"Seit Wochen laufe ich mir die Hacken krumm nach Arbeit. Ich will nicht mehr! Ich kann nicht mehr, Bronka,,," "Dann geh' nach Deutschland!" "Meine Zukunft war immer hier! Und bleibt auch hier!" Bogus und Bronka, Bruder und Schwester, sitzen in der Klemme. Ihr Geld reicht nicht aus, Ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen – mietfreies Wohnen in Masuren hin oder her. Die Geschäftsideen, die beide entwickeln, um zu Geld zu kommen, könnten unterschiedlicher nicht sein: Bronka möchte das Haus, in dem sie leben, zu einer Ferienpension umgestalten und hat sich deshalb eines Kredits versichert, den ihr ihre Freundin, die in Deutschland arbeitet, einräumt. Bogus will für die Finanzierung einer Imkerei bei der heimischen Bank vorsprechen. Doch Christoph Tetzlaf, den sein im Sterben liegender Vater aus Deutschland schickt, um die Gebeine der Großeltern auszugraben, die unter den Apfelbäumen im Garten der Geschwister liegen sollen, bringt alles durcheinander.
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Seitenzahl: 64
Veröffentlichungsjahr: 2018
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LITAG THEATERVERLAG MÜNCHEN
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Bogus – Imker, 48
Bronka – seine Schwester, 45 Jahre
Christoph Tetzlaf – Ende vierzig
Ort: Masuren. Ein kleines Dorf am See.
Und klopfte man an die Gräber und fragte die Toten, ob sie wieder aufstehen wollten; sie würden mit den Köpfen schütteln.
Später Vormittag im Haus der Geschwister Makulski – Wohnküche. Eine Tür links in den Hof, hinten rechts eine Tür, vorne links eine Tür die zu anderen Zimmern führen. Im Hintergrund ein Herd – ein Küchenschrank. Rechts vorn ein schäbiges Sofa, links, ziemlich mittig, ein Küchentisch mit vier Stühlen. An der Eingangstür hängt an einem Haken ein Imkerhut.
Bogus steht im Unterhemd in mitten der großen Wohnküche und wirft Dartpfeile auf ein Brett, das über dem Sofa hängt. Er wirkt dabei äußerst konzentriert und ernst. Ab und zu hört man von draußen Hundegebell. Bronka kommt mit einem Beil von draußen herein, wischt sich mit einem Taschentuch den Schweiß aus dem Gesicht.
BRONKA:
Auch schon auf? - Dein halbes Leben verschwendest du damit. Na wenigstens hast du 'n Hobby.
BOGUS:
Das ist kein Hobby. Das ist Zen.
BRONKA:
Ich dachte, das ist Dart.
BOGUS:
Man versucht mit dem Ziel zu verschmelzen.
(Bogus wirft den nächsten Pfeil. Der Pfeil saust neben der Scheibe in die Wand)
Manche brauchen dafür ein ganzes Leben.
BRONKA:
Na ja – du hast ja Zeit.
(demonstrativ.)
Übrigens: Guten Tag, Bogus! Die Dachrinne fällt bald ab. Die über der Haustür. - Hast du gehört?
(Das Beil landet krachend auf den Tisch.)
BOGUS:
Heute willst du’s also tun.
BRONKA:
Was?
BOGUS:
Mich umbringen.
BRONKA:
Pfarrer Bartolik kommt Morgen zum Essen. Nach der Messe.
BOGUS:
Also willst du den Pfaffen umbringen?
BRONKA:
Morgen gibt es Huhn. Coq au vin. Das ist Französisch und heißt: Huhn in Weißweinsoße.
BOGUS:
Das ist doch 'n polnisches Huhn.
BRONKA:
Geh jetzt.
BOGUS:
Mag kein Huhn.
BRONKA:
Los jetzt! Das Beil ist wieder scharf.
(Bogus wirft weiter die Pfeile.)
BOGUS:
Ich ess’ kein Huhn!
BRONKA:
Aber der Pfarrer. Los!
BOGUS:
Das interessiert mich nen Scheißdreck was dein Pfaffe mag! Mach’s doch selbst!
(Bronka nimmt eine Fliegenklatsche und schlägt wütend auf eine Fliege ein, die auf dem Tisch gelandet war.)
Hey, hey – is ja gut! Mörderin…
(Bronkasetzt sich an den Tisch, zieht Post aus derSchürze, öffnet sie hastig, überfliegt den Inhalt.)
Warum isst der Pfaffe schon wieder bei uns? Du stopfst den wie 'ne Weihnachtsgans.
BRONKA:
Das Kirchendach hat Löcher. Wir suchen eine Lösung.
BOGUS:
Lasst es doch so! Kommt endlich frische Luft in euren Miefladen.
(Bronka legt ihre Hände vor das Gesicht.)
Kopfschmerzen?
BRONKA:
Nein, Rechnungen. - Bogus? - Bogus?! Es geht mir nicht gut…
BOGUS:
So…
BRONKA:
Was machen wir mit den Rechnungen?
BOGUS:
Kontrollier erst mal, ob die auch wirklich an uns adressiert sind.
BRONKA:
Da steht dein Name drauf! – Bitte, hör jetzt auf mit diesem Mist!
(Sie tritt in seine Wurfbahn.)
Wir müssen reden. Wir reden einfach zu wenig miteinander.
BOGUS:
Wir reden zu viel. Immer wenn wir reden, streiten wir. Also reden wir zu viel.
BRONKA:
Wir gehen uns nur aus dem Weg…
BOGUS:
Ja. Und das hat Gründe. - Geh’ mir aus dem Weg.
BRONKA:
Ich wünsche mir, dass du wenigstens Guten Morgen und Guten Abend sagst.
BOGUS:
Redest doch den ganzen Tag mit deinen Hühnern! Reicht das nicht?
(Sie setzt sich wieder an den Tisch.)
Das ist schon gruselig, Da fragt man sich, ob du noch alle Tassen im Schrank hast?
(Stille.)
Hey, Bronka, wird schon. Ich habe 'n gutes Gefühl. Ehrlich.
BRONKA:
Bogus, ich habe einen Vorschlag…
BOGUS:
Ich auch. Reden wir nicht mehr.
BRONKA:
Aber –
BOGUS:
Musst dir keine Sorgen machen. Ich bin am Ball! Ich mach jetzt mein eigenes Ding.
(Bogus nimmt ein Buch vom Sofa, bringt es ihr.)
Da steht alles drin. Von A bis Z.
BRONKA:
(liest den Titel.)
„Schritt für Schritt zur eigenen Firma.“
BOGUS:
Ist so 'n Fernkurs. Hab’ ich mich angemeldet. Bronka - Ich mach’ ne Großimkerei auf…
BRONKA:
Imkerei…
BOGUS:
Eine Groß-Imkerei.
BRONKA:
Bogus – dafür braucht man Startkapital?
BOGUS:
Richtig!
BRONKA:
Und? Wer gibt dir dieses Geld…?
BOGUS:
Die da in dem Kurs, die helfen einem.
BRONKA:
Beim Geld drucken?
BOGUS:
Die helfen einem, jemanden zu finden, der einem hilft, eine Bank zu finden, die einem hilft.
BRONKA:
Die dir hilft Schulden zu machen! Mein Gott, Bogus – spiel lieber Dart!
BOGUS:
Du ziehst einen so runter!
(Er schleudert die Pfeile wütend in schneller Folge auf das Brett.)
Du könntest sogar nen Lottogewinner in den Selbstmord treiben!
BRONKA:
Ich habe Angst um dich - und um das Haus!
BOGUS:
Vertrau mir! Ist alles hier im Kopf! Das ganze Konzept!
BRONKA:
Das Haus wird nicht beliehen! Das kannst du vergessen!
BOGUS:
Du denkst immer nur negativ!
BRONKA:
Und du denkst gar nicht!
BOGUS:
Wird jetzt nicht hysterisch! Das ist das letzte, was ich jetzt gebrauchen kann! Ich stehe vor wichtigen Entscheidungen!
BRONKA:
(argwöhnisch.)
Welche Entscheidungen, Bogus?
BOGUS:
Zum Beispiel von wem ich mir welchen Anzug leihe.
(Bogus zieht ein Handy aus der Tasche, tippt darauf herum.)
BRONKA:
Wozu brauchst du einen Anzug?
BOGUS:
Ich hab’ nen geschäftlichen Termin.
BRONKA:
Wo? - Bogus, antworte mir!
BOGUS:
In einer Bank! Montag! In Danzig! Da wirst du plötzlich ernst genommen in so einem Anzug. Da reden die ganz anders mit dir. Da geht die Sonne auf! - Kapitel I.
(Sie schlägt das Buch auf – liest.)
BRONKA:
Kapitel I - „Der Anzug.“ - Du bist kein Unternehmer, Bogus!
BOGUS:
Woher willst du das wissen?
BRONKA:
Dir würd ich nicht mal nen Würstchenstand anvertrauen!
BOGUS:
Nur negativ!
BRONKA:
Dir Geld geben ist wie Wasser in ein Sieb gießen! Das hat Mama schon gesagt.
BOGUS:
Jeder entwickelt sich! Und ich entwickle mich gerade!
BRONKA:
Ja, sicher. Aber ein Schaf wird nicht zum Wolf.
BOGUS:
Musst du mich immer klein machen!? Du wirst dich bei mir noch entschuldigen! Meine Firma wird uns wieder auf die Beine stellen!
BRONKA:
Das Geld ist jetzt knapp!
BOGUS:
Das ist schon mal ne gute Nachricht! Ich dachte, es wäre überhaupt keins mehr da! – Ach, ich brauch nen Hunderter. Muss mein Geschäftshandy wieder aufladen.
BRONKA:
Weißt du, bisher habe ich dich geschont… Ich dachte: Verzeih ihm. Dein Bruder - das ist eben ein großes Kind. Aber das stimmt nicht. Du bist ein richtiger Mann: Du blähst dich auf, bist ignorant und beleidigst andere. Ja, du bist einfach ein ganz normaler Idiot.
BOGUS:
Geh zu deinen Hühnern. Sprich mit denen. Sag’ mal antworten die schon?
BRONKA:
Ja, ich habe dich zu lange entschuldigt. Aber das ist jetzt vorbei.
BOGUS:
Heißt das - du ziehst aus?
BRONKA:
Nein. Das heißt, dass sich jetzt hier einiges ändern wird.
BOGUS:
Du hast mir hier gar nichts zu sagen!
(Wieder verfolgt Bronka eine Fliege, schlägt wild drauf los. Er nimmt ihr die Fliegenklatsche aus der Hand.)
So erwischt du die nie… Ich sage mir jetzt: Es ist kein Problem sie mit einem Schlag zu erwischen. Überhaupt kein Problem…
(Er schlägt zu.)
Siehst du. Tot. Und was sagt uns das? Positiv denken! Dann hast du Erfolg.
BRONKA:
Gib mir mal dein Handy.
BOGUS:
Du musst auf den Stuhl. Hier unten ist heute kein Empfang. Ist dir hoffentlich klar, dass wir das deinem Pfarrer zu verdanken haben!
BRONKA:
Ein Kirchturm ist kein Ort für einen Sendemast.
BOGUS:
Stört der eure Verbindung ins Himmelreich?
