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Aurelio ist glücklich, dass er zu einer Zeit lebt, in der er nicht mit den Dinosauriern herumalbern muss. Er kann sich ungestört mit den Tücken des Alltags duellieren, die Magie des Popcorns erkunden und Erfahrungen mit dem Staubsauger sammeln. Natürlich beteiligt er sich an der immerwährenden Jagd nach den glänzenden Silberlingen. Gerät er in Schieflage, läuft er zur Hochform auf, aber nicht unbedingt in die Richtung, in die er geschubst wird. Begegnungen der etwas anderen Art geben Aurelio zu verstehen, dass er nicht allein im Universum ist. Da sind auch Ameisen und Lucie, die ihn zum Spielzeug kürte, als er ein drei Monate altes Baby war. Wovon träumt Aurelio und was tut er sonst noch, während er den Lieblingsbeschäftigungen nachgeht, die uns Menschen offensichtlich angeboren sind? Aurelio Anderson öffnet die Schatzkiste des Humors und erzählt Lachgeschichten zum Entspannen und Geniessen.
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Seitenzahl: 166
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Gestatten Sie mir, dass ich Ihnen dieses Buch widme, werte Leserin, werter Leser.
Sie führen es seiner wahren Bestimmung zu.
Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung und einen gesunden Schlaf.
INHALT
Kleine Suppensymphonie
Lizenzvertrag
Hurra, die Ferien sind da
Ein Paradies für Schnecken
Ente gut, alles gut
Mein Wurm Kasimir
Ringsum fidibum
Wehe, wenn sie losgelassen
Betreten verboten
Motten, frische Motten
Werdegang einer Kaulquappe
Lobeshymne auf die Intuition
Ehrlich währt am längsten
Oh Gummibaum
Das krötensichere Börsenbarometer
Danke, Ruprecht
Überraschung!
Garantie mit beschränkter Haftung
Ein halbes Paar Socken, bitte
Weltuntergang mit Folgen
Plunder der Technik
Mein Taschenrechner hat einen Vogel
Und es gibt ihn doch
Schlüssel zum Universum
Einen Augenblick, bitte
Kinospektakel der Extraklasse
Ich war gerade intensiv damit beschäftigt, in der Hängematte zu liegen und sonst nichts weiter zu tun, als unverhofft der Hunger an meine Magenpforte klopfte. Ich öffnete nicht. Der Störenfried hämmerte unnachgiebig weiter. Aus war es mit der Ruhe und Behaglichkeit. Also beschloss ich kurzerhand, dem Quälgeist ein jähes Ende zu bereiten, und ging essen. Ich kehrte in einem mit fünf funkelnden Sternen ausgezeichneten, sehr noblen Speiselokal ein, um den gemütlich eingestimmten Abend bei einem delikaten Häppchen fortzusetzen.
Ich folgte der Empfehlung des Obers und bestellte das Menu „Surprise“. Der Kellner eröffnete die kulinarische Entdeckungsreise mit einem verheißungsvoll dampfenden Süppchen, welches er in eine edle Porzellanschale füllte und dieses auf den Tisch vor mich hinstellte. Ich nahm den Löffel zur Hand und schickte mich erwartungsvoll an, davon zu kosten. Eine ordinäre Stubenfliege kam mir zuvor. Sie platschte zielstrebig in die Suppe und konfrontierte mich mit der klassischsten aller Suppenüberraschungen. Ich fand ihr Benehmen ziemlich unangebracht und bestrafte sie mit Verachtung. Üblicherweise verhalten sich Fliegen in Suppen ausgesprochen hyperaktiv. Meine blieb hingegen gelassen und segnete binnen Kurzem das Zeitliche. Kein Wunder, bei dieser Hitze! Ich erkannte schnell, dass sie sich nicht zum Vergnügen in meine Suppe gestürzt hatte. Das edelmütige Tierchen vereitelte durch die heldenhafte Hingabe seines Lebens die erkennbare Absicht des Kochs, meine Speiseröhre bei lebendigem Leibe zu verbrühen. Da es mir aber auch den Appetit verdarb, hatte ich nicht allzu lange Mitleid mit ihm. Ich verlangte unverzüglich den Koch zu sprechen, denn immerhin war dies ein sehr nobles Restaurant, in dem erstens Fliegen weder in Suppen noch irgendwo sonst etwas zu suchen hatten, auch keine heldentote, und zweitens Anschläge von Köchen auf ahnungslose, zahlende Gäste in der Regel mit mindestens zehn Tage lang Teller waschen geahndet wurden.
Der Koch war ein preisgekrönter Meister in der Zubereitung exquisiter Köstlichkeiten und von außerordentlich breitschultriger Statur. Ich ließ mich nicht beeindrucken und schimpfte heftig auf ihn ein. Er hörte mir geduldig zu. Als ich verstummte, tauchte der Hüne hilfsbereit seine klobigen Finger in die inzwischen etwas abgekühlte Suppe und fischte das Ungeziefer aus der Brühe. Wohlgemerkt, aus meiner Suppe. An meinem Tisch. Meine Fliege! Immerhin konnte er ihr nichts mehr antun. Dazu war es bereits zu spät. „Bitte sehr! Weiterhin guten Appetit!“, ließ der Riese vernehmen und machte kehrt in der Absicht, zurück in die Küche zu marschieren. In derartigen Situationen pflege ich in der Regel widerborstig zu reagieren. Zugegebenermaßen manchmal ein wenig überspitzt. „Sie haben einen Fleck auf Ihrem Schuh“, behauptete ich unvermittelt, noch bevor er einen Schritt ansetzen konnte. „Warten Sie, ich mache ihn weg“, fuhr ich fort und ehe er mich durchschaute, entleerte ich den erkalteten Inhalt meines zierlichen Porzellans über seine Fußbekleidung. Es befand sich tatsächlich ein Fleck auf seinem rechten Schuh und der war nun wirklich nicht mehr zu sehen. Er war gänzlich unter der Suppe verschwunden. Auf den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen. Schließlich spielte sich der Zwischenfall in einem sehr noblen Restaurant ab.
Hungrig verließ ich nach der kleinen Meinungsverschiedenheit das Lokal. Wenigstens verbrauchte ich dabei keine Kalorien, denn ich wurde hinausgetragen. Für die nächsten Tage stellte ich auf Spitalkost um. Diese soll ja sehr sättigend sein. Die erste Infusion schmeckte köstlich, aber mit der Zeit fand ich das Menu dann doch ein wenig fade. Glücklicherweise erhielt ich nach drei Tagen das erste warme Haferschleimsüppchen. Zum Abendessen bekam ich nochmals eines. Am nächsten Tag servierte man mir Erbsencremesuppe und am übernächsten eine Bouillon. Ich wurde jeweils mittags und abends mit Suppe verköstigt.
Zum Frühstück gab es Babybrei. Man gestattete mir, als Dessert eine Prise vom Duft der Wienerschnitzel meines Zimmernachbarn zu inhalieren. Dieser durfte keine Suppe zu sich nehmen, weil er unter einem Magengeschwür litt. Allmählich begann ich auf den Geruch der Schnitzel allergisch zu reagieren und wechselte heimlich das Lokal. Ich kehrte beim erstbesten Italiener ein und stopfte mich solange mit Pizza voll, bis ich ohnmächtig zusammenbrach. Am nächsten Morgen wachte ich wieder im Spital auf. Der Magen wurde mir inzwischen ausgepumpt, damit wieder Suppe hineinpasste. Diesmal schmeckten die aufgetischten Brühen noch intensiver nach Suppe als beim ersten Aufenthalt. Kurz bevor ich schwer suppenabhängig wurde, stattete mir der berühmte Fliegenkoch aus dem Fünf-Sterne-Restaurant einen Überraschungsbesuch ab. Er lachte mich an, klopfte mir auf die geschwächten Schultern, zerquetschte mich mit einer versöhnlich gemeinten Umarmung, küsste mich auf den Mund und entschuldigte sich für den unschönen Zwischenfall von damals. „Was soll das vulgäre Theater?“, dachte ich mir. Meine Eltern hatten mir beigebracht, dass man während des Küssens nicht spricht. Aber weil mir warm ums Herz wurde - nicht aufgrund der erdrückenden Zärtlichkeit, wo denken Sie hin, sondern wegen der rührenden Geste - verzieh ich ihm und küsste ihn ebenfalls brüderlich, natürlich auf die Wange, wohin denn sonst. Ich muss doch bitten! Ich erzählte ihm von meinem chronischen Suppenleiden, worauf der Spitzenkoch unverzüglich den Spitalkoch aufsuchte. Die darauffolgenden Tage lebte ich wie im Schlaraffenland. Heute Mittag verzehrte ich ein riesiges T-Bone-Steak. Zum Abendbrot genehmigte ich mir ein leckeres Lammrückenfilet. Mein Zimmernachbar, dem die Wienerschnitzel inzwischen aus Hals und Ohren heraushingen, flehte mich an, mit ihm das Essen zu tauschen. Ich weigerte mich, aber er durfte nun an den erlesenen Aromen meiner Leckerbissen schnuppern. Von mir aus so lange, bis seine Reifen platzten.
Meine Hängematte rief mich an und fragte, wann ich endlich wiederkäme. Sie hatte Sehnsucht nach mir. Ich ließ sie von der Krankenschwester zu mir bringen und gemeinsam hingen wir noch einige Tage im Spital herum, die Hängematte, die Krankenschwester und ich. Als das mein Zimmergenosse nicht mehr aushielt, entschloss er sich gesund zu werden und reiste ab. Weil immer mehr Übernachtungsgäste das Weite suchten, legte man mir nahe, ich könnte nun allmählich nach Hause gehen. Also klemmte ich meine Hängematte unter den Arm und kehrte zurück in das traute Heim. Dort war es ohnehin viel gemütlicher und ich konnte mich ungestört wieder meiner Lieblingsbeschäftigung zuwenden. Sollte der Hunger erneut Einlass fordern, während ich entspannt in der Hängematte liege, dann rufe ich unverzüglich die Ambulanz.
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Nun liegt sie genau vor mir, die allerschönste Zeit des Jahres, in der ich tun und lassen kann, was ich will. Ja, die Ferien sind da, hurra! Endlich, endlich habe ich Ferien. Für eine Weile sage ich den strapaziösen, mit Terminen vollgespickten und Überstunden umrahmten, endlos langen Arbeitstagen Ade und wende mich hier und jetzt den wesentlichen Angelegenheiten des Lebens zu. Zum Beispiel habe ich nun viel Zeit für meine Lieblinge. Als stärkstes Glied in der Familie übernehme ich natürlich die harten Jobs im Haushalt und selbstverständlich auch die Obhut über den Nachwuchs. Schließlich braucht meine Lebensgefährtin ebenfalls ein wenig Erholung und etwas Zeit für sich. Sie hat es verdient. Und los geht‘s: zum Auftakt mit den Kinderchen spielen, anschließend das Essen kochen, nach dem Tafeln abwaschen, danach aufräumen, dann weiterspie- len, noch schnell den Teppich schamponieren, den Mixer und die Kaffeemaschine reparieren, noch ein Stündchen spielen, einkaufen, schließlich flugs den Rasen mähen, dann Unkraut jäten. All dies, und noch etwas mehr, steht ab sofort auf meinem Ferienplan. An Kurzweil wird es mir in nächster Zeit bestimmt nicht fehlen.
Nachts bleibt noch etwas Zeit zum Packen. Wir wollen nämlich verreisen. Die Campingausrüstung muss zusammengesucht und das Zelt zum Imprägnieren aufgestellt werden. Um drei Uhr früh steht es bereit. Selbstverständlich setzt nun der Regen ein. Schnell räume ich das Zelt wieder ab. Morgen ist auch noch eine Nacht, da muss eben die Übung wiederholt werden. Schließlich sollte noch das Loch in der Luftmatratze aufgespürt und dicht gemacht werden. Bis zum Morgengrauen ist auch das geschafft. Was sich danach tagsüber abgespielt hat, weiß ich nicht mehr. Mein Bewusstsein hat geschlafen.
Vor der lang ersehnten Abfahrt ist noch eine knifflige Aufgabe zu lösen. Gewiss habe ich eigens für die bevorstehende Reise einen Caravan mit extra viel Stauraum gemietet. Aber man unterschätzt doch immer wieder, was man zum Leben unbedingt braucht. Es umfasst schlicht alles, was man besitzt. „Wohin bloß mit dem ganzen Gepäck?“, frage ich mich. Möglicherweise gibt es eine Lösung für dieses Problem, aber ich habe sie bis jetzt nicht gefunden. Also hilft nur ausprobieren. Das bedeutet: einräumen, ausräumen, einräumen, ausräumen, et cetera, et cetera. Nach einigen Dutzend Versuchen bin ich so weit fortgeschritten, dass bis auf die Schlafsäcke, das Schlauchboot, den Toaster, die Stehlampe und die Zahnbürsten alles untergebracht ist. Doch wo finde ich noch ein Plätzchen für diese absolut unentbehrlichen Gegenstände, ohne die wir niemals in den Urlaub fahren würden? Hoffnungslosigkeit macht sich breit. Der Kofferraum quillt bereits über. Das Dach wölbt sich unter der aufgetürmten Last bedrohlich weit nach unten. Das Reserverad habe ich schon abmontiert und den entstandenen Freiraum mit Kleidungsstücken ausgestopft. Vorder- und Rücksitze sind mit diversen gefüllten Taschen ausgelegt, dort kann ich keine zusätzlichen Lagen aufschichten, sonst müssten wir unsere Köpfe während der Reise seitlich zum Fenster hinaus legen und es ist wirklich undenkbar, bei Regen so zu fahren. Ich schaue unter der Motorhaube nach, ob sich dort eventuell etwas Überflüssiges befindet. Der Motor lässt sich aber unmöglich durch den Toaster ersetzen, denn dieser hat, soviel ich weiß, keine Zündkerzen eingebaut. Stattdessen stopfe ich kurzerhand die Schlafsäcke und das Schlauchboot inklusive beider Paddel zwischen Getriebe und Zylinderkopfdichtung. Wie Sie meinen Ausführungen entnehmen können, verstehe ich etwas von Autos. Den Toaster quetsche ich zwischen Kupplung und Bremspedal, die Stehlampe in den Aschenbecher. Einzig für die Zahnbürsten finde ich beim besten Willen kein freies Plätzchen mehr. Schade, dabei hatte ich mich so sehr auf das Campieren gefreut. Aber zwei zahnbürstenlose Wochen kann ich nicht verantworten. Was geschieht, wenn wir sie unverhofft ganz dringend brauchen, die Zahnbürsten? Und was noch schlimmer ist: Wie bringe ich meinen Lieblingen schonend bei, dass unser Ausflug ins Wasser fällt? Glücklicherweise übermittelt mir meine Intuition die rettende Idee. „Wenn du am Ziel bist, kaufst du euch eben neue Zahnbürsten“, flüstert sie mir zu. Welch genialer Einfall meiner Intuition! Was wäre ich ohne sie! Nun freue ich mich wieder riesig auf die Abreise. Bereits zeichnet sich der erste Höhepunkt während der Hinfahrt ab. Im Radio haben sie den ultimativen Ferienstau auf der Autobahn gemeldet. Den darf ich auf keinen Fall verpassen.
Gerade erst sind wir losgefahren und schon sind wir wieder aus den Ferien zurück. Ein wenig müde von der Heimreise, aber ansonsten glücklich und gesund kommen wir zu Hause an. Schade, dass die Zeit immer dann am schnellsten vergeht, wenn es am schönsten ist. Freudig springt uns Sokrates entgegen, um uns zu begrüßen. Mein Hund hatte keine Lust mitzufahren. Er bevorzugte es, während unserer Abwesenheit das Haus zu bewachen, den Rasen zu sprengen und die Fische zu füttern. Ich packe die Kamera aus, um den Akku nachzuladen. Ich hatte das verflixte Ladegerät daheim vergessen und der Akku war schon vor der Abreise leer. Wenigstens will ich von unserer Rückkehr schnell ein paar Fotos machen, denn es geht nichts über schöne Erinnerungen aus dem Urlaub, die man den Freunden in Form von gelungenen Fotos vorzeigen kann. Ich knipse ein Bild von Nachbars Kanarienvogel und eines von den exotisch anmutenden Trockenblumen im Garten, zusammen mit Sokrates. Das steht ihm zu, denn schließlich hat er in Rekordzeit den ganzen Garten in eine originelle Steppenlandschaft verzaubert, damit wir uns nach der Rückkehr darüber freuen. Wenn er mir vor der Abreise verraten hätte, was er im Schilde führt, hätte ich eine Herde Bisons aus den Ferien mitgebracht. Sie würden perfekt in die Szene passen. Der Schnappschuss vom neuen Badeschwamm darf natürlich nicht fehlen. Zu guter Letzt lichte ich unsere mitgebrachten Souvenirs ab, die funkelnagelneuen Zahnbürsten, die wir in der Ferne gekauft haben. Die kostbaren Erinnerungsstücke wollte ich unter keinen Umständen zurücklassen. Ich habe mir den Kopf darüber zermartert, ob ich sie für die Rückreise doch noch irgendwo im vollgestopften Wagen verstauen könnte. Meine Intuition musste mir dieses Mal nicht nachhelfen. Ich fand die Lösung selber. Wir haben uns die Zahnbürsten hinter die Ohren geklemmt.
Beduinen brauchen keine Regenschirme. In ihrer Heimat scheint ununterbrochen brütend heiß die Sonne und sollte dies einmal nicht der Fall sein, dann bestimmt nur nachts. Ach, wie beneide ich die Söhne der Wüste um ihre Oasen mit den zauberhaften, unversehrten Gärten. Unversehrt sind sie, weil es darin keine Schnecken gibt. Das trockene Klima bekommt denen nämlich nicht. Mir leider auch nicht. Ich bevorzuge das für meine Heimat typisch milde und gemäßigte Klima, in welchem immer wieder Regenschauer selbst den heißesten Sommern ihre unerträgliche Hitze nehmen. Unfreiwilligerweise teile ich diese Vorliebe mit den Schnecken. Wen wundert‘s, dass sich die feuchtfröhlichen Geschöpfe in meinem Garten sichtlich wohl fühlen.
Mit ehrlichen Absichten auf eine friedliche Koexistenz trug ich anfangs mein Bestes zum Wohlergehen der ungebetenen Gäste bei. Zweimal pro Woche pflanzte ich neuen Salat und schmackhafte Gemüsesetzlinge. Die kleinen Vielfraße dankten es mir mit ihrem unersättlichen Appetit. Entgegen meiner Hoffnung blieb für mich jeweils absolut nichts übrig. Ich steckte meine Gutmütigkeit an den Hut und startete eine groß angelegte Razzia.
Täglich sammelte ich die Plagegeister mehrere Stunden lang ein und ließ sie dann fernab von meinem Garten an einem Waldrand wieder frei. „Wohl bekomm‘s den Igeln!“, dachte ich mir. Innerhalb einer Woche befreite ich so meine Pflänzchen von einer ganzen Armee fieser Gartenschänder. Einige Frevler waren jedoch zu glitschig und schlüpften durch das Fahndungsnetz hindurch. Sogleich vermehrten sie sich und mehrten sich und wurden explosionsartig immer noch mehr. Zudem hatte sich in schleimigen Kreisen herumgesprochen, dass ich ein Verächter von Schneckenbauchwehkörnern bin. Von nah und fern statteten sie mir heerscharenweise ihren Besuch ab und ruinierten alle meine Blumen und Grünpflanzen vollends. Dagegen halfen auch nicht die Warnschilder, die ich überall aussteckte. „Bekriechen verboten“ stand darauf geschrieben, „Schleimen auf eigene Gefahr“ und „Achtung, bissige Enten“. In rasendem Schneckentempo flitzten die Eindringlinge einfach daran vorbei und beschlagnahmten unbeirrt mein Land. Manche krochen gar die Schilder empor und kosteten ein wenig davon, vermutlich die eher Kurzsichtigen unter ihnen.
Woher die Biester kamen, war mir ein Rätsel. Aus Nachbars Gärten jedenfalls nicht. Dort gab es keine Schnecken, nicht eine einzige, obwohl es auf der anderen Seite des Zauns genauso oft regnete. Vielleicht sind meine Anwohner mit den Beduinen verwandt. Ich muss sie bei Gelegenheit fragen. Überdies existierten keinerlei Hindernisse, welche die Schnecken daran gehindert hätten, in das fruchtbare Neuland meiner Nachbarn überzusiedeln. Sie taten es nicht. Im angrenzenden Blumenbeet zur linken Seite wuchsen wundervolle Blumen. Auf meiner Seite zeugten ein paar kahl abgenagte Stängel von einstigem Pflanzenwuchs. Frau Nachbarin rechts trug täglich einen Korb voll prächtiges Gemüse aus ihrem Beet in die Küche. Meinerseits blieb selbst die Suche nach übrig gebliebenen Salatwurzeln erntelos. Nun denn! Kahlgefressene Blumenstiele versprühen ihren eigenen, ganz individuellen Charme. Ansonsten habe ich hierzu keinen weiteren Kommentar und ich hege auch keine Neidgefühle, Komma und Punkt.
„Warum nicht aus der Not eine Tugend machen?“, überlegte ich messerscharf und wendete mich der Schneckenzucht zu. Weinbergschnecken sind eine begehrte Delikatesse. Ich setzte gleich zweihundert Stück aus. Nach einer Woche war in meinem Garten überhaupt kein Grün mehr vorhanden. Es waren aber auch keine Schnecken mehr da, auch nicht meine Weinbergschnecken. Sie waren spurlos verschwunden. Ich säte neuen Rasen
