Ein Cottage in Hope Cove - Hannah Ellis - E-Book

Ein Cottage in Hope Cove E-Book

Hannah Ellis

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Beschreibung

Der Sommer, der alles veränderte… Lizzie Beaumont hat alles, was sie sich nur erträumen könnte: Erfolg in der Arbeit, einen wohlhabenden Verlobten und in nur wenigen Monaten wird sie ihre Traumhochzeit feiern. Aber als ihr Verlobter wieder einmal die Arbeit über sie stellt, fährt sie auf eigene Faust für eine Woche ins malerische Städtchen Hope Cove in Devon. Sie hofft, dass ihr die Auszeit dabei hilft, ihre Gedanken wieder ein wenig zu ordnen. Doch dann trifft sie auf Max. Als der gutaussehende Mann aus dem Cottage nebenan sie um Hilfe bei Renovierungsarbeiten bittet, schreitet Lizzie voller Elan zur Tat. Die Woche, von der sie geglaubt hatte, sie würde sich ewig in die Länge ziehen, vergeht plötzlich wie im Flug und bevor sie sich versieht, soll sie auch schon wieder in ihr altes Leben zurückkehren. Das Leben, in dem sie ihren Verlobten heiraten wird, den sie so sehr liebt. Das tut sie doch, oder? Nach einer Woche mit Max sieht sich Lizzie gezwungen, all ihre bisherigen Lebensentscheidungen zu überdenken. Ist ihr Verlobter wirklich der Mann ihrer Träume oder einfach der Mann, der ihr einen Antrag gemacht hat? Nun muss Lizzie entscheiden, wie ihr Leben in Zukunft aussehen soll. Wählt sie den sicheren, vorhersehbaren Weg oder wagt sie den Sprung ins kalte Wasser, mit einem Mann, den sie kaum kennt? Wofür sie sich auch entscheidet, ein Herz wird gebrochen werden. Sie hofft nur, dass es nicht ihres sein wird.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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EIN COTTAGE IN HOPE COVE

HOPE COVE BUCH 1

HANNAH ELLIS

Aus dem Englischen übersetzt vonDANIELA MAIZNER

Bearbeitet vonTHERESIA FINK

INHALT

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Ein Neuanfang auf Oakbrook Farm

Weitere Titel der Autorin (auf Deutsch)

Ein paar Worte der Autorin

Impressum

Hannah Ellis

c/o easy-shop

Kathrin Mothes

Schloßstraße 20

06869 Coswig (Anhalt)

Copyright © 2018 Hannah Ellis

Translation copyright © 2020 Daniela Maizner

Der vorliegende Roman ist Fiktion. Die darin enthaltenen Namen, Personen und Ereignisse entspringen der Fantasie der Autorin. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen, Ereignissen oder Orten sind dem Zufall geschuldet.

Der Inhalt dieses Buches darf nicht vervielfältigt oder kopiert werden.

Cover Design von Aimee Coveney

KAPITEL1

Erste Zweifel an ihrer Hochzeit kamen Elizabeth Beaumont beim Shopping mit ihrer Brautjungfer. Würde sie nicht heiraten, müsste sie auch die Qual nicht ertragen, mit ihrer Schwester einkaufen zu gehen. Ein Kleid und Schuhe, mehr brauchten sie doch gar nicht! Wie schwierig konnte das schon sein? Aber wenn sie in dieser Geschwindigkeit weitermachten, bräuchten sie noch eine zweite Einkaufstour – und sie war sich nicht sicher, ob sie eine solche durchstehen würde.

„Du hasst mich, oder?“, fragte Josie und zog die Beine ihrer abgerissenen Jeans nach oben, um die beigen High Heels zu begutachten, die sie gerade anprobierte.

„Natürlich hasse ich dich nicht“, entgegnete Elizabeth und ballte dabei ihre Hände zu Fäusten. Dann atmete sie tief ein und entspannte ihre Finger wieder. „Aber es ist meine Hochzeit und du bist meine Brautjungfer. Könntest du sie bitte einfach tragen? Es sind doch nur Schuhe.“

„Schuhe, die mich zum Krüppel machen könnten“, entgegnete Josie. „Ich habe dir schon tausend Mal gesagt, dass meine Füße anders geformt sind. Solche Schuhe kann ich nicht anziehen, das sind Höllenqualen für mich. Am Ende werde ich barfuß und blutend herumlaufen.“

Elizabeth presste zwei Finger auf ihren Nasenrücken. „Du bist eine Brautjungfer. Du kannst keine abgewetzten alten Converse tragen.“

„Dann sollte ich vielleicht keine Brautjungfer sein“, murmelte Josie und wich zurück, als befürchte sie den Ausbruch des Dritten Weltkrieges.

Im Grunde stimmte Elizabeth ihr zu. Sie hatte diesen Vorschlag nur zur Wahrung des Familienfriedens für sich behalten, aber es schien, als wären sie sich zumindest in diesem Punkt einig.

Sie wollte bereits etwas erwidern, als ihre Mutter von dem Brautmodenmagazin aufblickte, das sie durchblätterte. Susan Beaumont hatte sich bis zu diesem Moment aus dem Gezanke herausgehalten.

„Natürlich wirst du Elizabeths Brautjungfer sein“, sagte sie, sah Josie entschlossen an und schnalzte mit der Zunge. „Es ist immerhin die Hochzeit deiner Schwester.“ Sie hielt einen Moment inne. „Und natürlich wirst du nicht deine schäbigen, alten Turnschuhe tragen.“

„Das weiß ich!“, blaffte Josie. „Ich werde ein neues Paar tragen.“ Sie blickte Elizabeth ernst an. „Du kannst dir auch aussuchen, welche Converse es werden. Es gibt sogar eine weiße Limited Edition mit ein wenig Glitzer …“

„Oh mein Gott!“, rief Elizabeth und lief im Geschäft auf und ab. „Ich kann es nicht fassen, dass du das Ernst meinst. Du bist doch irre.“

„Weil ich keine blutigen Füße haben will?“, entgegnete Josie. „Ich verstehe dein Problem nicht. Es ist deine Hochzeit, da hast du doch bestimmt Besseres zu tun, als über meine Schuhe nachzudenken.“

Elizabeth ließ sich auf das Sofa fallen. „Bitte trag diese Schuhe. Es ist nur für einen Tag. Trag einfach diese Schuhe!“

„Ich weiß gar nicht, warum ich überhaupt mitgekommen bin. Meine Meinung ist dir doch sowieso egal. Du hättest einfach ein Kleid und Schuhe für mich aussuchen sollen.“

Die Suche nach einem Kleid war das erste Problem des Tages gewesen und hatte sich bereits als äußerst schwierig erwiesen. Dass es noch problematischer werden würde, Schuhe zu finden, hatte Elizabeth nun wirklich nicht erwartet.

„Das wäre vermutlich besser gewesen“, stimmte sie ihrer Schwester zu und blickte wütend zu ihrer Mutter, die den Einkaufsbummel für die drei organisiert hatte.

„Kommt schon, meine Mädchen“, sagte Susan beschwichtigend. „Ich dachte, es würde ein vergnüglicher Vormittag werden.“

„Du steckst doch sowieso in der Midlife-Crisis“, murmelte Josie.

Elizabeth richtete sich auf. „Was hast du gesagt?“

Josie setzte sich auf einen Stuhl und massierte verlegen ihre Füße. „Du und Phil, ihr seid doch schon seit einer Ewigkeit zusammen“, sagte sie. „Und jetzt, nach all dieser Zeit, entschließt ihr euch zu heiraten? Das klingt doch nach einer Midlife-Crisis.“ Sie mied den direkten Blickkontakt mit Elizabeth und zog ihre Socken und Schuhe wieder an.

„Man heiratet doch nicht, wenn man eine Midlife-Crisis hat“, entgegnete Elizabeth. Josie wusste immer, wie sie sie provozieren konnte, und Elizabeth war bewusst, dass sie mittlerweile gelernt haben sollte, sie zu ignorieren. Doch leider hatte sie das nicht. „Man kauft sich einen Sportwagen oder beginnt eine Affäre, aber man heiratet doch nicht! Und außerdem bedeutet Midlife Lebensmitte und so alt bin ich noch lange nicht. Wie soll ich dann eine Midlife-Crisis haben?“

Josie grinste boshaft. „Du bist vierunddreißig!“

„Genau. Das ist noch weit entfernt von der Lebensmitte.“

„Du hältst dich doch nicht immer noch für ein junges Mädchen?“, fragte Josie amüsiert.

„Natürlich nicht.“

„Dann hast du zwei Möglichkeiten: Midlife-Crisis oder alt. Such es dir aus!“

Elizabeth schloss für einen Moment die Augen. „Kannst du ihr bitte sagen, dass sie Unsinn redet“, sagte sie zu ihrer Mutter.

Deren Schweigen ging ihr auf die Nerven. Sie drehte sich wieder zu ihrer Schwester und funkelte sie an. „Ich habe keine Midlife-Crisis!“, rief sie, ein wenig lauter, als sie es beabsichtigt hatte. Eine vorbeieilende Verkäuferin blieb abrupt stehen, setzte aber nach einem verdutzten Moment ihr professionelles Lächeln wieder auf und lief dann weiter.

„Außerdem gab es nie eine Verlobungsfeier“, sagte Josie. „Du hast deine Verlobung nicht einmal bekanntgegeben. Das kann man doch kaum Ernst nehmen.“

„Meine Verlobung bekanntgeben?“, fragte Elizabeth. „Das macht doch heutzutage niemand mehr. Du wirst doch nicht erwarten, dass ich eine Anzeige in der Zeitung schalte?“

Josie starrte sie ungläubig an. „Natürlich nicht in der Zeitung. Ich meinte auf Facebook!“

„Warum sollte ich meine Verlobung auf Facebook bekanntgeben? Ich bin nie auf Facebook und weiß nicht einmal, wie man dort etwas bekanntgibt.“

„Dann gib mir dein Handy“, sagte Josie, die nun vor ihr stand.

„Nein!“

„Ach, komm schon. Lass mich zumindest deinen Beziehungsstatus ändern. Auf deinem Profil sieht es doch so aus, als würde der arme Phil gar nicht existieren.“

„Also gut“, gab Elizabeth schließlich nach und reichte ihr das Handy. „Aber kannst du dir dann bitte ein Paar Schuhe aussuchen, damit ich nach Hause gehen kann?“

Josie ignorierte sie und Elizabeth beobachtete nervös, wie ihre Schwester auf dem Bildschirm tippte.

„Gib es mir zurück“, sagte Elizabeth.

„Gratulation zu deiner Verlobung!“, bemerkte Josie sarkastisch, als sie das Handy in Elizabeths Schoß fallen ließ.

Susan seufzte schwer. „Warum müsst ihr euch ständig streiten? Ich wollte doch nur einen entspannten Vormittag mit meinen Mädchen verbringen.“

„Nun, es war zauberhaft“, sagte Josie und verdrehte die Augen, während sie sich mit den Fingern durch das hellbraune Haar fuhr und es zu einem Pferdeschwanz hochband. „Hat jemand etwas dagegen, wenn ich jetzt gehe?“

„Was ist mit den Schuhen?“, fragte Elizabeth.

„Ist mir egal“, sagte Josie. „Kauf die schrecklichen Dinger oder eben nicht. Wie auch immer. Es ist eh noch ein Jahr hin bis zu deiner Hochzeit.“

„Neun Monate, um genau zu sein“, entgegnete Elizabeth, als sich Josie zum Gehen wandte.

„Wie kommst du nach Hause?“, rief Susan ihr hinterher.

Josie winkte ihnen über die Schulter zu. „Werde ich dann sehen.“

„Ihr beide solltet euch mehr anstrengen, um miteinander auszukommen“, bemerkte Susan, die mit Elizabeth alleine zurückgeblieben war.

„Wir kommen gut miteinander aus“, sagte Elizabeth und schlenderte langsam durch das Geschäft. „Solange du uns nicht zwingst, Zeit miteinander zu verbringen.“

„Ich weiß nicht, ob ihr überhaupt miteinander sprechen würdet, wenn ich euch beide nicht zusammenbringen würde.“

„Keine Sorge, sie ruft mich schon an, wenn sie etwas von mir will. Wusstest du, dass ich ihrer Freundin ein Praktikum bei unserer Zeitschrift besorgt habe, nur damit Josie mich deshalb nicht mehr anruft?“ Elizabeth war Chefredakteurin der Zeitschrift MyStyle. Es war eine verantwortungsvolle Position, in der sie die gesamte Herausgabe überwachte. Josies Freundin Emily war auf der Suche nach einem Praktikum gewesen, um etwas Arbeitserfahrung zu sammeln. Elizabeth war sich sicher gewesen, dass sie es bereuen würde, hatte aber schließlich nachgegeben, nur um Josies ständigen Anrufen Einhalt zu gebieten.

„Das habe ich gehört“, sagte Susan und nahm die Sonnenbrille aus ihren Haaren, als sie hinaus auf die sonnige Oxford Street traten. „Sie sollte dich auch anrufen, wenn sie etwas von dir will. Sie ist deine Schwester.“

„Das ist aber auch schon der einzige Grund, aus dem sie mich anruft.“

„Du verstehst aber schon, dass du diejenige bist, die keine Zeit für sie hat, und nicht anders herum?“

Elizabeth ignorierte die Bemerkung ihrer Mutter und hielt stattdessen nach einem Café Ausschau. Sie brauchte ganz dringend Koffein.

„Du arbeitest zu viel“, fuhr Susan fort. „Das ist nicht gesund, du brauchst mehr Ausgleich in deinem Leben. Du solltest dir mehr Zeit für Freunde und die Familie nehmen.“

„Mum!“, rief Elizabeth. „Ich dachte, du wolltest einen entspannten Vormittag verbringen? Hör auf herumzunörgeln.“

„Entschuldigung.“

„Wie auch immer, ich fahre nächste Woche in den Urlaub. Eine ganze Woche ohne Arbeit.“

„Ach genau, du fährst ja nach Devon. Wann geht’s los?“

„Am Freitag.“

„Gut. Es ist an der Zeit, dass du eine Pause machst.“

Elizabeth nickte. Ihr letzter Urlaub war in der Tat schon Ewigkeiten her und das Cottage, das sie in Devon gebucht hatte, sah fantastisch aus. Es lag direkt an der Küste in einem kleinen Dorf nahe Salcombe. Ein bisschen Sonne, Strand und Meer würden Phil und ihr mit Sicherheit guttun und ein wenig gemeinsame Zeit konnte auch nicht schaden. Durch ihre anspruchsvollen Jobs war die Zeit zu zweit beschränkt und in den letzten Wochen war die Arbeit besonders hektisch gewesen.

Ja, ein bisschen Zeit mit Phil und ein Tapetenwechsel waren genau das, was sie brauchte. Sie konnte es kaum erwarten.

KAPITEL2

Als sie nach Hause kam, saß Phil über seinen Laptop gebeugt in der Küche. Er murmelte ein Hallo, sah jedoch nicht auf. Als sie ihm einen Kuss auf die Wange gab, unternahm er einen halbherzigen Versuch, seine Aufmerksamkeit von seiner Arbeit wegzulenken, doch es reichte nur für ein Kopfnicken in ihre Richtung. Sein Blick blieb unverändert am Bildschirm kleben.

„Wie ist es beim Einkaufen gelaufen?“, fragte er, als sie sich auf den gegenüberliegenden Stuhl fallen ließ.

„So gut es beim Einkaufen mit meiner Schwester eben laufen kann.“

Er reagierte mit einem leisen Brummen. Elizabeth drückte von ihrer Seite aus sanft mit dem Finger gegen den Bildschirm des Laptops, bis er sich zu schließen begann. Doch Phil griff nach ihrer Hand, um sie davon abzuhalten. Sie lächelten einander an und endlich hörte Phil ihr zu.

„Josie besaß die Frechheit, mir zu sagen, ich wäre eine Frau mittleren Alters.“

„Wie kann sie es nur wagen?“, entgegnete er, verzog jedoch amüsiert den Mund. „Man muss sie einfach für ihren Mut bewundern. Ich würde mich nie trauen, so etwas zu sagen!“

„Du denkst also auch, dass ich bereits alt bin?“

„Als Teenies kann man uns nicht mehr bezeichnen“, antwortete er.

„Das gilt vielleicht für dich.“

Phil ging auf die vierzig zu und versprühte definitiv einen Hauch mittleren Alters. Aber Elizabeth war erst vierunddreißig und hatte sich selbst noch nie für alt gehalten. Das wäre ihr doch bestimmt nicht entgangen? Ein deprimierender Gedanke.

„Ich weiß nicht, warum du dich von ihr immer ärgern lässt“, sagte er.

„Sie denkt außerdem, dass wir nur heiraten, weil ich in einer Midlife-Crisis stecke.“

Phil wirkte amüsiert. „Sie weiß wirklich, wie sie dich auf die Palme bringen kann.“ Sein Blick schweifte zurück auf den Computer und Elizabeth versuchte es mit einer anderen Taktik: Sie ging zu ihm hinüber und setzte sich auf seinen Schoß.

„Es ist doch lächerlich, so etwas zu sagen.“

„Und trotzdem denkst du immer noch darüber nach?“

Elizabeth runzelte die Stirn. „Sie findet es verrückt, dass wir schon so lange zusammen sind und erst jetzt heiraten.“

„Das macht man halt so, irgendwann heiratet man.“

Sie zog ihre Augenbrauen nach oben. „Wie romantisch du doch bist!“

„Du weißt, was ich meine“, sagte er, als sie von seinem Schoß aufstand und zum Kühlschrank ging. „Wie das halt so ist, wenn man sich liebt …“

„Vermutlich.“ Sie schenkte sich ein Glas Orangensaft ein. „Ich überlasse dich dann mal deiner großen Liebe“, sagte sie und deutete mit dem Kopf auf den Laptop. „Ich habe das Gefühl, dass ich dich bei etwas gestört habe.“

„Tut mir leid.“ Er griff nach ihrer Hand und hielt sie zurück. „Dennis hat sich das Bein gebrochen. Er hatte gestern eine Operation, bei der er Schrauben eingesetzt bekam. Er ist deshalb für eine Weile außer Gefecht und ich muss Arbeit von ihm übernehmen. Ich fürchte, dass die nächste Woche ziemlich stressig wird, daher dachte ich, ich arbeite noch ein bisschen weiter.“

Dennis war Phils Chef bei Taylor & West, einer Beratungsfirma für Finanzdienstleistungen, und sie wusste, dass Phil einspringen musste, wenn dieser ausfiel. „Das klingt nicht gut.“

„Nein.“

„Das wird unserem Urlaub doch nicht in die Quere kommen, hoffe ich?“

„Das denke ich nicht“, sagte er. „Ich werde für das Büro erreichbar bleiben müssen, während wir weg sind, aber ansonsten sollte das kein Problem sein.“

„Gut. Ich brauche wirklich mal eine Pause.“

„Ja klar“, sagte er. „Ich soll also wirklich glauben, dass du während unseres Urlaubes nicht arbeiten wirst?“

Ein Lächeln breitete sich langsam auf ihrem Gesicht aus. „Vielleicht checke ich ein, zwei Mal meine E-Mails.“

„Und die restliche Zeit?“

„Ich freue mich einfach auf den Tapetenwechsel.“

„Wir werden doch gar nicht weit weg sein. Warum fahren wir eigentlich nach Devon und nicht an einen exotischeren Ort?“

„Weil ich schöne Erinnerungen mit Devon verbinde und ich schon jahrelang nicht mehr dort war.“

„Ich weiß“, sagte er. „Ich ärgere dich doch nur. Ich kann es kaum erwarten.“ Er drückte noch einmal ihre Hand, bevor er sie losließ. Sie verstand es als Zeichen, ihn alleine zu lassen.

Sie ging nach oben ins Arbeitszimmer und holte ihren eigenen Laptop hervor. Mit ziemlicher Sicherheit würde sie Phil das verbleibende Wochenende über kaum zu Gesicht bekommen. Nicht, dass es ihr viel ausmachte, auch sie hatte noch Arbeit zu erledigen. Wie immer. Das alles könnte zwar bis Montag warten, aber sie schob nicht gerne Dinge auf die lange Bank. Wenn etwas erledigt werden musste, tat sie es. Das Problem dabei war allerdings, dass sie sich dadurch nur selten erholte.

Noch eine Woche, dann würde sie endlich abschalten können. Es würde ihr und Phil definitiv guttun, ein wenig Zeit zu zweit zu verbringen. Vielleicht konnten sie sogar wieder ein wenig Feuer zwischen ihnen entfachen. In letzter Zeit war davon in ihrer Beziehung nicht mehr viel zu spüren gewesen. Aber das war nach zehn gemeinsamen Jahren bestimmt normal.

Für einen Moment nagten Josies Worte wieder an ihr. Zehn Jahre und erst jetzt entschieden sie sich zu heiraten. Elizabeth war nicht einmal sicher, warum sie sich dazu entschlossen hatten. Es hatte keinen besonderen, romantischen Antrag gegeben. Sie waren auf einer Betriebsfeier gewesen und einige von Phils Arbeitskollegen hatten gescherzt, er solle sie doch endlich zu seiner rechtmäßigen Frau machen. Während der Taxifahrt nach Hause hatte er dann, von zu viel Wein angeheitert, vage angedeutet, dass sie beide vielleicht doch heiraten sollten. Vielleicht sollten sie heiraten. So viel zu seinem Antrag.

Sie hatte ebenso vage zugestimmt … und so hatten die Dinge ihren Lauf genommen.

KAPITEL3

Das Wochenende verlief wie erwartet ereignislos. Phil sah kaum von seinem Laptop auf und die beiden gingen ihren Routinen nach, ohne den anderen wirklich zu bemerken. Die einzigen Ausnahmen waren kurze Gespräche darüber, was sie essen sollten. Ehe Elizabeth sich versah, war es Montagmorgen.

Den Zug von Oxford nach London zu nehmen, war zu jeder Zeit schrecklich, aber die Montagmorgen schienen noch ein wenig schlimmer zu sein. Auch die Sommermonate waren die Hölle: all diese verschwitzten Körper auf beengtem Raum. Manchmal nahm sie daher das Auto, aber die Fahrt war nervenaufreibend, weshalb sie meist darauf verzichtete. Der Zug war die minimal bessere Wahl.

Als sie schließlich in den Fahrstuhl zu den Büroräumlichkeiten der MyStyle trat, überprüfte sie kurz ihre Erscheinung in der verspiegelten Wand. Wie immer hielt sie ihr dichtes, braunes Haar streng mit einer Haarspange am Hinterkopf zurück. Sie schob sich eine verirrte Strähne aus dem Gesicht und fuhr sich mit den Fingern unter den Augen entlang, um zu prüfen, ob ihre Wimperntusche verschmiert war. Eilig legte sie noch eine Schicht ihres rubinroten Lippenstiftes auf, presste die Lippen zusammen und schon öffneten sich die Türen.

Vor ihr wuselte es wie in einem Ameisenhaufen. Elizabeth spürte die Energie, als sie aus dem Fahrstuhl stieg. Sogar zu so früher Stunde klingelten die Telefone und Finger tippten eilig auf den Tastaturen. Elizabeth hatte die Dynamik an diesem Ort immer schon gemocht und grüßte fröhlich die Kollegen, während sie durch das Großraumbüro schritt.

Als sie ihr Büro erreichte, sah sie ihre Chefin bereits auf sie warten. Karen war eine angsteinflößende Frau und an diesem Tag sah sie aus, als wollte sie Tacheles reden. Als Herausgeberin der Zeitschrift schmiss sie den Laden und das tat sie mit strenger Hand. Sie war eine gerechte und vernünftige Chefin, aber niemand, mit dem man sich anlegen wollte.

Als Elizabeth die Bürotür hinter sich zuzog, entspannten sich Karens Gesichtszüge und Schultern. Sie verwandelte sich in weniger als einer Sekunde von der Chefin zur besten Freundin.

„Wie war dein Wochenende?“, fragte sie.

Elizabeth setzte sich in ihren Drehstuhl. „Ich hab’s überlebt.“

„Habt ihr ein Kleid für Josie gefunden?“

„Ein Kleid schon, aber keine Schuhe!“

„Hat sie sich benommen?“

„Wir sprechen immer noch von Josie. Wenn es kein Drama gegeben hätte, hätte ich mir Sorgen gemacht. Sie nannte mich alt und will bei der Hochzeit Sportschuhe tragen.“

„Ich mag sie“, sagte Karen. „Sie ist so herrlich frech.“

„Sie hält mich für unvernünftig, nur weil ich möchte, dass sie elegante Schuhe trägt. Sie hasst alles, was auch nur annähernd feminin aussieht.“

„Man muss den kleinen Hippie einfach gernhaben. Aber sie hat recht. Warum soll sie etwas tragen, das unbequem ist?“

„Für meine Hochzeit könnte sie schon eine Ausnahme machen.“

„Sei doch froh, dass sie deine einzige Brautjungfer ist. Ich habe dir einen Gefallen getan, dein Angebot abzulehnen. Wenn du auch noch mein Outfit aussuchen würdest, hätten wir wirklich ein Problem.“

„Du kannst es dir noch immer anders überlegen“, sagte Elizabeth hoffnungsvoll.

„Du weißt, was ich von der Institution Ehe halte. Ich werde kommen und euch zusehen. Ich werde viel trinken. Und ich beabsichtige, mir einen der ehrenwerten Junggesellen zu schnappen, aber mehr kannst du von mir nicht erwarten.“

„Also gut“, kicherte Elizabeth.

Sie wurden unterbrochen, als die Tür geöffnet wurde, was Karen sofort in den Chefinnenmodus wechseln ließ. Sie richtete sich auf und setzte einen ernsten Gesichtsausdruck auf. „Ruf Darcy an“, sagte sie laut. „Finde heraus, was er denkt, wie …“ Abrupt brach sie ab und wandte den Kopf in Richtung der jungen Frau in der Tür.

„Es tut mir leid“, sagte diese und warf Elizabeth einen panischen Blick zu. „Ich wusste nicht, dass du in einer Besprechung bist. Hier ist dein Kaffee.“

„Danke“, sagte Elizabeth und griff nach der Tasse.

Die Frau blickte nervös zu Karen. „Möchten Sie auch etwas?“

Karen schüttelte nur den Kopf.

Die Wangen der Frau glühten feuerrot und sie ergriff eilig die Flucht.

„Ist das deine neue Praktikantin?“, fragte Karen, die sich schon wieder entspannte, kaum hatte die Frau den Raum verlassen.

Elizabeth nickte. „Emily.“

„Sie macht einen ziemlich eingeschüchterten Eindruck. Was machst du mit ihr? Hol dir deinen Kaffee gefälligst selbst, du faules Stück.“

„Du bist doch die mit dem furchteinflößenden Blick!“

„Ich bin die Chefin. Ich muss mein Image der Überlegenheit pflegen. Was würde aus diesem Ort hier werden, wenn die Leute wüssten, wie ich wirklich bin? Glaubst du, sie würden mir noch Respekt entgegenbringen?“ Sie zog die Augenbrauen nach oben. „Hast du denn noch Respekt vor mir?“

„Kein bisschen“, entgegnete Elizabeth fröhlich.

„Siehst du! Wie kam es denn dazu, dass du ein solches Mäuschen als Praktikantin hast?“

„Josie hat mich bekniet, sie zu nehmen.“

„Sie ist eine Freundin von Josie? Wie merkwürdig.“

„Sie haben sich beim Schauspielunterricht kennengelernt“, antwortete Elizabeth und schüttelte den Kopf. Schauspielunterricht war ihre Vorstellung von der Hölle. „Sie möchte Journalistin werden und braucht Arbeitserfahrung.“

„Nun, dann kümmere dich um das arme Kind und mache sie nicht zur Kaffeesklavin. Wir leben in einer Welt des Feminismus. Wenn du jemanden willst, der dir Kaffee bringt, hol dir gefälligst einen männlichen Praktikanten!“

„Ich werde ihr heute Vormittag eine Einführung in die Budgetplanung geben“, antwortete Elizabeth. „Sie wird sich schon bald wünschen, sie müsste mir nur Kaffee bringen.“ Elizabeth hatte ursprünglich Redakteurin werden wollen, um ihrer Obsession für korrekte Grammatik gerecht zu werden. Sie hatte nie erwartet, irgendwann die Chefredakteurin einer Zeitschrift zu sein und somit die meiste Zeit damit zu verbringen, Leute einzustellen oder Budgets, Zeitpläne und Fristen zu überwachen. Sie dachte oft daran, wie schön es wäre, einfach nur etwas zu lesen oder zu schreiben.

„Vielleicht ist sie ja verrückt genug, um Budgetplanung zu mögen“, sagte Karen.

„Ich werde es herausfinden, wenn du mich endlich meine Arbeit machen lässt.“

„Zuerst muss ich dir mein neues Top zeigen“, sagte Karen, stand auf und knöpfte ihren Blazer auf. „Was denkst du?“

Elizabeth grinste, als sie das enganliegende T-Shirt sah und insbesondere den Spruch, der auf ihren Brüsten prangte: Do or do not. There is no try.

„Trägst du das, um mich zu ärgern?“, fragte Elizabeth.

„Mir ist schon aufgefallen, dass es zwei deiner liebsten Dinge kombiniert.“

Genau genommen war es eine Kombination aus Elizabeths zwei persönlichen Ärgernissen: inspirierende Zitate und Text auf Kleidung. „Es ist lächerlich“, sagte sie. „Wer hatte nur diese verrückte Idee, Text auf Kleidung zu packen? Wer will so etwas? Man liest ein Buch, eine Zeitschrift oder sonst irgendetwas. Aber man liest keine Kleidung!“

„Es gefällt dir also?“, fragte Karen und knöpfte den Blazer wieder zu.

Elizabeth schüttelte den Kopf. „Woher stammt das Zitat?“

Karen verdrehte die Augen. „Vom Meister natürlich.“

„Dem Meister?“, fragte Elizabeth stirnrunzelnd, bevor es ihr dämmerte. „Du trägst ein Zitat von Joda auf deinem T-Shirt? Es ist wirklich ein Wunder, dass dir irgendjemand Respekt entgegenbringt. Das ist nicht besonders professionell.“

„In welchem Zeitalter befinden wir uns denn?“, rief Karen. „Wir können im Büro tragen, was wir wollen. Wie oft muss ich dir noch sagen, dass dein Kleidungsstil ein bisschen mehr Persönlichkeit vertragen könnte?“

„Irgendjemand hier muss sich doch angemessen anziehen!“

„Du bist manchmal wirklich langweilig“, sagte Karen. „Aber egal, ich habe Wein in meinem Büro. Ich finde, wir sollten den Montagabenddrink wieder einführen.“

„Wann haben wir eigentlich aufgehört, in Bars zu gehen?“

„Als wir alt geworden sind.“

„Hör mir damit auf. Josie hat mir dazu schon genügend Kommentare reingedrückt.“

Karen lächelte, doch das Lächeln verflog in dem Moment, als sie die Tür öffnete. Elizabeth amüsierte es, wie schnell sie sich in die strenge Herausgeberin verwandeln konnte.

Sie hoffte, selbst eines Tages Herausgeberin zu werden. Das war ihr Ziel. Karen war Mitte fünfzig und plante, früh in Rente zu gehen. Es war kein Geheimnis, dass Elizabeth auf ihren Job spekulierte. Sie fragte sich, ob sie eine ebenso strenge Chefin wie Karen sein würde oder ob sie einen entspannteren Weg finden würde. Karen witzelte gerne, dass Elizabeth sowieso die ganze Arbeit alleine machen würde, anstatt zu delegieren, und es somit egal wäre, was für eine Art Chefin sie wäre.

Elizabeth stand im Türrahmen ihres Büros und blickte durch das geschäftige Großraumbüro, bis sie Emily erblickte und zu sich winkte. Sie seufzte angesichts der Aufgabe, die vor ihr lag. Wenn sie erst einmal Chefin war, würde sie das Budget ganz bestimmt an jemand anderen delegieren.

KAPITEL4

Elizabeth sah Phil in dieser Woche kaum. Es war nicht ungewöhnlich für ihn, dass er lange arbeitete, aber normalerweise kam es nicht jeden Tag vor. Es war bereits nach zehn Uhr, als er am Donnerstagabend nach Hause kam und neben Elizabeth auf das Sofa sank. Er legte seinen Kopf in ihren Schoß.

„Möglicherweise gibt es ein kleines Problem“, sagte er, als sie ihm mit den Fingern durch das Haar fuhr.

„Was ist denn?“

„Claire wurde wegen Schwangerschaftskomplikationen krankgeschrieben.“

„Geht es ihr denn gut?“, fragte Elizabeth.

„Ich denke schon, aber ihr wurde bis zur Geburt Bettruhe verordnet …“

„Arme Claire.“

„Ja.“ Er schwieg für einen Moment. „Sie sollte nächste Woche eine wichtige Präsentation für die Manager von Carlton & Croft halten. Jetzt muss ich mir überlegen, wie wir das lösen.“

„Kannst du die Präsentation denn nicht verschieben?“

„Ich habe es versucht, aber der Kunde war nicht glücklich darüber und der Termin ist im Vertrag festgeschrieben. Ich sitze also in der Klemme.“

„Jedenfalls kannst du sie nicht halten“, sagte sie und schob ihn von sich, als sie bemerkte, wohin die Unterhaltung führte. „Wir sind nächste Woche im Urlaub.“

„Ich weiß“, sagte er zögerlich. „Ich suche schon die ganze Zeit nach einer Lösung, aber ich bin der einzige im Büro, der den Kunden kennt.“ Er drückte sich zwei Finger gegen den Nasenrücken. „Es ist unser größter Kunde.“

„Ich weiß. Aber was ist mit unserem Urlaub?“

„Wir müssen ihn vielleicht verschieben …“

„Nein“, entgegnete Elizabeth. Bereits bei dem Gedanken daran zog sich ihr der Magen zusammen. „Wir wollten morgen fahren und ich brauche eine Pause! Ich habe mich so darauf gefreut und außerdem kann ich meinen Urlaub nicht so kurzfristig umplanen. Tu mir das bitte nicht an.“

„Mir macht das auch keinen Spaß“, entgegnete er. „Ich habe nicht darum gebeten.“

„Ich weiß“, sagte sie nun etwas sanfter. „Aber gibt es denn sonst wirklich niemanden, der das übernehmen kann?“

„Nein“, antwortete er genervt. „Glaubst du denn nicht, dass ich bereits jede erdenkliche Möglichkeit in Erwägung gezogen habe? Ich möchte auch gerne wegfahren, weißt du.“

„Wann ist denn die Präsentation? Vielleicht können wir zumindest eine halbe Woche wegfahren?“

„Das habe ich mir auch überlegt“, sagte er. „Sie ist am Mittwoch.“

„Dann können wir doch wie geplant morgen fahren und bis Dienstag bleiben.“

„Ich muss viel vorbereiten. Es wäre also besser, wenn wir am Mittwoch nach der Präsentation fahren.“

„Aber wir haben das Cottage nur bis Freitag. Das würde bedeuten, dass wir dort nur einen vollen Tag hätten! Das ist doch keine Auszeit. Wir würden mehr Zeit im Auto verbringen als in Devon.“

„Ich weiß. Ich bin selbst ratlos.“

„Bedeutet das also, dass wir nicht fahren können?“

Er seufzte dramatisch, so als ob sie die ganze Sache für ihn noch schwerer machen würde. Für ihn war es vermutlich keine schwere Entscheidung. Er wäre der Held im Büro, wenn er seinen Urlaub stornierte, um einzuspringen. Bestimmt bedürfte es deutlich mehr Rückgrat, darauf zu bestehen, dass er wie geplant wegfuhr und sie die Sache irgendwie ohne ihn regelten. Aber was wäre, wenn Karen Elizabeth gebeten hätte, den Urlaub abzusagen, um einzuspringen? Sie nahm an, sie würde es wie Phil machen, daher konnte sie schwer wütend auf ihn sein. Wie dem auch war, ihr gefiel der Gedanke überhaupt nicht, so kurzfristig umzuplanen.

Sie funkelte ihn an. „Wir bekommen unser Geld nicht zurück, wenn wir so kurzfristig stornieren.“ Sie wusste, dass ihm das egal war. Er hatte sich nie um Geld gesorgt und hatte das auch nie gemusst. Aber ihr erschien es wie eine Verschwendung.

„Du kannst doch ohne mich fahren“, sagte Phil. „Dann komme ich am Mittwoch nach der Präsentation nach.“

„Was soll ich denn ganz alleine dort tun?“, blaffte sie zurück.

„Vermutlich arbeiten.“ Er zog eine Augenbraue nach oben. „Du sagtest doch, du willst einen Tapetenwechsel.“

„Ich hätte auch gerne ein wenig Zeit mit meinem Verlobten verbracht. In letzter Zeit haben wir gar nichts mehr gemeinsam unternommen.“

„Ach komm schon, sei nicht so. Es ist doch nur diese eine Woche, in der es auf der Arbeit so hektisch ist.“

„Nein, ist es nicht“, entgegnete sie. „Wir sitzen abends vielleicht im gleichen Zimmer, aber wir haben beide unsere Köpfe hinter unseren Laptops versteckt.“

„Das haben wir doch immer so gemacht. Deshalb passen wir auch so gut zusammen.“

Sie runzelte die Stirn. Die Romantik zwischen ihnen war wirklich verflogen.

„Sieh mich nicht so an.“ Er zog sie an sich und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Ich liebe dich.“

„Ich weiß“, seufzte sie. „Müssen wir unseren Urlaub wirklich stornieren?“

„Sagen wir doch einfach, wir verschieben ihn nur. Wir suchen einen neuen Termin und du hast noch mehr Zeit, dich darauf zu freuen.“

„Großartig“, sagte sie und versuchte, ebenfalls fröhlich zu klingen. Was brachte es schon, wütend zu sein? Es konnte nun auch nicht mehr geändert werden. „Was mache ich jetzt mit meiner Urlaubswoche?”

„Ich habe dir doch schon vorgeschlagen, dass du alleine fahren sollst. Die Meeresluft wird dir guttun. Oder bleib hier und kümmere dich um die Hochzeitsvorbereitungen. Das wäre doch sinnvoll.“

„Hochzeitsvorbereitungen sind nicht gerade Urlaub.“

„Willst du mir jetzt ein schlechtes Gewissen einreden?“

„Nein“, sagte sie und zwang sich zu einem Lächeln. „Mir wird schon etwas einfallen.“

KAPITEL5

Elizabeth starrte gedankenverloren auf ihren Bildschirm, als Karen am nächsten Morgen in ihr Büro trat. Sie hatte bereits alles abgearbeitet, was sie vor ihrem Urlaub noch erledigen hatte wollen, und schlug nun die Zeit tot. Es gab natürlich immer etwas zu tun, aber sie konnte sich einfach nicht konzentrieren.

„Was machst du hier?“, fragte Karen.

„Ich habe mir nur einen halben Tag freigenommen. Ich bleibe nur bis Mittag.“

„Das weiß ich, aber ich habe dir doch gesagt, dass du heute nicht reinkommen musst. Wieso sollte man mit der Chefin befreundet sein, wenn man keine Vorteile daraus zieht? Du hättest zumindest von zuhause aus arbeiten und dir die Zugfahrt sparen können.

---ENDE DER LESEPROBE---