Ehe oder Ehe(r) nicht... - Susanne Rehak - E-Book

Ehe oder Ehe(r) nicht... E-Book

Susanne Rehak

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Beschreibung

Eine Ehe mit einem anderen Menschen einzugehen, ist sicherlich einer der wichtigsten Entscheidungen in unserem Leben. Dieses Buch ist eine Gebrauchsanleitung und ein Ratgeber zugleich. Denn erst wenn wir wissen, was uns in bestimmten Situationen erwartet, können wir eine für uns passende Entscheidung treffen.

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Seitenzahl: 242

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Susanne Rehak

Ehe oder Ehe(r) nicht...

Eine Entscheidungshilfe

© 2017 Susanne Rehak

Verlag und Druck: tredition GmbH, Grindelallee 188, 20144 Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7439-2041-5

Hardcover:

978-3-7439-2042-2

e-Book:

978-3-7439-2043-9

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhalt

Vorwort

Die romantische Ehe

Gleich und gleich gesellt sich gern

Die Moleküle der Liebe

Die Liebenden der Literatur und Philosophie

Wenn die Geigen verstummen

Alles Spießer

Ehe und Familie – der sichere Hafen

Und täglich grüßt das Murmeltier

Wenn die Vernunft siegt

Öde, heile Welt

Das liebe Geld

Macht die Ehe krank?

Vom Prinzen zum Frosch

Beim nächsten Mal wird alles anders

Treue

Die Ehe als Lehrmeister

Allein, allein

Die Tücken der Liebesheirat

Der Klassiker: »Die konventionelle Ehe«

Platz 1 der Wunschliste: Die Ehe

Ach, Du liebes Kind!

Das Hamster-Rad

Die Stimme der Vernunft

Der Tanz der Moleküle

Damals war alles noch besser

Herz oder Verstand?

Scheiden tut weh

Achtung Gegenverkehr!

Hohe Schule: Die Ehe zu dritt

Tatsächlich Liebe

Beziehungsstatus: »Single«

Bitte heirate mich nicht!

»Worst Case«

Große Erwartungen

So soll es nun sein

Nachwort

Danksagung

Worterklärungen

Für Daniel und Emily

Vorwort

Während Sie dieses Buch in Händen halten, machen Sie sich vielleicht Gedanken, was Sie von diesem Buch erwarten. Es ist nicht von Belang, welches Alter oder, wie heißt es in Behördenformularen so schön, welchen Beziehungsstatus Sie aktuell haben. Es kommt darauf an, dass Sie vielleicht an dem Status, in dem Sie sich derzeit befinden, etwas verändern wollen. Vielleicht haben Sie aber auch nur aus Neugier zu diesem Buch gegriffen und der Wunsch nach einer Veränderung kommt erst noch, wer weiß… Machen Sie jetzt mit mir eine kleine Reise. Sie haben es verdient, die ganze Wahrheit zu erfahren. Die unverblümte Wahrheit aller Beziehungsformen, die mir im Laufe meines langen Lebens begegnet oder vielleicht sogar selbst widerfahren sind. Vielleicht werden Sie sich in dem einen oder anderen Kapitel wiedererkennen und nach weiterer Studie dieses Buches feststellen, dass eine andere Beziehungsform als die jetzige, für Sie vielleicht die Passendere ist.

Wir sind alle so verschieden und quetschen uns doch in den meisten Fällen in staatliche, kirchlich oder gesellschaftlich vorgegebene Beziehungskorsette, die uns einschnüren und manchmal die Luft nehmen, um das Leben genießen zu können, was wir uns immer erträumt haben. Begleiten Sie mich nun auf eine Reise in die großartigen Facetten der Liebe, Eifersucht, Treue und Trennung und finden Sie sich am Ende bei sich selbst.

Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher. Vor allem in einer Hinsicht sind sie es meistens nachher. Vorher denken sie, dass sie ganz gewiss verschont bleiben, dass die Statistik des Scheiterns niemals von ihrem Fall gefüttert wird. Also tun sie es! Geschwister, Freunde und Kollegen, Nachbarn, Kronprinzen und Fußballer. Arme wie Reiche, Junge und Alte. Die eigenen Eltern haben es in der Regel getan. Man selbst tut es meistens auch irgendwann. Die Reue kommt später.

Um es gleich zu sagen: Ich habe mich nicht an diesen Ratschlag gehalten. Und wie fast alle Menschen, die heiraten, war auch ich eine Überzeugungstäterin. Bis es dann doch irgendwann schiefging. Mit 46 lebte ich in Scheidung. Mein bisheriges Leben war ausgewischt und mit dieser Leere musste ich nun leben lernen. Nachdem ich das Tief überwunden hatte, begann ich mir über die Liebe und die Ehe Gedanken zu machen und darüber, warum beides auf Dauer für die meisten Menschen so schwer unter einen Hut zu bringen ist – und weshalb wir dennoch von dem Traum, es könnte funktionieren, nicht loskommen.

Wer einmal beschlossen hat, zu dem zarten, empfindlichen und romantischen Gefühl der Liebe müssten zwangsläufig Heirat, Leidenschaft und Ewigkeit gehören, hat dieser sich selbst keinen Gefallen getan. Aber wie sollten wir denn nicht von der Ehe träumen? Literatur und Kino, Magazine und Fernsehserien stellen sie nach wie vor als das romantische Ziel schlechthin dar – obwohl sie sich vor ihrer Darstellung drücken. Beschrieben wird vor allem das davor, nicht das danach. Das strahlende Paar, das sich endlich bekommen hat, steht nun vor dem Traualtar. Happy End?

Man stelle sich diese ganzen selig lächelnden Händchenhalter nur einmal fünf Jahre später vor. Eine der wenigen Ehen, bei der die Liebe nicht flöten ging, war die von Romeo und Julia – weil diese beiden nicht mehr dazu kamen, sie im leidigen Alltag zu verschleißen. Aber Warnungen sind gerade in der romantischen Domäne nicht willkommen. Wir hegen eine Idealvorstellung von der Liebe als einem totalen Gefühl – und tun uns mit der Verwirklichung schwerer denn je. Doch gerade weil es mit der Umsetzung dieser Phantasie so hapert, träumen wir weiterhin von ihrer Erfüllung.

Eine Antwort auf diese maßlose, aberwitzige Sehnsucht ist die ständige Erfindung von immer neuen Verhaltensratschlägen, die jedoch nie eine wirkliche Gebrauchsanweisung für die Liebe ergeben. Dass Männer anders sind und Frauen auch haben wir zur Genüge erfahren. Und doch sind schon Adam und Eva irgendwie miteinander ausgekommen, ohne Ehering und trotz Schlange und Apfel; und die trieb- und zweckorientierten Sippschaften von der Eiszeit bis zum Mittelalter waren offenbar auch nicht ganz unglücklich. Über Jahrhunderte war die Ehe als wirtschaftliches und soziales Zweckbündnis fest etabliert. Doch dann brach mit der Literatur die Liebe über uns herein und seither regiert das Chaos.

Es schien mir an der Zeit, die Verstiegenheit der gefühlsmäßigen Ansprüche nicht nur in Frage zu stellen, sondern sie, wo immer möglich, auch zu heilen. Es gibt zahllose menschliche Verbindungen, die eigens dazu geschlossen scheinen, den anderen verrückt zu machen – und die, spätestens nachdem sie durch die Ehe gesellschaftlich anerkannt sind, auch harmlose Zaungäste in Mitleidenschaft ziehen. Erstaunlicherweise werden in einer Zeit, die für ihr Sicherheitsstreben bekannt ist, die Gefahren, die mit der Hochzeit beginnen, lächelnd ignoriert. Dabei drohen die schlimmsten Entgleisungen nicht im Rotlichtmilieu, sondern in der Reihenhaussiedlung, im Einfamilienhaus mit Vorgarten, in Hinterhofwohnungen und Etagenbehausungen. Glaubt man Kriminalstatistiken und Psychologen, ist die Ehe eine geradezu lebensbedrohliche Angelegenheit. Dennoch hat man vor die Zulassung zur Hochzeit noch immer keine Prüfung gesetzt, bietet keine Eherücktrittsversicherung an und lässt keinen Fragebogen ausfüllen, anhand dessen festgestellt wird, ob die Partner überhaupt zueinander passen. Zugegeben, es hat auch Vorteile, verheiratet zu sein. Verheiratete Männer leben angeblich länger und gesünder, die Ehe verschaffte schon manchem die notwendigen Sozialpunkte, um von der Kündigung verschont zu bleiben. Der Ehering steht Dicken wie Dünnen, und die allgemeine Vorliebe für Possessivpronomen verleiht den Begriffen »mein Mann« und »meine Frau« den Klang süßer Musik. Man mag vielleicht ab und zu einsam zu zweit sein, aber in jedem Fall ist man in Gesellschaft. Über die Vorzüge der Ehe ließe sich ein ganzes Buch schreiben – dies ein anderes Mal…

Natürlich ist jede Ehe anders. Und auch wieder nicht. Wenn man sich aufmerksam umschaut, fallen unterschiedliche Typen auf. Da gibt es beispielsweise den Partner, der sein Glück, geliebt zu werden, gar nicht fassen kann und den anderen daher argwöhnisch und eifersüchtig überwacht, ob er nicht doch ein Zeichen von Untreue findet. Jeder kennt den entzauberten Prinzen, der zum Rüpel wird, oder die Prinzessin, die sich plötzlich als Zicke entpuppt, sobald sie sich nach der Hochzeit sicher wähnt. Es gibt die smarte Schöne, die sich ihres Ehemanns, kaum, dass sie ihn sich geangelt hat, überdrüssig ist, und den eingefleischten Junggesellen, der keinen Grund sieht, sein Single-Verhalten nach Verlassen des Standesamts zu ändern, getreu dem Motto: »Festhalten und weitersuchen!« Es gibt Eheleute, die wie siamesische Zwillinge auftreten, und solche, die anscheinend nur heiraten, damit sie sich dank der Hochzeitsvorbereitungen endlich einmal wieder etwas zu erzählen haben. Aber nicht nur die Beteiligten, auch ihre Partnerschaften unterliegen bestimmten Mustern. Ob Künstler oder Schauspieler, Schriftsteller oder Philosophen, geschichtliche Gestalten oder Romanfiguren: An ihren Ehen lässt sich die Macht des Begehrens, die Gewalt der Leidenschaft, die Hoffnung auf Vereinbarkeit des Feuers der Liebe mit dem Wasser des Alltags ablesen – spannender und lehrreicher als in der Illustrierten beim Friseur. Zwar entspricht der Weg zur Ehe noch immer dem traditionellen Muster: verlieben, verloben, Heirat, Kinder – zusammen sein, »bis, dass der Tod Euch scheidet«. Aber in zwei von drei Fällen ist es nicht mehr der Tod, der Ehen scheidet, sondern der Alltag, eine andere Frau oder ein anderer Mann, der Beruf, Langeweile, der Traum von der Selbstverwirklichung, Eifersucht, Unzulänglichkeit oder schlicht unheilbare Inkompatibilität.

Die Liebe ist der Versuch der Natur, den Verstand aus dem Weg zu räumen; die daraus nicht selten resultierende Ehe ist der Versuch des Menschen, zu zweit mit Problemen fertigzuwerden, die man alleine nie gehabt hätte. Alle Beobachtungen des ungeheuren Ehealltags geben dem Historiker Recht. Die Taktiken und Strategien der Liebe, ob im Taumel der Verliebtheit, im Glück der Zweisamkeit, in der Qual des Zweifels oder im Schmerz der Trennung, machen Ehepaare interessant.

So lässt sich nicht nur eine tröstliche Wiederkehr des immer Gleichen, sondern auch eine Weiterentwicklung des Paarverhaltens beobachten! Diese Weiterentwicklung vollzieht sich in sieben Stadien bis hin zur Krönung der Zweisamkeit, dem, was sich als ideale Beziehung beschreiben lässt. Doch folgen diese sieben Stadien keiner zwangsläufigen Chronologie, im Gegenteil: Manche Menschen machen im Laufe ihres Lebens alle sieben Phasen durch, manche erleben nur zwei oder drei davon. Alle jedoch werden sich an der einen oder anderen Stelle wiederfinden.

Und so führt die Entwicklung der Ehe, die dieses Buch beschreibt, nicht linear vom dritten Kellergeschoß in den siebten Himmel, sondern sie ist ein Kreislauf, in dem sich jeder mal ganz oben und mal ganz unten befindet. Die gute Nachricht ist: Kein Stadium ist permanent. Und jedes lässt sich individuell zur idealen Beziehung ausbauen.

Innerhalb dieser Entwicklung der Zweisamkeit ist die weitverbreitete Liebesheirat ganz unten anzusiedeln: Sie trägt das unwägbare Gefühl, auf das sie gründet ist, bereits im Titel. Doch was für Paare wie Romeo und Julia, Napoleon und Josephine oder Ingrid Bergmann und Roberto Rossellini gut genug war, taugt allemal noch als Vorbild: Längst ist die Liebesheirat nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Da Leidenschaft jedoch bekanntlich nie von langer Dauer ist, nimmt die Verbindung, falls sie nicht ohnehin zerbricht, rasch den klassischen Verlauf und mündet im ruhigeren Fahrwasser der konventionellen Ehe.

Diese Form der Ehe setzt auf die patriarchalische Arbeitsteilung. Die Frau bleibt zu Hause bei den Kindern, Küche und Kühlschrank. Der Mann zieht in die Welt hinaus und schafft das Geld heran. Wo Hausfrauen verzweifeln, ist das Frustrationspotential indes für beide Seiten hoch. Nicht jeder fühlt sich zum Dasein als bessere Hälfte berufen. Wer vor der Ehe viele Sozialkontakte pflegte, und regelmäßig am Wochenende in Bars und Diskotheken unterwegs war, wird feststellen, dass sich der Alltag wie Handschellen um das eigene Ich legt.

Wenn man schon auf die Dauerhaftigkeit des Gefühls und die vermeintliche Sicherheit der klassischen Ehe nicht bauen kann, dann vielleicht auf die pure Vernunft? Zweckbündnisse, geschlossen aus solider Liebe zur Macht oder zum Geld für die Dynastie oder als Alibi, sind auch in unseren liebestollen Zeiten keineswegs so selten, wie man vermuten würde. Sie bilden das dritte Stadium der Eheentwicklung. Die relative Haltbarkeit solcher Vernunftehen beweist, dass das Gefühl dem Verstand durchaus folgen kann – solange dem beschaulichen Glück nicht Langeweile oder eine plötzliche Leidenschaft in die Quere kommen.

Gemäß dem Motto »Neue Runde, neues Glück!« suchen dann auch immer mehr Menschen unverdrossen mit einem neuen Partner jene Erfüllung, welche die alte Beziehung nicht mehr bieten konnte. Und so bildet die Mehrfach-Ehe das vierte Stadium der Entwicklung der Zweisamkeit.

Aber sind all jene, die zum zweiten, dritten oder vierten Mal heiraten, wirklich glücklicher als die idealistischen Anfänger? Haben sie aus den Fehlern und Scheidungen gelernt oder sind die Unterschiede zwischen den Ehegatten doch so gering, dass man besser gleich beim Ersten geblieben wäre?

Wer an seiner Ehe festhalten möchte und doch nach Abwechslung trachtet, kommt vielleicht mit der immer mehr verbreiteten Ehe zu dritt zurecht. Die Ehe zu dritt, diese fortschrittliche und in vieler Hinsicht zeitgemäße Ehe-Form, steht daher an fünfter Stelle der Entwicklung. Dass sich solche Menage a Trios trotz gewisser Vorteile für beide Gatten nur selten als haltbar erweisen, liegt vor allem daran, dass diese eigentlich ehrlichste Ehe-Form meistens als Lüge gelebt wird – und so wird manch stabiler Ehe die verdeckte Affäre zum Verhängnis. Am Ende gehen oft alle drei Beteiligten getrennte Wege.

Wer nach all dem Tumult einmal vom Liebeskarussell absteigt, ist in der Regel froh, einige Runden auszusetzen: Diese Solisten befinden sich im sechsten und vorletzten Stadium der Ehe-Entwicklung. Die zunehmenden Single-Raten sind ein wichtiges Indiz für die fortschreitende Liebesweisheit unserer Gesellschaft, denn es handelt sich dabei vor allem um Menschen, die lieber allein bleiben als in einer Beziehung, die sie nicht erfüllt. Den Singles geht es nicht anders als allen anderen auch: Sie träumen von der idealen Beziehung – nur sind sie näher dran als jene, die sich noch auf einer niedrigeren Stufe der Eheentwicklung abmühen. Doch beruhigender Weise steht die ideale Beziehung jedem offen, den Singles ebenso wie den leidenschaftlich oder der auch schon abgekühlt Verheirateten, eine romantische Liebe wie zwischen Jack und Rose (Titanic), Romy Schneider und Alain Delon. Aber was macht eine ideale Beziehung aus? Das erfahren Sie am Ende dieses Buches.

»Wenn nun jemand rechte Ursache anzeigen kann, warum sie nicht miteinander verbunden werden sollten, so spreche er jetzt oder schweige für immer.« Warum folgt auf diesen Satz am Traualtar stets allgemeine Stille? Weshalb springen nicht gleich mehrere Freunde auf und erheben die Stimme zum Einspruch? Dieses Buch will auf eigene Weise sprechen, laut und deutlich, um all diese stillen Momente zu füllen, um all die Ehen zu verhindern, die trotz besseren Wissens, aus Langeweile, Pragmatismus oder aus Konvention geschlossen werden, und damit zahllose Liebesbeziehungen zu retten, bevor es zu spät ist. Es versteht sich als eine Einladung zum Spiel – mit Möglichkeiten, Bedürfnissen und Sehnsüchten. Ein Gedankenspiel, das als Erkenntnisgewinnung um die Ehe kreist und von ihren erstaunlichen Varianten erzählt. Vor allem aber handelt es davon, warum es in jeder Hinsicht klüger, gesünder, freudvoller und lohnender ist, NICHT zu heiraten – und wie sich die romantische Zweisamkeit dennoch bewahren lässt. »Ich habe die Ehre, nicht um deine Hand anzuhalten« sagte einst ein französischer Dichter. Ein Plädoyer also gegen die Ehe? Im Gegenteil. Vielmehr der gut begründete Vorschlag, alles miteinander zu tun – außer zu heiraten. Denn wer sich traut, auf die Annehmlichkeiten der Ehe zu verzichten, wird reich belohnt. Die wahren Romantiker sind heute diejenigen, die auf Sicherheit, Steuervorteile und Ehevertrag pfeifen. Sie haben begriffen, dass Liebe eine Menge Arbeit ist, bei der es nicht genügt, den richtigen Menschen zu finden, denn man muss auch selbst der richtige Mensch sein. Es gilt, sich guten Mutes auf eine lebenslange Anstrengung ohne Erfolgsgarantie und Haltbarkeitsversprechen einzustellen – mit großartigen Folgen für Leib und Seele. »Lieben belebt« versprach schon Goethe, der es wissen musste. »Lieben heißt zu kämpfen, ohne jemals gewinnen zu wollen« meine ich an dieser Stelle!

Die romantische Ehe

Beim Gedanken an eine Liebesheirat schlagen die Herzen unweigerlich höher. Hier haben wir sie: Die romantische Ehe! Die Hochzeit als Krönung einer Amour fou*! Lebenslange Liebe und Leidenschaft mit Stempel eines Notars. Die Beispiele sind so zahlreich wie inspirierend: Allen voran Romeo und Julia, Orpheus und Eurydike, Napoleon und Josephine, Richard Burton und Liz Taylor, John Lennon und Yoko Ono. Die meisten dieser Liebespaare sind so berühmt, dass schon die Erwähnung ihrer Vornamen ausreicht, um Geschichten von wilder, wahnsinniger, hingegebener und hoffnungsloser Passion ins Gedächtnis zu rufen. Fasziniert betrachten wir ihre Bilder und lauschen ihren Schicksalen. Tatsächlich haben die meisten dieser berühmten Liebesgeschichten ein schlechtes Ende genommen. Auf manche große Liebe folgte die große Beschimpfung wie bei Mia Farrow und Woody Allen. Andere Leidenschaften endeten mit Mord (Othello und Desdemona) oder Selbstmord (Antonius und Kleopatra; Werther und Lotte) oder völliger Selbstaufgabe und Verzweiflung (ich). Auch in Mythologie und Fiktion gehen große Lieben gerne tragisch aus, wie bei einem meiner Lieblingspaare: Jack und Rose aus dem Film Titanic. Die Natur hat uns wunderbar ausgestattet. Mit Sinnesreizen und chemischen Substanzen, die im Bruchteil einer Sekunde auf das Gegenüber reagieren. Die Gesetze der Chemie und die Schaltstellen in unserem Gehirn verarbeiten diese Informationen und wir wissen sofort, ob ein Mensch es »rein biologisch« wert ist, sich mit uns zu vermehren. Gehen wir nun davon aus, dass der Richtige vor uns sitzt und es ein paar Stunden später zum ersten Kuss kommt, dann laufen unseren Synapsen auf Hochtouren und werten auch noch die gemeinsamen Gene auf Stimmigkeit im Erbgut aus. Wenn sich dann nicht einer von Beiden als völlig beziehungsunfähig herausstellt, steht einer kommenden Beziehung nichts mehr im Wege.

In den kommenden Tagen nach diesem ersten Kuss werden so viele Hormone ausgeschüttet, dass es unmöglich wird, vom anderen zu lassen. Fotos des Geliebten, werden in seiner Abwesenheit mit Verzückung betrachtet und eine längere Trennung verursacht fast körperliche Schmerzen. Das mag nach Romantik klingen, aber in Wirklichkeit sind es Drogen, die der Körper selbst herzustellen vermag und denen wir für mehrere Wochen hilflos ausgeliefert sind.

Sie verschleiern uns den Blick auf das Wesentliche. Nämlich auf den Menschen, der hinter diesem Vorhang von Verliebtheit steckt. Aber trotz dieses Schwindels haben wir in dieser Phase die größte Chance auf eine dauerhafte Beziehung, wenn…. wir unsagbar viel Sex mit eben diesem Partner haben. Sex ist der Schlüssel zu einer langen, harmonischen und liebevollen Beziehung, wie wir sie uns alle wünschen. Zwei Hormone werden in der Erwartungsphase und beim Akt selbst ausgeschüttet, die das Erinnerungsvermögen an diese Gefühlsexplosionen verstärken und ankurbeln. Wie sinnvoll solches Treiben ist, zeigt die Betrachtung der Neurochemie des Orgasmus. Oxytocin, das bei beiden Geschlechtern während des Höhepunkts ausgeschüttet wird, ist ein Mittel des Friedens. Wie viele Versuche bestätigen, fördert es die Anhänglichkeit und wirkt Aggressionen entgegen. So dient also »viel Sex« als wesentlicher Bestandteil für langfristige Bindung! Vielleicht habe ich Ihnen jetzt eine Illusion genommen, die von ewiger Liebe und Romantik. Genau das will ich damit bewirken, damit wir verstehen, wie Gefühle entstehen und warum etwas so ist, wie es ist! Sie können auch das Buch wieder zuschlagen und sich einen Liebesroman kaufen. Doch wenn Sie die Erkenntnis über die Kniffe einer guten Beziehung erfahren wollen, dann lesen Sie einfach weiter.

Keine Frage: Nichts ist so aufregend wie taufrische Verliebtheit. Wenn die Schmetterlinge im Bauch sich nur nicht allmählich beruhigen würden. Sie gehen langsam aber stetig in ein angenehmes Kribbeln und schließlich in ein wohlig warmes Gefühl über. Man gewöhnt sich nach und nach an die Präsenz des anderen in seinem Leben. Erst an den allabendlichen Anruf, dann an die gemeinsamen Wochenenden, schließlich an die zusammen geplanten Einladungen und Reisen. Es wird stetig ruhiger – nicht weniger schön, aber doch weniger spannend. In den meisten Fällen bedarf es irgendwann nach der ersten Verliebtheit, dem zweiten Blick und dem dritten Jahr eines neuen dramaturgischen Höhepunkts. Die Gründe dafür, die verbindlichste aller Fragen zu stellen, können erschreckend banal sein, wie Hugh Grant im Film Vier Hochzeiten und ein Todesfall anklingen ließ: »Du meinst, die Ehe sei bloß eine Möglichkeit, eine peinliche Pause in der Konversation zu umgehen?«

Die Zeitspanne, die vom Entschluss zu heiraten bis zum tatsächlichen Hochzeitstag vergeht, wird in unserer Kultur glorifiziert und katapultiert die Liebe noch einmal in neue ungeahnte Höhen. Das bestätigen auch Forscher, die herausgefunden haben, dass die Zufriedenheit der Partner miteinander um den Zeitpunkt der Hochzeit am größten ist. Dabei ist die Vorbereitungsphase für den großen Tag in der Realität einfach nur besonders anstrengend. Angefüllt mit Vorbereitungen, Planung und Wettersorgen, Anproben und Probe-Essen. Und dann ist er plötzlich da, der angeblich schönste Tag im Leben. Die ganze Welt freut sich mit dem Paar, schreibt, gratuliert und schenkt. Zustimmung pur. Es ist verblüffend. Diese einzigartige, sonderbare und beflügelnde Erfahrung liefert mehr als genug Gesprächsstoff für die obligatorisch folgenden Flitterwochen, die man fast komplett mit dem Wiederkäuen des Hochzeitstages verbringen kann: Was Sabine anhatte und wie Thorstens Rede ankam und wie seltsam das Geschenk von Tante Inge ausgefallen ist. Und dann ist es plötzlich vorbei.

Verliebt, verlobt, verheiratet*. Beim gleichnamigen Ballspiel scheidet man an dieser Stelle aus. Ein ritueller Zyklus ist an sein Ende gelangt. Der nächste Schritt heißt in vielen Fällen: geschieden. Die Ehe besiegelt eine leidenschaftliche, eine große, mit viel Glück sogar die große Liebe – mit der es dann oft rasch vorbei ist, wenn der Alltag beginnt. In manchen Fällen lässt er sich jahrelang abwehren, aber irgendwann ist er unwiderruflich da. Sich zu arrangieren, Pflichten zu übernehmen, Verantwortung zu tragen, gehört zu jeder Liebesbeziehung, die länger währen soll als ein paar Wochen. Der Alltag ist für die meisten Menschen gleichbedeutend mit Monotonie, Banalität und Sorgen – eben das, wovon man Ferien macht. Das weiß man. Was man nicht weiß oder jedenfalls nicht wahrhaben will, ist, dass der Ehestand nichts, aber auch gar nichts daran ändert.

Solange wir verliebt sind, interessiert uns alles am anderen brennend. Wir verfolgen fasziniert, welchen Teil der Zeitung er als erstes liest, registrieren seine Badezimmerrituale und merken uns, wie er seinen Kaffee trinkt. Aber dann lässt die Aufmerksamkeit allmählich nach und ungefähr zur selben Zeit fällt uns auf, dass es dem anderen mit uns skandalöser Weise nicht anders geht. Die Enttäuschung darüber wiegt umso schwerer, als dass Glashausbewohner mit Wortsteinen zurückhaltend sein müssen. Forscher vermuten, dass der Rausch der Leidenschaft Frauen wie Männer blind gegenüber vielen charakterlichen Eigenschaften ihres Partners macht. Wir verlieben uns meistens zunächst tatsächlich in das Aussehen des anderen, nicht in sein Wesen. Unterschiedliche Charaktereigenschaften werden in diesem ekstatischen Zustand nicht nur geduldet, sondern sogar als spannend und bereichernd wahrgenommen. Diese Faszination sorgt dafür, dass wir uns zu einem gründlicheren, gegenseitigen Auskundschaften zusammentun. In dieser Zeit steigt der Serotoninspiegel im Körper der Verliebten, der zuvor auf einen krankhaft niedrigen Pegel abgesunken war, wieder auf Normalniveau an: Der Gemütszustand der Zwangsneurose, dem die Verliebtheit so ähnelt, ist abgeklungen. Jetzt kommen nicht nur die legendären Bindungshormone erneut ins Spiel, sondern endlich auch die Persönlichkeiten. Und von da an wird es kompliziert.

Denn die Liebe ist, ganz anders als die großmütig veranlagte Leidenschaft, pedantisch. Sie verlangt mehr als lediglich aufregende Gefühle mit einem fremden Wesen, das gut aussieht und sich auch schön anfühlt. Und im Gegensatz zu unserer biochemischen Unterleibsmaschinerie findet die Liebe im Kopf Gegensätze überhaupt nicht anziehend, sondern sie steht auf Ähnlichkeit aus Bequemlichkeit. Denn je ähnlicher ein Mensch uns ist, umso leichter fällt es uns, ihn zu verstehen und sein Verhalten nachzuvollziehen. Ähnlichkeit vermittelt uns daher Sicherheit und Geborgenheit, während das Fremde uns nach anfänglicher Neugier mehr und mehr irritiert. Bei Frischvermählten wird neben der hormonellen Ablenkung durch die leidenschaftliche Verliebtheit der Zusammenprall der Charaktere allerdings noch durch etwas Anderes hinausgezögert: zunächst ist schlicht das Glück, verheiratet zu sein, daran schuld. Alle Ehestudien kommen diesbezüglich zum selben Ergebnis: Verheiratete fühlen sich besser als Singles. Hat also die Hoffnung von der Liebe als Zweierglücksfabrik doch nicht gelogen? Die Antwort der Forscher ist ein entschiedenes »Jein«. Langzeitstudien belegen, dass glückliche Menschen in der Regel häufiger heiraten als solche, die sich selbst als weniger glücklich einschätzen. Aber auch die Heirat selbst stimmt froh. Je näher der Hochzeitstermin rückt, umso glücklicher fühlen sich die Partner. Der zum Zeitpunkt der Heirat erhöhte Glückspegel hält die Verheirateten nur noch ein bisschen zufriedener als wenn sie nicht geheiratet hätten. Der Stolz, das gemeinsame Ziel erreicht zu haben, verebbt.

Während jedoch bei Frauen die Lebenszufriedenheit im Verlauf der ersten Ehejahre rasant abnimmt und nach vier Jahren ganz verschwunden ist, sind Männer nach drei Jahren Ehe im Durchschnitt noch fast so zufrieden wie zum Zeitpunkt der Heirat. Dazu passt, dass bei vier von fünf Scheidungen der Trennungswunsch von weiblicher Seite ausgeht, was Soziologen wiederum darauf zurückführen, dass Frauen heute wirtschaftlich selbstständiger sind und sich die Trennung daher finanziell viel eher erlauben können als früher. Doch die ökonomische Unabhängigkeit ist nur der zweite wichtige Faktor. Denn je weniger Frauen heute auf den Mann als Versorger angewiesen sind, ist dieser umso stärker als emotionaler Partner gefragt – und wenn er als Bezugsperson versagt, gibt es für Frauen oft keinen Grund mehr, bei ihm zu bleiben. Umso erstaunlicher mutet es da an, dass eine Heirat die männliche Lebenserwartung um vier Jahre in die Höhe schnellen lässt – offenbar hat der Mann noch gar nicht richtig begriffen, dass er in der Ehe stärker gefordert ist denn je.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Das Glück in der Ehe, wo vorhanden, ist so individuell wie die Beziehungen, aber es lässt sich zumindest teilweise durch objektiv fassbare Faktoren erklären. So wird die subjektive Zufriedenheit in der Ehe durch die größtmögliche Übereinstimmung der Partner; beispielsweise ein ähnliches Ausbildungsniveau, vergleichbare familiäre Hintergründe und gleich religiöse Auffassungen, eindeutig unterstützt. Starke Unterschiede, was Alter, Wissen und Herkunft angeht, machen sich dagegen fast immer negativ bemerkbar. Allerdings würde kaum noch jemand heiraten, wenn er den bedrückenden Statistiken Bedeutung für sein eigenes Leben zubilligte. Letztlich glauben die meisten Menschen, dass der Regelfall sich auf sie selbst ohnehin nicht anwenden lässt. Es sind immer die anderen, von denen man annimmt, dass sie einen Autounfall haben, an Krebs erkranken oder in der Ehe Schiffbruch erleiden werden. Allerdings ist der »Überoptimismus«, wie Forscher diese Haltung nennen, in der Ehe leichter zerstörbar als in anderen privaten Bereichen: Den Beruf kann man wechseln, ein Hobby auch. In der auf Ewigkeit angelegten Ehe hingegen ist die tagtägliche Auseinandersetzung mit dem anderen gefragt – und mit den gegenseitigen Ansprüchen. Die Glückszuversicht kollidiert zusehends mit den Alltagssorgen. Gemessen an unseren Erwartungen, ist die Realität fast immer enttäuschend. Wo in der Liebesehe nichts als Gefühle und Hormonseligkeit den Zusammenhalt garantieren sollen, ist die Trennung immer schneller eine Möglichkeit. Da genügt es schon, dass der wechselseitige Beglückungsprozess sich verlangsamt und schließlich ganz ins Stocken gerät. Familiensoziologen haben noch eine andere Ehe-Rechnung aufgemacht; die Kosten-Nutzen-Analyse, bei der Ehe-Hindernisse und Alternativen berücksichtigt werden. Je niedriger die Trennungs-Barrieren und je verlockender die außerehelichen Möglichkeiten, desto gefährdeter sind selbst glückliche Ehen, stellen sie fest. Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass angeknackste Beziehungen halten können, wenn die Umstände sie dazu zwingen und kein Ausweg in Sicht ist. Günstig ist es zum Beispiel, wenn nicht so früh geheiratet wird: Sind die draufgängerischen Zeiten der Zwanziger überstanden, sinkt das Scheidungsrisiko beim Mann um zwei, bei der Frau gar um sieben Prozent pro Lebensjahr. Hat die Frau dagegen ein höheres Bildungsniveau als der Mann, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung um fast fünfzig Prozent. Gemeinsamer Besitz, etwa von Immobilien, verringert die Gefahr der Trennung um sagenhafte 54, gemeinsame Kinder dagegen nur um 40 Prozent. Demnach hätten mein Mann und ich eigentlich beste Chancen haben müssen: Wir haben kirchlich geheiratet, was das Scheidungsrisiko um 40 Prozent verringert, haben beide den christlichen Glauben, was die Trennungswahrscheinlichkeit um starke 72 Prozent senken soll, wir waren beide nahezu gleich alt und wir hatten keinen Ehevertrag abgeschlossen. Auch was Familienhintergrund, Bildungsgrad und Wertvorstellungen angeht, war die von Soziologen empfohlene Ähnlichkeit durchaus vorhanden. Ist das Schiff der Liebe also an den Klippen des Alltags zerschellt, wie der Dichter Majakowski schrieb? Oder macht man es sich mit dieser Erklärung zu einfach?

Es ist wohl doch eher die Vorstellung, die mit der Zeit brüchiger wird und schließlich zerbricht, als das Gefühl. In anfänglicher Verliebtheit erschaffen wir uns einen anderen Menschen, und um das lieben zu können, was wir täglich sehen, werfen wir alle Eigenschaften hinaus, die ihn ausmachen, und ersetzen es mit unseren eigenen Vorstellungen. Wir wollen im anderen uns selbst erkennen und sobald wir nicht mehr das eigene Spiegelbild, sondern einen Fremden entdecken wird uns angst und bange. Wenn die Liebe eine Himmelsmacht ist, dann ist die Verliebtheit ihr Erzengel, der gegen Bedenken, Furcht und Zweifel ankämpft wie Michael gegen den Drachen. Verliebtheit ist vielleicht die intensivste und stärkste Form der Hoffnung, dass das Glück andauern wird, wenn man es nur genug will. Die Liebe suggeriert ein Idealbild des anderen, eine magische Zustimmung in eine gemeinsame Zukunft. Die Liebe strapaziert unsere Vorstellung, die wir als rational denkender Mensch haben, aufs Äußerste. Einen Liebesbrief zu öffnen und die Worte zu lesen, die so treffend an einen selbst gerichtet sind, vermögen es, die Zeit anzuhalten und die Welt um uns herum vergessen zu lassen. Jeden kann sie finden, überall und zu jeder Zeit – es sei denn, ein Mensch ist gerade frisch verliebt, denn: »Verliebtheit ist das Einzige, was vor neuer Verliebtheit schützt.« In das Gefühl der Verliebtheit sind wir heute mindestens genauso verliebt wie in den jeweiligen Partner der es auslöst. Die Leidenschaft übt eine große Macht auf die Liebe aus. Gleichzeitig übermalt die Liebe die Realität des jeweiligen Partners.

Die Moleküle der Liebe

Warum aber lässt sich dieser beglückende Zustand nicht konservieren? Die Antwort ist so einleuchtend wie bedauerlich: Weil unser Gehirn diesen Zustand auf Dauer nicht aushalten würden. Evolutionspsychologen, Neurobiologen und Hormon-Forscher sind dem Phänomen Liebe mit Kernspintomographie, Hirnstrommessung und Blutanalysen zu Leibe gerückt. Sie haben herausgefunden, dass starke Verliebtheit die Hirnregionen abschaltet, in denen negative Gefühle wie Angst, Trauer und Aggression entstehen.

Allein der Anblick des geliebten Menschen kann also die Wirkung eines Aufputschmittels oder Antidepressivums haben. Sie kann den morgendlichen Espresso ersetzen und den Nachtisch am Nachmittag gleich dazu. Mehr noch: Hochgradige Verliebtheit und eine Zwangsneurose sind medizinisch gesehen im Gehirn kaum voneinander zu unterscheiden – kein Wunder, sind verliebte Turteltauben doch wie besessen vom Objekt Ihrer Begierde.