Ein Garten rettet eine ganze Welt - Kate Bradbury - E-Book

Ein Garten rettet eine ganze Welt E-Book

Kate Bradbury

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Beschreibung

Die bekannte englische Gartenjournalistin Kate Bradbury hat einen neuen Garten. Er wimmelt von Leben: Da gibt es Rote Mauerbienen und Hummeln, Sperlinge, Igel und Libellen. Es scheint, die ganze Froschbevölkerung von Brighton und Hove laicht in jedem Frühjahr in ihrem kleinen Teich, und jetzt gibt es sogar Kröten. An Sommerabenden sieht Kate Fledermäuse fliegen, und in solchen Augenblicken scheint die Welt völlig in Ordnung zu sein. Doch sie weiß, der Lebensraumverlust in unseren Gärten nimmt immer schlimmere Formen an, genauso wie auf dem Land und weltweit, und es gibt eine weitere Bedrohung: die Klimaveränderungen. Die Temperaturzunahme erreicht bedrohliche Ausmaße, und Kate fragt sich, was das für unsere wildlebenden Tiere für Folgen haben mag. In ihrem mutmachenden Buch beschreibt Kate leidenschaftlich, wie ihre Angst vor dem Klimakollaps sie dazu bewegt, nach positiven Möglichkeiten in dieser sich verändernden Welt Ausschau zu halten. Sie lädt Sie ein, an ihrem Leben teilzuhaben: an den hoffnungsvollen Veränderungen in ihrem Garten und an den Rückschlägen, an ihrem nie nachlassenden Mut und ihren vielen kleinen (und größeren!) Erfolgen. Sie erzählt mit Liebe und Hingabe, und so ganz nebenbei können wir viel von ihr lernen. Ein Garten rettet eine ganze Welt ist ein Aufruf, selbst etwas zu tun – Gärtner, Kommunalverwaltungen und Einzelpersonen – um Insekten, Amphibien, Vögeln und Kleinsäugern zu helfen und den ­ Klimaveränderungen entgegenzuwirken. Denn diese und der Artenverlust gehen Hand in Hand – und es ist nie zu spät, etwas zum Besseren zu wenden, denn: Ein Garten rettet eine ganze Welt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 458

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Ein Garten rettet eine ganze Welt

»Von Kate Bradbury erfahren wir, wie wir alle selbst den kleinsten Raum in eine Oase für wildlebende Tiere und etwas Positives für den Planeten verwandeln können. Dieses Buch ist ein Zeugnis für die Kraft der Gemeinschaft und ein tröstlicher Begleiter auf dem Weg zu einer besseren Welt.«

Isabella Tree, Autorin von Wildes Land und Wilding

»Aufrichtig und leidenschaftlich ist dies eine Einladung zu einer tieferen Beziehung mit der Welt um uns herum und ein Beweis dafür, was erreicht werden könnte, wenn wir zu wahrhaftigen Hütern der uns umgebenden Natur würden.«

Melissa Harrison, Autorin von All Among the Barley

»Kate Bradbury zeigt uns, wie eine einzelne entschlossene Person die Macht hat, etwas zu verändern und wie kleine Taten zusammen sehr viel ausmachen können. Sie setzt sich für unseren wunderschönen Planeten ein, eine Raupe nach der anderen.«

Pam Ayres, Dichterin

»Kate Bradbury tritt überzeugend und auf poetische Weise dafür ein, dass Gartenarbeit angesichts der sich verschärfenden Klima- und Naturkatastrophen keine persönliche Leidenschaft, sondern eine politische Notwendigkeit ist. Lesen Sie dieses Buch.

Caroline Lucas, Parlamentarierin in Großbritannien

»In Kate Bradburys wildem Garten liegt der Schlüssel zu einer sanften Revolution. Diese wunderbaren Geschichten zeigen uns die Macht, die wir haben, unseren wildlebenden Tieren zu helfen, indem wir einfach unseren Garten mit ihnen teilen, womit wir zugleich dem Klima helfen. Ihr Buch ist voll Freude – und äußerst wichtig. Ich liebte jede Seite!«

Megan McCubbin, Autorin von Back to Nature

»Ein herrlich subversives, zutiefst menschliches Buch. Es erweist Kate Bradburys Kunstfertigkeit, solch große Themen mit außerordentlicher Leichtigkeit zu verknüpfen.«

Hugh Warwick, Autor von Cull of the Wild

»Diese Buch brachte mich dazu, der Natur näherkommen zu wollen. – Ich möchte einen Teich anlegen, ich möchte nach Fröschen Ausschau halten.«

Jasmine Isa Quereshi, Journalistin, Dichterin und Ökologin

»Eine wundervolle Vision einer Welt, in der alle Gärten naturfreundlich sind und von Leben nur so vibrieren.«

Dave Goulson, Autor von Silent Earth

»Die größte existenzielle Krise, mit der wir zu tun haben, verdichtet sich im Schmelztiegel eines winzigen Stücks des Paradieses.«

Chris Packham

Kate Bradbury

Ein Garten rettet eine ganze Welt

Es gibt heute unbedingt viele gute Gründe, das weibliche Geschlecht wieder besser sichtbar zu machen. Dies ist seit mehr als 40 Jahren auch Anliegen unseres Verlages. Ob dies durch Gendern erreicht wird, darf man jedoch hinterfragen, immerhin geht es um unsere Muttersprache. Sicher ist, dass der grammatische Genus nichts über das Geschlecht (Sexus) aussagt. Deswegen halten wir uns als Verlag beim Gendern bewusst zurück. Ausführliche Begründung dazu unter www.neue-erde.de/derdiedas

Kate Bradbury

Ein Garten rettet eine ganze Welt

Kleine Schritte Große Hoffnung

Mit Illustrationen von Abby Cook

Aus dem Englischen von Andreas Lentz

Bücher haben feste Preise.

1. Auflage 2026

Kate Bradbury

Ein Garten rettet eine ganze Welt

© Kate Bradbury, 2024

Diese Übersetzung von One Garden Against the World wird veröffentlicht von Neue Erde GmbH in Übereinkunft mit Bloomsbury Publishing Plc.

Übersetzt aus dem Englischen von Andreas Lentz.

© für die deutsche Ausgabe Neue Erde GmbH 2026

Alle Rechte vorbehalten.

Umschlag:

Illustration: Meraylah Allwood

Gestaltung: Dragon Design, GB

Illustrationen © Abby Cook, 2024

elSBN 978-3-89060-296-7

ISBN 978-3-89060-887-7

Neue Erde GmbH

Cecilienstr. 29 • 66111 Saarbrücken

Deutschland • Planet Erde

www.neue-erde.de • [email protected]

Inhalt

Prolog

Über mich und meinen Garten

April

Mai

Juni

Juli

August

September

Oktober

November

Dezember

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Epilog

Danksagungen

30 Millionen Gärten für den Planeten

Empfohlene Literatur

Hilfreiche Websites

Stichwortverzeichnis

Prolog

»Liebling, schau aus dem Fenster! Es ist alles in Ordnung!«

In meinen Zwanzigern lebte ich in Manchester, im sechsten Stock eines Wohnblocks der Stadtverwaltung, direkt an der A57, dem Mancunian (Mancy) Way. Nur einen kurzen Gang vom Bahnhof Manchester Piccadilly und dem Stadtzentrum entfernt, war es grau, laut und zugebaut. Ich liebte meine Wohnung; sie war mein erster Versuch, erwachsen zu werden, auf eigenen Füßen zu stehen. Ich strich mein Schlafzimmer silbern und schlief auf einer Matratze am Boden, und ich baute Mais, Tomaten und Zucchini in Töpfen auf dem Balkon an (ich war 24 – natürlich hatte ich Zuckermais auf dem Balkon).

Ich arbeitete und spielte in den Bars und Clubs von Manchesters Schwulenviertel, und wenn ich in den frühen Morgenstunden nach Hause ging, hielt ich die Schlüssel in meiner geballten Faust, um vor möglichen Angreifern gewappnet zu sein – und ich sah Igel.

Es kam mir nie in den Sinn, die Igel könnten in Schwierigkeiten sein und angesichts der Umgehungsstraße, des Lärms und Gestanks der Stadt nicht die besten Voraussetzungen für ihre Futtersuche haben. Für mich war ihre Anwesenheit einfach nur magisch, und ihr Anblick auf den Grasflächen rund um meine Wohnsiedlung, wenn ich von Partys und Nachtclubs nach Hause stolperte, liebt ich mehr als alles andere.

Das Zuhause der Igel war – wie meines – städtisch und düster, aber es gab Bäume, weite Rasenflächen, Sozialwohnungen mit vernachlässigten Gärten. Es gab einen kleinen Park mit Kirschbäumen. Es waren nicht viele, aber genug. Die Gegend nicht beliebt, hatte den Flair von städtischer Verwahrlosung, aber ich lernte bald, dass sie ein idealer Lebensraum für Igel war, ebenso wie für die Vögel, Bienen und Schmetterlinge, die auch meinen Balkon besuchten.

Jahre später hatte ich einen Job in Manchester, und am Morgen, bevor mein Zug zurück nach Brighton fuhr, machte ich einen Spaziergang durch das Schwulenviertel, zu den Bars und Clubs und schließlich zu der Siedlung, in der ich früher gewohnt hatte: Die Wohnungen waren renoviert worden: die Balkone jetzt mit luftdichten Fenstern versehen, die die Wohnungen vermutlich besser isolierten und schalldichter machten, die Bewohner aber noch weiter von der Natur entfernten. Die Gärten der Häuser waren zugepflastert, und es gab wohl mehr Platz zum Parken. Nicht nur die Menschen werden unter dem Verlust von Grünflächen gelitten haben; ich fragte mich, wie es den Igeln ging.

Ich postete auf Twitter über diesen Besuch. Eine alte Freundin, Choel, die in der Wohnung zwei Stockwerke unter mir wohnte und jetzt immer noch dort lebte, meldete sich und erzählte, die Igel seien nicht mehr da. Die Stadtverwaltung hatte einen PFI-Vertrag (Public Finance Initiative) mit einem privaten Unternehmen unterzeichnet, das das Gebiet verwalten sollte. Es wurden Bäume gefällt, Gärten zugepflastert, und der kleine Park mit Kirschbäumen wurde abgeholzt. Sie bauten den Bewohnern eine Kleingartenanlage, errichteten aber einen riesigen Zaun um sie herum, so dass Igel weder hinein noch hinaus konnten. Sie schickte mir Fotos von ganzen Gärten, die in Müllcontainern gelandet waren, von in voller Blüte gefällten Bäumen, an deren Ästen noch Vogelfutterhäuschen hingen. Sie berichtete, sie habe zehn tote Igel gefunden, und weitere, die tagsüber unterwegs und untergewichtig waren. Schließlich brachte sie die Tiere, die sie nachts einsammelte, zu einer Auffangstation, wo sie gefüttert und getränkt wurden, bevor sie an einem Ort freigelassen wurden, an dem sie eine Chance hatten zu überleben. Sie bedauerte, so lange gewartet zu haben, bevor sie etwas tat; sie wünschte, sie hätte die zehn toten Tiere retten können. Aber sieben hat sie gerettet. Ich bin froh, dass sie sie überhaupt wahrgenommen hat.

Wir beklagen den Verlust von Lebensräumen, aber in Wirklichkeit ist es Diebstahl – niemand zerstört einfach sein Zuhause… Wir nennen es Fortschritt, aber wie können wir nur? Wie viele Menschen haben während des Planungsprozesses an die Igel gedacht oder sich um sie gekümmert? Oder an die anderen Bewohner, sowohl menschliche als auch wilde? Die Verwaltungsgesellschaft hat sicher eine ökologische Untersuchung durchgeführt, aber, wie so oft, wahrscheinlich im Winter, als die Igel ihren Winterschlaf hielten (leider muss ich sagen, dass es auch so etwas wie zwielichtige Ökologen gibt). Wussten außer Choel und mir noch andere Anwohner von den Igeln auf diesem Grundstück? Hat es jemanden interessiert? Die Stadtverwaltung hat die Gärten zugepflastert, um Geld für die Instandhaltung zu sparen. Die Bäume und der Park gingen verloren, weil die Parkplätze, die sie ersetzten, eine Einnahmequelle sind. Die von der Gemeinde dort untergebrachten Bewohner – viele von ihnen sind schutzbedürftige Migranten oder Sexarbeiter – werden nicht unbedingt von diesen Lebensräumen gewusst oder an sie gedacht haben, was ihre Zerstörung viel einfacher machte.

Der Stadtrat von Manchester ist mit seiner offenbar mutwilligen Zerstörung von Grünflächen nicht allein. Im Jahr 2014 führte das mittlerweile berüchtigte Vorhaben, fast die Hälfte der 36 000 Bäume in Sheffield zu fällen, zu einem öffentlichen Aufschrei und einer großen Kampagne zu deren Rettung (einige wurden gerettet, und diese Bemühungen führten zur Gründung einer stadtweiten Baumschutzgruppe, die Sheffield kürzlich den Status »Baumstadt der Welt« einbrachte). Im Jahr 2023 ordnete der Stadtrat von Plymouth an, mitten in der Nacht 110 alte Bäume zu fällen. Und dann ist da noch der Themenpark London Resort, der beinahe auf der Halbinsel Swanscombe gebaut worden wäre, einem Gebiet mit national bedeutsamen Graslandschaften, Küstenlebensräumen, Gebüsch und Feuchtgebieten, das nicht nur die Küste vor Erosion schützt, sondern auch riesige Mengen an Kohlenstoff bindet und unzähligen seltenen und bedrohten Arten eine Heimat bietet. Dank einer massiven Kampagne hat London Resort seinen Antrag zurückgezogen, aber die Gefahr, das Land zu verlieren, ist immer noch groß.

Es gibt noch viele weitere Aggressionen, Zerstörungen im Kleinen, die unter dem Radar bleiben, darunter natürlich auch die in unseren Gärten. Im Vereinigten Königreich gibt es rund 30 Millionen Gärten, aber der Trend, sie unter Pflaster und Plastikrasen zu versiegeln, nimmt zu. Im Jahr 2011 veröffentlichte Greenspace Information for Greater London (GiGL) eine Studie über die Veränderungen, die sie zwischen 1998 und 2008 in Londons »Gartenvegetationsstruktur« beobachtet hatten. Sie setzten Drohnen ein, um Baumkronen und Vegetation zu ermitteln, und notierten die Farbe des Bodens – grün für Gras und grau für Pflaster. Sie kamen zu dem Schluss, dass die versiegelten Flächen im Laufe des Jahrzehnts um 26 Prozent zugenommen haben, was dem Verlust von zwei Hyde Parks pro Jahr entspricht. Als junge Journalistin nahm ich an der Pressekonferenz teil, meldete mich zu Wort und fragte: »Wenn Sie die Farbe der Gärten von grün zu grau gemessen haben, wie haben Sie dann den Ersatz von lebendigem Rasen durch Plastikgras ermittelt?« Sie konnten meine Frage nicht beantworten und murmelten nach einigem Zögern, dass der Verlust von Grünflächen vielleicht mehr sei, als sie in dieser Evaluation hätten quantifizieren können.

Es tut mir leid, dass ich einer ansonsten hervorragenden Studie einen Strich durch die Rechnung gemacht habe. Plastikrasen steckte 2011 noch in den Kinderschuhen, nachdem er erst in den 1990er Jahren in Gärten verwendet wurde – zwischen 1998 und 2008 wurde in London wahrscheinlich nicht viel verlegt. Und jetzt? Eine Studie von Aviva aus dem Jahr 2022 ergab, dass landesweit einer von zehn Hausbesitzern mit Außenbereich zumindest einen Teil des natürlichen Rasens in seinem Garten durch Plastikrasen ersetzt hat, weitere 29 Prozent planen dies oder ziehen es in Erwägung. Drei Millionen der 30 Millionen Gärten im Vereinigten Königreich sind also unter Plastik verlorengegangen. Was bedeutet das für die Igel?

Im Stadtzentrum von Manchester wurde meine alte Freundin Choel Zeugin des örtlichen Aussterbens einer Gemeinschaft, in der ich mich 20 Jahre zuvor noch lebendig gefühlt hatte. Aber wir alle sind dabei, den Kern des Lebens selbst zu zerstören: Wohnsiedlung um Wohnsiedlung, Garten um Garten, Pflasterstein um Pflasterstein, Plastikgrasrolle um Plastikgrasrolle. Und das ist noch nicht alles, nicht wahr? Unter all dem, was in der Welt nicht stimmt, sind die Klimaveränderungen endlich in den Fokus gerückt, so roh und zerstörerisch wie ein Abfallcontainer voller blühender Kirschbäume. Als ob die Igel nicht schon genug damit zu tun hätten, sterben sie jetzt auch noch an Hitze und Durst.

Der Verlust von Lebensräumen ist etwas, das ich kenne und mit dem ich aufgewachsen bin. Ich habe ihn von klein auf gesehen und betrauert – die alten gotischen Häuser, an denen wir vorbeifuhren, die verlassen und baufällig waren, bevor ein Bauträger sie aufkaufte und in Wohnungen umwandelte; die Pferdekoppel am Ende unserer Straße, die sich, während die Stadt um sie herum wuchs, so lange halten konnte, bis auch sie einer Reihe von Neubauten weichen musste. Das allmähliche Verlöschen von Leben und Liebe. Der Verlust von Lebensraum ist immer derselbe, seit ich die Stadt kenne, nur dass es jetzt weniger Lebensraum zu verlieren gibt. (Hat irgendjemand daran gedacht, dafür zu sorgen, dass es aufhört?)

Doch die Klimaveränderungen drohen uns alles zu nehmen, nicht zuletzt ein stabiles Klima, in dem wir nach vorhersehbaren Wettermustern überhaupt noch Nahrungsmittel anbauen können. Der globale Süden ist bereits betroffen: Am Horn von Afrika erleben die Menschen die längste und extremste Dürre seit Beginn der Aufzeichnungen, was zu Ernteausfällen und zum Verenden von Vieh führt. In Indien lassen steigende Temperaturen und Trockenheit die Weizen- und Reisernte schrumpfen, während die sengende Hitze die Bauern an der Arbeit hindert; hinzu kommt das Chaos, das Brände und Überschwemmungen in Ländern anrichten, die nicht unbedingt über die nötige Infrastruktur verfügen, um diese Gefahren zu bewältigen. Auch hier im globalen Norden leiden wir unter Dürren, gefährlichen Hitzewellen, Bränden, Überschwemmungen und Ernteeinbußen – im Sommer 2022 wurden die britischen Ernten von Beeren, Erbsen, Saubohnen und Salatblättern von Hitze und Sonne vernichtet, während wir im Winter aufgrund von »unzeitgemäßem« Schnee und Eis in Südspanien und Marokko eine Tomatenknappheit hatten. (Ja, ich weiß, der Brexit hat auch seinen Teil dazu beigetragen.) Wie Klimawissenschaftler auf Twitter immer wieder sagen: »Das ist erst der Anfang.«

Ich habe hier die Auswirkungen auf Menschen und Lebensmittel als nachvollziehbare Beispiele für die Klimaveränderungen herangezogen, weil die meisten Menschen denken, die Klimaveränderungen beträfen Menschen (und in der Regel andere Menschen). Wir sehen nur selten die Ökosysteme, die aufgrund der globalen Erwärmung zusammenbrechen, die Tiere, die in ihnen leben und Teil von ihnen sind, und ihre Rolle beim Funktionieren dieser Systeme. In den Nachrichten sehen wir abgemagerte Eisbären, die sich an immer kleiner werdende Eisschollen klammern, aber was sehen wir von den Vögeln und Schmetterlingen, die nach Norden ziehen, um der Hitze zu entgehen? Was ist mit den Bienen, die bei ungewöhnlich mildem Wetter aus dem Winterschlaf erwachen, nur um eine Woche später zu erfrieren? Was ist mit den Igeln, die verdursten, und den Vogelbabys, die hungern? Mit der Erwärmung des Planeten schalten seine Lebenssysteme ab, was die Existenz von Pflanzen und Tieren (einschließlich des Menschen) viel schwieriger macht, als wir es seit dem Ende der letzten Eiszeit kennen. Und es macht mich wahnsinnig, dass die meisten von uns einfach so weitermachen, als sei nichts passiert.

Die Natur hat die Möglichkeit, die Auswirkungen der Klimaveränderungen bis zu einem gewissen Grad auszugleichen. Intakte Ökosysteme wie Wälder, Grasland, Ozeane und Torfmoore sind »Kohlenstoffsenken« – natürliche Speichersysteme, die atmosphärischen Kohlenstoff und andere Treibhausgase binden. Sie sind unerlässlich, wenn wir die globale Erwärmung eindämmen wollen. Sie tragen aber auch dazu bei, die Auswirkungen der Klimaveränderungen abzumildern: Ein Seegras- oder Seetangwald kann die Geschwindigkeit der auf die Küste treffenden Wellen abmildern und so die Küstenerosion verhindern; ein Flusssystem mit Bibern kann Überschwemmungen in den flussabwärts gelegenen Städten verhindern, während Wälder, Torfgebiete und andere terrestrische Systeme Wasser aufnehmen und speichern. Gärten sind vom Menschen geschaffene Lebensräume, aber sie ahmen den Waldrand nach, so dass sie ebenfalls Wasser speichern, den Wind abbremsen, Schatten spenden und Nahrung und Lebensraum für die Tierwelt bieten. In Städten können sie Umweltverschmutzungen absorbieren und zur Senkung der städtischen Temperaturen beitragen. Außerdem bilden sie riesige Korridore, die Ökosysteme (Wälder, Moore und andere oben erwähnte terrestrische Systeme) miteinander verbinden, so dass sich die Arten zwischen ihnen bewegen können, was ihnen bessere Möglichkeiten für die Anpassung an die Klimaveränderungen geben kann. Natürlich nehmen sie auch Kohlenstoff auf und speichern ihn – im Rasen, in der Baumrinde, im Schlamm auf dem Grund von Gartenteichen, im Boden, in der Laubstreu und im Kompost. Gärten sind eine enorme, aber bisher kaum genutzte Möglichkeit, die Klimakrise abzumildern und biologische Vielfalt zu erhalten. Aber was tun wir? Wir lassen sie unter Plastik und Pflaster verschwinden. Unter Unkrautvernichtungsmembranen und »dekorativen« violetten Schiefersplittern. Unter Autos, unter Schotter, unter ganzen neuen Häusern. Unter großen Steinen und Treibholz, damit sie wie der Strand aussehen (mein absolutes Lieblingsbeispiel). Wir müssen aufhören, in die Hand zu beißen, die uns füttert, und wir müssen die Hände reparieren, in die wir bereits gebissen haben. Und wir müssen es gestern tun.

Klimaveränderungen haben sich in der 4,6 Milliarden Jahre alten Erdgeschichte schon mehrmals vollzogen, aber sie ereigneten sich langsam, über Tausende von Jahren, und zum Teil waren die Ökosysteme in der Lage, die Auswirkungen zu verkraften. Was wir jetzt erleben, ist der Anstieg der Temperaturen bei gleichzeitiger Zerstörung genau der Systeme, die die Auswirkungen der Klimaveränderungen mildern oder verlangsamen könnten. Genau in der Zeit, in der wir den Verlust von Lebensräumen stoppen und die Wiederherstellung von Landschaften (das Rewilding) zum Wohle allen Lebens auf der Erde fördern sollten, nehmen wir immer noch mehr, als wir zurückgeben: Es scheint, als könnten wir uns nicht bremsen. Die Temperaturen steigen und die Uhr tickt.

Was wäre, wenn die Lösung für diese Probleme zum Teil in unseren Gärten und anderen Grünflächen läge? Nicht, dass Gärten allein die Klimaveränderungen aufhalten können, aber was wäre, wenn Gärten uns wieder mit der natürlichen Welt verbinden und uns die Zerstörung um uns herum bewusster machten? Was wäre, wenn wir uns auflehnen, Garten für Garten, Park für Park, Balkon für Balkon, und etwas tun – irgendetwas – um einer Biene oder einem Schmetterling oder einem Vogel oder einem Igel zu helfen? Wie sähe unsere Welt aus, wenn sich mehr von uns auf die Lebenssysteme einstellten, die uns tragen und erhalten? Würden wir unseren pestizidbelasteten Hund davon abhalten, in den Fluss zu springen? Würden wir mit dem Verzehr von Fleisch aus Massentierhaltung mit seinen vielen Verschmutzungen und Traumata aufhören und stattdessen etwas Verträglicheres und Nachhaltigeres essen? Könnten wir alle gemeinsam zum Wohle aller Dinge ein bisschen leisertreten und gleichzeitig auf den radikalen Wandel drängen, der an der Spitze nötig ist? Würden sich mehr von uns für diesen Wandel einsetzen? Ich denke, das würden wir. Viele Menschen sagen mir, sie kümmerten sich nicht um ihre Gärten, weil sie »nur voller Tauben und Krähen« sind, und das sind sie auch, wenn der Garten nur aus Terrasse und Plastik besteht. Erwecken Sie ihn zum Leben und schauen Sie, was dann mit einem Mal da ist. Sprechen Sie mit Ihren Nachbarn und schauen Sie, wem auch Sie Heimat bieten können. Füttern Sie einen Igel, bestimmen Sie einen Schmetterling, streicheln Sie eine Biene! Mit 30 Millionen Gärten, 27.000 öffentlichen Parks und unzähligen Kleingärten und anderen Grünflächen, ganz zu schweigen von den Millionen von Balkonen, Terrassen und Dachgärten in Großbritannien,* können wir zur Natur zurückkehren, können wir uns selbst wieder verwildern. Gemeinsam können wir Nahrung und ein Zuhause für die Tierwelt schaffen, die es schwer hat, weil die seit 12.000 Jahren vorhersehbaren Wettermuster durcheinandergeraten sind und das Überleben infrage stellen. Wir können Korridore schaffen, die es Wildtieren ermöglichen, in den Norden zu gelangen, wenn sich die Welt erwärmt. Wir können Pflanzen anbauen, die Nahrung, Nistmöglichkeiten und Ruheplätze bieten, die Schatten vor der Sonne und Schutz vor starkem Regen bieten. Jede einzelne Pflanze trägt dazu bei, unsere Städte zu kühlen, Überschwemmungen zu verhindern, Kohlenstoff zu absorbieren und uns in die Welt, in der wir tatsächlich leben, einzubinden. Jedes Insekt, jeder Vogel und jedes Säugetier, das wir versorgen, wird die Möglichkeit haben, zu überleben. Mit jeder guten Tat, die wir tun, fühlen wir uns besser und hoffnungsvoller, sind entschlossener, die Botschaft zu verbreiten und letztlich der Wahrheit Gehör zu verschaffen. Das ist doch wohl einen Versuch wert?

Ich glaube auch, dass unsere Gärten einigen Arten helfen können, die Klimaveränderungen zu überleben, denn wenn es trocken ist, können wir Tränken bereitstellen, damit Säugetiere und Vögel ihren Durst stillen können, und Pflanzen gießen, um dafür zu sorgen, dass Blüten Nektar produzieren. Wenn es wenig oder keine natürliche Nahrung gibt, können wir Alternativen anbieten, etwa halbierte Äpfel für Drosseln, die bei uns überwintern, Mehlwürmer für Rotkehlchen und Katzenfutter für Igel.* Wir können einheimische Pflanzen schützen, die es nötig haben. Wenn die Nachbarschaft alles mit Plastik zudeckt, können wir unordentlich und wild sein; wir können, zumindest für eine Zeit, in unseren Gärten etwas verbessern; wir können den wenigen Glücklichen helfen, die einen Weg gefunden haben, bei uns zu leben. In dieser Hinsicht sind Gärten einer der wichtigsten Lebensräume der Welt. Wenn das nur mehr von uns wüssten.

Wir rasen mit erstaunlicher und erschreckender Geschwindigkeit auf den Zusammenbruch des Klimas und der biologischen Vielfalt zu. Ich will ehrlich sein: Die meiste Zeit fühle ich mich völlig hilflos. Aber ich habe einen kleinen Garten. Und alles, was ich dort Gutes tue, fühlt sich an wie ein großer Fingerzeig an die Welt der Gier und der Zerstörung, der Klimaveränderungen und des Zusammenbruchs der Artenvielfalt, der großen Ölgiganten, der Medienmogule und der unfähigen Regierungen. Die Gartenarbeit hilft mir, mich auf die Dinge zu konzentrieren, die ich ändern kann, sie hilft mir, für das kommende Jahr die Hoffnung aufrechtzuerhalten. Das gibt mir Auftrieb, wenn nichts anderes hilft. Ich glaube wirklich, dass unsere Gärten und Grünflächen die Antwort auf die Wurzel des Problems sind, das die moderne Welt gerade plagt: unsere Abkopplung von der Natur und die daraus resultierende Hinnahme eines Lebens in einer sterbenden Welt. Lasst es uns nicht mehr hinnehmen, lasst es wachsen!

Dieses Buch berichtet von meinen Erlebnissen und ist zugleich ein Aufruf zum Handeln. Es geht darum, aufzuwachen, zu sehen, was los ist, und bessere Menschen zu werden. Wenn Sie zu den Glücklichen gehören, die einen Garten haben, ist dieses Buch besonders für Sie, aber auch für die, die in ihrer Nähe eine Grünfläche haben, die ein wenig Liebe braucht. In diesem Buch geht es um Klimaveränderungen und Artenvielfalt, um Gärten und Parks, um jedes einzelne Blatt und jeden Grashalm, der CO2 bindet. Es geht um Igel, Bienen, Schmetterlinge und Frösche. Es geht um einen kleinen Garten in South Portslade und eine wütende Gärtnerin voller Angst und Sorgen. Aber es geht auch um Sie und Ihren Garten. Was werden Sie tun, um etwas zu verändern?

*

In Deutschland geht man von etwa 17 Millionen Gärten aus, siehe auch hier:

www.tausende-gaerten.de

*

Für den Futterteller eignet sich ein Gemisch aus Katzenfutter, Igeltrockenfutter und ungewürztem Rührei. Katzenfutter, das in Soße oder Gelee eingelegt ist, kann bei Igeln unter Umständen Verdauungsprobleme verursachen. Ein Katzenfutter mit hohem Fleischanteil, ohne Kohlenhydrate, Soße oder Gelee ist ideal. Geeignet sind auch hartgekochte Eier, ungewürztes und gegartes Rinderhackfleisch und Insekten. Wichtig ist auch, frisches Wasser anzubieten und auf keinen Fall Milch. (Anm. d. Übers.)

Über mich und meinen Garten

Ich bin in den Vororten von Solihull aufgewachsen, einer Stadt in der Agglomeration von Birmingham. Bis ins Erwachsenenalter kannte ich die Tierwelt nicht wirklich. Keine »richtige« Tierwelt. Nicht die Arten, die man in alten Kinderbüchern sieht, keine großen Greifvögel oder Dachse oder Maulwürfe oder auch nur Rauch- oder Mehlschwalben (obwohl meine Oma, die auf dem Land lebte, bei Spaziergängen in der Nähe ihres Hauses immer auf sie hinwies). Ich kannte Blaumeisen und kleine Schildpattfalter, Frösche, Würmer und Schmetterlingkokons. Ich kannte Kastanien, Spinnen und Ameisen, Taubenfedern und Gehäuse- und Nacktschnecken. Etwas Wilderes als das kannte ich eigentlich nicht. Aber ich habe mich immer danach gesehnt. »Ich habe immer gewusst, dass du am Ende mit dem Erdboden arbeiten würdest«, sagt meine Mutter.

Der Aufenthalt im Garten war mein Weg zu wilderen Dingen. Als Kind lag ich auf dem Bauch und schaute tief in die Grashalme, auf Ameisen, die zwischen ihnen krabbelten. Ich beobachtete Blaumeisen, die zum Meisenkasten und wieder wegflogen, ich tat fast ausgetrocknete Regenwürmer, die auf dem Bürgersteig festhingen, auf Erde (das tue ich immer noch). Ich habe mich schon immer zu Pflanzen, zu Gärten und zur Natur hingezogen gefühlt. Mit 10 Jahren hatte ich mein erstes Gemüsebeet, mit 20 ein Zimmer voller Zimmerpflanzen, mit 24 meinen ersten Kleingarten. Aber es gab immer noch nicht viel Wildnis, oder nichts, was ich wirklich als solche betrachtet hätte. Ich glaube, es hat eine Weile gedauert, bis mir die Augen geöffnet wurden.

Ja, sie wurden mir geöffnet. Eine Gartenhummel hatte im Garten meiner Ex ein Nest in einer alten Bettdecke gebaut, woraufhin sich ihre Nachbarn beim Vermieter beschwerten. Ich recherchierte im Internet, wie ich das Nest wegbringen konnte, und mit Hilfe des Bumblebee Conservation Trust gelang es mir, die Hummel – unversehrt – in meinen damaligen Kleingarten zu bringen. Mit nur zwei Stichen ins Gesicht verliebte ich mich, und plötzlich eröffnete sich eine Welt, von der ich kaum wusste, dass es sie gab. Ich las Hummelbücher, lernte, die verschiedenen Arten zu bestimmen (es gibt 24 in Großbritannien, 41 in Deutschland), erfuhr, wie sie leben, brüten und überwintern. Ich ging hinaus, um nach Hummeln Ausschau zu halten, um zu sehen, ob ich sie im zeitigen Frühjahr oder im Spätherbst noch umherfliegen sehen konnte. Ich hob sie auf und streichelte sie, brachte sie von einer Blüte zur nächsten. Ich befolgte Anleitungen zum Nestbau in der Hoffnung, dass eines Tages eine Königin zurückkehren und ein Nest in meinem Garten bauen würde. Das haben sie nie getan. Seitdem habe ich noch weitere Nester gerettet und umgesiedelt – Nester in Mauern, die abgerissen wurden, oder in Komposttonnen, die umgekippt waren, oder in einem Busch, der eine Tür versperrte, oder im Boden zu nahe an einem Weg. Viele Ansiedlungen waren erfolgreich, aber die meisten Hummeln waren bereits Parasiten zum Opfer gefallen. Aber keine hat den Weg hierher gefunden, um in meinem Garten zu nisten. Noch nicht.

Ich ging zu anderen Arten über: Schmetterlinge, Amphibien, Vögel, Fliegen. Ich lernte so viel wie möglich, kaufte jedes Buch, saugte jede kleinste Einzelheit über ihr Leben und ihre Gewohnheiten, ihre Bedürfnisse und … ihren Rückgang auf. Die meisten Arten in Großbritannien befinden sich seit den Tagen, als ich auf dem Bauch lag und ins Gras schaute, im freien Fall. Die meisten haben unter dem doppelten Schlag der veränderten Landnutzung (Bau von Städten und Dörfern, Umwandlung von Ackerland in »Agrarindustrieflächen«) und Pestiziden gelitten, darunter Insektizide, die Insekten töten, Herbizide, die die Pflanzen abtöten, von denen sich die Insekten ernähren, und Fungizide, die die Insektizide noch wirksamer machen. Ich machte es mir zur Aufgabe, in meinem Garten so viele Lebensräume für Wildtiere wie möglich zu schaffen, die Bedürfnisse dieser Arten zu verstehen und meine Stellung als Autorin eines bekannten Gartenmagazins zu nutzen, um allen zu zeigen, wie sie es mir gleichtun tun können. Ich ging davon aus, dass die Menschen, sobald sie wüssten, was auf dem Spiel steht, den Wildtieren helfen wollten. Dass sie Blumen für Bienen pflanzen und Nistkästen für Vögel aufhängen würden. Dass es nicht lange dauern würde, bis wir Straßen mit langem Gras und Vogelkästen, nektarreiche Blumenbeete, Igelautobahnen und einheimische Sträucher und Bäume haben würden. Städte voller Wildtiere. Dass wir mehr Igel und mehr Vögel, mehr Bienen und mehr Schmetterlinge haben würden, mehr Spinnen und Ohrenkneifer und Schmeißfliegen, warum nicht? Dass es eines Tages mehr geben würde, nicht weniger. Niemals weniger. Niemals die Stille, die jetzt herrscht. Denn wir wussten um den Rückgang, und wir hatten die Macht und das Wissen, ihn zu stoppen. Warum sollten wir zulassen, dass es noch schlimmer wird? Warum sollten wir zulassen, dass Arten verschwinden?

In ihrem 1962 erschienenen Buch »Silent Spring« (Der stumme Frühling) dokumentierte Rachel Carson die Vernichtung von Leben durch die Verwendung des Pestizids DDT, das nicht nur Insekten tötet, sondern auch bewirkt, dass die Schalen von Vogeleiern dünner werden, so dass nur wenige Vögel erfolgreich brüten können. Sie starb zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihres Buches und erlebte nicht mehr, dass DDT in der ganzen Welt verboten wurde (in den USA in den 1970er und in Großbritannien in den 1980er Jahren). Sie erlebte auch nicht mehr, dass DDT in einigen Teilen der Welt noch immer eingesetzt wird und als »ewige Chemikalie« in unseren Ozeanen bleibt. Sie erlebte auch nicht die fortschreitende Zerstörung der Natur, den Verlust von Lebensräumen, den »Fortschritt«. Ich bin froh darüber. Der Gedanke, dass ihr stiller Frühling in meinen Ohren 60 Jahre später laut und lärmend gewesen wäre, ist die grausamste Ironie. Wie wäre sie wohl mit der Stille von heute zurechtgekommen?

Ich werde nie die Fülle des Lebens kennenlernen, die meine Eltern und Großeltern kannten und die sie wahrscheinlich nicht weiter beachteten und die für sie selbstverständlich war. Ich wünschte, ich könnte zurück, um den Artenreichtum meiner Kindheit zu sehen, denn auch wenn ich nur sehr wenig gesehen habe, weiß ich jetzt, wie viel mehr es vor 35 Jahren gab. Ich habe einen Garten voller Pflanzen für Wildtiere und schaffe Platz nur für die wilden Dinge. Und trotzdem ist es still. Noch immer schwirren im Sommer nur wenige Fliegen um mein Haus, noch immer gibt es nur wenige Schmetterlinge an meinem Sommerflieder. Es herrscht eine unheimliche Stille, die mit der Erkenntnis einhergeht, dass man die Bienen nicht summen hört. Wo sind sie? Warum sind sie nicht in meinem Garten für Wildtiere? Ich bin von Beton umgeben, aber einige von uns pflanzen Blumen an. Ist das genug? Wird es jemals genug sein?

Ich gärtnere für die Wildtiere, für meine geistige Gesundheit, für das Kind mit dem Kopf im Gras. Ich möchte, dass es mehr Wildtiere gibt. Ich will Mauersegler in meinen Nistkästen, Schmetterlinge auf meinem Sommerflieder. Ich will Ameisen, Blindschleichen, Ohrwürmer und Raupen. Ich will fette Igel, die sich von Käfern ernähren, nicht von Katzenfutter. Ich will ein volles Gelege von Meisen im Meisenkasten. Ich will Fülle und Lärm und mich nicht mehr um jede noch so kleine Kleinigkeit sorgen. Ist das zu viel verlangt?

Mein Zuhause ist eine kleine viktorianische Reihenhaussiedlung, die für Eisenbahnarbeiter in Portslade-by-Sea vor den Toren Brightons gebaut wurde. Es ist ein städtisches Viertel mit einer industriellen Vergangenheit; früher hieß es Copperas Gap, wegen des Abbaus von Steinen aus Eisenpyrit (copperas), die zur Herstellung von Schwefelsäure verwendet wurden. Am Ende meiner Straße befand sich bis in die 1870er Jahre eine Windmühle. Die viktorianischen Häuser, die an ihre Stelle traten, sind wunderschön, aber im Gegensatz zu West Hove, das mit einer belebten Hauptstraße an Portslade grenzt, gibt es hier keine Straßenbäume. Anstelle von Strand und Klippen gibt es jetzt einen geschäftigen Hafen, der stolz als »das industrielle Zentrum von Brighton und Hove« bezeichnet wird. Bis 1974 war es ein eigener Stadtteil, dann wurde es dem Stadtbezirk Hove angeschlossen und ist nun Teil der Stadt selbst.

Portslade wird von manchen als die etwas rauhe Cousine von Brighton und Hove angesehen. Es ist weder so hübsch noch so vornehm wie seine nobleren Verwandten. Aber es ist billiger, hier zu leben, und viel, viel ruhiger. Es ist nahe genug an den South Downs, dass ich von meinem Haus aus dorthin laufen kann. Außerdem haben wir größere Gärten als im Stadtzentrum – und Igel.

Als ich vor vier Jahren hierherzog, war der Garten ziemlich so, wie es in den 1960er Jahren üblich war, mit Terrassen an beiden Enden seiner bescheidenen 14 Meter und einem Plattenweg an einer Seite des winzigen Rasens, der von riesigen nicht-einheimischen Sträuchern wie japanischer Spindel und kalifornischem Flieder umgeben war. Jemand hatte einen Eukalyptusbaum weniger als einen Meter von der Hintertür entfernt gepflanzt. Der kleine Vorgarten war mit Unkrautvlies und Steinen bedeckt. Ich riss rücksichtslos alle Pflanzen, Sträucher und Eukalyptusbäume im Hintergarten aus, ebenso wie die hintere Terrasse und den Plattenweg. Im Vordergarten entfernte ich die Steine und das Vlies und ersetzte sie durch eine Vielzahl von Pflanzen, die Bestäuber gernhaben: Natternkopf, Färberkamille, Lungenkraut, Schlüsselblumen, Storchschnabel, Knabenkraut. »Oh, Sie wohnen in dem Haus mit den Blumen«, sagen die Hundespaziergänger im Park. »Ich gehe immer extra über die Straße, um sie mir anzusehen.«

Als der Vorgarten blühte, arbeitete ich hinten: Ich pflanzte einheimische Bäume (Weißdorn, Eberesche und Weißbirke), eine winzige gemischte Hecke aus Hasel, Weißdorn und anderen Pflanzen wie Schneeball und Heckenrose, und dann pflanzte ich weitere Zistrosen, Haseln und Spindel als Sträucher in die Beete. Dazwischen habe ich Blumen gepflanzt: Ehrenpreis, Fingerhut, Knotenblumen, Nieswurz, Primeln. Ich legte Wildblumenrasen an – einen richtigen Rasen mit vielen schönen einheimischen Gräsern, an denen sich Raupen laben können, und Wildblumen, von denen sich Bienen und andere Bestäuber ernähren können. Ich habe Kletterpflanzen für nistende Vögel an den Mauern hochgezogen und sie unten mit Löchern versehen. Entlang der gesamten Seite des Schuppens habe ich aus den herausgerissenen Pflanzen einen riesigen Biotop-Haufen aufgeschichtet, der nun allen außer mir ein Zuhause bietet. Für Solitärwespen bohrte ich Löcher in das Spalier und schichtete in den Zwischenräumen unter und hinter der Bank Äste auf.

In der Mitte des Gartens habe ich einen Teich gegraben. Er ist groß – manche würden sagen, zu groß – aber ich wollte etwas, das viele Wildtiere anlockt, und in der Regel gilt: Je größer der Teich, desto mehr Arten zieht er an. Er hat die Form einer Niere, mit einer maximalen Tiefe von 60 Zentimetern in der Mitte, die sanft zu den flachen Rändern hin ansteigt, wie es sich für einen guten Teich für Wildtiere gehört. An beiden Enden befindet sich ein »Strand« aus Steinen, an dem Vögel baden, Kaulquappen sich sammeln und Igel leicht wieder herausfinden können. Er hat natürliche Ränder, die mit Gräsern, Schlüsselblumen und Klee bepflanzt sind. Es gibt eine Libellenstange (ein strategisch plazierter Stock, auf dem sich Libellen niederlassen können) und eine Reihe von Wasserpflanzen, die unter, auf und über der Wasseroberfläche wachsen.

Ein paar Tiere kamen sofort, und die meisten davon kamen zum Teich. Bärtierchen und andere mikroskopisch kleine Lebewesen konnte ich nicht sehen, aber dann paarten sich Massen von Fliegen und legten ihre Eier auf der Oberfläche ab, gefolgt von Wasserkäfern und Rückenschwimmern, Wasserjungfern und Libellen. Eines Tages kam ich nach Hause und fand Hunderte von Rückenschwimmernymphen im Wasser, und ich beobachtete, wie sie heranwuchsen und blieben, um ihre Eier zu legen. An anderen Tagen beobachtete ich eierlegende Blauschwanzlibellen und sich paarende Gemeine Heidelibellen. Ich habe gesehen, wie ein Sperber am Teichrand einen Stieglitz gefrühstückt hat und wie Rote Mauerbienen den Schlamm des Teiches für ihre Nester verwendeten. Ich habe halb ertrunkene männliche Wollbienen gerettet, die um ihr Revier im nahen Klee kämpften und versehentlich hineingefallen (oder gestoßen worden?) waren. Ich habe badende Vögel gesehen, von Amseln, Haussperlingen und Rotkehlchen bis hin zu Stieglitzen, Zilpzalpen, Krähen und Silbermöwen.

Eines Tages erblickte ich einen Frosch, der am Ufer saß, wie es Frösche tun, um Insekten zu fangen. Ich war so aufgeregt. Ich hoffte auf Froschlaich im folgenden Frühjahr, aber es kam nichts. Ein Jahr später wagten sie es und laichten in der Nacht vor meinem 40. Geburtstag zum ersten Mal – das schönste Geschenk, das ich mir hätte machen können. Und es waren nicht nur ein paar, sondern wie aus dem Nichts stürzten sich Massen von Fröschen ins Wasser und laichten in großen, ansehnlichen Gruppen. Ich beobachtete sie von der Küche aus durch ein Fernglas: Frösche, die zum Teich kamen und dort in einen Kampf verwickelt wurden; Männchen, die um die Weibchen kämpften; die lange Schlange zum perfekten Laichplatz. Ich konnte die Laichballen nicht zählen. Nach etwa zwei Wochen kam Laich auf Laich hinzu, sie füllten den einen flachen »Strand« vollständig und begannen dann mit dem anderen. So etwas hatte ich noch nie gesehen.

Der Sommer war ein einziges Spektakel springender Fröschlein. Sie waren wie Flöhe und hüpften überall herum, in den Beeten, im Gras, auf der Terrasse. Ich hatte schreckliche Angst, auf einen zu treten oder sie zu beunruhigen. Aber ich war so froh, dass sie den Garten nutzten.

Auch Kröten gibt es hier. Die erste, die ich fand, lag tot auf dem Rücken und ließ die Zunge heraushängen. Im Biotophaufen an der Seite des Schuppens habe ich einige gesehen, und gelegentlich tauchen sie auf der Nachtkamera auf. Einmal brachte mir eine Nachbarin ein Exemplar, das sie auf der Straße gefunden hatte, und meinte: »Sie ist wohl auf dem Weg in deinen Garten, Kate.« Das war nicht der Fall. Ich legte sie unter den Biotophaufen, wo sie tagsüber sicher war, und stellte dann die Kamera am Hintertor auf, um zu sehen, ob sie sie nachts aufnehmen würde. Und tatsächlich, als es dunkel wurde, verließ die Kröte den Garten. Wo wollte sie hin? Irgendwo muss es einen weiteren Teich geben. Ich durchsuchte Google Earth, um zu sehen, ob ich in den benachbarten Gärten einen entdecken konnte, aber ich fand nichts.

Die Bäume, die ich gepflanzt habe, waren dünne Reiser, aber sie sind gewachsen und schwanken nicht mehr, wenn Vögel und Grauhörnchen in ihnen landen. Weißdorn und Eberesche tragen Blüten und Beeren, die Weißbirke Kätzchen und Samen – alles Nahrung für verschiedene Arten. Es gibt Vogelkästen für nistende Meisen, obwohl sie nur ein einziges Mal bei mir genistet haben, und es gibt Katzenfutter für Igel, Bienenhotels und Igelkästen sowie einen Fledermauskasten und Mauerseglerkästen. Es gibt allerdings noch Nachbarn mit zugepflasterten Gärten, aber daran arbeite ich.

Denn es ist nicht nur mein Garten, der zählt, oder mein Garten allein, der etwas bewirken kann. Ich bin dankbar für die Fußpfade (in Sussex als »Twitten« bekannt, aber Sie kennen sie vielleicht als »Ginnell«), die meinen Garten mit acht Nachbarn, einer ganzen anderen Straße mit Gärten und schließlich mit einem kleinen Park verbinden. An manchen Stellen sind sie ziemlich verwildert, und manche Leute benutzen sie als Müllhalde – sowohl die, die hier wohnen, als auch die, die nicht hier wohnen. Aber so kommt auch die Tierwelt hier entlang. Igel, Frösche, Kröten und Blindschleichen kommen und gehen durch mein Gartentor und bewegen sich heimlich auf einer jahrhundertealten Kohlentrasse vom Land herein und wieder hinaus.

Nur einen Häuserblock von einer belebten Hauptstraße in einem städtischen Industriehafen entfernt, mit kleinen Gärten, von denen viele zugepflastert oder mit Plastik bedeckt sind, könnte man meinen, es gäbe hier keine Wildtiere. Aber das stimmt nicht: Es gibt Igel, Frösche, Kröten und Blindschleichen. Es gibt Vögel und es gibt Insekten. Von manchen Arten gibt es nicht viele – Singvögel sind hier ziemlich selten, was wohl an der dichten Population von Katzen, Grauhörnchen, Elstern und Krähen liegt; die Nester werden immer wieder geplündert. Und ich weiß nicht, wie gut es anderen geht oder wie zahlreich sie sind, aber sie sind hier, also kann ich dazu beitragen, dass es ihnen besser geht. In meinem Rasen nisten Sandbienen, in meinem langen Gras und den Flockenblumen gibt es Raupen. Im Sommer fängt eine Fledermaus über dem Teich Mücken, im Frühjahr und Herbst wird der Garten zu einem Trittstein für Zilpzalp und Weidenlaubsänger auf dem Weg zu und von ihren Brutgebieten. Viele Arten leben entweder nicht in der Gegend oder haben den Garten noch nicht entdeckt, aber ich halte immer Ausschau nach ihnen. Das ist die halbe Freude am Gärtnern mit Wildtieren: die Frage, wer wohl als Nächstes auftauchen wird.

Kurzum, der Garten steht erst am Anfang. Wenn Sie dies lesen, wird er mindestens sechs Jahre alt sein, die Bäume und Sträucher wachsen in den für sie geschaffenen Raum hinein, der Teich beherbergt hoffentlich eine komplexe Vielfalt an Leben. Ich sitze oder stehe am Küchenfenster mit Blick auf den Garten und beobachte und träume von der Tierwelt. Ich stelle mir den Raum vor, wenn er gewachsen ist, mache Pläne, sehe, was funktioniert, lache. Manchmal weine ich und setze mich auf den Boden und schaue hinaus, bis ich mich besser fühle, bis ich einen Frosch oder einen Spatz, einen Schmetterling oder einen Igel sehe. Der Garten ist ein Teil von mir, genauso wie die Landschaft, und ich bin ein Teil von ihm. Wir wachsen gemeinsam, aber wir kämpfen auch gemeinsam. Wir helfen uns gegenseitig, ich sorge für Wasser, um ihn am Laufen zu halten, er sorgt für Leben, um mich von den großen Fragen abzulenken. Ich hoffe, dass die Tierwelt meinen Garten als einen sicheren Ort kennenlernt, eine Oase in einer Wüste aus Plastik und Beton, inmitten von unberechenbarem Wetter und Menschen, die ihre kollektive Faust auf den Selbstzerstörungsknopf pressen. Ich hoffe, dass ich meine Nachbarn dazu ermutigen kann, mehr für die hier lebenden Arten zu tun, dass wir alle bessere Lebensräume und eine bessere Vernetzung schaffen können und ein besseres Verständnis dafür entwickeln, was tatsächlich notwendig ist, um Arten zu retten und unsere Welt zu verbessern. Ich hoffe, dass wir uns im ganzen Land, ja auf der ganzen Welt, wieder in unsere Umwelt verlieben und sie besser behandeln, indem wir uns einfach um die Flächen vor unserer Haustür kümmern. Das hoffe ich, das hoffe ich, das hoffe ich.

April

MEINE GESCHICHTE BEGINNT im Frühjahr 2022. Bislang war das Jahr überwiegend trocken und überdurchschnittlich warm – wir hatten den mildesten Neujahrstag aller Zeiten und weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Niederschlagsmenge im Januar. Mein erstes Froschpaar habe ich am 26. Januar gefunden, was mich einem Nervenzusammenbruch nahebrachte, weil es so furchtbar früh war; aber mein erstes Schneeglöckchen kam am 29. Januar, was in etwa dem Üblichen entspricht. Im Februar blieb es mild, aber es wurde stürmisch: Dudley, Eunice und Franklin ereigneten sich innerhalb von fünf Tagen und brachten einen seltsam violetten, aber sonnigen Himmel, umgestürzte Bäume, Behinderungen im Straßen- und Eisenbahnverkehr und Überschwemmungen in Teilen des Nordens. Bei uns brachte es riesige Stöcke für unsere Hündin Tosca, die immer wieder versuchte, sie mit ins Haus zu bringen, aber nicht wusste, wie sie sie durch die Tür bekommen sollte. In den meisten Teilen des Landes gab es während der Stürme überdurchschnittlich viel Regen, aber in Brighton blieb es trocken.

Der Frühling ist die Zeit der Begrüßung alter Freunde: die erste behaarte Pelzbiene des Jahres, die erste dicke Hummelkönigin, der erste Schmetterling, der erste flötende Ruf der Amsel auf dem Dach. Ich drücke mein Ohr an den Stamm meiner Weißbirke und lausche auf das Aufsteigen des Saftes. Ich staune über die handschuhartigen Blattknospen meiner Eberesche. Ich beobachte Hummelköniginnen, die in den leuchtend orangefarbenen Pollen von Krokusblüten baden, und Kohlmeisen, die Raupen für ihre Jungen sammeln. Jeden Tag gibt es einen neuen Freund zu begrüßen, eine neue Biene, eine Wespe, einen Schmetterling, einen Frosch. Ich bin so dankbar, dass sie den Winter überlebt haben. »Hey Biene«, sage ich, »du hast es geschafft!«

Und jetzt haben wir April. Immer noch sehr trocken, aber kalt. Es gibt viele Bienen im Garten, und ich bin dankbar, dass so viele den Winterschlaf überlebt zu haben scheinen: fette Hummelköniginnen, aber auch Sandbienen im Rasen und in den Rabatten, Rote Mauerbienen in den Bienenhotels, Pelzbienen auf Lungenkraut und Primeln. Sie haben in meinem Garten alles, was sie brauchen, aber nur, weil ich ihn gieße. Der fehlende Regen beunruhigt mich sehr.

Der Frühling kommt, aber er ist verhalten, weniger Frühling, als er sein sollte. Der Boden ist ausgetrocknet, die Pflanzen wachsen nur kümmerlich, und es gibt einfach nicht die Menge an Insekten, wie ich es bisher gewohnt war. Alles sollte üppig und grün sein. Raupen sollten sich am Laub laben, Käfer dazwischen im Gras herumkrabbeln. Und Blattläuse, Schwebfliegen, Minierfliegen und Millionen anderer Insekten, die die meisten von uns nicht einmal bemerken, sollten sich an den Blättern laben, sich vermehren und dann von Arten gefressen werden, die weiter oben in der Nahrungskette stehen. Und das tun sie auch, aber es gibt weniger von ihnen als sonst, und sie haben zu kämpfen.

Auch die Igel haben zu kämpfen. Die Auffangstationen füllen sich mit dehydrierten und halbverhungerten Igeln, die nicht genug natürliche Nahrung finden – in der Regel Raupen, Käfer und Regenwürmer, obwohl sie im Ruf stehen, Schnecken zu fressen (sie fressen zwar Schnecken, aber viel weniger, als wir es uns wünschen). Ich behalte sie genau im Auge. Ich habe eine kleine Überwachungskamera, die ich bei den Igelboxen oder bei der Futterstelle aufstelle oder mit Blick auf den Teich oder ein Stückchen Gras oder die Vogeltränke, die de facto zur Igeltränke geworden ist, und jeden Morgen trinke ich meinen Tee und schaue mir im Bett Igelvideos an, ein Ritual, das ich seit meinem Umzug hierher liebgewonnen habe. Ich lebe in der Hoffnung, dass ich sie bei der Paarung beobachten kann oder wenn sie ihre Jungen in den Garten mitbringen – am nächsten dran war ich, als ich sah, wie ein Männchen ein Weibchen umkreiste, als Vorstufe zur Paarung, aber die Kamera schaltete sich aus, bevor ich herausfinden konnte, ob er Erfolg hatte. Aber auch ohne Paarung (was, ich weiß, seltsam ist, sich zur Frühstückszeit darüber Gedanken zu machen, aber eine schöne Ablenkung vom Wetter) kann ich sehen, wie es den Igeln geht. Ich kann schauen, ob sie hinken, Zecken zählen, sehen, ob ihre Augen in Ordnung sind, ob sie genug trinken und fressen. Das alles dient der Überwachung der Population, auch wenn ich wahrscheinlich mehrmals pro Nacht dieselben Tiere beobachte.

Am Gartenrand befinden sich zwei mit Stroh gefüllte Igelkästen, die teilweise durch Töpfe mit Hasel, Efeu, Wildblumen und Kräutern verdeckt sind. Zu dieser Jahreszeit herrscht hier immer rege Betriebsamkeit, weil die Männchen auf der Suche nach Weibchen sind, um sich mit ihnen zu paaren (und dabei oft riesige Erektionen haben). Ich beobachte sie, wie sie sich den Pfad hinuntertrollen und erst in den einen, dann in den anderen Kasten schauen. Sie nutzen die Kästen als eine Art »Junggesellenbude«, schlafen darin mehrere Tage am Stück und ziehen dann in eine andere Höhle weiter. Die Kästen sind im Winter normalerweise leer, also offenbar nicht gut genug für den Winterschlaf, und ich habe noch nie erlebt, dass ein Weibchen darin ein Nest gebaut hat. Aber für nomadische, geile Männchen scheinen sie perfekt zu sein.

Auf den Kameras ist heute ein Igel zu sehen, der Löwenzahnblätter in eine der Boxen trägt. Ich kann nicht erkennen, ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist, aber ich beobachte, wie er Blätter vom Löwenzahn sammelt, den ich an der Terrasse stehengelassen habe, und mein Herz schlägt höher. Ich hoffe, dass es ein trächtiges Weibchen ist, das sich zum ersten Mal in die Junggesellenbude traut, aber wenn es ein Männchen ist, das es sich hier gemütlich macht, ist das auch wunderbar. Ich mache mir schreckliche Sorgen über die Trockenheit, die noch niemand als Dürre bezeichnet, die aber eindeutig eine ist, und über die Auswirkungen, die dies auf die Tierwelt haben wird, auf diejenigen, die Wasser zum Trinken und Baden und für die Aufzucht ihrer Jungen brauchen. Ich mache mir Sorgen um die Flüsse und die Bäume, um alles Leben, das an den Rand seiner Existenz gedrängt wird. Aber den Igeln geht es gut. Die wenigen, die in meinen Garten kommen, werden so lange Wasser und Nahrung haben, wie sie sie brauchen, und Igelkästen, in die sie Löwenzahnblätter bringen können. Und ich kann sie beobachten – das immerhin kann ich tun, während wir alle verzweifelt auf Regen warten.

Es ist sonnig, aber kalt; der Himmel ist wie auf einem Kinderbild: mit einem gelben Ball, der in tiefstem Blau schwebt, und in der Ferne sieht man gelegentlich eine flauschige Wolke. An den Pflanzen, die im Schatten stehen, sind noch Frostspuren zu sehen, und auf der Oberfläche des Teichs spuken Eisgebilde. Die Bienen holen sich kalten Nektar von den Frühlingsblumen: brrrrrrr. Der Hund und ich tummeln uns in der Sonne, während der Schatten schläft.

Ich säe Zuckererbsen und entferne einige der letztjährigen Stengel aus dem Beet, die ich über den Winter stehengelassen hatte, damit Insekten dort Unterschlupf finden. Ich dünge Topfpflanzen mit frischem, selbst hergestelltem Kompost und gieße sie mit Grauwasser (aufgefangenes Brauchwasser, das biologisch abbaubare Seifen und Reinigungsmittel enthält), entferne Unkraut aus einigen Bereichen und lasse es in anderen stehen. Ich fege die Terrasse, schneide Narzissen aus und binde Rosen- und Clematisstengel an das Spalier.

Ich habe Bienenhotels aufgestellt – zwei hinten und vier vorne, verschiedene Typen, aus verschiedenen Materialien und mit unterschiedlich geformten Löchern (quadratisch oder rund). Die Bienen haben ihre Vorlieben, aber diese ändern sich jedes Jahr, und ich sehe gerne, welche sie bevorzugen. In eine der Schlüpfkammern tue ich Kokons der Roten Mauerbiene vom letzten Jahr, denn es wird nicht lange dauern, bis sie schlüpfen. Die Bauchsammlerbienen lasse ich im Schuppen, da ihre Kokons geplündert werden können und es sicherer ist, sie so lange wie möglich wegzusperren – sie werden erst im Juni ausfliegen. Wenn ich viel zu Hause arbeite, lasse ich sie manchmal bei offenem Fenster auf meinem Schreibtisch schlüpfen, damit ich sie nicht nur beim Schlüpfen beobachten, sondern auch sicher an die Sonne bringen kann.

Im Teich schlängeln sich kleine Kaulquappen quirlig auf abgefallenen Weidenblättern. Diese liegen knapp unter der Wasseroberfläche und bieten einen Mikrolebensraum, der nicht nur Wärme bringt, weil die Sonne die dünne Schicht Wasser über ihnen erwärmt, sondern auch Nahrung, da sie mit Algen bedeckt sind, die die Kaulquappen fressen. Ich hocke mich hin und beobachte sie in ihrer Wasserwelt. Es ist noch etwas Froschlaich übrig, und die jüngsten Kaulquappen halten sich in der Nähe auf, einige von ihnen knabbern das Gelee um ihre noch nicht geschlüpften Verwandten herum. Einige sind gerade erst geschlüpft und scheinen auf ihren Blätterbetten zu liegen und sich kaum zu bewegen, nur der Schwanz zappelt gelegentlich. Andere sind älter, größer und setzen ihre Schwänze energischer ein und schwimmen kraftvoll im seichten Wasser. Die noch Älteren befinden sich auf der anderen Seite des Teichs und ernähren sich von Algen, die auf Steinen wachsen. Alle sind gefährdet; man geht davon aus, dass nur eine von 50 Kaulquappen zu einem Frosch wird, der Rest wird von anderen Kaulquappen und aquatischen Larven, von Vögeln und Molchen gefressen. Hier gibt es genug, um alle zu ernähren, und dabei genug, damit es noch viele Frösche gibt. Hauptsache, der Teich bleibt ein Teich. Ich hole den Schlauch, schließe ihn an die Regentonne an und lasse meinen kostbaren Vorrat an Regenwasser in ihr Reich fließen. Nur ein bisschen. Gerade genug für einen ausreichenden Wasserstand, damit die Kaulquappen frei schwimmen können.

Tosca knurrt leise, erheischt Aufmerksamkeit. Sie ist eine Mischung aus 13 verschiedenen Rassen, die sich größtenteils aus Border Collie, Labrador, Springer Spaniel und Zwergspitz zusammensetzt. Sie sieht aus wie ein kleiner, schlanker Collie mit einem riesigen Zwergspitz-Schwanz, schwarz mit einem lächerlichen weißen Lätzchen. Auf dem Rücken ist sie kahl, weil sie an Farbmutantenalopezie leidet, einer genetischen Erkrankung, die durch das Herumexperimentieren von Menschen mit den Farben entsteht – das Haar wächst und bricht dann ab. Sie ist klug und witzig und ein hervorragender Kumpel bei der Gartenarbeit. Meistens liegt sie auf der Bank, während ich werkele, und gelegentlich kommt sie zum Schmusen herüber. Dann wieder holt sie Dinge aus dem Abfallhaufen und verstreut Stöcke, Weinkorken und Wurzelstücke im ganzen Garten. Oder sie verlangt, dass ich mit ihr Fangen spiele, oder sie lässt Dinge vor meine Füße fallen, die ich aufheben und für sie werfen soll. Wenn sie bekommt, was sie will, hüpft sie wie ein Showpony durch den Garten, springt über das lange Gras und tut so, als wolle sie sich von mir fangen lassen. Sie hat diese wunderbare Art, beim Knurren zu gurren, was sie sich allerdings für das Spielen vorbehält. Manchmal bin ich auf Händen und Knien dabei, etwas zu pflanzen oder Unkraut zu jäten, oder ich verliere mich in Kaulquappen oder anderen Zauberwesen, dann schleicht sie sich von hinten an mich heran und fordert mich gurrend auf, mit ihr zu spielen. Ich drehe mich um, und sie hält wahrscheinlich ein Spielzeug im Maul.

Heute hat sie einen Ball, den sie fallenlässt, als ich mich umdrehe. Ihre großen haselnussbraunen Augen sehen mich an und wollen, dass ich mit ihr spiele. Ich höre auf, Kaulquappen anzustarren, und werfe ihr den Ball zu, woraufhin sie ihn sofort zurückbringt und ihn mir wieder vor die Füße wirft. Ich werfe ihn noch einmal, und sie behält ihn. Zu dieser Jahreszeit kann sie um den Teich herumlaufen, es gibt nicht genug Bewuchs, um sie aufzuhalten, und so spielen wir ein vergebliches Verfolgungsspiel; sie springt um den Teich herum und fordert mich heraus, sie mit dem Ball zu fangen, und ich kann nicht folgen, weil ich Angst habe, hineinzufallen.

Die Kaulquappen wärmen sich weiter auf und ernähren sich von Weidenblättern, die Bienen besuchen weiterhin Lungenkraut und Schlüsselblumen. Die Vögel halten sich fern, aber nur, bis wir mit dem Herumlaufen fertig sind. Ich schaffe weniger, wenn ich mit Tos im Garten bin, aber mein Herz ist erfüllter. Und sie macht mich zu einem besseren Naturgärtner, sie hält mich davon ab, zu viel zu tun. Die schwarzgewordenen Hagebutten werde ich an einem anderen Tag zurückschneiden, einige der letztjährigen Stengel bieten weiterhin Schutz. Ich räume die Stöcke weg, die sie auf dem Rasen verstreut hat, häufe das verbrauchte Pflanzenmaterial auf und bringe es zum Biotophaufen, damit die Insekten, die noch darin wohnen, dorthin umziehen können. Es wird wieder Zeit für die Gartenarbeit geben.

Die Gartenmauern sind nur hüfthoch, aber Spaliere sorgen für die nötige Höhe, um in der heutigen Zeit – in der man nicht mehr mit seinen Nachbarn spricht, obwohl man Tür an Tür mit ihnen lebt – ein gewisses Maß an Privatsphäre zu haben. Auf der Südseite erstreckt sich das Spalier über die gesamte Länge des Gartens, auf der Nordseite, die dem Haus am nächsten liegt, verbergen drei Zaunfelder die Mauer vollständig, und am anderen Ende bedeckt ein Spalier den Rest.

Das Spalier bietet einer Reihe von Pflanzen Halt: Kletterrosen und Clematis auf der Südseite; Geißblatt, Hopfen und Goldene Clematis oder Clematis tangutica auf der Nordseite (obwohl sie durch die Lücken nach nebenan ragen und ziemlich viel Sonne abbekommen). Entlang des Zauns, wo es kaum Licht gibt, habe ich sechs kleine Efeuableger gepflanzt, die mir meine Nachbarin Kate, zwei Häuser weiter, bei meinem Einzug geschenkt hat.

Efeu ist erstaunlich. Er ist selbstklimmend, man muss ihn nirgends festbinden, er wächst munter an Mauern und Zäunen empor und ist so schattentolerant, dass er praktisch im Dunkeln wächst. Er hat den Ruf, Zäune und Mauern kaputtzumachen, und das tut er auch, aber nur, wenn sie ohnehin beschädigt sind. Efeu nutzt den kleinsten Riss oder das kleinste Loch, aber wenn das Bauwerk, an dem er hochklettert, intakt ist, kann Efeu es sogar schützen. Studien haben gezeigt, dass Efeu, wenn er an Häusern hochwächst, als natürliche Isolierung fungiert und dazu beiträgt, sie im Sommer zu kühlen und im Winter zu wärmen. Eine andere Studie hat gezeigt, dass Efeu Schadstoffpartikel absorbiert und dass er, wenn er entlang von Hauptverkehrsstraßen wächst, dazu beiträgt, die Umweltverschmutzung zu verringern (und damit Leben zu retten). Efeu bietet Lebensraum für alle, von nistenden Vögeln bis hin zu überwinternden Schmetterlingen, seine Blüten werden von Bestäubern besucht, und seine Blätter werden von mehreren Schmetterlingsarten als Nahrungspflanze genutzt, etwa von der Sommergeneration des Faulbaum-Bläulings (im Frühjahr legt er seine Eier auf der Stechpalme ab). Die Beeren der Stechpalme enthalten Gramm für Gramm mehr Kalorien als die gleiche Menge Schokolade, und da sie erst im Spätwinter reif werden, helfen sie den Vögeln, sich für die Brutzeit in Topform zu bringen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Efeu ein wichtiges Instrument zur Abschwächung der Auswirkungen der Klimakrise und zur CO2