Eifler Zorn - Elke Pistor - E-Book

Eifler Zorn E-Book

Elke Pistor

4,8

Beschreibung

Niemand kennt den Jungen, der tot unter Abrisstrümmern gefunden wird, niemand vermisst ihn. Hat die okkulte Sekte, die im Nationalpark Eifel angeblich ihr Unwesen treibt, etwas mit der schrecklichen Tat zu tun? Der Fund einer weiteren Leiche lässt die Gerüchteküche brodeln. Verleumdung, Schikanen und Missgunst greifen um sich und machen auch vor Kommissarin Ina Weinz nicht Halt. Als ihre Stieftochter verschwindet, erkennt Ina die große Gefahr: Wird Henrike das nächste Opfer sein? Stimmige Dialoge, lebensnah gezeichnete Figuren und ein spannender Plot mit überraschenden Wendungen machen "Eifler Zorn" zu einem echten Lesevergnügen - nicht nur für Eifel-Krimi-Fans.

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Seitenzahl: 315

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Elke Pistor, Jahrgang 1967, ist in Gemünd in der Eifel aufgewachsen. Nach dem Abitur in Schleiden zog es sie zum Studium nach Köln, wo sie nach einem Zwischenstopp am Niederrhein bis heute lebt. Sie arbeitet als freie Seminartrainerin in der Erwachsenenbildung und leitet Schreibworkshops. Im Emons Verlag erschienen die Eifelkrimis »Gemünder Blut« und »Luftkurmord« sowie der Mysteryroman »Das Portal«.

Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig.

© 2012 Hermann-Josef Emons Verlag Alle Rechte vorbehalten Umschlagfoto: Elke Pistor mit freundlicher Genehmigung von Martha Reif-Kändler und Wolfgang Kändler, Café Nohner Mühle, Nohn Umschlaggestaltung: Tobias Doetsch eBook-Erstellung: CPI – Clausen & Bosse, LeckISBN 978-3-86358-127-5 Eifel Krimi Originalausgabe

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So still,

dass jeder von uns wusste,

das hier ist

für immer.

Für immer und ein Leben.

Prolog

Speichel läuft aus seinem rechten Mundwinkel den Hals hinab bis unter das Hemd. Der ölige Leinenstoff füllt seinen Mund, lässt ihm keine Luft zum Atmen. Metallischer Geschmack. Würgereiz. Er hebt den Kopf, schiebt mit der Zunge, zerrt und stemmt sich über den stechenden Schmerz in seinem Kiefer hinweg gegen den Widerstand des Knebels. Er schließt die Augen. Sie haben ihn fest verschnürt. Ein Tier vor dem Schlachter. Er hat sich nicht gewehrt. Schweigend nachgegeben, als sie seine Arme weit über die Platte nach vorne zogen, die Beine spreizten und ihn an allen vier Gelenken mit groben Seilen festbanden. Jetzt schlagen sie ihn, wahllos gehen die Hiebe auf seinen Kopf, seinen Rücken und auf seinen Hintern nieder, während er ihren Blicken ansieht, dass sie auf ein Stöhnen warten. Einen Laut, den er von sich gibt, als Reaktion auf das, was sie ihm antun. »Die Ordnung wiederherstellen«, so nennen sie es. Eine Ordnung, die sie bestimmen, die ihren Grundsätzen gehorcht, nicht den Regeln, die er kennt, und gegen die er verstoßen hat. Deswegen ist er jetzt hier. An seiner Leiste spürt er die harte Kante des Tisches. Zwischen den Schlägen scharren Schritte über den Boden, nähern sich ihm langsam. Jemand herrscht Befehle, einen Namen. Das kann nicht sein. Er versucht, den Kopf zu drehen, zu sehen, ob es stimmt. Ob er gekommen ist, um ihm noch mehr Leid zuzufügen. Aber es gelingt ihm nicht. Und es hat auch keine Bedeutung mehr, denn sie ist da. Steht neben der Tür in ihren Kleidern, die sie von den anderen unterscheiden. Ihren Rang deutlich hervorheben und für jeden sichtbar machen, damit keine weiteren Grenzen überschritten werden. Sie haben sie hierher gebracht, damit sie zusieht, was mit einem wie ihm geschieht, bevor sie sie verjagen. Er riecht sie, ihren Geruch nach Sommer, der in diesem Haus so fremd und falsch ist. Verzweifelt presst er seine Wange gegen die Tischplatte und spürt die Nässe. Seinen Speichel und die Tränen seines Vorgängers. Er möchte weinen dürfen. Aber diesen Triumph gönnt er ihnen nicht. Er wird stark bleiben, nicht jammern und bitten und Besserung geloben, er wird … Der nächste Schlag trifft ihn auf den Oberschenkel. Die Dornen fressen sich in sein Fleisch wie die Zähne eines kleinen Tieres. Spitz und scharf und unnachgiebig. Schwarzdornäste. Daumendick. Er versucht sich zu erinnern, wie der Busch im Frühjahr ausgesehen hat, aber das Bild zerplatzt in einer Blase aus Schmerz, als die Schläge immer schneller kommen und er den Mann hinter sich keuchen hört. Ob vor Anstrengung oder vor Genuss, wie er manchmal denkt – er kann es nicht unterscheiden. Rücken, Beine, Arme. Rohes Fleisch. Jemand schreit mit seiner Stimme. Dumpf. Unterdrückt. Er ringt nach Luft, windet sich, sucht einen Ausweg aus alldem, will weg, nur weg von diesem Schmerz, der ihn umhüllt, ihn schluckt und verschlingt. Er spürt, wie sein Körper zuckt, als die Schläge ausbleiben. Stille. Er hört sie weinen. Schritte scharren. Zögern. Befehle. Neue Dornen brennen ihn. Ungezählt. Jagen sein Herz, bis es stolpert. Ihr Schluchzen wird zu einem Wimmern. Sein Blick sucht das Fenster. Der Hof. Dahinter, über dem flachen Dach des grauen Anbaus, der Wald. Dunkel und grün. Saftig und voller Leben. Kühle. Schatten. Geborgenheit. Hier hat er sie geküsst. Hier hat sie ihn geküsst. Hier haben sie einander die Welt versprochen, wie sie für sie nie sein würde. Er schließt die Augen. Spürt nichts mehr. Die kühlen Schatten des Waldes nehmen ihn auf. Tragen ihn weich.

EINS

Die schwere Maschine unter ihr schwankte, glitt wie ein Lebewesen vorwärts. Bianca spürte die Vibrationen des Dieselmotors, die kleinen Zuckungen des Schwenkarms und hörte das Knirschen der Ketten. Feinarbeit. Die Hydraulik zischte, als sie den Steuerknüppel umlegte, den Arm ausfuhr und das Ende positionierte. Ihre Fingerspitzen kribbelten, als ob ihre Nerven eine direkte Verbindung zu den Metallzähnen am vorderen Ende der Baggerschaufel eingegangen wären. Sie grinste. Das war es, was Udo, ihr Lehrer, gemeint hatte. »Wenn du es richtig drauf hast, bist du der Bagger.« Sie hatte es drauf. Entgegen aller Skepsis und unzähliger hochgezogener Augenbrauen, denen sie begegnet war. Rehaugen, eine Lockenmähne und zierliche ein Meter fünfundfünfzig stellten nicht die idealen Voraussetzungen dar, um sich auf einer Baustelle zu behaupten. Aber nach einem halben Jahr hatten alle Kollegen in der Firma begriffen, dass man ihrem Mundwerk die fehlende Größe nicht vorwerfen konnte, und sie ohne Einschränkung als »einen der ihren« akzeptiert, der eine früher, der andere später.

Ihr Vater hatte getobt, als er von ihren monatelangen Lügen und ihrem Doppelleben erfahren hatte. Warum der Studienabbruch?, wollte er wissen. So kurz vor dem Abschluss. Mit diesen glänzenden Perspektiven. Er hatte keine Chance, es zu verstehen, selbst wenn sie versucht hätte, es ihm zu erklären – dass er und sein Verhalten ein Teil von allem waren. Der Druck, das immer enger werdende Korsett, die Fassade, die um jeden Preis aufrechterhalten werden musste, koste es, was es wolle. Sie war die erfolgreiche Tochter des erfolgreichen Vaters. Darunter ging es nicht. Bianca hatte ein Schulleben und beinahe ein komplettes Studium gebraucht, um zu verstehen, was daran nicht stimmte: Es war nicht ihr Wunsch, sondern seiner. Seine Erwartungen, die sie nicht enttäuschen durfte und wollte. Seine Vorstellungen, seine Werte. Er hatte ihr nie den Raum gegeben, zu entdecken, was ihr Eigenes hätte sein können. Es hatte wehgetan, sich ihm zu widersetzen, aber als sie ihre fixe Idee in die Wirklichkeit getragen und den Baggerführerschein gemacht hatte, fühlte sie sich zum ersten Mal richtig. Selbst.

Ab und an missverstand ein neuer Kollege die Blicke, die sich die anderen unter den Helmen zuwarfen, und tappte in die Falle. Wenn ihm aufging, dass die freudige Erwartung in den Augen der anderen seinem sicheren Abblitzen bei ihr galt und nicht ihrem Hüftschwung, war es meist zu spät, und er hatte sich bis auf die Knochen blamiert. Trotz der schweren Arbeitsschuhe, der weiten Hosen und Warnwesten als Schutzkleidung – im doppelten Sinn.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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