Durchgeschüttelt - Henriette Hasenclever - E-Book

Durchgeschüttelt E-Book

Henriette Hasenclever

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Beschreibung

Wie in der F.A.Z. am 31.12.2016 zu lesen war ist der Grund für eine in 2016 aufkommende Hysterie im Land "das Unvermögen von Politik und Bürgertum, sich in die jeweils andere Welt hineinversetzen zu können oder zu wollen. Vielen Politikern, selbst wenn sie noch so oft im Wahlkreis unterwegs sind, fällt das zunehmend schwer, weil das Adrenalin des Amts sich mit der Aura des Alltags nicht mehr verträgt." Vielen Bürgern falle wiederum (das Verständnis für Politiker) schwer da sie demokratische Politik, die angeblich aus "faulen" Kompromissen bestehen muss nicht akzeptieren wollen. Henriette Hasenclever gibt Einblicke in ihre Gefühlswelt verschiedener Momente des Jahres 2016, was das Geschehen und die damit verbundene politische Landschaft angeht. Es ist die Retrospektive ihrer diversen Blogs aus dem Jahre 2016. Wie immer mit Humor, Ironie und einer Prise Zynismus.

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Seitenzahl: 138

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Januar

Köln, eine Silvesternacht

Danke Berlin

Hidden Agenda - Muttis geheimer Plan (?)

Anne Will und der alte Meier

Götterdämmerung

Februar

Digitale Welt - Ticketverkauf online

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Regierungserklärung

Plastikfasten

Was haben Germanen und Indianer gemein?

März

Grüner Spargel

Kleingartenpotenziale

Der Osterhase kommt

April

Der Ruf des Nandu

99 Euro - Bus über den Atlantik

Der Söderfonds - Pfiffig gegen die Rentenlücke

Ein Energiewendetraum - aus Gülle wird Gold

Domine, absolve me, quia peccavi

Wappentiere

Mai

Flaggen runter

Turmbau

Tierschutz

BREXIT I. - Die Rache des Kontinents

Wir lieben Lebensmittel

BREXIT II. – Die wunderbare europäische Familie

Weltmacht Luxemburg – Ein gallisches Dorf beherrscht Europa

Juni

Im BESTEN Land die BESTE Wäsche für die BESTEN Autos

Juli

Die BESTEN Zeiten

Verkehr(t) – I.

Verkehr(t) – II.

August

Kultur Pessimist

Ich bin ein Hamster

Berlin, Berlin, …

September

Die Gefühle der Kanzlerin ...

Norbert ist glücklich ...

Oktober

Im Land der Edelfleischfresser ...

November

Die Wahl der Dummen ... mit Trump in die Steinzeit

Dezember

Angelas Traum vom glücklichen Schwein ...

Ein Superjahr

„Wat jitt uns die Sintflut ahn, sulang mer he noch danze kann? Joot, dat Plaatz ess om Vulkan und at mer all kein Kinder hann.“

Auf ein Neues

Vorwort

Wie FAZ Autor Jasper von Altenbockum am 31.12.2016 anmerkt ist der Grund für eine in 2016 aufkommende Hysterie „das Unvermögen von Politik und Bürgertum, sich in die jeweils andere Welt hineinversetzen zu können oder zu wollen. Vielen Politikern, selbst wenn sie noch so oft im Wahlkreis unterwegs sind, fällt das zunehmend schwer, weil das Adrenalin des Amts sich mit der Aura des Alltags nicht mehr verträgt. Vielen Bürgern … fällt … wiederum (das Verständnis für Politiker) schwer … da demokratische Politik nur aus angeblich „faulen“ Kompromissen bestehen kann, nicht akzeptieren wollen.

Henriette Hasenclever ist zwar eine Kunstfigur, aber als solche beschreibt sie einige Dinge und Geschehnisse des zurückliegenden Jahres mitsamt ihrer Gedanken dazu wie eine Frau in der Mitte des Lebens aus der Mitte der Gesellschaft sie beschreiben könnte. Oder wie sie Gedanken ihrer Lieben wiedergeben könnte.

Sie beschreibt sie satirisch ironisch einige Situationen, einige Vorkommnisse außerhalb ihrer kleinen privaten Welt, die ganz in Ordnung ist. Da dieselbe aber immer davon beeinflusst werden könnte, beschreibt sie das, was sie nicht wirklich, nur mit ihrer unbedeutenden Wählerstimme, ändern kann.

Im Grunde macht Henriette nicht vieles Hoffnung an der deutschen Politik dennoch ist sie hoffnungsfroh und genießt das Leben.

Die privaten Momente des Glücks, des Zweifels, der Trauer oder Hoffnung schreibt sie in einem anderen Tagebuch auf. In einem ganz privaten. Das ist übrigens nirgendwo zu erwerben.

Januar

Wenn man will, dass das Jahr erfolgreich wird muss man am ersten Januar damit beginnen

Ist das Grund für feierliche Reden von Staatschefinnen und –chefs?

Köln, eine Silvesternacht

Nach diesen Unmöglichkeiten auf der Kölner Domplatte, in Hamburg und sonst wo in der Silvesternacht könnte ich jetzt ganz cool einen meiner Kollegen an einen Ausspruch nach Frau Merkels historischen Selfie erinnern: „Du wirst noch an mich denken“ und zur Tagesordnung übergehen. So wie immer.

Aber heute muss ich unter körperlich spürbaren Schmerzen und irgendwie halb gelähmt vor Schreck gestehen, dass die Täter von Köln geschafft haben, was über einer Million Flüchtlingen bisher noch nicht wirklich gelang und was mir die Kanzlerin Merkel gestern in ihrer feierlichen Durchhalte-Rede noch ausreden wollte: Ich fühle mich tatsächlich angegriffen, verhöhnt, verhärtet, herausgefordert. Da stehen hunderte junge Männer einer anderen Kultur auf den Stufen des Kölner Doms, auf den Stufen dieses Zeugnisses der europäisch, christlichen Kultur und beklatschen die Niedrig- und Widerwärtigkeiten ihrer vollkommen unkultivierten Gesinnungsgenossen. Die offenkundig mangelnde Personalausstattung und fehlende Einsatzhärte der Polizei sowie das andauernde Ausweichen unserer weichgespülten Politik und unserer staatlichen Presselandschaft verstärkt diese Gefühlslage sehr. Hinzu kommt das für Männer deprimierende Gefühl der Hilfslosigkeit. Zwar hat mich hier in meiner provinziellen Ruhe noch niemand geschlagen oder bestohlen, denn ich war zu Silvester weder auf der Domplatte, noch in St. Pauli und auch nicht in Stuttgart. Und ich lebe auch Gottseidank nicht in der Nähe sogenannter „no go areas“. Aber dennoch die haben mitten im zivilisierten Leben einige unserer Frauen terrorisiert und uns Männern der europäischen, christlichen Kultur damit mit uraltem Eroberer-Ritual quasi den Krieg erklärt.

Heute lese ich in Düsseldorf wird eine Bürgerwehr aufgestellt. Ich lese heute auch mit großer Ernüchterung die alten, der westlichen Kultur Kriegs erklärenden Zitate eines gewissen Ayatollah Khomeini, dem ausgerechnet unsere engsten europäischen Verbündeten westlich des Rheins den Boden zum Start der islamischen Revolution namentlich der Errichtung eines islamischen Staates geebnet haben. Ich lese davon, der „Clash of Cultures“ sei jetzt auf der Straße angekommen. Ich lese dies und das und da ist nichts Beruhigendes mehr.

Es ist meine über Jahrzehnte ausgebildete doch schon seit einiger Zeit schwer zu verteidigende Toleranz, die nun endgültig missbraucht wurde. Der feixende Mob auf den Stufen des christlichen Doms in Köln hat sich an meinem guten Willen vergriffen, er fordert mich auf, meine Fairness gegen Migranten, ja sogar von Flüchtlingen aufzugeben, mein Verbot von Verallgemeinerungen zu umgehen. Er sorgt dafür, dass ich mich beim Verlassen von Großstadtbahnhöfen dabei beobachte wie ich Witterung aufnehme wie ein Tier und nach allen Seiten sichere. Ich habe also Angst. Ich empfinde eine Überzahl an afrikanisch-arabisch anmutenden Männern auf der Straße inzwischen irgendwie abstoßend. Irgendwie weigert sich nun sogar mein Kopf zu denken und rechten, ich will Vergeltung und Strafe. Ich will, dass der deutsche Rechtsstaat Landesverweise durchsetzt. Und zwar schnell. Zeichen setzend. Und die Waschlappenpolitik der grünlinkskonservativfeministischen

Wählerstimmen fangenden Multikultifantasten endlich aufhört. Ich will auch, dass diese Leute denen nicht immer regelrecht der rechtstaatliche Prozess gemacht werden kann, obgleich die Zusammenhänge genauso klar sind wie die durch den verantwortungsvollen Finanzbeamten erahnten Regelverstöße bei meiner letzten Steuerschätzung, des Landes verwiesen werden, genauso wie meine geschätzte Steuerschuld nachdrücklich eingetrieben wird. Und zwar gleich. Ohne Aufschub. Ohne Gelegenheit für Rechtshandwerker, hier noch mitzuverdienen. Ich will die Rote Karte für die Vergewaltiger und Diebe unserer Toleranz, unseres Vertrauens. Haut einfach ab, ob ihr drei Jahre hier lebt oder drei Wochen oder drei Tage. Nicht nur aus Deutschland. Aus Europa, wenn Europa unsere neue Heimat ist.

Ich habe wie die meisten von uns einige Frauen in der Familie. Großmütter, Mütter, Frauen, Töchter. Die wir irgendwie verehren. Zum Beispiel am Muttertag. Am Valentinstag. Das kennt ihr nicht und wer weiß wie lange es dauert, bis ihr das endlich lernt. Ich bin nicht stolz auf meine Gefühle, hätte nicht für möglich gehalten, dass meine Haltung gegenüber denen, die zu uns strömen, um sicherer und besser zu leben, so vergewaltigt würde. Ich bin verzweifelt. Ratlos. Haltlos. Da ist Wut. Ein komplizierter Bruch.

Ich will, dass unsere Töchter und Söhne in der gleichen schönen Welt aufwachsen und an sich selbst wachsen können wie wir.

Treffen wird mein Widerwille deshalb vor allem Unschuldige. Nicht nur ich werde mit gutem Willen, mit Empathie und Verständnis weniger freigiebig sein. Es wird Mühe kosten, den Impuls des Missbehagens und des Verdachts zurückzudrängen. Mindestens eine ganze Weile.

Danke Berlin

Im deutschsprachigen Raum wird der Silvesterabend ungefähr seit der Römerzeit traditionell häufig in Gesellschaft begangen. Zum Jahreswechsel um Mitternacht wird das Neue Jahr zumeist mit großem Getöse, also Feuerwerk, Böllern und Glockengeläut gefeiert. Das Feuerwerk sollte nach heidnischen Glauben früher „böse Geister“ vertreiben und drückt heute auch Vorfreude auf das neue Jahr aus. In der jüngeren Geschichte so genannter zivilisierter Kulturen erfreuen sich Silvesterparties mit Volksfestcharakter zunehmender Beliebtheit und stellen einen wichtigen Wirtschaftsfaktor besonders in Städten ohne sonstige bedeutende Wertschöpfung, also in den schön hergerichteten Verwaltungsmetropolen, dar. Und dies auch 300 Jahre nach dem Sonnenkönig Ludwig XIV. getreu dem Motto: je mehr Regierungsmacht, desto dekadenter das Fest. Wohl deshalb rühmt sich Berlin nun als Marktführer unter den Silvesterparty-Anbietern europaweit mit einer Million Party-Gängern. Der Berliner Großflughafen ist heute zwar von seiner Fertigstellung noch genauso weit entfernt wie vor einem Jahr, dafür konnten die bereits vor einigen Jahren eingestellten Mitarbeiter für die Sicherheitskontrolle heuer zu Übungszwecken aber schon einmal eine alternative Aufgabe rund um die Spaßkontrolle am Tiergarten-Zaun eingesetzt werden. Echter Härtetest!

Aber was hat das mit meinem Leitthema „Die Erde rächt sich“ tun? Fragen sie jetzt zurecht. Kurzer Rückblick auf den Weltklimagipfel in Paris vor ein paar Tagen:

„Ohne Handeln der Schwellenländer sei das Zwei-Grad-Ziel gar nicht mehr zu erreichen“ sagte die Bundes-Chefin im Anschluss an diese denkwürdige Konferenz (PM 446). „Sie“ als Vertreterin einer der größten Dreckschleudern weltweit „begrüße es deshalb sehr, dass China mit 2030 jetzt zum ersten Mal einen Reduktionszeitpunkt genannt habe. Damit sei ein neuer Zeitabschnitt eingeläutet. Die Industrieländer hätten die Aufgabe, Technologien zu entwickeln, von denen dann auch Schwellen- und Entwicklungsländer Gebrauch machen könnten.“ Jetzt wissen wir auch wofür die Schwellenländer bei diesem Bemühen besonders in Berlin zum Beispiel so gebraucht werden:

Damit wir den Massentourismus zum Silvester-Super-Spaß per Auto, Bahn und Flieger zur Silvesterzeit nach Berlin weiter sorgenfrei organisieren und an der Mineralöl-, Flughafen- und an der leider von der tödlich verwundeten Klientelpartei reduzierten, kümmerlichen Mehrwertsteuer der Hotellerie die Staatskasse auffüllen können.

Damit wir die Autobahnen von und nach Berlin als weltweit erste Real-Teststrecke für umweltverträgliche Elektro-Volksmotoren in Betrieb nehmen können.

Um im Gegensatz zu Shanghai, Frosinone bei Rom oder Berlin-Stadtmitte weiterhin als Testgelände für schöne bunte Raketen, mit deren Schubkraft heute noch eine Rakete der Bauart Saturn V zum Mond geschickt werden könnte, nutzen zu können. Hier werden nämlich neue exportfähige Technologien zur Herstellung völlig abgasfreier und umweltverträglicher Silvesterböller erprobt.

Die vollkommen abgasfreie Müllentsorgungstechnologie mit der Logistik von bis zu 1.500 Mitarbeitern zum Tatort weiterentwickelt und tausende Tonnen Sondermüll zur umweltschonenden und energiefreien Blockkraftheizwerkverbrennung nach Adlershof verbracht werden können.

Damit sich die Berliner Stadtwerke mittelfristig als der weltweit größte Emittent von Lichtverschmutzung bei gleichzeitiger Überlastung des städtischen Stromnetzes brüsten können. Taghelle Beleuchtung auch noch nachts um vier Uhr dreißig! So wird nämlich geübt, wie man böse Geister auch in Zukunft vertreibt. Egal von welcher Seite sie kommen.

Und der deutsche Durchschnittsmichel endlich ein Gefühl dafür bekommt, wie sich die große Freiheit in der Stadt anfühlt, die 4% der Einwohner des Landes beherbergt, die gleichzeitig 40% aus dem Länderfinanzausgleich für ihr ansonsten kärgliches Leben – schlappe 3,5 Mrd., pro Nase also 1.000 €, vergleichbar mit einem Durchschnittsgriechen, quasi als Partyzuschuss erhalten…

So fängt global umfänglich verantwortungsvolles Handeln in einer Regierungsstadt doch an? Oder? Frei nach Konrad Adenauer würde Ede nun sagen: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern … Wir sind doch nicht völlig behämmert … Hauptsache Spaß!“

Danke Berlin. Danke für die große Party, die mich leider gar nicht interessiert. Hier auf den Osterinseln. Und leider rächt sich die Erde woanders.

Hidden Agenda - Muttis geheimer Plan (?)

Heute gegen Mittag meldet dpa „Mehrheit wendet sich gegen Merkel in der Flüchtlingskrise“. Immerhin 60% der aus teutonischen Ureinwohnern und bereits seit vielen, vielen Jahren integrierten Zuwanderern bestehenden Bevölkerung sind mit ihrem Management der Flüchtlingskrise nicht mehr so richtig einverstanden.

Aber die Kanzlerin der Weltverbesserung bleibt wie sie ist. Ruhig, besonnen, unaufgeregt, selbstbeherrscht. Auch das äußere Anzeichen ihrer unfassbaren Rationalität, die für manchen Bürger im krassen Widerspruch zum emotionalen Handeln in der Energiefrage und neuerdings in der Flüchtlingskrise steht, behält sie bei: die fast schon musikalische Monotonie ihrer Sprache und ihren langweiligen Gesichtsausdruck.

Schon bereits irgendwann in den nächsten Wochen, wenn Dr. Merkels Beliebtheit auf ein historisches Tief gefallen sein wird und einer ihrer größten Fans, der ehemalige Weltkolumnist Matthias Matussek auch nicht mehr ruhig schlafen kann, wenn Frau Merkel regiert, wird sie ihren wahre langfristig ausgerichtete Strategie, die bisher die Wenigsten - nämlich die besonders intellektuellen Karrieristen an ihrer Seite - verstanden haben, weil die meisten anderen eben zum Beispiel Sprachen studierten statt Physik, erläutern.

Sie wird uns zunächst erklären, dass es nun gut sei. Mit dem Import von Flüchtlingen, denen sie ein gutes Leben in unserer Mitte versprach. Dass sie nun mit Hilfe staatlich unterstützter Schlepperbanden ausreichend Humankapital nach Deutschland eingeschleust hat. Dass sie das deshalb getan hat, weil es uns ja nur gut geht, wenn es der Wirtschaft gut geht. Das Primat der Märkte. Sie wissen ja. Deshalb hat sie dafür gesorgt, dass ein großes Angebot vor allem an kräftigen, gesunden jungen Männern im wehrfähigen Alter ohne Familienanschluss, die man noch prägen kann, zur Verfügung steht, um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen. Die Aufgabe der Wirtschaft und der Bevölkerung bestehe nun darin, die besten Kräfte zu sichten, zu fördern und zu integrieren. Den Rest schieben die Länder dann wieder ab. General Tauber ist ja bereits beauftragt, entsprechende Schritte zu fordern. Unterstützend wird zusätzlich ein neues Spezialministerium aufgebaut. Unter der Leitung des noch amtierenden Innenministers von NRW, Jäger. Der wird allerdings einen neuen Namen bekommen und dann Treiber heißen. Die besondere Lebenslust der hier dann sesshaft Werdenden wird mittelfristig zu einer deutlichen Steigerung der Geburtenrate beitragen, was wiederum die Unwuchten unserer Bevölkerungspyramide ausgleichen wird und sodann die Rentenkassen der Babyboomer zum Überlaufen bringen wird.

Schon lange rufen die Bürger doch auch nach mehr Sicherheit z.B. in Duisburg oder Dortmund, den deutschen Bahnhöfen und in den S- und U-Bahnen. Nun hat sie endlich gegen den Widerstand in ihren eigenen Reihen die Legitimation, die langjährigen Rufe unserer Polizeiverantwortlichen nach höheren Budgets für bessere Ausstattung Aufstockung des Personals mehr Sicherheit gegen Einbrüche osteuropäischer Banden und polnische Übergriffe zu erhören. Sie wird auch endlich durchsetzen können, dass der Verteidigungshaushalt um weitere zig Milliarden aufgestockt wird. Zur Absicherung der Europäischen Grenzen und zum Aufbau einer Lebensmittel-Versorgungs-Luftbrücke in den Nahen Osten und nach Nordafrika. In weiser Voraussicht hat sie so auch für Wachstumsimpulse für den deutschen Einzelhandel gesorgt, die nötig sind, um den von ihr lange vorausgesehenen Crash des chinesischen Wachstumswunders aufzufangen. Ganz nebenbei rekrutieren wir neuen, talentierten Nachwuchs für unsere Nationalmannschaften und werden wieder eine große Sportnation. So wie die DDR. Gott hab sie sehr selig.

Alles in allem und mit anderen kleinen Tricks werden wir so ganz leichtfüßig wirklich die beliebteste Nation der Erde.

Und jetzt soll noch einmal jemand sagen, dass man in einer soliden politischen Grundausbildung in der FDJ ihrer ehemaligen deutsch demokratischen Heimat nicht die Grundlagen für postdemokratische Staatsführung hätte lernen können. Und mit den Grünen macht sie dann auch noch ein paar Jahre. Dann war´s bunt genug.

Anne Will und der alte Meier

Gestern (Anm.: am, 19. Januar) hat Anne Will sich echt angestrengt, die Spitzenposition der Top-TalkmasterInnen des Landes zu erobern. Ob sie sich letztlich gegen den aufgekratzten Plasberg oder ihre Dauerkonkurrentinnen Illner und Maischberger durchsetzen konnte, werden ab morgen ganz andere Intellektuelle als ich und hoffentlich unabhängige Journalisten beurteilen.

Was inhaltlich von Mitgliedern der Regierung auf den Ledersesseln der Talkrepublik - und denen, die mal gerne mitregieren oder mitrepräsentieren wollen - so geboten wird ist ja bekanntermaßen schon lange nicht mehr erbaulich. Um nicht zusagen unterirdisches, nichtssagendes, ziemlich opportunistisch anmutendes Geschwätz. Echte Argumente egal von welcher außerparlamentarischen Seite will man ja nicht gerne hören und dreht und wendet sich wie immer.

Besser wird das Gesamtergebnis für Anne Will aber schon deshalb nicht, wenn man zusätzlich das äußere Erscheinen der Polit-Protagonisten mit in die Waagschale werfen will. Wenn wir also einmal diese ganz oberflächliche Perspektive einnehmen, dann stellen wir fest, dass die verheirateten Herren Aust und Mansour ordentlich in gedeckten Zwirn gekleidet, mit angenehmer Stimme und unaufdringliche Art versuchen ihre Argumente zu versenken. Die liebe Gesine Schwan – eine ehemalige und schwache Kandidatin auf das Bundespräsidentenamt - ist zwar jugendlich gekleidet, was aber nicht überdecken kann, dass sie einen ziemlich steifen Hals hat und die ihre krächzende Stimme nach wie unwirksam mit irgendwelchen Salbei- Lutschbonbons bekämpft. Es bietet sich dem gebannten Zuschauer ein Gemisch aus Gekrächz und mehr oder weniger zuckenden Kopfbewegungen, die entfernt an einen vor dem Metzger flüchtenden Truthahn erinnern. Da sind wir nun im Tierreich angekommen. Haben sie schon einmal einen weißen, unbehaarten Gorilla gesehen. Nein? Das wundert uns. Er wird uns doch immer wieder mal im öffentlich rechtlichen Fernsehen vorgeführt. Meistens sitzt er auch direkt an der rechten Seite der schönen Moderatorin. Er sitzt aufrecht. Sein majestätisch großer Bauch, über den er seine Schuhspitzen wohl nicht zu sehen vermag ruht auf fast über der Sitzfläche des bequemen, fast etwas zu engen Studiogestühls und wird von einer optimistisch leuchtenden pinkfarbenen Krawatte in der Größe eines Badehandtuchs bedeckt. Ob allerdings das