Winterwünsche in Hope Cove - Hannah Ellis - E-Book
SONDERANGEBOT

Winterwünsche in Hope Cove E-Book

Hannah Ellis

0,0
3,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 3,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Emily möchte ihre Hochzeit im kleinen Rahmen mit Familie und Freunden feiern. Doch bei einer Freundin wie Josie kommt das Drama auch am Hochzeitstag nicht zu kurz. Tara hat hingegen mit eigenen Problemen zu kämpfen. Endlich will sie ihre Vergangenheit aufarbeiten und die Beziehung zu ihrem Vater und den Halbgeschwistern verbessern. Zum Glück steht ihr James bei dieser Herausforderung zur Seite. Für Lizzie geht mit einer neuen beruflichen Herausforderung ein Traum in Erfüllung. Doch dann hat Max ganz andere Pläne für die junge Familie. Ein turbulentes Jahr geht zu Ende und das muss natürlich gefeiert werden. Ob auch im neuen Jahr alle Wünsche der Paare in Erfüllung gehen?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



WINTERWÜNSCHE IN HOPE COVE

HOPE COVE BUCH 7

HANNAH ELLIS

Aus dem Englischen übersetzt vonDANIELA MAIZNER

INHALT

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Zusammen mit Scarlett

Weitere Titel der Autorin (auf Deutsch)

Eine paar Worte der Autorin

Impressum

Hannah Ellis

c/o easy-shop

Kathrin Mothes

Schloßstraße 20

06869 Coswig (Anhalt)

Copyright © 2021 Hannah Ellis

Translation Copyright © 2022 Daniela M. Hartinger

Der vorliegende Roman ist Fiktion. Die darin enthaltenen Namen, Personen und Ereignisse entspringen der Fantasie der Autorin. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen, Ereignissen oder Orten sind dem Zufall geschuldet.

Der Inhalt dieses Buches darf nicht vervielfältigt oder kopiert werden.

Cover Design von Aimee Coveney

In Liebe, für Mario.

KAPITEL1

Es war der Ausblick gewesen, in den Lizzie sich verliebt hatte. Das Seaside Cottage war zwar schon an sich fantastisch, aber als sie damals durch die knarrende Holztür in der hohen Hecke am hinteren Ende des Gartens hinaus auf den dahinter verlaufenden Pfad getreten war, hatte es ihr den Atem verschlagen.

Minutenlang war sie sprachlos dagestanden und noch heute, mehr als vier Jahre später, ließ sie der Anblick der rauen Küste Devons innehalten.

„Hast du etwas vergessen?“, fragte Max, der sich zu ihr umdrehte.

„Nein, ich bewundere nur die Aussicht.“ Meistens hielten ihre beiden Kleinkinder und der treuherzige Springerspaniel sie zu sehr auf Trab, um es genießen zu können. „An dem Anblick werde ich mich nie sattsehen können. Und diese herrliche Luft!“ Sie nahm einen tiefen Atemzug der salzigen Meeresluft.

„Die hält jung“, meinte Max.

Sie lachte. „Dein Haaransatz sagt etwas anderes.“

„Hey!“ Er fuhr sich durch das Haar. „Ich bin in den besten Jahren!“

„Bald werden wir uns Gedanken über deinen vierzigsten Geburtstag machen müssen.“

„Der ist in zwei Jahren!“ Max kaute auf seiner Unterlippe. „Es macht dir echt Spaß, mich zu ärgern, nicht wahr?“

„Nur, wenn es um dein Alter geht. Und auch nur, weil du deshalb so empfindlich bist.“

„Ich möchte dich daran erinnern, dass ich jünger bin als du.“

Sie nickte. „Aber nur ein Jahr. Und ich sehe für mein Alter fantastisch aus.“

Er kam zu ihr und schlang seinen Arm um ihre Taille. „Was möchtest du mir damit sagen?“

„Gar nichts.“ Sie lachte. Es war zu einfach, ihn aufzuziehen. „Ich finde, du siehst toll aus. Für dein Alter!“

„Du bist gemein.“ Er kitzelte sie, bis sie sich aus seinem Arm wand. „Gehen wir? Wenn wir uns nicht beeilen, wird es dunkel, bevor wir das Dorf erreichen.“

Lizzie hatte vorgeschlagen, den Küstenpfad zu nehmen. Solange es hell genug war, zog sie den stets der normalen Straße vor.

Sie blickte sich noch einmal zum Haus um. „Bist du dir sicher, dass das mit Dotty und den Mädchen klappt?“

„Wir gehen doch nur in den Pub. Und die Kinder schlafen tief und fest.“

„Vielleicht hätten wir Emily und Jack fragen sollen, keine Siebzigjährige.“

„Dotty hat es uns von sich aus angeboten“, entgegnete Max. „Sie macht sich gern nützlich. Gehen wir? Ich habe Hunger. Ich will unseren Date-Abend nicht damit verschwenden, hinter dem Haus herumzulungern.“

„Wir verschwenden gar nichts. Ich genieße die Aussicht und kann dich aufziehen. Für mich läuft der Date-Abend bislang großartig.“

Er verdrehte die Augen. „Gehen wir.“

Sie nahm seine Hand und führte ihn vom Pfad weg und ein paar unebene Stufen hinab auf den Strand.

„Falsche Richtung“, meinte er.

„Es ist so schön hier.“ Lizzie blickte hinaus auf den Horizont, wo die letzten Sonnenstrahlen auf dem Wasser schimmerten. „Ich will ein bisschen im Wasser herumlaufen.“

„Du frierst dir die Füße ab.“

„So kalt ist es nicht.“ Genau genommen war es recht kühl, aber das war im Oktober wohl zu erwarten.

„Du bist heute komisch drauf“, sagte Max, während sie an seinem Arm Halt suchte und Schuhe und Socken auszog.

„Dann halt mich bei Laune.“ Sie gab ihm einen flüchtigen Kuss und lief ins Wasser. Die Kälte ließ sie aufkeuchen. Ein paar Sekunden später hatte sie sich daran gewöhnt, rollte ihre Hose nach oben und ging ein Stück weiter. „Komm rein“, rief sie Max zu.

Der saß ein Stück weiter oben im Sand und schüttelte nur amüsiert den Kopf.

„Es ist herrlich“, sagte sie, doch er rührte sich nicht.

Nach ein paar Minuten in den seichten Wellen wurden ihre Zehen langsam taub und Lizzie ging hinauf zu Max. Der hielt einen Ast in der Hand und hatte Ich liebe Lizzie in den Sand geschrieben.

„Du bist so romantisch“, sagte sie und ließ sich neben ihm zu Boden sinken. „Mach weiter so, dann hast du heute Nacht vielleicht Glück.“

Er lächelte abwesend, aus seinem Gesichtsausdruck wurde sie nicht recht schlau.

„Du bist heute still“, bemerkte sie. „Ist alles in Ordnung?“

„Alles bestens. Außer dass ich gleich verhungere.“

„Ist das ein subtiler Hinweis darauf, dass ich mich beeilen soll?“

„So subtil war er gar nicht.“

Lizzie streifte sich möglichst viel Sand von den Füßen, zog ihre Socken an und schlüpfte in die Schuhe. „Das werde ich noch bereuen. Ich werde den ganzen Abend über feuchte Socken haben. Und Sand ins Bett tragen.“

„Wir haben immer Sand im Bett“, sagte Max. „Im ganzen Haus ist Sand. Hast du nicht gesagt, das sei ein Peeling für die Haut?“

„Man muss das Positive daran sehen, sonst wird man verrückt.“ Sie streckte ihre Hand aus und Max zog sie hoch.

„Machst du dir wirklich Sorgen, weil Dotty auf die Mädchen aufpasst?“, fragte Max, als sie wieder zum Haus hinaufsah.

„Nein.“ Ihre Nachbarin war zwar nicht mehr die Jüngste, aber die Kinder schliefen und Dotty sollte sie anrufen, falls die beiden aufwachten. „Aber dass Dotty babysittet, hat mich daran erinnert, dass Scarlett mir fehlt. Und ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde.“

Scarlett war die Nichte von Verity, der das Café in Hope Cove gehörte, und hatte im letzten halben Jahr oft auf die Kleinen aufgepasst. Leider war sie vergangenen Monat zum Studieren nach Exeter gezogen. Das war zwar nur eine halbe Autostunde entfernt und Scarlett hatte angeboten, am Wochenende weiterhin als Babysitterin zur Verfügung zu stehen, aber Lizzie wollte sie nicht herbitten, nur damit sie in den Dorfpub gehen konnten.

„Die Kinder vermissen sie ebenfalls“, sagte Max. „Aber die Uni tut ihr bestimmt gut. Auch sozial, meine ich.“

Lizzie war sich da nicht so sicher. Scarlett war eine der sozial inkompetentesten Personen, die sie kannte, und sie fragte sich, ob der Trubel auf der Uni nicht zu viel für sie war.

„Ich habe ihr ein paar Mal geschrieben“, sagte Lizzie. „Aber ihre Antworten sind immer recht kurz.“

„Vermutlich ging es ihr vor allem ums Geld. Dottys Babysitterdienste sind eindeutig günstiger.“

„Scarlett hat aber viel mehr gemacht. Sie war oft bei uns, auch wenn wir sie nicht dafür bezahlt haben.“

„Klar. Damals, als sie deine kostenlosen Dienste als Lektorin gebraucht hat.“

Da hatte Max womöglich recht. Sie würde gern glauben, dass Scarlett sie als Freundin ansah, aber eigentlich wusste man bei ihr nie, woran man war.

„Jedenfalls ist es schön, mal wieder auszugehen“, sagte sie und spazierte Hand in Hand mit Max in Richtung Dorf. „Warum wolltest du unbedingt raus? War deine Arbeitswoche so anstrengend?“

Er warf ihr einen vielsagenden Blick aus den Augenwinkeln zu. Nachdem er seine Stelle auf Teilzeit reduziert hatte, arbeitete er im Moment montags und dienstags. Die restliche Woche über kümmerte er sich um die Kinder und den Haushalt.

„Ich finde, du bist ein toller Hausmann“, sagte Lizzie und drückte seine Hand. Sie rechnete es ihm hoch an, dass er nur noch zwei Tage die Woche arbeitete. Es hatte eine Menge Druck von ihr genommen und bedeutete, dass sie sich auf ihre Karriere als freiberufliche Lektorin konzentrieren konnte, ohne dass die Zwillinge darunter zu leiden hatten.

„Es gab keinen besonderen Grund“, sagte Max. „Ich wollte nur Zeit mit meiner wunderbaren Ehefrau verbringen. Hätte ich gewusst, dass du mich nur aufziehst, hätte ich vorgeschlagen, früh ins Bett zu gehen.“

Sie lehnte sich an ihn. „Ich ärgere dich doch nur, weil ich dich so liebe.“

„Und weil es dir Spaß macht“, sagte er.

„Ja. Ich finde es sehr unterhaltsam.“

Er lächelte, dann setzten sie ihren Spaziergang schweigend fort. Schon bald machte der Pfad an der Küste eine Biegung und führte hinab in die kleine Bucht von Hope Cove. Das Tageslicht schwand, aber die Straßenlaternen warfen einen sanften Glanz über den Strand. Der Wind ließ feinen Sprühnebel aufsteigen, der bis hinauf zu den tiefhängenden grauen Wolken reichte. Auch wenn das Wetter nicht das beste war, liebte Lizzie diesen Anblick. Die Fischerboote lagen im sandigen Boden, die Möwen hüpften dazwischen herum und der Wind trug ihre Schreie davon.

Schließlich erreichten sie den wohlig warmen Pub und Lizzie rieb sich die Arme. An der Theke grüßte sie Verity, eine liebenswürdige Frau und eine der ersten Freundinnen, die Lizzie nach ihrem Umzug nach Hope Cove gefunden hatte.

„Habt ihr einen neuen Babysitter?“, fragte Verity, während Max Getränke bestellte.

„Dotty hat angeboten, auf die Kinder aufzupassen.“ Lizzie beugte sich hinab zu dem schokobraunen Labrador, der an ihren Beinen schnüffelte. Sein Herrchen Bill stand neben Verity an der Bar. „Ich habe vorhin zu Max gesagt, dass Scarlett mir fehlt. Dir bestimmt auch.“

„Ja“, antwortete Verity. „Hast du mal von ihr gehört?“

„Nicht wirklich. Ab und zu mal eine SMS, aber sie erzählt nicht viel.“

Verity schüttelte den Kopf. „Ich mache mir Sorgen um sie.“

„Gibt es denn ein Problem?“, fragte Lizzie und insgeheim hoffte sie, dass Scarlett die Uni überhaupt nicht gefiel und sie wieder zurück ins Dorf zog. Und für spontane Babysitterdienste bereitstand.

„Ich habe keine Ahnung“, antwortete Verity. „Sie sagt nicht viel, nur dass alles in Ordnung ist. Aber ich bin auch nur ihre alte Tante, deshalb dachte ich, sie erzählt Emily oder dir mehr. Sie mag euch beide sehr gern.“

„Ich glaube nicht, dass sie dich für eine alte Tante hält. Aber mir hat sie nichts von der Uni erzählt.“

Bill wies den Hund mit einem eindringlichen Kopfnicken an, von Lizzies Beinen abzulassen und sich hinzulegen. „Wenn Scarlett sagt, dass alles in Ordnung ist, ist es das bestimmt auch“, meinte er.

„In dem Alter lässt man sich leicht beeindrucken“, sagte Verity. „Ich habe Angst, dass sie sich mit den falschen Leuten einlässt.“

„Wie kommst du darauf?“, fragte Max.

Verity errötete. „Vermutlich hat es nichts zu bedeuten. Sie wohnt in so einer WG, aber ich darf sie nicht besuchen und meine Fragen beantwortet sie auch nicht. Bevor sie nach Exeter ging, hatte sie Geldsorgen. Sie dachte sogar, dass sie sich die Studiengebühren nicht leisten kann. Aber plötzlich hatte sie Geld. Ich weiß nicht, wo sie es herhat.“

Max lächelte. „Scarlett ist ziemlich gut darin, das zu bekommen, was sie will. Ich würde mir keine Sorgen machen. Sie ist jetzt Studentin und will ihre Freiheit genießen.“

„Hoffentlich ist es nur das.“ Verity legte ihre Hand auf Lizzies Arm. „Gibst du mir Bescheid, wenn du etwas von ihr hörst?“

„Natürlich.“ Lizzie lächelte ihr zu, dann folgte sie Max an einen Tisch am anderen Ende des Schankraumes.

„Du hast zwei Minuten, dich zu entscheiden“, sagte er, als er ihr die Speisekarte reichte. „Dann gehe ich an die Bar und bestelle. Falls du dich dann noch nicht entschieden hast, wähle ich etwas für dich aus.“

„Du wirst immer so mürrisch, wenn du hungrig bist“, sagte sie und nannte ihm ihren Wunsch, ohne einen Blick auf die Karte zu werfen.

Als Max von der Theke zurückkehrte, setzte er sich auf den Stuhl neben sie, legte einen Arm um ihre Schultern und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

„Du bist heute ziemlich anhänglich“, bemerkte sie.

„Ach ja?“ Er ließ seinen Blick gedankenverloren durch den Pub schweifen. Diesen Blick hatte sie in letzter Zeit öfter an ihm gesehen.

„Was ist denn los mit dir?“, fragte Lizzie.

Die Frage riss ihn aus seiner Trance. „Nichts, warum? Ist es ein Problem, dass ich anhänglich bin?“

„Nein, das meine ich nicht. Ich habe nur den Eindruck, dass dir viel durch den Kopf geht.“

Lizzie hatte so eine Vermutung, was ihn plagte. Sie wappnete sich seit Tagen für die Unterhaltung, in der er ihr sagen würde, dass er keine Lust mehr auf Teilzeit hatte und seine Stunden erhöhen wollte. Wahrscheinlich erfüllten ihn die Hausarbeit und die Kindererziehung nicht. Max und sie waren sich ähnlich – beide blühten bei der Arbeit auf. Selbst nachdem er damals seine Stelle als Anwalt zugunsten der eines Immobilienverwalters aufgegeben hatte, hatte er noch immer viel gearbeitet.

„Nur, dass ich einen entspannten Abend mit meiner schönen Frau verbringen darf“, sagte er.

Die Schmetterlinge in ihrem Bauch hielten sie davon ab, ihn für diese schmalzige Bemerkung aufzuziehen. Er lehnte sich zu ihr und küsste sie wie ein verliebter Teenager.

„Okay, das war eine Lüge“, sagte er dann. „Mir geht noch etwas anderes durch den Kopf.“

„Was denn?“, fragte sie, etwas benommen von den Küssen.

„Essen. Ich bin am Verhungern.“

Lizzie stieß ihm sanft in die Seite. Bestimmt war da noch etwas anderes, aber die Unterhaltung verschob sie gern. Endlich hatten sie als Familie ihr Gleichgewicht gefunden und sie wollte wirklich nicht, dass sich daran etwas änderte.

KAPITEL2

Die Vorlesestunde war von Anfang an Taras liebste Aufgabe in der Buchhandlung gewesen und daran hatte sich bis heute nichts geändert. James und sie hatten einiges erreicht und Tara war stolz darauf. Sie kannten nun so viele Kinder und Eltern aus dem Ort, dass es schwierig war, in Newton Abbot etwas zu erledigen, ohne zumindest in eine kurze Unterhaltung verwickelt zu werden.

Sie hatte gerade ihren Morgenkaffee im noch leeren Laden getrunken, als die Glocke über der Tür klingelte. Maya und Phoebe tapsten herein und steuerten geradewegs auf die Sitzsäcke in der Kinderecke zu.

„Sie haben dich letzte Woche vermisst“, sagte Max, der hinter ihnen mit einem Strauß Blumen und einem Geschenk in der Hand hereinkam. Tara und Max waren seit Kindheitstagen befreundet und es hatte sie wirklich gefreut, dass er den Kitaplan der Mädchen so verändert hatte, dass sie donnerstags zur Vorlesestunde kommen konnten. Den ganzen Tag verbrachten die Kleinen dann mit ihrem Daddy und sie schienen sich in der Buchhandlung wohlzufühlen.

„Ich war letzte Woche anderweitig beschäftigt“, sagte sie verlegen.

„Das habe ich gehört. Aber es hat mich nicht überrascht, um ehrlich zu sein. Jedenfalls freue ich mich für euch. Glückwunsch!“ Er lächelte und reichte ihr die Blumen sowie das Geschenk.

„Vielen Dank.“ Sie kam hinter der Theke hervor und umarmte ihn. „Ich hatte schon Angst, dass wir durch das Durchbrennen vielleicht die Hochzeitsgeschenke verpasst haben, aber bis jetzt sieht es ganz gut aus.”

„Und wie ist eine Hochzeit in Gretna Green so?“

„Richtig schön.“ Sie strahlte bei der Erinnerung. „Wir haben ein schottisches Paar kennengelernt, das am selben Tag geheiratet hat. Es war lustig.“

„Das freut mich zu hören.“ Die Tür zum hinteren Teil des Ladens ging auf und James kam herein. „Glückwunsch!“, sagte Max und schüttelte ihm die Hand.

„Dankeschön.“ James hob Phoebe hoch, als sie an seinen Beinen zog. „Na, wie geht es dir, du kleines Schlitzohr?“ Sie grinste und wand sich in seinen Armen, bis er sie wieder hinabließ.

„Dann warst du letzte Woche hier?“, fragte Tara Max.

„Ja. Deine Mum und Amber hatten alles unter Kontrolle.“

„Ich habe mir die ganze Zeit über Sorgen um meine Mum gemacht“, sagte Tara. Das war nicht ungewöhnlich. Wegen der depressiven Phasen ihrer Mutter sorgte sich Tara schon fast ihr ganzes Leben lang um sie. „Aber ich glaube, es hat ihr Spaß gemacht, den Laden zu hüten.“

Max nickte. „Debbie hat das mit den Kindern großartig gemacht. Ich habe nichts von irgendwelchen Problemen mitbekommen.“

„Siehst du?“, meinte James. „Dann können wir öfter mal wegfahren.“

„Vielleicht.“ Tara ignorierte den Schalk in James’ Stimme. Er beharrte darauf, dass Debbie gut zurechtkam und dass es ihr womöglich sogar guttat, sich ab und an um das Geschäft zu kümmern. Tara war sich da nicht so sicher, aber sie würde sich nur zu gern irren.

In der nächsten Viertelstunde kamen immer mehr Kunden in die Buchhandlung und Tara und James liefen herum, kitzelten kleine Kinder und unterhielten sich mit den Erwachsenen.

Tara hatte sich gerade auf ihren Platz vor die Kinder gesetzt, als ein blonder Vierjähriger namens Archie zu ihr kam.

„Können wir die kleine Raupe Nimmersatt lesen?“, fragte er.

Tara blickte auf den Stapel Bücher in ihrem Schoß. „Das habe ich für heute nicht ausgesucht.“

„Aber die mag ich am liebsten. Ich mag es, wenn wir uns wie Raupen drehen.“

„Es ist doch auch schön, mal etwas anderes zu lesen. Nicht immer dasselbe.“

„Aber das mag ich am allerliebsten.“ Er schob die Unterlippe weit nach vorne. „Und ich mag es, wenn wir am Ende wie Schmetterlinge herumfliegen.“

Rosie, die im Schneidersitz vor ihr gesessen hatte, rollte sich nun über den Boden. „Ich bin auch gern ein Schmetterling.“

„Habt ihr das letzte Woche gelesen?“, fragte Tara. „Als ich nicht hier war?“

Archie überlegte einen Moment, dann schüttelte er entschlossen den Kopf. „Nein.“ Rosie kicherte und verriet damit seine Lüge.

„Bist du dir sicher?“ Tara sah ihm tief in die Augen.

Er grinste und lachte dann laut. Als Tara zu Max blickte, zuckte der nur mit den Schultern und gab sich unwissend.

„Also schön.“ Tara stupste Archie in den Bauch. „Hol die kleine Raupe Nimmersatt.“

Archie tapste zur Kiste mit den Kinderbüchern, die für die Vorlesestunde bereitlagen, und fand es sofort. „Die nette Frau hat es letzte Woche vorgelesen“, sagte er, als er Tara das Buch reichte.

„Das habe ich mir schon gedacht. Diese nette Frau ist meine Mama, weißt du?“

„Sie kann gut vorlesen.“

„Das freut mich zu hören“, sagte Tara und blickte in die aufgeregten Gesichter. „Jetzt möchte ich aber wissen, ob heute hungrige Raupen zur Vorlesestunde gekommen sind?“ Unter lautem Gekicher warfen sich die Kleinen mit dem Bauch auf den Boden und rollten herum, während sie die Geschichte vorlas.

Die Stunde verging wie im Flug und schon winkte Tara den Kindern zum Abschied hinterher. Einige Eltern blieben noch, plauderten oder schmökerten; die Kinder blätterten in den Büchern oder spielten mit den Spielsachen.

Taras beste Freundin Amber war mit ihrem Sohn Kieron später gekommen, daher hatte sich Tara noch nicht mit ihr unterhalten können. Aber schließlich war ansonsten nur noch Max im Laden, der sich mit James unterhielt, während die Mädchen auf dem Teppich spielten.

„Glückwunsch!“, rief Amber und umarmte Tara herzlich. „Ich habe mein Geschenk für euch zu den anderen gelegt.“

Tara blickte auf die Geschenktüten und Päckchen auf der Theke. „Unglaublich, dass wir so viele Geschenke bekommen haben.“

„Unser Vorrat an Wein und Champagner wird sich sehen lassen können“, meinte James, als er herüberkam.

„Keine Ahnung, warum euch das überrascht“, sagte Amber. „Ihr seid hier so etwas wie das soziale Dorfzentrum. Jeder kennt und mag euch.“ Sie machte sich daran, einen Streit zwischen Kieron und Phoebe wegen eines Spielzeugs zu klären. „Erst vor kurzem ist mir aufgefallen, dass Kieron nächstes Jahr um die Zeit in die Vorschule geht und wir dann nicht mehr zur Vorlesestunde kommen können“, sprach sie währenddessen weiter.

Der Gedanke gefiel Tara ebenso wenig. „Dann musst du am Dienstag kommen, da machen wir die Vorlesestunde am Nachmittag.“

„Das ist nicht dasselbe“, entgegnete Amber. „Ich liebe den Donnerstagvormittag.“ Sie hielt Kieron gerade noch davon ab, Phoebe ein Buch an den Kopf zu schlagen. „Ich muss ihn nach Hause bringen. Er weigert sich momentan, tagsüber zu schlafen, und wird zum unerträglichen Monster. Aber ich sehe zu, dass er zuhause zumindest ein paar Stunden zur Ruhe kommt.“

Sie hielt ihm die Hand hin und forderte ihn auf, mit ihr zu kommen. „Gehen wir am Freitag in den Pub?“, fragte sie Tara. „Ich will alles über die Hochzeit erfahren und mir die Fotos in Ruhe ansehen. Am besten ohne den kleinen Mann hier, damit ich mich konzentrieren kann.“ Dann machte sie sich mit Kieron auf den Weg zur Tür.

„Klingt gut“, sagte Tara. Früher einmal hätten sie keine explizite Verabredung gebraucht, der Freitagabend im Bluebell Inn war ein Fixpunkt ihrer Woche gewesen. Doch in letzter Zeit hatten sie sich nicht mehr so oft getroffen. „Ich werde Sam und Josie fragen, ob sie auch kommen.“

„Super, bis dann!“, rief ihr Amber noch durch die Tür zu.

„Wir machen uns auch mal auf den Weg“, sagte Max, als Tara in die Kinderecke kam.

„Wie sieht euer Plan für den Nachmittag aus?“, fragte sie.

„Das Übliche: Mittagessen bei Verity im Café, dann an den Strand und später zurück auf die Couch vor den Fernseher, bis Lizzie mit der Arbeit fertig ist.“

„Klingt gut“, sagte Tara. „Hast du einen Weg gefunden, die Mädchen im Auto wachzuhalten, damit sie zuhause schlafen?“

Max räumte die Spielsachen auf und warf sie in die Kiste. „Nein. Ich gehe die Sache jetzt anders an. Sie essen eine Kleinigkeit im Auto und ich nehme einen langen Umweg zurück nach Hope Cove, damit sie einschlafen. Dann parke ich vor dem Haus, lege meinen Sitz nach hinten und schlafe selbst, bis sie aufwachen.“

„Das klingt nach einem entspannten Donnerstag“, sagte James.

„Ich liebe die Donnerstage.“ Max dachte nach. „Und die Mittwoche und Freitage, wenn sie am Vormittag in der Kita sind und ich ein bisschen Ruhe habe. Die Montage und Dienstage sind auch nicht schlecht, wenn sie den ganzen Tag in der Kita sind und ich arbeite.“

„Klingt so, als hättest du dir alles perfekt organisiert“, sagte Tara.

Max lächelte. „Ich bin mir nicht sicher.“

„Auf jeden Fall sieht es bei dir einfach aus“, meinte James.

„Das ist es definitiv nicht.“ Max hob Maya hoch und hielt Phoebe seine Hand hin. „Aber ich kann mich nicht beschweren.“

„Ich helfe dir, die Mädchen ins Auto zu bringen.“ James luchste Phoebe ihr Spielzeug ab und hob sie hoch. Sofort lehnte sie sich zum Regal und versuchte, nach einem Buch mit einem pelzigen Tier auf dem Einband zu greifen. „Du willst ein Buch?“, fragte James. „Da musst du ganz lieb deinen Papa fragen.“

Max seufzte. „Diese gratis Vorlesestunden kosten mich ein Vermögen.“

„Es sind Bücher“, sagte Tara. „Die sind pädagogisch wertvoll.“

„Wir nehmen das Buch.“ Max stöhnte, als sich nun Maya zu dem Regal beugte. „Ich vermute, wir brauchen zwei.“

Tara suchte nach einem passenden Buch für Maya, während Max seine Geldbörse hervorzog und ihr seine Kreditkarte reichte.

„Du könntest auch lernen, Nein zu sagen“, meinte Tara auf dem Weg zur Kasse.

„Das kann ich“, entgegnete er. „Mein Problem ist der zwanzigminütige Wutanfall, der darauf folgt. Außerdem kann man Bücherkaufen wohl kaum als Verwöhnen bezeichnen, oder?“

„Absolut nicht“, sagte James. „Und das ist meine objektive Meinung als Buchhändler.“

„Wenn Lizzie mir die Ohren langzieht, gebe ich euch die Schuld.“

Tara reichte ihm die Karte und ging mit ihnen zur Tür. „Warum kommt ihr beide nicht am Freitag auch ins Bluebell?“

„Vielleicht.“ Er gab Tara an der Tür einen Kuss auf die Wange. „Ich rede mit Lizzie und gebe dir Bescheid. Nochmals Glückwunsch!“

Tara ging nach hinten und musterte die Hochzeitsgeschenke.

„Die Leute sind echt großzügig“, sagte sie. „Ich hatte keine Geschenke erwartet. Schon gar nicht von Kunden.“

„Viele sind schon fast Freunde geworden.“ James nahm eine Schachtel und schüttelte sie vorsichtig. „Zu groß für einen Bilderrahmen … vermutlich eine Vase.“

„Ich tippe auf einen nutzlosen Ziergegenstand … mach es auf.“

Er riss das Papier auf und hob den Deckel ab. „Eine Kerze“, sagte er.

„Die ist schön.“ Tara sah auf den gläsernen Kerzenhalter. „Wir sollten das Zeug nach oben bringen. Das sieht doch komisch aus, wenn Kunden kommen und wir Geschenke auspacken.“

James lud sich Päckchen und Tüten auf, bis er beide Arme voll hatte. Tara hielt ihm die Tür auf, dann holte sie ihr Handy unter der Ladentheke hervor. Sie las gerade eine Nachricht, als James zurückkam.

„Was ist los?“

„Nichts. Nur eine SMS von Nat.“ Ihre Halbschwester schrieb ihr in letzter Zeit regelmäßig. Bis vor sechs Monaten hatten sie kaum Kontakt miteinander gehabt, dann hatte sich Tara ihrem Dad und dessen Familie etwas angenähert. Tara und James hatten sie sogar in London besucht und seither hatten sie sich immer wieder mal auf halber Strecke zwischen London und Devon getroffen.

Der Kontakt mit ihren Halbgeschwistern war für Tara nicht einfach. Ben war mit fünfzehn Jahren der typische launische Teenager, der sich nicht besonders für seine ältere Halbschwester interessierte. Natalie hingegen hatte Tara mit offenen Armen willkommen geheißen und war der Meinung, dass sie nun beste Freundinnen werden mussten – zumindest konnte das aus der Anzahl ihrer Nachrichten geschlossen werden.

„Was schreibt sie?“, fragte James.

„Sie gratuliert uns noch einmal zur Hochzeit.“ Tara überflog den Text. „Und sie freut sich sooooooo für uns. Es folgen etwa zwanzig Emojis. Und sie fragt, ob sie das Wochenende über zu uns kommen kann.“

„Dieses Wochenende?“

„Ja. Sie möchte uns ein Geschenk bringen und würde gern die Buchhandlung sehen. Dad hat angeboten, sie am Freitagnachmittag herzufahren.“ Tara atmete tief durch. Die Vorstellung, dass ihre Halbschwester sich langsam in ihr Leben drängte, das sie so lange fernab ihres Vaters und dessen Familie geführt hatte, behagte ihr nicht recht.

„Aber das ist doch okay“, meinte James. „Ein guter Vorwand, mal das Gästezimmer aufzuräumen.“

„Ja“, antwortete Tara seufzend. „Aber wir arbeiten am Samstag, ihr wird bestimmt langweilig.“

„Ich komme schon allein klar. Du kannst mit ihr etwas unternehmen.“

„Außerdem haben wir Mum versprochen, ihr am Sonntag zu helfen. Sie will den neuen Kleiderschrank aufbauen und den alten entsorgen.“

„Das schaffe ich auch allein. Oder wir nehmen Nat mit.“

„Zu Mum? Das ist keine gute Idee.“

„Warum denn?“

„Das wird total komisch für Mum. Ich will nicht, dass sie sich aufregt.“

„Vielleicht ist es kein Problem für sie. Frag sie einfach.“

„Das kann ich nicht“, beharrte Tara. „Das gibt nur Probleme.“

„Vielleicht auch nicht.“

„Doch natürlich! Sie ist emotional instabil und liebt meinen Dad immer noch. Wie geht es ihr wohl, wenn sie sich mit den Kindern meines Vaters abgeben muss, die er mit seiner neuen Frau gezeugt hat?“

„Das weiß ich nicht. Und du auch nicht, wenn du sie nicht fragst.“

„Das werde ich auf keinen Fall tun.“ Tara stöhnte, als eine weitere Nachricht einging. „Schon wieder Nat. Bitte sag ja. Ich will unbedingt mit meiner Lieblingsschwester abhängen. Dann ein Zwinkersmiley und ungefähr 100 Emojis.“

„Sie vergöttert dich eben. Du darfst sie nicht enttäuschen.“

Tara seufzte. „Wir können zu Mum fahren, wenn Nat am Sonntag weg ist. Aber was ist mit Freitagabend? Wir wollten uns mit den anderen im Pub treffen.“

„Sie ist siebzehn, da können wir sie schon mitnehmen. Das macht ihr bestimmt mehr Spaß, als hier mit uns abzuhängen. Außerdem wirken wir cool, wenn wir sie mit in den Pub nehmen.“

„Klar, weil das Bluebell Inn ja so ein hipper Ort für Teenager ist!“

„Jetzt hör schon auf.“ James kitzelte sie am Hals, bis sie lachte und ihn von sich schob. „Schreib ihr, dass sie kommen kann und du dich freust. Und vergiss nicht, einen Haufen Emojis anzuhängen, damit sie auch weiß, dass du es ernst meinst.“

Zögerlich tippte Tara ihre Antwort ein. Der Gedanke, ihre Schwester ihren Freunden vorzustellen und sie in ihr Leben einzubinden, löste nicht gerade Freudensprünge bei ihr aus. Aber es war ja nur ein Wochenende.

KAPITEL3

Emily saß am großen Fenster im Schlafzimmer und blickte über den Garten hinaus auf das Meer. Einige Boote wogten in den Wellen und am Horizont zog ein Segelschiff vorbei. In ihrem Schoß lag ein Notizbuch, in dem sie sich Gedanken für ihren nächsten Roman notierte: Es sollte ein historischer Liebesroman werden, eingebettet in das Schmugglertreiben, das im frühen 20. Jahrhundert in Hope Cove stattgefunden hatte. Sie war ganz in den Tagtraum versunken, die Szenen ihres Plots spielten sich wie ein Film vor ihrem geistigen Auge ab.

Das Öffnen der Vordertür ließ sie aus ihrer Trance erwachen. Es war ihr Verlobter, Jack. Ihr Fuß war bereits eingeschlafen, so lange war sie auf ihm gesessen, und so humpelte sie die Treppe hinab.

„Was ist los?“, fragte Jack.

„Mein Fuß ist eingeschlafen.“ Sie blieb stehen und bewegte ihre Zehen und ihren Knöchel, damit das Blut wieder zirkulierte. „Wie war’s bei der Arbeit?“ Es dauerte einen Moment, bis ihr einfiel, welcher Wochentag war. Montags und dienstags arbeitete er im Pub, die restliche Woche über als Immobilienverwalter – die Stelle teilte er sich mit Max. Es war Mittwoch, also Immobilien. Das schien er lieber zu mögen, diese Tage waren abwechslungsreicher. Nicht, dass er sich je über die Arbeit im Pub beschwerte. Das Gesellige lag ihm ebenfalls.

„Gut. Wie lange braucht das Abendessen noch?“ Seine Augen glänzten. „Ich habe mich schon den ganzen Tag darauf gefreut.“

„Ich wollte einen Auflauf machen, oder?“ Sie hatte es wirklich vorgehabt, aber der Tag war wie im Flug vergangen. „Ich fange gleich damit an. Es wird ungefähr eine Stunde dauern. Tut mir leid“, fügte sie hinzu, als sie seinen enttäuschten Blick sah.

„Schon gut. Ich kann uns schnell was kochen.“

„Ich wollte wirklich das Abendessen vorbereiten.“ Für gewöhnlich kochte Jack, aber heute Morgen hatte sie ihm versprochen, sich darum zu kümmern. „Ich habe nicht auf die Zeit geachtet.“

„Kein Problem. Ich stelle ein paar Nudeln auf.“

„Tut mir leid.“ Sie schlang ihre Arme um ihn und kuschelte sich an seinen Oberkörper. „Ich bin eine furchtbare Freundin, aber ich verspreche dir, als Ehefrau werde ich hervorragend sein.“

„Dann kann ich also jeden Abend ein Essen auf dem Tisch erwarten, sobald wir verheiratet sind?“, fragte er schelmisch.

„So weit würde ich nicht gehen. Ich versuche nur, jetzt viel zu schaffen, damit ich in den Flitterwochen abschalten kann.“ Das Budget der beiden war begrenzt, also fuhren sie nur ein paar Tage nach Oxford, um Freunde und Familie zu besuchen – denn dazu fanden sie im Moment nie Zeit –, und danach nach London, um die Stadt wie Touristen zu erkunden.

„Ich denke nicht, dass du währenddessen gar nicht arbeiten wirst.“

„Ich verspreche es dir. Und ich versuche wirklich, das Arbeitspensum allgemein zu reduzieren.“

„Das sagst du ständig“, meinte Jack. „Und ich verstehe nicht warum, wenn sich doch die Bücher gut verkaufen. Du willst doch nur weniger arbeiten, weil du denkst, dass ich mir das wünsche. Aber ehrlich, mir macht das Kochen nichts aus. Ich habe nur heute daran gedacht, weil du gesagt hast, du würdest es übernehmen.“

„Du bist ein toller Kerl, weißt du das?“ Sie gab ihm einen Kuss, dann eilte sie in die Küche. „Ich stelle Nudeln auf und kümmere mich ums Essen. Morgen versuche ich es noch einmal mit dem Auflauf.“

„Es ist keine große Sache, ehrlich.“ Er setzte sich an den Küchentisch, während sie einen Topf mit Wasser füllte.

„Tara hat mir geschrieben“, erzählte Emily. „Sie haben uns für Freitagabend ins Bluebell Inn eingeladen, um ihre Hochzeit nachzufeiern.“

„Ich finde es so cool, dass sie einfach durchgebrannt sind.“

„Würdest du das auch lieber tun?“, fragte sie.

„Nein, ich will eine Party. Ich kann es kaum erwarten.“

„Schön zu hören“, sagte sie und stellte den Herd an. „Unglaublich, dass es nur noch eineinhalb Wochen sind. Das letzte halbe Jahr ist wie im Flug vergangen.“

„Wann kommen deine und meine Mum am Samstag?“

Beide Mütter kamen zu Emilys Junggesellinnenabschied. Die zwei verstanden sich gut und so wollten sie gemeinsam fahren und über Nacht bleiben.

„Gegen Mittag, denke ich. Hast du schon entschieden, wann du nach Oxford fahren willst? Freitagabend oder Samstagvormittag?“

„Eher Samstag.“

„Du wirkst nicht gerade enthusiastisch, was deinen Junggesellenabschied angeht.“

„Bin ich auch nicht. Das Dorfleben muss mich verändert haben, ich würde lieber mit Sam und Max im Bluebell was trinken gehen, als mit den Fußballjungs durch die Pubs der Stadt zu ziehen.“

Emily setzte sich Jack gegenüber, während sie darauf wartete, dass das Wasser kochte. „Wenn du erst am Samstag fährst, könnten wir am Freitag mit den anderen ins Bluebell gehen.“

„Das ist eine gute Idee. Hast du eigentlich mal mit Josie gesprochen? Wie geht es ihr?“

„Gut. Hoffentlich kommt sie am Freitag auch. Ich wollte mich diese Woche mit ihr treffen, aber sie hat abgesagt. Sie ist es bestimmt leid, dass ich ständig nur über die Hochzeit rede.“

„Sie ist im achten Monat schwanger und kugelrund. Die weite Fahrt ist ihr sicher zu viel.“

„Ich habe angeboten, zu ihr zu kommen.“

„Ich würde mir darüber keine großen Gedanken machen.“

„Ich finde es schade, dass wir uns ein wenig entfremdet haben. Ich wollte in der Schwangerschaft für sie da sein, aber mir kommt es vor, als wollte sie mich nicht um sich haben. Ohne Lizzie hätte ich nicht einmal eine Brautjungfer.“

„Ärgert dich das immer noch?“, fragte Jack. „Josie hat doch nur abgelehnt, weil sie nicht kugelrund im Brautjungfernkleid am Altar stehen wollte.“

Das verstand Emily ja auch. Trotzdem fand sie es schade, dass Josie nicht ihre Brautjungfer sein hatte wollen. Normalerweise stürzte sich Josie in jedes Abenteuer und Emily hätte erwartet, dass sie mit Stolz ihren Babybauch zur Schau stellte. Josie stand stets gern im Zentrum der Aufmerksamkeit.

„Schön, dass Lizzie dich so unterstützt“, sagte Jack. „Sie ist jedes Mal ganz aufgeregt, wenn ich sie treffe.“

„Ja, sie ist fantastisch.“ Sie hatte Emily beim Brautkleidshoppen begleitet, als es Josie nicht gut gegangen war. Emily wusste nicht, wie sie die letzten Monate ohne Lizzie überstanden hätte. Sie trafen sich ein, zwei Mal die Woche zum Mittagessen, um Abwechslung in ihren Arbeitstag als Solo-Selbstständige im Homeoffice zu bringen.

Als das Wasser am Herd kochte, gab Emily die Nudeln hinein und suchte im Vorratsschrank nach einem Glas Soße. Definitiv keine Sterneküche, aber Jack hatte von Anfang an gewusst, dass er keine begnadete Hausfrau heiraten würde.

KAPITEL4

Tara wollte am Freitagnachmittag gerade die Buchhandlung schließen, als es über der Tür klingelte und ihre Halbschwester hereinstürmte.

Nat sah sich mit weit aufgerissenen Augen um.

„Das Geschäft ist wunderschön!“, rief sie und umarmte Tara herzlich. „Die Schaufenster sind großartig. Ich wette, an denen kommt niemand vorbei. Du hast so ein Glück. Gehört das alles wirklich zur Hälfte dir?“

„Na ja, wir sind verheiratet. Wir teilen uns alles.“ Tara war neuerdings auch offiziell Miteigentümerin der Buchhandlung. Die Formalitäten waren bereits erledigt.

„Schön, den Laden endlich einmal zu sehen, nachdem wir so viel darüber gehört haben“, sagte ihr Dad, als er Tara umarmte. „Glückwunsch zur Hochzeit.“ Er reichte ihr eine Geschenktüte.

„Mum und ich haben es ausgesucht“, meinte Nat aufgeregt. „Es ist aus einem Töpferladen bei uns. Alles handbemalt. Die haben so schöne Sachen.“

„Vielen Dank.“ Tara drehte das Schild um und verschloss die Tür. „James ist oben, wollen wir hochgehen?“

„Eine Minute noch“, sagte Nat. „Ich will mich zuerst umsehen.“ Während sie durch die Regale wanderte, blieben Tara und David stehen.

„Es sieht wirklich fantastisch aus“, sagte er.

„Wir haben viel Arbeit hineingesteckt.“

„Die hat sich ausgezahlt“, sagte er, bevor sie in Schweigen verfielen. Mit Ausnahme von Taras früher Kindheit hatten die beiden nie viel Zeit miteinander verbracht. Manchmal kam er ihr wie ein Fremder vor.

„Ich liebe es!“, kreischte Nat aus der Kinderecke. „So süß. Ich wette, die Kinder kommen gern her.“

„Auf jeden Fall“, sagte Tara stolz.

---ENDE DER LESEPROBE---