Henriettes Jahr - Henriette Hasenclever - E-Book

Henriettes Jahr E-Book

Henriette Hasenclever

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Beschreibung

Einige dutzend nachdenkliche, teils satirische Abhandlungen zum Zeitgeschehen von Advent 2014 bis zu den "Kölner" Ereignissen in der Silvesternacht 2015/16. Eindrücke und Wahrnehmungen der politisch und gesellschaftlich interessierten Henriette Hasenclever, einer Frau in der Mitte des Lebens, welche ganz sicher nicht den Mainstream und das allgemeine Wohlgefühl, welches die deutsche Gesellschaft bis zum Jahreswechsel 2015/16 prägte, widerspiegelt. Insofern sind Henriettes Gedanken frei und nehmen wahrscheinlich auch am Tag des Buchdrucks noch nicht auf jedem x-beliebigen Sofa Platz.

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Seitenzahl: 105

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

6. November 2014: „Neues aus dem Regierungsviertel“: Merkel und Erzengel Gabriel beschließen Weihnachts-Konjunkturprogramm 2014

8. November 2014: Endlich fliegt etwas über Berlin

11. November 2014: Wandern & Wundern

15. November 2014: Meine Stadt wird geliebt

17. November 2014: Mehrheitsbildung

27. November 2014: Bargeld lacht nicht mehr?

30. November 2014: Mein toleranter Hund

1. Dezember 2014: Die Messe ist gesungen

5. Dezember 2014: Weihnachtsrätsel

9. Dezember 2014: Arzt rettet die Autofahrer-Welt

14. Dezember 2014: Advent, Advent, Angelas Lichtlein brennt

16. Dezember 2014: Weihnachten, das Fest zu Ehren des Konsumenten

22. Dezember 2014: Udo ist von uns gegangen – Na und?

26. Dezember 2014: Weihnachtslied

28. Dezember 2014: Geboren mit dem i.phone

29. Dezember 2014: Weihnachtskatarrh

31. Dezember 2014: Muttis Neujahrsansprache

1. Januar 2015: Regierungserklärung

2. Januar 2015: Richtigstellung – Neujahrsansprache

5. Januar 2015: Die unerhörten Vorhersagen des Herrn Jakobsen

17. Januar 2015: Ich bin doch nicht Charlie

18. Januar 2015: Guardiola gefeuert

21. Januar 2015: Hasch mich, ich bin der Cem

26. Februar 2015: Die Maut kommt ? Vollkommen unmöglich!

6. März 2015: Genderbabylon

21. März 2015: Armer Herr Schmid

5. April 2015: Weiter so Mädels…

2. Mai 2015: Junger Mann

1. Juni 2015: Merkel trifft den Blatter Sepp

8. Juni 2015: Eine Nation fährt links

8. Juli 2015: HundeKinder

29. September 2015: Blutmond

10. Oktober 2015: Bildungsdeutschland

16. Oktober 2015: Unser neues Enkelkind

29. Oktober 2015: Der Turmbau

19. November 2015: Merkel trennt sich von Herrn König

22. November 2015: Zum Wert von Prognosen

5. Dezember 2015: Mal wieder Verkehr gehabt

10. Dezember 2015: Henriettes Prognosen für 2016

Neujahr 2016: Danke Berlin

Ein trauriger Nachtrag: Anfang Januar 2016

Vorwort

Friedrich Schiller schrieb im Jahr 1795: "In der

Satyre wird die Wirklichkeit als Mangel dem Ideal

als der höchsten Realität gegenübergestellt." Noch

kämpferischer formulierte Tucholsky: "Der

Satiriker ist ein gekränkter Idealist: Er will die Welt

gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen

das Schlechte an." Also: Satire ist in erster Linie

gegen etwas gerichtet, und zwar gegen eine als

fehlerhaft und schlecht empfundene Wirklichkeit

in Form von Personen, Institutionen und

Geisteshaltungen. Diese werden kritisch mit einem

Ideal verglichen, dem sie nicht entsprechen. Der

ironische Humor, mit dem dies oft geschieht, ist

dabei nur ein Vehikel, das ohne den kritischen

Anspruch der Satire zu reiner Komik bzw. Comedy

verkommt. Frei nach Dieter Hildebrand lautet die

zentrale Frage dabei: Wer ist der Feind? Oder: Wer

ist verantwortlich für unhaltbare Zustände und

warum? Das ist natürlich eine Frage des

individuellen idealistischen Standpunkts.

In diesem Sinne verfälsche ich hier bewusst die

Wahrheit und fokussiere die Schwächen des

Feindes. Die Stärken werden vermieden. Die

Quellen sind nicht immer klar. Was gesagt,

geschrieben wird soll wehtun. Schmerzen.

Sonst ändert sich nichts.

Die in diesem Büchlein geschilderten Eindrücke, die

ganz spontan in der Stille des November des Jahres

2014 beginnen und über das Jahr 2015 bis zum

Silvesterereignis in Köln gesammelt wurden sind

Wahrnehmungen einer einzelnen Person und

spiegeln sicher nicht das allgemeine Wohlgefühl,

welches die deutsche Gesellschaft derzeit prägt

wider. Insofern sind diese Gedanken frei und

nehmen auch nicht auf jedem x-beliebigen Sofa

Platz.

Viel Spass.

6. November 2014:

„Neues aus dem Regierungsviertel“: Merkel und Erzengel Gabriel beschließen Weihnachts-Konjunkturprogramm 2014

Angesichts der aktuell wenig stimmungsvollen Nachrichten aus dem Institut der Deutschen Wirtschaft nach dem Motto: „Der deutsche Aufschwungmotor stottert, die Wachstumsaussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich merklich eingetrübt…“, der supergeilen Idee von Bundesarbeitsministerin Nanni Nahles (SPD) gegen die stagnierende Zahl von Langzeitarbeitslosen mit einem 100%igen Lohnkosten-Zuschuss vorzugehen, der entsprechend zu erwartenden Seufzer unseres knauserigen deutschen Kassenwartes Dr. Schäuble (CDU) sowie der irrwitzigen und wenig Vertrauen erweckenden Politik der Notenbanker rund um den Globus sowie der zuletzt genauso genialen wie irren Idee von Jim O'Neill, früher Investment-Chef bei America´s Goldman Sachs, zur Euro-Rettung, der wie ein schlechter Scherz klingt: „Deutsche sollen ihre Sparsamkeit mit Extra-Steuern bezahlen, die direkt nach Italien und Spanien fließen…“, hat sich unsere Mutti mit Ihrem Erzengel Gabriel heute Nachmittag auf ein schnell wirksames Konjunkturprogramm geeinigt, dass dem Verbraucher einmal mehr deutlichen Mehrwert verspricht, ohne dass er bemerken soll, wie er die schlecht schmeckende Suppe auslöffeln muss.

Die famose Idee, die ab morgen unmittelbar per Notstands-Gesetz in Kraft treten soll, soweit die Kirchenfürsten nicht bis heute Mitternacht dagegen protestieren und die Lokführer im Güterverkehr spätestens am Samstag wieder ihren Dienst antreten:

Die Adventszeit beginnt am kommenden Sonntag!

Sämtliche Weihnachtsmärkte der Republik werden ab Samstag, den 9.11.2014 eröffnet. Die Haltbarkeitsdaten für Kerzen und Weihnachtsgrün sowie Weihnachtssterne werden aus hygienischen Gründen auf 2 Wochen begrenzt. Die Weihnachtskranz- und Kerzenindustrie und die Einkaufsgemeinschaft deutscher Tannenbaumhändler hat die Initiative bereits ausdrücklich begrüßt. Zum gleichen Zeitpunkt wird eine zeitlich befristete Glühwein- und Punschsteuer in Höhe von 18% und ein Weihnachtsmarktvergnügungszuschlag von 3 € pro Einwohner erhoben und die Schankhilfen an den Ständen zu 100% von den Arbeitsämtern bezuschusst. Die Finanzämter haben in vorauseilendem Gehorsam ihrem obersten Dienstherrn Wolfgang Schäuble unmittelbar ihre Unterstützung zugesagt.

Die Bundesregierung erhofft sich von diesem Programm eine deutliche Belebung der Nachfrage nach unnützen Weihnachtsgeschenken, entsprechender Belebung des notleidenden Handels, einer deutlichen Mehrwertsteuermehreinnahme in Milliardenhöhe zur weiteren Unterstützung der Süd-Euro-Zone und einer weiterhin garantiert stabilen Feierlaune des deutschen Volkes.

Damit im Privathaushalt und im Firmengebäude alles rundherum stylish und trendgerecht umgesetzt perfekt in Szene gesetzt werden kann, haben namhafte Designer bereits die ersten Modelle siebenkerziger Weihnachtskränze vorgestellt. Erste Eisenschmieden, Töpfereien und Gärtnereien haben bereits auf Vorrat produziert. Die Bezugsquellen werden morgen vom Bundeswirtschaftsministerium

(www.BMWI.Weinachten7.de) veröffentlicht.

Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, wird dieser Plan aber konsequent weiter gedacht. Spätestens bis zum Jahr 2020 ist an eine Ausdehnung der Adventszeit auf bis zu 12 Wochen vorgesehen. Die entsprechenden Adventskranzmodelle sind bereits fertig gestellt.

Bedauerlich ist allerdings, dass sich Mutti und ihr Erzengel noch nicht mit den Schöpfern des neuen Designs abbilden lassen wollten. Wir vermuten urheberrechtliche Streitigkeiten mit dem Stardesigner Herrn Heribert Kollanus.

8. November 2014

Endlich fliegt etwas über Berlin

Die Feierlichkeiten zum Tag der deutsch deutschen Befreiung am 9. November kommen langsam aber sicher richtig in Fahrt. Dazu passt die Bummelarie der privatisierten Deutschen Bundesbahn nun überhaupt nicht. Aber gegen die andauernde Feierlaune der verwöhnten Bevölkerung kommt selbst die Gewerkschaft der Lokis schließlich nicht mehr an und stellt in Aussicht, das feierlustige Volk wieder von A nach Berlin zu fahren, in der Hoffnung der versammelte Volkszorn möge sich wieder verflüchtigen. Denn eins ist ganz schlimm: Nicht pünktlich anzukommen beim Fußballspiel, der Geigerpartie von David Garret oder bei der Nationalparty unterm Brandenburger Tor, an der Bornholmer Straße oder sonst wo in „the sexiest town on earth“.

Gewerkschaftsboss Weselsky fühlt sich von seiner Ex als Diktator beschimpft und gleichzeitig aus lauter Vaterlandsliebe mit einer sentimentalen Träne im Auge dazu gezwungen alle Lokführer unverzüglich wieder zu mobilisieren, weil selbst wenn die Piloten nicht streiken, immer noch nicht alle die wollten mit Flugzeugen nach Berlin kommen könnten. Die dafür Verantwortlichen, diese fähigen und unbestechlichen Köpfe aus Aufsichtsräten, Vorständen, Generalplanstäben und Projektleitungen müssen aber nun endlich einmal Buße tun. Dieser total unwiderstehliche und wahrscheinlich deswegen so genannte „regierende“ Bürgermeister hat sie nämlich zu einem kollektivem Arbeitseinsatz an die Front geladen und hat nun von jedem verlangt, der seine Kohle mit diesem Fluchhafendesaster, welches am Ende wahrscheinlich mit mehr als 6 Milliarden Euro die Hälfte der jährlichen Griechenlandhilfen erreichen wird, verdient hat mitzuhelfen die 8000 Gasballons aufzublasen, zu beleuchten und entlang der alten Mauerlinie aufzustellen.

Wowereits Plan ist noch geheim. Aber eines wissen wir schon jetzt: Am Abend des 9. November wird er schon mal diese 8000 beleuchteten Ballons in den Himmel schicken symbol- und öffentlichkeitswirksam anstelle der 360.000 Flugbewegungen, die für die Endausbaustufe im Jahr 2023 geplant waren. Die Pressemeldung „Erste Flugbewegungen über Berlin Brandenburg“ für Montag ist schon schön gedruckt und die Fotos werden staunende Kindergesichter, himmelwärts gerichtet, zeigen. Alle Mitbewohner haben heute wieder eingekauft was das Zeug hält. Unsere lieben Berliner Mitbürger werden mit jeder Menge Champagnerkorken für zusätzliche Flugbewegungen sorgen.

Bussi, bussi Wowi. Du bist und bleibst unser liebster Partylöwe!

11. November 2014

Wandern & Wundern

Es war einer dieser seltenen Tage, an dem ich zeitgleich mit meinem Hauspantoffel frei hatte. Die Tochter auf Klassenfahrt. So eine Art Kurz-Urlaub also. Demnach schliefen wir einmal aus, frühstückten spät gemeinsam mit unserer Henne Carla, die wieder zuverlässig ein frisches Bio-Ei in unser Zeitungsfach gelegt hatte. Die gesunde Frühmorgenkörnervitaminmahlzeit aus eigenem Terrassenanbau mit der frischen Kuhmilch vom Bio-Bauern nebenan schmeckte wie immer: nicht aufregend, aber wir hatten wieder dieses beruhigend gute Gesundheitswissen und fühlten uns danach auch schon extrem unternehmungsfreudig. So fragten wir uns, was wir Sinnvolles mit diesem Tag anfangen könnten, ohne allzu sehr mit den großen Strömen in irgendeine Konsumlandschaft mitgerissen zu werden. Wir entschieden uns für einen Wandertag, holten unsere angestaubten Trekkingschuhe mit orthopädischen Fussbett aus dem Kellerregal und fanden uns 30 Minuten später am Mittelgebirgs-Wanderparkplatz wieder. Ein schöner und seltener Anblick war, dass unser Autole so ganz allein auf dem großen Parkplatz den Eindruck eines sehr besonderen Gefährts machte. Vor allem ganz individuell auf ein schattiges Plätzchen eingeparkt wirkte das nicht real. Irgendwie wie im Werbespot.

Wir schnürten die Schuhe, statteten unseren uralten Hund mit einem GPS-Halsband aus, falls der vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen sollte. Wir wollen ihn ja nicht verlieren. Hat die Gesundheit erhaltende vegane Kost, die ich ihm seit 16 Jahren zukommen lasse, ja nun doch schon ein Vermögen gekostet. Dann werden unsere i-5´s noch kurz mit den wichtigsten physiologischen Daten gefüttert, Schrittzähler aktiviert, Standort verpeilt, damit auch wir im Falle des Falles wiedergefunden werden und los geht´s. Nachdem wir uns ein wenig frei gelaufen haben auf der steinig-wurzeligen Direttissima zum Mittelgebirgsgipfel, die 1785 schon der alte Goethe ohne Smartphone gelaufen sein soll und kurz nach ihm der weltberühmte oberfränkische Dichter Jean-Paul ebenfalls ohne elektronische Helferlein, fragen wir uns wie das wohl gelungen ist. Dann fällt uns auf, dass uns niemand begegnet. Natürlich stellen wir uns die Frage, wie das wohl sein kann in Zeiten ungeheuren Freistunden- und Urlaubsaufkommens; noch dazu an einem solch klaren aufgeräumten und herbstlich milden Dienstag.

Ich: „Heute ist Dienstag. Diensttag. Arbeitstag“. Ulfi: „Die Lokis sind schuld, alles verzögert, auch der vorgezogene Wochenendspaziergang, Arbeit will nachgeholt werden“. Ich: „Kein Netz. Kein W-LAN. Kein GPS hier. Da fühlt man sich nicht sicher genug, ob man den Weg auch findet. Ich kann auch nix posten von hier!“. Ulfi: „Quatsch, der Söder, der Heimatminister hat´s doch schon persönlich installiert“. Wir stapfen ratlos weiter. Einige Felsbrocken weiter oben, nachdem wir die Quelle eines der wichtigen Nebenflüsse vom Vater Rhein passiert haben, fällt´s mir dann endlich ein: „Mensch Ulfi! Heute ist doch Start in die Jeckenzeit. 11.11. Die Karnevalisten kommen nicht zum Berg“. Er: „Klar. Das ist der erste Tag wo sich alle schon wieder küssen müssen. Da fehlt uns Volk für´s Wandern der Sinn, denn da kommt der Berg zum Propheten“. „Wie schön, ich hatte schon befürchtet, dass uns nach dem Mauerfallfeiertag die Gründe zum Feiern ausgehen bis Weihnachten.“

So ganz zufrieden mit dieser Erklärung machten wir uns nun weiter zu schaffen an dem Aufstieg. Kurz vor dem Gipfel ein Abstecher zum Goethe´schen Aussichtspunkt von 1785. Weiter Blick in die von Frühnebelwolken verhangenen Fichtenmonotonien. Fragt mich mein Begleiter, ob ich mir denn vorstellen könne, was der alte Wolfgang hier wohl gesehen haben will außer Landschaft. Kaum Häuser. Keine Funkmasten. Keine Braunkohlekraftswerkstürme. Keine Firmenzentralenhochhäuser. Keine Autobahnen. Keine Windräder. Keine Monsterstromtrassen. Muss das aber langweilig gewesen sein. Und so lebensfeindlich. Achselzuckend suche ich das Weite, den Gipfel und das Ziel meiner Wanderschaft, die Gipfelklause, in der es neuerdings nach dem Besuch der TV-Superköche ganz biologisch einwandfreien zwei-Sterne-Salat statt Wienerle geben soll. Die Tür zum Aussichtsturm ist vielversprechend weit geöffnet. Die Tür zum Restaurant jedoch geschlossen. Davor das Schild: Bevor die Skisaison beginnt, machen wir mal Urlaub. Bis Bald. Da tröstet auch nicht, dass 1761 einmal der Gelehrte Cassini mit einem Schwager von Fritz II. hier weilte.

Nun die Moral von der Geschicht: Gibt es dort zu Essen nix, geht niemand auf den Berg mal fix.

15. November 2014

Meine Stadt wird geliebt