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Du verdienst es, dich besser zu fühlen! - Die einfühlsame Comic-Sammlung zum Thema Mental Health, um zwischen den grauen Wolken in deinem Kopf wieder die Sonne zu sehen. Manchmal fällt es uns schwer, das Leben zu genießen oder einfach nur durch den nächsten Tag zu kommen. Sind wir von Depressionen, Angstzuständen oder Einsamkeit betroffen, leidet nicht nur unsere Beziehung zu anderen, sondern vor allem die zu uns selbst. Die beliebte Künstlerin und Autorin Matilda Heindow weiß, was es bedeutet, unter psychischen Problemen zu leiden. Über @crazyheadcomics erreicht Matilda Heindow seit langem ein Millionenpublikum. Dort veröffentlicht sie Comics, die sich mit dem Thema Mental-Health auseinandersetzen und Betroffenen nachhaltig helfen. Erstmals erscheinen ihre beliebten Comics nun mit ausführlichen Begleitexten und konkreten Tipps in einem Workbook. Durch die Leichtigkeit der Bildsprache, kombiniert mit fundierter Information gelingt es Heindow, den Leser*innen dabei zu helfen, ihre Probleme zu ergründen, selbst anzugehen und endlich innere Kraft, Glück und Selbstvertrauen zu finden. Mithilfe von über 50 Illustrationen, persönlichen Geschichten der Autorin und konkreten, alltagstauglichen Impulsen und Anregungen lernen wir den Umgang mit schwierigen Gefühlen, Gedankenspiralen und schlechten Gewohnheiten. Wir lernen, dass wir nicht überleben müssen, sondern leben dürfen. Und dass jeder Tag mit dem richtigen Handwerkszeug ein kleines bisschen besser sein kann. Wie eine Hand, die dich hält, wird dich dieses tröstende Buch daran erinnern, dass du es selbst in den dunkelsten Momenten wert bist, geliebt und umsorgt zu werden.
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Seitenzahl: 144
Veröffentlichungsjahr: 2024
Matilda Heindow
Dein Mental-Health-Mutmacher für graue Tage
Aus dem Englischen von Alexandra Baisch
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Du verdienst es, dich besser zu fühlen! - Die einfühlsame Comic-Sammlung zum Thema Mental Health, um zwischen den grauen Wolken in deinem Kopf wieder die Sonne zu sehen.
Manchmal fällt es uns schwer, das Leben zu genießen oder einfach nur durch den nächsten Tag zu kommen. Sind wir von Depressionen, Angstzuständen oder Einsamkeit betroffen, leidet nicht nur unsere Beziehung zu anderen, sondern vor allem die zu uns selbst.
Die beliebte Künstlerin und Autorin Matilda Heindow weiß, was es bedeutet, unter psychischen Problemen zu leiden. Über @crazyheadcomics erreicht Matilda Heindow seit langem ein Millionenpublikum. Dort veröffentlicht sie Comics, die sich mit dem Thema Mental-Health auseinandersetzen und Betroffenen nachhaltig helfen.
Erstmals erscheinen ihre beliebten Comics nun mit ausführlichen Begleitexten und konkreten Tipps in einem Workbook. Durch die Leichtigkeit der Bildsprache, kombiniert mit fundierter Information gelingt es Heindow, den Leser*innen dabei zu helfen, ihre Probleme zu ergründen, selbst anzugehen und endlich innere Kraft, Glück und Selbstvertrauen zu finden.
Mithilfe von über 50 Illustrationen, persönlichen Geschichten der Autorin und konkreten, alltagstauglichen Impulsen und Anregungen lernen wir den Umgang mit schwierigen Gefühlen, Gedankenspiralen und schlechten Gewohnheiten. Wir lernen, dass wir nicht überleben müssen, sondern leben dürfen. Und dass jeder Tag mit dem richtigen Handwerkszeug ein kleines bisschen besser sein kann.
Wie eine Hand, die dich hält, wird dich dieses tröstende Buch daran erinnern, dass du es selbst in den dunkelsten Momenten wert bist, geliebt und umsorgt zu werden.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.droemer-knaur.de
Widmung
Einführung – Dieses Buch ist für dich
Meine psychische Erkrankung und ich
Kapitel 1 – »Stimmt mit mir vielleicht etwas nicht?« (Nein)
»Was ist nur mit mir los?«
Die »mentale Gesundheit« betrifft uns alle
Wie sich eine psychische Erkrankung anfühlt
Wonach psychische Erkrankung aussieht
Was ist bei dir so los?
Es ist okay, um Hilfe zu bitten
»Ich will leben, aber gerade wäre ich am liebsten nicht da«
Trauma lebt im Körper
Du bist nicht kaputt
Kapitel 2 – »Wird es mir jemals besser gehen?« (Ja!)
»Ich habe alles ausprobiert, aber nichts funktioniert!«
Heilung ist möglich
Optimismus ist eine Rettung
Entwickle ein Growth Mindset
Erwartungen loslassen
Dein Aussehen und warum es völlig egal ist
Freunde dich wieder mit dir selbst an
Du bist es wert, an dir zu arbeiten
Kapitel 3 – Deine Werkzeugkiste für psychische Gesundheit
Hilfsmittel, damit du dich besser fühlst
Das Einmaleins in Sachen Selbstmitgefühl
Eine Anleitung zu echter Selbstfürsorge
Grenzen errichten
Mit negativen Gedanken zurechtkommen
Etwas bewältigen, sich erden und beruhigen
Atmen und Achtsamkeit
Verarbeiten durch Worte
Was ist in deiner Werkzeugkiste?
Kapitel 4 – Der Pfad der Genesung
Stress und Heilung
Mit Produktivitätsrausch zurechtkommen
Sabotiere ich mich selbst?
»Ich kann einfach nicht aufhören, mich mit anderen zu vergleichen«
Social Media und Einsamkeit
Beziehungen und psychische Erkrankung
Trauer und Verlust
Mach weiter!
Kapitel 5 – Du kannst leben, nicht nur überleben
Sorge dafür, dass dein Leben für dich funktioniert
Wie ich mir weniger Sorgen mache
Dinge, von denen wir uns lösen müssen
Die Suche nach dem Silberstreif am Horizont
Meine Message an dich
Nützliche Links
Danksagung
Für alle Menschen, die mich so lieben, wie ich bin, und alles mit mir durchstehen.
Dieses Buch ist für dich
Ich habe dieses Buch für dich geschrieben – ja, ganz genau, für dich. Vielleicht hat es dir jemand geschenkt, der dich liebt, oder aber du hast es dir selbst geschenkt. Vielleicht hast du zu diesem Buch gegriffen, weil du Probleme mit deiner psychischen Gesundheit hast oder weil dir gerade alles so richtig schwerfällt, vielleicht fühlst du dich aber auch schon seit geraumer Zeit nicht mehr so, als wärst du noch du selbst. Gut möglich, dass du gerade von Hoffnung befeuert oder aber hoffnungslos verzweifelt bist. Wer auch immer du bist und was auch immer du gerade durchmachst, wenn du dich mit deiner mentalen Gesundheit befassen musst, dann ist dieses Buch genau richtig für dich.
Dieses Buch zeichnet mein eigenes Ringen um meine mentale Gesundheit auf, vom ersten Symptom und dem ersten Therapiebesuch bis hin zu dem positiven Ort, an dem ich mich jetzt befinde – es ist eine ehrliche Reise der Genesung, voller Hochs und Tiefs, voller Rückschläge und Siege und allem, was ich auf dieser Reise gelernt habe. Ich schreibe dieses Buch, da nur wenige Menschen darüber sprechen, wie sehr sie mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, ganz unabhängig davon, wie verbreitet diese Erfahrung sein mag. Ich habe auf meine Erfahrung als Anfangspunkt zurückgegriffen, um mit dir über deine psychische Gesundheit und über das zu sprechen, was du vielleicht auch durchmachst – ob in der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft. Ich möchte dir zeigen, dass du selbst in den Momenten, in denen es dir am schlechtesten geht, ganz sicher nicht allein und vor allen Dingen auch nicht verloren bist. In der Ferne zeichnen sich deine Hochs schon ab.
Auf diesen Seiten beschreibe ich, was ich auf meiner Reise gelernt habe (und was ich wieder verlernen musste). In Bildern und Worten lasse ich dich teilhaben an Tipps, die ich auf meinem Weg aufgeschnappt und die mir das Heilen ermöglicht haben, an Hilfsmitteln zur Selbstfürsorge, die tatsächlich helfen können, an Bewältigungsmechanismen, die einem auf dem Pfad der Genesung als Rettungsboot dienen können, und an neuen Perspektiven, die man erlangt, wenn man sich erneut mit sich selbst anfreundet. Kurz, ich lasse dich daran teilhaben, wie ich gelernt habe, zu leben (und nicht nur zu überleben), sodass du meiner Erfahrung das entnehmen kannst, was für dich nützlich ist.
Dieses Buch behandelt schwierige Themen, darunter auch Suizid, Trauma und Trauer. Fühl dich nicht dazu verpflichtet, diese Passagen zu lesen, wenn du das Gefühl hast, dass sie jetzt gerade vielleicht zu schwer für dich sind. Ich habe sie mit aufgenommen, weil ich die tatsächlichen Gegebenheiten meiner Reise mit anderen teilen wollte und der Meinung bin, dass diese Themen kein Tabu sein sollten. Sie sind dann für dich da, wenn du bereit dafür bist. Diese Abschnitte sind jeweils mit folgendem Symbol gekennzeichnet:
Ich lade dich dazu ein, dieses Buch so zu lesen, wie du es brauchst, ob das nun von Anfang bis zum Ende ist oder ob du dir die Passagen herauspickst, die dir in einer schwierigen Zeit helfen sollen. Jedes Kapitel ist kurz und mit Illustrationen von mir versehen, und ich hoffe, dass du das, was du brauchst, wenn du es brauchst, auch ganz einfach findest. Außerdem möchte ich dich dazu ermuntern, etwas zu unterstreichen oder an den Rand der Seiten zu schreiben, die dich ansprechen, dieses Buch einer Freundin oder einem Freund zu leihen, der oder dem es in letzter Zeit nicht so gut ging, oder es aber für dich in den Momenten greifbar zu haben, wenn du es am meisten brauchst. Ich würde mich freuen, wenn du es so benutzt, wie es dir und den Menschen, die dir wichtig sind, am meisten hilft.
Hoffentlich dient dir dieses Buch als Erinnerung daran, dass es Millionen Menschen gibt, denen es ähnlich erging oder ergeht wie dir, und dass es Hunderte Wege gibt, wie wir heilen können. Mein größter Wunsch wäre es, dir bei dem, was du gerade durchmachst, ein kleines bisschen Hoffnung zu schenken – dir eine Hand zu reichen, die deine hält, auch wenn du das Gefühl hast, dass alles um dich herum zusammenbricht. Die Betrachtungsweisen, Tipps und Tricks auf diesen Seiten helfen dir vielleicht auch dann weiter, wenn du nicht genau weißt, was du brauchst, oder wenn du nicht genug Energie hast, um zu wissen, wo du anfangen sollst. Nutze die Teile dieses Buchs, die dich ansprechen, und hebe dir alles andere für einen anderen Tag auf.
Am meisten aber hoffe ich, dass dieses Buch dir als Erinnerung dafür dient, dass du dich um deine psychische Gesundheit kümmern und dich selbst wie jemanden behandeln sollst, der es wert ist, dass man ihn oder sie umsorgt – denn das bist du!
Ich weiß nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, dass mit mir etwas nicht stimmen kann. Aber ich vermute, dass ich dieses Gefühl schon sehr früh mit mir herumgetragen habe.
Meine Mutter hat mir erzählt, dass ich ein unglaublich einfaches Baby war – immer zufrieden und die meiste Zeit auch ruhig. Sie fragte sich deshalb schon, weshalb alle ein solches Getue um die Elternschaft machten. Ich lernte zu sprechen und hörte gar nicht mehr damit auf. Am liebsten fragte ich meine Großeltern über Gott und die Welt aus. Ich liebte ihre alten, handgebundenen Bücher, die sie von den Regalen holten, um meine Fragen zu beantworten. Ich hatte ein sehr aktives Seelenleben; ich erzählte mir Geschichten, die zu komplexen inneren Welten wurden, mit erdachten Menschen, Orten und Ereignissen, die sich im Lauf der Jahre des Tagträumens miteinander verbanden und ausdehnten. Schon sehr früh in meinem Leben war mein Geist ein heiliger Ort, an den ich mich gerne zurückzog. Wie sehr die Dinge sich doch ändern.
Je mehr ich von der Welt sah, je mehr neue Erfahrungen ich machte, umso argwöhnischer und ängstlicher wurde ich. Diese Gefühle nahmen in der Schule deutlich zu. Die meisten anderen Kinder schienen ganz unbekümmert, aber ich war zu nervös, um auch nur mit ihnen auf Bäume zu klettern. Häufig weinte ich heimlich mitten im Matheunterricht in der dritten Klasse, weil ich einfach gar nichts verstand. Ich habe zum ersten Mal in der Klasse Nasenbluten bekommen und dann mein Gesicht in den Händen verborgen, weil es mir zu peinlich war und ich die Aufmerksamkeit der anderen nicht auf mich ziehen wollte. Als der Lehrer mich dazu aufforderte, die Hände wegzunehmen, waren mein Gesicht und meine Hände mit klebrigem, zähflüssigem Blut verschmiert. Ich habe mich total geschämt. Später wurde eine Dyskalkulie bei mir diagnostiziert, eine Lernschwäche, die das Zahlenverständnis sehr erschwert, dazu ADHS, was das Konzentrieren generell eher schwierig gestaltet, es sei denn, ich interessiere mich wirklich für ein Thema.
Ich hatte das Gefühl, dass mit mir etwas »nicht ganz stimmte« – unter anderem, weil es mir auch genauso gesagt wurde. Ständig schimpften die Erwachsenen, dass ich übersensibel sei und mich in der Schule nicht genug anstrengen würde. Das wiederum regte mich auf, weil ich mir wirklich die größtmögliche Mühe gab – es war nur einfach nicht genug. Im Alter von vierzehn hatten mich schließlich die Angst und etwas anderes, das ich nicht genau erklären konnte, voll und ganz im Griff. Mir fiel auf, dass ich keine Neugier, Freude oder Zufriedenheit mehr empfand. Ich war mir nicht sicher, wann das aufgehört hatte, aber zu diesem Zeitpunkt war mir das wohl egal. Ich war ein Teenager, und als solche sind doch schließlich alle den Hormonen unterworfen und voller Angst, oder nicht?
Bei mir fühlte sich das aber nicht nach der typischen Teenager-Angst an. Eher so, als wäre mir der Teil des Gehirns, der für Freude verantwortlich ist, chirurgisch entfernt worden. Ich durchlebte lange Momente von höchstem Desinteresse und Verzweiflung – eine Dissonanz zwischen mir und allem anderen.
Mehrmals schrieb ich ein Testament in mein Tagebuch, fragte mich aber nie, weshalb. Ich besaß im Übrigen gar nichts Wertvolles – kein Haus und auch kein Auto –, somit waren diese Testamente völlig nutzlos, aber ich hatte einfach das Gefühl, dass ich das machen musste. Meine Stimmungsschwankungen verstörten meine Eltern, die immer besorgter wurden, je mehr ich mich in mich selbst zurückzog.
Als ich zwölf oder dreizehn Jahre alt war, vereinbarte meine Mutter einen Termin bei einer Therapeutin. Ihr Sprechzimmer war hell und voller Zimmerpflanzen. Eine Schale mit Anti-Stress-Spielzeug stand auf dem kleinen Tisch, zusammen mit einer frisch geöffneten Taschentuch-Packung, von denen eines leicht herausstand, wie eine kleine Erinnerung oder Aufforderung, dass sie benutzt werden durften. An den Wänden standen IKEA-Regale mit ordentlich eingeräumten Psychologiebüchern und einem großen gerahmten Druck von Matisse.
Ich fragte die Therapeutin, ob sie sich die Kunst für ihr Büro selbst aussuchen dürfe, und sie sagte mir, dass ihr noch niemand zuvor diese Frage gestellt habe. Sie war ziemlich »nüchtern«, aber auf eine Weise, die mir unangenehm war. Stellte ich ihr jedoch solche Fragen wie diese, über Sachen, die sie amüsierten, dann wurde sie etwas zugänglicher. Sie bat mich, Formulare über Depression auszufüllen, und stellte mir persönliche Fragen zu meinem Alltag. Sie fragte mich, ob ich sterben wolle. Ich wollte nicht sterben, zumindest hatte ich noch nicht darüber nachgedacht, obwohl ich schon mehrere Testamente aufgesetzt hatte.
Sie wollte wissen, ob ich schon lange depressiv sei, und ich erläuterte, dass es in Wellen komme. »Gibt es Momente, in denen du Freude empfindest?«, fragte sie. Ich dachte nie lange über ihre Fragen nach, ehe ich darauf antwortete. »Ja, an manchen Tagen bin ich so glücklich, dass es mir fast schon zu viel ist, aber das bleibt nie so. Ich werde immer wieder aufs Neue depressiv.«
Daraufhin verstummte sie, als wäre eine Lampe in ihrem Kopf angegangen, und sie tippte etwas mit einer Geschwindigkeit in ihren Laptop, die ich bei ihr noch nie zuvor gesehen hatte. Sie fragte mich, wie lange ich glücklich sei, ob ich dann weniger schlafe, ob ich während dieser Tage des Glücksgefühls impulsiv würde und schneller redete als sonst. Sie ließ mich neue Formulare ausfüllen, führte weitere psychologische Analysen durch und sagte mir schließlich, sie mutmaße eine bipolare Störung. Ich wusste nicht genau, was das sein sollte, nur, dass es bestimmt schlecht war.
Später an diesem Abend googelte ich »bipolare Störung«. Danach weinte ich so lange in mein Kissen, bis ich Kopfschmerzen und das Kissen einen Abdruck meines nassen Eyeliners hatte. Ich weinte, weil ich wusste, dass sie recht hatte und dass sich mein Leben für immer verändert hatte. Ein paar Wochen später kam die Bestätigung, und ich wurde auf eine Station für bipolare Störungen und Psychosen überwiesen. Ich hatte ein Team, bestehend aus einem Arzt, einer Psychotherapeutin, einer Psychiaterin, einer Ergotherapeutin, einer Sozialarbeiterin und einer Krankenpflegerin. Sie verabreichten mir Medikamente mit langen, unaussprechlichen Namen. Durch die Medikamente bekam ich Schwindelgefühle, zittrige Hände, Hautausschläge und auditive Halluzinationen, kurz bevor ich ins Bett ging, aber ich hatte auch weniger Stimmungsschwankungen, und genau darum ging es ja.
Ich kam mir vor wie ein wissenschaftliches Experiment, als würden mir meine Jugend und meine Privatsphäre genommen – wie ein Mensch, der krank war und um den sich alle Sorgen machten. Noch immer »stimmte irgendetwas nicht« mit mir, wie zuvor, aber jetzt hatte dieses »Verkehrtsein« Namen wie bipolar, generalisierte Angststörung, soziale Angst oder Panikstörung verpasst bekommen, und ich war aufgrund der komplexen Komorbidität der Störungen, die einander alle beeinflussten, »schwer zu behandeln«.
Rückblickend handelte es sich um ein umfassendes Anpassen, das sich wie das Ende von allem anfühlte. Ich trauerte um die vorherigen Versionen meiner selbst: Ich sehnte mich zurück nach meiner entspannten Baby-Version, nach der neugierigen Kleinkind-Version, sogar nach der selbstvergessenen, depressiven Dreizehnjährigen, die ich einmal war.
Das »Ich«, das ich jetzt bin, wünscht sich, ich könnte zurückgehen und mir sagen, dass ich niemals verkehrt, schlecht oder gestört war. Das »Ich«, das ich jetzt bin, hat so viel von diesen schwierigen Zeiten gelernt – über mich selbst und wie sehr wir alle auf unsere psychische Gesundheit achten müssen. Ich muss mich nicht von meinen dunkelsten Gedanken und den erdrückendsten Gefühlen verschlingen lassen, sondern kann sie als Hinweise für das erachten, was ich ändern, anpassen oder verarbeiten muss. Ich muss der leisen Stimme in meinem Hinterkopf nicht nachgeben, die mir manchmal einreden will, dass ich aufgeben soll, sondern kann stattdessen nach Wegen suchen, wie ich ihr das Gegenteil beweisen kann. Meine Genesung fing als langsame Umprogrammierung meines Geistes an, als ein Sezieren und eingehendes Betrachten der Teile, die ich so lange verdrängt hatte. Es ging darum, den Mut zu finden, den Heilungsprozess auszuhalten, nachdem ich das Leben mit einer psychischen Erkrankung so lange ausgehalten hatte. Ich wünsche, ich könnte dieses Buch in die Hände meines jüngeren Ichs legen und sagen: »Sieh nur, was du alles gelernt hast! Sieh nur, was du alles erreichst, wenn du dich selbst motivierst. Sieh dir diese Version deiner selbst an – sie liebt dich!«
Mit zwanzig erstellte ich meinen Instagram-Account, auf dem ich über meine Kämpfe mit mentaler Gesundheit erzählte und von den Lektionen berichtete, die ich in dem Versuch, den Ereignissen einen Sinn zu verleihen, gelernt hatte. Das war erlösend, und ich hoffte, dass meine Zeichnungen jemanden erreichten, der dieselben Kämpfe führte wie ich. Es wurde zu meiner kleinen sicheren Ecke im Internet, und zu meiner großen Überraschung bekam ich immer mehr Follower. Es sah ganz danach aus, als könnten mir mehrere Hunderttausend Menschen nachempfinden. Ich erhielt Kommentare wie »Als hätte ich es selbst geschrieben!« oder »Du hast etwas in Worte gefasst, was ich fühlte, aber nicht erklären konnte«. Das machte mir bewusst, dass meine Geschichte gar nicht so einzigartig war, wie ich gedacht hatte. Also fuhr ich damit fort, sie zu teilen, und habe Sinn darin gefunden – anderen zu helfen und dabei mitzuhelfen, eine Veränderung zu erwirken, wie wir geistige Krankheit wahrnehmen.
