da und schaute sie an, wie sie hin und her eilten und einander anrempelten, bis meine Augen auf ein anderes Augenpaar stießen, das mich fixierte. Dann, ein kleines Lächeln auf den Lippen des jungen Mädchens, das im Schritttempo auf mich zu lief. Anscheinend hatte sie es weniger eilig als alle anderen, wurde nirgendwo erwartet oder sträubte sich dagegen, erwartet zu werden.

Ihr Oberkörper wurde von einer Daunenjacke warm gehalten, ich konnte die Wärme bis hin zu mir spüren, ihre Beine waren in einer verwaschenen Jeans versteckt, die locker an ihrem Körper saß. Als sie sich bis auf ein paar Schritte genähert hatte, verlangsamte sich ihr Tempo.

„Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen.“ Danach verschwand sie in der Menschentraube und nahm ihr Lächeln mit. Ein Gruß, ein Wahrnehmen. Ich wollte wahrgenommen werden, das war alles.

Herbsttage der Veränderung

Es war einer dieser späten Herbsttage, als die beiden beschlossen, endlich eine Veränderung vorzunehmen, von der sie erwarteten, dass sie ihr Leben umfassend verändern sollte. Eine große Veränderung war ihnen äußerst willkommen, aber nicht in dem Maße, wie es letztendlich kam.

Die orangeroten Blätter waren schon längst alle von den Bäumen gesegelt und verärgerten nun die Leute, da sie verstreut am Boden lagen und von ihnen eine große Rutschgefahr ausging - besonders, wenn es regnete. Die Menschen waren oftmals in Eile und befanden sich überall anders als an dem Ort, an dem sich ihr Körper gerade befand. Deshalb achteten sie nicht auf ihre Umgebung, sodass Missgeschicke leicht passierten und ihren Tag abermals ruinierten.