Ein Jahr lang wir - Heike vom Heede - E-Book

Ein Jahr lang wir E-Book

Heike vom Heede

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Beschreibung

Wenn aus Paaren Eltern werden, haben sie nicht nur tausend Fragen zum Baby — sie müssen sich in einer völlig neuen Konstellation zurechtfinden. Die Pädagogin Heike vom Heede begleitet seit über 20 Jahren Familien dabei, zusammenzuwachsen. In ihrem Buch bereitet sie nicht nur auf die erste Zeit mit dem Baby vor, sie hilft Eltern auch dabei, sich als Paar weiterzuentwickeln und das Familienleben für sich selbst passend zu gestalten — denn jede Familie ist anders, und das ist auch gut so.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 189

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Heike vom Heede

Ein Jahr lang wir

Für Moritz und TillMeine Jungs, die uns zu einer Familie gemacht haben und die dafür sorgen, dass mein Leben voller Liebe ist

Vorwort

Wisst ihr, welches Abenteuer vor euch liegt? Ihr werdet eine Familie!

Das ist so wunderschön, und, wenn ihr tief in euch hineinhorcht, vielleicht auch ein wenig ­beängstigend – nicht wahr?

Keine Sorge, so ergeht es allen von uns. So ging es mir, als mein erster Sohn zur Welt kam, und auch beim zweiten Sohn war es nicht sehr anders. Mit jedem Kind hat sich mein Familienleben verändert – und so herausfordernd dieser Prozess bis heute ist, so erfüllend ist er auch.

Doch wer bin ich, dass ich euch so etwas erzähle?

Hallo ihr Lieben,

mein Name ist Heike. Ich bin Diplom-Sozialpädagogin, habe meinen Schwerpunkt und meine Erfüllung in der Familienpädagogik gefunden und führe seit mehr als zwanzig Jahren ein eigenes Familieninstitut in meiner Heimat Düsseldorf.

Ich nenne mich gerne »die Anwältin der Kinder«, was bedeutet, dass ich immer aus der Perspektive des Kindes argumentiere und versuche, das den ­Eltern zu vermitteln und nicht aus der Erwachsenebene zum Kind zu sprechen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es kein Rezept für die eine richtige Art und Weise gibt, wie Familie funktioniert. Das geht sogar so weit, dass ich das Wörtchen »funktionieren« ganz verbannen möchte. Denn Familie ist nichts, was man durch Stellschrauben zum Ideal drehen sollte. Familie ist etwas, das so individuell ist wie jede einzelne Person auf diesem wunderschönen Planeten.

Wenn es also keine allgemeingültigen Regeln und Abhaklisten gibt, wie Familie gelebt wird, was ist dann der Grund für dieses Buch? Das ist recht simpel: Ich möchte euch auf dem Familienweg begleiten, der zu euch passt. Durch meine Social-Media-Präsenz erreichen mich jeden Tag Fragen von werdenden Eltern und bereits bestehenden Familien. Es sind – ganz egal, wie unterschiedlich die Umstände sind – im Kern doch immer die gleichen Themen, die uns alle bewegen.

Und diesen Themen gebe ich in diesem Buch den Platz, den sie verdienen. Ich schreibe kein Nachschlagewerk von A–Z, hangle mich nicht an Wachstumsschüben entlang, schaue nicht nur aufs Kind, sondern auch auf euch.

In diesem Buch schauen wir gemeinsam auf ebendiese wundervollen Familien von der Schwangerschaft bis ins erste Lebensjahr. Ich lade euch ganz herzlich dazu ein, mit mir herauszufinden, wohin euch euer Familienweg führen wird.

Wollen wir gemeinsam losgehen?

»Euch«, wer soll das sein?In diesem Buch richte ich mich an Eltern. Ob Mama, Papa, Stiefmama, Bonus-Papa, alle Genannten oder eine Person – das sind für mich Eltern. In einem Gefüge, das so individuell sein darf wie das Leben selbst. Oftmals spreche ich direkt dich an, liebe Schwangere oder ­bereits frischgebackene Mama. Ich weiß ja, wer sich hauptsächlich an mich wendet, doch ich freue mich auch über jeden Papa und jede*n Partner*in, der oder die in meinen ­Antworten einen Rat sucht. Es wäre sehr chaotisch, in jedem Satz alle möglichen Familien­gefüge zu nennen. Ich möchte aber nicht aus Einfachheit nur Mama-Papa-Eltern ansprechen, aber auch nicht nur Allein­erziehende oder gleichgeschlechtliche Eltern. Wenn ich »du« schreibe, dürfen sich alle angesprochen fühlen (in den meisten Fällen richtet es sich aber schon an die Schwangere, da hat die Natur wenig Spielraum). Wenn ich »ihr« schreibe, dann spreche ich von allen, die zum engsten Familiengefüge gehören – auch dann, wenn es aus Mama und (ungeborenem) Baby besteht. Familien sind so vielseitig, ich spreche zu euch allen und hoffe, dass ihr euch angesprochen fühlt.

Wir werden eine Familie

Fragen und Antworten rund um die Schwangerschaft

Ganz langsam, aber sicher, und dann doch ganz schnell, wachst ihr zu einer Familie heran. Ein weiteres kleines Herzchen schlägt nun voller Aufregung auf ein gemeinsames Leben, und eure Reise als Familie beginnt bereits vor dem ersten Hallo-Schrei. In diesem Kapitel widme ich mich den großen und kleinen Fragen, die euch als werdende Familie beschäftigen. Wir schauen ganz genau in die Vorbereitung, greifen Sorgen und Ängste auf und achten immer darauf, dass die Vorfreude aus­reichend Platz findet.

Das Elternmeeting

Bevor wir loslegen, möchte ich noch ein Wort erklären, das sich immer mal wieder ins Buch geschlichen hat. Wer mich von Social Media ­oder aus meinen Kursen im Familieninstitut kennt, wird schon wissen, worum es sich handelt. Für alle anderen möchte ich es kurz erklären.

Was ist ein Elternmeeting?

Das Elternmeeting ist eine sehr schöne Verpflichtung, die Eltern gemeinsam eingehen. Mama, Papa, Bezugsperson – wer teilnimmt, definiert euer Familiengefüge.

Das Wort »Meeting« klingt erst mal sehr pragmatisch und nach Arbeit, und das ist auch gar nicht so falsch. Es ist ein Termin, in dem ihr alles fokussiert besprecht, was eure Rolle als Eltern betrifft. Damit fangt ihr am besten schon in der Schwangerschaft an und führt es ab dann in einem für euch sinnvollen Turnus durch. Ob täglich, wöchentlich, jährlich, alle Jubel­jahre – das Elternmeeting verändert sich mit euch und euren Anforderungen.

Ziel des Elternmeetings ist es, dass die Gespräche, die ihr sonst im Alltag nur anreißt, einen Platz finden, um ausgiebig besprochen zu werden.

Teil der Agenda können terminliche Absprachen sein, Erziehungsmodelle, die Einrichtung des Kinderzimmers, der Umgang mit Religion, die Aufteilung der Hausarbeit, der Familienname, die Wahl der Paten, die sinnvollsten Versicherungen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das Lied, das an jedem Geburtstag gesungen wird. Ihr seht: Die Themen sind so vielfältig, wie ihr sie gestaltet!

Das Elternmeeting ist übrigens nicht an den Tisch gebunden. Es darf auch bei einem entspannten Spaziergang, spontan im Badezimmer oder doch im Lieblings-Café stattfinden. Die Hauptsache ist, dass ihr euch auf eure selbst definierte Agenda konzentriert und das Besproche­ne notiert und verinnerlicht. Das, was ihr in den Elternmeetings festlegt, ist euer Gesetz. So lange, bis ihr es neu schreibt!

Gefühlswelt Schwangerschaft

Meine Liebe, du bist schwanger! Herzlichen Glückwunsch aus tiefstem Herzen – vor dir liegt eine wunderschöne Reise, und ich bin sehr glücklich darüber, dich auf dieser begleiten zu dürfen.

Ob Überraschungskind, Wunschkind, lang ersehntes Kind oder ganz unverhoffte Schwangerschaft – die kommenden Monate werden anders sein als alles, was du je erlebt hast.

Ich habe mit einer Schwangerschaft nicht gerechnet, was jetzt?

Nicht immer sind Schwangerschaften geplant, sondern eine echte Überraschung. Doch nur, weil es nicht der Plan war, genau jetzt schwanger zu werden, bedeutet es nicht, dass du nicht dazu bereit sein wirst.

Gib dir zunächst die Erlaubnis, dich zu sortieren und für dich zu realisieren, was in dir und deinem Leben nun vorgeht. Verurteile deine Sorgen, Zweifel und Ängste nicht, denn diese gibt es auch bei einer akribisch geplanten Schwangerschaft.

Wenn du dieses Buch in den Händen hältst, dann hast du dich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit dazu entschieden, eine Familie zu gründen. Dazu möchte ich dir aus tiefstem Herzen gratulieren! Vielleicht war die Entscheidung keine einfache, aber du hast sie getroffen und kannst stolz auf dich sein.

Sich für eine Familie entschieden zu haben löscht nicht plötzlich alle negativen Gefühle aus. Sie gehören sogar zu jeder Schwangerschaft auf ihre individuelle Art und Weise dazu. Sollten die negativen Gefühle alles übertönen, dann nimm dir besonders viel Zeit, um sie zu ergründen. Bist du vielleicht gerade einfach überfordert? Fühlst du dich allein oder hast Existenzängste? Verurteile dich nicht für deine Gefühle, und lasse auch nicht zu, dass andere es tun.

Sprich, wenn du bereit dazu bist, mit deinem Partner, deiner Partnerin oder einer Bezugsperson deines Vertrauens. Ausgesprochen ist Unüberwindbares sehr viel klarer einzuordnen.

Ich habe einen sehr einfachen Tipp für dich, der dir hilft, aus deiner Spirale aus Angst und Zweifel auszubrechen: Verlasse deine vier Wände und deinen gewohnten Alltag ganz bewusst. Das kannst du mit einem Spaziergang in der Natur tun oder mit einem Cafébesuch. Nimm wahr, dass die Welt weiterhin existiert und dein Leben weitergeht. Nur anders. Neue Wege warten auf dich! Sei bereit, sie zu erkunden.

Lasse dich von all den offenen Zukunftsfragen nicht überrollen. Das ist sehr einfach gesagt, erfordert aber Disziplin. Du kannst nicht auf einen Schlag alles in die Wege leiten und einen neuen perfekten Plan auf­stellen. Vielleicht musst du deine Wohnsituation verändern, vielleicht passt ein Kind nicht in deinen Karriereplan, vielleicht bist du nicht in einer Be­ziehung. Das sind alles Themen, die sich organisieren lassen. Gehe diese »Baustellen« Schritt für Schritt an und versuche auch das Positive in der Veränderung wahrzunehmen.

Es ist übrigens sehr normal, dass du nicht jeden Tag voller Zuversicht und Freude über jeden einzelnen Aspekt deiner Schwangerschaft sein wirst. Solan­­ge du für dich und deine Familienplanung entschieden hast, dass du ein kleines Herzchen mehr in die Welt bringen möchtest, ist das Gefühl der Verbundenheit viel stärker als alles andere. Auch wenn es sich nicht jeden Tag so anfühlen mag.

Schaffe dir bewusst Momente, in denen du dich auf die Dinge konzentrierst, die du sicher weißt:

Du wirst Mama.Du bist nicht allein – Bezugspersonen sind nicht nur für dein Kleines, sondern auch für dich da!Du kannst es.Du darfst zweifeln.Du darfst deine Gefühle fühlen.Du wirst eine Liebe empfinden, die du noch gar nicht begreifen kannst.

Ab wann darf ich von meiner Schwangerschaft erzählen?

Sollte es einen Partner oder eine Partnerin in deinem Leben geben, mit dem oder der du diesen neuen Lebensabschnitt gemeinsam gehen möchtest, finde ich es immer schön, den Schwangerschaftstest gemeinsam zu machen. Das nimmt dir vielleicht ein wenig Angst, und die Freude ist dann doppelt so groß.

Falls du es allein herausgefunden hast, dann weihe den zweiten werdenden Elternteil so schnell wie möglich ein. Platze damit heraus oder plane eine kleine Überraschungsbox mit dem positiven Test – so wird es für euch beide real!

Zelebriert dann diesen Tag ganz bewusst gemeinsam. Kocht euer Lieblingsessen, geht gemeinsam aus, lauft eine Runde durch die Straßen oder den Park und sprecht über all die schönen Gefühle, die ihr jetzt mit dem Gedanken an euer kleines Wunder habt. Werdet euch bewusst, dass ihr euch nun gemeinsam auf einem neuen Weg befindet, der so vielbesonderer ist, als ihr euch vielleicht vorstellen könnt.

Haltet diesen Tag mit einem Foto fest oder schreibt ein paar Zeilen auf. Dieser Moment ist einmalig, und ihn euch auch Jahre später nochmal ins Bewusstsein zu rufen, ist so wertvoll.

Falls du keine*n Partner*in an ­deiner Seite hast, feiere den Tag mit deiner besten Freundin oder jeman­dem, der dich nun als engste Vertrauens­person auf diesem neuen Weg begleiten wird. Schenke deiner Freude und all den neuen Gefühlen Platz!

Wenn es dann darum geht, dein weiteres Umfeld einzuweihen, habe ich eine Empfehlung. Es ist aber komplett deine Entscheidung. Handle so, wie es sich richtig für dich anfühlt!

Man spricht immer von der Zwölf-Wochen-Grenze für die Kommunikation einer Schwangerschaft. Zu diesem Zeitpunkt hast du die ersten Untersuchungen gemacht, konntest deinen kleinen Schatz erstmals auf dem Ultra­schallbild sehen, hast die ärzt­liche Sicherheit und hattest Zeit, in deiner neuen Rolle als werdende Mama anzukommen, ohne dich den Meinungen und Ratschlägen anderer auszusetzen.

Ich empfehle aus Gründen des Selbstschutzes, deiner kleinen, wachsenden Familie diese ersten drei Monate zu schenken. Es ist weniger ein Verschweigen deiner Schwangerschaft als das Schützen einer wunderschönen Bubble, in der ihr euch nun befindet. Wenn du schon ein Zuhause-Gefühl mit dir und deiner Schwangerschaft geschaffen hast, kannst du äußere Einflüsse viel besser einordnen.

Solltest du aber von Anfang an den starken Drang verspüren, unbedingt alle einweihen zu wollen, dann ist das dein richtiger Weg! Es gibt nie eine Garantie oder einen perfekten Zeitpunkt. Vertraue auf dein Bauchgefühl.

Wie verkündet man eine Schwangerschaft am schönsten im weiteren Umfeld?

Für die Verkündung im Freundeskreis würde ich ein kleines Fest veranstalten. Das muss nicht aufwändig sein, es reicht schon ein gemüt­licher Abend oder ein Grillfest im Garten. Schaffe eine schöne Atmosphäre, in der du dich wohlfühlst, von deiner schönen Nachricht zu erzählen.

Für die Verkündung bei den werdenden Großeltern kannst du beispielsweise ganz ungezwungen zum Kaffee und Kuchen einladen und etwas zur Visualisierung deiner Schwangerschaft vorbereiten und verschenken. Du spürst die Veränderung körperlich und auch mental. In dir verändert sich so viel, was von außen vielleicht noch gar nicht sichtbarist. Deine Liebsten wollen auch Teil der Reise sein, und mit einem Ultraschallfoto, einem Fotoalbum, das sie als Oma und Opa füllen dürfen, oder einem Paar Babysöckchen haben sie etwas, auf das sie ihre Vorfreude projizieren können.

Verbinde das Materielle direkt mit einer Emotion, indem ihr euch zusammen ausmalt, wie die Söckchen dem Enkelchen zum ersten Mal angezogen werden. Das Geschenk ist gleichzeitig auch ein Versprechen, dass die Omas und Opas eine wertvolle Rolle in eurer kleinen Familie spielen werden.

Werden deine Eltern zum ersten Mal Großeltern, ist dieser Moment auch für sie eine große Veränderung. Wenn das eigene Kind zum Elternteil wird, entwickelt sich das Familiengefüge zu etwas Neuem. Gib den werdenden Großeltern Raum, diese neue Version ihres eigenen Kindes kennenzulernen und zu verstehen.

Wie gehe ich damit um, wenn die Angstgefühle während meiner Schwangerschaft stärker sind als die Glücksgefühle?

Angstgefühle dürfen existieren. Er-laube sie dir und verurteile dich nicht. Versuche zunächst herauszufinden, ob du wirklich Angst hast oder ob dieses innere Kribbeln vielleicht auch Aufregung und etwas Überforderung sein könnte. Ich möchte dir deine Gefühle keinesfalls absprechen, doch ich möchte auch nicht, dass du deine Gedanken zu negativ bewertest. Aufregung und Unsicherheit sind normal in der Schwangerschaft. Sie gehören fast immer dazu und werden von jeder werdenden Mutter mehr oder weniger gespürt.

Auf jeden Fall solltest du diese Gefühle ernst nehmen und nicht einfach übergehen. Sprich mit einer Bezugsperson, und lasse dich vielleicht für ein paar Tage auf der Arbeit krankschreiben, um dich zu entlasten. Was du empfindest, löst Stress aus, und weitere Stressquellen – wie der Job – können deine innere Unruhe verstärken.

Ziehe dich zurück und mache dir bewusst, woher die Gedanken rühren. Schreibe sie in ein Tagebuch und benenne sie ganz konkret. Gehe dann die Themen Schritt für Schritt an und erwarte nicht von dir, alles auf einmal bewältigen zu können.

Wenn dich deine Gefühle auf Dauer belasten, nimm therapeutische Hilfe in Anspruch oder wende dich an eine Beratungsstelle (siehe S. 250).

Ich habe eine ganz große Bitte: Warte nicht zu lange. Es muss dir nicht erst extrem schlecht gehen, ­bevor du dir eine vermeintliche Schwäche erlauben darfst. Wenn ­negative Gefühle deine Tage und Nächte bestimmen, dann ist es höchste Zeit, Hilfe anzunehmen. Das ist Selbstfürsorge. Du tust nicht nur dir damit etwas Gutes, sondern bist auch für dein Ungeborenes da. Keine werdende Mama muss aus­halten!

Bei aller fachlicher Expertise: Ich umarme dich, denn das ist es im Grunde doch, was du nun brauchst.

Wieso fällt mir alles so schwer?

Weil du schwanger bist!

Die Hormone in dir verändern momentan einfach alles, was du vorher gewohnt warst. Dein Körper stellt sich um und deine Gewohnheiten auf den Kopf.

Bist du zunehmend müde und antriebsarm, ist das dein Körper, der Ruhe einfordert, damit du in ihm ankommen kannst. Gehe zwei Schritte zurück, werde körperlich und geistig gemütlicher und setze dich nicht unter Druck, alles schnell schaffen zu müssen. Akzeptiere, dass du lang­samer bist und sich dein Körper im Umbau befindet.

Du hast vielleicht das Gefühl, ener­gielos zu sein, aber das stimmt so nicht. Du strotzt sogar vor Energie! Doch statt sie nach außen hin zu leben, richtet sie sich in dein Inneres. Dein Körper stibitzt dir jetzt die Kraft, die er braucht, um das Wunder in dir zu formen.

Wieso fällt mir alles so leicht?

Die Hormone schenken dir auch Glücksgefühle!

Oft brauchen sie eine Weile, um durchzukommen. Bei all der Umstellung, dem Neuen, dem Ungewissen, ist das total normal. Fallen dir plötzlich Dinge leichter als noch vor weni­gen Schwangerschaftswochen, hat sich der Hormonhaushalt in deinem Körper stabilisiert. Fühlt sich das nicht großartig an?

Er schenkt dir nun vermehrt Glücksgefühle und Vorfreude, mit denen sich dein Alltag sehr viel leichter und unbeschwerter meistern lässt. Nun hast du sicher auch Lust, dich auszutauschen, und könntest vor Glück die ganze Welt umarmen.

Auch das gehört zur Schwangerschaft dazu, und ich freue mich so für dich, dass du es erleben darfst!

Wie kann ich damit umgehen, dass mein*e Partner*in sich weniger als ich über die Schwangerschaft freut?

Du hast deinem Partner oder deiner Partnerin etwas Wichtiges voraus: Du spürst mit jeder Faser deines Körpers, dass du Mutter wirst. Auf diesem Level anzukommen, ohne selbst schwanger zu sein und diese Veränderung zu spüren, kann schwer sein. Gib ihm oder ihr die Zeit, um emotional aufzuschließen.

Eure Paar-Kommunikation ist sehr wichtig in dieser Phase, in der ihr euch emotional an unterschied­lichen Punkten befindet. Sprich an, dass du dich allein mit deiner Vorfreu­de fühlst, und frage ganz direkt nach, ob dein Gegenüber wirklich so empfindet, wie es bei dir ankommt. Eröffne ein solches Gespräch nicht mit Vorwürfen, um keine Ablehnungshal­tung zu provozieren. Offene Kommunikation hat immer das Ziel, gemeinsam zu sprechen. Nicht gegeneinander.

Gefühle lassen sich nicht erzwingen, und ein »Du solltest doch genauso fühlen, wie ich« kann nur Enttäuschung hervorrufen. Solche Aufforderungen sorgen höchstens für eine größere Distanz zwischen euch.

Stehe stützend zur Seite und sei jemand, dem sich dein Partner oder deine Partnerin anvertrauen kann. Vielleicht gibt er oder sie sich sehr vielMühe, emotional mit dir mitzuhalten, schafft es aber aus eigener Kraft nicht.

Verstehe fehlende Vorfreude nicht direkt als ein »gegen dich und das Kind«. Das Verhalten hat etwas mit deinem Partner oder deiner Partnerin zu tun und der neuen Rolle, in die er oder sie nun hineinwachsen wird.

Ich lege Paaren immer ans Herz, auch bewusst über Dinge außerhalb der Schwangerschaft zu sprechen. Zeigt einander, dass sich zwar vieles ändert, aber eure Basis noch immer dieselbe ist.

Wie vereine ich Schwangerschaft, Baby und Karrierewünsche?

Es kann sehr gut funktionieren, braucht aber einen Plan!

Wer unterstützt im Haushalt? Wo kann Entlastung entstehen? Wann hast du Zeit für dich? Hast du die Möglichkeit, deine ­Pausen frei einzuteilen und auch mal von den regulären Arbeitszeiten abzuweichen? Wer unterstützt euch später mit dem Baby? An welchen Tagen passiert was?

Puh, das sind viele Fragen. Aber keine davon ist unlösbar.

Vertraue auf den Plan, den du gemeinsam mit deinem/deiner Partner*in, Ärzt*in, Arbeitgeber*in und deinem familiären und freundschaft­lichen Umfeld aufstellst. Bis dieser Plan so perfekt wie möglich ist, muss er ausgiebig getestet und angepasst werden. Es kann auch helfen, an deine*n Arbeitgeber*in zu kommunizieren, wie wertvoll dein Arbeitsplatz für dich ist. Sollte es mal zu Planungs-Engpässen kommen, kann dies gegenseitiges Verständnis und Rücksicht stärken.

Dreht als Familie an den Stellschrauben, wenn es nicht funktioniert. Dein Wunsch, Karriere und Familie zu vereinen, ist es wert, mit sehr viel Mühe und Geduld am Ball zu bleiben und nicht alles über den Haufen zu werfen, nur weil es sich punktuell nach zu viel Arbeit anfühlt.

Ganz wichtig: Die Vereinbarkeit passiert nicht einfach, es braucht ein Konzept!

Ein Gedanke, den ich arbeitenden Mamas und denen, die es werden wollen, gerne mitgebe, ist folgender: Ziehe in Betracht, nicht »nur« zwanzig Stunden pro Woche zu arbeiten, sondern vielleicht sogar auf dreißig Stunden aufzustocken. Es ist doch in der Regel so, dass du trotz geringerer Stunden auf dem Papier und dementsprechender Vergütung genauso viel leistest wie diejenigen, die mehr Stunden machen. Stockst du auf, ­entzerrst du deinen Arbeitstag und wirst angemessen für ein normales Arbeitspensum bezahlt.

Das Budget, das du nun zusätzlich verdienst, steht dir dann zur Ver­fügung, um dir beispielsweise Unterstützung für den Haushalt zu holen. Das bedeutet: geistige und körperliche Entlastung, mehr Zeit fürs Familien­leben, für Freund*innen und für dich!

Wenn du als Mama Vollzeit arbeiten möchtest und kein Elternteil für die Betreuung zu Hause sein kann, dann ist eine zusätzliche Bezugsperson für dein Baby sehr wichtig. Sie soll kein Elternersatz sein, aber jemand, der Stabilität ausstrahlt und mit dem alle in der Familie positive Gefühle verbinden.

Wie finde ich Zeit, mich im hektischen Berufsleben überhaupt mit meiner Schwangerschaft zu beschäftigen?

Sprich mit den Verantwortlichen in der Arbeit und fordere Flexibilität ein. Eine gemeinsame Lösung ist in euer beider Interesse. Tritt vielleicht schon vor dem Mutterschutz etwas kürzer, wenn du die Zeit brauchst und es dir leisten kannst. Es bringt nichts, wenn du während der Arbeitszeit von Schwangerschaftsthemen abgelenkt bist, weil du außerhalb der Arbeit keine Energie hast, dich mit ihnen zu beschäftigen.

Stoße Veränderung an, und solltest du auf taube Ohren stoßen: Lasse dich für ein, zwei Tage krankschreiben. Ohne schlechtes Gewissen!

Überfordere ich meinen Körper, indem ich einfach mit meinem Sport weitermache wie vorher?

Dein Körpergefühl und auch die Gesundheit deines ungeborenen Kindes wird von sportlicher Betätigung während der Schwangerschaft sehr profitieren. Doch die Frage, ob du deinen Körper überforderst, indem du einfach so weitermachst wie zuvor, ist berechtigt und hängt immer davon ab, was du vorher sportlich alles gemacht hast.

Dein Körper darf in der Schwangerschaft ruhig belastet werden, jedoch sollten gewisse Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, um sowohl dich als auch dein Baby nicht zu gefährden. Beschäftige dich entweder selbst intensiv mit der Intensität des Trainings und der richtigen Haltung während der Schwangerschaft oder lasse dich von Expert*innen beraten und vielleicht sogar bei den Sporteinheiten betreuen.

Nicht alle Sportarten und Trainingsgeräte sind nun für dich ge­eignet. Du wirst wahrscheinlich mehr Pausen benötigen und solltest darauf achten, deine körperlichen Grenzen nicht zu überschreiten. Lerne die Signale deines neuen Körpers kennen!

Stoppe dein Training nicht, sondern bespreche mit deinem oder deiner Frauenärzt*in und deiner Hebamme, was weiterhin möglich ist. Indem du verantwortungsbewusst trainierst und auf die körperlichen Bedürfnisse während der Schwangerschaft achtest, kannst du weiterhin von den positiven Auswirkungen von Bewegung profitieren.

Für dein Körpergefühl während der Schwangerschaft ist Sport wirklich toll, und auch deine mentale Stärke kann durch ihn profitieren – lebe dich (rücksichtsvoll) sportlich aus!

Darf ich meine Essgewohnheiten beibehalten?

Solltest du bisher ausgewogen gegessen haben, musst du nicht viel verändern – bis auf die ärztlichen Empfehlungen selbstverständlich.

Deine Ernährung schlagartig komplett umzustellen, kann deinen Körper stressen – finde einen Essensplan, mit dem du dich wohlfühlst und deiner Schwangerschaft etwas Gutes tust. Nicht jede Mahlzeit muss perfekt ausgewogen und gesund sein, aber im Großen und Ganzen schon. Dein Körper muss Höchstleistung erbringen und benötigt Energie.

Trinke ausreichend Wasser und integriere Gemüse und Obst in deine Ernährung. Sei achtsam mit Kohlenhydraten, iss nicht zu viel Süßes. Finde gesündere Alternativen für Ungesundes, aber sei nicht zu dogmatisch.

Ich empfehle an meine Schwangeren immer sehr gerne die Kochbücher von Laura Koerver oder »Das Mama-Kochbuch« von Hannah Schmitz.

Wieso spiegelt mein Umfeld meine Freude nicht wider?

Wenn dein Umfeld deine