Ein Neuanfang auf Oakbrook Farm - Hannah Ellis - E-Book

Ein Neuanfang auf Oakbrook Farm E-Book

Hannah Ellis

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Beschreibung

Josie Beaumont ist ein wahrer Freigeist. Sie wechselt ihren Job genauso oft wie ihren Beziehungsstatus. Also häufig! Die einzige Konstante in ihrem Leben ist ein ausgelatschtes Paar Schuhe, das viel zu bequem ist, als dass sie sich von ihm trennen wollte. Als sie wieder einmal arbeitslos ist, wird ihr ein Job in einer Hundepension mitten auf dem Land angeboten. Als jemand, der mit der Veränderung wächst, sieht sie dem Umzug nach Devon jedoch gelassen entgegen. Sie geht davon aus, dass das Landleben ruhig und beschaulich werden wird. Wäre da nicht Sam. Der charmante und einfühlsame Nachbar macht ihre Tage in Devon gleich viel interessanter. Je mehr sie sich in das Dorfleben integriert, desto stärker wird ihr bewusst, dass das Landleben gar nicht so eintönig ist, wie sie es erwartet hatte. Aber gerade als sie glaubt, ihren Platz gefunden zu haben, erhält sie ein Angebot für ihren absoluten Traumjob in London. Es ist also an der Zeit, weiterzuziehen. Oder etwa nicht? Teil einer Dorfgemeinschaft zu sein, hat etwas in Josie ausgelöst, und so beginnt sie sich zu fragen, was sie tief in ihrem Inneren möchte. Kann sie ihrem neuen Leben einfach den Rücken kehren und Sam zurücklassen? Oder ist sie bereit, ihre Zelte dieses Mal dauerhaft aufzustellen und nicht mehr abzubrechen? Vielleicht hat sie ja endlich etwas gefunden, dass es wert wäre, zu bleiben…

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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EIN NEUANFANG AUF OAKBROOK FARM

HOPE COVE BUCH 2

HANNAH ELLIS

Aus dem Englischen übersetzt vonDANIELA MAIZNER

Bearbeitet vonTHERESIA FINK

INHALT

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Ein Sommer am alten Bootshaus

Weitere Titel der Autorin (auf Deutsch)

Ein paar Worte der Autorin

Impressum

Hannah Ellis

c/o easy-shop

Kathrin Mothes

Schloßstraße 20

06869 Coswig (Anhalt)

Copyright © 2018 Hannah Ellis

Translation Copyright © 2020 Daniela M. Hartinger

Der vorliegende Roman ist Fiktion. Die darin enthaltenen Namen, Personen und Ereignisse entspringen der Fantasie der Autorin. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen, Ereignissen oder Orten sind dem Zufall geschuldet.

Der Inhalt dieses Buches darf nicht vervielfältigt oder kopiert werden.

Cover Design von Aimee Coveney

Für Dua.

Du verdienst das Beste …

stattdessen ein Buch.

KAPITEL1

Der Trauzeuge des Bräutigams musterte Josie neugierig. Offensichtlich hatte er vor, sich mit ihr zu unterhalten, und sie wünschte, er würde noch davon abkommen. Sie hatte auf der Hochzeit ihrer Schwester bereits genug höfliche Konversation betrieben und endlich eine freie Bank gefunden, in der Hoffnung, sie könne wenigstens für ein paar Minuten in Ruhe ihren Champagner trinken. Aber nun kam Sam ganz zwanglos zu ihr herübergeschlendert. Sie lächelte ihn an. Die beiden hatten sich erst heute kennengelernt, aber Josie hatte seinen Namen zuvor schon oft gehört.

An einem gewöhnlichen Tag sah er vermutlich durchschnittlich gut aus, aber an diesem Tag saß sein Anzug perfekt und das machte ihn leider zu einem echten Hingucker. Leider deshalb, weil ihr Freund und sie gerade erst vor ein paar Tagen Schluss gemacht hatten und sie fest entschlossen war, ihre Wut auf die Männerwelt im Allgemeinen zu projizieren, und nicht nur auf ihren Ex Jack. Aber das war schwierig, wenn ein Mann derart gut aussah und einen mit seinen funkelnden grünen Augen ansah.

„Ich muss es leider fragen.“ Sam setzte sich neben sie. „Was ist mit deinen Schuhen?“

„Wie bitte?“, fragte sie überrumpelt.

„Deine Schuhe … Hast du vergessen, sie einzupacken?“

„Nein.“ Ihr Tonfall wurde frostig. „Meine Schuhe sind an meinen Füßen.“

Er sah ein wenig verdutzt drein. „Das sind die Schuhe, die du heute tragen wolltest?“

„Ja. Warum?“

„Nur so.“

Sie funkelte ihn an. „Wenn du ein Problem mit meinen Schuhen hast, kannst du es mir auch ins Gesicht sagen.“

„Sie passen nicht zu deinem Kleid.“

„Es sind Converse“, sagte sie. „Die passen zu allem.“

Sein Blick wanderte über die Gäste, die sich in der Gartenanlage des Hotels tummelten. Es war eine wunderschöne Location an der Küste Devons, nah am Haus ihrer Schwester in Hope Cove. Die Kirschbäume im Garten blühten und glichen einer Explosion in Rosatönen. Die heruntergefallenen Blütenblätter sahen aus, als bildeten sie einen zarten, rosafarbenen Teppich.

„Du wünschst dir wohl gerade, du hättest diese Unterhaltung gar nicht erst angefangen.“ Josie beobachtete sein Unbehagen amüsiert. Alle anderen, die ihre Schuhe bemerkt hatten, hatten ihr entweder Komplimente dafür gemacht oder gemeint, dass sie bestimmt bequemer waren als hohe Absätze. Josie konnte hohe Absätze nicht ausstehen und so war ihre Schwester Lizzie schließlich einverstanden gewesen, dass sie ihre geliebten Turnschuhe zu dem eleganten Brautjungfernkleid aus Seide trug.

„Nicht wirklich.“ Sam richtete seine Krawatte, deren Petrolton zu ihrem Kleid passte. Dann blickte er auf seine blankpolierten schwarzen Anzugschuhe hinab. „Ich wünschte, ich würde selbst Turnschuhe tragen. Meine Füße bringen mich um.“

Sie strahlte. „Das war mein Argument. Warum sollte ich es einen Tag lang unbequem haben, nur um den Konventionen zu entsprechen?“

„Da hast du recht. Ich wünschte, ich hätte selbst daran gedacht.“

„Geh halt barfuß“, schlug sie vor. „Der Strand ist gleich dort unten und bei Strandhochzeiten gehen die Leute immer barfuß. Du könntest einen Trend lostreten. Ich bin mir sicher, dass mittlerweile alle am liebsten ihre schicken Schuhe ausziehen würden.“

„Du willst bestimmt nicht, dass ich meine Schuhe und Socken ausziehe. Das würde dich umhauen.“

„Dann lass sie bitte an.“ Sie wurde verlegen, als sein Blick wieder zu ihren Füßen wanderte. „Findest du, sie sehen bescheuert aus?“

„Nein. Nur ungewöhnlich und ein bisschen eigen.“

Eine ältere Dame kam langsam auf sie zu und Sam rutschte zur Seite, damit sie sich zwischen sie setzen konnte. „Kennst du schon meine Nachbarin?“, fragte er Josie.

Annette lächelte. „Wir haben uns schon kennengelernt. Bei Lizzie und Max.“

„Das Familientreffen zu Weihnachten.“ Josie erinnerte sich. Damals war es zwischen ihr und Jack auch gerade schwierig gewesen und er hatte in letzter Minute abgesagt. Er hatte noch nie wirklich Lust auf ihre Familie gehabt.

„Wir sind jetzt praktisch eine Familie“, sagte Annette. „Ich bin Max’ Tante, du seine Schwägerin. Was sind wir dann zueinander?“

„Ich habe keine Ahnung“, gestand Josie.

„Ich auch nicht.“ Annette blickte nach unten. „Ich bin neidisch auf deine Schuhe. Sie sehen sehr bequem aus.“

„Das sind sie auch.“ Josie grinste verschmitzt zu Sam hinüber.

Annette tätschelte ihm den Oberschenkel. „Sei doch so gut und hol mir etwas zu trinken. Ein Tonic, bitte. Ich bin schon ganz ausgetrocknet.“ Ein kurzes Schweigen entstand, als er davonging. „Er ist wirklich lieb“, sagte Annette mit einem Augenzwinkern zu Josie. „Und Single.“

Josie entkam ein Lachen.

„Ich sag’s ja nur.“ Annette warf ihr ein listiges Grinsen zu. „Für den Fall, dass du interessiert wärst. Aber von mir hast du das nicht … er schimpft mich immer, wenn ich ihn verkuppeln will.“

„Und für einen Moment dachte ich, ich wäre was Besonderes“, sagte Josie. „Aber anscheinend bin ich nur eine von vielen, mit denen du ihn verkuppeln willst …“

Die ältere Dame kicherte. „Er ist fünfunddreißig, er braucht jetzt wirklich eine Frau. Max ist ja nun endlich unter der Haube, sodass nur noch Sam fehlt. Dann kann ich zufrieden sterben.“

Josies Lächeln verschwand und sie blickte zur Seite. „Das mit Wendy tut mir leid.“ Annettes Partnerin war vor ein paar Monaten verstorben. Ein künstliches Hüftgelenk hatte zu Komplikationen geführt und sie hatte sich von den Eingriffen nicht mehr erholt. Am Ende war sie einer Lungenentzündung erlegen. Josie hatte die ganze Geschichte von Lizzie erfahren.

„Danke“, sagte sie leise. „Das war heute schwer für mich, um ehrlich zu sein.“

„Bestimmt.“ Josie legte sanft ihre Hand auf die von Annette und drückte sie, während sie die Gesellschaft beobachteten.

Sam kehrte nach ein paar Minuten mit einem Glas Tonic für Annette zurück. „Wir sollten wieder hineingehen“, sagte er. „Die Tanzfläche wird gleich eröffnet.“

„Ich suche mir einen Platz, von dem aus ich alles gut sehen kann“, sagte Annette und stand auf.

Josie folgte ihr. „Ich setze mich zu dir.“

„Du wirst mit Sam tanzen müssen“, erklärte Annette. „Das ist Tradition. Die Brautjungfer und der Trauzeuge …“

„Ich glaube nicht, dass Josie gerne Traditionen befolgt“, sagte Sam und blickte demonstrativ auf ihre Schuhe hinab.

„Ich will nur keine schmerzenden Füße. Ich habe ja nicht geahnt, dass meine Schuhe für solchen Wirbel sorgen.“

„Wenn du dir Sorgen um schmerzende Füße machst, solltest du besser nicht mit mir tanzen! Ich kann nicht versprechen, nicht draufzutreten.“

Drinnen fanden die drei gerade rechtzeitig einen Tisch, um den ersten Tanz nicht zu verpassen. Eine Jazzband spielte und die Atmosphäre war entspannt und gediegen zugleich. Alles war bis zur Perfektion geplant worden.

„Lizzie sieht hinreißend aus, nicht wahr?“, schwärmte Annette, zog ein Taschentuch aus ihrer Handtasche und tupfte sich die Tränen aus den Augenwinkeln.

Josie nahm sich ebenfalls ein Taschentuch von ihr, nickte und versuchte, ihren sentimentalen Anflug vor Sam zu verbergen. Warum mussten die ersten Tänze auf Hochzeiten auch immer so romantisch sein? Lizzie sah wundervoll aus und sie und Max strahlten, während sie gemeinsam über die Tanzfläche glitten. Sie wirkten wie die glücklichsten Menschen auf dieser Erde.

„Na dann komm.“ Sam stand auf und hielt Josie seine Hand hin, als das Lied endete und ein neues angespielt wurde.

„In Ordnung“, sagte sie mit einem Seufzen. Sie wollte nicht zu aufgeregt wirken, aber insgeheim konnte sie es kaum erwarten, auf die Tanzfläche zu kommen. Ein Hauch von Sams Aftershave stieg ihr in die Nase, als er sie näher an sich heranzog und sie schloss die Augen, als sie den Geruch einsog.

„Geht es Annette halbwegs gut?“, fragte Sam. „Sie sah draußen ein wenig traurig aus.“

„Sie sagte nur, wie schwer es heute für sie ohne Wendy war.“

Er sah in Annettes Richtung und warf ihr ein Lächeln zu. „Sie waren beinahe sechzig Jahre zusammen“, sagte er dann. „Ich kann mich noch nicht daran gewöhnen, Annette ohne Wendy zu sehen. Sie waren immer unzertrennlich.“

„Es ist so traurig.“

Für einen Augenblick schwiegen sie und Josie spürte Sams Hand auf ihrem Rücken. Dass er ein schlechter Tänzer sei, war offenbar nur ein Scherz gewesen und sie musste sich auf keinen Fall um ihre Zehen sorgen.

„Hat Annette irgendetwas Peinliches über mich erzählt?“, fragte er. „Sie will mich unbedingt verkuppeln. Irgendwann wird sie noch Frauen dafür bezahlen, damit sie mit mir ausgehen.“

„Von Geld war keine Rede“, konterte Josie grinsend. „Aber sie ist in der Tat sehr besorgt um deinen Beziehungsstatus.“

„Der bereitet ihr wohl schlaflose Nächte“, sagte er. „Ich habe schon Angst, dass sie irgendwann eine Anzeige in der lokalen Zeitung schaltet. Wahrscheinlich unter: an ein nettes Zuhause abzugeben.“

Sie lachte herzlich angesichts seines schelmischen Grinsens und wog sich mit ihm im Takt zur Musik. „Was würde denn in der Anzeige stehen?“

„Fünfunddreißig Jahre altes Männchen“, sagte er ohne zu zögern. „Gut aussehend.“ Er zog eine Augenbraue nach oben und grinste. „Charmant, gesund, mit eigenem Zuhause … wenn auch im Nirgendwo, umgeben von viel Tratsch und mit einer exzentrischen alten Lesbe als Nachbarin! Gut, vielleicht lässt sie den letzten Teil auch weg.“

„Klingt so, als wolle sie dich an die Höchstbietende abgeben, und nicht jemanden anflehen, dich ihr abzunehmen …“ Die Worte kamen ganz von alleine aus ihrem Mund und sie wurde sofort mit glühenden Wangen bestraft.

„Dann halten mich sowohl Annette als auch du für einen guten Fang.“

„Ich glaube nicht, dass ich das gesagt habe.“

Das Stück endete und er sah sie mit seinen großen Augen an. „Das habe ich aber gehört.“

KAPITEL2

Lizzie wirkte erschöpft, als sie auf ihrer Verabschiedungsrunde zu Josie kam. „Schön, dass du und Sam euch so gut verstanden habt“, bemerkte sie. „Ich hatte Angst, dass du den ganzen Tag über wegen Jack Trübsal bläst.“

„Er ist nett.“ Josies Versuch, lässig zu wirken, wäre effektiver gewesen, würde sie dabei nicht breit grinsen. Aber es ließ sich nicht vermeiden. Es war ein unerwartet schöner Tag gewesen und das hatte sie definitiv Sam zu verdanken.

„Jedes Mal, wenn ich zu dir sah, hast du mit ihm getanzt“, sagte Lizzie. „Ich bin froh, dass du eine schöne Zeit hattest.“

„Es war ein schöner Tag“, sagte Josie. Das erwartete man von einem, wenn man über Hochzeiten sprach, aber es stimmte tatsächlich. „Annette ist auch witzig.“

„Die arme Annette.“ Lizzie sah sich um. „Es war eine harte Zeit für sie. Wo ist sie?“

„Sie ist schon vor einiger Zeit ins Bett gegangen.“

„Die Glückliche. Ich bin todmüde, aber ich befürchte, es wird noch mindestens eine Stunde dauern, bis ich mich von allen verabschiedet habe.“

„Na dann, weiter mit dir. Wir sehen uns morgen.“

Josie gab ihrer Schwester einen Kuss auf die Wange und trat dann hinaus an die frische Luft. Es war ein schöner Abend und sie blickte in den sternenerleuchteten Himmel und zum Vollmond hinauf. Der ganze Tag war verflogen, ohne dass sie über die Trennung von Jack nachgegrübelt hatte, aber nun wurde sie plötzlich traurig. Sie war achtundzwanzig und hatte sich gerade wieder einmal von ihrem Freund getrennt. In den letzten achtzehn Monaten hatten sie vier Mal Schluss gemacht, waren aber am Ende immer wieder zusammengekommen. Sie wusste nicht, ob es dieses Mal für immer sein sollte.

Das nächste Problem war, dass sie immer noch keinen Job hatte. Die letzte Stelle war als Elternzeitvertretung nur befristet gewesen. Sie hatte als Assistentin in einer kleinen Werbeagentur gearbeitet, was ihr viel Spaß gemacht hatte. Ihre Vorgesetzten schienen ebenfalls zufrieden mit ihrer Arbeit gewesen zu sein und hätten sie verlängert, wäre es ihnen möglich gewesen. Es wäre wirklich praktisch gewesen, denn es war dort nie ein Problem, ein paar Stunden für ein Vorsprechen freizunehmen. Die Schauspielerei war schon so lange ihr Traum, auch wenn sie nun langsam zu dem Schluss kam, dass am Ende vielleicht doch nichts daraus werden würde.

Ihre Jobsituation stresste sie grundsätzlich nicht allzu sehr, sie hatte schlussendlich immer irgendetwas gefunden. Nur standen nun doch ein paar Entscheidungen an. Wenn das mit ihr und Jack wirklich vorbei war, wo sollte sie dann leben? Sie hatte zuletzt bei ihm in Oxford gewohnt und würde sich entweder mit ihm vertragen oder ihre Sachen packen müssen. Wieder bei ihren Eltern einzuziehen war ein trübsinniger Gedanke.

„Alles okay?“, fragte Sam, der plötzlich neben ihr stand.

„Ja ja, ich bin nur in Gedanken gerade meilenweit weg.“ Sie blickte hinab auf seine nackten Füße. Seine Krawatte war ebenfalls verschwunden und er sah nun viel lockerer aus. „Wie ich sehe, hast du meinen Rat befolgt.“

„Wegen dir habe ich viel zu viel getanzt. Ich habe furchtbare Schmerzen.“

„Du hättest ja nicht müssen.“ Sie folgte ihm ohne zu zögern, als er sich auf den Weg durch die Gartenanlage machte. „Wo gehst du hin?“

„Hinunter zum Strand. Ich muss meine Füße ins Wasser tauchen! Willst du mitkommen?“

Sie nickte und ging mit ihm durch die Anlage hinaus auf den Küstenpfad, der direkt dahinter lag. Sam zuckte zusammen und humpelte über den steinigen Weg. Der kurze Pfad zur sandigen Bucht hinunter war erleuchtet von weißen Lampen auf Holzpfählen. Josie inhalierte die herrliche salzige Luft und Sam marschierte eilig auf das Wasser zu, krempelte seine Hosenbeine nach oben und stöhnte zufrieden auf, als das Wasser seine Füße umspielte. „Das tut gut.“ Er sah zufrieden aus, als er durch die sanften Wellen watete. „Geht es dir gut? Du bist still geworden.“

„Alles in Ordnung.“ Sie bohrte gedankenverloren ihre Schuhspitze in den Sand. „Ich bin nur müde. Hochzeiten sind emotional ermüdend.“

„Das ist diese ganze Romantik! Furchtbar anstrengend.“

Sie zwang sich zu einem Lächeln, wurde jedoch gleich wieder traurig. „In den letzten zwei Wochen habe ich mich von meinem Freund getrennt und meinen Job verloren.“ Und offenbar auch die Hemmung davor, ihre Gedanken gegenüber Fremden auszusprechen. Warum hatte sie das gerade gesagt?

„Tut mir leid.“ Ein merkwürdiger Ausdruck huschte über sein Gesicht, den sie nicht wirklich lesen konnte.

„Das hast du schon gewusst, nicht wahr?“

Er machte einen vagen Versuch, verwirrt auszusehen.

„Oh nein.“ Josies Schultern sackten zusammen, als sie seufzte. „Dir wurde sicher gesagt, du sollst ein Auge auf mich haben. Wer war es? Lizzie? Oder etwa Max? Er entwickelt mir gegenüber einen merkwürdigen Beschützerinstinkt. So als ob er meint, er müsse dieses ganze Großer-Bruder-Getue abziehen. Ich sage ihm ständig, dass ein Schwager etwas anderes als ein Bruder ist, aber er hört mir nicht zu.“

Sam lächelte. „Sie machten sich beide Sorgen.“

„Wie peinlich. Es tut mir so leid. Du hättest nicht nett zu mir sein müssen, nur weil die anderen behaupten, man müsste sich um mich kümmern.“

„Ja, es war wirklich schlimm, ein Auge auf dich und Annette zu haben.“ Seine Augen funkelten schelmisch. „Ein wirklich schrecklicher Tag.“

Sie musste lachen, auch wenn ihr das alles furchtbar peinlich war. „Hast du also nur mit mir getanzt, weil ich dir leidtat? Ich fühle mich wie ein Dummkopf.“

„Das musst du nicht.“ Nun sah er reuig drein. „Ich habe definitiv nicht aus Gutmütigkeit mit dir getanzt.“

„Wirklich? Versprochen?“

Er sah ihr in die Augen. „Ich habe den ganzen Abend über jeden böse angesehen, der dich mir als Tanzpartnerin abwerben wollte.“ Er hielt inne. „Und ich bin wirklich froh, dass du letzte Woche mit deinem Freund Schluss gemacht hast. Es ist natürlich schade um die Beziehung und so weiter, aber ganz eigennützig gesagt, bin ich froh darüber. Auch wenn meine Füße vielleicht anderer Meinung sind.“

Sie neigte den Kopf leicht zur Seite. „Du bist süß.“

„Sag das nicht.“ Er runzelte die Stirn und ging aus dem Wasser. „Frauen mögen keine süßen Kerle. Das ist kein wirkliches Kompliment.“

„Natürlich“, beharrte sie. „Das ist definitiv ein Kompliment.“

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich dir glauben soll.“

Als er näherkam, nahm sie seine Hand, zog ihn zu sich und legte ihre Arme um seinen Nacken. Seine Hände landeten auf ihren Hüften und die Hitze drang durch den dünnen Stoff ihres Kleides. Nachdem sie fast den ganzen Tag über getanzt hatten, fühlte sich diese Position schon ganz natürlich an. Nur, dass sie gerade alleine und ohne Musik am Strand waren und sie ihn einfach nur noch küssen wollte.

Die Romantik der Hochzeit ergriff Besitz von ihr. Sie hatte sich erst vor ein paar Tagen von Jack getrennt und nun stand sie kurz davor, einen Fremden am Strand zu küssen. Ihre Finger strichen über die zarte Haut an seinem Nacken. Sie zog ihn zu sich und schloss ihre Augen, als sich ihre Lippen berührten. Der Kuss fühlte sich so natürlich an und dennoch überraschte sie der Schwarm Schmetterlinge, der von ihrem Bauch aus durch ihren ganzen Körper strömte. Sie fühlte sich schwerelos und es dauerte einen Moment, bis sie realisierte, dass er sie vom Boden hochgehoben hatte.

„Ich glaube nicht, dass man von mir erwartet hat, dich zu küssen“, sagte er, als er sie wieder absetzte. Sie musste grinsen.

„Wie lauteten deine Anweisungen?“

„Ich solle zusehen, dass du nicht den ganzen Tag mürrisch in einer Ecke herumsitzt.“

„Ich würde sagen“, flüsterte sie, „du hast gute Arbeit geleistet.“

KAPITEL3

Am nächsten Morgen strahlte die Sonne erbarmungslos durch das Fenster ihres Hotelzimmers, aber Josie erwachte trotzdem mit einem Lächeln auf den Lippen. Vom Fenster aus konnte sie direkt auf den Strand und die Stelle hinabsehen, an der sie gestern Abend Sam geküsst hatte. Lizzies und Max’ Hochzeit hatte sich als unterhaltsamer herausgestellt, als sie es erwartet hatte.

Ihre gute Laune verebbte allerdings schlagartig, als ihr Telefon klingelte und sie Jacks Namen auf dem Display sah. Was wollte er von ihr?

„Wie war die Hochzeit?“, fragte er. Es war typisch für Jack, dass er einfach so tat, als wäre nichts geschehen.

„Nett“, murmelte sie.

„Schade, dass ich sie verpasst habe. Wann kommst du nach Hause?“

„Um mein Zeug zu holen?“

Er seufzte. „Jetzt sei doch nicht so. Das war doch nur ein dummer Streit.“

„Ein dummer Streit, bei dem du verkündet hast, dass du dir nicht sicher seist, ob das Ganze funktionieren könne … oder dass wir vielleicht nicht zusammenpassen … Dass es besser wäre, wenn wir uns trennen. Das klang für mich mehr nach Trennung als nach einem dummen Streit.“

„Ich hatte einen schlechten Tag.“

Eine Welle des Zorns übermannte sie. „Du hast also mit mir Schluss gemacht, weil du einen schlechten Tag hattest?“

„Ich habe nicht mit dir Schluss gemacht … Ich habe doch nur rumgeschimpft.“

„Etwa nur, weil du nicht zu der Hochzeit kommen wolltest?“

„Du weißt, wie sehr ich Hochzeiten hasse. Und Familienfeiern. Ich habe Panik bekommen, das ist alles.“

„Du bist armselig, Jack.“

„Ja, aber du liebst mich, stimmt’s?“

Sie schüttelte den Kopf und sah aus dem Fenster. Wenn sie gar nicht richtig Schluss gemacht hatten, hatte sie ihn mit Sams Kuss am Strand betrogen. Das behielt sie vermutlich besser für sich.

„Ich komme heute Abend, um mein Zeug zu holen.“

„Nein, nicht um dein Zeug zu holen. Sei doch nicht so dramatisch. Bis später, Liebling.“

Sie seufzte. „Tschüss, Jack.“

Die Unterhaltung fasste ihre ganze Beziehung gut zusammen. Sie liebte ihn, auch wenn sie nicht genau wusste, warum. Es war zum Haare raufen.

Nachdem sie geduscht hatte, zog sie sich ein Paar zerrissene Jeans und ein T-Shirt an. Sie föhnte rasch ihre schulterlangen braunen Haare und band sie dann zu einem Pferdeschwanz hoch. Sie war mit perfekter, olivenfarbener Haut gesegnet und musste sich kaum Gedanken um Make-up machen.

Unten im Restaurant nahm die Hochzeitsgesellschaft eine ganze Seite des großen Saales ein. Sie ließ ihren Blick über die Tische schweifen, bevor sie sich auf das Frühstücksbuffet stürzte. Sam war bereits da und saß bei Annette, Max und Lizzie. Josies Appetit verschwand, als sie ihn sah. Was stimmte nicht mit ihr? Es war doch nur ein Kuss gewesen, Herrgott nochmal. Kein Grund, gleich so hibbelig zu werden. Sie bediente sich am Buffet und wollte sich gerade zu ihren Eltern setzen, als Annette nach ihr rief.

„Setz dich doch zu uns …“

Sie rang sich ein Lächeln ab, wechselte die Richtung und setzte sich an das andere Ende des Tisches.

„Max erzählte uns gerade, dass du arbeitslos bist“, sagte Annette mit einem unpassenden Grinsen.

„Auch euch einen guten Morgen!“

Josie bemerkte Sams Blick auf ihr und lächelte ihm müde zu. Er sah sogar ohne Anzug gut aus. Sie war überzeugt davon gewesen, dass es nur der Anzug, der Champagner und die romantische Atmosphäre gewesen waren, die ihn so attraktiv hatten wirken lassen, aber sogar in Jeans und T-Shirt machte er etwas her. Er war gut gebaut und hatte ein freundliches, ansprechendes Gesicht. Sein hellbraunes Haar war weich und geschmeidig. Das wusste sie deshalb so genau, weil sie ihm während des Kusses durch die Haare gefahren war. Die Erinnerung daran brachte ihre Wangen zum Glühen und sie blickte eilig zur Seite.

„Ich habe einen Job für dich“, sagte Annette.

Max lachte. „Ich glaube nicht, dass Josie bei dir auf der Farm leben und deine Aufpasserin sein will.“

„Ach, sei doch still.“ Sie gestikulierte abwehrend in seine Richtung und wandte sich an Josie. „Hör nicht auf ihn. Ich brauche jemanden, der für mich die Hundepension führt.“

„Ich dachte, du hättest sie geschlossen“, sagte Josie, die sich an ein früheres Gespräch mit ihrer Schwester erinnerte.

Lizzie zog eine Augenbraue nach oben. „Das hatte sie auch.“

„Aus der Notwendigkeit heraus“, sagte Annette. „Nicht, weil ich das wollte. Ich möchte sie wieder öffnen, aber für mich allein ist das zu viel Arbeit.“

„Warum genießt du nicht einfach deinen Ruhestand?“, fragte Max. „Du solltest es dir gut gehen lassen und dich nicht zu Tode arbeiten.“

Sie funkelte ihn an. „Nur weil ich alt bin, heißt das nicht, dass ich herumsitzen und auf meinen Tod warten will.“

Eine unangenehme Stille entstand, die Sam schlussendlich unterbrach. „Das hat doch niemand gesagt. Wir haben nur Angst, dass du zu viel arbeitest.“

„Ihr solltet lieber Angst davor haben, dass ich nicht genug arbeite. Ich hasse es, faul zu sein. Ich werde noch verrückt in dem Haus, ganz allein ohne Wendy und ohne die Hunde. Ich weiß nicht, was ich mit mir anfangen soll.“ Wieder entstand ein Schweigen, bevor sie fortfuhr: „Ich habe darüber nachgedacht. Ich werde jemanden einstellen, der mir hilft. Alleine schaffe ich das alles nicht, aber mit ein wenig Hilfe kann ich die Pension im Handumdrehen wieder öffnen.“ Sie blickte zu Josie.

„Ich weiß doch gar nichts über Hunde … oder darüber, wie man eine Hundepension führt.“

„Ich kann es dir beibringen“, bot Annette an. „Ich kenne mich aus. Und Lizzie meinte, dass du schon alle möglichen Jobs hattest. Du lernst also bestimmt schnell.“

„So kann man es wohl auch sehen“, sagte Josie belustigt.

„Du wirst alles im Handumdrehen lernen.“

Josie schüttelte den Kopf. Annette schien es mit dem Jobangebot ernst zu sein. „Das würde aber nicht funktionieren … du wohnst in … mitten im Nirgendwo, wo immer das auch ist. Und ich lebe in Oxford.“ Da fiel ihr wieder ein, dass sie gar nicht genau wusste, wo sie nun lebte. Bei Jack oder bei ihren Eltern? Sie musste sich wirklich darum kümmern. Aber auf alle Fälle lebte sie in Oxford und das war nun mal zu weit zum Pendeln.

„Ja, Averton ist ein Stück von Oxford entfernt, aber das macht nichts. Du kannst bei mir wohnen, ich habe schließlich viel Platz. Das wäre gar nicht schlecht: Du wohnst gratis und die Mahlzeiten sind auch inkludiert. Und ich bin eine großartige Köchin. Außerdem hättest du keinen Arbeitsweg und ich kann dir ein angemessenes Gehalt bezahlen …“

Josie lachte. „Das ist ein tolles Angebot, Annette. Aber ich kann nicht aufs Land ziehen. Ich habe ein Leben. Ich kann nicht einfach meine Sachen packen und gehen.“ Tatsächlich aber hatte sie kaum ein Argument, warum sie das nicht tun konnte. Wegen ihres nicht vorhandenen Jobs oder ihres Freundes, von dem sie nicht einmal sicher war, ob er es noch war? Wie armselig ihr Leben doch war. Sie hatte erwartet, dass Max und Lizzie einspringen würden, um sie aus dem Gespräch zu retten, aber die beiden verhielten sich verdächtig ruhig.

„Das Timing passt doch gut“, meldete sich Lizzie schließlich zu Wort. „Ein Neuanfang könnte dir guttun.“

Josie runzelte die Stirn und sah dann, dass Annette sie erwartungsvoll anblickte. Sie schien nicht locker zu lassen. „Du hast mich ein bisschen überrumpelt. Ich kann mir nicht vorstellen, auf dem Land zu leben.“

„Du hast keinen Job“, sagte Lizzie. „Da kommt das doch gelegen. Was willst du denn sonst machen?“

Josie öffnete ihren Mund, um zu sprechen. Sie hatte sehr wohl einen Plan. Sie würde noch mehr Schauspielunterricht nehmen und versuchen, erneut eine Rolle zu bekommen. Sie hatte vor ein paar Wochen an einer Fernsehshow mitgearbeitet und es geliebt. Sie wollte es noch einmal mit ihrer Schauspielkarriere versuchen.

Aber jetzt, wo sie jeder anstarrte, fühlte sich ihr Traum von einer Fernsehkarriere plötzlich dumm an. Lizzie hatte immer gesagt, dass sie ihre Vorstellung für einen Wunschtraum hielt und dass daraus nichts werden würde. Vermutlich hatte sie recht.

„Ich weiß nicht, was ich tun werde.“ Josie stand auf und der Stuhl kratzte geräuschvoll über den Holzboden. „Danke für das Angebot, Annette. Ich werde darüber nachdenken müssen. Jetzt hole ich mir erst noch einen Kaffee.“

Sie nahm ihren Teller und setzte sich zu ihren Eltern, um dort in Ruhe zu essen.

„War die Jobsuche schon erfolgreich?“, fragte ihr Vater.

„Du meinst seit dem letzten Mal, als du gefragt hast? Also gestern? Nein, Dad.“ Wenn man das Angebot außer Acht ließ, das sie gerade am Nebentisch erhalten hatte. Aber das zählte sie natürlich nicht, denn es war verrückt. Niemals würde sie ins Niemandsland ziehen und in einer Hundepension arbeiten.

„Hast du schon mit Jack gesprochen?“, wechselte ihre Mutter das Thema. „Glaubst du, ihr werdet das hinkriegen oder soll ich das Zimmer für dich freimachen?“

„Das brauchst du nicht.“ Sie nahm eine Scheibe kalten Toasts und biss geräuschvoll davon ab. „Ich lasse mir etwas einfallen.“

Sie konnte wirklich nicht wieder bei ihren Eltern einziehen.

KAPITEL4

„Ich kann noch gar nicht glauben, dass du verheiratet bist“, sagte Josie zu Lizzie, als sie am Strand saßen und den Wellen zusahen. Nach dem ungezwungenen Frühstück hatten sie die meisten Hochzeitsgäste verabschiedet und waren in Lizzies und Max’ Cottage gefahren. Dort hatten sie sich an den Strand gesetzt, um das schöne Frühlingswetter zu genießen.

„Ich auch nicht“, antwortete diese.

„Wenn man bedenkt, dass du vor noch gar nicht so langer Zeit mit jemand anderem verlobt warst!“

„Ich weiß. Verrückt, wie schnell sich die Dinge ändern können. Wo wir gerade dabei sind … du solltest über Annettes Angebot nachdenken.“

„Das ist doch nicht dein Ernst“, sagte Josie, als Max gerade zu ihnen kam, einen Arm um Lizzies Schultern legte und ihr einen Kuss auf die Stirn gab.

„Es ist keine schlechte Idee“, warf Max ein. „Du brauchst einen Job und Annette braucht Hilfe. Außerdem wäre es für uns super, wenn du schon bald bei ihr einziehen würdest. Dann bräuchten wir uns während der Flitterwochen keine Sorgen um sie zu machen.“

„Aha, ich verstehe.“

„Für dich hätte es auch Vorteile“, erklärte Max. „Du kannst dort mietfrei wohnen und die Verpflegung ist auch inklusive.“ Er zog seine Augenbrauen nach oben. „Sam wäre gleich nebenan …“

„Das ist ein guter Grund, um nicht dort hinzuziehen“, sagte Josie heiter. „Wie peinlich, dass ihr ihm gesagt habt, er solle ein Auge auf mich haben. Ich bin doch kein Wohltätigkeitsprojekt.“

„Er sollte es dir ja auch nicht sagen“, seufzte Max. „Und er sollte dich auch nicht küssen …“

Lizzie riss die Augen auf. „Du hast Sam geküsst?“

„Pssst!“ Josie sah sich rasch nach Sam um, der sich weiter unten am Strand mit Max’ Neffen unterhielt. Sie sah wieder zu Max. „Warum hat er dir das erzählt?“

„Ich glaube nicht, dass er es vorgehabt hatte, aber er war so aufgeregt.“

„Sam ist toll.“ Lizzie warf einen Blick in seine Richtung. „Aber das geht doch ein bisschen schnell nach der Trennung von Jack, findest du nicht?“

„Es war nur ein Kuss“, erwiderte Josie. „Solche Dinge passieren eben auf Hochzeiten.“

„Offensichtlich“, sagte Lizzie. „Wie dem auch sei, was ist denn nun mit Annettes Angebot?“

„Ich werde nicht bei Max’ Tante einziehen. Und es überrascht mich, dass du die Idee gut findest. Habt ihr denn noch nicht bemerkt, dass ich keinen Job länger als fünf Minuten behalten kann? Warum empfehlt ihr mich Annette überhaupt weiter?“

„Es ist immer das Übel vorzuziehen, das man schon kennt“, sagte Max emotionslos und erntete dafür einen Stups von Lizzie. „Ist doch wahr!“ Er lachte. „Sie will unbedingt jemanden einstellen, ist aber im Grunde eine gebrechliche alte Dame, die auf einer abgelegenen Farm lebt. Ich möchte dort keinen Fremden haben. Bevor wir uns versehen, könnten ihre ganzen Ersparnisse weg sein. Sie ist viel zu vertrauensselig.“

„Danke für das Vertrauen. Du bist mir ein schöner Bruder.“

„Schwager“, korrigierte er sie. „Wie du mir immer wieder gerne erklärst.“

„Ist doch egal. Du bist gerade mal einen Tag im Amt und schon gemein zu mir.“

Er legte einen Arm um sie und drückte sie liebevoll. „Du würdest in der Hundepension gute Arbeit leisten. Und ich bin mir sicher, dass Annette und du gut auskommen würdet. Denk doch einfach darüber nach.“

Sie versprach es und gesellte sich dann zu den anderen, wo sie sich mit einem von Max’ Brüdern und dann mit einer älteren Nachbarin namens Dotty unterhielt, die sie schon öfters getroffen hatte. Schließlich führte sie ihr Weg zu Sam.

„Ich habe eine Beobachtung gemacht.“ Er sprach verdächtig leise. „Sag mir bitte, was du davon hältst …“

„Okay.“ Sie versuchte, sich nicht darauf zu konzentrieren, wie nah er ihr war. „Was ist es?“

„Deine Schwester trinkt nichts.“

„Na und?“

„Sie hat gestern auch nichts getrunken.“

„Doch. Bei den Ansprachen hatte sie definitiv ein Glas Champagner in der Hand.“

Er schüttelte den Kopf. „Sie hat vielleicht ein Glas gehalten, aber sie hat keinen Schluck davon getrunken.“

„Was willst du damit andeuten?“

„Gar nichts.“ Er zuckte mit den Schultern. „Es ist mir nur aufgefallen.“

Josie sah hinüber zu Lizzie, die im Sand saß und sich an Max lehnte. „Meintest du nicht, dass du in einem Dorf voller Tratschtanten lebst? Ich glaube, sie haben auf dich abgefärbt.

---ENDE DER LESEPROBE---